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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

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THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 

BUILDING USE ONLY 



PA3 
.P6 
Bd. 10 
1879-80 



This book is due at the LOUIS R. WILSON LIBRARY on the 
last date stamped under "Date Due." If not on hold it may be 
renewed by bringing it to the library. 



[J£I E RET. 


DATE 

DUE ,- 



















































































































































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in 2013 



http://archive.org/details/philologischeran10gtti 



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PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 

ALS ERGÄNZUNG \ 

DES 

PHILOLOGUS 

HERAUSGEGEBEN 



VON 



ERNST von LEUTSCEt. 



ZEHNTER BAND. 



1879. 1880. 



GOTTINGEN, 

VERLAG DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG. 

. 1880. 



Nr. 1. Januar. Februar 1879. 

Philologischer Anzeiger, 

Herausgegeben als erganzung des Pnilologus 



Ernst von Leutsch. 



1. Lexilogus zu Homer und den Homeriden. Mit zahl- 
reichen beitragen zur griechischen Wortforschung überhaupt wie 
auch zur lateinischen und germanischen Wortforschung. Von 
Anton Göbel. Erster band. Berlin, Weidmannsche buch- 
handlung. 1878. 623 s. 

Unter dem nach Buttmann's vorgange gewählten titel lexi- 
logus giebt der auf dem gebiet der homerischen Wortforschung 
seit lange thätige verf. hier den ersten theil einer Sammlung 
von etymologischen Untersuchungen zu Homer und den Home- 
riden , welche bis auf einzelne schon früher in Zeitschriften er- 
schienene hier zum ersten 'male ans licht treten. Es beschrän- 
ken sich diese Untersuchungen aber keineswegs auf die nach 
sinn und etyniologie besonders schwierigen homerischen Wörter, 
sondern sie erstrecken sich, wie auch der zusatz auf dem titel 
hervorhebt, im weitesten umfang auf das ganze etymologische 
gebiet nicht nur der homerischen, sondern der griechischen 
spräche überhaupt, mit vielfacher beziehung auch auf die latei- 
nische und germanische Wortforschung. Ein gut theil des buches 
beschäftigt sich ferner mit der erforschung der zum theil so dunkeln 
mythologischen namen. Gleichwohl bleibt der größere räum im- 
merhin der Untersuchung der für das verständniß der homeri- 
schen gedichte selbst unmittelbar in frage kommenden schwieri- 
gen Wörter. 

Bei der großen fülle des gebotenen neuen ist es hier nicht 

möglich auf alle seiten der Untersuchung näher einzugehen. 

Von der rein sprachlichen seite derselben glaubt referent um so 

mehr absehen zu sollen, als dieselbe bereits von competenter 

Philol. Anz. X. 1 



2 1. Homeros. Nr. 1. 

seite genügend erörtert und beurtheilt ist. Auch die deutungen 
der mythologischen namen bleiben zweckmäßig dem urtheil der 
specialforscher auf diesem gebiete überlassen. Dagegen mag 
hier die eigentlich philologische seite der Untersuchungen , die 
wortdeutung im verhältniß zu dem Sprachgebrauch des dichters 
und im Zusammenhang mit der erklärung der einzelnen stellen, 
näher ins äuge gefaßt und damit die frage geprüft werden : 
welchen gewinn erfährt die interpretation des dichters durch die 
vorliegenden Untersuchungen? 

Da legt nun der gewählte titel des buches selbst es nahe 
das verfahren des Verfassers mit dem seines Vorgängers zu ver- 
gleichen. Buttmann stellte in der vorrede als wesentlich und 
charakteristisch für sein verfahren den grundsatz auf, den Sprach- 
gebrauch des dichters möglichst aus ihm selbst zu entwickeln. 
Ein zweiter grundsatz aber lautet bei ihm, die etymologische Un- 
tersuchung erst an letzter stelle hinzutreten zu lassen, wenn die 
bedeutung der Wörter auf den nächsten wegen (dem homerischen 
Sprachgebrauch selbst , sodann dem der nächstfolgenden sprach- 
periode und an dritter stelle der grammatischen Überlieferung, 
sowie dem gebrauch der späteren dichter) entweder gar nicht 
oder nicht mit hinlänglicher Sicherheit sich ergebe. Den er- 
sten dieser grundsätze nun wird der verf. des neuen lexilogus 
ohne zweifei in gleicher weise für sich in ansprach nehmen, 
denn derselbe bringt wenigstens für die schwierigeren Wörter keine 
etymologie vor, ohne darauf hin den Sprachgebrauch des dich- 
ters zu prüfen. Nicht so den zweiten grundsatz. Der verf. ist 
der untrüglichkeit seiner lautgesetze so sicher, daß die etymolo- 
gische forschung keineswegs an letzter stelle zu hülfe gerufen 
wird, sondern entschieden in den Vordergrund tritt. Dieses von 
dem Buttmanns so entschieden abweichende verfahren mag durch 
den inzwischen veränderten Standpunkt der Sprachwissenschaft 
sich erklären und seine berechtigung haben, mißlich aber ist 
dasselbe, wenn die gefundenen und fortwährend angewendeten 
lautgesetze in Wirklichkeit nicht den grad der Sicherheit haben, 
den der verf. ihnen beimißt. Gegen die daraus sich ergebenden 
großen gefahren giebt es nur ein sicheres Schutzmittel, die ge- 
naue erforschung des Sprachgebrauchs und eine besonnene inter- 
pretation, welche unbefangen das bedürfniß der einzelnen stellen 
untersueht und danach die berechtigung der gefundenen deutung 



Nr. 1. 1. Homeros. 3 

prüft. In dieser beziehung findet referent nun in dem verfahren 
des verf. nicht die Selbstbeherrschung und ruhige objectivität, 
die allein ein sicheres correctiv für die zum theil so gewagten 
combinationen bilden könnte. Nur zu oft geschieht es , daß die 
freude über das gefundene neue den blick dermaßen trübt, daß 
derselbe beziehungen in dem zusammenhange der einzelnen stel- 
len findet, welche sich dem unbefangenen beobachter nicht bie- 
ten, und sich zu ganz unhaltbaren Interpretationen verleiten läßt. 
Der verf. operirt mit einer anzahl urwurzeln, durch ablaut 
variirter wurzeln und Wurzelerweiterungen mit dem grundbegriff 
des hauchens, ja er geht so weit zu behaupten, daß jede 
urwurzel „hauchen" bedeute, was er seltsam genug damit be- 
gründet, daß jeder lautcomplex in dem sinne der von Gr. Cur- 
tius Etym. p. 45 für den begriff der wurzel gegebenen erklärung 
hervor geh au cht werde, durch hauch entstehe, ja selber 
hauch sei (vorrede p. VIII). Sehen wir von dem mißlichen 
dieser Voraussetzung ab , auf der wurzel «p „hauchen" beruht 
unter andern die neue erklärung p. 46 ff des schwierigen tjis 
in 365 und T 152, nämlich tönend d. i. canorus, und zwar 
wird das wort in dem zusammenhange gefaßt an der ersten 
stelle: „ebenso warfst du auch jetzt, Phoebus, o wohltönender 
(d. h. der du sonst mit gesang und saitenspiel dich und die 
götter ergötzest) , das mühsalreiche und jammerselige werk der 
Achäer zusammen", an der zweiten : „die gegnerischen götter 
saßen jenseits auf den brauen des hügels Kallikolone um dich 
her, o Phoebus, wohltönender (d. h. der du sonst auf dem 
Olympos die phorminx meisterst) und um den städteverwüster 
Ares". Pur diese erklärung wird einmal geltend gemacht, daß 
das wort in dieser auffassung der für &oipot; , mit dem es ver- 
bunden ist , gefundenen bedeutung inspiratus gut entspreche, so- 
dann, daß es wunderlich zugehen müßte, wenn bei den zahlrei- 
chen epitheten Apoll's kein einziges von der sangeskunst des 
gottes her entnommen worden wäre ; endlich findet der verf. es 
bedeutungsvoll, daß das adjectiv nur in der anrede vorkommt 
und an beiden stellen jedesmal nur da steht, wo Apollo als 
kämpfer auftritt oder aufgetreten war. — Sehen wir von dem 
ersten kriterium ab, dessen werth wiederum von der Sicherheit 
oder Unsicherheit der deutung für <Uolpo$ abhängt, so sind die 
beiden andern von so zweifelhafter natur, daß man eher geneigt 

1* 



4 1. Homeroä. Nr. 1. 

sein könnte sie gegen die gefundene deutung geltend zu machen. 
Gerade das fehlen jedes hinweises auf die sangesgabe Apollons 
in den diesem gott bei Homer gegebenen epitheten — sollte es 
nicht vielmehr die annähme wahrscheinlicher machen, daß eben 
zu den ältesten anschauungen von diesem gotte, wie sie in den 
alten namen und epitheten desselben niedergelegt sind, die von 
der sangesgabe desselben noch nicht gehörte ? wie denn Apollon bei 
Homer wohl als phorminxspieler, aber nicht als sänger erscheint. 
Und was berechtigt vollends in der anrede des gottes einen sol- 
chen gegensatz zu dem umgebenden gedanken zu sehen, wie 
ihn der verf. durch die mit einem willkürlichen „sonst" einge- 
leitete Umschreibung gewinnt? Als ob die Situation oder thä- 
tigkeit , worin der gott an beiden stellen vorgeführt wird , eine 
seinem eigentlichen wesen so widersprechende wäre, daß ein sol- 
cher gegensatz sich ungesucht ergäbe! In der that ist es sehr 
zu bezweifeln, daß diese aufiassung des vocativs, wobei demsel- 
ben als dem „ausdruck einer besonderen theilnehmenden, hinge- 
benden Verehrung für den gott der sangeskunst seitens des dich- 
ters selbst" ein „eigenthümlicher , wunderbar tiefsinniger, ethi- 
scher character" beigelegt wird, mit einer gesunden, unbefan- 
genen Interpretation des dichters verträglich ist. 

Qiacpatog wird p. 77 abweichend von der gewöhnlichen 
etymologie zerlegt in &e-aq)u-Tos, indem als zweites element 
wurzel oya hauchen, tönen, vorausgesetzt wird, und erklärt: 
gottgehaucht. Diese ursprüngliche bedeutung soll noch in 
ösocpuTog ihjQ tj 143 erkennbar sein, während im übrigen das 
wort gottgesprochen und t weiter fatalis gedeutet wird. Aus 
der letzteren bedeutung wird nun für adiaqiazog = confatalis 
die erklärung verhängnißvoll gewonnen und durchzuführen 
gesucht. Ich hebe hier nur die Interpretation der beiden stellen 
X 373 und o 392 heraus, wo jene deutung indeß variirt wird 
in: gottgewollt, vom Schicksal geordnet. Zu der er- 
sten stelle wird gesagt: „die herbstnächte sind wegen der nebel 
etc. noctes fatales, wie denn überhaupt oXotj vv£ X 102, X 19 
gesagt wird. Alkinoos scheut sich in religiöser scheu die nacht 
eine oXorj oder böse zu nennen; darum — nennt er sie fatalis: 
„diese nacht ist ja sehr lang , eine dem götterrathschlusse ge- 
mäße"; es liegt eben in der gottgewollten Ordnung der 
dinge, daß diese nacht so ist". Und zu der zweiten stelle heißt 



Nr. 1. 1. Homeros. 5 

es : „diese nachte sind verhängnißvolle , sind vom Schicksal ge- 
ordnet , sind dem Schicksale , der Ordnung der natur gemäß so, 
wie sie eben sind. Es scheut sich der hirt deutlich zu sagen, 
daß sie oXoai seien ; das deutet er nur scheu und ehrfurchtsvoll 
an". — An beiden stellen dient der gedanke , daß die gegen- 
wärtige nacht oder die nachte ufteoqiaroi sein, zur motivirung 
der aufforderung das bisherige gespräch noch weiter fortzusetzen und 
an beiden stellen spricht der redende, hier seine eigene freude 
an dem gespräch, dort die Voraussetzung, daß dasselbe auch dem 
angeredeten freude mache, ausdrücklich aus. Wie in diesem zu- 
sammenhange demnach irgendwie der gedanke an das verderb- 
liche dieser herbstnächte einen halt haben könne, ist schlechter- 
dings nicht zu sehen. Ueberdies hätte der an beiden stellen 
sich anschließende gedanke, daß es mit dem Schlafengehen nicht 
eile, daß auch vieler schlaf lästig sei, den Verfasser von der 
deutung des Wortes auf eine gottgewollte Ordnung zurückhalten 
müssen. 

Wie gefährlich ferner die Voraussetzung des verf. ist, daß 
die epitheta immer der Situation entsprechen sollen, zeigt in 
auffallender weise die deutung von SnnsTriq p. 93 f . , welches 
nach dem verf. für dii-cjnt-TTjg steht und zu derselben wurzel 
ans = ana hauchen gehört, wie acmrog, üeansciog, und mit 
dem letzteren sich deckend die bedeutung haben soll: gottge- 
haucht. Danach ist ihm der fluß der insel Scheria, „derselbe, 
welchem £ 85 der dichter qoov neQtxallsa beilegt, von solcher 
reinheit , daß er auch noch so schmutziges zu reinigen vermag", 
wenn er r\ 284 dimeTrjg genannt wird, gottgehaucht oder gott- 
heitstrahlend, gottstrahlend. Verwandt ist die deutung von 
ßr}).ng &t67T?6iog A 591 als einer glücklichen bezeichnung für 
den gottheitstrahlenden himmel. Es bedarf kaum der be- 
merkung, wie gesucht und unwahrscheinlich diese erklärung an 
sich, wie schwer sie aus der angenommenen grundbedeutung 
abzuleiten ist, wie unhaltbar namentlich die beziehung auf die 
£ 85 gerühmten eigenschaften des flusses in den worten des 
Odysseus rj 284 ist, da dasselbe wort <t> 268. 326 von dem 
,, wildangeschwollenen, mit schäum, blut und leichen angefüllten 
Skamander" in dem sinne von a deo, Jove inflatus und ebenso 
vom Nil und Spercheios gebraucht sein soll. Wer vermag diese 



6 1. Homeros. Nr. 1. 

fast entgegengesetzten anschauungen in demselben worte zu ver- 
einigen? 

Einen ähnlichen beleg für die subjective art den dichter 
zu interpretieren und durch gesuchte beziehungen eine stütze 
für die gefundene etymologie zu gewinnen giebt die behandlung 
des Wortes daxsXtjg p. 561 ff. Aus wurzel cxaX hauchen wird 
durch den vermittelnden begriff rauchen, nebeln, dunsten, 
die bedeutung düster, finster erschlossen. Die hauptstützen 
für diese deutung ergeben sich dem verf. aus x 456 ff., wo sv 
svqtQOGvvrj in offenbarem gegensatze zu äoxeXhg stehe, und 5 543, 
wozu bemerkt wird: „Diese worte stehen in ausdrücklicher be- 
ziehung zu der unmittelbar voraufgehenden beschreibung (538 ff.): 
„Aber mir brach das liebe herz und ich weinte auf den sand- 
dünen sitzend, und nicht wollte mein herz mir noch länger 
leben noch das licht der sonne schauen". Menelaus 
war hiernach dem finstersten trübsinn verfallen*, der mee- 
resgott aber fordert ihn auf, nicht so finster, nicht so 
trübsinnig zu weinen". Nun aber fordert an der ersten 
stelle das vvv 8s k 463 den gegensatz von aaxeXseg zunächst in 
dem vorhergehenden zu suchen, und daß die worte ov8s notir 
vpuv Ov/j-dg iv svyooovvt] ihren gegensatz nicht in donsXhg ha- 
ben, zeigt ganz deutlich die directe beziehung von ovds notf zu 
utiv in den Worten alsv aXqg %aXenrjg (iefivrifiivoi^ an welche sich 
die folgenden worte als gegensatz, aber in einem selbständigen 
satze anschließen. Vollends mißlich ist es aber an der zweiten 
stelle in daxsXsg ovreog eine directe beziehung auf die worte 
ovds vv [aoi xrjg tj&eV sri £cosiv xal ogäv q> d o g tjsXioio zu 
sehen, da diese worte wohl die das weinen des Menelaos beglei- 
tende seelenstimmung bezeichnen, aber keineswegs die art seines 
weinens bestimmen, so daß aaxelig in Verbindung mit nXaisiv 
unmittelbar darauf bezogen werden könnte. Ueberdies würde 
die Verbindung von uaxeXeg xXaCsw in dem gewollten sinne: 
finster, trübsinnig weinen, sich von aller analogie mit 
der sonst üblichen adverbialen modification dieses verbums völlig 
entfernen. 

Eeferent hat die angezogenen deutungen herausgehoben, 
um an einigen beispielen zu zeigen, auf wie unsicheren grund- 
lagen zum theil die vom verf. gegebenen neuen worterklärungen 
beruhen und wie denselben gegenüber die größte vorsieht ge- 



Nr. 1. 1. Homeros. 7 

boten ist. Dem gegenüber ist andrerseits anzuerkennen, daß 
die Untersuchungen des verf. doch hie und da auch annehmbar 
resultate ergeben, in anderen fällen wenigstens die den bisheri- 
gen deutungen anhaftenden bedenken und schwächen aufdecken, 
für andere worte die begriffsbestimmungen schärfer fixieren und 
mannigfach zu neuer Untersuchung eine förderliche anregung 
geben. Zu den ansprechenden und zugleich besser begründeten 
deutungen gehören die von extjßölog und iitatyßoXog unter 
annähme eines Substantivs t'aog von wurzel e (Jr/ui) und ky.ä%r\ = 
missile, telum, vielleicht auch die von sxdsQyng aus wurzel varg, lat. 
verg-ere = pfeile niederwärts richtend, ttqo^w jählings aus 
dem herodoteischen ngöxa erschlossen, rjia aus wurzel ap s ättigen 
= nahrung, «368 speciell getreide. Beachtenswerth schei- 
nen auch die erklärungen von n()äfxvuog ohog = wildreben- 
wein, aiyü>%og von a\y- und wurzel pe% (veho) = der im Sturm- 
wind, in wettern einherfahrende. Durch eingehende 
prüfung des gebrauchs wird die noch immer schwankende auf- 
fassung von svgvona mit Wahrscheinlichkeit bestimmt als weit- 
donnernd, die für naXdftTj übliche deutung = flache hand 
zurückgewiesen. Eine richtigere begriffsbestimm ung, wenn gleich 
bei zweifelhafter etymologie, erfahren die worte nanzaivco, nzv^, 
i]7i£8av6g, GLcploco 3 cpgi^ und qiQt'aaco u. a. Eine eingehende 
Untersuchung ist auch dem axtschießen und dem Schiffsbau in 
der Odyssee gewidmet. Hinsichtlich der ersteren gebührt dem 
verf. jedenfalls das verdienst die der jetzt üblichen erklärung 
anhaftenden zweifei und bedenken erkannt und hervorgehoben 
zu haben, dagegen scheint durch die vom verf. selbst gegebene 
erklärung die frage noch nicht erledigt, denn auch gegen diese 
wird sich im einzelnen mancherlei einwenden lassen. Die neue 
erklärung der stelle vom Schiffsbau in Od. s aber dürfte nach 
den Untersuchungen von Grashoff und Brieger keinen fortschritt 
bezeichnen. 



2. Homers Odyssee übersetzt und erläutert von Wilhelm 
Jordan. Frankfurt a. M., W. Jordans Selbstverlag. 1875. Leip- 
zig, F. Volckmar. XLH u. 566 p. 8. — [S. PhAnz. VHI, 6, 
p. 284. — E. v. L.) 

Gut ding will weile haben. Ein gut ding ist Jordans über- 



3 2. Homeros. Nr. 1. 

Setzung und erläuterung der Odyssee; darum wird man es ent- 
schuldigen, wenn wir erst jetzt eine besprechung bringen. Ohnehin 
giebt Jordan so viel neues, originelles, zuerst fremd anmuthendes, 
daß man sich erst durch öfteres lesen und betrachten hinein- 
gewöhnen muß. Scheut man diese mühe nicht , vermag man 
vorurtheilsfrei zu prüfen, so wird man sich reichlich belohnt 
finden. — Mit diesen bemerkungen will ich mich als einen Ver- 
ehrer Jordans einführen, ohne mich deshalb zu den unbedingten 
und kritiklosen bewunderern , wenn es deren giebt , zu zählen. 
Doch zur sache! 

Die einleitung entwickelt die bei der Übersetzung und er- 
läuterung befolgten grundsätze. Sie hebt zuerst hervor, daß wir 
kaum für den fünften theil des homerischen Sprachschatzes de- 
ckende deutsche ausdrücke aufzutreiben vermögen (z. b. (pQ-yv, 
cpgevss, lüTng, xavmv, xsgxtg), daß also eine wörtliche wiedergäbe 
von vornherein ein ding der Unmöglichkeit sei. Eine sogenannte 
wörtliche Übersetzung ist noch lange keine poetische nachbil- 
dung, und diese letztere will Jordan als „erfahrener rhapsode 
und selbstschaffender epiker" erreichen. Daß er allein sich 
den beruf dazu beimißt, müssen wir ihm glauben, wie- 
wohl es mehr als fraglich erscheint, ob seine Vorgänger, Johann 
Heinrich Voß mit eingeschlossen, „keinen begriff von der epischen 
kunst" hatten. Das erste geschäft des kunstgeübten epikers nun 
ist, die später auf- und eingehefteten flicke, welche die home- 
rische dichtung verunstalten, wieder herunterzureißen. Sodann 
gilt es, die Zufälligkeiten des echten textes von dem wesentli- 
chen zu unterscheiden , die „poetischen Störungen" zu meiden. 
Diese theorie ist sehr sinnreich und mir wenigstens einleuchtend. 
Denn so hoch man von der homerischen poesie denken mag: 
„das ideal des schattenlos klaren gedankens und das ideal des 
reinen Wohllauts bei strenger erfüllung des musikalischen ge- 
setzes" hat doch auch sie nicht immer erreicht , wenn wir uns 
auch von ihrer vollen Wirkung als gesungener poesie freilich 
keine Vorstellung mehr machen können. Es geht uns da leider 
ebenso , wie mit den chören der tragödie und dem minneliede 
des mittelalters. Also davon abgesehen halte ich es für richtig, 
daß Homer die hexameter keineswegs mühelos aus dem ärmel 
geschüttelt hat und daß es versnoth war, wenn die prosodik so 
gröblich verletzt wird , daß der zweifelloseste iambus insi den 



Nr. 1. 2. Homeros. 9 

hexameter anfängt. Dabin gehören kakophonien wie ol ol "nono, 
die aoriste statt der perfecta und plusquamperfecta u. a. ; ob 
aucb die übermäßige anwendung der partikelcben ys, ts, ao, uiv 
u. a. , bleibe dabin gestellt. Wir würden das nur entscheiden 
können, wenn das griechische unsere muttersprache wäre. Zwei- 
felhaft bin ich auch , ob der gebrauch der epitheta ornantia aus 
dem bedürfniß nach füllstücken zu erklären sei. Uns muthet 
es allerdings sonderbar genug an , wenn der Cyklop der „groß- 
herzige menschenfresser" titulirt wird ; ob aber auch die Griechen 
des homerischen Zeitalters? Jordan behauptet es. Das aber 
scheint mir unfraglich, daß diese dinge jenseits der eigentlichen 
Schönheitslinie liegen und der nachbildner sich nicht sklavisch 
an sie zu binden braucht, daß er vielmehr wohlthut, „die über- 
kommene rhapsodengewohnheit (nach den im Homer vorliegenden 
ansätzen) durch weise einschränkung durchweg zu einem haupt- 
werkzeug der epischen plastik und Charakteristik zu verfeinern" 
— wenn er es kann. Frei mag er auch mit den homerischen 
titulaturen, würde- und Standesbezeichnungen verfahren, nur nicht 
so frei , daß er alles modernisirt , was einem geschmackvollen 
manne wie Jordan natürlich nicht einfällt. Nicht gewöhnen kann 
ich mich an die deutsche assimilation mancher eigennamen : ein 
Odyß, Antin, Alkin stören mich, unerträglich kommt mir Nausika 
Statt Nausikaa vor. Sehr fein und richtig dagegen finde ich 
die Übergänge vom dialog zur erzählung behandelt. Man muß 
die überzeugende erörterung auf p. XXVI u. fgg. selbst nach- 
lesen. Hier trägt allerdings die sklavische nachahmung einen 
nicht geringen theil der schuld daran, „daß sich zu dem schlich- 
ten fluß und glatten wohllaut des homerischen textes die . für die 
zunge anstoßvolle, für gehör und Sprachgefühl widerhakige rauh- 
heit der deutschen nachbildung ungefähr verhält wie zu feinfüh- 
lig geschorenem sammet die Oberfläche einer dräthenen flachs- 
hechel". Zugestehen müssen wir auch, daß der Übersetzer, wenn 
möglich, eine etwa mißtönige Wiederholung desselben Wortes nicht 
nachzumachen braucht, sowie er solche „Proteusworte" wie äai- 
poviog, (S%ft}ioi,> u. a. gar nicht durch denselben ausdruck wie- 
dergeben kann. Es kommt bei ihnen darauf an, die grundvQr- 
stellung zu ermitteln, um die gleiche oder nächst ähnliche deutsche 
zu gewinnen. Minder peinlich würde ich sein in andern (bild- 
lichen) Vorstellungen und z. b. ruhig die worte „dem zäun der 



10 2. Homeros. Mr. 1. 

zahne entfliehen" lassen; sagt doch auch Lessing in Minna von 
Barnhelm : lieber die schönsten zahne nicht gezeigt , als jeden 
augenblick das herz darüber springen lassen. Ob das so ganz 
deutsch ist? — Was endlich den hexameter betrifft, so wis- 
sen wir ja, welch eine discrepanz zwischen vers- und wortaccent 
besteht, und ich halte es für verlorene liebesmühe, dieselbe beim 
lesen ausgleichen zu wollen. Die m u s i k der griechischen verse 
ist für uns unwiederbringlich verloren. Aber darum brauchen 
wir nicht auf eine musikalische betrachtung der verse zu ver- 
zichten , und es ist gewiß nicht richtig , daß die metriker sich 
mit nur zwei dementen , längen und kürzen, in mechanischer 
abzählung oder rechnung begnügen. Doch das geschieht ja auch 
nicht mehr durchweg und Jordan hat ganz recht, meine ich, 
wenn er für den iambus, trochäus, dactylus, anapäst dieselbe 

taktdauer annimmt. In noten ausgedrückt: iambus 4 ß, ana- 

F F » » r 'FF I t r 

päst 4 4 ß , trochäus ff 4 > daktylus ß 4 4} oder auch : ß . 4 > 

» r r » i r f • f' r ' , L 

r 4 4-> ß 4 • 4i ß 4 4 . — Damit ist denn der trochäus 
im deutschen hexameter völlig legitimirt und was gegen Vers- 
füße wie Wahrheit, Sehnsucht = ß . 4 , aufgänge , rüstung des 
— ß J . . 4 , huldigung = ß 4 4-* einzuwenden wäre, wüßte 
ich nicht. 

Soweit die einleitung und die theorie. Ueber die ausfüh- 
rung hat uns der autor das urtheil von vornherein abgeschnitten. 
Denn wie die homerischen verse gesungen wurden, so verlangt 
er, daß seine deutschen hexameter laut gelesen, gut und mit 
rhapsodischer kunst recitirt werden: nur so könnten sie zu ih- 
rer vollen Wirkung gelangen und eine richtige Würdigung er- 
fahren. Da ich nun weder selbst ein rhapsode oder auch nur 
gut und musikalisch lesen kann, auch keine gelegenheit gehabt 
habe die Odyssee so lesen zu hören, so bin ich außer stände 
mir ein wohlbegründetes urtheil über Jordans hexameter zu bil- 
den. Daß aber der dichter der Nibelungen und Übersetzer des 
Sophokles seinen vers zu machen versteht, dürfen wir ihm schon 
zutrauen. 

Ist die Übersetzung für den weitern kreis der gebildeten be- 
rechnet, die nicht soviel griechisch verstehen um den Homer 



Nr. 1. 2. Homeros. 11 

in der Ursprache zu lesen, so wird sich der philologe besonders 
für die anmerkungen interessiren, welche sich über die Ökonomie 
des gedichts gelegentlich äußern und werthvolle beitrage zur 
wort- und sinnerklärung wie zur kritik geben. Selbstver- 
ständlich kann ich nicht jede note behandeln und an einer re- 
gistrirung mit einem zustimmenden oder ablehnenden wort wird 
weder dem Verfasser noch dem leser etwas liegen. Es genügt, 
die methode an einzelnen bemerkungen zu zeigen und von der 
bedeutung des geleisteten eine ungefähre Vorstellung zu erwecken. 
Gleich die beiden ersten anmerkungen verdienen beachtung. 
"Evvsns ist nicht mit „nennen" zu übersetzen. Od. XXIV, 414 
wird es von der Ossa, dem personificirten gerücht gebraucht, 
dort wäre es am schärfsten wiederzugeben durch unser „zurau- 
nen". Aehnlich hier : nach seiner bildung heißt das wort „ein- 
worten , einsagen , souffliren", es ist das technische wort für die 
eingebung, durch welche die Muse zum dichter redet , also : 
Gieb mir die mähr ein, oder: Lehre mich das lied. — Den 10. 
vers habe ich nie so vortrefflich erklärt gefunden. Ich will die 
betreffende anmerkung wörtlich abschreiben. „Nachdem v. 1 — 
9 den beiden des epos und das wesentliche seines Schicksals 
gekennzeichnet, zieht der zehnte die begrenzung, nicht etwa 
des überhaupt zu behandelnden Stoffes, sondern der directen 
erzähl ung, der vom dichter selbst als eingebung der 
Muse vorzutragenden handlung des epos. Diese handlung 
soll beginnen von einem hier nur ungefähr angedeuteten , aber 
alsbald schärfer zu bezeichnenden punkte, nämlich erst nach 
erfolgtem untergange sämmtlicher gefährten des beiden. Die 
Muse weiß alles auf das genaueste. In der lückenlosen folge, 
welche der directe Vortrag anstrebt , wäre das aber viel zu viel 
für uns d. h. die lauschenden Zeitgenossen des dichters und 
rhapsoden. Darauf verzichtend müssen wir uns begnügen den 
faden aufzunehmen nach dem verlust der mannschaft. „Aber 
wenigstens nach diesen begebenheiten irgendwo einsetzend be- 
ginne der musenbericht". Das ist der sinn von tot äno&sv 
ys . . . Auch alles irgend bedeutsame und wissenswerthe von 
dem früherliegenden wird vorkommen, aber nicht als vom dichter- 
musenmund , der als solcher nur das drama vorträgt , sondern 
als von personen dieses dramas im laufe der handlung und zu 
ihrer förderung erzählt, als episode". — ' AzQvytTog (I, 72) 



12 2. Homeros. Nr. 1. 

erklärt Jordan auf „rastlos bewegt" rathend. Allerdings muß 
es, weil es II. XVII, 425 vom äther vorkommt, eine eigenschaft 
bezeichnen , die dem meere gemeinsam ist mit dem luftreich ; 
aber warum kann diese nicht „öde" sein? — Fein erscheint 
mir die bemerkung zu nsnvvfiivog (I, 212), wodurch Telemach 
charakterisirt werden soll als der eben zum männlichen bewußt- 
sein erwachte, als der schon, aber noch nicht ganz verstän- 
dige , wie er freilich im ganzen verlauf des epos erscheint. — 
Ob die auseinandersetzung über Qo8o8dx.tv%oQ = rosen fingernd 
d. h. rosen streuend richtig ist, wage ich nicht zu entscheiden. 
Ich wünschte, sie wäre es ; plausibel genug ist sie. — Unzwei- 
felhaft richtig dagegen erscheint mir die deutung von xvrwntjQ, 
xvvwnig zu IV, 146. Frechheit und Schamlosigkeit liegt nicht 
im blick und gesichtsausdruck des hundes. In auffälli- 
gem contrast zur wunderbar fein und weit witternden nase hat 
der hund blöde, kurzsichtige äugen. Unser derbes „hundeblind" 
deckt sich mit xvvcÖTzrjg, Sinnbildlich vom menschen ausgesagt 
bezeichnet es den mangel an voraussieht, den zustand der Ver- 
blendung, der alle einsieht aufhebenden leidenschaft, der blinden 
begier, die nur ihre befriedigung sieht, aber nicht was hinter 
ihr liegt, und, indem sie ihr unbekümmert um die folgen zustürzt, 
allerdings auch zur Schamlosigkeit werden kann. Vergl. II. III, 
180. I, 159. 225. XVIII, 396. Od. VIII, 319. Die von Jordan 
angenommene bedeutung paßt meines erachtens auch sehr wohl 
auf die beiden stellen bei Euripides Elect. 1252 : 

Sarai 8s Ktjfjig a ai v.vr c6u iSs $ &sai 

ZQO%i]lar>'iaova 1 iftfxavtj nXarcofxsror. 
und Orest. 260: 

co (I->oiß\ dnoxrstovoi jit' a't xvrooni8s$ 

yoQyä)7ieg ivsgoav legiai, Betrat &eai. 
Wenn nach anführung dieser stellen Passow-Eost erklärt: „bei- 
wort der Keren und Furien, weil sie auch das grausenvollste zu 
erblicken sich nicht scheuen", so will mir das wenig einleuchten. 
Um ein erblicken des grausen vollsten handelt es sich hier 
gar nicht, sondern um die blinde leidenschaftliche gier und wuth 
der Verfolgung. Ob auf bildwerken die Furien etwa mit den 
häßlichen blöden und triefenden äugen, so ähnlich wie sie hunde 
haben, erscheinen, kann ich im augenblick nicht sagen. Jeden- 
falls bezeichnet nvrmnig die besonders auffällige eigenschaft der 



Nr. 1. 2. Horaerog. 13 

äugen des hundes und ist ein gegenstück zu yXavxmnig, ein seiten- 
stück zu. /m-'ooxp. Was aber bedeutet /xigoxp? Darüber führt Jordan 
eine sehr eingehende Untersuchung zu XX, 49, durch welche er zeigt, 
nach welcher methode man sich die homerische bedeutung eines Wor- 
tes zuweilen erst zu erarbeiten hat. „Vom verständniß der späteren 
Griechen für ihren größten dichter eine besonders hohe meinung 
zu hegen erlauben uns weder die zahlreichen und argen ent- 
stellungen des homerischen textes, welche sie gläubig hingenom- 
men haben, noch ihre so häufig unhaltbaren auslegungen". Dar- 
über wird sich Nauck freuen und Kammer ärgern. „Ich fol- 
gere daraus die berechtigung , dunkle worte als ein vorläufig 
unbekanntes x zu betrachten , für welches aus der Synopsis der 
stellen erst die gleichungen anzusetzen sind , und den aus ihrer 
lösung und combination bestimmten werth auch gegen den nach- 
homerischen Sprachgebrauch und gegen die lexikographische tra- 
dition gelten zu lassen". Die in betracht kommenden stellen 
sind IL I, 250. IX, 340. II, 285; hymnus auf Demeter 311 
und Od. XX, 45 — 51. Etymologie: wie von avcav, ßovg, y).uv<;, 
olvog — xvvwmg , ßomnig, yXavxoönig , oiroxp ist [ttfjoip gebildet 
von fisgog , aber mit transitiver bedeutung des Stammes OUT 
wie in «oip, blind (Hesych.). Es bedeutet demnach: wenig se- 
hend d. h. wenig erlebend, kurzlebig (II. I, 250 und IX, 340); 
bei ihrem beschränkten gesichtskreise , ihrer geringen einsieht 
nur nach erfolg und mißerfolg, nicht nach den Ursachen urthei- 
lend (II. LI, 285); das drohende unheil durch voraussieht und für- 
sorge abzuwenden unfähig (hymn. auf Dem. 311); mit kurz- 
sichtigkeit, beschränkter einsieht behaftet (Od. XX, 49). Unter- 
stützt wird diese deutung durch den namen der siebenten Ple- 
jade, Merope. Doch man lese Jordans ausführungen selber nach. 
Dazu will ja diese anzeige bloß reizen. 

Auch der sachlichen erläuterungen sind nicht wenige , na- 
mentlich solche, die sich auf die Ökonomie des gedicktes bezie- 
hen. Hier nur ein paar proben. 

Nach V, 262 braucht Odysseus nur vier tage zur herrich- 
tung seines nothkahnes. Nur vier tage! Wie ist das möglich? 
Zwanzig tage würden zwanzig zimmerleute vollauf daran zu 
thun haben ! Jordan bemerkt dazu : „Erführe meister Homer von 
solcher berechnung, bekäme er überhaupt zu lesen, welcher kri- 
tik man den kalender seiner dichtung unterzogen hat, so 



14 2. Homeros. Nr. 1. 

würde er mit ironischem lächeln den finger legen auf die heiden 
verse 262 — 263 und ausrufen: wenn sie auch sonst keinen 
spaß verstehen und keine ahnung hahen von den geheimnissen 
des poetenhandwerks , das ja niemand lernen kann ohne es aus- 
zuüben, und zwar mündlich wenn es das epische ist, so hätten 
sie mir doch hier auf die schliche kommen sollen. Denn hier 
habe ich noch besondere Wegweiser groß und deutlich hinge- 
pflanzt. Sie durften es mir wohl zutrauen ungefähr gewußt zu 
haben, welche zeit ein schiff auf der werft braucht um vom kiel 
bis zur mastspitze fertig zu werden; wieviel monate und selbst 
jähre ich daher meinem einsamen heiden dazu hätte bewil- 
ligen müssen, wenn in meiner poesie nur der — zimmermanns- 
maßstab gälte. Bei gänzlich andrer anläge der dichtung hätte 
ich ihn vielleicht eben so geduldig und langsam wie seinen ur- 
urenkelvetter , euren Robinson, einen baumstamm mit stein und 
feuer zum nachen aushöhlen lassen. Mein entwurf aber gebot 
die möglichkeit der heimkehr erst nach götterbeschluß aufkommen 
zu lassen. So blieben mir aus mehrern gründen ersten ranges, 
gegen welche solche lumpereien wie die physische möglichkeit 
kein loth wiegen, nur etliche tage zum Schiffsbau. Daß diese 
zeit aber eine zaubergewaltige, poetische zeit sei, das 
sagen die zahlen , die sich als poetische ausweisen durch die 
ihnen recht auffällig lang belassene nabelschnur ihrer geburt 
aus einer poetischen form: aus zwei Wortspielen mit allite- 
ration und assonanz TstQatov — Tco — rs Ttlsazo — IlsfATiTco 
— nsfin\ ii "Wir haben diese stelle wörtlich ausgeschrieben, 
einmal weil sie für Jordan durchaus charakteristisch lautet, so- 
dann weil sie allerdings, abgesehen von den Wortspielen mit 
alliteration und assonanz , einen wichtigen grundsatz der inter- 
pretation enthält. So abhold ich allem vagen ästhetischen rai- 
sonnement bin, so wichtig mir die ermittelung des thatsächlichen 
und grammatische Solidität erscheint, ich habe doch öfter das 
gefühl, als würden die commentatoren dem dichterischen gehalt, 
der künstlerischen composition nicht immer gerecht. Namentlich 
vermag ich dem ängstlichen forschen nach der physischen mög- 
lichkeit dessen, was märchen und sage erzählen, keinen geschmack 
abzugewinnen. Darum machte mir z. b. die Göbelsche entdeckung, 
daß es physisch unmöglich sei, durch die Öhre der mit der schneide 
in den boden gesteckten äxte zu schießen, und seine natürliche 



Nr. 1. 2. Homeros. 15 

erklärung, bei der es unbegreiflich wird, wie man noch an ein 
außerordentliches, aufsehn erregendes kunststück des bogen- 
schützen denken kann — diese rationalistische erklärung, möchte 
ich sagen, machte mir einen sehr befremdlichen eindruck. „Mär- 
chen noch so wunderbar , dichterkünste machen's wahr" : dieses 
motto Goethes bleibt wohl zu recht bestehen. Dabei liegt frei- 
lich der nachdruck auf dem wort dichterkünste und es gilt 
hier den feinsten künstlerischen takt. Ein beispiel statt vieler 
aus Jordan 1 Od. V, 476 lesen wir: 

Soiovg 5' uq > vnrjXv&e &ä(ivovg^ 
e'| opö&ev necpvMTac • 6 ftsv cfvlti^j 6 8' iluitjc;. 
Fäsi erklärt: „gesträuche, welche von derselben stelle und aus 
derselben wurzel aufgewachsen waren". Er fügt hinzu : 
„In einem wunderlande können auch zwei verschiedene 
Sträuche aus einer wurzel hervorgehen". Das ist doch allzu 
bequem. Ohnehin steht von der einen wurzel nichts im text. 
„Zwecklos", sagt Jordan, ,,d. h. ohne symbolischen oder bra- 
chylogischen dienst zur ermöglichung einer scene von großer 
poetischer Wirkung aber höchst unwahrscheinlichen Voraussetzun- 
gen, sind dem epiker in der directen erzählung, die er als mu- 
senmund vorträgt, überhaupt gar keine wunder gestattet. Selbst 
im märchen, im phantastischen theil der sage, welche er stets 
als episode vortragen läßt, wird er einen geheimnißvollen Schim- 
mer aus dem wunderbaren hervordämmern lassen, der einen da- 
hin terliegenden tiefern sinn zu ahnen gibt, ohne daß der hörer 
ihn jemals ganz bestimmt zu enträthseln vermag; sonst ist er 
eben kein rechter poet. Jede müßige naturwidrigkeit ist ihm 
gleichsehr verboten als unmöglich. Von den wundereigenscbaf- 
ten des Phäakenlandes kann Homer hier noch keine gebrauchen, 
weil er noch keine nöthig hat. Für seinen gegenwärtigen zweck 
bedarf er hier nur eines obdachs , unter welchem der nackte 
mann könne ohne zu erfrieren" u. s. w. — Für die art und 
weise, wie das symbolische im Homer, der geheimnißvolle hinter- 
grund des märchens zu behandeln sei, nur zwei beispiele aus 
dem zehnten buch. Von der episode des Aeolos sagt Jordan u. a. : 
„Wir haben hier einen naturmythus, der in der metamorphose 
zum märchen auf halbem wege stecken geblieben ist. Die ur- 
sprüngliche Symbolik bleibt fadenscheinig . . . Das ganze Aeo- 
losaben teuer ist aus dem vorrath der schiffersagen in nur halb 



16 2. Hoineros Nr. 1. 

verdautem zustande aufgenommen. Bedeutend aber ist sein dienst in 
der Ökonomie der dichtung. Das heimweh des helden wird in 
höchster Steigerung auf den hörer gerade dadurch übertragen, 
daß er ihn von der schwelle des fast schon erreichten Vaterlan- 
des ziTrückverschlagen sieht in hoffnungslose ferne" u. s. f. 
Daran wird nichts auszusetzen sein. Ebenso wird jeder bei- 
stimmen, daß in Kalypso die Verborgenheit, die zeit der gänz- 
lichen verschollenheit des helden personificirt sei ; daß ferner im 
Lotophagenabenteuer dargestellt werde der Überdruß an den 
kämpfen, Strapazen und lasten der fahrt sowie die neigung, die hei- 
math aufzugeben und lieber in faulem nichtsthun nur zu ge- 
nießen. "Was aber bedeutet Kirke? „Die irrfahrt, das land- 
streicherthum", antwortet Jordan. Als den augenpunkt der gan- 
zen erzählung betrachtet er jenes den bösen zauber bannende 
heilkraut. „Aus ihm blitzt ein strahl der auch allegorischen 
bedeutung, welche der dichter in diesem märchen im übrigen 
mehr zu verstecken als merken zu lassen bemüht ist". Aller- 
dings erscheint die allegorie sehr versteckt und ich weiß trotz 
der sachlichen und sprachlichen deduction über das zauber- 
pflänzchen des Hermes nicht recht , ob wir sagen dürfen , das 
molykraut symbolisire des Odysseus heimathliebe und familien- 
treue und die durch alle beschwerden und gefahren geweckte, 
bis zur siegreichen Schlauheit und Weisheit gesteigerte klugheit, 
durch die er eben gefeit werde gegen alle Versuchungen der Kirke, 
während die gefährten ihrem zauber verfallen ; denn der mann, 
der für bequemes Wohlleben sein theuerstes, das Vaterland, hin- 
geben wolle und seine heiligsten pflichten vergesse, werde eben 
dadurch schon schweinisch. Sollte das wirklich der geheime 
sinn sein , den der dichter unter der vollen plastik der ausfüh- 
rung seines märchens verborgen hat? Mir sieht das etwas aus 
nach dem Goetheschen „hineingeheimnissen". Jordan freilich 
wird antworten: hätte Homer an einen solchen sinn nicht ge- 
dacht, so wäre er eben kein echter poet. Und gegen ein solches 
argument kann unsereiner nicht aufkommen. 

In einer ähnlichen läge werden wir uns öfter den vielen 
athetesen gegenüber befinden. Jordan stützt sich dabei vorzugs- 
weise auf seine Schrift; „das kunstgesetz Homers und die rhapsodik", 
mit der man sich deshalb erst auseinanderzusetzen hat, ehe man 
etwas gegen ihn vorzubringen wagen darf. Hier kann daran 



Nr. 1. 3. Homeros. 17 

nur erinnert werden. Wenn der deutsche rhapsode kühn genug 
ist, die griechischen verse, wie sie nach den regeln der kunst 
gelautet haben müßten, hier und da zu reproduciren, so ist das 
ganz seine sache ; aber die erste silbe von xaxög und fxiv in 
der thesis ohne weiteres lang zu gebrauchen, war ihm doch 
wohl nicht gestattet. Der text von IV, 517 soll nämlich ur- 
sprünglich gelautet haben: 

a/LX' ots örj aal xst&ev scpaivszo voatog am]\i(av 
axp TS üsol ovqov GTQsxpav Tiorc %sq60v arjvai 
rjg yuiqg, tote dt] xaxog fxiv tjyuye 8aC(i(av htX. 
Wir sind heutzutage nicht mehr der meinung , daß sich dem 
Hercules eher seine keule als dem Homer ein vers abringen 
liesse ; aber was Lessing von Shakespeare sagt, das möchte viel- 
leicht auch von Homer gelten , für uns gewöhnliche menschen- 
kinder wenigstens. Er sagt : „Auf die geringste von seinen 
Schönheiten ist ein Stempel gedrückt, welcher gleich der ganzen 
weit zuruft : ich bin Shakespeare's ! Und wehe der fremden Schön- 
heit, die das herz hat, sich neben ihr zu stellen". 

Damit genug. Ich habe weniger kritisiren als referiren 
wollen. Wir haben in dieser Verdeutschung der Odyssee kein 
gewöhnliches werk vor uns , vielmehr eine leistung , welche die 
sorgfältigste berücksichtigung , allerdings auch eingehende nach- 
prüfung verdient. Bücher , welche altes gemüse mit neuen re- 
densarten auftischen , giebt es genug ; an solchen , die wirklich 
neues und originelles bieten, ist kein Überfluß. Darum wollten 
wir Jordans Odyssee auch den philologen angelegentlichst em- 
pfehlen. 

H. F. Müller, 



3. Philologos paedagogosque Germanos diebus XXX. M. 
Septembr. — HI M. Octobr. a. MDCCCLXXVHI Gerae con- 
ventum agentes salvere jubet cum collegis suis gymnasii Gerani 
director. Inhalt: De Iliadis prooemii versu quinto et de para- 
taxis Homericae quodam genere scripsit A. Grumme. 4. 8 p. 
Eine für das verständniß des prooemiums der Ilias überaus 
wichtige frage ist die nach der Stellung, welche den worten 
dtbg 3' IteäetSTO ßovXij v. 5 innerhalb ibrer Umgebung zuzuweisen 
ist. Zwei ansichten stehen in bezug darauf einander gegenüber. 
Pbilolog. Anz. X. 2 



18 3. KomerosL Nr. 1. 

Während die einen die worte als untergeordnete parataktische 
bestimmung den vorhergehenden relativsätzen anschließen, trennen 
andere dieselben davon durch punkt und sehen darin einen 
selbständigen hauptgedanken, dem der folgende temporale neben- 
satz mit i% ov anzuschließen sei. Die letztere ansieht hat drei 
namen ersten ranges auf dem gebiete der homerischen forschung 
für sich: Aristarch, Lehrs, Bekker. Daß aber gerade diese so 
glänzend vertretene ansieht durchaus zu verwerfen ist , hat der 
Verfasser der vorliegenden festschrift durch eine erneute gründ- 
liche erörterung in der weise dargethan , daß die frage damit 
für abgethan gelten kann. 

Von seiten des gedankenzusammenhanges steht der beson- 
ders von Bekker näher begründeten ansieht, wie der verf. aus- 
führt, einmal entgegen, daß dabei v. 5 — 7 mit den folgenden 
versen 8 f. in einen entschiedenen Widerspruch gerathen. Wäh- 
rend in den ersteren der Ursprung des grolls des Achill auf 
Zeus rathschluß zurückgeführt werden würde, wird derselbe in 
diesen vielmehr ausdrücklich von Apollo hergeleitet. Sodann 
ergiebt sich bei der Bekkerschen anordnung eine zweitheilung 
des prooemiums, durch welche der so schön durchgeführte ein- 
heitliche gesichtspunkt desselben gänzlich zerstört, das gewicht 
des mit so großem nachdruck an die spitze gestellten haupt- 
punktes nicht unerheblich abgeschwächt werden würde. Aber 
auch die erzählung der Ilias weiß weder in der nächsten den 
Ursprung des grolls erzählenden partie noch weiterhin etwas 
von einem antheil des Zeus an dem Ursprung jenes grolles, die 
ßovlv Jtög ist auf das A 505 — 530 erzählte und die zahlrei- 
chen andern auf diesen Vorgang weisenden stellen zu beziehen, 
T 271 — 274 sind, wie schon Düntzer nachgewiesen hatte, von 
Bekker mit unrecht darauf gedeutet. Wenn aber Bekker seiner- 
seits gegen die Verbindung des temporalsatzes i| ov (6) mit 
iXmQKt rst>xs xvteggiv (4) geltend gemacht hatte, daß „dies schon 
darum nicht angehe, weil nach der entzweiung zunächst, über 
dem warten auf die ' verreisten götter, volle zwölf tage verstrei- 
chen, ohne daß irgend etwas geschieht, so lange also auch die 
raubthiere um ihre atzung kommen", so wird dies bedenken da- 
durch zurückgewiesen, daß ?| ov 8?j ra nomin nicht bedeute ex quo 
primum oder simulatque, sondern vielmehr ex quo semel und diese 
.Zeitbestimmung mit iläoia Ttv%e sich durchaus passend verbinde 



Nr. 1. 4. Aeschylos. 19 

in dem sinne , daß , nachdem einmal jener zwist sich erhohen, 
jene verderblichen niederlagen der Achäer als nothw endig, 
wenn auch erst nach verlauf einiger zeit eintretend bezeichnet 
werden. Endlich wird die berechtigung , den satz /lieg d' irs- 
Xeiszo ßovXrj als parataktisches glied (nicht als parenthese) dem 
vorhergehenden anzuschließen , durch zahlreiche verwandte fälle 
nachgewiesen x ). 



4. A. Löwin ski, de emendando prologo Agamemnonis 
Aeschyleae. Beilage zu dem jahresb. des gymn. von Deutsch- 
Krone. 1879. 16 s. 

Der Verfasser handelt im ersten capitel de vulgato prologi 
textu deque potioribus criticorum mutationibus, um auszuführen, daß 
der bisherige text des prologs von der neuen gestalt, die er 
nunmehr erhalten soll, weit absteht. In der that, bei vierzehn 
änderungen in 39 versen , die obendrein um drei vermindert 
werden, kann der verf. mit recht ausrufen : iam vide quantum is 
quem proposuimus textus tarn a vetere Mo h. e. vulgato quam a re- 
centissimo textu veluti Hermanni vel Dindorfii vel Weilii vel Kechii 
d/fferat. Allein von allen diesen änderungen hat nicht eine ein- 
zige die geringste probabilität. Im dritten verse wird für ay- 
xudev, das vortrefflich ist, uyxo&ev „ex angulo" geboten, als ob 
ein winkel der beste platz für den ausspähenden Wächter wäre. 
Im nächsten verse bringt die änderung von xäioida in xattidov 
einen grammatischen fehler in den neuen text. Der Wächter 
sieht ja die Sterne nicht einmal, sondern immer wieder ; der sinn 
würde also das imperfect oder das präsens erfordern. In v. 11 
schreibt Lowinski ilni^siv für sXmXov : hätte der dichter ilni^mv 
geschrieben, so würde er im vorhergehenden nicht cööe, sondern 
tuiitu gesetzt haben. Die conjeetur des nächsten verses av 
jrjiSe für sit' av oY ist trotz der compositio antithetica , mit wel- 
cher ihr eine nachträgliche bestätigung verschafft wird , wieder 
fehlerhaft; denn av kann nicht am anfange des satzes stehen. 
Das schlimmste aber ist, daß solche conjeeturen, wie auch die 
weiteren ixnoiocv für ivz^vmv (17), Öiaßocüfxtiov für dianovov- 

1) Auf letztere ausführung näher einzugehen bietet sich vielleicht 
noch anlaß im zusammenhange mit der in einem der nächsten hefte 
hegenden besprechung der die homerische parataxis betreffenden „Ho- 
merischen miscellen" von demselben Verfasser, Gera 1879. 

2» 



20 5. Sophokles. Kr. 1. 

(xivov (19), noQCor für noXläv und deogsäg %aodt' für av^cpogäg 
%äqiv (24) jeden kritischen takt vermissen lassen. Mit dem gu- 
ten geschmack kommt die von 15 vnag (für vtivw) in confükt. 
Was soll vnag? Ist gefahr, daß jemand im schlafenden zustand 
einschlafe ? Doch genug von der werthlosen arbeit ! Ueberhaupt 
darüber zu reden hat nur der selbstbewußte ton der abhandlung 
gereizt (vgl. p. 10 restat denique quintus locus item labe deformis 
et omnium criticorum naufragio infamis"). 



5. V. Völcker, zur kritik und erklärung des Oidipus 
Tyrannos von Sophokles. Programm des gymn. Schweinfurt 
1879. 8. 46 s. 

Unter den von eingehendem, liebevollem Studium zeugenden 
bemerkungen, welche Völcker zu mehreren stellen des Oedipus 
Tyrannus gibt, verdient besondere beachtung die conjectur zu 
328 f. f/co ö'oJ [it] no7s TufAqxaßoV tinoj. Die handschriften 
bieten die augenscheinlich corrupte lesart r«/*' mg av i"nm , die 
eine allseitig befriedigende emendation bisher nicht gefunden hat. 
Das wort äftqimßola ist in einer bedeutung welche für die stelle 
ganz geeignet ist für Sophokles beglaubigt durch Eustath. p. 
1405, 30 naga 2?oqioy.lsi a{ 8ia onldyxvcov fxottTEiai. Es ist 
richtig , die spuren der handschriftlichen Überlieferung sprechen 
nicht zu gunsten der änderung ; allein es läßt sich denken, daß 
nach abtrennung des r«^' die abschreiber für das übrig blei- 
bende, räthselhafte, vielleicht nicht mehr gut lesbare qpw^oX' das 
nächste beste gesetzt haben. Mehr fällt ins gewicht, daß der 
eigenthümliche ausdruck eher für den ton eines satyrdramas als 
im munde des sehers passend erscheint; es müßte denn upqjm- 
ßola seil, ofjfxata ein kunstausdruck der mantik gewesen sein. — 
Der änderung naztg'' avdäv öidlnovv 1090 ist auch die hand- 
schriftliche Überlieferung nicht günstig; dem sinn entspricht die- 
selbe aufs beste. V. 73 könnte man sich <*v[i(AS7Qov(j£toi nogm 
nur dann gefallen lassen, wenn sich nögog in der bedeutung 
„Wegstrecke" nachweisen ließe. Ansprechend ist die änderung 
zu 1107 oe &QSfi[Aa (für g evQijfia). Die erklärung von 425 
a o' t^iamati aoi „die fülle der anderweitigen übel kennst du 
nicht, welche, wenn du sie erkennen wirst, dich, wie du jetzt 
dir und anderen erscheinst, mit dir, wie du in Wirklichkeit bist, 



Nr. 1, 6. Dionysios. 21 

gleichstellen werden" ist schwer verständlich und trägt der be- 
deutung von Qtaovv zu wenig rechnung, da, wenn der vermeint- 
liche rächer des erschlagenen als dessen mörder, der vater als 
bruder, der gatte als söhn erscheint, von einer gleichstellung 
keine rede sein kann. Die ausführliche vertheidigung der ur- 
sprünglichen versordnung in der rede des Oedipus 216 — 275 
scheitert an der rechtfertigung von totods 251. Die änderung 
von zoiads in 7q>8s mag dem Verfasser ein einfacheres und leich- 
teres mittel als die Umstellung der verse scheinen; methodischer 
ist sie gewiß nicht. 



6. Denys d'Halicarnasse. Premiere lettre ä Ammöe. Texte 
grec accompagne d'une introduction , d'une annotation critique, 
d'un argument analytique et de notes en francais par H. Weil. 
Paris, librairie Hachette et Cie. 1879. 55 p. 

Keine Schrift des Dionysius hat in den letzten jähren so 
zahlreiche behandlung erfahren, als der erste brief an Ammaeus, 
und zwar von den Franzosen ; den früher erschienenen ausgaben 
und Übersetzungen dieser schrift von S. Bernage , A. Legouez, 
de Parnajon hat auch H. Weil eine französische Übersetzung 
und ausgäbe hinzugefügt. 

Die einleitung p. 1 — 14, die nichts neues bietet, enthält 
eine kurze lebensbeschreibung des Dionysius und eine ebenso 
kurze Schilderung der litterarischen bestrebungen zu seiner zeit-, 
von p. 3 an zählt Weil die rhetorischen Schriften des Dionysius 
auf, wobei er mit der tisqi iijg [ujirjasrng betitelten beginnt, 
giebt den inhalt jeder schrift an und charakterisirt sie im ein- 
zelnen. Bei der anführung von nsgl rov QovxvftiSov ^aQa^rijQog 
p. 5 weist Weil auf die historische seite des Dionysius hin und 
hebt seine Verdienste und schwächen hervor. Nachdem der her- 
ausgeber p. 8 noch die abhandlung ti?q) avv&sascog ovo^ärcov er- 
wähnt hat, geht er p. 9 auf die beiden briefe an Ammaeus über 
und zwar eingehender auf den ersten , der , wie er richtig be- 
merkt, unser interesse hauptsächlich durch die aufschlüsse und 
angaben über Aristoteles und Demosthenes beansprucht, nennt 
die gegebenen daten genau, wenn man dieselben auch nicht im- 
mer ohne prüfung annehmen darf; zum beweise seiner behaup- 



22 6. Dionysios. Nr. 1. 

tung führt er mit recht die erste philippische, die olynthischen, 
die gegen Midias an. 

Die annotation critique p. 15 — 21 beginnt mit einem über- 
blick über die handschriften und ausgaben , unter denen Weil 
die von E. Gros und Herwerden besonders hervorhebt; daß 
letztere vom herausgeber stark benutzt ist, erkennt man sehr 
bald aus dem nachfolgenden kritischen apparat. Uebrigens ent- 
schuldigt sich Weil p. 16, wenn vielleicht die eine oder die an- 
dere Verbesserung schon von andern gemacht sein sollte; bei 
der eile , mit der er diese ausgäbe hätte veranstalten müssen, 
wäre er nicht im stände gewesen die einschlagende litteratur 
genau zu prüfen. Nachdem Weil auf p. 23 und p. 24 in dem 
argument analytique eine kurze inhaltsangabe gegeben hat, folgt 
p. 25 der text mit französischen anmerkungen, die offenbar nur 
für schüler berechnet sind. Zum beweise führe ich an: p. 25 
Xai'geiv „salvere (iubetj', ngwToog „tout d'abord" mit dem zusatz: 
doit etre rattache a iqxiv?], woran ich sehr zweifele, da Stellung 
und sinn der worte offenbar verlangen, daß ngcörmg zu av.ov- 
cat>Ti gehört. P. 26 noXvg adjectif pour T adverbe: helUnisme ; 
ebenda scheint es Weil sogar nötig in der anmerkung zu ys 
hinzuzufügen marque gradation. Ueberflüssig wie diese erklä- 
rungen selbst für einen schüler — wenigstens für einen deut- 
schen — scheinen mir auch Zusätze wie: p. 27 eixooi est le 
datif de s!xn7U probabilia, "^donog dipend de TCQOvoov[ievog, p. 29 
iv . . . . rm nagnvzi au neutre, p. 32 MsyaXonnXtimv : gdnitif 
objectif. Bei nsi&si p. 32 ist die erklärende Übersetzung il es- 
saye de persuader unnötig, zu entbehren die Übersetzung von 
inaytayi] durch induction p. 37 und von xal naliv p. 47 durch 
et rursus. mit dem zusatz: ces mots indiquent que Vauteur va citer 
un autre exemple. Geradezu falsch ist p. 39, daß ort. von hfxo- 
loywv (ort est gouverne non par avrikiynv , mais par bfxoXoyüiv) 
abhängig sein soll; es hängt natürlich von dXtj&eg ehat ab. 
Diese beispiele mögen die unter dem texte befindlichen franzö- 
sischen anmerkungen Weil's beleuchten; freilich müßte man, um 
dieselben richtig beurtheilen zu können, wissen, wie beschaffen der 
Standpunkt der leser ist, für die sie geschrieben sind. 

Sehen wir uns nun einmal den text und die kritischen be- 
merkungen p. 16 — 24 an. I, 1 hält Weil ' ' AgiatoriXti für in- 
terpolirt. An der richtigkeit von ' AqigiotsX&i zweifle ich keinen 



Nr. 1. 6. Dionysios. 23 

augenblick , könnte aber wohl begreifen , wie jemand zu diesem 
namen die überflüssige bemerkung 79 xrCoavu ravzrjv tr\v q>do~ 
ooyiav binzuscbrieb. I, 2 haben die handschriften täv rj&cov, 
wofür Reiske zä>v i&äv oder tov q&ovg zu schreiben vorschlug. 
Weil hat das letztere in den text aufgenommen, während ich 
zäv i&atv entschieden vorziehe. Ebenda schiebt Weil nach ße- 
ßuicog und vor naftcav „uera&oipiijv" ein, dem sinne nach nicht 
unpassend , nachdem schon vor ihm Reiske ßtßaimq zavztjv ido 
vel dtcodm, Schott dia7s&öö , Herwerden fisTu^Eitjv für ßeßat(o9<n 
vermutet hatten. Cap. III, p. 30 kann ich die richtigkeit von 
Weil's Verbesserung, der statt des überlieferten äg narilmov 
vielmehr äre xaiikmov schreibt, nicht ganz zugeben. Daß äg 
ttatiXmov mit beziehung auf 7t5/< xoivtav iarogimv nicht richtig 
ist, scheint auch mir zweifellos, ebenso daß die allgemeine ge- 
schichte und die einzelne geschichte , wenn ich so sagen darf» 
d. h. die biographien , einander gegenübergestellt werden. Wie 
Dionysius schrieb, weiß ich nicht. 

IV, 5, p. 33 hat Weil statt Xoymv av unzweifelhaft richtig 
dydrav geschrieben und dem texte einverleibt. Auch IV, 1 
scheint mir die annähme einer lücke hinter snzaxaidsxazov rich- 
tig, wenn man nicht — und dies scheiut mir noch wahrschein- 
licher — die worte agyovzog de Ttfxoxgnzovg alg srog r\v ipßs- 
ßijxmg sniaxaide'y.arov als müssigen zusatz streicht; wenigstens 
sieht man nicht ein, was diese Zeitangabe soll. 

Mit den änderungen , die Weil VI, 1 vorgenommen hat, 
woselbst er tu ö' avzög für 5 ö' avrög geschrieben, vor äXXoig 
noch d' eingeschoben und das nach agog^novra in den texten 
befindliche komma in einen punkt verwandelt hat, kann ich mich 
ganz und gar nicht einverstanden erklären. Auch finde ich 
nicht, daß wie Weil sagt, le texte offrait un fourre de phrases in- 
extricables , vielmehr steht die richtige erklärung der ganzen 
stelle bei Reiske VI, 1131, der folgendes sagt: est quidem, fa- 
teor , impeditior oratio , nihil tarnen hie loci deest. Finge tibi mente 
Dionysium ita reliquisse: sv 8s zovzotg, u. avzog rzegi avzov yga- 
cpei — iört nüvzotv zsxfifjQimp layvgözsga tavta, a zt&sixev ev 
zrj ngCüTn ßißXcp rairijg ri t g ngayfiatstag (rhetoricorum puta) nihil 
supererit intricatum , sed plana et expedita omnia: znxfxrjQiav eariv 
iayvgozsga aut proponendum his est nävzmv , validiora sunt, quam 
omnia argumenta aut legendum xsx^rjQiöv iaziv la^vgorajot'. 



24 7. Galenos. Nr. 1. 

Dass Dionysius X, 1 nsgl ds nivtt Xöyovg 8i\[ioaiovg eis 
SixaaTTjQia yeygacpag nicht sagen kann, ist Weil zuzugeben; das 
von ihm statt ttsqI vorgeschlagene ngogiti paßt ganz gut , aber 
auch das einfache ttqoq in der bedeutung von ausserdem wäre 
vollkommen genügend und liegt wohl noch näher. 

IX, 2 konnte Weil nach Eeiske's Vorschlag für bXiya rd 
fisza^v ysv6[tsva gewiß oXiy* azra (xsra^v yevöfisva in den text 
aufnehmen. 

Ich schließe meine anzeige mit der anerkennenden bemer- 
kung, daß Weil auch sonst an mehreren stellen die kritik und 
erklärung dieser kleinen schrift des Dionysius gefördert hat. 

Carl Jacoby. 



7. Claudii G a 1 e n i librum de parvae pilae exercitio 
ad codicum Laurentiani Parisini Marciani auctoritatem edidit 
Johannes Marquardt, dr. phil. Accedit de sphaeromachiis 
veterum disputatio. Gustroviae MDCCCLXXIX. 4. 21 p. 
(Gymnasialprogramm). 

Unter den literarischen quellen über das bei den alten so 
beliebte ballspiel nimmt Galens schriftchen in bezug auf aus- 
führlichkeit der gebotenen mittheilungen wie schärfe und fein- 
heit des urtheils unstreitig die erste stelle ein. Aber die Über- 
lieferung, wie sie in Kuhns ausgäbe V, 899 — 910 vorliegt, mußte 
jedem , der sich mit demselben beschäftigte , als eine wenig be- 
friedigende erscheinen und den wünsch mit hülfe der noch un- 
verglichenen handschriften die schaden derselben zu heilen er- 
wecken. Ref. hatte auf einer Studienreise die handschriften in 
Venedig, Florenz und Rom verglichen und eine neue recension 
unter dem titel raXrjvov tzsqi toi diu r?jg GfiixQÜg oqmiQag yvfxvaaiov. 
Galeni libellus gui est de parvae pilae exercitio. Ad Codices primum 
conlatos recensuit dr. Georg Helmreich. (Programm des gymnasiums 
St. Anna in Augsburg) 1878 versucht. Wenn ersieh auch sagen 
durfte, daß sein handschriftliches material ihn in den stand setzte 
zahlreiche fehler der Überlieferung zu beseitigen, so blieben doch 
manche bedenken erregende stellen noch übrig und er begrüßt da- 
her Marquardt's ausgäbe mit freuden ; denn sie ergänzt und berei- 
chert nicht blos die handschriftliche Überlieferung, da dem vrf. 
neue collationen der auch vom ref. verglichenen codd. ML und 



Nr. 1. 7. Galenos. 25 

die collation einer vom ref nicht zu rathe gezogenen pariser 
handschrift (P) zu geböte standen, sondern verbessert auch manche 
stelle auf grund sorgfältiger beobachtung des Sprachgebrauchs 
und gedankenzusammenhangs. So ist unzweifelhaft 3, 8 durch 
die emendation zoaovtov ydg ev avti] dvvurai xpvpjg uhrjaig 
(ref. nach L 2 : Svvavzai xfjvxrjg xivrjoeig) der ursprüngliche text 
hergestellt, ebenso z. 10 durch aufnähme der lesart des Laur. : 
owö' eöTiv ovdev ovzmg loivgöv (vgl. die vom vrf. angeführte 
stelle aus Gal. III, 423, welcher ref. aus Plac. Hipp, et Plat. 
p. 166 ed. Iw. Müller. ovS 1 sarir ovdlv svqhv iv zw awfxazi 
und p. 199 ovo' taziv oidelg Xoyog beifügt); 4, 9 durch ände- 
rung des handschriftlichen rtjg eavzov nagaaxsvljg in tfjg avzov 
nagixaxevrjg. Für diese Stellung der genetive von avzog finden 
sich bei Galenus zahlreiche beispiele ; es genüge auf Plac. p. 178. 
188. 227 zu verweisen. Auch darin ist dem vrf. beizupflichten, 
wenn er 4, 14 die dittographie dgyiaq cxoXijg durch ausmerzung 
von oxolrjg (ref. tilgte ugylag) beseitigt. 5, 4 wird die Verän- 
derung der von LP überlieferten lesart unfiazcov naga&heai in 
üpfAUTcav negi&i'atai durch vergleich mit Galenus VI, 143 (nicht 
145) wahrscheinlich gemacht; die andere stelle, VI, 151 (nicht 
451), ist nicht beweiskräftig, da dort unter afiftaza nicht das 
umschlingen der arme der ringenden , sondern zum zweck der 
TQixpig um den leib gelegte binden oder gürtel zu verstehen 
sind. Ref. wagte nicht in seiner ausgäbe von der handschrift- 
lichen Überlieferung abzugehen, da Tzugä&saig ausdrücklich unter 
den im ringkampf üblichen manoeuvern oder kunstgriffen bei 
Plut. Symp. probl. 2, 4 erwähnt wird. 5, 5 gelang es dem 
vrf. mit benutzung einer vom ref. übersehenen marginalnote des 
L die starke corruptel durch die Schreibung oaqvg zeivszai cyo- 
Sgöög xai axsXrj . xai ydg ovv xal idgaio z dz r\ g dei zrjg ßd- 
aswg iv tm zoiovrep novo? zu heilen; doch dürfte sdgaiag der 
Überlieferung gemäßer sein. 5, 6 schreibt vrf. richtig zo 8s xaC 
ngoßatvsiv . . ov fxix.gov axtXwv yvptväaiov , dXX' et %grj zdXtj&ig 
ilizeiv , fiovov dixatozaza xivovv ndvz avzmv zu fxögia. Ref. 
hatte die stelle ebenso verstanden, wie Marquardt; daß er die 
von Chartier herrührende verkehrte kapiteleintheilung beibehielt, 
war allerdings dem verständniß nicht förderlich. 

Dagegen kann ich an folgenden stellen mich mit der con- 
stituirung des textes nicht einverstanden erklären: 3, 5 schreibt 



26 7. Galenos. Nr. 1. 

Marquardt: tov ndvicov tjantjuozog agiata rqv savtov tspiri* , U 
M' P: zrjv aavzov TtjvT]t>. So unzweifelhaft dieser gebrauch des 
pronomens bei Galen ist (vgl. auch Plac. H. et PI. p. 226 zä 
vsvga ö' eize &Xäv sizs 8iala/.tßuvsiv i&eloig . . zolg avzov 8an- 
rvXoig; Gal. VIII, 363 snrjvsyxa tt\v iavzov zsivqv), so erscheint 
er an unserer stelle nicht am platze. Dagegen spricht der ge- 
netiv nävzwv; man kann zwar sagen: „du hast deine kunst sehr 
gut geübt" oder: „diese oder jene kunst von allen am besten 
geübt": aber nicht: „du hast deine kunst von allen am be- 
sten geübt". Außerdem ist zu trjv zs^vr^v eine nähere bestim- 
mung unbedingt erforderlich, um das object derselben zu be- 
zeichnen. Da sich die ts^vt} > ^ n welcher der unbekannte Epi- 
genes meister war, nicht sowohl auf die yvfivdaia 8id zrjg api- 
xgäg acpaigag als die [Aixgd aqialga selbst bezieht, so möchte 
tr\v uv zyg ifyvqv zu lesen sein, was vielleicht auch dem Urheber 
der in Kühn abgedruckten lateinischen Übersetzung , Valerius 
Centannius Vicentinus , vorgelegen hat , welcher schrieb : qui om- 
nium optime eius artem exercueris. Daß übrigens dessen Über- 
setzung an einigen stellen auf einen besseren text als die Aldina 
zurückgeht, ersieht man aus cap. I init. : quantum quidem {y.sv 
fehlt in der Aldina und allen folgenden ausgaben) conferant ad 
bonam valetudinem , s. Gal. opp. lat. Basil. Froben. 1542); ibid. 
tantum enim ipsa potest motio animae und cap. IV init. omnesque 
corporis partes parimodo maxime exercet. Z. 5 schreibt Marquardt: 
yigriaipta 8s nal zotg uXXoig, oig av (xszaSäg tov Xoyov mit Strei- 
chung des Ixavmg nach iQTqoina 8s; ref. hält an lnavmg fest. 
Galen braucht es in Verbindung mit adjectiven mit besonderer 
Vorliebe; beispielsweise sei auf III, 535. 889. 932; VI, 620. 
693. 698. 718; X, 846; XI, 393; VI, 797 Uavmg XQ^W " 
hingewiesen. 4, 7 ist aus M aufgenommen olSetg . . . 8vvatai 
(j.STa^ntQi^f'.a&ai tu. zoiavza yvfivdatu. Da NOP Svvutog, L 8v- 
vuzöv (nvSeri L 2 ) bieten, so erscheint 8vvuz6g besser begründet, 
zumal wenn man vergleicht Gal. VI, 156 b 8' lazgbg ovSev . . 
nagaansvdaui Svrazog, VII, 41; XV, 464; XVII, 1, 776. — 
5,15 steht oxpiv <5' ozi xai yv^ivü^si; esmüßte doch wohl ozi 8s xal 
onpiv yv/Avd^Et heißen; ref. schrieb oxpiv Ö' ozi yviivüXsi. Die fol- 
gende corrupte stelle : iv zovzqj 8s x«J tijv yvcöfitjv ü/jysi zrj ygor- 
ti'8i. tov ze firj xatußaXeiv xal tov SiaxmXvoai zov fisaov r] avtov 
vqiaQnäaai st tovzcp xazaaiaii], sucht Marquardt durch ausschei- 



Nr. !. 7. Galenos. 27 

düng der worte ihv [xs'gov — xazaazalr] zu heilen. Aber 8ia- 
xcoXvaui erfordert nothwendig eine nähere bestimmung. Daß 
diese in tov fisaov (darüber s. Marquardt p. 16 und 18) avrtjv 
(sc. 6 acpalgav) vyugnuaui gegeben sei, beweist 5, 1 oiav fiiv 
yäg avviGZ(([isvoi ngog dXXtjXovg xui unoxooXvovrsg vcpagnaaai 
tov \itxu.%v Sianoväot, Nach vqsctgndoat scheint etwas ausge- 
fallen zu sein. Statt rovzo 8s xa) rrjv yvcopttiv &rjy£i , wie Mar- 
quardt für iv zovtoj schreibt, möchte zu lesen sein im oder 
ngog 7ovtg> 8? xa) etc. „außerdem, dazu noch". 6, 4 schreibt 
Marquardt mit L 2 und P tni&sa&ai ydg iv xatgcp xal Xaßsiv 
ini&s/Aevor , während L 1 und die übrigen codd. Xa&slv haben. 
Aa&sh als ein wichtiges moment des ini&ea&ai (Xen. Hell. 5, 
1, 27 ivrjSgsvsv rag iSvtato uyarearuTa) ist hier unentbehrlich; 
der in Xaßsiv enthaltene begriff kehrt in d£vlaß7,aai (trjv ngähv) 
xal ocpsTeoiaaGÜai (ici. tmv ivavTitov) zweimal wieder. 6, 14 wird 
statt des überlieferten Xsnzvvsi xaraXsnzvvsi geschrieben, mit 
unrecht: Gal. VI, 321 nagaSslyaazoq 8' svsxsv xal vvv elorjaerui 
nsgi rmv yvuvaoimv, cog ja fxsv o%ia . . Xsnzvvsi ro am/Aa, ib. 
391 Xsntvvsiv fiev 7« b"8,ta yvfivüdtu. Wie VII, 687 und 688, 
hat Gal. auch an unserer stelle mit Xsntvvsiv und xaraXentivstv 
abgewechselt; vgl. noch X, 997; XVII, 1, 838; XVII, 2, 84. 
92. 519. 520. In der bemerkung zu rj8vvavro (6, 18) auf 
p. 11 ist die vermuthung ausgesprochen, Galen habe zwar t]8v- 
v?']&T] und Tjßovlq&i], aber s/xsXXs, niemals i'jusXXs gebraucht. 
Diese einschränkung ist ungerechtfertigt; formen mit rj finden 
sich außer in Plac. H. et PI. p. 218. 219 in lieg} %gstag pto- 
gtav nach dem cod. Urbinas p. 122. 225. 228. 375. 382 (bis) 
388. 412. 489. 498 (bis) 499. 502. 619. 626. 651. - 7, 11 
wird avaXaßsiv für avaxaXs'aaa&ai conjicirt; letzteres hat nach 
meinen aufzeichnungen L, was dessen abschrift P bestätigt, und 
wahrscheinlich auch M, jedenfalls die übrigen drei Marciani. 
Obgleich der gebrauch von dvaXaßsiv im sinne von „wiederher- 
stellen" außer allem zweifei steht, so ist hier kein grund es für 
dvaxaXiauadai einzusetzen. ' AvaxaXsaaa&ai findet sich in der 
bedeutung reparare, recuperare nicht blos bei Hierax in Stob. 
Flor. I, 199 (Mein.) rtjv 8s vyisiav 8iaizr} noici. zrjgsiv xal ix- 
ninzovaav dvuxaXsaaa&at, sondern auch bei Gal. X, 637 ov 8v- 
t>7]&svTsg ovxiz' dvaxaXiaaa&ai xr\v ix zqg d[xizgov xsvcoascog ßXa- 
ßijv. Vergleicht man damit die von Stephanus aus Dioskorides, 



28 7. Galenos. Nr. 1. 

Plutarch , Dio Cassius u. a. angeführten stellen , so wird jeder 
Zweifel an der richtigkeit der Überlieferung dvaxa.liaa.adai schwin- 
den. 7, 18 folgt Marquardt dem Parisinus in der Schreibung in 
nollwv diaarq(ji.dt<ßv; die vier Marciani und auch L 1 haben ix 
nollov 8iaazr]uazog , was hier ebenso am platz ist, wie unmit- 
telbar vorher z. 16. Vgl. IX, 684 ix /xaxgov diaazrjuazog; 
Plac. H. et PI. p. 230 nvx dnb fiaxQOv diaazi'juazog. — Als 
bloßes druckversehen erscheint 4, 22 acpodoozazov xal nqctözazbv 
ts statt aqiodgozazov zs xai ngaözazov. 

In der hiatusfrage bei G-alenos, die freilich erst nach verglei- 
chung sämmtlicher guter handschriften für die sorgfältig ausge- 
arbeiteten werke Galens endgültig gelöst werden kann, vertritt 
ref. eine vom vrf. abweichende meinung. In der vom ref. 
herausgegebenen schrift Tlsgl zäv xa&' 'Innay.Qtt.triv azot^Eimv 
(Erlangen 1878) wird der hiatus außer nach gewissen Wörtern 
sorgfältig gemieden; dasselbe scheint in den übrigen durchge- 
feilten und zur herausgäbe bestimmten werken, wie IJegl %gnag 
[iOQiav , der fall zu sein. Zu ihnen gehört auch unser Galen- 
schriftchen. Daher glaube ich 6, 5 !§ dSoxrjzov iw.&spevov jetzt 
ändern zu sollen in ini&. i<* dSoxtjzov ; 7, 6, wo Marquardt ix 
voaov dvaxout^ousvoi schreibt, halte ich entschieden fest an vöaoav, 
der lesart des L 1 , der vier Marciani und der lateinischen Über- 
setzung des Vat. (ex aegritudinibus), bestätigt durch VI, 356 rolg 
ix voatjudzcov uaxgäv dvaxoui^ouivoig avuqi^gsi 9 XVII, 2, 466 
zoig dvaxopi&fiivoig ix zw$> voarjfidzoav. Allerdings sagt Gal. I, 
405 im zäv dvaxo[ii£ouii>mv ix voaov; VI, 330 wansg ys xai zmv 
ävaxo[u£o[igvtiiv ix voaov; XVII, 2, 701 iav dvaxofiit,o(xsvog ix, 
voaov xttfirj ; ibid. 700 täv dvaxofjiit,onivo3v ix vöaov ; X, 682 
zmv ix voaov (taxoccg dvaxopu£,ou£vmv ; aber nirgends hat ref. die 
Wortstellung oi ix vöaov dvaxoui^ofxsvoi gefunden. 7, 8 schreibt 
Marquardt avfifiizgov dnoazdvza, ref. av^tfiszglag dnoazdvza nach 
den spuren dreier Marciani und der lateinischen Übersetzung des 
V; auch XVII, 1, 972 stehen avfifAezgCa und dpszgov im gegen- 
satz wie hier. 

Schließlich verweist ref. zur begründung der p. 3 u. 5 seiner 
ausgäbe ausgesprochenen ansieht über das Verhältnis der hand- 
schriften zu einander auf folgende in allen gleichmäßig überlie- 
ferte stellen: cap. I fehlt m 'Eniysveg; alle haben das glossem 
av 86%sis; cap. II finden sich in allen die fehlerhaften schrei- 



Nr. 1. 8. Grammatici Graeci. 29 

bungen zrjq iavzov nuQaay.evTjg und agylag o%olrjg; cap. HI die 
interpolation zoig r/nv^a^ovai rov %o6vov ttov ivsQyovvzwv und die 
Verderbnis tj avtdf irpagjiuaai iv zovto) xazaGzaCr] ; cap. IV 
xai xuza yäoav ; in keiner ist das unzweifelhaft richtige svzovov 
erhalten. Das sind beweise genug, daß alle auf einen arche- 
typus zurückgehen , als dessen verhältnismäßig treuester reprae- 
sentant Laur. LXXIV, 3 zu betrachten ist. 

G. Helmreich. 

8. Grammatici graeci recogniti et apparatu critico instructi. 
vol. I, fasc. I. Apollonii Dyscoli quae supersunt recensuerunt 
apparatum criticum commentarium indices adiecerunt R i c h a r- 
dus Schneider et Gustavus Uhlig. vol. I, fasc. I. Apol- 
lonii scripta minora a R. Schneider edita continens. 8. Lips. 
Teubner. — 10 mk. 

Von der seit lange erwarteten ausgäbe des Apollonius liegt 
des ersten bandes erste hälfte , die bücher de pronomine , de ad- 
verbio, de coniunctione umfassend, vor. Die erwartung, daß die 
leistung eine vortreffliche und voll auf der höhe der Wissenschaft 
stehende sein werde, ist nicht getäuscht. Mit außerordentlicher 
umsieht und akribie sind von Schneider alle hülfsmittel für die 
texteonstruetion herbeigezogen und aufs ausgiebigste benutzt 
worden. 

Was zunächst die diplomatische grundlage betrifft, so giebt 
darüber die praefatio die nöthige auskunft. Grundlage für den 
text ist und bleibt der eine cod. Par. 2548, A von ihm benannt. 
Zu unterscheiden ist hier die erste hand A 1 von A 2 und A 11 , 
welche letztere beide , von derselben hand geschrieben , lesarten 
einer jetzt verlorenen handschrift und resp. interpretamenta vel 
additamenta hinzufügen. Die zusätze der übrigen in dieser hand- 
schrift auftretenden Schreiber A* sind im ganzen werthlos. Eben- 
sowenig hat die Leidener abschrift des cod. A., L, verglichen von 
J. Caperonnerius und Sam. Musgravius, irgend welchen werth, 
da sie einerseits nicht mit der nöthigen Sorgfalt gefertigt ist, 
andrerseits auch die lücken in A nicht ausfüllt ; denn schon 
zur zeit ihrer entstehung war der zustand des cod. Par. nicht 
verschieden von seinem jetzigen, welchen Schneider ^praef. p. 
VIII — X beschreibt. Die anordnung der schriften neq) dvteo- 
vvpiag, nsgl imQqm.iüzmv , negi ovvdeopwv stützt sich auf die 



80 8. Grammatici Graeci. Nr. 1. 

nachweisungen von Dronke Rhein, mus. XI (nicht XII wie 
fälschlich praef. p. XII steht), p. 585 ff. und Uhlig ebenda 
XXV, p. 68. 

Wieder mit abgedruckt ist die beschreibung des cod. Pari- 
sinus von Bekker (de pron. p. 149 (409)) und das praemonitum 
Fr. A. Wolßi vor Bekkers ausgäbe der schrift de pronomine. 

Die einrichtung der ausgäbe ist folgende. Unter dem 'text 
folgen erst argumenta , darunter testimonia und endlich die dis- 
crepantia scripturae. Dabei ist jedesmal das fol. und die seite 
der handschrift bezeichnet. 

Von den argumenta sagt Schneider : subiecimus brevia argu- 
menta , ex quibus quo modo procederet disputatio facilius perspici 
posset, und damit ist er in der that einem bedürfnisse entgegen- 
gekommen*, denn jeder der sich mit Apollonius beschäftigt hat, 
weiß, wie schwierig es oft ist, seinem gedankengange zu folgen, 
ein umstand der auch den neuesten Übersetzer der syntax oft 
zu ungegründeten athetesen und zu ungerechtfertigter annähme 
von lücken verleitet hat. Die discrepantia scripturae führt alle 
besserungsvorschläge die bisher gemacht sind in bewunderns- 
würdiger Vollständigkeit auf 1 ). Ueber die testimonia sagt Schnei- 
der : obruissem chartam , si attulissem quaecunque per ambages ad 
Graeculorum inftmae aetatis scripta grammatica ex Apollonio perma- 
narunt, qua de causa ea apponere satis habui, ex quibus aliquid ta- 
rnen ad illius verba emendanda et interpretanda redundaret; reliqua 
in commentario commemorabo. Das muß jeder billigen und nur 
an einer stelle nsoi intoütjfidtmv 190, 17 (604, 3) scheint mir als 
wenn Et. M. 698 von v. 40 an, und nicht erst von zeile 45 
anzuführen gewesen wäre; überhaupt scheint mir diese stelle 
noch der aufklärung zu bedürfen. Ich schreibe sie deswegen 
hier aus : 

Ap. ta rm "ö" naosdoEvö- Et. M. ta zq> ö aaoali]- 

fisva naget dwoievoi zcöv saiggt]- yö^sra F.niQQi]fxata anoxonr} zov 
udtcov ansiQitKig sv anoxonq yl- &ev x.ai ixtunei tov o sig cö yi- 
vsTui tov &ev nal iv \izxaQ£<5u vttai naqa dcQQievai . . . 
tov ö sls m . . . . 



1) Ref. weiß nur eine stelle 248, 15 (515, 32), wo "übersehen ist, 
daß ti /utv ßvXlaßai nvtov ke^twv tloi fisQrj (was auch in den text auf- 
genommen ist) für «* eine Verbesserung von GL F. Schoemann ist, vgl. 
Redeth. p. 211, anmerkung 2. 



Nr. 1. 8. Grammatici Graeci. 31 

zfjde stfis xai to ao&ev Xeyöue- ovzcog xai nö&sv } nä> .... 
VOV 0VZCÜJ, nm .... 

xai zo napiaXa 8s nagv Azzi- zo 8i ncofjaXa rragd ' AtrixoTg 
ytoig iv nagoXxri zov udXa ov- iv nagoXxlj zov udXa yiytszat 
za>g iysvszo xa&änsg xai zo t] xaddnsQ . . . 
fiaXa . . . 

zov de nö&sv avvs^iazsqov xai ro 8s nö&ev im ztjg ov dgt?j- 
ovrcog Xsyousrov . . . asoog 6vts%äg Xt'ysiai olov . . . 

Grcep xaza zrjv zotavztjv ar\ua- xai xazd roiavzr\v atjfxaaiav ro 
aiav ib noouaXd ißzi Tzagd roig ncöuaXa nagd ' Azzixoig ai](xai- 
Azzixoig xaza to nXstazor. vet ro ovSuuwg. 

Es ist klar daß 1. die stelle im Et. M. aus Apollonius stammt 
— auf welchem wege sie dahin gekommen, ob durch Vermitt- 
lung des Orion, wie Bast und Schneider meinen, oder wie sonst, 
ist unerheblich, aber es ist auch klar, daß 2. Apollonius nicht 
sagen konnte otisq xaza tr\v zoiavzrjv atjuaaiav ro näfxuXd 
iari nagd z. ' A. xazd zh nXsiazov, wenn nicht vorher von einer 
(stjuaaCa die rede gewesen ist; und daher ergänzte mein verehrter 
großvater onsg <^iazlv ovSauog ~^> oder onsQ <^iazlv dvii 
zov ov >. Dem sinne nach jedenfalls richtig. 

Ob nicht aber der fehler in dem satze zrjSs el%s nal zo nc~ 
&sv Xeyofievov ovzcog, nä> zu suchen ist? Das ovzcog mit dem 
part. Xeyöfievov haben wir hier zweimal, an der ersten stelle be- 
deutet es ,,so, folgendermaßen" an der andern zo"i 8s nö&sv avv- 
sisazsgov xai ovzoog Xsyousrov bezeichnet es s, v. a. „so, d. h. 
ohne die Umsetzung in tzoö". Ich dachte etwa zu schreiben : rJj8e 
elie xai zo nö&ev Xiy ov zo ovroi oder o l) %C, noo. Darm muß 
man allerdings auch in dem satze otisq xazd rijv roiavrrjv 
at]uaa[uv zo jcoouaXd iazt mit Bekker xazd rtjv avzijv at]ua- 
aCuv und dann zw ncöuala schreiben. 

Was nun den text betrifft, so hat der herausgeber mit si- 
cherm takte das wahre und wahrscheinliche von dem nur mög- 
lichen geschieden und nur jenes in den text aufgenommen, die- 
sem seine stelle in der discrepantiä scripturae angewiesen. Bei 
seinen eigenen Verbesserungen, deren fast jede seite eine menge 
der trefflichsten bietet, hat er dem epicharmischen grundsatze 
vdq>e xai fiiuvaa'' dniazsiv oft mehr gehuldigt als vielleicht nö- 
thig gewesen wäre ; denn mit größter Zurückhaltung hat er was 
ihm davon nicht ganz sicher schien lieber als conjeetur in die 



32 8. Grrammatici Grraeci. Nr. 1. 

discrepantia scripturae als in den text gesetzt, z. b. 247, 6 (514, 
15), wo er die lücke im text bezeichnet hat, während seine ver- 
muthung im fxsv toi> xäoiv > worauf auch ref. gekommen war, 
sicher das richtige trifft. 

An nicht wenigen stellen sind Bekkers angaben über das 
was im texte zu lesen ist berichtigt und danach sichere Verbes- 
serungen vorgeschlagen, z. b. 214, 11 (480, 19) ro Iva inCogrjua. 
Gut ist auch dort eig gestrichen vor to xaluv avösafjiov. Auch die an- 
gäbe, daß hinter 8ia tijv Svvapiv 214, 10 (480,18) wohl ein ganzes 
blatt ausgefallen sei, ist beachtenswerth. Mehr stellen zum beweise 
des nutzens der erneuten collation der handschrift anzuführen ist 
überflüssig. 

Im einzelnen möge erwähnt werden, daß in de pron. p. 4, 2^ 
(2 A) Tzagiatäatv für das fälschlich überlieferte nagCattjaiv her- 
gestellt ist. Weshalb aber der herausgeber hier in der Schreib- 
weise einzelner worte einmal der handschriftlichen Überlieferung, 
ein anderes mal der allgemeinen tradition folgt, davon ist ein 
rechter grund nicht einzusehen. Beispiele : uniQdvtog und defoa 
schreibt er mit Bekker, während A. ansi&arcog und Sita bietet; 
dagegen ilXsmsg und idixov i8ix£g mit der handschrift, wo Bek- 
ker illinsg, sidixov, elSixäg hat. Daß a und i in handschriften 
oft verwechselt werden, dafür giebts ja hunderte von beispielen, 
und so war kein grund illstnig beizubehalten; bei iSixog liegt 
die sache etwas anders, je nachdem man es von 1810g oder von 
elSog herleitet, welche beide an sich berechtigt sind; aber die 
herleitung von sldog scheint näher zu liegen durch den gegensatz 
der grammatischen termini yivrj und eiSq. 

Weshalb in de adv. p. 119, 13 (529, 17) n ix rov Tqv- 
ycovog 8 iä ßaaig beibehalten ist gegen das sichere 8 1 d & s a 1 g y 
ist nicht recht klar; jenes ist nur durch aberratio auf Siaßißcü- 
£srai verschrieben. P. 121, 16 (531, 10) ist ovx vor imyivo- 
[iiiojv gut vom herausgeber eingeschoben , wenn nicht etwa K. 
E. A. Schmidts Gtaiyt]fiiicov für das richtige zu halten ist; denn 
für die Verwechslung beider bietet das beste analogon das vor- 
hergehende aiyw/uivoig } wofür A. yivofisvotg hat. 

Die schrift de coniünctionibus endlich ist jetzt zum ersten 
male in lesbarer form zugänglich gemacht. Die lücken die fast 
das ganze erste drittheil der schrift entstellen sind meist glück- 
lich sei es vom herausgeber selbst, sei es durch beuutzung der 



Nr. 1. 8. Gramm atici Graeci. 83 

betreffenden litteratur ausgefüllt. Diejenigen welche noch ste- 
hen geblieben sind (vgl. besonders p. 214 — 15, 219 — 20. 224) 
werden wohl für immer — wenigstens bei dem jetzigen stände 
der diplomatischen hülfsmittel — unausgefüllt bleiben , wenn 
man nicht aufs ungewisse den im ganzen wohl feststehenden 
sinn in bestimmte worte zu fassen unternimmt. 213, 11 (479, 
14) i'öTj yovv nokXt'i zig xai, 8vanEQiX)]7zzog nsgl zag qicovdg zrjQq- 
aig . . xatOQ&ovzat nüoa dtdXexiog hat Egger die lücke durch 
<5/' Tjg ausgefüllt und das hätte wohl in den text aufgenommen 
werden köunen mit demselben rechte wie z. b. 227, 25 (494, 
14) ov vor ov fiszati&alat. Ich hatte mir jj oder ev g an den 
rand notiert. 

P. 216, 14 (482, 20) /} izzayyeXia zkv 8ia£evxzt,x<ap <^spdg 
V7iag^> £tv hrayyiXltzai , zov S'vnoXsinopifvov t] <^zmv vnoXei- 
nopiivoiv ~^> uvalosaiv hatte ich mir angemerkt svoq fisv oder 
toi fisv vnag^iv und ioZ ö' vno^siJt0(jLHV0V rj i £ ov a i a p r\ 
ä*ai\>tat* mit rücksicht auf schob Dion. Thr. p. 961. 962, wogegen 
allerdings die bei Apollonius folgenden beispiele u. 221, 17 (487, 24) 
zu sprechen scheinen. P. 238, 9 (504, 23) dürfte wohl zu ergän- 
zen sein: w AnoXXov "QnoXXov . . . a> avacaa oovaaaa . Tzyootöi'jxa 
<C psv 8s zag 8vo avXXufidg ^> Xtmoyiivug öid zo co*«| vgl. ibid. v. 
6. 7. rjvixa yuQ neuianmfiitri mit 6<*sia gvvsigi Xsijrovzai Ös ovo 
avXXaßai, näizmg nai ö zövog sig o^elav (AediöTuzai. 

Die bei enxev 238, 22 (505, 4) ausgefallenen beispiele sind 
wohl zb nsvog xsivög und falls der räum noch ausreicht xal zö 
^ivog t*8ii>og. 

Ein beim gebrauch störender druckfehler möge hier seine 
berichtigung finden. P. 240 sind die Zeilenzahlen der Bekker- 
schen ausgäbe verschoben. 5 ist an die stelle von 10, 10 an 
die von 15 zu rücken u. s. w. und 25, welches doppelt steht, 
muß gestrichen werden. 

Daß trotz des so bedeutenden fortschritts, den diese ausgäbe 
bezeichnet, noch manches, besonders in de coniunctionibus zu than 
übrig bleibt, ist dem herausgeber gewiß am wenigsten unbekannt ; 
aber es ist auch schwerlich jemand befähigter als er die frage 
zu lösen, und wo er dies unterlassen hat, da müssen die, denen 
die hülfsmittel, namentlich die genaue kenntniß des cod. A ab- 
gehn, sich bescheiden : alle ergänzungsversuche würden doch nur 
in der luft schweben. 
Philol. Anz. IX. 3 



84 Ö. Propertius. Nr. 1. 

Schließlich sprechen wir wohl im sinne aller freunde des 
Apollonius und grammatischer Studien überhaupt, wenn wir dem 
Wunsche ausdruck geben daß des werks Vollendung bald uns 
erfreue. 

Georg Schoemann. 



9. Kuttner, de Propertii elocutione quaestiones. Halis 
Sax. 8. 1878. 

Die dissertation von Kuttner enthält dankenswerthe , auf 
genauer bekanntschaft und eindringender beschäftigung mit dem 
dichter beruhende beitrage zum Sprachgebrauch des Properz, 
um so dankenswerther , als nach dieser richtung für den so au- 
ßerordentlich schwierigen autor seit Hertzbergs Quaestiones Proper- 
tianae so gut wie nichts geschehen ist. Den stoff hat der verf. nach 
den categorien der behandelten wortgattungen in 5 capitel (de 
verbis. de substantivis. de adjectivis. de pronominibus. de particulis) 
getheilt, ohne freilich zu versuchen eine derselben vollständig 
und abschließend zu behandeln. Es scheint aber fraglich, ob 
durch eine solch eclectische arbeit viel gewonnen wird, da sie 
einen index nicht ersetzt und ebenso wenig eine systematische 
Zusammenstellung bietet. 

Zuerst bespricht der verf. den propertianischen gebrauch 
von cogere, welches nach seiner ansieht immer (außer IV, 9 (8) 
22, über welche stelle cf. Piniol. Anz. VIII, 8, p. 407) die bedeu- 
tung „leider" oder „müssen" hat. Vielmehr bezeichnet dies ver- 
bum an allen stellen, daß die betreffende handlung oder der 
betreffende zustand eine nothwendige folge äußerer Verhältnisse 
ist, also „nothgedrungen" oder „nothwendiger weise". Auch bei 
venire, ire und joosse ist der verf. zu geneigt , eine rein phraseo- 
logische Verwendung anzunehmen, während doch durch diese 
verba der betreffende satz immer eine ganz bestimmt nüancirte 
bedeutung erhält. Ueber einzelne stellen wird man sich schwer- 
lich mit dem verf. , der durchweg dem Müller'schen text folgt, 
einverstanden erklären. III, 15, 14 ist die statt des handschrift- 
lichen quare aufgenommene lesart curae gewiß nicht richtig, IV, 
15, 3,0 ist nomen habere = nominari , titulo significari; IV, 3, 8 
(cf. Mommsen, Staatsrecht II, 1, p. 143) ist munus equi == equm 
munus faciens (cf. Hertzberg, quaestt. p. 149); H, 1, 56 ist du- 
cere nicht in. übertragenem sinne gebraucht. Das über ineipere 



Nr. 1. 10. Julius Caesar. 85 

bemerkte gilt nicht für Ovid, wohl für Tibull, in dessen echten 
gedichten es sich nicht findet. I, 11,30 muß man, glaube ich, 
Bajae, crimen amoris, erklären mit Bajae, quas criminantur arnantes. 
Dankenswerth ist vor allem die Zusammenstellung der partikeln, 
obwohl auch hier der verf. nur einzelnes auswählt. 

R. Ehwald. 

10. Descriptiones nobilissimorum apud classicos locorum. 
Series I. Quindecim ad Caesaris de hello Gallico commentarios 
tabulae. Ed. Alb. v. Kampen. 8. Gotha, Perthes 1859. 

Seitdem ich vor etwa 25 jähren zuerst, und damals wohl 
allein, in meinen Jahresberichten im Philologus auf die Wichtig- 
keit der Gölerschen Schriften und mancher französischer aufsätze 
und broschüren für die erklärung Cäsars aufmerksam gemacht 
habe, namentlich aber, seit der kaiser Napoldon sein werk über 
das leben des großen römischen feldherrn hat erscheinen lassen, 
sind diese militärwissenschaftlichen abhandlungen in Deutsch- 
land auch in die schulkreise eingedrungen , um für die beleh- 
rung der schüler verwerthet zu werden. Daß man anfangs da- 
mit noch gezögert hat, ist erklärlich und gerechtfertigt. Sehr 
viele der damals gewagten behauptungen und aufstellungen zeig- 
ten sich sofort oder doch bald als unbegründet, oder ermangelten 
wenigstens noch derjenigen gewißheit und Überzeugungskraft, 
welche sie für lehrzwecke hätten besitzen müssen. Durch die 
vereinte arbeit vieler um Cäsars Schriften wohlverdienter männer 
ist wenigstens manches über allen zweifei erhoben worden, und 
es ist ein von allen seifen freudig begrüßter fortschritt, daß 
diese als sicher erkannten ergebnisse jetzt bei der erklärung 
des Schriftstellers von den lehrern benutzt werden , und in aus- 
zügen aus den größeren werken, natürlich nur so weit es zum 
besseren verständniß desselben dient, den Schülern vorgelegt 
werden können. 

Der erste versuch, welcher in dieser weise von Eheinhardt 
(unter dem namen Eüstow's) gemacht worden war, mußte als 
in mehrfacher beziehung ungenügend angesehen werden (s. Phil. 
Anz. I, p. 140. 141). Es liegt jetzt ein anderes unternehmen 
dieser art vollendet vor , Kampens Descriptiones , welches 6ich 
nicht damit begnügt , die Napoldonischen plane zu copiren , son- 
dern mit berücksichtigung der seit der herausgäbe des werke 

3* 



36 10. Julius Caesar. Nr. 1. 

des kaisers erschienenen kritiken und neuen arbeiten, ohne auf 
selbstständige Untersuchungen anspruch zu erheben, die bis jetzt 
gewonnenen resultate anschaulich zu machen beabsichtigt. Eine 
wissenschaftliche ausbeute zu gewähren, ist daher durch diese 
Sammlung von planen nicht bezweckt ; für eigene ansichten kann 
der herausgeber nicht verantwortlich gemacht werden, nur für 
seine auswahl. Gleichwohl verlohnt es sich der mühe, seine ent- 
scheidungen genauer zu betrachten; denn für den fall, daß irr- 
thümliches aufgenommen sein sollte , würde , bei der art , wie 
solche hülfsmittel des Unterrichts jetzt gebraucht werden, statt 
eines nutzens nur schaden und statt einer wirklichen anschauung 
eine falsche Vorstellung erzeugt werden. 

Der Verfasser hat eine erläuterung zu seinen blättern hin- 
zuzufügen eigentlich nicht für nöthig befunden ; nur auf dem 
Umschlag der hefte giebt er in wenigen worten eine kurze re- 
chenschaft über die von ihm bevorzugte ansieht. Wer sich die, 
sonst leicht auseinanderfallenden, plane will zusammenheften las- 
sen, muß diese bemerkungen aufgeben; sie werden sich schwer- 
lich mit den blättern, welche die colorirten Zeichnungen enthal- 
ten, zusammenbinden lassen. Die aufeinanderfolge der blätter 
ist außerdem recht willkürlich ; man sieht gar nicht ein, warum 
v. Kampen in der 1. lieferung die nr. I. III. XIII., in der 2. 
und 3. lieferung II. IV. V. VI. IX. XV., in der 4. u. 5. VII. 
VIII. X. XI. XII. XIV. zusammenbringt; damit ist allein schon 
für den fall einer chronologischen anordnung die kurze erklä- 
rung beizubehalten unmöglich gemacht. Ich werde bei der be- 
sprechung die natürliche reihenfolge wieder herstellen und mich 
hauptsächlich auf die plane beschränken, welche zu irgend einem 
bedenken veranlassung geben. 

Nr. I. Helvetiorum clades , ist ganz dem plan Napoleons 
nachgebildet , nur daß der Verfasser , worauf er sich etwas zu 
gut thut , nicht , wie Napoleon , den Helvetiern eine dreifache 
Schlachtordnung beilegt, daß er dem troß eine etwas südlichere 
Stellung gegeben und daß er durch dunklere oder mattere färben 
den allmählichen verlauf der schlacht angedeutet hat; das ne- 
benkärtchen, die niederlage der Tiguriner, findet sich nicht bei 
Napoleon , ist aber nach seinen angaben auf seiner Übersichts- 
karte, mit Zugrundelegung der generalstabskarte oder einer re- 
duetion derselben, entworfen. 



Nr. 1. 10. Julius Caesar. 37 

Auch nr. 2, Ariovisti clades, folgt völlig dem plan Napoleons, 
nur daß der Verfasser noch für die Stellung des Crassus mit der 
reiterei einen platz anweist. Die stelle für den tumulus terrenus, 
auf dem die Unterredung Cäsars mit Ariovist stattgefunden hat, 
ist in durchaus verkehrter weise bezeichnet; der Verfasser setzt 
den ort nordöstlich von dem ersten lager des Ariovist an, wäh- 
rend die commentarien sagen : aequo fere spatio ab castris Ario- 
visti et Caesaris aberat. Man sieht aus dieser, auch nach dem 
Wortlaut, verfehlten annähme sofort, daß der bearbeiter des ent- 
wurfs kein militär ist ; wer auch nur ein paar wochen im preu- 
ßischen heer gedient hat, würde augenblicklich bemerken, daß 
die aus der 10. legion gemachten reifer in der ihnen gegebenen 
Stellung im nu von Ariovist's schaaren umringt, von dem römi- 
schen beere abgeschnitten, im rücken angegriffen und, ehe man 
ihnen hätte zu hülfe kommen können, mitsammt Cäsar nieder- 
gemacht worden wären. Der beigegebene conspectus itinerum ist 
aus des kaisers Übersichtskarte entlehnt. 

Eben so ist nr. III, Ad Axonam pugna , wie sich das übri- 
gens von selbst versteht, nach Napoleon's entwurf gezeichnet, 
wie auch das profil des lagers. Der Verfasser legt einiges ge- 
wicht darauf, daß er die quergräben bei dem äußersten kastell 
auf der seite des flusses weggelassen hat. Wenn man genau 
sein will , muß man ihm vorwerfen , daß er diesen quergraben, 
dessen Cäsar übrigens nicht erwähnung thut, auf der andern 
nördlichen seite nach dem sumpf zu nur rechts angedeutet hat; 
er ist (s. Napol. pl. 9) auch links aufgefunden. Dagegen hat 
er recht gethan, das lager des Titurius hauptsächlich auf der 
Südseite der Aisne (in altera ripa) anzubringen , was Napoleon 
versäumt hat. 

Nr. P7, Nerviorum clades, schließt sich durchaus der dar- 
stellung des kaisers an. Auch hier hat der Verfasser durch 
verschiedene nüancen der färben und durch striche ein bild von 
dem verlauf der schlacht zu geben versucht. Wenn er den 
wünsch ausspricht, daß einzelne im zeichnen besonders geübte 
Zöglinge seine blätter in größerem maßstabe ausführen möchten, 
damit diese schlachtpläne bei der erklärung der gerade gelesenen 
kapitel der kommentarien als Wandkarten allen schülern vor äu- 
gen stehen könnten, so glaube ich nicht, daß ein verständiger 
director ein derartiges verfahren zuläßt. Ganz abgesehen von 



38 10. Julius Caesar. Nr. 1. 

der einem einzelnen dadurch aufgebürdeten arbeit, würde eine solche 
Wandkarte — und ich wähle gerade diese schlacht als ein ein- 
leuchtendes beispiel unter vielen — ■ durch alle verschiedenen 
Stellungen, angriffe- und rückzugslinien für die Schüler geradezu 
verwirrend wirken. Läßt der lehrer, der die sache im köpfe 
hat, die aufeinanderfolgenden phasen der schlacht nach und 
nach mit wenigen strichen an der schultafel entstehen, so wird 
der zweck, eine anschauung der Vorgänge zu geben, leichter 
und sicherer erreicht. Es würde sehr schade sein, wenn die 
jetzt angebahnte sachliche erklärung des militärisch - technischen 
Schriftstellers durch Übertreibung wieder zu einem nothwendig 
werdenden rückschritt gezwungen werden sollte. — Das oppi- 
dum Aduatucorum wird mit Göler in dem mont Falhise gefunden, 
und die lesart pedum für passuum für nothwendig erklärt. Man 
vergleiche darüber Phil. XXVI, p. 665 flg. XXXI, p. 326. Auf 
jeden fall scheint mir die umwallung auch auf die südseite der 
Maas ausgedehnt werden zu müssen. Für ein modernes heer 
ist dieser fluß ein hinreichendes hinderniß, nicht für die barbaren, 
welche vermittelst einer fürt leicht aus einer unvollständigen 
Umschließung hätten ausbrechen können; man vergl. Caes. de 
B. Gr. VI, 35 non hos palus, non silvae morantür; II, 4 vadis re- 
pertis partem copiarum traducere conati sunt (Axonam); II, 27 trans- 
ire latissimum flumen etc. 

Auf tafel V gehört das kärtchen Octodurus dem herausgeber 
an. Dieselbe tafel enthält auch die plane zum Veneterkriege. 
Das „oppidum Venetorurn" 1 nimmt der Verfasser nicht mit dem 
kapitän Grandpre*, Göler, Napoleon vor Vannes selbst bei St. 
Gildas in der nähe von Quiberon an, sondern angeblich den 
einwendungen Thomann's 1871, 23 gehör gebend, hat er selbst 
in Port Louis in der nähe von Lorient eine dafür passende stelle 
zu ermitteln geglaubt; die Seeschlacht läßt er dagegen an der- 
selben stelle, wo Napoleon sie vermuthet, stattfinden. Dann 
würde Cäsar, um mit dem heere die Seeschlacht anzusehen, von 
dem jetzigen Lorient aus bis Quiberon zurückgegangen sein, wo- 
von in seinen Worten nicht der geringste anhält ist ; er sagt nur, 
daß er die weitere belagerung der venetischen oppida als zu 
schwierig und zu erfolglos einstellte, also stehen blieb. Auch 
scheint mir bei v. Kampen das mißverständniß obzuwalten , als 
wäre das von Napoleon angegebene oppidum V4nete für den 



Nr. 1. 10. Julius Caesar. 39 

hauptort des Volkes angesehen worden; dies ist durchaus nicht 
der fall ; es soll nur ausgesprochen werden, daß es das letzte unter 
mehreren der angegriffenen und weggenommenen oppida gewesen 
ist ; und für diese anschauung ist in den angaben Napole'on's die 
Sachlage in allen Verhältnissen passend dargestellt, was bei den 
Kampenschen annahmen durchaus nicht der fall ist. Ist dies 
eine oppidum Venete auf Napoleons karte nicht der beschreibung 
Cäsars entsprechend angesetzt und in der geeigneten terrainbe- 
schaffenheit auf der generalstabskarte nicht nachzuweisen, so muß 
es doch, vorausgesetzt daß die Seeschlacht bei Quiberon stattge- 
funden hat, in unmittelbarer nähe dieses orts gesucht werden. ■*** 
In der schlacht gegen die Unneller schließt sich der Verfasser 
der darstellung Napoleon's an. 

Auf tafel VI wird die schlacht gegen die Usipeter nnd Tenc- 
terer ganz richtig nach Cohausen dargestellt, und nach dem- 
selben gewährsmann der Rheinübergang ; auch die Zeichnung der 
Rheinbrücke ist in der von diesem angegebenen construction 
abgebildet. Der oberst hatte seiner zeit mich aufgefordert, das 
von ihm construirte modell auf unserm kriegsministerium in au- 
genschein zu nehmen. Ich habe damals auf der stelle gegen 
den generallieutenant v. Gliszinski , welcher es mir zeigte und 
erklärte , mein bedauern ausgesprochen , von der construction 
nicht überzeugt zu sein. Die oberhalb der brücke eingerammten 
sublicae können nicht mit derselben verbunden gewesen sein; 
denn wären sie es gewesen, so würden baumstämme und schiffe, 
welche stromabwärts trieben , gegen sie anschlagend , auch die 
brücke gefährdet haben ; Cäsar nennt sie sublicae, und wenn nicht, 
wie bei den unterhalb befindlichen , oblique hinzugesetzt wird, 
muß man, nach dem, was der Schriftsteller selbst in §. 4 sagt, 
darunter senkrecht eingerammte pfähle verstehen. Die befesti- 
gung mit „wieden", gedrehten weidenruthen, wie sie v. Cohausen 
angegeben hat , kann zwar die 6tämme von floßhölzern zusam- 
menzuhalten ausreichen , aber nicht die durchgesteckten fibulae 
festhalten ; bei mäßig starkem druck, und im Rhein ist der Was- 
serdruck ungeheuer stark, mußten sie, wenn auch durch pflöcke 
verkeilt, aus den balken, in die sie eingeklemmt worden waren, 
herausgerissen werden. Ueberhaupt ging v. Cohausen wohl von 
einer unrichtigen Vorstellung aus, wenn er die brücke ganz ohne 
eisen wollte zu stände gekommen sein lassen. Wäre es der fall 



40 10. Julius Caesar. Nr. 1. 

gewesen, würde Cäsar diese eigenthümlichkeit zu erwähnen nicht 
unterlassen haben, die ja gerade den größten triumph seiner con- 
struction ausgemacht haben würde. Eisenarbeiter und eisen waren 
für die Instandhaltung und neuanfertigung der unbrauchbar ge- 
wordenen oder fehlenden waffen und Werkzeuge in jedem heere 
der damaligen zeit nöthig, ja so unentbehrlich, daß eine erwäh- 
nung derselben, weil selbstverständlich, gar nicht gemacht zu 
werden brauchte. Ich habe auch Napoleon's modell in dem mu- 
seum celtischer alterthümer in dem schloß St. Germain-en-Laye 
gesehen und habe es gleichfalls , als mit Cäsars beschreibung 
nicht übereinstimmend , verwerfen müssen ; die über kreuz ange- 
brachten latten, welche von einem balkenpaar zum andern reichen, 
können unmöglich von dem Schriftsteller mit binis fibulis utrimque be- 
zeichnet worden sein. Was Thomann (Programm der Zürch. kan- 
tonsch. 1874), p. 11 gegen die im Piniol. X, p. 733 von mir ange- 
gebene construction einwendet, es würde nach meiner erklärung 
utrimque sich auf etwas anderes beziehen als was durch haec utraque 
bezeichnet werde, ist ein ganz unrichtiges bedenken; so wie die 
worte stehen, ist es gar nicht anders denkbar, als daß haec utraque 
mit dem folgenden utrimque ganz verschiedene beziehungen haben 
müsse; denn wenn utrimque in demselben sinne wie utraque hätte 
verstanden werden sollen, würde es, in einem und demselben satze, 
als völlig überflüssig gar nicht angebracht worden sein. 

Der auf karton VII geschilderte Übergang nach Britannien 
schließt sich der von mir in Philol. XXII, p. 309. XXVI, p. 670 
und in der Zeitschrift für die allgemeine erdkunde, Berlin, Rei- 
mer 1865 gegebenen darstellung an; der marsch in Britannien 
ist nach Napoleon's karte angegeben. Das kleine kärtchen, wel- 
ches die brittischen inseln nach der Vorstellung Cäsars zeigt, 
hätte etwas anders gezeichnet werden müssen ; so wie es jetzt 
aussieht, paßt der ausdruck des Schriftstellers alterum vergit ad 
Hispaniam atque occidentem solem nicht; es hätte zu dem zweck 
die nordküste von Spanien sich von dem winkel, in dem sie mit 
Gallien zusammenstößt, weit mehr als es in der Zeichnung ge- 
schieht , erheben , die küste Britanniens sich nach eben dieser 
Seite hin mehr senken müssen. 

Auf tafel VIII ist die dislocation der truppen für den win- 
ter 54 auf 53 Napoleon's planche 14 nachgezeichnet, nur daß 
der lagerplatz des Sabinus und Cotta mit Cohausen in Embourg 



Nr. 1. 10. Julius Caesar. 41 

und demzufolge das lager Cicero's in Namur angesetzt worden 
ist. Der kreis, den der kaiser um die "Winterquartiere mit einem 
radius von 100 römischen meilen schlägt, würde von Cäsars 
seite den ausdruck circuitu milium passuum centurn continebantur 
erfordert haben, ein ausdruck, zu dem er schwerlich die nöthige 
geographische übersieht besaß. Auch hätte ein militär wie der 
kaiser einsehen müssen , daß , wenn auch die Winterlager in ei- 
nem radius von 100 römischen meilen eingeschlossen waren, 
nichtsdestoweniger immer noch eines von einem andern 200 
römische meilen hätte entfernt sein können ; die angäbe Cäsars 
hat aber nur sinn und werth, wenn man aus derselben ersieht, 
daß, des gegenseitigen Schutzes wegen, keines der lager von ei- 
nem andern mehr als 100 römische meilen entfernt aufge- 
schlagen war. — Der oberst von Cohausen hat im jähre 1863 
einen brief über den andern an mich geschrieben , um mich zu 
überzeugen, daß oppidum Aduatucorum und Aduatuca eine und 
dieselbe örtlichkeit sein müsse. Es ist mir durch meine ant- 
worten damals nicht gelungen , ihn von dieser vorgefaßten mei- 
nung zurückzubringen , welche wegen Caes. b. G. V, 38 einer 
Widerlegung nicht bedarf. Da er Emboun? , etwas südsüdöstlich 
von Cimbourg, für den geeignetsten platz hielt, das oppidum Adu- 
atucorum vorzustellen, indem es zu einer Umschließung 15000 
passus erfordert , so setzte er hier auch das lager des Sa- 
binus und Cotta an, also gar nicht im lager der Eburonen, 
wie es erforderlich ist, sondern im lager der Condruser. Nach 
der niederlage der beiden legaten marschirt Ambiorix s tat im, 
also ohne erst umzukehren, denn das ist der sinn dieses adverbs, 
auf das lager Cicero's ; ein beweis , daß der rückzug der Römer 
nach Cicero's , nicht nach Labienus lager gerichtet war. Wird 
aber Aduatuca in Embourg angesetzt, so hat die rückzugslinie 
des römischen heeres, wegen der Maas, wie v. Kampen es auch 
annimmt, nach dem lager des Labienus gerichtet gewesen sein 
müssen, was mit statim nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. 
Daß einige Soldaten aus der niedermetzelung der anderthalb le- 
gionen zu Labienus gelangten, ist trotzdem ganz natürlich ; denn 
wenn sie denselben weg hätten fortsetzen wollen, den die Ebu- 
ronen eingeschlagen hatten, so würden sie diesen unfehlbar in 
die hände gefallen sein. Danaeh halte ich auch jetzt noch 
die annähme von Embourg für Aduatuca , die zuerst v. Köcke- 



42 10. Julius Caesar. Nr. 1. 

ritz (s. Phil. XXII, p. 140) aufgestellt hat, für verfehlt, desgleichen 
die annähme von Namur für das lager Cicero's im fünften buch©, 
da diese gegend nicht zum gebiete der Nervier gehörte. Kam- 
pen -, recht gut einsehend , daß der annähme von Embourg für 
Aduatuca die worte Cäsars BGr. VI, 32 in mediis finibus Eburonum 
gänzlich widersprechen , möchte deshalb annehmen , daß hinter 
Eburonum der name eines volkes (er muß Condrusorum meinen) 
ausgefallen sei : dies ist mit mediis finibus unmöglich ; Cäsar hätte 
in diesem sinne sagen müssen, wie V, 24, in confinio Eburonum 
Condrusorumque. So zieht eine fehlerhafte ansieht immer wieder 
einen andern fehler nach sich. 

Tafel IX ist mit zwei unwesentlichen hinzufügungen genau 
aus Napoldon's kartenwerk copirt, auch die gallischen mauern, 
obgleich für seine reconstruetion der kaiser Philol. XIX, 3, v. 
Kampen dagegen Rev. ar jhe'ol. XX, planche XIX und XXI, pl. 
Vn. X anführt. 

Tafel X, Avaricum, ist aus dem atlas des kaisers entlehnt, 
ebenso tafel XI, der krieg um Paris , mit hinzufügung der ver- 
schiedenen Stellungen des Labienus. 

Auf plan XII giebt der Verfasser die darstellung der nie- 
derlage des Vercingetorix nach der karte des kaisers (nur mit 
der von diesem unterlassenen Zeichnung des agmen quadratum) % 
die falsche erklärung Napole'on's von altero die zwar nicht billi- 
gend, aber, wie er es unter diesen umständen mußte, durch eine 
völlig unrichtige annähme dieselbe zeit, wie jener, ausrechnend, 
durch die annähme nämlich, daß der aufbruch nach Alesia erst 
am tage nach der Schlacht erfolgt sei, während doch der Schrift- 
steller protinus vom abmarsch des Vercingetorix und secutus quan- 
tum diei tempus est passum von Cäsar gebraucht. Eine falsche 
annähme veranlaßt immer wieder neue fehler. 

Auch tafel XIII, Alesia, ist, wie gar nicht anders erwartet 
werden durfte, nach dem werk Napole'on's dargestellt, nur daß 
der Verfasser castell 22 und 23 nicht auf dem berge R^a, son- 
dern innerhalb der beiden einschließungslinien angebracht hat, 
das erstere bestimmt mit unrecht, da es von dem kaiser an der 
stelle angegeben worden ist, wo seine spuren aufgefunden wor- 
den sind. Ob ferner die flucht der gallischen reiter sich zu 
beiden Seiten des mont Auxois erstreckte , wie v. Kampen an- 
nimmt, wird von Cäsar nirgends angedeutet; daß sie aber nach 



Nr. 1. 10. Julius Cäsar. 43 

dem stadtthor an der Westseite gerichtet gewesen sein sollte, wie 
in den Jahnschen Jahrbüchern 119. 120, H. 2., P. in M. an- 
nimmt, ist unmöglich, da gerade hier der abhang für reiter viel 
zu schroff, so steil nämlich war, daß Vercingetorix hier nicht 
einmal ein lager etabliren konnte. Man muß, wenn man die 
flucht der gallischen reiter nur auf einer seite will stattfinden 
lassen , wegen des pluralis angustioribus portis relictis annehmen, 
daß die trockenmauer auf jeder seite, südlich wie nördlich, meh- 
rere thore hatte. Die änderung von cccc passus (statt pedes\ 
welche Kampen vorschlägt, ist schwerlich nothwendig, da Cäsar 
nur eine durchschnittsentfernung angiebt und da , wo die con- 
travallationslinie am fuße des berges Flavigny anfing , sie von 
dem graben in der that nicht viel mehr als 400 fuß entfernt 
ist. Napoleon giebt im text einmal (p. 342, Par.) quatre cents 
pieds, ein andermal (p. 359) 400 pas. Diese Verschiedenheit der 
angäbe scheint Kampen auf seine conjectur gebracht zu haben. 

Die tafel XIV, den krieg gegen die Bellovaker behandelnd, 
giebt den plan des kaisers in etwas weiterer ausdehnung des 
terrains, so daß man den rückzug dieses volks bis nach dem 
mont Ganelon verfolgen kann; der Verfasser giebt auch einen 
ort für das cap. 15 erwähnte lager an; die munimenta castrorum 
sind wohl eine ausgeschmückte nachbildung der Gölerschen angaben. 

Endlich in der letzten tafel XV, Uxellodunum, copirt Kam- 
pen die Napoleonische karte. Auf dem Umschlag bemerkt er, 
daß das terrain den worten des 41. kapitels quae fere pedum 
CCC intervallo fluminis circuitu vacabat durchaus nicht entspricht; 
er möchte deshalb rupium statt fluminis lesen. Ich habe längst 
auf die Schwierigkeiten , welche der Puy d'Issolu für jede ver- 
nünftige erklärung entgegenstellt, aufmerksam gemacht, Philol. 
XXVI, p. 696 flg. Allein die arbeiten, die man aufgefunden 
hat , wird man sagen , lassen einen zweifei an der richtigkeit 
der annähme dieses berges für das alte Uxellodunum gar nicht 
aufkommen. Aber wie, wenn man in diesen arbeiten gal- 
lische bergbauminen vor sich hat ? minen , in deren anle- 
gung gerade die bewohner Aquitaniens und gewiß auch die 
ihm unmittelbar benachbarten Celten , nach Cäsar selbst , ganz 
besondere fertigkeit hatten, b. G. III, 21. Das von Napoleon 
besonders hervorgehobene hervorsickern des wassers beweist nicht, 
daß man den gang vor sich zu haben braucht, der zur ablei- 



44 11. Tacitus. Nr. 1. 

tung einer quelle gedient hatte; in jedem verlassenen schacht 
sammelt sich wasser, und an solchen bergabhängen braucht man 
nur eine röhre in die erde hineinzustoßen, um eine quelle zu 
gewinnen. Doch wie dem auch sei, der plan verdeutlicht we- 
nigstens nicht die Schilderung des Schriftstellers. In allen den- 
jenigen fällen, wo das terrain nicht mit völliger gewißheit er- 
mittelt ist, wird der einsichtsvolle lehrer gut thun, bloße ver- 
muthungen den Schülern vorzuenthalten; hier, bei TJxellodu- 
num, wo die beschreibung des Hirtius mit der Zeichnung 
der gegend in so argem Widerspruch steht, ihnen die zu- 
muthung zu machen, ihr immerhin doch noch dürftiges verständ- 
niß des Schriftstellers, ihre wenn auch noch so geringe kenntniß 
der lateinischen spräche und ihr bischen verstand an einer un- 
zutreffenden illustration , mag sie auch immer aus einem kaiser- 
lichen werk stammen, gänzlich einbüßen zu sollen, das ist ge- 
radezu ein vergehen gegen die jugend. Dinge, welche lediglich 
den kritiker angehen, dürfen nicht das sprachliche gewissen des 
Schülers beunruhigen; die plane, welche nicht zur besseren er- 
läuterung des Schriftstellers dienen, müssen einzig und allein 
dem Studium des lehrers reservirt bleiben. 

H. F. Heller. 



11. Das leben des Agricola von Tacitus. Schulausgabe 
von A. Drag er. Dritte aufläge. B. G. Teubner 1879. 2 bl. 
u. 52 p. 8. 

12. Cornelii Taciti de vita et moribus Cn. Julii Agricolae 
über. Erklärt von Carl Tückin g. Zweite verbesserte aufläge. 
Paderborn, Ferd. Schöningh 1878. VI u. 72 p. 

Wie D r ä g e r s übrige arbeiten zu Tacitus so ist auch 
seine erklärende ausgäbe des Agricola eine bekannte leistung 
und bedarf keiner beurtheilung mehr. Nur über das verhältniß 
der neuen aufläge zu der früheren und zu dem gegenwärtigen 
stände der forschung mögen einige bemerkungen hier mitgetheilt 
werden. Der t e x t hat eine reihe von abänderungen erfahren, 
die fast durchaus wirkliche Verbesserungen sind. Ref. hebt fol- 
gende hervor: 3, 1 redit animus; 3, 12 ut sie dixerim, 9, 3 splen- 
didae inprimis dignitatis administratione , 12, 8 dierum spatia (mit 
weglassung des früher eingeschobenen aestate), 13, 12 auetor 



Nr. 1. 11. Tacitus. 45 

iterati operis, 16, 9 proprius ex legato timor, 16, 10 ut süae cuius- 
que iniuriae ultor , 17, 7 alterius successoris (während früher suc- 
cessoris eingeklammert war), 19, 15 auctiore pretio, 22, 16 secre- 
tum, ut silentium, 25, 3 infesta hostibus exercitus itinera, 26, 8 re- 
diit , 31, 6 conteruntur , 31, 19 in libertatem, non in paenitentiam 
bellaturi , 32, 16 neque tegit neque vulnerat, 33, 5 septimus annus 
est, 46,4 neque lug er i neque plangi. Fraglich erscheint es, ob auch 
12, 3 trahuntur, 28, 6 renavigante, 44, 5 nihil metus in vultu (mit 
tilgung von et impetus) zu schreiben war. Die mehrzahl dieser 
änderungen ist im anschluß an Halms dritte ausgäbe vorgenommen. 
Die bedeutenderen abweichungen seines textes von der Halm' 
sehen recognition verzeichnet Dräger in einem kritischen anhang 
unter angäbe der autorität, welcher er gefolgt ist. Zu 1, 14 
sollte in erster linie Linkers name genannt sein, der schon 1858 
vorschlug: tarn saeva — tempora egimus; übrigens ist das be- 
denkliche eines derartigen Vorschlages, durch welchen 2, 2 die 
weitere änderung von fuisse in fuit nöthig wird, bereits von Ur- 
lichs betont. 11, 11 konnte zur rechtfertigung von persuasiones 
auf Joh. Müller, Beitr. z. kr. u. erkl. d. Tac. I, 6, anm. 1 ver- 
wiesen werden. 13, 10 steht mobilis im cod. B und paenitentia 
rührt von Puteolanus her. 16, 20 ist esset von Halm an die 
stelle von et gesetzt (nicht vor et eingeschoben). 27, 7 hat 
Lipsius arte ducis victos (nicht arte victos) vermuthet. 28, 8 war 
zu verzeichnen , daß Halm raptum egressi et cum liest , während 
Dräger aus seiner früheren ausgäbe raptum exeuntes cum beibe- 
halten hat. 29, 10 (nicht 28, 5) steht commune periculum nicht 
nur im cod. B sondern durch correctur von erster hand auch 
in A. 35, 6 ist victori statt victoriae eine kaum statthafte, jeden- 
falls aber überflüssige conjeetur von Peerlkamp. Zu 43, 12 
konnte bemerkt werden, daß voltu habituque auch Hist. I, 14. 17 
steht. 44, 1 iterum und 44, 2 quinto schreibt Dräger mit Nip- 
perdey, Urlichs und Peter gegen Mommsen, Herrn. III, 80, an- 
merkung 4. 44, 13 non lieuit ergänzte zuerst Dahl. Der com- 
mentar der dritten aufläge zeigt gegenüber der zweiten we- 
nige änderungen , soweit nicht der neugestaltete text solche nö- 
thig machte, aber ziemlich häufige zusätze (insbesondere parallel- 
stellen). Die sprachlichen erläuterungen überwiegen wie bisher, 
die sachlichen sind auf das knappste maß beschränkt. So hätte 
ref. im 6. cap. noten zu folgenden worten gewünscht: 1 ad ca- 



46 12. Tacitus. Nr. 1. 

pessendos magistratus, 3 ad maiora nitenti, decus, robur, 7 pro con- 
sule Salvium Titianum, 15 praeturae tenor et silentium, 18 electua 
ad dona templorum recognoscenda. Wenn der herausgeber über 
diese punkte geschwiegen, wenn er auch auf die erklärung des 
Zusammenhangs mit bewußter absieht verzichtet hat, so bewog 
ihn hiezu ohne zweifei seine persönliche ansieht über die be- 
stimmung einer Schulausgabe. Durch den nämlichen beweggrund 
ist wohl auch die knappe fassung der einleitung bestimmt. 
Auf die vielfach behandelte frage nach dem wesen und der ten- 
denz des Taciteischen Agricola geht Dräger nicht ein, nimmt je- 
doch feste Stellung, wie man von einem gründlichen kenner er- 
warten durfte. Nicht nur bezeichnet er wie früher so auch 
jetzt die schrift des Tacitus als „ein historisches werk" und 
zwar als eine species der „biographie", sondern er fügt nun- 
mehr hinzu: „daß sie eine politische tendenz habe, kann nicht 
behauptet werden; nur gelegentlich vertheidigt Tacitus die ge- 
mäßigte partei, welcher er nebst Agricola unter Domitian ange- 
hört hatte und welche nach dem tode des tyrannen angriffe erfuhr". 

Aueh Tücking hat sich in der einleitung zu sei- 
ner ausgäbe kurz gefaßt; doch giebt er im Vorwort der zwei- 
ten aufläge einen überblick der neueren litteratur über die ei- 
genthümlichkeit der lebensbeschreibung des Agricola (worin nur 
die erw ähnung der 1874 erschienenen dissertation von J. Jäger 
vermißt wird). Als die zeit der herausgäbe „dieses erst- 
lingswerkes des historikers" bezeichnet Tücking richtig den an- 
fang der regierung Trajans; Dräger begnügt sich mit der an- 
gäbe, daß das leben des Agricola in den letzten monaten der 
regierung des Nerva verfaßt sei. Der darlegung des Zusam- 
menhangs hat Tücking besondere Sorgfalt gewidmet. Ob die 
art der ausführung nicht der eigenen thätigkeit des schülers vor- 
greife, läßt ref. unerörtert; jedenfalls wäre zu wünschen, daß 
die betreffenden andeutungen des herausgebers nicht den text 
des autors unterbrächen, sondern unter den text verwiesen wür- 
den, wo andere ähnliche bemerkungen z. b. über die disposition 
der eingelegten reden ihre stelle gefunden haben. Mit diesen 
bemerkungen ist übrigens ref. nicht durchaus einverstanden; es 
mag daher gestattet sein, hier beispielsweise über die gliede- 
rung der rede des Calgacus einige winke zu geben. 

Die rede umfaßt zwei (nicht drei) haupttheile; das voran- 



Nr. 1. 12. Tacitus. 47 

gestellte thema klingt am Schlüsse jedes haupttheils wieder nach ; 
es lautet: 30, 5 (Dräger) proelium atque arma, quae fortibus ho- 
nesta, eadem etiam ignavis tutissima sunt. Die dasselbe einleiten- 
den sätze sind fest in einander gefügt und deuten bereits an, 
was weiterhin ausgeführt wird. Auf consensum vestrum bezieht 
sich universi servitutis expertes wie auf hodiernum diem die jeden 
Verzug ausschließende bemerkung nullae ultra terrae ac ne mare 
quidem securum. In den zwei begriffen causas belli et necessitatem 
nostram sind in umgekehrter Ordnung die beiden Unterabtei- 
lungen des ersten haupttheils vorgezeichnet : P necessitas nostra : 

30, 7—16; I h causae belli: 30, 16 — 31, 16. Hier kehrt der 
grundgedanke wieder: 31, 15 ita sublata spe veniae tandem su- 
mite animum , tarn quibus salus quam quibus gloria carissima est. 
Daran schließt sich 31, 16 ff. ein exemplum (Brigantes), während 

31, 7 ff. ein simile (mancipia) noch innerhalb J b aufgenommen 
ist. Der zweite haupttheil widerlegt die übertriebenen Vorstel- 
lungen von der virtus Romanorum und gliedert sich wieder in 
zwei unterabtheilungen, deren erste 32, 1 — 9 erörtert, warum die 
Römer bisher siegreich waren, während die zweite 32, 10 — 21 
durch vier punkte nachweist , warum jetzt die Britannier siegen 
werden. Auch zum Schlüsse des zweiten haupttheils wie des 
ganzen begegnet der gedanke des themas : 32, 22 servientium 
poenae, quas in aeternum perferre aut statim ulcisci in hoc campo 
est: proinde ituri in aciem et maiores vestros (vgl. honesta, gloria) 
et posteros {tutissima, salus) cogitate. 

Dieser Übersicht füge ich eine anmerkung bei, die durch 
das schweigen der ausleger gerechtfertigt sein dürfte. Daß die 
rede des Calgacus vor Britanniern aus allen landestheilen ge- 
halten ist, ergibt sich schon aus cap. 29 wie aus cap. 34; 
andererseits sind z. b. die Schlußworte des cap. 31 unver- 
kennbar nur an die Caledonier gerichtet. Der redner wech- 
selt demnach im verlauf seiner anspräche; und zwar zeigt sich 
bei genauer betrachtung, daß in der einleitung und im zwei- 
ten haupttheil der Caledonierhäuptling zu den britischen Volks- 
genossen überhaupt redet , während er in der ersten unterab- 
theilung des ersten haupttheils nur zu seinen Stammesbrüdern 
spricht, in der zweiten zunächst an alle Britannier und erst 
nach der eingeführten vergleichung ausschließlich an seine Cale- 
donier sich wendet. 



48 13. Eutropius. Nr. 1. 

13. Eutropi breviarium ab urbe condita recensuit H. 
Droysen. Berolini apud Weidmannos 1878. 

Muß man auch zugeben, daß durch die ausgäbe des Eutrop 
von W. Hartel (Berlin 1872) ein wesentlicher fortschritt vor 
den früheren ausgaben gemacht ist, so war es doch zu beklagen, 
daß sich Hartel nicht streng genug an die beste aller bis jetzt 
aufgefundenen handschriften , nämlich Cod. Gothanus nro. 101, 
gehalten hat, sondern oft ohne genügenden grund von dieser 
abwich und die lesarten anderer handschriften in den text auf- 
nahm. Diesen fehler vermied nun H. Droysen , der herausge- 
ber der oben verzeichneten ausgäbe des Eutrop, und gerade da- 
durch hat er oft das richtige wieder hergestellt. Auch war er 
in der glücklichen läge , ein weit größeres handschriftliches ma- 
terial benutzen zu können als Hartel, und ich glaube nicht zu 
irren, wenn ich sage, daß dasselbe im großen und ganzen hiermit 
erschöpft ist und das, was noch zn emendiren ist, der conjectur 
anheimfällt. Von den benutzten handschriften sind außer dem 
cod. Gothanus besonders der Fuldensis, der Bertinianus und der 
Leidensis hervorzuheben, sämmtlich aus dem IX. oder X. Jahrhun- 
dert mit ausnähme des Fuldensis, von dem wir nichts genaueres 
wissen (vgl. Lüdecke in Fleck, jahrb. 1875, p. 874). Ausführlich hat 
Droysen über diese handschriften in seiner größeren ausgäbe 
(Monument. Germ. Auct. Antiquissim. tom. II, p. 1 — XXI) ge- 
handelt und die resultate seiner Untersuchung kurz in dem con- 
spectus codicum vor der kleineren ausgäbe zusammengestellt. 

Von den stellen, an welchen Droysen die lesarten des cod. 
Gothanus wieder in ihr recht zurückgeführt hat, hebe ich besonders 
folgende hervor: 4, 6,2 (p. 26, 28 ed. Droysen) in auxilio erant; 
4, 8, 1 (p. 27, 29) in navi; 6, 3 (37, 20) ad dicionem; 6, 9, 1 
(39, 14) Tigranocertam; 7, 9 (48, 3) Panticapaeum ; 9, 23 (69, 3) 
a Constantio Caesare; 9, 1, 1 (71, 2) administratione ; 9, 3, 1 (72, 
13) exercitus; 10, 1, 2 (71, 11) festis ; 10, 4, 1 (72,28) strenuus; 
1, 16, 2 (7, 19) superavit; 5, 1, 2 (32, 25) redirent; 5, 3, 3 
(33, 31) egissent; 9, 2Q (70, 8) invexerat; 5, 5, 1 (34, 15) und 
8, 2, 1 (54, 22) primum; 10, 18, 2 (78,3) tertio: 8, 16 (60,8) 
und 8, 18, 2 (60, 21) et; 4, 1, 1 (25, 3) et primo; 8 , 6, 2 
(56, 19) et de Assyria, Mesopotamia, Armenia revocavit exercitus 
(vrgl. Hieronym. ed. Eonc. I, 451/452) ; 6, 24 (45, 3) et Pompei 
filiua; 4, 6, 4 (27, 9) fraterque; 8, 9, 2 (57, 26) tuncque; 9, 9, 



Nr. 1. 13. Eutropius. 49 

1 (64, 8) tum; 1, 20, 3 (8, 26) etiam accepto; 7, 21, 2 (53, 2) 
conflixit ictibus; 8, 18, 4 (60, 29) toto orbe Romano. Manchen 
zusatz , den Hartel nach anderen handschriften hinzugefügt hat, 
hat Droysen mit recht gestrichen , und die eingeklammerten 
stellen , die wir bei Hartel öfter finden , sind meistens in der 
neuen ausgäbe als interpolationen ganz aus dem texte verwiesen. 
Umgekehrt setzt Droysen nach cod. Gothanus est 6, 7, 2 (38, 
25); esse 2, 13, 3 (12, 28); et 3, 6 (18, 25), 4, 23 (31, 14), 
7, 20 (52, 20); anno 1, 1, 2 (3, 10); filium hinter virum 10, 6, 
3 (73, 21); eo 5, 8, 1 (36, 5); cum ipso rege 1, 8, 3 (5, 9) in 
den text und schließt sich in der Schreibung der eigennamen 
genauer an den Gothanus an, wie er überhaupt eine gleich- 
mäßigere Orthographie derselben durchführt, so Decebalus (vrgl. 
Mommsen im index zu Plin. Epist. ed H. Keil, p. 408), Suebia 
und Suebi, Masinissa, Odenathus, Sulla; nur bei Ariarathes ist 
er sich nicht gleich geblieben, indem er 4, 20, 1 (30, 26) diese 
form schreibt, aber 4, 6, 2 (26, 18) Ariaratus. In der kleine- 
ren ausgäbe 5, 1, 4 (33,5) lesen wir Teutomodum, in der grö- 
ßeren aber (p. 84, 11) nach Hieronymus Teutobodum. Zweifel- 
haft scheint mir für Eutrop die Schreibung Britannia, Britanni, 
Britanniens. Weßhalb hier Droysen vom Gothanus abweicht, 
der Britania hat, sehe ich nicht ein, findet sich doch letztere 
form sowohl auf inschriften als auch bei spätem Schriftstellern 
z. b. im Solinus, Martianus Capeila, bei den Script, hist. Augustae, 
im Ampelius und im Breviarium des Festus J ), vrgl. L. Müller 
de r. m. p. 360, Corssen Ausspr., vocal. u. bet. der lat. spr. I, 
177, Georges Lat.-deutsch. lexic. I, p. 810 (7. aufl.). Auch kann 
ich Droysen nicht beistimmen, daß er den acc. Singara in den 
text gesetzt hat. Denn nicht allein Gothanus, sondern auch die 
besten handschriften im Festus cap. 27 (ed. W. Foerster, p. 21, 8) 
und Amm. Marceil. 18, 5, 7 (vrgl. Gardthausen II, p. 369) 
haben die richtige aecusativform Singaram. Wenn Paeanius er 
ZiyyÜQoig übersetzt, so erseben wir nur daraus, was auch sonst 
z. b. durch Dio Cassius 68, 22 bestätigt wird, daß dies wort 
im griechischen neutr. pluralis ist, aber Droysen durfte sich da- 
durch nicht verleiten lassen, Singara auch im lateinischen als 

1) In der größeren ausgäbe des Eutrop p. XXV nennt Droysen 
diesen Schriftsteller richtig Festus, in den noten p. 138, 142, 150 aber 
irrthümlich Rufus. 

Phüol. Anz. X. 4 



50 12. Eutropius. Nr. 1. 

neutr. pluralis zu behandeln. Aehnlich verhält es sich z. b. mit 
Megara, welches wort im griechischen r« Meyaga heißt, im la- 
teinischen aber den accusativ nach der ersten declination bildet, 
wie Cicer. de Div. 1, p. 57 beweist. Mehr hierüber findet man 
bei Neue Lat. formenl. 1, 479, der freilich Singara übersehen 
hat Den accusativ Praeneste setzt Droysen mit recht an allen 
stellen (II, 2, II, 12, V, 8) ein, obwohl im Gothanus nur ein- 
mal Praeneste (V, 8), zweimal aber Praenestem geschrieben ist. 
Denn soviel ich weiß kommt letztere form bei keinem andern 
schriftsteiler vor, sondern es findet sich immer Praeneste und 
zwar als neutrum, vrgl. Neue Lat. formenl. 1, p. 634. Nur im 
Vergil Aen. 8, 561 (Praeneste sub ipsa, wozu Priscian 7, 11, 56 
bemerkt: Figur ate enim ad urbem addidit ipsa, cum proprium op- 
pidi neutrum sit) und im Iuvenal. 3, 188 (gelidä Praeneste) er- 
scheint das wort als femininum. Auf die erklärung des Servius 
(zu Verg. Aen. 7, 682), daß es auch einen nominativ Praenestis 
gegeben habe , lege ich kein gewicht , da ja die alten exegeten 
und grammatiker in der aufstellung der zu ihrer erklärung nö- 
thigen formen oft sehr leichtfertig sind, und da ich wie gesagt 
die form Praenestem mit keiner andern stelle belegen kann , so 
möchte ich auch im Eutrop diese form nicht aufnehmen , wie 
Hartel es gethan hat. Ebensowenig kann ich aber auch glau- 
ben , daß der simple Eutrop die kühne Verbindung ipsam Prae- 
neste (II, 2) gewählt hat, wie Droysen will, sondern bin viel- 
mehr der ansieht, daß ipsam in ipsum umgeändert werden muß. 
Auch kann ich es nicht gut heißen, wenn Droysen an fol- 
genden stellen vom Gothanus abweicht, indem er 4, 23, 2 (31, 
16) annoque; 10, 1, 2 (71, 13) ei und 1, 16, 1 (7, 14) et zwi- 
schen consulnamen zusetzt oder est nach Pyrrlio 2, 13, 1 (12, 
21), nach bellum 4, 20, 1 (30, 21) und nach transgressus 6, 14, 
2 (41, 19)-, sunt nach data 3, 7, 3 (19, 10); eoa nach pretio 2, 
27, 4 (17, 13); Miihridati est nach responsum 5, 5, 1 (34, 17) 
und milia nach septem 7, 18, 3 (51, 18) ausläßt. Wenn ferner 
Droysen 7, 11, 2 (48, 28) quis in quibus und 10, 15, 1 (76, 11) 
quis rebus cognitis in qui iis rebus cognitis umändert, so halte ich 
dies für durchaus überflüssig, denn ebenso gut, wie er nach dem 
Gothanus die form des gen. pluralis mensuum 8, 21 (61, 23), die sich 
ja freilich handschriftlich wie inschriftlich nachweisen läßt (vrgl. 
Neue Lat. formenl 1, p. 260 ; Bücheier Lat. decl. 42; Baiter praef. 



Nr. 1. 14. Corn!ficiTi9. 51 

ad Cicer. epist. ad famil. , p. XVI), in den text aufgenommen 
hat, hätte er an beiden angeführten stellen quis nach dem Gothanus 
stehen lassen müssen , da sich diese form als abl. pluralis öfter, 
selbst bei Cicero findet (vgl. Neue Lat. forml. 2|, 232—234). 
Auch möchte ich lieber 3, 17 (22, 27) postquarn Scipio ad Hi- 
spanias profectus erat statt profectus est schreiben , denn das ver- 
sehen im Gothanus profectus fuerat läßt eher erat als est ver- 
muthen, und postquarn mit dem plusquamperfectum ist bei Eutrop 
nicht ungewöhnlich, vrgl. II, 24. In der stelle 2, 1 (9, 7), die 
im Gothanus folgendermaßen lautet : nam Camülus eo anno 
Volscanorum civitatem , quae per septuaginta annos bellum gesserat, 
vieit et Aequorum urbem et Sutrinorum atque ornnibus deletis earun- 
dern exercitibus occupavit et tres sirnul triumphos egit , scheint mir 
das einfachste, atque zu streichen, nicht occupavit et, wie Droysen 
es thut. Was aber 4, 4, 1 (26, 1) betrifft: ipse postea Antio- 
chus circa Sipylum Magnesium Asiae civitatem a consule Cornelio 
Scipione ingenti proelio fusus est, so glaube ich kaum, daß circa 
Sipylum Magnesiam eine lateinische construction ist, ich ziehe 
deßhalb die conjectur von Cellarius: circa Magnesiam ad Sipylum 
vor. Man vergleiche nur die Übersetzung des Paeanius : h Ma- 
fvr\6ia T7j nohg Zmvlo) Tr t g ' Aaictq und was Livius 37, 37 sagt, 
den ja Eutrop als quelle benutzte (vrgl. Pirogoff de Eutropii in- 
dole ac fontibus p. 39): circa Magnesiam, quae ad Sipylum est, 
castra posuit. 

Was die Orthographie betrifft, so hat sich Droysen nicht 
immer nach dem Gothanus gerichtet, so z. b. in den Wörtern exse- 
crabilis 7, 15 (50, 10); 7, 23 (53, 27, exsequiae 7, 18 (51, 20); 
9, 2 (62, 27), die er ohne s schreibt, vrgl. Brambach Hülfsb. 
37. Im Gothanus II, 13, 2 (12, 26) steht nach der mir vor- 
liegenden collation — Droysen bemerkt in der note nichts — ■ 
rettulissent , was in den text aufgenommen werden muß , vgl. 
Brambach Hülfsb. 57. Von druckfehlern habe ich nur bemerkt 
p. 14, 8, wo es XVIDI heißen muß. 

C. Wagener. 

14. Phil. Thielmann, de sermonis proprietatibus qnae 
legnntur apud Cornificium et in primis Ciceronis libris. 113 p. 
(Im zweiten band der Dissert. phil. Argentorat. p. 347 fgg.) 1879. 

Die Untersuchungen über archaische latinität, welche sich 

4* 



52 14. Cornificius. Nr. 1. 

lange vorwiegend auf Plautus und die Inschriften gerichtet ha- 
ben , sind in neuester zeit dahin erweitert worden , daß auch 
die letzten ausläufer und die in der classischen periode erhalte- 
nen Überreste derselben gegenständ wissenschaftlicher forschung 
geworden sind. Nahe verwandt damit und theilweise nur dem 
namen nach verschieden sind die arbeiten , welche die spuren 
vulgärer diction in der römischen litteratur aufsuchen : bestand 
doch ein characteristischer zug der Volkssprache darin , daß sie 
am alten festhielt und gegen die neuerungen der classischen 
litteratur gleichgültig blieb. Aus dem ciceronianischen Zeitalter 
sind neuerdings untersucht: die spräche des BAfricanum und 
Hispaniense sowie die eigenthümlichkeiten der altern reden Ciceros 5 
Varro ist uns von Seiten seiner Wortbildung bekannt geworden; 
Cornificius und Ciceros Jugendschrift de inventione behandelt 
Thielmann in der oben angezeigten abhandlung: dagegen fehlt 
noch vor allem eine sprachliche analyse der briefe Ciceros und 
an Cicero und eine grammatik von Vitruvius. 

Da nun Cicero in jenem versuche den Cornificius in einer 
weise benutzt hat, welche mit dem heutigen begriffe der auto- 
renrechte nicht in Übereinstimmung steht, so ist es von interesse 
zu beobachten, wie er zwar manches archaische seiner quelle 
herübergenommen, aber auch wieder manches, was seinem Sprach- 
gefühle widersprach, abgeändert hat. Der fortschritt des Cicero 
erscheint um so größer, als vrf. auch dasjenige hervorhebt, was 
Cicero geflissentlich vermieden hat (z. b. Cornificius rare, Cicero 
nur raro), ein moment der Untersuchung, welches so lange vernach- 
lässigt, heute nicht genug der beachtung empfohlen werden kann. 

In der formenlehre weicht Cornificius nur unbedeutend 
von der classicität ab ; das meiste ist schon bei Neue verzeichnet 
und anderes, was man anführen könnte, kritisch nicht gesichert, 
wie ein passives sequi vom vrf. durch annähme einer andern 
construction beseitigt wird : neue belege erhalten wir für den 
dativ alio , und über das pronom. indefinitum die beobachtung, 
daß Cornificius vor folgendem s constant si qui schreibe. 

Wie verschieden man heute syntaktische eigenthüm- 
lichkeiten beurtheilt, zeigt das beispiel von persuadere aliquem, wel- 
ches Nauck im commentar zum Phädrus als poetisch, vrf. richtig 
als archaisch - vulgär bezeichnet , vgl. französisch persuader quel- 
qu'un. Die beobachtung der archaischen formein te f vos } deos 



Nr. 1. 14. Cornificius. 53 

quaeso (classisch ab aliquo, oder absolut) hat zu der vermuthung 
geführt , daß Sallust , der sich andere objecte gestattet , die alte 
spräche manchmal nur äußerlich und künstlich nachgeahmt habe. 
Eine ausführliche darstellung wird p. 60 ff. (= 406) über die 
sogenannten absoluten accusative id, hoc, omne genus, welche die clas- 
sische latinität offenbar vermeidet , gegeben , und über das ar- 
chaische quod genus = zum beispiel. Dabei möchten wir an 
den unterschied erinnern, daß bei modus nur der genetiv eiusmodi 
sich festgesetzt hat, und zugleich darauf hinweisen, daß im all- 
gemeinen namentlich im conversationston modus zur Umschreibung 
der adverbia dient (wiultimodis , mirum in modum) , wie ja auch 
die Schriftsprache quomodo und quemadmodum beibehalten hat, 
weil ut = oo g zu vieldeutig war. Vgl. Cic. Ep. ad Att. 9, 7, 3 sana 
mente, quomodo (= ut) in tanta insania. Vrf. beobachtet selbst 
p. 79 (425), daß Cäsar ad hunc modum angenommen, Cicero 
es verworfen habe. 

Der genetiv des Verbrechens ist in der archaischen und 
juristischen latinität weiter ausgedehnt auf agere, arcessere, sogar 
satisfacere iniuriarum ; quoad eius wird nur aus Cato , Cornificius, 
Cicero de inv. und den briefen sowie dem alterthümler Gellius 
belegt, was die modernen latinisten zu wenig beachten. Der 
ablativ part. perf. bei opus est ist auf einige wenige fälle be- 
schränkt, wie facto, maturato, properato, tacito, convento. 

In dem capitel der adiectiva und adverbia wird der Steige- 
rung besondere aufmerksamkeit gewidmet, und dabei auch der 
von dem ref. gleichzeitig gefundene satz bewiesen , daß die ar- 
chaische latinität den Superlativ nur mit multo, nicht mit longe 
steigert. Da verf. außer multum und bene mit adjectiven auch sane 
= valde behandelt und die Verbindung sane bene als vulgär be- 
zeichnet {sane bonus oft in Ciceros briefen), so konnte noch bei- 
gefügt werden , daß der gebrauch von sane wie der von oppido 
mehr zu multus, magnus , grandis , longus hinneigt als zu ihren 
gegensätzen, wie aus Ciceros briefen leicht nachzuweisen ist : Ep. 
ad Attic. 7, 14. 9, 17. 13, 21. 16, 13a. 

Im abschnitte über die pronomina verdient beachtung die 
pleonastische Verbindung von unus mit aliquis u. ä., welche im 
italiänischen und französischen (alcuno ; aucun , chacun) fortlebt ; 
ebenso die Verbindung von ecce mit demonstrativen wie iste, ille, 
woraus italienisch questo, quello geworden ist. 



54 15. Mittelalter. Nr. 1. 

Um die nebensätze nicht unberührt zu lassen , machen wir 
nur kurz auf die reiche behandhing der relativsätze mit Wieder- 
holung des beziehungsnomens (dies quo die), welche unsere kennt- 
niß wesentlich erweitert, und auf die pleonastischen Verbindungen 
tametsi . . . tarnen , propterea quod , ideo , idcirco quod u. ä. auf- 
merksam. 

Wortbildung. Daß -tudo älter ist als -tas, beweist uns 
Cicero de inv. 1, 25 mit seinem an. eig. concinnitudo , wofür er 
später conseq/uent concinnitas schreibt , habitudo , suavitudo bei 
Cornificius •, und diese archaischen formen müssen im volke fort- 
gelebt haben, da wir sonst nicht im italienischen und franzö- 
sischen abitudine und habitude linden würden. Die Zusammen- 
setzung mit in privativum war schon in Giceros zeit ins stocken 
gerathen, da Wörter wie in-sacer, insanctus (aröoiog) nie gebildet 
worden sind , sogar composita wie immisericors , indiligens , indili- 
gentia (Cornificius, Cicero de inv.) später verschwunden sind. Be- 
sonders gelungen ist der nachweis, wie die reform Ciceros alle 
composita über bord warf, in denen die präposition ihren werth 
verloren hatte , wie exaugere und adaugere neben augere. Aehn- 
lich werden wir das zurücktreten von exaequare und adaequare 
zu beurtheilen haben. Denn da in alter spräche aequare intran- 
sitiv „gleich sein" bedeuten mußte , wie durare hart , fest sein, 
so wurde ein transitivum entweder durch hülfe einer präposition 
hergestellt , oder durch die Umschreibung aequum , aequabilem fa- 
cere (Plautus), oder aequum parare, aequiparare ; als aber aequare 
später selbst transitiv wurde , erschienen die composita mit prä- 
position überflüssig und aequiparare veraltet. 

Es ist damit freilich nur weniges aus der fleißigen arbeit 
angedeutet und gar nichts aus dem capitel über den Wortschatz, 
aber vielleicht doch genug, um den leser über den grundgedan- 
ken, die methode und die tragweite dieser Untersuchungen auf- 
zuklären. E. W. 



15. Incerti auctoris de Constantino Magno eiusque matre 
Helena libellus; e codicibus primus edidit Eduardus Hey- 
denreich. Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri. MDCCCLXXIX. 
Vn, 30 p. 8. — 60 pf. 

Das von Heydenreich aus zwei handschriften, einer dresdener 



Nr. 1. 15. Mittelalter. 55 

des 14. Jahrhunderts und einer Freiberger des 15. Jahrhunderts, 
zum ersten mal veröffentlichte novellenartige werk eines unbe- 
kannten , spät - mittelalterlichen Verfassers gehört nicht in den 
kreis derjenigen autoren, welche sich in die Bibliotheca scriptorum 
Graecorum et Romanorum Teubneriana füglich einreihen lassen ; 
doch ist seine Veröffentlichung erwünscht, da über die Jugend- 
zeit des Constantin die bisherigen publicationen meist dürftiges 
bieten. Leider hat der herausgeber die drucklegung eintreten 
lassen , ehe er die latinität des werks mit anderen spätlateini- 
schen Schriften zu vergleichen die muße gewinnen konnte. 

Daher erklärt es sich, weshalb eine anzahl unnöthiger oder 
unprobabler conjecturen von dem herausgeber gegen die hand- 
schriftliche Überlieferung beliebt worden ist: so z. b. p. 14, 2 
die völlig verkehrte zusetzung von erat; auch die änderungen 
2, 2. 8, 16. 11, 10. 25, 26 (in der note) scheinen verfehlt, 
ebenso 11, 4 die änderung des richtigen handschriftlichen si in 
se (will man nicht ingereret alleinstehend zulassen, so ist wenigstens 
si <C se ^> ingereret zu schreiben) ; 22, 20 haben die Codices a me 
non longe post morem neg otiandi g ratio recessit , Heyden- 
reich schreibt post more neg otiandi recessit, es ist vielleicht 
post amorem negotiandi gratia recessit herzustellen; 20,18 
ist das pronomen se mit dem maßgebenden codex Dresdensis aus- 
zulassen, es steht ja in beiden handschriften schon 20, 16, wo 
der herausgeber es im texte gelassen hat; u. s. w. 

Aus derselben Übereilung des herausgebers erklärt sich 
auch sein schwanken in der Orthographie : bald behält er formen 
wie interemi (statt interimi) 1, 15 bei, ja er läßt sogar e statt ae 
in der zweiten silbe des worts coaetaneos 5, 10; bald ändert er 
gut beglaubigte spätlateinische Schreibungen, wie er z. b. sogar 
29, 18 iocundum zu iucundum macht. Auch die Interpunktion 
ist zum theil mangelhaft. 

Schlimmer ist, daß manche andeutungen der handschriften 
vom editor mißverstanden sind: so macht derselbe 26, 14 aus 
dem absit der handschriften sine, statt absque zu emendiren; 6, 17 
ist das adverbium amodo deutlichst überliefert; 5, 20 steckt im 
d' des codex Dresdensis die praeposition de [et de bonis moribus 
instruamus), u. s. w. 

Am schlimmsten aber ist, daß eine erhebliche anzahl noth- 
wendiger änderungen vom herausgeber nicht gemacht ist: z. b„ 



56 15. Mittelalter. Nr. 1. 

3,9 Recessum vero sociorura imperatori nuntiato, schreibe recessw, 
3, 20 cepit inquirere, schreibe coepit; 6, 14 quae (seil, mors) . . . hie 
mihi citius rapid, wohl me einfach zu schreiben-, 7, 11 nobis- 
cum pacem facere cogitavit, schreibe vobiscum; 9, 14 de talibus 
novibus nimium contristati , schreibe novis (vgl. 28, 1); 12, 1 
eunetique terreni domini her es , schreibe dominii; 15, 27 remi- 
grationibus , schreibe remigationibus; 30, 2 Similiter qui, 
schreibe similiter que (oder allenfalls quoque); 25, 10 vermißt 
man esse, das vielleicht statt et zu setzen ist ; vielleicht ist auch 
25, 18 ignorante statt ignorantem zu schreiben; 13, 29 möchte 
man entweder si oder 13, 30 et streichen. 

Daß eine so schnell gefertigte ausgäbe auch von druckfeh- 
lern nicht frei ist, wird man erwarten: so steht z. b. 12, 14 
im text dolorissimum statt dolorosissimum ; 12, 19 infedilitatis statt 
infidelitatis ; im apparat p. 6 (vorletzte zeile) schreibe recollecta; 
im apparat p. 21 schreibe continuatis u. s. w. Andere druckfeh- 
ler und irrthümer des herausgebers haben in kundiger weise 
ein anonymer recensent im Literar. centralbl. 1879 nr. 40 und 
namentlich H. Usener in der kritisch - exegetischen section der 
Trierer philologenversammlung berichtigt. 



Helena 1 ), eine tochter edler ahnen aus dem Mosellande, war 
mit einer gesellschaft nach Rom gekommen, um die heiligen 
statten der apostelftirsten zu besuchen. Durch ihre Schönheit 
zog sie die blicke des kaisers Constantius auf sich, der ihre her- 
berge erkunden und sie daselbst festhalten ließ. Bald erschien 
der kaiser und überwältigte die Jungfrau. Helena gebar in 
Rom einen söhn , den sie Constantinus nannte. Den blühenden 
knaben raubten kaufleute, ließen ihn in allen ritterlichen künsten 
unterrichten und entführten dann den herrlich erblühten Jüng- 
ling, den sie mit aller pracht umgaben , nach Byzanz , wo sie 
ansehnliche handelsverbindungen hatten. Es gelang ihnen, Con- 
stantinus für den söhn des weströmischen kaisers auszugeben 
und ihm die hand der einzigen tochter des byzantinischen kai- 
sers zu gewinnen. Mit dem jungen, aufs reichste ausgestatteten 
paare traten sie die heimfahrt nach Italien an, setzten aber die 

1) Von einem andern Verfasser. 



Nr. 1. 15. Mittelalter. 57 

neuvermählten auf einem unbewohnten eiland aus und fuhren 
mit dem reichen brautschatz davon. Vorüberfahrende seeleute 
nahmen die beiden verlassenen auf und brachten sie glücklich 
an die römische küste. In Rom suchte Constautinus das haus 
seiner vereinsamten mutter auf, die den schmerzlich vermißten 
söhn mit inniger freude , dessen vornehme gemahlin mit banger 
scheu empfing. Während nun die beiden frauen durch ihre 
kunstfertigkeit den unterhalt erwarben , that sich Constantinus 
in waffenübungen hervor , so daß er die aufmerksamkeit des 
kaisers selbst auf sich lenkte. Dieser forschte nach der her- 
kunft des bewunderten kämpfers und erfuhr von dessen mutter, 
daß derselbe sein söhn sei und daß er durch das freche aben- 
teuer seiner räuber die erbtochter des oströmischen kaisers zur 
ehe erhalten habe. Da entsandte Gonstantius botschafter an den 
hof von Byzanz und erreichte, daß dort wie in Rom Constanti- 
nus und seine gemahlin zur nachfolge in dem vereinigten dop- 
pelreiche bestimmt wurden. 

Dies ist die fabel des interessanten büchleins, das wir dem 
rührigen eifer Heydenreichs verdanken. Wenn der herausgeber 
versichert , daß er ungedrucktes darbiete , so können wir dies 
glauben, so lange wir nicht durch weitere nachforschungen an- 
ders belehrt werden. Wenn aber in der kurzen vorrede ange- 
deutet wird , daß die Veröffentlichung zur förderung der alter- 
thumsstudien beitrage, so liegt die möglichkeit eines misverständ- 
nisses zu nahe, als daß nicht einige bemerkungen zur sache ge- 
macht werden dürften, noch ehe der herausgeber seine abhand- 
lung über die quellen, die spräche und anderes, was der erläu- 
terung bedarf, erscheinen läßt. Der unbekannte autor war je- 
denfalls ein binnenländer, sonst ließe er die beiden ausgesetzten 
nicht mehrere tage lang meerwasser als erquickendes getränk 
genießen : p. 15, 6 de fructibus . . et de aqua maritima se per aliquos 
(aliquot ?J dies refecerunt. Daß derselbe kein Römer und von den 
anschauungen des römischen alterthums entfernt war, zeigt schon 
der eine satz p. 27, 1 mercatores autem huiusmodi in quaestionibus poni et 
ab iis veritatem inquiri de praemissis mandavit et fecit ut est moris et 
maxime Romanorum qui inventores huiusmodi quaestionum existere 
referuntur. So weit man auch die zeitliche grenze des alterthums 
vorrücken mag, das büchlein über Constantin und Helena fällt 



58 15. Mittelalter. Nr. 1. 

jedenfalls weit darüber hinaus. Der grundton des ganzen wie die 
darstellung im einzelnen ist echt mittelalterlich. Auf jeder seite 
begegnen wir dem bombast und der Salbung, worin sich die er- 
bauliche mönchslitteratur des mittelalters gefällt. Der anfang 
Post passionem domini nostri Iesu Christi und der Schluß ad lau- 
dem et Jionorem individuae trinitatis . . . Amen stimmen damit 
überein ; ebenso die berufung auf Susanna und Daniel , die er- 
wähnung des heiligen papstes Silvester und der hinweis auf die 
auffindung des heiligen kreuzes durch Helena. Auch wähl und 
werth der worte führen zu dem gleichen ergebniß. Die spräche 
ist dem autor, der sich ihrer bedient, eine fremde : dasselbe ver- 
bum wird bald mit dem accusativ bald mit dem dativ verbun- 
den , zieht bald einen infinitiv bald einen satz mit quod nach 
sich ; das gerundium steht statt des gerundivs oder particips ; das 
reflexive oder possessive pronomen wird mit dem demonstrativen ver- 
tauscht ; deponentia erscheinen in activen formen , überhaupt 
werden verwandte verbalformen verwechselt; tempora und modi 
wechseln ohne regel ; das particip wird mit dem verbum finitum 
coordinirt •, der absolute ablativ, die relative Satzverbindung kom- 
men zu schrankenloser anwendung. 

Solche Unebenheiten und fehler hat der herausgeber be- 
wahrt, indem er der Versuchung den autor selbst zu verbessern 
auswich. Doch ist in vereinzelten fällen die Überlieferung ohne 
noth verlassen. P. 11, 10 ist überliefert prohibens ipsam seriöse 
et districte ut dicta encenia apud se ita absconderet ac etiam occul- 
taret, quod nisi casus tantae necessitatis accederet, ut praedixi, nullt 
unquam liomini viventi de Ms unum verbum quoquo modo revelaret. 
Heydenreich schreibt impellens statt prohibens; aber es ist anzu- 
nehmen , daß dem autor , als er prohibens schrieb , der negative 
gedanke nulli . . revelaret vorschwebte , vor den sich dann der 
positive ut . . occultaret gedrängt hat. P. 14, 2 schiebt Hey- 
denreich erat nach sollicita ein ; es ist aber mit den handschrif- 
ten zu lesen mulier autein, quia magis meticulosa ideo magis solli- 
cita, surgens . . exivit. Unverbundene participia neben einander 
finden sich auch kurz nachher 14, 20 mulier vero eius nimio 
dolore mota, sibi ex corde conpatiens consolabatur ipsum dicens , wo 
Heydenreich que nach sibi eingeschoben hat. In dem satze p. 
2, 26 hospes vero . . Helenam in custodia sua clam suscipiens et 
ne de domo sua recederet sollicite custodivit streicht Heydenreich et\ 



Nr. 1. 15. Mittelalter. 59 

wenn aber die coordiuatiou von suscipiens und custodivit dem 
autor nicht zugetraut werden dürfte, so müßte auch 17, 28 et 
surgens cum festinantia ipsum amplexata eumque tanquam filium . . 
recepü dicens entweder que hinter eum gestrichen oder est zu 
amplificata hinzugefügt werden. Daß p. 10, 17 quarurn rerum 
maxima copia ibidem habetur die änderung habebatur aufgenommen 
wurde, ist nicht gerechtfertigt. P. 18, 31 lautet die Überliefe- 
rung aliquid de meo , quo mediante victum nostrum quaerere poteri- 
mus, addere volo. Hier steht quo mediante im sinne von quo di- 
midiato, cuius dimidia parte. Heydenreich's änderung medicante 
erscheint demnach unnöthig. 

Sonst hat Heydenreich zweifelhafte vermuthungen unter 
dem texte mitgetheilt z. b. p. 6, 7, wo die müßige Umstellung 
non curavi ullo modo videre statt ullo modo videre non curavi vor- 
geschlagen, oder 25, 26, wo die stelle me pauperculam flore pu- 
dicitiae meae contra omnem voluntatem meam et sicut placuit denu- 
dastis beanstandet wird. Liest man nach Heydenreich's Vorschlag 
in flore, so müßte denudastis wörtlich gefaßt werden, was der mehr 
andeutenden als bezeichnenden manier der Schilderung bei un- 
serem autor widerspricht. Daß denudastis mit flore zu verbinden 
und in übertragenem sinne von „berauben" zu verstehen ist, 
lehrt die parallelstelle p. 3, 14, auf welche unsere stelle zurück- 
weist: eiusque pudicitiae florem ea quantum potuit renitente abstulit 
violenter. P. 3, 5 hospes ei (Helenae) furtum cuiusdam suae rei, 
quam sibi furatam asseruit , imponens ipsam, quam de ea plus aliis 
suspectdm habere se dixit , . . recedere non permisit. Hinter de ea 
möchte Heydenreich re einschieben; einfacher ist es de eo (furto) 
zu schreiben. — P. 17, 7 schreibt Heydenreich cum vidisset fi- 
lium de pretiosis vestibus indutum et secum tarn nobilem tamque pul- 
chram ae beae ornatam mulierem gerentem . . . Das letzte wort 
fehlt im cod. D, in F steht reieunte ; davon weicht Heydenreich's 
eonjectur gerentem zu weit ab. Es ist wohl nur re als dittogra- 
phie nach mulierem zu streichen und ineuntem zu lesen : also cum 
vidisset filium . . indutum et secum . . ornatam mulierem ineuntem; 
in diesem büchlein stört secum statt cum eo nicht, worüber die 
note zu p. 5, 25 zu vergleichen ist. 

Außer der handschrift F. d. h. Fribergensis saec XV hat 
Heydenreich einen codex D. d. h. Dresdensis saec. XIV dem texte 
zu gründe gelegt. Der letztere ist nach Heydenreich wie an 



60 16. Mittelalter. Nr. 1. 

alter so an werth dem ersteren überlegen ; daß aber F nur eine 
abschrift aus D sei, wagt Heydenreich wegen der abweichenden 
lesarten nicht zu behaupten. Leider sind die mittheilungen, die 
uns die vorrede über die beiden handschriften giebt, allzu dürf- 
tig, als daß sie zur entscheidung dieser frage beitragen könnten. 
Wüßten wir, welches format D hat und wie viele buchstaben 
eine zeile dieses codex zu enthalten pflegt , so ließe sich aus 
den auslassungen in F p. 6, 14 und 27, 6 vielleicht ein schluß 
ziehen. Mehrere stellen finden sich in F, die in D getilgt sind, 
z. b. p. 1, 19. 22. 2, 2. 8. 17, 7-, es fragt sich, ob D hier, 
wie zu vermuthen ist, leere rasuren hat, so daß F die getilgten 
worte noch lesen konnte, oder ob auf den rasuren sogleich die 
nächsten textworte niedergeschrieben wurden. So viel man aus 
dem kritischen apparat erkennen kann , ist die abstammung des 
F aus D sehr wahrscheinlich. 

Die wenigen orthographischen Verschiedenheiten wie 1, 17 
ortodoxi statt orthodoxi; 2, 12 und 25, 15 tiberis statt tyberia 
(tybls); 2, 14 pulcritudinem statt pulchritudinem ; 3, 14 opressit 
statt oppressit; 8, 8 solempnia statt sollempnia\ 11, 28 transvei 
statt transvehi; 23, 8 vultis statt voltis; 29, 24 ympnis statt ymnis 
beweisen natürlich nichts; 29, 25 resceptis statt receptis ist nur 
Schreibfehler, wie 1, 19 und 20, 17 saguine statt sanguine oder 
25, 20 de m statt de me. Ebenso wenig bedeuten veränderte 
formen wie 19, 31 perducatur statt perducantur ; 28, 29 placet 
statt placeat; 19, Iß vero statt vere\ 11, 22 tempore statt tempus; 
12, 13 nostrae statt nostras; 13, 26 ecclesia statt ecclesie; 17, 15 
insulam statt insula ; 19,24 tibi domine deus statt tibi domino deo\ 
auslassung einzelner worte wie et 8, 13; 9, 20; 24, 14; gue 
11, 19; 15, 29; domine 19, 26; 23, 7; sanguinis 9, 19; virum 
19, 23; tantam 4, 33; unicam 28, 21; praeparari 7, 4; fore 28, 
9 ; Vermeidung von dittographien wie bei merito 9, 29 oder do- 
mine 21, 30; Umstellung von zwei worten wie 2, 13 fuisset ip- 
sam; 8, 2 suos nunccios; 25, 10 iste potest] 30, 24 Constantini 
mater; oder von mehreren worten wie 18, 22 nos de tantis peri- 
culis statt de tantis periculis nos; 27, 30 mortis . . supplicium statt 
supplicium . . mortis; namens vertauschung wie p. 29, 16 Constan- 
tino und 30, 5 und 1 1 Constantinus statt Constantio und Constan- 
tius; vertauschung sinnverwandter oder ähnlich geschriebener 
worte wie p. 4, 7 und 10, 32 et statt ac\ 18, 2 de statt a; 



Nr. 1. 15. Mittelalter. 61 

15, 28 ista statt ipsa; 23, 29 ipse statt iste\ 17, 11 eorum statt 
ipsorum; 28, 5 z'Wis statt ezs; 24, 26 appropinquare statt propin- 
quare ; 22,7 adduceret statt perduceret ; 24, 1 suscepisse statt corc- 
cepisse; 26, 4 testamentum statt testimonium ; 30, 8 suecessores statt 
successuros; 26, 18 cZm omnipotentibus statt tfcYs disponentibus ; 27, 
30 ffe're statt digne\ 8, 3 cepi'f statt /ec^; 15, 15 ceperunt statt 
fecerent; einschiebung unnöthiger worte wie p. 6, 24 in; 19, 5 
encenium; 20, 18 se; 22, 16 emm. Alle diese abweich ungen des 
F von D, deren anführung dem leser ein selbständiges urtheil 
ermöglichen soll , erklären sich leicht aus der ungenauigkeit im 
abschreiben. Wenn D p. 18, 21 schreibt qui nos de . . peri- 
culis rnaris liberavit, F aber periculis nos redimere curavit, so liegt 
nur ein abirren in die nächste zeile zu gründe, wo die letzteren 
worte richtig stehen. Auch p. 11, 9 proprium statt provide kann 
auf einem versehen beruhen; sollte es aber nicht als solches 
gelten, so darf man eher an bewußte änderung des Originals als 
an benutzung eines andern Originals denken. P. 6, 5 ist das 
sinnlose deliqui, wie D bietet, in F durch dereliqui ersetzt, eine 
nahe liegende Verbesserung wie 20, 5 quo statt qua, 28, 2 pro- 
ruperunt statt prorupeverunt. P. 19, 18 ist hinter dixit in cor de 
in F richtig suo beigefügt , was gewiß auch nicht ferne liegt. 
Wenn also nicht die beschaffenheit der handschriften überhaupt, 
sondern nur die Verschiedenheit der lesarten dem herausgeber 
bedenken gegen die ableitung von F aus D erregte , so wird 
man diese bedenken schwerlich theilen. 

Andrerseits sprechen gewichtige gründe positiv dafür, daß 
D die vorläge von F war. So hat F p. 20, 3 sinnlos magno 
pecunia quuntitate , was nur weitere entwicklung der schon in D 
vorliegenden verderbniß magna pecunia quantitate ist. P. 9, 22 
steht in D usque ad tanta loci distanciam ; darauf beruht die mis- 
lungene Verbesserung in F usque ad tanta loci distancia. Ent- 
scheidender aber ist die überraschende gleichheit fehlerhafter 
oder doch auffälliger lesarten, die sich bei der geringen Sorgfalt, 
womit unverkennbar nicht nur F sondern auch D geschrieben 
ist, aus der benutzung einer gemeinsamen vorläge, wodurch die 
chancen des irrthums verdoppelt würden , kaum erklärlich wäre. 

In fehlerhafter Orthographie stimmt F mit D überein bei 
capud, sicud , oportunitas, consumare , additus statt aditus, spaciari t 
nupciae, sequencium, nephandum, nepharius, dragma, Tcarissima, nunc' 



62 15. Mittelalter. Nr. 1. 

cius, nuncciare, nichil, sollempnia, sollempniter, ßollempnitas, dampnatio, 
hü, hylaris, ymmo. In beiden hand Schriften steht 8, 16 dum statt 
cum, wie Heydenreich schreibt; 11, 4 se statt si, wie Heyden- 
reich hergestellt hat; 12, 25 valedictionis lacrirndbüem statt vale- 
dictionem lacrimabilem ; 30, 14 ambasiatoribus statt ambasiatores ; 
12, 18 talium . . infedilitatis statt taZ^s . . inftdelitatis ; 29, 11 
plenario informatione statt plenaria informatione ; 3, 5 rfe ea statt 
cZe eo; 15, 8 pietati qui statt pietati guae\ 19, 27 /jfe'o me statt 
/?&o meo; 8, 27 deducentes statt deducens; 10, 18 multa praepa- 
ratis fieri statt multa praeparata fieri; 21, 10 torneamentis . . con- 
tinuans statt torneamentis . . continuatis ; 1,7 plantaverat statt 
plantaverant ; 1, 8 irrigaverit statt irrig avcr ant \ 2, 20 und 19, 6 
poteramus statt poterimus; 5, 20 instruemus statt instruamus; 12, 
19 contigeret statt contingeret\ 15, 10 videntes statt viderent; 23, 
22 sa'fas statt ste. Die gleichen lücken begegnen in D und F : 
4, 18 £« partibus, wozu Heydenreich nach 22, 18 natalibus fügt; 
15, 9 liberare ohne das durch den gegensatz geforderte object; 
18, 20 wo Heydenreich e£ und 22, 8 wo Heydenreich cum ein- 
schiebt. Ein überflüssiges se findet sich in beiden handschriften 
10, 9 und 27, 28. Beide schreiben 22, 20 non longe post morem 
negotiandi gratia ; das adverbiale post wurde eben als präposition 
gefaßt und veranlaßte so die änderung morem statt more dann 
wurde gratia zur stütze des genetivs negotiandi hinzugefügt. 
Beide handschriften schreiben 6, 7 amicosä modo (müjvidere, wobei ä 
nur als dittographie der ersten silbe von amicos zu betrachten 
ist. Endlich steht in beiden handschriften durch irrige assimi- 
lation 9,14 talibus novibus, was Heydenreich beizubehalten wagte, 
statt talibus novis. Ganz besonders einleuchtend aber wird die 
unmittelbare abhängigkeit des F von D durch zwei beispiele, in 
welchen der modus mehrerer einander coordinierten verba regellos 
wechselt, ohne daß dies zu einer discrepanz geführt hätte: 17, 10 
qualiter . . educatus fuerit, qualiter quoque . . sociata exstiterit ac 
qualiter . . dimiserant et . . perduxerant ; 30, 17 qualiter . . suc- 
cesserit et f actus fuerit . . , qualiter . . conversus fuit ac . . regna- 
vit et qualiter . . iverit et . . invenerit. Ebenso findet sich der 
Wechsel der formen praestolari 6, 14 und praestolare 6, 17 in 
D und F gleichmäßig. 

Auf die recension des textes übt die hierdurch begründete 
beseitigung des codex F aus dem kritischen apparat nur geringen 



Nr. 1. 15. Mittelalter. 6 

einfluß , da der allein maßgebende D schon von Heydenreich 
regelmäßig bevorzugt wurde. Immerhin ist die entscheidung 
solcher fälle , in welchen auch F eine an sich annehmbare les- 
art bietet, zu gunsten des D erst jetzt gesichert; und einzelne 
stellen müssen doch anders gestaltet werden, als es bei der un- 
bestimmten ansieht von Heydenreich über das verhältniß der 
handschriften geschehen konnte. So ist p. 19, 5 mit D zu 
schreiben ecce illud vendatis ; denn encenium , das in F hinzuge- 
fügt wurde, ist eine aus dem vorausgehenden satze entnommene, 
übrigens selbstverständliche erläuterung zu illud. Ebenso ist 
p. 20, 18 das störende, nur in F überlieferte se zu tilgen. Fer- 
ner ist p. 24, 26 nicht mit F appropinquare , sondern mit D 
propinquare aufzunehmen. Endlich muß p. 27, 30 nach D sup- 
plicium dignae mortis gelesen werden , nicht dirae wie F steht ; 
vgl. 26, 25 dignos supplicio et morte. Vielleicht darf auch 5, 20 
die lesart von D de bonis moribus instruamus beibehalten werden, 
während F de wegläßt. 

Im folgenden sollen noch einige andere textänderungen in 
kürze empfohlen werden. P. 2, 15 ist coneupientiam statt con- 
cupiscentiam , wie 19, 24 steht, wohl mir ein druckfehler ; 
ebenso 3, 31 se reversurum fore decrevit (Helena) statt reversuram; 
9, 25 discrimina . . praebeat statt praebeant; 12, 14 dolorissi- 
mum statt dolor osiss im um\ 12, 19 infedilitatis statt in fidel i- 
tatis; 12, 23 portam statt p ort um] 15,27 remigrationibus statt 
remigationibus; 16, 6 capetis statt tapetis; 18, 6 incompe- 
rabiliter statt incomparabiliter, wie 21, 16 steht; 19, 12 
condonare statt condonari. P. 7, 9 ist zu lesen qui pacem di- 
ligunt ac terrarum et hominum commoda prosequuntur , nicht ter- 
ram; 7, 11 vo bis cum pacem facere cogitavit, nicht nobiscum; 19, 
1 1 regum vel magnatum filiis , nicht magnorum ; vgl. 7, 2 nobi- 
lium et magnatum] 26, 10 in animo suo midtum commentari, 
nicht commendare. 

P. 26, 14 ist die Überlieferung nee absit deorum sublimium 
dispositione talis coneubitus aeeidere potuit unverständlich ; wenn 
Heydenreich nee sine dispositione schreibt , so trifft er den sinn, 
aber nicht den Wortlaut; vielmehr ist absit aus absque verderbt. 
P, 12, 9 nullius solaminis spe refici sed totius tribulationis et an- 
gustiae affici bedarf wohl der Verbesserung; angesichts mehrerer 
beispiele eines überschüssigen et und einer irrigen assimilation darf 



64 15. Mittelalter. Nr. 1. 

vermuthet werden, daß der autor trilulationis angustia affici 
geschrieben hat. Auch p. 13, 30 scheint ein et überflüssig zu 
sein: surgamus , ne, si forte superveniant mercatores magistri nostri, 
[et] inveniant nos nudos. Eine irrige assimilation liegt vermuth- 
lich p. 6, 8 in den Worten orbata solaeione . . deliberavi; es ist 
wohl orbata solacio zu schreiben, da der autor sonst die form 
solacium zu gebrauchen pflegt (27, 15 misit solationes hat eine 
eigenthümliche bedeutung, wenn anders es richtig ist, was Hey- 
denreich bezweifelt). Die worte p. 2, 5 Helena?», virginem, quae 
ex nobilibus quidem parentibus progenita de stirpe quorundam nobi- 
lium civitatis Treverensis originem traxit stimmen nicht zu der 
erzählung von der gesellschaft , mit welcher Helena nach Rom 
reiste und in der stadt sich bewegte, von der herberge, in wel- 
cher sie einkehrte, von der behandlung, welche sie durch den 
wirth erfuhr. Es muß, worauf wohl quidem deutet, ein gegen- 
satz obwalten zwischen ex . . parentibus und de stirpe quorundam 
nobilium\ dieses ergibt sich, wenn wir lesen ex ignobilibus 
quidem parentibus progenita. Die dadurch gewonnene Vorstellung 
vornehmer ahnen , aber einfacher eitern paßt in den Zusammen- 
hang; mit dieser steht auch die p. 26, 11 gerühmte sanguinis 
nobilitas praeclari im einklang. 

Die interpunction hat Heydenreich sparsam, aber sorgfältig 
gegeben. Einzelne bedenken erheben sich freilich; doch werden 
sie besser im zusammenhange mit der betrachtung des satzbaues 
unseres autors erledigt. Darüber aber wird hoffentlich des her- 
ausgebers versprochene abhandlung erwünschten aufschluß geben. 



Wie x ) der person Alexanders , so hat sich auch die sage 
frühzeitig der Constantins des Großen bemächtigt. War uns 
auch manches bereits bekannt, so erfahren wir doch, was von 
seiner Jugendzeit erzählt wurde, erst aus dem von Heydenreich 
aus einem codex Dresdensis saec. XIV und einem Fribergensis 
saec. XV veröffentlichten romane. Wir besitzen wohl denselben 
nur in einem auszuge aus einem ausführlicheren griechischen 
originale und es wird wohl heidnische sage gewesen sein, welche 
den christlichen alleinherrscher im vollen sinne des wortes zu 
einem unehelichen kinde gemacht hat, daran anknüpfend, daß 
1) Von einem andern Verfasser. 



Nr. 1. 15. Mittelalter. 65 

der vater , Constantius Chlorus , bei seiner erhebung zum Cäsar 
auf Diocletians befehl sich von seiner rechtmäßigen , aber nie- 
drigem stände angehörigen gattin Helena (vüissima, Anon. Vales. 2) 
trennen mußte. In Rom geboren zeichnet er sich in ritterlichen 
kiinsten aus , wird von kaufleuten nach Constantinopel entführt, 
für den sobn des abendländischen kaisers ausgegeben, der dor- 
tigen prinzessin vermählt, auf der rückreise aber auf einer insel 
im stiche gelassen, von vorüberfahrenden gerettet, schließlich 
vom vater erkannt und zum erben des reiches eingesetzt, wo- 
durch nun zuerst die worte des Suidas fvooQio&eig rc3 nmgi 
verständlich werden. Möglich , daß es prof. Wagner von Ham- 
burg , der eben in italienischen bibliotheken nach griechischen 
romanen forscht, gelingt uns die reinere quelle wieder zu er- 
schließen; denn in der vorliegenden Überarbeitung ist heidni- 
sches mit christlichem bunt gemischt. 

Nach der sprachlichen form zu schließen, kann dieselbe 
nicht mehr dem alterthum zugewiesen werden ; vielmehr ist die 
Zersetzung der lateinischen spräche schon so weit vorgeschritten, 
daß wir an die zeit nach Karl dem Großen zu denken 
haben. Neben stabularia = wirthin (Augustin ; stabularius bei 
Apuleius) und sponsus , sponsa = epoux , epouse finden wir auch 
guerra, ambasiator und torneamenta = furniere. Die Zusammen- 
setzungen mit re sind schon weit ausgedehnt, wie recolligere, 
(raccolta, röcolte), regratiari (ital. ringraziare = reingratiari), repra- 
mittere: desgleichen die composita mit facere, wie notifico , certi- 
fico = französisch notißer u. ä. Die präposition de macht dem genetiv 
und ablativ bereits starke concurrenz , z. b. 24 inconsuetus de 
alqa re ; de vestibus iuduere ; onerare , irnplere , contentus de. Der 
accusativ der städtenamen auf die frage wohin? bekommt das 
verdeutlichende ad, ■?. b. ad Romam, ad domum. Statt ei findet 
sich häufig sibi. Dar accusativ c. infin. ist eine Seltenheit ge- 
worden, und nacr den verbis des sagens meist durch quod er- 
setzt, welches ar.ch, wie im französischen, consecutiv gebraucht 
wird , mit indicativ sowohl als mit conjunctiv , gelegentlich auch 
mit ut wechselt. Endlich nimmt die darstellung manchmal eine 
breite an, welche an afrikanischen schwulst erinnert. Wir mei- 
nen weniger die Verbindung von synonymen wie incognita et 
gnota 4, coniugem et maritum 7, 22, fraudem et dolum 4, man° 
davit et fecit (= iuseit) 9,41, als die epexegetischen genetive wie 
Philol. Ära. X. 5 



66 16. Schulverfasung. Nr. 1. 

fidei religio 2 , elegantiae pulchritudo 2 , infelicitatis casu 1 7 , vere- 
cundiae honestas 36, supplicium mortis 42 u. ä. 

In kritischer hinsieht wird man von einer editio prineeps 
nicht alles verlangen dürfen : aber lesarten wie de talibus novibus 
cap. 13 hätten doch nicht im texte geduldet werden sollen, und 
cap. 29 war quo mediante nicht in medicante zu verändern, son- 
dern mit italienischem mediante, französischem moyennant (vermit- 
telst) zu erklären. 

Ed. Wölfflin. 



16. Die Verfassung der höheren schulen. Pädagogische 
bedenken von dr. W ilhelm Schrader. 2. aufläge. Berlin 1879. 
8. XIV und 256 p. — 6 mk. 

Das vorliegende treffliche buch gehört nicht in den kreis 
derjenigen werke , welche in diesen blättern besprochen zu wer- 
den pflegen. Wenn wir nichtsdestoweniger dasselbe hier zur 
anzeige bringen, so geschieht das nicht um einer empfehlung 
willen, denn einer solchen bedarf es nicht mehr, da wahrschein- 
lich bald die zweite aufläge vergriffen sein wird, sondern um 
auf die höchst bedeutenden vorschlage hinzuweisen , welche der 
Verfasser hinsichtlich einer neuordnung der lehramtsprüfung 
macht , wozu wir uns um so mehr berechtigt fühlen , als über 
diese angelegenheit, in der sich Universität und schule auf das 
engste berühren, bereits zu wiederholten malen in dieser Zeit- 
schrift gehandelt worden ist. Wenn wir außerdem über die be- 
sonders wichtige äußere frage, unter welchen Voraussetzungen es 
möglich sein würde dem lehrerstande das ascensionsrecht beizu- 
legen, einige bemerkungen hinzufügen , so dürften sich diese in- 
sofern passend anschließen , als diese älteren ideen dem betref- 
fenden abschnitte des vorliegenden buches die weitere ausgestal- 
tung verdanken. 

Wenden wir uns zunächst zu dem, was der Verfasser p. 
114 ff. über die Staatsprüfung der lehramtscandidaten aufstellt. 

Es ist allgemein bekannt, wie die gegenwärtig geltende 
Prüfungsordnung zu vielfachen klagen anlaß giebt. Die Profes- 
soren , welche naturgemäß die anforderungen an die candidaten 
zu steigern wünschen , klagen über die in folge derselben ein- 
tretende Zersplitterung der Studiosen, während die schulverwal- 



Nr. 1. 16. Sehulverfassung. 67 

tung mit der einseitigkeit in der ausbildung der jungen lehrer 
und ihrer schweren Verwendbarkeit in den praktischen Verhält- 
nissen der schule unzufrieden ist. Andre stimmen aus universi- 
tätskreisen haben darauf hingewiesen , daß zahlreiche Studiosen 
von vornherein ihre Studien nach den im reglement zusammen- 
gestellten fächern einrichten und in steter examensangst — auch 
unter dem druck persönlicher rücksichten — lediglich das trei- 
ben , worüber geprüft wird ; dabei trete dann an die stelle des 
unmittelbaren interesses und der Vertiefung ein berechnetes an- 
eignen des nothwendigen Stoffes. In der that richten nicht sel- 
ten schon ganz junge studiosen an ihre früheren lehrer die frage, 
welche facultäten sie sich dereinst in der prüfung erwerben sol- 
len. Daß darunter aller wissenschaftliche sinn zu gründe 
geht , bedarf keines beweises. Ein anderer übelstand ist die 
prüfung in der sogenannten allgemeinen bildung , welche ledig- 
lich Wiederholung eines großen theils der maturitätsprüfung ist 
und, wenn sie ernst genommen wird , den studiosen eine bedeu- 
tende zeit kostet, wenn sie aber — wie das wohl geschehen 
eoll — nur pro forma stattfindet und trotz schwachen resultates 
ohne erheblichen einfluß auf das zeugniß bleibt, besser wegfällt 
Die mannichfaltigkeit derselben ist sehr groß; so hat z. b. ein 
candidat, der in der mathematik und physik die facultas für 
prima erlangen will , die allgemeine bildung in der chemie, der 
mineralogie , Zoologie und botanik nachzuweisen; will er aber 
etwa noch das englische als Unterrichtsfach hinzunehmen, so 
würde eine prüfung in der religion , geschichte , geographie , im 
französischen und lateinischen erforderlich werden , und da je- 
der sich über seine kenntnisse in der philosophie und pädagogik 
ausweisen muß, so würde jener candidat sich außer in den drei 
hauptfächern in eilf Wissenschaften bezw. sprachen prüfen lassen 
müssen. Die prüfungs - commissionen , welche diesen übelstand 
eelbst empfinden , nehmen daher in vielen fällen die allgemeine 
bildung als durch das reifezeugniß erwiesen an. 

Um abhülfe zu schaffen, will nun der Verfasser statt einer 
prüfung deren zwei eingeführt wissen, die durch einen zwei- 
jährigen Zwischenraum getrennt sein sollen. Das erste , von 
Universitätsprofessoren (?) abzuhaltende, examen soll sich lediglich 
auf die fachwissenschaften erstrecken , und , damit desto tüchti- 
gere Forderungen gestellt werden können, weder philosophie noch 

5* 



68 16. Schulverfassung. Nr. 1. 

padagogik umfassen ; auch soll der dritte zeugnißgrad wegfallen. 
Wir möchten den wünsch hinzufügen, daß damit auch die auf- 
ßtellung verschiedener gruppen von Wissenschaften im reglement 
in wegfall kommen möchte ; es würde genügen die forderungen 
in jedem fache zu normieren; hinsichtlich der wähl der fach er 
sollte man die individualität nicht beschränken. Daß man ganz 
einseitig gebildete candidaten bekomme, braucht man nicht zu 
fürchten , da jeder , der sich dem schulamte widmen will , eine 
gewisse Vielseitigkeit als in seinem interesse liegend erkennen 
wird. Nach absolvierung der ersten prüfung beginnt sodann die 
praktische einführung in das lehramt, die auf zwei jähre berechnet 
ist und für die sehr bemerkenswerthe winke gegeben werden. 
Während dieser zeit soll der candidat sich auch auf die zweite 
prüfung vorbereiten, welche wesentlich auf die erforschung seiner 
kenntnisse in der padagogik gerichtet ist. Eine schriftliche ar- 
beit wird für entbehrlich erklärt, wenn der candidat unter an- 
leitung seines directors pädagogische arbeiten angefertigt hat und 
diese bei der prüfung vorgelegt werden. Außerdem soll der 
candidat in der zweiten prüfung seine allgemeine bildung nach- 
weisen; aber der Verfasser versteht mit recht diesen begriff an- 
ders, als das gegenwärtige reglement; sie sei ihrem wesen nach 
bestimmt , die fachbildung von der einseitigkeit zu befreien und 
durch zurückführung auf ideale anschauungen zu verklären, habe 
daher nichts mit der Vielseitigkeit zu thun , und weder natur- 
wissenschaftliche noch mathematische und ebensowenig sprachliche 
kenntnisse an sich könnten einen bestandtheil derselben aus- 
machen ; vielmehr seien religion, philosophie und geschichte die- 
jenigen Wissenschaften, aus denen diese bildung, welche zur 
idealen und zusammenfassenden betrachtungsweise alles mensch- 
lichen erkennens und handelns befähigen solle, am besten ge- 
holt werden könne. In diesen fächern soll also unter aufstel- 
lung würdiger forderungen im zweiten examen geprüft werden. 
Das maaß dieser forderungen wird in einer weise abgegränzt, 
mit der man sich nur einverstanden erklären kann. Eine schrift- 
liche prüfung soll nicht stattfinden, ebensowenig wie eine probe- 
lection. Für diejenigen candidaten indessen, welche sich die 
Unterrichtsbefähigung in der philosophischen Propädeutik erwer- 
ben wollen, müsse die prüfung strenger sein und dürfe von ei- 
ner schriftlichen arbeit nicht absehen; dann aber gehöre sie auch 



Nr. 1. 16. Schulverfassung. 69 

in das erste examen. Mit der abnähme der zweiten werden die 
technischen räthe dar provinzial-schul-collegien und geeignete 
directoren beauftragt. Das zeugniß, bei welchem nur zwei grade 
zugelassen werden , vertritt die stelle der gegenwärtig von den 
directoren über das probejahr ausgefertigten, die allerdings ihren 
zweck nur mangelhaft erfüllen, und verleiht dem candidaten die 
befähigung zur definitiven anstellung. — Auf den ersten blick 
charakterisieren sich diese vorschlage, deren weitere begründung 
man in dem buche selbst nachlesen möge, als zumeist außerordent- 
lich praktisch, und wir können nur den wünsch aussprechen, daß 
dieselben an maßgebender stelle die rechte beachtung finden 
und dazu beitragen möchten, einem zustande ein ende zu machen, 
der leider zu vielen berechtigten klagen veranlassung giebt. 

Dahingegen sind wir nicht in der läge, uns mit der art, 
wie der Verfasser p. 166 ff. die vielfach ventilierte frage nach 
regelung der ascensionsverhältnisse der lehrer behandelt, in glei- 
cher weise einverstanden zu erklären , da er , wie bereits auf 
den octoberconferenzen (vgl. Centralbl. 1878. p. 159 ff.) unter 
Verwerfung sämmtlicher bisher gemachten vorschlage zu dem 
Schlüsse gelangt, es müsse bei dem gegenwärtigen zustande, bei 
dem im allgemeinen die härten durch das wohlwollen der behör- 
den ausgeglichen würden , sein bewenden behalten. Die zahl- 
reichen unbilligkeiten, welche bei dem jetzigen beförderungsmodus 
nicht zu •vermeiden sind, machen jedoch eine weitere erwägung 
der frage wünschenswerth, zumal seit einführung des normaletats 
vom jähre 1872 noch die hinzugekommen ist, daß die lehrer der 
größeren anstalten beim avancement an derselben schule weit 
ungünstiger stehen, als die der kleineren, da die gehaltssätze an 
den letzteren durch größere abstände geschieden sind, und die 
lehrer an solchen anstalten nach einmaligem avancement um eben- 
soviel vorrücken, als nach doppeltem oder dreifachem an größeren 
schulen , an denen auch die im allgemeinen dort herrschende 
lebhaftere bewegung nicht immer ausgleich gewährt , da erfah- 
rungsmäßig auch hier nicht selten ein lang dauernder stillstand 
eintritt. Allerdings hat der Verfasser recht, wenn er die bishe- 
rigen vorschlage für unannehmbar erklärt, indessen enthalten 
dieselben im einzelnen doch manches gute, aus dessen combina- 
tion unter hinzufügung einiges neuen sich vielleicht ein annehm- 
bares System bilden läßt, Versuchen wir im folgenden die 



70 16. Schulverfassung. Nr. 1. 

grundlinien eines solchen mit wenigen Worten zu zeichnen. Wir 
gehen dabei zunächst von der Ordnung der Verhältnisse an den 
königlichen gyrnnasien und realschulen I. Ordnung aus. 

Wie schon jetzt die königlichen directoren der ganzen mo- 
narchie (die durch die großen städte bedingten ausnahmen fallen 
nicht ins gewicht) nach ihrem dienstalter avancieren ohne be- 
rücksichtigung des ihnen in folge der größeren oder geringeren 
ausdehnung ihrer anstalten obliegenden maaßes von arbeit und 
Verantwortung : danach müßten auch die königlichen lehrer des ge- 
sammten Staates lediglich nach der anciennetät im gehalte auf- 
rücken , und mit dem principe , daß ein schwierigeres und ver- 
antwortungsvolleres amt auch ein größeres diensteinkommen be- 
dingt, würde ebenso, wie es hinsichtlich der directoren geschehen 
ist, entschieden zu brechen sein. Gegen eine beschränkung sol- 
cher Ordnung auf eine provinz müssen wir uns aus den sehr 
triftigen gründen, welche der Verfasser dagegen anführt, alles 
ernstes verwahren. Wünschenswerth würde es sein, wenn unter 
aufhebung des Unterschiedes zwischen Oberlehrern und ordentli- 
chen lehrern für sämmtliche lehrer nur e i n etat gebildet 
werden könnte; es läßt sich jedoch nicht verkennen, daß das 
vom Verfasser p. 172 in dieser hinsieht gesagte volle berechti- 
gung hat, und daß deshalb dieser unterschied wird festgehalten 
werden müssen. Es werden also zwei gesonderte etats, einer 
für die Oberlehrer, der andre für die ordentlichen lehrer, aufzu- 
stellen sein. Da wir uns indeß denken, daß der candidat, wenn 
er die feste anstellung erlangt hat, zunächst keinem der beiden 
etats zugetheilt wird, so wird man für die gruppe dieser ein- 
fachen ,, gymnasial- bezw. reallehrer" noch einen dritten etat zu 
bilden haben. Erst nach einer etwa vierjährigen thätigkeit, wenn 
die junge lehrkraft hinreichend erprobt ist und etwaige mängel 
im prüfungszeugnisse durch nachprüfung ausgeglichen sind, tritt 
die entscheidung ein, und werden die wissenschaftlich und prak- 
tisch tüchtigsten lehrer sofort auf den etat der Oberlehrer, die 
übrigen auf den der ordentlichen lehrer gebracht. Die central- 
behörde würde die zahl der oberlehrerstellen und unter welchen 
bedingungen noch später ordentliche lehrer auf den etat der 
Oberlehrer zu transferieren sind, festzustellen haben. Bei letzte- 
rem übergange würden ähnliche Verhältnisse entstehen , wie ge- 
genwärtig, wenn schon im dienstalter avancierte directoren der 



Nr. 1. 16. Schulverfassung. 71 

geringeren gehaltsclasse in eine der größeren städte versetzt 
■werden. Das jetzt herrschende princip, daß der zukünftige Ober- 
lehrer, wenn auch mit überspringung einiger stufen, erst die 
ordentlichen lehrerstellen durchmachen muß , ist deshalb aufzu- 
geben, weil gerade bei diesem beförderungsmodus eine außeror- 
dentliche ungleichmäßigkeit in der behandlung des einzelnen vor- 
zukommen pflegt. Um aber noch größere ungleichmäßigkeit zu 
vermeiden , und da man nach unserem Systeme zum theil sehr 
junge Oberlehrer haben würde , wird man nicht umhin können, 
auch mit dem principe zu brechen, daß die besoldungen sämmt- 
licher Oberlehrer höher zu normieren sind , als die sämmtlicher 
ordentlichen lehrer ; man wird vielmehr den minimalsatz für die 
Oberlehrer herabsetzen und andrerseits den maximalsatz der or- 
dentlichen lehrer erhöhen müssen, wodurch dann auch die mög- 
lichkeit gewährt wird, treues wirken in den mittleren und un- 
teren classen besser zu belohnen , als das jetzt geschehen kann. 
Wenn die Oberlehrer hierdurch beeinträchtigt erscheinen , so ist 
ihnen darin ein wesentlicher vortheil gesichert, daß sie sehr 
früh in eine bessere besoldung einrücken und, da aus ihrem etat 
sämmtliche directoren genommen werden , ein rasches avan- 
cement haben. Die durchschnittssätze für beide etats und die 
diöerenz derselben festzustellen liegt außerhalb unserer aufgäbe; 
dagegen bemerken wir, daß für jene periode, in der der lehrer 
keinem der beiden etats angehört, abstufungen in den gehalts- 
sätzen nicht erforderlich erscheinen , vielmehr die dadurch er- 
sparten summen benutzt werden können , um die beiden etats, 
namentlich was die maximalsätze betrifft, möglichst günstig zu 
gestalten. Gegenüber den durch eine solche Ordnung erreichten 
wesentlichen vortheilen wird der lehrerstand gern darauf ver- 
zichten, daß, wie es jetzt üblich ist, zu jeder Versetzung erst die 
beistimmung des zu versetzenden lehrers eingeholt werde ; unser 
System ist nicht anders durchzuführen, als wenn den behörden 
die unbedingte Verfügung über die lehrkräfte zusteht, und zwar 
den mittelbehörden über die der provinz, der centralbehörde bei 
Versetzungen aus einer provinz in die andere. Die etats der 
schulen würden ihre jetzige feste gestalt verlieren müssen ; zwar 
würde jede anstalt ihre eigenen einnahmen an zinsen, gefallen, 
Schulgeldern u. s. w. behalten, aber der bedürfnißzuschuß würde ver- 
änderlich sein, je nachdem die lehrer der anstalt mehr zu den 



72 16. Schulverfassung. Nr. 1. 

jüngeren oder den älteren gehören. Schon jetzt sind , da die 
gehalte der directoren und der elementarlehrer nach dem dienst- 
alter steigen, wenigstens in dieser beziehung die bedürfnißzu- 
echüsse wechselnd. Die möglichkeit einer solchen einrichtung, 
die allerdings an der centralstelle einige arbeitskräfte mehr er- 
forderlich machen würde, ist auf der octoberconferenz (vgl. 1. 1. 
p, 162) von dem herrn minister anerkannt. 

Eecht schwierig, jedoch nicht unlösbar, würde die aufgäbe 
sein, die lehrer an den städtischen schulen dem System einzu- 
gliedern ; nur müßte man zunächst mit der Organisation der Ver- 
hältnisse an den königlichen anstalten vorgehen; denn, wie die 
meisten patronate aus furcht vor Verkümmerung ihrer schulen 
die wohnungsgeldzuschüsse bewilligt haben, so würden sie, da 
alsdann die königlichen lehrer in anderer hinsieht wesentlich 
besser gestellt würden, als die ihrigen, wiederum geneigt werden 
ein opfer zu bringen. Dieses würde in der aufgäbe des unbe- 
dingten Wahlrechts bestehen müssen. In dieser richtung ließe 
eich freilich durch gesetzgebung nichts, viel aber durch Verhand- 
lung erreichen. Und es scheint in der that erreichbar, daß die 
patronate sich dem Staate gegenüber verpflichten, für jede va- 
cante stelle nur aus einer zahl von drei präsentierten lehrern 
zu wählen; wofür dann der Staat die lehrer der schulen, für 
welche jene bedingung zugestanden ist, in jeder rücksicht dem 
Systeme eingliedern würde. Da nun aber nach einführung« der 
ascensionsberechtigung nach der anciennetät an einzelnen schulen 
leicht eine anhäufung älterer lehrer stattfinden und damit für 
eine zeit der gesammtbetrag der besoldungen an einer solchen 
anstalt eine ungewöhnliche höhe erreichen kann , so würde eine 
einrichtung erforderlich sein, um denjenigen patronen, die nicht 
in der läge sind aus eignen mittein diese last zu tragen , eine 
billige Unterstützung zu gewähren. Es müßten nämlich die jetzt 
als Pauschalsumme den Städten aus Staatsmitteln gezahlten be- 
dürfnißzuschüsse in zwei theile zerlegt werden, von denen der 
eine ein fester, der andre je nach der erforderlichen gehalts- 
eumme variabel wäre. Daraus würde dann auch folgen, daß 
dieser zweite theil nicht als einnähme der anstalt als solcher 
angesehen, sondern als persönlicher Zuschuß zur besoldung 
bestimmter lehrer charakterisiert würde, der im fall der Versetzung 
derselben an eine andere anstalt erforderlichen falls mit der 



Nr. 1. Bibliographie. 73 

person an diese anstalt übergienge. Es wird Schwierigkeit ha- 
ben zu ermitteln , wie hoch beide theile des Staatszuschusses ei- 
ner anstalt zu bemessen sind, und kann im allgemeinen eine be- 
stimmung darüber nicht getroffen werden ; indessen wird sich 
bei gegenseitigem entgegenkommen ein passender fuß finden 
lassen ; und an dieser Voraussetzung wird es um so weniger 
fehlen, als sowohl staat wie comnmne an dem Zustandekommen 
eines arrangements lebhaftes interesse haben. Wir zweifeln so- 
gar nicht, daß selbst solche Städte, welche ohne Staatszuschuß 
sämmtliche lasten zu tragen im stände sind, auf einen theil 
ihres Wahlrechts zu verzichten mit der zeit sich bereit erklären 
würden, weil sie nur so sich jederzeit tüchtige lehrkräfte sichern 
könnten. 

Wir hoffen im vorstehenden die grundzüge unseres Systems, 
welches jedem lehrer beruhigung für seine zukunft, der hervorra- 
genden tüchtigkeit ihre auszeichnung , den behörden die unbe- 
schränkte Verfügung über die lehrkräfte sichert und den Städten 
die möglichkeit gewährt, ihre lehrer an den gebotenen vortheilen 
theil nehmen zu lassen, den fachgenossen in hinreichender klar= 
heit vorgelegt zu haben. In dieser oder doch in ähnlicher weise 
muß die brennende frage dereinst gelöst werden, wenn man an- 
ders die in der gesetzgebung von 1872 vorhandenen keime 
aufgehen lassen und im vollen sinne des wortes einen lehi'er- 
stand schaffen will; und wenn dabei von dem gegenwärtigen 
Systeme, welches noch zu sehr die Signatur jenes zustandes 
trägt, wo jede schule ganz für sich stand, vieles beseitigt wer- 
den muß, so kann das in einer zeit nicht auffallen, in der ganz 
andere Veränderungen zum heile des Vaterlandes vorgegangen 
sind. 



Bibliographie. 

„Bückerinnerungen aus früherer zeit und die miseren der 
Jetztzeit' -1 ist der erste artikel in nr. 1 Börsenbl. 1879 über- 
schrieben: im anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Deutsch- 
land ungefähr 250 buchhandlungen, jetzt aber zählt man 5200, 
schreibe fünftausend zweihundert! Darin sucht man die 
gründe des Verfalls : das ist aber ein irrthum : der Universitäten 
sind jetzt weniger als früher und sie — verfallen doch ! Da- 
gegen beachte man, daß auch der Verfasser dieses artikels nicht 



74 Bibliographie. Nr. 1. 

von buchhandlungen, sondern von etablissements und buchhänd- 
lerischen geschäften redet! — Fortsetzung in nr. 11. 27. 

Das „bestellhaus für den niederländischen buchhandel" in 
Amsterdam, Börsenbl. nr. 5. 

Eine anzeige vom archiv für geschichte des deutschen buch- 
handels steht Börsenbl. nr. 17. 

Was soll aus dem soliden deutschen buchhandel werden? 
Artikel in Börsenbl. nr. 23. 

Bericht über die generalversammlung des Vereins der buch- 
händler zu Leipzig am 27. Januar steht in Börsenbl. nr. 31. 

Geistiges eigenthum und Urheberrecht : Börsenbl. nr. 35. 

Die erste lieferung der von Otto Lorenz in Paris herausge- 
gebenen Table de matieres wird besprochen in Börsenbl. nr. 35; 
vergl. nr. 55. 64. 

Einen bericht vom Hamburg - Altonaer buchhändlerverein 
giebt Börsenbl. nr. 40. 

Der buchhändler wie er sein soll — Börsenbl. nr. 47. 

Ein dreihundertfünfzigjähriges Jubiläum ; erinnerung von 
Remmenkirchen's buchhandlung (J. Mellinghaus) in Cöln bei ge- 
legenheit der 350jährigen führung des einhornsiegels : Börsenbl. 
nr. 51. 

Buch- und kunstdruckwerkstätten in Paris und London: 
Börsenbl. nr. 53. 

Zum capitel der recensions - exemplare : Börsenbl. nr. 55. 
57. 68. 

Das Plantin-museum : Börsenbl. nr. 59. 

Versammlung württembergischer buchhändler: Börsenbl. 
nr. 62. 

Russische bibliographie : Börsenbl. nr. 64. 

Aus dem Breslauer buchhändlerverein: Börsenbl. nr. 74. 

Zu den russischen censurverhältnissen : Börsenbl. nr. 74 : 
aus dem Magazin für die litteratur des auslands abgedruckt. 

Zur erinnerung an Eduard Bädeker: Börsenbl. nr. 82. 

Mittheilungen der Verlagshandlung B. G. Teubner in Leip- 
zig 1879, nr. 1: Notizen über künftig erscheinende bücher: 
Dionysii Thracis ars grammatica et supplementa antiquitus ad- 
jecta ex recensione G. Ühlig. Insunt A. Merx dissertatio de ra- 
tione interpretis armenii et byzantini in artem commentariolus 
nunc primum ab. A. Hilgard editus: dazu eine ausführung von 
TJhlig ; — Lexicon Theocriteum, composuit J. Rumpel ; ganz beson- 
ders erfreulich aber ist die ankündigung p. 4 von Aristotelis 
opera omnia, 10 voll., für deren bearbeitung eine reihe gelehrter 
gewonnen sind. — — Nr. 2 : Grundzüge der griechischen ety- 
mologie von G. Curtius, fünfte unter mitwirkung von E. Windisch 
umgearbeitete aufläge; H. L. Ahrens, beitrage zur griechischen 
und lateinischen etymologie , hft 1 ; W. H. Röscher , die Gor- 
gonen; Handlexicon der griechischen und römischen mythologie, 






Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 75 

von demselben ; Symbolae criticae et palaeographicae in Plutarchi 
vitas parallelas et moralia ed. a G. N. Bernardaids ; Publii Syri 
mimi sententiae , rec. G. Meyer; M. Tullii Ciceronis de Legibus 
libri III, erklärt von A. du Mesnil. — Hygini liber de munitioni- 
bus castrornm, ex rec. G. Gemoll, Lycophronis Alexandra; rec, 
scholia addidit G. Kinkel. 

Preisherabsetzung auf zeit. Drittes verzeichniß von 
hervorragenden werken der classischen philologie aus dem Ver- 
lage von T. O. Weigel in Leipzig, der Clarendon Preß in Oxford, 
der GyldendahV sehen buchhandlung in Kopenhagen u. a. : wir 
machen ganz besonders auf dies verzeichniß aufmerksam, da es 
wichtige werke zu bedeutend ermäßigten preisen anbietet. 

Cataloge von antiquaren : K. F. Kohler's Antiquarium in Leip- 
zig, catalog nr. 318, classische philologie; Bücherverzeichniß 
von Oskar Richter in Leipzig , nr. 42 , classische philologie und 
alterthumskunde ; Bücherverzeichniß von Karl J. Trübner in Straß- 
burg i. E., nr. 22, classische philologie und archäologie. 

Fondo di libri antichi e moderni a prezzi ridotti. Libreria 
antiquaria di Ermanno Loescher in Torino. Philologia classica 
p. 1, nr. 19: Philologia classica p. II e lingue orientali, nr. 20. 

Zugeschickt ist uns von der kunsthandlung Hanfstängl in 
München eine Photographie des ministers a. d. Falk; deren sind 
zu haben zu 15 mk., G mk., 3 mk., 1 mk., 50 pf. — die aus- 
führung ist, wie nicht anders zu erwarten war, vortrefflich. 



Kleine philologische zeiiimg. 

Rom,' 8. jan. Ein decret wird veröffentlicht, die gründung 
einer schule für archäologie betreffend, welche der Univer- 
sität in Rom beigeordnet sein soll. D. Reichs Anz. nr. 14. 

Eine anzeige von A. Wittstock' s altclassischem lesebuch fin- 
det sich im D. Reichs Anz. nr. 32 beil. 1. 

Fleischer's deutsche revue Jahrg. III, hft 6, p. 368 enthält : der 
religionsunterricht am gymnasium , offener brief an den Heraus- 
geber der „deutschen revue", ein aufsatz , in dem aus allerlei 
gründen , wie man sie jetzt oft hört , z. b. daß religion gefühls- 
eache sei u. s. w., bewiesen werden soll, daß in den obern clas- 
sen der religionsunterricht schädlich sei, nur zur heuchelei führe 
xx. s. w. : des pudels kern ist die tiefe Weisheit, daß, wenn 
(p. 372) die mit dem wegfall des religionsunterrichts wöchent- 
lich gewonnenen zwei stunden auf die naturwissenschaften ver- 
wandt würden , sicher ein großer schritt zur wahren blüthe des 
gymnasiums werde gemacht werden. 

London, 4. febr. Nach einer inittheilung aus Atheu hat 
dr. Schliemann von der türkischen regierung die erlaubniß er- 
halten, nachgrabungen in den konisch geformten bügeln auf der 



76 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

ebene von Troja zu veranstalten : diese hügel sind nach der 
dortigen sage die gräber der vor Troja gefallenen helden. 

Der katalog der bibliotbek von Wilhelm Dindorf wird kurz 
besprochen im D. ReichsAnz. nr. 34. 

Die ausgrabungen zu Olympia. Bericht XXIX (vrgl. PhAnz. 
IX, nr. 12, p. 658): Den im vorigen berichte XXVIII mitge- 
theilten architektonischen funden der ersten sieben wochen des 
vierten ausgrabungsjahres stehen die archäologischen wür- 
dig zur seite. Denn zum erbten male treten archaisch-griechische 
sculpturen in größerer menge auf und zeigen, daß uns nicht al- 
lein giebel und metopen des Zeustempels zu retten beschieden 
war, sondern auch der bildliche schmuck andrer kleinerer bau- 
werke Olympias nicht gänzlich verloren ist. Indem ich zunächst 
von diesem bedeutendsten ergebnisse des genaueren zu berichten 
beginne , erwähne ich , daß es die das byzantinische festungs- 
viereck im westen einschließende mauer ist, bei deren abbruch 
zahlreiche fragmente archaischer hochreliefs zu tage ge- 
kommen sind, leider nicht aus marmor, sondern aus einem weichen 
kalkmergelstein , an dem zwar die färben zum theil sehr schön 
haften blieben , der aber sehr leicht zerbröckelt. Der stein fin- 
det sich auch an mehreren der ältesten bauten der Altis ange- 
wendet und mußte zu einer zeit, da die einfuhr des marmors 
aus der ferne noch sehr kostspielig war, diesen in der an brauch- 
baren steinen so armen gegend ersetzen. — Es sind etwa sechs 
größere und besser erhaltene , und andere zahlreiche zum theil 
sehr entstellte stücke. Fast alle lassen krieger erkennen, bald 
in heftigster bewegung kämpfend, bald knieend oder gefallen. 
Das beste und größte stück ist ein in die kniee gesunkener 
kämpfer (in halber lebensgroße) von einem lanzenstoße in die 
rippen getroffen • schmerzvoll beugt sich sein Oberkörper vor der 
gewalt der waffe zurück ; sein köpf sinkt auf die brüst und nur 
noch mechanisch hält er den großen rundschild am linken arme 
fest und sucht mit der rechten vergeblich dem feinde zu weh- 
ren. — Gut erhalten ist auch der köpf eines unbehelmten man- 
nes mit binde im haare, besonders merkwürdig durch die wohl- 
erhaltenen färben ; es war alles , haare , lippen , äugen , brauen, 
roth gemalt , nur das fleisch war farbefrei ; der reliefgrund war 
überall himmelblau. — Ganze gruppen ferner von je zwei bis 
drei figuren lassen sich theilweise zusammensetzen, theilweise aiis 
den resten wenigstens ergänzen. Alles ergiebt eine komposition 
von seltener lebhaftigkeit. Ueber den inhalt etwas festzustellen, 
scheint bis jetzt leider nicht möglich-, man unterscheidet nur 
nackte und bewaffnete figuren, ohne alle bestimmtere kennzeicben. 
Wichtiger ist die frage nach der ursprünglichen Verwendung 
dieser meist sehr hoch vom gründe sich lösenden reliefs. Ver- 
schiedene umstände , vor allem aber starke unterschiede in den 
Proportionen mehrerer figuren sowie die kompositionsart derselben 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 77 

stücke, weisen auf ein zur füllung eines kleineren giebeldreiecks 
bestimmtes werk hin. Freilich kommen wir bei der großen an- 
zahl von figurenresten damit nicht aus, und müssen außerdem 
einen fortlaufenden fries an demselben gebäude annehmen. In 
der that fanden sich auch in derselben byzantinischen mauer 
die architektonischen und zwar dorischen reste, welche aus ver- 
schiedenen gründen mit jenen sculpturen in beziehutig gesetzt 
werden dürfen, und ihnen im giebel sowohl als fries den gefor- 
derten räum bieten. — Um den stil dieser bildwerke zu be- 
zeichnen, so darf er am meisten mit dem der Aegineten verglichen 
werden : die körper sind wie dort von vortrefflicher durchbildung, 
in den köpfen macht sich zwar das weiche material sehr geltend, 
das alles scharfe detail, namentlich an den äugen, unmöglich 
machte, doch der typus stimmt im allgemeinen mit dem der 
Aegineten überein. — Nicht minder erwünscht sind uns die 
kunstgeschichtlichen thatsachen, welche einige der neugefundenen 
bronzen zuführen. Da finden wir zunächst den noch von 
asiatischen einflüssen beherrschten stil aus dem siebenten 
oder mindestens sechsten Jahrhundert v. Chr. in einem seltsamen 
stücke, das den Oberkörper eines bärtigen mannes darstellt, der 
hinten mittelst eines ringes und zweier großen flügel an ein ge- 
fäß befestigt war. Gesicht und haar erinnern ganz an assyrische 
typen und ein griechischer gedanke liegt dem stücke noch eben- 
sowenig zu gründe , das übrigens außerdem ein interessantes 
beispiel für die dekorative Verwendung von halbfiguren ist. — 
Den archaischen bronzeguß vertritt die treffliche votivs tatuette 
eines bärtigen mannes mit panzer, der schild und lanze in streng 
und symmetrisch vorgestreckten armen gehalten zu haben scheint. 
— Den endpunkt des archaismus, etwa um die mitte des fünften 
Jahrhunderts, repräsentirt der herrliche, erst ganz küizlich ge- 
fundene Zeuskopf aus terrakotta mit farbenspuren, in mehr 
als halber lebensgroße. Der in den grundzügen noch festgehal- 
tene dorische typus verfeinert sich hier von dem vierschrötigen 
und allen fleischigen details entbehrenden gesichte der vorigen 
Statuette auch weit über den schönen archaischen bronzekopf 
des vorigen jahres hinaus, zu einem ausdrucke , der sich bereits 
mit attischen werken der phidiassischen zeit berührt. Ueber der 
stirne zeigt er noch eine dreifache reihe künstlicher buckellöckchen, 
wie der eben genannte vorjährige bronzekopf; hinten ist das haar 
indeß in einen einfachen runden wulst genommen und nicht lang 
herabhängend wie dort. — Die letztgenannten fuude zusammen sind 
wohl geeignet, die archaisch-dorische kunst des Peloponneses — 
denn dieser gehören sie ohne zweifei an — zu lebendiger anschauung 
zu bringen. — Von der vorzüglichkeit der außerhalb Olympias bis 
jetzt ganz unbekannten größeren terracotta-statuen des fünften 
Jahrhunderts erhielten wir noch einen neuen beweis in dem un- 
tertheile der — bereits dem freien stile angehörigen — gruppe 



78 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

eines S i 1 e n s mit pferdehufen , der eine nymphe gehalten zu 
haben scheint. Das von der letzteren allein erhaltene gewand 
ist mit vielen mustern reich bemalt. — Zu dem großen schätze 
der drei früheren jähre, den gieb el s culpturen des Zeus- 
tempels, gesellen sich immer noch neue ergänzende stücke : so 
der untertheil der Deidamia des westgiebels , so ein köpf und 
mehrere pferde-fragmente vom ostgiebel. — Es bleibt neben den 
größeren allgemein kunsthistorischen , bedeutenden funden noch 
jener große rest der alltäglich in menge zuströmenden kleineren 
gegenstände , die als einzelwerk keinen besondern werth bean- 
spruchen können. Sie sind dem fernerstehenden von geringerm 
interesse und verhalten sich wie die rein topographischen zu 
den architekturhistorischen funden: ihre bedeutung besteht we- 
sentlich darin , daß sie uns die specielle physiognomie der anti- 
ken Altis mit all ihren bronzegeräthen , dreifüßen , becken, ge- 
weihten waffen, thierbildern etc. vorführen. Es genüge deshalb, 
zu erwähnen, daß die inventare an kleineren bronzen während 
der vergangenen sieben wochen um 500 nummern, darunter z. b. 
wieder neue treuliche greifenköpfe, stücke alterthümlicher getrie- 
bener reliefs , an münzen um mehr als dreihundert, und an den 
(meist architektonischen) bemalten terracotten um gegen vier- 
hundert nummern gewachsen sind. — Endlich hat uns die neue 
arbeitsperiode auch an inschriften ungewöhnlich viel und gutes 
gebracht : nämlich nicht weniger als vier größere — freilich 
auch nicht vollständig erhaltene — archaische bronze-inschriften, 
durch inhalt wie dialekt bedeutend. Unter den stein-inschriften 
sind hervorragend die mehrerer künstler argivischer schule : die 
basis, an der sich D ä d a 1 o s der söhn des Patrokles nennt , ist 
auch dadurch merkwürdig, daß sie bereits in Hadrianischer zeit 
umgekehrt und als Untersatz einer anderen statue verwendet 
wurde. Ein anderer bathronblock ; an dem sich die künstler 
Athanodoros xmd Asopodoros nennen, ist eine willkommene 
ergänzung zu den mehreren bereits früher ausgegrabenen blocken, 
die zusamnen ein uns unbekanntes großes weihgeschenk eines 
gewissen Praxiteles trugen , an welchem nicht weniger als vier 
künstler gearbeitet hatten. Adolf Furtwängler. ßeichsAnz. nr. 2. 
— Bericht XXX : Schwere erkrankung des dr. G. Treu ist 
die Ursache, daß der unterzeichnete auch für die letztverflossenen 
zwei monate , dezember und Januar , die berichterstattung über 
die archäologischen funde übernimmt. — Wurde schon 
in dem vorigen berichte angedeutet, daß die bedeutung der dies- 
jährigen funde in der evweiterung unserer kenntniß der griechi- 
schen kunstentwicklung in der zeit des alterthümlichen Stiles zu 
liegen scheine, so bestätigt sich dies in frappanter weise, da die ver- 
gangenen monate werke von geradezu fundamentaler bedeutung 
für archaische kunstschulen zu tage gefördert haben. — Ich be- 
ginne mit dem hauptstücke , mit dem zwischen palästra und 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 79 

westaltismauer gefundenen 0,52 hohen weiblichen kolossal- 
kopfe aus mergelkalk. Es ist dasselbe weiche und bildsame, 
mitunter schneeweiße, meist gelbliche material , aus dem die ar- 
chaischen reliefs bestehen, von denen der vorige bericht sprach ; 
indeß haben sich die formen hier weit besser als dort und in 
ganzer ursprünglichkeit erhalten ; nur die nase fehlt und der 
ganze hinterkopf, sowie der hals und mit ihm wahrscheinlich 
auch die auf die schultern herabgehenden locken. Das haar ist 
in künstlichen wellen geordnet und von einer braunrothen tänie 
durchzogen. Oben erhebt sich ein hoher runder aufsatz , der in 
ganz gleicher weise (er ist mit vertikalen linien verziert) noch 
nirgend beobachtet ist. Bedenkt man die vorauszusetzende große 
dieses götterbildes, ferner die aufstellung innerhalb eines tempels 
— denn im freien würde das material unmöglich gehalten ha- 
ben — , bedenkt man ferner, daß in einer so alten zeit, wie sie 
der stil anzeigt , in der Altis kaum für eine andere göttin als 
für Hera ein so großes tempelbild bestanden haben wird , be- 
denkt man endlich , daß wir ein recht haben , ein solches werk 
(das in einer über dem antiken altisboden liegenden schiebt 
gefunden ward) unter den von Pausanias erwähnten zu suchen, 
so scheint es mir sehr wahrscheinlich , daß wir hier nichts we- 
niger als den köpf des hauptkultbildes der Hera im 
Heraion vor uns haben, dem die elischen weiber jedes fünfte 
jähr einen peplos darbrachten. Nach Pausanias war dies ein 
sitzbild und neben ihm befand sich Zeus und ein bärtiger gott 
mit heim. „Dies sind einfache werke", eine bezeichnung des 
Pausanias , die man als gegensatz zu den nun folgenden gold- 
elfenbeinbildern ebensosehr auf das material , als die arbeit be- 
ziehen kann. Dazu kommt, daß das noch im Heraion im hin- 
tergrunde der cella erhaltene breite bathron, das jene drei figu- 
ren getragen haben wird, aus jenem selben mergelkalk besteht. 
Endlich paßt hierzu auch die geringe entfernung der fundstelle 
vom Heraion. Einen wie hier nach oben sich verbreiternden 
runden kopfaufsatz trug auch das alte kultbild der Hera in 
Samos. — Der stil unseres kopfes läßt sich am besten verdeut- 
lichen , wenn man an die ältesten selinuntischen metopen erin- 
nert , wo die hauptsächlicbsten eigenthümlichkeiten , die ganze 
anläge des gesiebtes, Stellung und gestalt der großen äugen 
sowie der obren, die breite des mundes und höhe des kinnes ihr 
nächstes analogon linden. Das charakteristische der bildung im 
einzelnen jedoch wird am klarsten durch vergleich mit dem 
zweiten hauptfundstücke, dem 0,24 hohen Oberkörper einer 
sehr alten weiblichen figur vom s. o. des Zeustempels; 
dieselbe hat ebenfalls einen nach oben sich erweiternden runden 
kopfaufsatz, hat dicke auf die schultern fallende locken und einen 
eng anliegenden chiton , der, ohne alle falten, ebenso behandelt 
ist, wie eine große vor einigen jabren in Arkadien entdeckte 



80 Kleine philologische zeitang. Nr. 1. 

weibliche sitzfigur. Ob auch die unsrige gesessen habe, läßt 
sich aus dem erhaltenen nicht bestimmen. Es ist möglich, daß 
auch dieses kleinere götterbild eine Hera ist. Das material ist 
ein blauweißer, feinkörniger, wahrscheinlich lakonischer mar- 
mor, aus dem uns auch ein kleiner sitzender, sehr archaischer 
löwe erhalten ist. Obwohl zeitlich diese figur vom kolossal- 
kopfe wenig entfernt sein wird, ist doch das stilistische prinzip 
hier ein völlig anderes; der vollen fleischigen, die natur direkter 
nachahmenden behandlung dort steht hier eine äußerst scharfe 
betonung des knochenbaues mit mehr schematischer bildung des 
einzelnen gegenüber. Die beiden hier vorliegenden kunstschulen 
mit namen zu bezeichnen vermögen wir leider noch nicht. We- 
niger bedeutend ist ein kleiner 0,ü5 hoher, trefflich erhaltener 
weiblicher köpf aus mergelkalk von alter , doch etwas ro- 
her arbeit, interessant namentlich dadurch, daß der hals nicht 
ausgearbeitet war und der köpf offenbar dekorativen zwecken 
eines größeren ganzen diente. — Ferner haben wir wiederum 
das stück einer größeren ursprünglich etwa 0,55 hohen be- 
malten terracottas ta tue archaischen Stiles zu verzeichnen: 
es ist der torso einer weiblichen figur in weißem unterchiton, 
dunkelrothem von mäander gesäumtem obergewande und mit 
schwarzen schulterlocken; sie bewegt beide arme, den rechten 
gehoben, den linken gesenkt, nach links, wahrscheinlich mit dem 
köpf nach rechts gewendet. An ihrem rücken ist ein platten- 
artiger rest, der nach form und bemalung nur flügeln angehören 
kann: es scheint also, daß wir in der that eine archaische 
Nike vor uns haben, wobei man sich erinnert, daß die Ur- 
sprünge der Nike in der kunst wahrscheinlich eben auf Olympia 
zurückgehen. — Eine weitere terracotte etwa vom ende des 
fünften Jahrhunderts ist ein 0,50 langer delphin mit schwar- 
zem firnisse bemalt. Er ist höchst interessant als freistehende 
selbständige thierbildung (denn er war nicht etwa als Wasser- 
speier oder beiwerk einer statue benutzt). Er schwimmt hori- 
zontal nach rechts und ist von drei merkwürdig naturalistisch 
gebildeten wellen gestützt. Sein fundort gewährt noch ein be- 
sonderes interesse; er kam 0,50 unter dem fundamente der süd- 
altismauer zu tage: und zeigt deren spätere entstehung wenig- 
stens in der betreffenden gegend. — Unter den zahlreichen wer- 
ken der kleinkunst ist hervorragend eine als stütze eines gerä- 
thes verwandte nackte männliche bronzestatuette sehr alten Stiles 
und sorgfältiger arbeit ; ferner ein elfenbeinrand (von 0,04 durch- 
messer) auf beiden seiten mit sehr archaischem intaglio, je einen 
geflügelten bärtigen mann darstellend , wovon der eine in zwei 
schwänze ausgeht. Endlich nenne ich die funde in der tiefsten 
Schicht am Zeustempel unter dem bauschutte desselben ; dieselben 
bestehen hauptsächlich in zahlreichen kleinen votivthieren, frag- 
menten alterthümlicher bronzereliefs und als hauptstück in einen! 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 81 

schönen greisenkopfe der ältesten art. — Zu den giebelsculp- 
turen sind mehrere kleine fragmente hinzugekommen, beine, fuße 
und gewandstücke ; ebenso zu den metopen, die außerdem durch 
ein bedeutenderes fragment bereichert wurden , das dr. Treu als 
Oberkörper und köpf des ins faß verkrochenen Eurystheus er- 
kannt hat. — Außerdem kann von marmorwerken noch ein 
knabentorso erwähnt werden aus späterer griechischer zeit, wohl 
von einer knabensiegerstatuette. — Ein fand eigenthümlicher 
art wurde endlich bei durchschneidung des südwalles des Sta- 
dions gemacht, worüber der architektonische bericht das nä- 
here geben wird. In großer tiefe mitten unter der spitze des 
walles befindet sich eine schiebt, in der wir nicht weniger als 
sieben runde nur etwas elliptische bronzeschilde nahe bei- 
sammen liegend fanden. Sie haben schön ornamentirte ränder 
und der eine zeigt außerdem das fragment einer weihinschrift 
der Argiver, wohl aus der zweiten hälfte des fünften Jahrhun- 
derts-, es muß also die darüberliegende aufschüttung des walles 
spätem datums sein. — Im übrigen ist von Inschriften nur die 
basis des Epitherses (Paus. VI, 15, 6) mit der künstlerinschrift 
des Pytbokritos und einige fragmentirte alte bronzetafeln sowie 
große stücke einer Urkunde aus der zeit des achäischen bundes 
im zweiten Jahrhundert v. Chr. zu erwähnen. Adolf Furtwängler. 
D. ReichsAnz. nr. 41. — Bericht XXXI: Die wichtigsten to- 
pographischen und architektonischen resultate während der mo- 
nate dezember und januar haben sich im südlichen und östlichen 
theile der Altis und im Stadion ergeben. Die arbeitskräfte wa= 
ren ziemlich gleichmäßig auf diese drei platze vertheilt; eine 
kleinere abtüeilung arbeitete außerdem an der weiteren freile- 
gung der palästra. — Die grabungen im osten der Altis haben 
uns über die östliche begrenzung des heiligen bezirkes vollen 
aufschluß gegeben ; zwei große Säulenhallen nahmen die ganze 
ostseite der Altis ein, eine nördliche , die stoa der Echo , wurde 
schon im Oktober entdeckt, die auffindung der südlichen geschah 
erst vor kurzem. Den namen, welchen die letztere im alterthum 
geführt hat, kennen wir leider noch nicht; wir haben sie vor- 
läufig nach ihrer läge zum Zeustempel „südost-halle" genannt. — 
Zwei stufen aus muschelkonglomerat trugen an der Vorderfront 
dieser stoa 19 unkannelirte dorische säulen mit dorischem ge= 
bälke aus demselben material. Die axenweite der säulen betrug 
1,99 m, der untere Säulendurchmesser 0,78 m. — Von den bau- 
gliedern fehlt bis jetzt nur das triglyphon ; kapitell, architrav und 
geison sind durch einige exemplare vertreten. Schon in römi- 
scher zeit ist die halle zerstört worden , wahrscheinlich durch 
eine feuersbrunst , da zahlreiche holzkohlenreste in den tieferen 
erdschichten vorkommen. Die stoa wurde nicht wieder aufge- 
baut, sondern man errichtete auf dem noch gut erhaltenen un- 
terbau eine römische thermenanlage, deren mauern theils aus den 

Philolog. Anz. X. 6 



82 Kleine philologische zeitung. Nr. i. 

trümmern der halle, theils aus römischen backsteinen bestehen. 
Dieselben badeeinrichtungen, dieselbe bauart und dieselben Wand- 
malereien, welche uns durch die erhaltenen thermen in Rom und 
Pompeji bekannt sind, kehren hier — allerdings in bescheidenem 
maßstabe — wieder. — Der zweite arbeitsplatz war das terrain 
zwischen dem Zeustempel und der südlichen altismauer. Auf 
der südseite des tempels deckten wir die große terrasse auf, 
welche denselben von allen Seiten umgiebt und im alterthum mit 
bildwerken aller art geschmückt war. Sie wurde bei der er- 
bauung des tempels künstlich angelegt, um dem Zeustempel un- 
ter den andern gebäuden der Altis eine domiuirende Stellung 
zu geben. Wir fanden die niedrige futtermauer, welche die 
terrasse ringsum begrenzt, noch gut erhalten ; auch noch mehrere 
basen für bildwerke standen auf derselben. — An der südwest- 
ecke der terrasse befindet sich das westthor der Altis. Von dort 
führt längs der ganzen südseite des tempels ein breiter weg, 
dessen fester estrich noch jetzt theilweise vorhanden ist. Betrat 
man auf diesem wege die Altis , so hatte man zur linken die 
terrasse mit ihren zahllosen weihgeschenken und Standbildern und 
hinter derselben den gewaltigen bau des Zeustempels. Zur rech- 
ten erblickte man eine ununterbrochene reihe großer basen, 
welche theils reiterbildei , theils größere gruppendarstellungen 
trugen. Verfolgte man die straße bis zur Ostfront des Zeustem- 
pels, so lag zur rechten ein anderes altisthor, in welchem wir 
früher das festthor glaubten erkannt zu haben. Weitere gra- 
bungen an dieser stelle haben jene vermuthung wieder zwei- 
felhaft gemacht, da das thor nur der anbau eines größeren an- 
tiken gebäudes zu sein scheint. Das letztere ist noch nicht ganz 
freigelegt, auch fehlt für seine benennung vorläufig noch jeder be- 
stimmte anhält. Südlich von jener langen reihe großer basen er- 
streckt sich die südaltismauer. Ihre flucht unterbricht ein antiker 
brunnen etwa der mitte des Zeustempels gegenüber. Ganz in 
der nähe des brunnens wurden außerhalb der altismauer theile 
eines weitern antiken gebäudes aufgedeckt, dessen bedeutung noch 
unbekannt ist. — Die wichtigste topographische entdeckung ha- 
ben wir an unserm dritten arbeitsplatze , am Stadion ? gemacht. 
Allgemein nahm man bisher an , daß das Stadion der ostaltis- 
roauer parallel, in süd-nördlicher richtung liege und daß ein 
jetzt noch sichtbarer einschnitt des Kronoshügels das zielende 
der laufbahn bilde. Die grabungen haben ein anderes resultat 
ergeben. Dem laufe des Alpheios folgend, also in west-östlicher 
richtung, liegt das Stadion am fuße des Kronion und seiner öst- 
lichen ausläufer. — Bei dem letzten schatzhause führt ein 100' 
langes gewölbe , der „geheime eingang", von der Altis in's Sta- 
dion. Nur die kämpfer und die kampfrichter durften auf die- 
sem wege den laufplatz betreten. Unmittelbar hinter dem 
eingange befanden sich die noch jetzt sehr gut erhaltenen 



1 



Nr. 1. Kleine philologische zeittrag. 83 

ablaufschranken für den wettlauf. Von allen seiten war das 
Stadion mit einfachen erdwällen umgeben , auf denen die tau- 
sende von Zuschauern saßen. Der südwall , ungefähr 6 m hoch, 
ist künstlich angeschüttet , im norden dagegen bildet der fuß 
des Kronion und seiner nachbarhügel die natürliche böschung. 
An dem südlichen walle waren nach der beschreibung des Pau- 
sanias die Sitzplätze für die kampfrichter ; denselben gegenüber, 
an der nordseite, schaute die priesterin der Demeter, auf einem 
weißen marmoraltare sitzend, den spielen zu. — Soweit die bis- 
herigen grabungen am Stadion schon ein urtheil gestatten, dür- 
fen wir hier günstige fnndresultate erwarten , weil schon in rö- 
mischer zeit dasselbe etwas verschüttet gewesen zu sein scheint. 
Aber wie wünschenswerth eine vollständige aufdeckung auch 
sein mag, so werden wir doch auf eine solche verzichten ; denn 
die sandschicht , welche sich im laufe der Jahrhunderte darüber 
abgelagert hat , ist durchschnittlich 4 J /2 m hoch und die fort- 
schaffung solcher erdmassen würde unverhältnismäßig große ko- 
sten verursachen. Wir werden uns darauf beschränken , durch 
einige graben die längenausdehnung und die innere einrichtung 
dieses berühmtesten laufplatzes des alterthums festzustellen. Von 
wie großer bedeutung die bestimmung der länge des Stadions 
= 600 olympischen fußen für die alterthumswissenschaft und 
speciell für die metrologie ist, erhellt schon aus dem einen 
umstände , daß es trotz der eifrigsten Untersuchungen der 
fachgelehrten bisher nicht möglich war , die große des olym- 
pischen fußmaßes im verhältniß zu unserm heutigen längen- 
maße sicher zu bestimmen. Es ist uns zwar schon gelungen, 
an den ausgegrabenen älteren bauten Olympias einen fuß von 
320 — 321mm. nachzuweisen, doch müssen diese ermittelungen 
erst an der messung der stadionlänge die nothwendige probe 
ihrer richtigkeit bestehen. — Der vierte arbeitsplatz während 
des monats Januar war das gymnasium für die ringer und faust- 
kämpfer, die sogenannte palästra. Ein theil derselben war schon 
im vorigen jähre aufgedeckt worden. Die weiteren grabungen 
haben die plandisposition vollständig klar gelegt : in der mitte 
befindet sich ein großer quadratischer säulenhof , jede seite des- 
selben, circa 41m. lang, wird von 19 dorischen säulen gebildet. 
Um den hof läuft ein bedeckter umgang , von welchem man in 
die ringsherum liegenden gemacher gelangt; diese öffnen sich 
gegen die halle mit jonischen säulenstellungen. An der südli- 
chen außenwand bildeten je 2 korinthische säulen und 2 anten 
die beiden haupteingänge des gebäudes. Wir haben demnach 
in der palästra nicht nur ein interessantes beispiel für die kom- 
bination dorischer , ionischer und korinthischer säulen an einem 
bauwerk , welches aus bestimmten gründen der Diadochenzeit 
angehört, sondern auch das erste zusammenhängende beispiel für 
die bauanlage eines älteren griechischen gymnasion. — Da sich 



84 Auszüge aus Zeitschriften, Nr. 1. 

die ausgrabungsarbeiten von dem engeren bezirke der Altis schon 
auf die Umgebung derselben ausgedehnt haben, so konnten wir 
allmählich genügendes material sammeln , um einen überblick 
über die geschichte der verschüttung Olympias zu gewinnen. 
Wir unterscheiden vier perioden der Versandung. Nicht sehr 
lange nach der zeit, wo die olympischen spiele zum letzten male 
gefeiert wurden, sind — wahrscheinlich in folge der plötzlichen 
und vollständigen abholzung — große erdmassen vom Kronos- 
hügel abgerutscht und haben das Heraion , einige der schatz- 
häuser und das stadion 1 — 2 m hoch verschüttet. Bald darauf 
ist auch der Kladeos aus seinen ufern getreten und hat den 
größten theil der palästra versandet. — Dann scheint eine pause 
von mehreren Jahrhunderten eingetreten zu sein , nach welcher 
zeit Slaven und andere nordische Völkerstämme in das Alpheios- 
thal eingedrungen sind und sich hier angesiedelt haben, um na- 
mentlich weinbau zu betreiben. Ihre Wohnungen sind die klein- 
sten und ärmlichsten hütten, die man sich denken kann; sie er- 
mangeln selbst der feuerstelle. — Etwa gegen ende des siebenten 
Jahrhunderts entstanden dann mehrmals große Überschwemmungen 
des Alpheios und Kladeos ; sie haben alle bewohner aus Olympia 
vertrieben und die noch nicht verschütteten gebäude mit einer 4 m. 
hohen sandschicht zugedeckt. Nur einige der 12 thesauren 
blieben noch sichtbar, da sie auf ihrer hohen terrasse am Kro- 
nion von den fluthen nicht erreicht wurden. Ihre verhältniß- 
mäßig kleinen quadern wurden während des mittelalters als be- 
sonders geeignetes baumaterial für die häuser der umliegenden 
Ortschaften verwendet. Die übriggebliebenen reste der schatz- 
häuser scheinen endlich durch einen bergrutsch des Kronion voll- 
ständig verschüttet worden zu sein. — So wurde Olympia zur 
einöde. Nur die hochragenden trümmer des großen Zeustempels 
und mehrere römische backsteinruinen blieben sichtbar und ver- 
riethen den späteren besuchern des Alpheiosthales die unter der 
erde ruhenden schätze. Wilhelm Dörpfeld. — KeichsAnz. nr. 49. 

Reste von pfahlbauten in der nähe von Donaueschingen 
gefunden: ReichsAnz. nr. 42. 

Graf Roon stirbt am 25. februar: eine biographische skizze 
s. ReichsAnz. nr. 48 : vrgl. PhAnz. III, 4, p. 214. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1879, nr. 1. 2. 3. 4. 5. 6: das jähr 
1878. I: die innern zustände Deutschlands. — Beil. zu nr. 3: StarJc's 
archäologie der kunst: besprechung dieses handbnchs. — Nr. 6. Beil. 
zu nr. 31: Schmid-Schwarzenberg , über volkserziehung. IV. V. — Nr. 
8. 9. 10. 11: das jabr 1878. II. III: der russiscb-türkische krieg und 
seine folgen: schlußbetracbtung. — Beil. zu nr. 7: was ist communis- 
mus und sociali8mus? — Nr. 13. Beil. zu nr. 14. 15: Petrarca's leben 
und werke: im anschluß an Körtings werk über die literatur Italiens, 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 85 

bd. T. — Bei], zu nv. 14: Th. Beiger, ein Spaziergang am Schreibtisch 
in und um Athen : bespricht den von E. Curtius und Kaupert edirten 
atlas von Athen. — Beil. zu nr. 17: die Tiberarbeiten. — Beil. zu 
nr. 19. 21: zur Organisationsfrage der technischen hochschulen. I. II: 
diese hochschulen haben darnach jetzt schon gar manches vor den 
vornehmen Universitäten nach ihren Statuten voraus. — Beil. zu nr. 
22: der kerl hieß Lessing: anecdote von Fischer, weiland rector ander 
Thomasschule zu Leipzig. — Beil. zu nr. 25: zur Vorgeschichte des 
menschen im östlichen Europa. — Beil. zu nr. 29. 30. 31. 32. 33: W. 
Kaden, eine hundstagsreise durch süditalien. — Beil. zu nr. 30: die 
Universität Erlangen unter inarkgraf Alexander: nach einer rede von 
Iioan Müller. — Beil. zu nr. 37: verkauf von W. Dindorfs bibliothek. 
— Nr. 38: die serbische und rumänische Judenfrage und ihre euro- 
päische bedeutung. — Beil. zu nr. 38: das biblische paradies — ein 
pestherd. — Die wissenschaftlichen ergebnisse der ausgrabungen in 
Olympia: auszug aus einem von E. Curtius in Berlin gehaltenen vor- 
trage. — Beil. zu nr. 50: über die Vorbildung der mediziner auf re- 
algymuasien , von dr. von Bisehof: fortsetzung der darlegungen im 
jähre 1878. (s. Beil. zu nr. 206 v. j. 1878) : vrf. zeigt, wie für die Vorbildung 
der mediziner auf realschulen nur die lehrer an realschulen kämpfen, um 
ihre anstalten zu heben, ferner daß diese lehrer von der medizin und 
ihrem wesen nichts verstehen, daß die lehrer in chemie und physik 
an Universitäten viel mehr auf solche gäben, die auf gymnasien ge- 
bildet seien, als auf die an realschulen: endlich daß mediziner histo- 
risch gebildet sein müßten, was dann näher bestimmt wird. — Prof. 
Hüter in Greifswald hat sich in einer broschüre dahin ausgesprochen, 
daß die mediziner besser auf den realschulen vorgebildet würden als 
auf gymnasien: dagegen haben sich die Studenten erklärt. — Beil. zu 
nr. 51: die Zulassung der realschulabiturienten zum Studium der me- 
dizin; sehr zu beachtender artikel , der noch klarer und schärfer die 
schwächen der angriffe der realschulmänner auf die gymnasien dar- 
legt und zurückweist. — Beil. zu nr. 52: zum hundertjährigen ge- 
burtstag von Fr. K. von Savigny. — Beil. zu nr. 57: die Savignyfeier 
in Berlin. — Beil. zu nr. 58: Savignyfeier in Tübingen. — 

Göttingische gelehrte anzeigen, 1879: St. 2: über den Platocodex 
der Markm-hibliothek zu Venedig, von M, Schanz, anzeige von A. 
Jordan. Vgl. Philol. XXXVIII, p. 359 und Phil Ann. IX, 7, p. 441. — 
St. 9: A. Rueper, de dualis usu Platonico, anzeige vun M. Schanz. — 
A. Jahn, die künde und benutzung der Bongarsischen handschrifteu 
und buchen ammlung der stadtbibliothek in Bonn : anzeige von H. S. 
— St. 14: Chronologie orientalischer Völker von Alberüni, herausge- 
geben von C. E. Sachau: anzeige von Th. Nöldeche. — St. 18: K. Keßler, 
secundum quos auctores Livius res a Scipione majore in Africa gestas 
narraverit: anzeige von F. Friedersdorff. — Kritische Studien zur Sprach- 
wissenschaft von Ascoli , übersetzt von B. Mangold: anzeige von A. 
Bezzenberger. — St. 21 : ff. Osthof und K. Brugmann , morpholo- 
gische Untersuchungen auf dem gebiete der indogermanischen sprachen, 
ausführliche anzeige von A. Bezzenberger. — St. 25 : Keilschriften und 
geschichtsforschung . . . von E. Sehrader, beachtenswerthe anzeige 
von J. Oppert. — St. 28: Milete et le golfe Latmique . . . feuilles et 
explorations arche'ologiques , faites aux frais de M. M. les barons de 
Rothschild et publie'es .... par 0. Raget et A. Thomas: anzeige von 
G. Hirschfeld. — St. 31 : Piatons ideenlehre und die mathematik, von 
ff. Cohen, anzeige von E. Alberti. — Atilio Hortis: le additiones al 
De remediis fortuitorum di Seneca demostrate cosa del Petrarca e 
delle attinente del Petrarca con Seneca. La corographia di Pompo- 
nio Mela attributa falsamente a Gr. Boccacci: anzeige von Geiger; 



86 Auszüge ans Zeitschriften. Nr. 1. 

ähnliche behauptvmgen von Schnitze u. a. sind bekannt. — St. 33: 
A. Hahn und G. Mehlis , materialien zur Vorgeschichte des menschen 
im östlichen Europa: anzeige von — y — . — St. 34: zur Vorgeschichte 
der Bartholomäusnacht. Historisch- kritische studie von H. Wuttke. 
Herausgegeben aus dessen nachlasse von dr. G. Müller - Frauenstein .- 
lobende anzeige die das im PhAnz. VII, nr. 9, p. 471 über Wuttke's 
studien berichtete bestätigt. — St. 35 : Dodone et ses ruines par Con- 
stantin Carapanos. Paris, Hachette: ausführliche anzeige von G. 
Hirschfeld, die den Verdiensten des Epiroten volle anerkennung zollt 
und in der anzeige die läge, den bau von Epiros bespricht, dann spe- 
ciell die der landschaft und stadt Dodona , wobei er bemerkt die so- 
genannte kyklopi^che bauweise sei als chronologisches merkmal auf- 
zugeben, kommt dann auf die ruinen des tempels, auf die einen Zeit- 
raum von 7 — 800 jahren umfassenden mannigfachen fundstücke, bron- 
zen, decrete, welche alle aus späterer zeit, vor allem auf das wich- 
tigste, die 42 lesbaren bleiplatten mit an Zeus Naios und Dione, also 
an das orakel gerichteten fragen, welche ausführlich besprochen und 
in die zeit vom 4. bis 2. jahrh. v. Chr. gesetzt werden ; zum schluß 
folgt ein blick auf die geschichte Dodona's, wo dann ein älteres 
thessalisches Dodona abgelehnt, die zeit, wo Dodona molossisch wurde, 
in die erste hälfte des 4. jahrh. vor Chr. gesetzt wird unter berück- 
sichtigung von Eur. Phoen. 982, Scjl. 338, Aesch. Prom. V. 829. — 
St. 41: Voigt, die handschriftliche Überlieferung von Cicero's briefen: 
anzeige von L. Geiger. — St. 42: G. Teichmüller, die reihenfolge der 
platonischen dialoge: selbstanzeige. — St. 43: Krause, Helius Eobanus 
Hessus, sein leben und seine werke: anzeige von L. Geiger. — St. 46: 
A. Viertel, die wiederauffindung von Cicero's briefen durch Petrarca: 
beistimmende anzeige von L. Geiger. — 

Hermes 1879, heft 1: J. G. Droysen , die festzeit der Nemeen 
p. 1: — Tk. Mommsen, die gardetruppen der römischen republik und 
der kaiserzeit, p. 25. — H. Haupt, über die herkunft der dem Dio 
Cassius beigelegten planudischen excerpte, 1, p. 36. — Th. Mommsen, 
die wiedergäbe des griechischen qp in lateinischer schrift , p. 65. — 
G. Unger, die jahrabstände bei Polyb. II, 18—25, p. 77. — H. Müller, 
die handschiüftliche Überlieferung der Enneaden des Plotinos, p. 93. — 
A. Hoch, die athenischen bundesgenossen und der Philokratische frie- 
den, p. 119. — E. Curtius, Sparta und Olympia, p. 129. — Miscellen: 
A. Luchs, Verbesserungen zu Livius, p. 141. — J. Olshausen, oriootl; 

— storax, p. 145. — U. von Wilammoifz - Möllendorf, yQ«[j,fiuTtvg rtjg 
nöXi-ws, p. 146. — O. Seech, zu Polyb. II, 19,1, p. 156. — M. Schanz, 
zu den handschriften des platonischen Timäus (berichtigung), p. 156. 
i — M. Bonnet, die handschriften von Montpellier II. 360 (Sallustius) 
und Paris, lat. 10195 (Marobius, Sallustius, Chalcidius), p. 157. — Th. 
Mommsen, nach trag zu p. 34, p. 160. 

Hft II: U. von Wilamowitz -Möllendorf, Parerga , Pheidon von 
Elis, die galliamben des Callimachos und Catullus, p. 161. — J. Vah- 
len, über eine stelle in Piatons Philebus, p. 202. — C. A. Lehmann, 
Quaestiones Tullianae, pars I, p. 212. — H. Tiedke, de lege quadam, 
quam in versibus faciendis observavit Nonnus, p. 219. — H. Schröder, 
Porphyrius bei Eustathius zur Boiotia, p. 231. — Jo. Draheim, de 
arte Ovidii, p. 253. — R. Ellis, emendationes inscriptionum, p. 258. — 
A. Jordan, zur kritik der spätem Platoniker, p. 262. — H. Jordan, 
vermischte bemerkungeu: zu Frontinus, zu Horat. Carm. IV, 8, in- 
schriften und gemälde in Pompeji, Simonides über die weiber, p. 269. 

— H. Haupt , über die herkunft der dem Dio Cassius beigelegten 
planudischen excerpte, II, p. 291. — W. Dittenlerger , Ketriporis von 
Thrakien, p. 298. — Miscellen: E, Petersen, ein mißverstandenes 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 87 

■wort des Heraklit, p. 304. — JE. Hühner, die Priaposelegie des Ti- 
bullus, p. 307. — C. Robert, zu Pausanias, p. 313. — P. Thomas, zu 
Stobäus Florilegium, p.316. — H. Heydemann, epigraphisches, p. 317. 

— U. v. Wüamowitz-Möllendorf, Jüjawv Jafuavidov "Oaüsv, p. 318. — 
W. Schmitz, (zu Herrn. VIII, p. 218), Namphamo, p. 320. — K. Zan- 
gemeister, Paramus, p. 320. — 

Revue de linguistique et de /philologie cornparie. Publ. par Girard 
de Riulle avec concours de Em. Picot et Jul. Vinson. Tome XII. 
1879. Fase. I. Esquisse d'une graminaire raisonnee de la langue 
Aleoute d'apres la grammaire et le vocabulaire de Iv. Veniarninov, 
par V. Henry. Suite et fin, p. 1. — Les langues etrangeres out-elles 
eu de l'influence sur la langue Allemande? par Creifelds , p. 41. — 
Spe'chuens de patois Gascons, par J. Vinson, p. 62. — Essai sur le 
patois Gallot, par P. Sebülot, p. 78. 

Fase. 2. C. A. Pietremont , les Aryas et leur prerniere patrie, p. 
99. — Dupont, essai sur la langue des Indiens Galibis, p. 148. — H. 
de Charenceg, fragment sur la symbolique hebraique, p. 164. — A. 
Dureau, bulletin bibliographique, p. 194. 

Fase. 3. Guyard, traite du decret et de l'arret divins, par le doc- 
teur Abd-ar-Razzag, p. 239. — Notice sur plusieurs iaugues indienues 
de la Nouvelle Grenade, par X, p. 267. — Luc. Adam, du parier des 
frommes et du parier des femmes dans la langue caraibe , p. 275. — 
V. Henry, note sur le parier des hommes et le parier des femmes 
dans la langue chiquita, p. 305. — J. Vinson, le basque navarrais- 
espagnol ä la fin du XVIe siecle, p. 330. — Vocabulaire francais-na- 
granda, p. 334. — Bibliographie, p. 338. 

Rivista di ßlologia e d'istruzione classica. Anno VII. Torino. 
Roma 1879. Fase. 1. 2. Fr. Cipolla, dei Prischi Latini e dei loro 
usi e costurni, p. 1. — Bibliografia : Erm. Ferrero : Ces. Paoii dei pa- 
piro specialmente considerato come materia che ha servito alla scrit- 
tura, p. 122. — Gaet. Oliva : Giov. Setti, la critica letteraria in Ari- 
etofane, p. 127. — Fei. Ramorino : Dom. Brizzt, de diversis rationi- 
bus ac viis quas latini epicorum scriptores iniverunt, p. 128. 

Fase. 3. 4. Emidio Martini, a che punto stia la questione dell' 
esisteaza d'uua legge arcaica d'accentuazione nella lingua latina, p. 
129. — Bibliographia : Fei. Ramorino: Ch Chavee, Ideologie lexicolo- 
gique des langues Indo-Europeennes, p. 195. — Fr. Cipolla: Aug. 
Christ, Schicksal und gottheit bei Homer, p. 206. 

Fase. 5. 6. Luigi Cerrato, Solone. Saggio critico-biografico, p. 
209. — Giov. Deciu, sull' idillio di Teocrito intitolato (fctQ[j.uy.tvTQt,a, 
p. 257. — Bibtiogrußa : G. Oliva: P. Cavazza, la declinazione di Apol- 
lonio ßodio, p. 284. — Fei. Ramorino: E. Piccolomini , sopra aleuni 
luoghi delle Nubi di Aristofane, p. 286. 

Fase. 7. 8. Luigi Cerrato, Solone. (Continuazione e fine), p. 289. — 
Eur. Mercatanti, aleune lettere di C. Plinio Cecilio studiate come do- 
cumenti per la, biografia di Tacito , p. 324. — J. Draeseke , ad Q. 
Curtium Rufum, p. 347. — Bibliogrujiu : Giov. Canna. Prosp. Viani, 
appendice all' epistolario e agli scritti giovanili di Giacomo Leopardi 
a compimento delle edizioni fiorentine, p 350. — Claud. Giacomino : 
Herrn. Osihoff und Karl Brugmann , morphologische Untersuchungen 
auf dem gebiete der indogermanischen sprachen, p. 354. — Giov. 
Flechia: F. Fanfani, le aecorciature dei uomi proprii italiani, p. 375. 

— A. Graf: Francesco d'Ovtdio. Saggi critici, p. 395. — Ant. So- 
gliano: Ersil. Gaet. Lovatelli, la iscrizione di Crescente, p. 399. 

Fase. 9. 10. Dom. Comparetti , frammenti inediti dell 1 etica di 
Epicuro tratti da uu papiro ercolanese, p. 401. — J. Draeseke, quae- 
6tionis atque interpretationis Horatianae speeimen (epp. 1, 2), p.422.— 



88 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

C. Cipoila, osservazione a proposito dello scritto di E. Mercatanti 
sulle lettere Pliniane studiate conie documenti della biografia di Ta- 
cito, p. 474. — Bibliograßa : G. F.: Ad. Pictet, les origines indo-eu- 
ropeennes ou les Arias primitifs , essa.i de paleontologie linguistique, 
p. 476. — P- 31er lo : Gins. Petroni , dei casi nelle lingue classiche e 
particolarraente del locativo, p. 480. — E. F. : E. Curtius und J. A. 
Kaupert, Atlas von Athen, p. 491. - P. Merlo: Girol. Vitelli, l'Ifige- 
iiia in Aulide di Euripide, p. 494. — G. Oliva: Ant. Rieppii, disser- 
tatio de Aescbyli Persis, p. 533. — Fei, Ramorino: Rocco Romanelli, 
manuale teorico-pratico di fonologia e morfologia greca compilato se- 
condo il metodo di Curtius, p. 535. 

Fase. 12. (sie!) Giutio Beloch, Italia tributim descripta, p. 537. — 
Bibliograßa : P. Luigi Bruzza : Erm. Ferrero, l'ordinamento delle ar- 
mate roniane, p. 563. — Fr. C/polla: Vital. 31enghini, Ercole nei 
canti di Pindaro. Saggio sul valore e sulle proprietä del mite- nella 
poesia pindarica, p. 570. — Ram. Feiice: Car. Giambelli de rhetori- 
corum ad Herennium auetore, p. 576. 

Anno VIII. Fase. 1 — 3. Pieiro Merlo, sulla necessaria dipen- 
denza della sintassi dalla dottrina delle forme, p. 1. — Ettore Sta?7i- 
pini, le odi barbare di G. Carducci e la rnetrica latina, p. 69. — 
Bibliograßa: Giov. Canna: Miscellanea Capitolina; storia dell' isti- 
tuto archeologico Gerrnanico, p. 108. — Erm. Ferrero: Piante ico- 
nografiche e prospettiche di Roma anteriori al sec. XVI raecolte e 
dichiarate da Gio. Batt. de Rossi, p. 120. — Giulio Beloch: Catalogo 
del Museo Eircheriano pubbl. per cura di Ettore de Ruggero, p. 133. 
— Pietro 31erlo : il tema del presente nel verbo greco. Appunti del 
prof. G. Bonino, p. 134. — Carlo Passaglia: Aristotele. Esposizione 
critica della psicologia greca. Definizione dell' anima. Traduzione e 
note di Giambatt. Barco, p. 138. - Franc. Cipoila: adnotatiuneulae 
criticae ad amplissimos et doctissimos academicos Lineeos Caroli Gi- 
ambelli, p. 151. — Fei. Ramorino: Galeni libellus quo demonstratur 
Optimum medicum eundem esse philosophurn , recogn. et enarr. Iwan. 
Müller, p. 153. — Giov. Canna: Atti della R. Accademia della Crusca, 
p. 154. — 

Literatur. 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Epilegomena zu Horaz von O. Keller. Bd. I. 8. Leipzig, Teubner. 

Specimen literarium continens annotationes criticas in satirasD. Junii 
Juvenalis , quod . . . summittit Walter de Jongh. 8. Groningae, Wolters. 

Quaestiones syntacticae de partieipiorum usu Tacitino, Vellejano 
Sallustiano. Scr. F. Helm. 8. Lips., Teubner. 

M. Tullii Ciceronis scripta quae manserunt omnia, recognovit C. 
T. W. Mueller. Partis IV, vol. III. 8. Lips., Teubner. 

Fr. Ritschelii , Opuscula philologica. Vol. V. Varia. 8. Lips., 
Teubner. 

Moriz Haupt als academischer lebrer. Mit bemerkungen Haupts 
zu Homer, den tragikern, Tbeokrit, Catull, Properz, Horaz, Tacitus, 
Wolfram von Eschenbach , mit einer biographischen einleitung von 
Chr. Beiger. 8. Berlin, W. Weber. 



Druckfehler. 

PhAnz. IX, 9, p. 547 z. 6 v. o. ist statt „Thryphon" zu lesen „Thrax". 



; 



Nr. 2. März. April, ^q 

Mai. Juni. 



Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



17. Beiträge zur lateinischen grammatik. Prode. Von 
Franz Weihrich. Wien 1877. 

Wenn auch das wörtchen prode früher schon in einigen 
drucken der Italahandschriften erschien , so hat doch H. Schu- 
chardt (Vocalismus II, 504) zuerst diese form besprochen. Er 
fand den Ursprung in der diaerese des wortes prodesse, aus der 
sich ein adjectivisches neutrum prode entwickelte, und nahm an, 
daß die vulgärsprache sich zu dieser auflösung durch die ana- 
logie von potest für pote est habe verleiten lassen ; Fr. Eitschl 
dagegen erklärte prode für die ursprüngliche form der lateini- 
schen präposition prod-, pro. So waren gleich die ansichten der 
gelehrten verschieden und sind es wohl bis heute noch, auch 
der erklärungsversuch von Weihrich hat diese frage nicht zum 
abschluß gebracht. Interessant ist der versuch des Verfassers, 
die formen chronologisch zu bestimmen , er kommt hier zu dem 
resultate, daß Julius Frontinus, über den Weihrich das genaueste 
bei Mommsen im index zu Plin. Epist. ed. H.Keil, p. 414 hätte 
finden können , zuerst diese vulgäre form in die Schriftsprache 
aufgenommen hat. In den handschriften der lateinischen Bibel- 
übersetzung ist sie dann ziemlich häufig (vrgl. Boensch, Itala und 
vulgata p. 468, 469), gelegentlich erscheint sie auch bei andern 
Schriftstellern, wie bei Gaius, Gargilius Martialis , aber fast im- 
mer nur in bestimmten Verbindungen wie prode est, ero, erit, esse, 
selten ist fuit prode, prode fit und prode faeitis. Als vergleich 
zieht Weihrich die composita deesse und praeesse heran. Be- 
kanntlich wurde im anfange der kaiserzeit nicht praeest, sondern 
Philol. Auz. X. 7 



ÖÖ 17. Grammatik. Nr. 2. 

immer praest geschrieben , besonders auf militairdiplomen erhielt 
sich letztere form stetig bis zur zeit des Alexander Severus, wo zu- 
erst praeest neben praest sich findet ; dagegen war die auflösung 
anderer formen dieses compositums z. b. praeerunt schon früher 
zur zeit des kaisers Domitian eingetreten. Es ergiebt sich dar- 
aus , „daß die zeit des frühesten erscheinens der form prode est 
mit der zeit der Wiederauflösung praeest neben bisher üblichem 
praest zusammenfällt und daß, als prode est häufiger ward, auch 
schon die Zerlegung von praest in praeest entschieden durchge- 
drungen war". Ob nun der weitere Schluß richtig ist, daß nach 
dem vorgange von praest und dest auch prodest in prodeest zer- 
legt ward, als ob auch hier der vocal e die fuge der composition 
in sich geborgen hätte, wird schwer sein direct zu beantworten, 
jedenfalls liegt aber ein gewisser grad von Wahrscheinlichkeit vor. 
Was zuletzt das compositum deesse betrifft, so werden die- 
jenigen formen, in welchen ee zusammentrifft, mit vocalverschmel- 
zung gemessen und oft auch in den handschriften und inschrif- 
ten mit einem e geschrieben. Weibrich hat hierfür verschiedene 
dichterstellen citiert, denen ich noch andere zufügen will. So 
schreibt L. Müller in Horat. Sat. 2, 1, 17 : haud mihi dero und 
2, 2, 98: cum derit egenti as, im Catull 64, 151 : in tempore des- 
sem, 0. Eibbeck in Verg. Georg. 2, 233 : si derunt. Fr. Eitschl 
in der Vita Terentii : unum hoc maceror aureolo tibi desse Terenti 
(vrgl. Suet. Reliqu. ed. Reifferscheid p. 528), und auch im Per- 
sius 6, 64 muß nach dem cod. Montepessulanus aus dem IX. 
Jahrhundert, welcher des aliquid hat, dest aliquid gelesen werden 
statt deest, wie 0. Jahn schreibt. Ob in den handschriften des 
Lucan. 9, 858, des Sil. Ital. BP. 6, 10 und des Martial. 8, 56, 5 
die kürzere oder die aufgelöste form sich findet, kann ich nicht 
angeben, da mir nur ältere ausgaben zu geböte stehen. Im 
Publ. Syrus 151 ed. 0. Ribbeck (=137 Wölfflin), 229 (=192 
Wölfflin), 594 (= 464 Wölfflin) und 628 (= 486 Wölfflin) 
schreibt Ribbeck die zusammengezogene form , Wölfflin dagegen 
die aufgelöste. Vers 628 : tarn dest avaro quod habet quam quod 
non habet wird auch von Seneca Contr. 7,18 citirt und hier von 
Bursian p. 206,14 nach cod. Bruxell. dest geschrieben, während 
Halm im Quintil. JOr. 8, 4, 6 ; 9, 3, 64, wo derselbe vers vorkommt, 
nach den handschriften deest aufgenommen hat. Auch in den 
handschriften für Prosaschriftsteller läßt sich die zusammengezo- 



Nr. 2. 18. Grammatik. 91 

gene form nachweisen, so z. b. im Mediceus von Cicer. Epist. ad 
Farn. II, 1; IV, 5, 5; IV, 6, 2 ; V, 7, 2 ; V, 12, 2; V, 17,5; VI, 
22, 1 ; VII, 9, 1 und in den handf chriften zu Tacit. Ann. IV, 
35, auch Ann. XIII, 21 will Sicker (Tacit. formenl. p. 53) de- 
runt für desunt schreiben. 

C. Wagener. 



18. De vocibus Latinis, quae apud Joannem Malalam chro- 
nographum Byzantinum inveniuntur, scr. G. Koerting. — Ind. 
lect. in acad. Monast. 1879. 

In der im jähre 1874 herausgegebenen schrift „Dictys und 
Dares" hat Körting den nachweis zu liefern versucht, daß so- 
wohl die Ephemeris des Dictys als auch die Historia des Dares 
ursprünglich in griechischer spräche abgefaßt seien, daß danach 
eine lateinische Übersetzung existirt habe und daß zuletzt die 
beiden lateinischen Schriften, welche jetzt den namen Dictys und 
Dares führen, weiter nichts seien als eine excerptartige bearbei- 
tung eines umfangreicheren lateinischen Originals. Dieser an- 
sieht trat in betreff des Dictys Dunger (Dictys-Septimius, progr. 
des Vitzthumschen gymn. Dresden 1878) entgegen; er wies 
nach , daß von einer griechischen abfassung nicht die rede sein 
könne, daß die Ephemeris der römischen literatur zuzuweisen sei 
und daß wir in Septimius nicht den Übersetzer, sondern den Ver- 
fasser zu erkennen hätten. Zu gleicher zeit und unabhängig 
ven der Dungerschen schrift suchte ich in einem aufsatze: Bei- 
trag zu Dares Phrygius (Philologus 38, p. 91 — 125), in welchem 
ich besonders über die quellen des Dares sprach, nebenbei auch 
die gründe zu widerlegen , auf welche sich Körting für die an- 
nähme eines griechischen Dares stützte. Auf die frage, ob auch 
eine ausführlichere lateinische darstellung desselben existirt habe, 
ließ ich mich nicht weiter ein, bin aber jetzt der ansieht, daß 
viele gründe dafür sprechen , daß eine solche wohl vorhanden 
gewesen sein mag. Doch daß es jemals eine griechische Ilias 
von Dares gegeben habe , die das vorbild unserer heutigen la- 
teinischen historia de excidio Troiae gewesen ist, muß ich auch 
jetzt noch ebenso bezweifeln, und ob Körting recht hat zu sa- 
gen : neque Daretis pleniorem librum a Graeco auetore fuisse pri- 

7 * 



92 18. Grammatik. Nr. 2. 

mum compositum ut probetur, longa ac difficili opus erit disputatione, 
muß man erst abwarten. 

In der vorliegenden abhandlung hat der Verfasser die frage, 
ob Malalas, der im fünften buche seiner Chronographie die be- 
Schreibung des trojanischen krieges nach Dictys giebt, lateinisch 
verstanden habe oder nicht, wiederum zum gegenstände einer 
Untersuchung gemacht. Früher schon hatte Körting in seinem 
buche „Dictys und Dares" dies leugnen zu müssen geglaubt, 
worauf dann Dunger (Dictys — Septimius p. 15 — 26) den nach- 
weis führte, daß Malalas ohne allen zweifei des lateinischen kun- 
dig gewesen sei und daß er auch bei der abfassung der ge- 
schichte des trojanischen krieges die Ephemeris des Dictys nicht 
im griechischen, sondern im lateinischen texte vor äugen gehabt 
habe. Zur Widerlegung dieser ansieht stellt nun Körting alle 
lateinischen worte und formen, die sich im Malalas finden, zu- 
sammen — ich habe nur nlotitma 413, 16 und nQOGxovlxoiTOQag 
330, 2 vermißt — um zu zeigen, daß alle diese formen sich ad 
res vel militares vel politicas vel forenses vel aulicas beziehen, daß 
dieselben meistens schon gemeingut der Byzantiner damaliger 
zeit gewesen seien, daß also daraus nicht der Schluß gezogen 
werden könne, daß Malalas lateinisch verstanden habe. 

Erwägt man aber, daß Malalas zu einer zeit lebte — A. 
v. Gutschmid nimmt wohl mit recht die regierung Iustins II. 
565 — 578 an (vgl. Grenzboten 1863, I. p. 330-347) und auch 
W. Teuffei (Keal-encyclop. I, 2559) stimmt ihm bei — wo noch 
immer die lateinische spräche (vgl. Hertzberg, Gesch. Griechenl. 
seit dem absterben des antiken lebens I, 145) in dem amtlichen 
verkehre ihre herrschaft behauptete, wo nicht lange vorher die 
großen gesetzsammlungen des Iustinian (529 und 534) entstanden 
waren, wo das latein noch als die offizielle spräche bei dem com- 
mando in der armee erscheint, wo zuerst die griechische spräche 
„das seit Jahrhunderten an das lateinische verlorene terrain wie- 
derzuerobern begann" (Hertzberg I, p. 145, vgl. E. Oster über 
Anna Comnena I, 44) , so ist es kaum denkbar , daß Malalas 
kein lateinisch verstanden haben soll , Malalas , den man doch, 
wenn auch seine Chronographie ein spießbürgerliches, geschmack- 
loses werk ohne jegliche kritik ist, immerhin zu den gebildetem 
seiner zeit rechnen muß. Und daß man in diesen kreisen die 
kenntniß des lateinischen noch voraussetzen kann , während sie 



Nr. 2. 18. Grammatik. 93 

von jetzt an immer mehr und mehr abnahm , unterliegt gewiß 
nicht dem geringsten zweifei. Kein mensch wird freilich be- 
haupten wollen, daß Malalas ein fein gebildeter kenner des la- 
teinischen war , vielmehr wird man annehmen müssen , daß er 
als Syrer (er stammte ja aus Antiochia) ein rohes Vulgärlatein 
sprach. Wenn er also z. b. thv cpögov (forum) als masculinum 
statt als neutrum gebraucht und auch sonst noch fehler im genus 
der Substantive macht , so ist das noch kein beweis für seine 
unkenntniß im lateinischen, finden wir doch selbst im spätlatein 
auch forus statt forum, vergl. Neue Lat. formenl. I 2 , p. 535. 
Und wenn Malalas in der erklärung mancher lateinischen worte 
höchst thörichtes zeug vorbringt , so dürfen wir uns nicht dar- 
über wundern , wenn wir uns nur daran erinnern wollen , daß 
die etymologie im alterthum überhaupt auf sehr schwachen fu- 
ßen stand und daß auch manche lateinische worterklärung selbst 
von römischen Schriftstellern ebenso wunderbar und geradezu 
haarsträubend ist, wie dergleichen Quintilian (I, 6, §. 28) er- 
wähnt. Daher möchte ich auch aus diesem gründe dem Malalas 
noch nicht die kenntniß des lateinischen absprechen. Andrerseits 
aber deutet er selbst darauf hin, daß er lateinisch versteht, in- 
dem er ein lateinisches wort umschreibt , wie z. b. dixtäicog o 
iari fxovaQirjg 215, 21 und 216, 7; ifjnegurwg onsg iaiiv avto- 
xgurcog 225, 15; figaiaevtevstv (= praesentem esse) yng Ifyerai 
(seil. goopatazi) naQaptivuv 276, 2 ; und besonders beachtenswerth 
ist die stelle, wo er die fabelhafte geschichte vom Senator Fe- 
bruarius vorbringt: x?Xevaag tote ßtgvdxXoig , tovt 1 satl nsgtnö- 
Xotg , ßultaarjioig ßaxtoig tvntetr avtov na) xqu&iv , ' E"S,i (cod. 
Oxon. sh&t), cptßgnvägt , onso satt tr t 'EllqviSt yXcoarsrj "Exßa, 
TtsgiTis 186, 24. Um mein urtheil kurz zusammen zu fassen, so 
muß ich gestehen , daß die von Körting vorgebrachten gründe, 
daß nämlich Malalas kein lateinisch verstanden habe, für mich 
noch nicht überzeugend sind. Auf die benutzung der lateini- 
schen Schriftsteller von seiten des Malalas will ich jetzt nicht 
eingehen , sondern damit warten , bis Körting hierüber seine 
ansieht vorgebracht hat, was im nächsten Index lectionum ge- 
schehen soll. 

C. Wagener. 






94 19. Sedulius. Nr. 2. 

19. Huemer, de Sedulii poetae vita et seriptis commen- 
tatio. Vindobonae 1878. 

Seit Arevalos vortrefflicher ausgäbe (Rom 1794) ist eine 
eingehende literargeschichtliche Untersuchung über Sedulius , ob- 
gleich die Schriften desselben des interessanten genug bieten, 
nicht geführt worden: ja der dichter, dessen diction fast ganz 
auf Vergil zurückgeht , ist so in Vergessenheit gerathen , daß 
selbst W. Eibbeck in seinem Verzeichnis der vergilischen imita- 
tores ihn nur an wenigen stellen anfährt. Auch die besprechun- 
gen in Teuffels Geschichte der römischen literatur und in Eberts 
Gesch. der christl. römischen literatur bieten nichts neues : es 
war also eine dankenswerthe aufgäbe der sich Huemer nach 
längerer beschäftigung mit dem dichter unterzog, das ganze ma- 
terial zu sichten, zu ergänzen, in neuer Verarbeitung zu verwer- 
then. Wenn auch die meisten resultate im ganzen — und wie 
wäre dies nach einem so gewissenhaften Vorgänger wie Arevalo 
möglich — nicht neu sind, so ist doch die Untersuchung durch- 
weg selbständig geführt, im einzelnen vieles berichtigt, vieles 
genauer nachgewiesen, einzelnes zum ersten male zusammenge- 
stellt und im Zusammenhang behandelt. Gegen die von Huemer 
vorgeschlagene datirung des Carmen paschale und seiner neuher- 
ausgabe durch Asterius, gegen die widmung derselben an Gela- 
sius , sowie gegen die besprechung des namens — der name 
Caelius scheint bei Sedulius gerade so unsicher zu sein wie bei 
Symphosius — , des Vaterlandes, der Studien etc. des Sedulius und 
gegen die behandlung der vita, wie sie sich in den handschriften • — 
auch in dem von Huemer mit unrecht ganz übergangenen cod. Gotha- 
nus saec. VTU, s. Jacobs Beitr. n, p. 134 sqq. — findet, wird 
sich ein Widerspruch nicht erheben lassen. Auch gegen das, 
was Huemer über die Schriften des Sedulius sagt, ist außer ge- 
gen die eintheilung des carmen paschale nichts einzuwenden. 
Von der belesenheit des verf. in den mittelalterlichen quellen 
legt die Zusammenstellung der testimonia (p. 57. 58 ist in den 
betreffenden stellen sicher Aurelio statt Aurora herzustellen) ein 
glänzendes zeugniß ab. Der letzte theil des buches ist den 
Imitationen und der metrik des Sedulius gewidmet. Daß dieser, 
wie Prudentius und Juvencus , ein nachahmer Vergils sei, war 
im allgemeinen bekannt, einen genauen nachweis liefert hier 
zum ersten mal Huemer, obgleich die wichtigsten stellen fast 



Njt. 2. 20. Optatianus. 95 

alle schon Arevalo an den einzelnen stellen anführt. Huemer 
selbst geht in der vergleichung oft zu weit und vergleicht stel- 
len , die entweder gar keine oder nur entfernte und zufällige 
Ähnlichkeit haben. Eine große anzahl der angeführten parallel- 
stellen enthalten worte , welche überhaupt entweder nur oder 
meist an den betreffenden versstellen vorkommen; öfters wird 
eine und dieselbe mehrmals citirt, dagegen das formelhafte in den 
Seduliusversen selbst zu wenig betont (cf. I, 212 und II, 102; 
I, 271 und III, 129, cf. V, 270; III, 92 = V, 167). Zudem hat 
auf den dichter nicht Vergil allein einfluß geübt, sondern neben 
andern besonders Terenz in der dedicatio operis paschalis (cf. 
Huemer, p. 26) und Ovid, aus dem, um die von Arevalo (cf. 
ad I, 13. 91. 232. II, 125. IV, 62. 141 etc.) und Huemer (ad 

I, 37 und 132) angeführten verse zu übergehen z. b. IV, 56 
et vertice sidera tangit (var. fanget) entlehnt ist cf. Met. VII, 61. 
Ep. ex Ponto II, 5, 57. Zu II, 56, (cf. I, 256) primique ab ori- 
gine mundi führt Huemer p. 76 als originalstelle Verg. Georg. 

II, 336 prima crescentis origine mundi an. Doch ist der von 
Lucrez V, 548 eingeführte vers formelhaft geworden, s. Ovid. 
Met. I, 3. Trist. II, 559, nach welchen stellen wohl auch mit 
Vat. I bei Sedulius prima zu schreiben ist. Auch einfluß des 
Juvencus ist Huemer geneigt anzunehmen, s. p. 48 sqq.; Are- 
valo vergleicht außerdem mit recht Sedulius II, 287 und Ju- 
vencus I, 717 (683 resp. 681), wenngleich ein theil der Über- 
einstimmungen in der biblischen quelle oder in nachahmung 
Vergils (so gehen Sedulius III, 2 und Juvencus II, 760 beide 
auf Verg. Aen. II, 558 zurück) ihren grund hat. Die metri- 
schen Untersuchungen über versausgang, elision, hiatus, syncope, 
synizese, position, Verkürzung, Verlängerung, verhältniß von spon- 
deen und dactylen, caesuren, gleichklang in der caesur und am 
ende, sowie besondere eigenthümlichkeiten sind gewissenhaft und 
gründlich geführt und bilden einen schätzbaren beitrag zur 
metrik der christlichen dichter. 

R. Ehwald. 

20. Publilii Optatiani Porfyrii Carmina. Recensuit et prae- 
fatus est Lucianus Mueller. Lipsiae in aedibus B Gr. Teub- 
neri. 8. A. MDCCCLXXVII. XLIV, 76 p. — 3 mk. 60 pf. 

Bereits im jähre 1870 kündigte Lucian Müller in den 



96 20. Optatianus. Nr. 2. 

Teubnerschen mittheilungen die gedichte des Porfyrius an, 
welche bisher dem philologischen publikum größtentheils nur 
dem namen nach bekannt gewesen sind, da es noch an einer 
bequem zugänglichen ausgäbe fehlte. Aber auch die vorhande- 
nen genügten in ihrer typographischen ausstattung den anforde- 
rungen nicht, die man an ein werk erhebt, dessen eigenthüm- 
lichkeiten hauptsächlich auf formalem gebiete liegen und das in 
erster Knie auf eine augenfällige Wirkung hinzielte, von welcher 
z. b. der abdruck bei Migne (Patrolog. curs. XIX, p. 387 ff.) 
noch weit entfernt ist. In der vorliegenden wiedergäbe der 
carmina figurata ist nun , dank der splendiden typographischen 
ausstattung durch die Teubnersche officin, eine art Prachtaus- 
gabe geliefert, wie sie einem auf äußerlichkeiten berechneten 
werke wohlangemessen ist. Selbstverständlich bietet ein litera- 
risches unternehmen, welches so lange in Vorbereitung war, auch 
in anderer beziehung genug, um eine bedeutende leistung gegen- 
über den früheren ausgaben erkennen zu lassen. 

Müllers Porfyrius bietet folgende theile: 1) Prooemium (p. 
VI— XXIV), 2), Varietas lectionis (p. XXV— XXXI), 3) Commen- 
tarius in Porf. (p. XXXII — XLIV) , 4) text der carmina (p. 1 
— 68), denen ein index carminum, eine vergleichende Übersicht 
der numeri carm. bei Velser und Müller, eine Zusammenstellung 
der metra, ein index nominum und endlich ein index gramma- 
ticus begegeben ist (p. 69 — 76). Im prooemium handelt der 
herausgeber von den verskünstlern überhaupt, als deren meister 
Porfyrius ohne zweifei anzusehen ist. Ueber des dichters le- 
ben und Schicksale, über zeit und gelegenheit der Veröffentli- 
chung des Panegyricus spricht Müller eingehender: er hält die 
voraufgeschickten briefe des Porfyrius und Constantin nicht für 
interpoliert, auch die epigramme bei Fulgentius nicht. Nachdem 
der herausgeber noch auf die werthschätzung der dichtkunst 
Optatians im ausgang des alterthums und ihren einfluß auf die 
verskunst des mittelalters hingewiesen , wird des Umschlags in 
der beurtheilung seitens der gelehrten der neuern zeiten gedacht •, 
giebt er selbst p. XIII sein urtheil der bisherigen 1 ) auffassung 
entgegen dahin ab : nullum extitisse auctorem , qui pari serrnonis 
patrii ac modulorum poesis legitimorum peritia diligentiaque excelluerit 

1) Auch Havet in seiner anzeige der Müllerschen ausgäbe (Revue 
de philol. 1877) spricht von dem ingenium p. 5 sehr verächtlich. 



Nr. 2. 20. Optatianus. 97 

ac Porfyrius. Admiramur dithyramborum audaciam et solutos lege 
numeros : erit etiam, loci quiddam ita adstrictis , ut ne minimus qui- 
dem loctis datus sit licentiae. Itaque Porfyrii carmina, licet prin- 
cipiis stent perversis , non poterunt nulla laude videri digna. — 
Nicht ohne werth sind des Porfyrius Opuscula für die geschichte 
der zeit Constantins , da wir in ihnen mittheilungen eines Zeit- 
genossen besitzen. Für den philologen haben jene gedichte 
noch darum besondere bedeutung , weil sich aus ihnen wichtige 
resultate für grammatische , namentlich orthographische fragen 
gewinnen lassen. Müller selbst hat das bemerkenswertheste auf 
diesem gebiet in seinem index grammaticus zusammengestellt. 

Zur textconstituirung hat Müller die besten manuscripte 
herangezogen : in erster linie kam hier der für die neue aus- 
gäbe von H. Hagen mit gewohnter Zuverlässigkeit collationirte 
Bernensis 212 saec. IX — X in betracht, der den Porfyrius am 
vollständigsten enthält : nur ein gedieht der Müllerschen ausgäbe 
fehlt dort. Das auch in kalligraphischer hinsieht hochgeschätzte 
manuscript hat von fast gleichzeitiger hand wenig correcturen, aber 
viele interpolationen erfahren, welche sich auch in dem Velserschen 
exemplare, einem manuscript der geringern classe, wiederfinden. Zu 
dieser zweiten interpolierten classe gehören noch ein Parisinus 2 und 
ein Paris. \ welcher letztere aus dem Bernensis und einem interpolir- 
ten manuscript von der qualität des Velserschen geflossen ist. Sehr 
nahe steht dem Parisinus 1 ein codex des Pithoeus. Der bedeu- 
tendste Vertreter dieser classe ist nach Müller der cod. Vatica- 
nus ex Eeginensibus nr. 733 saec. X., von Jeep für Müller 
verglichen. Ein in der bekannten bibliothek des Th. Philips 
befindlicher codex, der von Müller nicht benutzt werden konnte, 
wird von Baehrens als der beste dieser classe bezeichnet , wor- 
über dieser gelehrte später das weitere mitzutheilen verheißt ; vgl. 
Bursian's Jahresber. 1877, II, p. 59. Es mag schließlich bei 
dieser gelegenheit miterwähnt werden , daß Havet a. a. o. eine 
bessere berücksichtigung der Pariser manuscripte fordert ; mög- 
lich , daß dadurch die Verwandtschaftsgrade innerhalb der zwei- 
ten familie noch etwas schärfer nuanciert bestimmt werden kön- 
nen: daß für die textesconstituirung noch etwas wesentliches da- 
bei herauskommen wird, scheint mir nicht sehr wahrscheinlich. — 
Durch den neu beschafften kritischen apparat und seine sichtung 
war Müller in den stand gesetzt den text zu säubern und zu 



98 21. Cicero. Nr. 2. 

sichern; auch durch eigne conjecturen hat er viele stellen ge- 
bessert. Daß noch manches zu thun bleibt, darauf weist Müller 
selbst hin, vgl. p. XXIII. Dem revidierten texte geht ein com- 
mentar vorauf , in welchem in sachlicher , besonders aber in 
sprachlicher beziehung schwierige stellen — und deren bietet die 
durch die gewählte form eingeengte rede nicht wenige — mit 
den nöthigen erklärungen erläutert werden. Diese lehrreiche 
und für das verständniß unentbehrliche anleitung erhöht den 
werth der neuen ausgäbe nicht unerheblich. — Der text des 
Porfyrius hat eine doppelte wiedergäbe gefunden: mit gewöhn- 
lichen typen sind sämmtliche Porfyriana von p. 3 — 30 abge- 
druckt, während ein besonderer abschnitt p. 33 — 68 in figurirter 
capitalschrift die kunststücke des dichters zur anschauung bringt. 
Durch diese anläge haben wir einen bequem lesbaren text er- 
halten, ohne dabei den gesammteindruck der äußerlichen compo- 
sition zu verlieren. 

E. Ludwig. 



21. Oratoris Tulliani codicem Erlangensem mutilum con- 
tulit adnotationem criticam adjecit dr. Chr. Hörn er. Pro- 
gramm der k. Studienanstalt Zweibrücken 1878. 

Im vorwort des vorliegenden programms bekennt sich Hör- 
ner im allgemeinen zu der zuerst von Kayser aufgestellten und 
neuerdings von Stegmann in seiner doctordissertation (de Oratoris 
Tulliani rnutilis qui dicuntur libris, p. 12) vertretenen ansieht, daß 
die unvollständigen handschriften des Orator, in erster reihe der 
Avrincensis , dann der Gudianus und der Erlangensis , durchaus 
nicht die geringschätzung verdienen, mit der sie von Meyer und 
Orelli behandelt worden sind, fügt aber mit recht hinzu : verum 
pro certo tota haec quaestio non poterit diseeptari, nisi aecuratiesime 
quidnam mutili praebeant erit constitutum; denn er konnte in be- 
zug auf den Erlangensis nachweisen, daß an 18 von Stegmann 
citierten stellen die bisher giltige collation Beier's mehr oder 
weniger mangelhaft ist. 

Die arbeit selbst gehört zu den besseren auf diesem gebiet ; 
gesundes urtheil und gewandtes latein zeichnen sie im allge- 
meinen vortheilhaft aus. Auf p. 4 — 8 verbreitet sich Hörner 
eingehend über die äußeren Verhältnisse und die orthographischen 



Nr. 2. 21. Cicero. 99 

eigenthümlichkeiten der handschrift. Die nun bis p. 16 folgende 
collation gibt nur zu wenigen bemerkungen veranlassung. §.113 
stebt dialecticorum (sie!), während doch Kayser, dessen text der 
collation zu gründe gelegt ist, dialecticorum liest; §. 139 ist die 
angäbe: quam sumi saepe res m. unklar, und §. 156 scheint 
nach p. 21 sextercium numerum(t), non sextertium nummorum (nicht 
numerum) zu stehen. Umgekehrt hat ein erst neuerdings vergli- 
chener Mediceus , dessen collation ich der gute des professor 
dr. Halm verdanke, richtig sextertium nummum, dann aber 
non sextercium (sie!) nummorum. Zweifelhaft erscheint endlich 
nach p. 21 das ut vor insipientem §. 159. Das hier hinter scite 
stehende invenies, so annehmbar es erscheint, ist mir doch frag- 
lich , weil nach bisherigen mitteilungen keine handschrift dieses 
oder etwas ähnliches bietet. 

Ges:en die p. 16 — 23 mitgetheilten „rettungen" der lesarten 
des Erlangensis wird sich nicht viel triftiges einwenden lassen. §. 1 04 
bietet der obenerwähnte Mediceus in Übereinstimmung mit dem 
Gudianus et sepe aliquid etc. , was ich dem vorgeschlagenen 
saepe etiam aliquid etc. vorziehen möchte. Bestätigt wird ferner 
die lesart des Erlangensis §. 149 ut fiat quasi str. qu. nee tarnen fiat 
operose , was übrigens bereits Ernesti aufgenommen hat , durch 
den Mediceus , der von erster hand liest : ut fiat quasi str. qu. 
nee id tarnen fiat operose. §. 159 wird mit dem Erlangensis (und Dres- 
densis) zu lesen sein: in sano atque in felice. §. 115 vertritt 
schon Stegmann p. 42 gegen Orelli die lesart der bisher bekann- 
ten mutili: institutus noverit primum etc., wie ich glaube, mit recht; 
die collation des Mediceus bietet leider keine auskunft. Tenues 
causae §. 124 wird mehrfach bestätigt, auch durch den Medi- 
ceus, ebenso das fehlen des est oder erit. 

Von p. 23 — 28 behandelt Hörner solche stellen, die ihm 
durch interpolation oder sonst wie verderbt erscheinen. Hier 
wird man ihm beistimmen müssen, wenn er §. 114 discendi für 
docendi ßetzt, wenn er §. 126 an placet anstoß nimmt, wofür 
man decebit oder debebit erwartet, 138 videat vertheidigt gegen 
das putet des Erlangensis , wie Stegmann lesen will u. a. m. 
§. 152 ist gewiß saepe mit Bergk zu streichen, im übrigen aber 
lese ich nach invicte: atque item nos (nach Seyffert) semel mit 
rücksicht auf das gleich folgende saepius. 

§. 101 ist an nemo is, das ohne zweifei hier significant steht 



100 21. Cicero. Nr. 2. 

(kein solcher mann, der die angebenen fähigkeiten besitzt), kein 
anstoß zu nehmen. Nicht gelungen ist ferner der nachweis der 
Interpolation §.116, wo die erklärung des begriffs definiendo 
durch den zusatz si quidem definitio etc. , in schulgerechter form, 
die ja freilich der redner nicht gebrauchen konnte, bei der von 
Cicero beliebten breiten form der darstellung nicht auffallen kann. 
§. 134 sind die lumina, die eben mit den sogenannten (quae ap- 
pellantur) prachtstücken (insignia) der decoration auf bühne oder 
forum verglichen werden, gewiß am platze. Ebenso wenig nehme 
ich §. 144 anstoß an docendo etiam, da ja Cicero das docere an sich 
nicht verwirft und hier auch noch ganz vorsichtig aliquando ali- 
quid (cf. pro Milone §.67) hinzufügt. Die mannigfachen correctu- 
ren , die schon in alter zeit an dieser stelle vorgenommen wor- 
den sind {nescio cur non — nescio cur cum, dann possis Mediceus 
und si possis Erlangensis), führen darauf, den fehler in der irr- 
thümlichen Stellung des nescio zu suchen , so daß also zu lesen 
sein wird : audiendo , docendo etiam a. a. possis m. f. , nescio cur 
nolis. Hierzu füge ich noch ein paar stellen, um zu zeigen, wie 
viel in den rhetorischen Schriften Cicero's noch zu thun ist. 
So hat sich im Orator eine offenbare interpolation merkwürdiger 
weise bis heute den äugen der gelehrten herausgeber entzogen. 
In ihm wird nämlich §. 118 der bekannte gedanke (cf. z. b. 
de or. I, 54 und 56) ausgesprochen, daß der redner ohne phi- 
losophische kenntnisse alle in das gebiet des sittlichen lebens 
gehörigen fragen nicht so wirksam behandeln könne, wie sich's 
gehöre. Der aufzählung jener fragen aber ist beigefügt : quae saepe 
cadunt in causas , sed j ej unius aguntur. Der zweite theil 
des relativsatzes ist nun vollständig sinnlos; denn man sagte 
wohl jejunius disputare de religione, de pietate etc., aber nicht je~ 
junius agere religionem etc. Ebenso wenig war aber auch hier, 
wo die erfordernisse für den wahren redner aufgezählt werden, ein 
so ganz beiläufig geführter hieb , von dem man gar nicht weiß, 
wem er gelten soll, irgendwie am platze. 

Ein anderer irrthum wird heute noch durch die herausgeber 
im 3. buch des werkes vom redner §.102 verbreitet. Dort heißt es : 
numquam agit nunc versum Roscius eo gestu, quo potest : Nam sapiens 
— petit ; sed abjicit prorsus , ut in proximo : Set quid — sacras, 
incidat, aspiciat, admiretur, stupescat in den neuesten und besten 
ausgaben mit der erklärung : incidat mit aller kraft (wucht) 



Nr. 2. 21. Cicero. 101 

darauf stürze (einfalle). Den nachweis für diese gewiß nicht 
gewöhnliche bedeutung von incidere zu führen , hat meines Wis- 
sens noch niemand versucht. Man betrachte sich aber nun die 
Situation. Die person , deren rolle Roscius zu spielen hat , ist 
in einem ruhig verlaufenden rnonolog begriffen, da bemerkt sie 
einen im höchsten grade auffallenden Vorgang. Die Wirkung 
desselben muß sich nun im Vortrag des folgenden verses : sei 
quid video? etc. ausdrücken, begleitet von den gesten des aspi- 
cere, admirari, stupescere. Bevor dies aber eintritt, unterbricht er 
sich, hält er inne, wie schon durch set angedeutet ist. Da dieß 
aber die Kömer nicht durch incidere ausdrückten (ganz anders ist cre- 
bro incldens III, 217 aufzufassen), so wird sich nicht einfacher 
helfen lassen als durch die annähme, daß incidat aus insistat (s. 
Or. 221 j de Fin. 5, 75 u. a.) schon vor alters verderbt worden 
und eine (unmögliche) erklärung des wortes in mode gekommen 
ist. Die häufige Verwechslung von c und s in den handschriften 
hat u. a. im 25. buch des Livius cap. 25 zu dem sinnlosen tectis 
parietum statt testis parietum geführt. 

Rubner. 



22. Cicero de Oratore. Für den schulgebrauch erklärt 
von Piderit. 5. aufl. besorgt von Adler. Leipzig 1878, 
Teubner. — 4 mk. 50 pf. 

Da obiges werk bereits in fünfter aufläge erscheint, und die 
vierte aufläge , welche Piderit noch selbst besorgte , in diesen 
blättern (bd. 6, p. 380 ff.) von uns besprochen ist, so wird sich 
unser referat in der hauptsache auf die Veränderungen zu be- 
schränken haben , die dasselbe durch die hand des schon durch 
seine behandlung einer großen anzahl von stellen im I. und II. 
buch (Halle 1869) bekannten rektors Adler erfahren hat. Daß 
aber Adler nicht bloß mit lust und liebe an das werk gegangen 
ist , wie uns die vorrede sagt , sondern auch mit geschick und 
hingebung seiner aufgäbe gerecht zu werden suchte , kann bei 
gründlicher durchsieht der neuen aufläge nicht bezweifelt wer- 
den , mag man auch den werth der höchst verdienstvollen 
Vorarbeit Sorofs, die vielfach nach der sprachlichen, sachli- 
chen und kritischen seite benutzt ist, noch so hoch stellen. 

Von änderungen in der anläge des werkes ist nur ein 



102 22. Cicero. Nr. 2. 

lexikalisch - grammatischer index zu erwähnen , der seinen platz 
hinter den im ganzen intact gebliebenen erklärenden indices ge- 
funden hat. So erwünscht derselbe nun auch sein mag , so ist 
doch die praktische anläge desselben schon darum sehr zweifel- 
haft, weil er „nicht bloß auf den inhalt der anmerkungen , son* 
dem auch auf die spräche Cicero's in diesen büchern hinweisen" 
sollte. So wurde denn weder das register über die anmerkungen 
vollständig, noch auch das verzeichniß significanter Wendungen 
und sprachlicher gewohnheiten in unserer schrift irgendwie er- 
schöpfend. Es sollten unter anderen artikel nicht fehlen wie: 
ineitatur III, 226 (wovon übrigens weiter unten); adhaerescere 
absolut II, 214 (cf. I, 258 und haeret II, 219)-, ut — sie con- 
cessiv II, 32 (und I, 198), ebenso ita ■ — ut 11,16 u. dgl. ; auch 
ist unter inscitia und inscientia unrichtig : gegensatz infantia III, 
142 u. s. w. 

Die einleitung II enthält jetzt auf p. 53 ein Schema der 
Hermagoreischen statuseintheilung. Um nun nicht in conflikt mit 
der logik und mit der eintheilung der causae finitae, wie sie 
gleich darauf §. 4 zu lesen ist, zu kommen , ist von den vier 
theilen des qualitätsstatus bei Hermagoras nur der juridicialis ange- 
geben, die deliberativa, demonstrativ a und negotialis constitutio da- 
gegen übergangen. Auch ist das genus rationale als der erste 
haupttheil der quaestio finita bezeichnet, während Hermagoras ohne 
zweifei unter dem £// ti^ia noXiTixöv nicht bloß hypothesen, son- 
dern auch thesen verstand. In der that scheint eben der um- 
stand , daß man eine eintheilung , die auf das genus judiciale al- 
lein paßt, auf alle für den redner in betracht kommenden fragen 
{causae und quaestiones) anwendete, eine verbängniß volle Verwir- 
rung hervorgerufen zu haben, die auch in der vielberufenen 
stelle I, 139 ff. zu tage tritt. Dort ist, sofern die stelle über- 
haupt richtig überliefert ist, die quaestio, sei sie finita oder infi- 
nita, im ytiog loytxöv und roßtxoi getheilt und, wie es scheint, 
erst §-141 mit sed causarum ausdrücklich zur causa übergangen, 
so daß auch der thesis kategorien zugeschrieben werden, die ihr 
durchaus nicht zukommen können, wie factumne sit statt sitne etc. 
Hat Cicero seinen Crassus wirklich so unlogisch sprechen lassen? 
— Wenn Adler sagt, daß er auf gang und gliederung der ab- 
handlung sein besonderes augenmerk gerichtet habe , so zeigt 
sich die Wahrheit dieser behauptang an den vielfachen oft recht 






Nr. 2, 22. Cicero. 103 

geschickten änderungen. Die jedem der drei bücher vorausge- 
schickte inhaltsübersicht hat an klarheit und durchsichtigkeit ge- 
wonnen , und dem entsprechend sind auch die fortlaufenden In- 
haltsangaben im commentar nicht selten erweitert , umgearbeitet, 
verbessert. Uebersehen ist die veränderte numerirung der in- 
ventio , collocatio und memoria im prooemium des zweiten buches. 
Die erklärenden indices enthalten unter den wenigen Zusätzen 
einen zum artikel auctoritates praescriptae, der sich gegen Sorof's 
auctoritates perscriptae III, 5 richtet. So richtig die sache an 
sich sein mag, so kann 1. 1. doch auctoritates perscriptis zu lesen 
sein = wie in den niedergeschriebenen Senatsgutachten zu le- 
sen ist. 

Zeugniß von der gewissenhaften durcharbeitung unserer 
schrift gibt eine nicht unbedeutende anzahl neuer bemerkungen 
des commentars , sowie eine reihe von Verbesserungen , die sich 
theils auf sprachliche theils auf sachliche gegenstände beziehen. 
So ist I, 17 vis ratioque richtig als „kraft und kunst" erklärt, 
§. 128 der Schlußsatz mit Sorof richtig erklärt nach der lesart 
probari non potest gegen Piderit, und §.207 zu succedam die be- 
merkung über Cicero's irrthum sehr am platz. Ferner ist §.258 
fastidiis richtig als abl. causae genommen , doch ist mit fastidia 
wohl die neigung der menschen zum kritisiren gemeint, wie das 
gleich folgende fastidiose zeigt. Recht geeignet erscheint die 
darlegung des gedankengangs zu II, 34 — 38, sowie die stilisti- 
schen bemerkungen zu amor odium sqq. und zu si id videare — 
def ender e — II, 206 u. a. m. 

Auch nach der kritischen seite hin , die nicht die haupt- 
stärke der arbeiten Piderit's ausmacht, hat das werk durch Ad- 
ler's bearbeitung ohne zweifei gewonnen. Dem clamator ist I, 
202 gegen den verfehlten proclamator sein recht geworden, dann 
§. 209 das unbrauchbare esse hinter idem durch klammern mar- 
kirt. In der gestaltung der periode II, 319 ist Kaysers und 
Sorof's ansieht mit recht adoptirt , ebenso richtig sind III, 103 
und 107 Sorof's emendationen — quivis vel und dicendi etiam 
nos — aufgenommen, wie auch I, 71 (nam quod illud) und 85 
{atque omni abundans doctrina) Bake's und Sorof's änderungen der 
Vulgata. I, 72 ist richtig mit Sorof volebat hergestellt, aber die 
erklärung im kritischen anhange trifft nicht das verhältniß: denn 
Crassus wollte sich dem Lucilius um des Scaevola willen nicht 



104 22. Cicero. Nr. 2. 

nähern. Im recht ist Adler auch, wenn er II, 255 an ac scitis esse 
statt sed festhält, dagegen 284 die früher vorgeschlagene Ver- 
setzung von pecus hinter liberum wieder aufgiebt. Die worte 
cum eloquentia vincebat cet. m. I, 62 sind trotz der breiten aus- 
drucksweise mit Adler nicht zu beanstanden. 

Dagegen wäre I, 219 Adler besser Sorof gefolgt, wo de 
motibus animorum (nicht hominum) dem Zusammenhang vollkom- 
men entspricht und de moribus hominum einen abgeschmackten 
witz ergeben würde. Die gleiche Verwechslung von motibus und 
moribus haben wir sicher auch II, 251, wo (sannio) videtur imi- 
tandis moribus zwischen ore , vultu , voce kaum möglich ist ; übri- 
gens gehört imitandis zu sämmtlichen Substantiven und die con- 
struction erscheint andern stellen gegenüber wie II, 279 sehr 
auffällig. II, 310 nimmt Sorof mit recht an ad mentes movendas 
permanare anstoß , während Adler das anstößige movendas, das 
am besten entfernt wird, unbeachtet läßt. Sorof trifft mit perti- 
nere statt permanare das rechte nicht, während III, 226 Sorof's 
emendation increbrescit, die Adler verwirft, sicher den erforderlichen 
sinn gibt. Die hier angenommene bedeutung des überlieferten inci- 
tatur ist durch Ellendt nicht erwiesen und eine lebensanschauung 
läßt sich nicht mit einem rennpferd vergleichen. Für durchaus 
unnöthig dagegen halten wir jede änderung III, 32. In una- 
quaque re commorans findet seine beleuchtung durch die folgen- 
den worte : honeste cedens, acriter insequens (terrens supplicans) und 
seinen deutlichen gegensatz in der eigenschaft des Crassus: ex 
eo, quod, quibus vestigiis primum institi, in eis fere soleo perorare. 
Antonius versucht es auf allen Seiten, sucht sich auf allen punk- 
ten , die er vor sich sieht , einzunisten , um von da aus in die 
festung einzudringen, während Crassus sich ein für allemal seinen 
Standpunkt wählt. Daraus erhellt, daß Scheibe's in summa quaque 
re unpassend , aber auch in sua quaque re unnöthig ist. Da- 
gegen hat Adler wohl mit recht II, 142 gegen seine im oben- 
genannten programm (p. 23) ausgesprochene ansieht die worte 
a jure cognoscendo (Sorof tanto numero cognoscendo) eingeklammert, 
wie andrerseits der zusatz I, 253 cum ipsi sint imperitissimi (wie statt 
des unverständlichen peritissimi zu schreiben ist) eos uns in hin- 
sieht auf I, 198 und andere stellen nicht ungeeignet erscheint. 
An der eben erwähnten stelle scheint uns heute noch die er- 
gänzung von ministros se praebent (Sorof) oder id suseeperunt zu 



Nr. 2. 23. Vitruviua. 105 

multique praeter ea, um qui zu retten, ein recht bedenkliches mit- 
tel , egregie cordatus aber in rücksicht auf propter hanc juris ci- 
vilis scientiam einen „feinen vorzüglichen köpf 1 ' zu bedeuten. 

Die vielberufene stelle I, 11 ist in der früheren weise er- 
klärt, die verschiedenen emendationsversuche sind im kritischen 
anhange mitgetheilt , ohne daß Adler zu einer entscheidung 
kommt. Die erklärungsversuche der vulgata I, 53, wo die ver- 
gleichung mit.§. 31 und 105 und der ungesunden stelle 75 
nicht am platze ist, und I, 135, wo der unfaßbare elliptische 
chiasmus die rolle des Samiel spielen muß , sind ohne zweifei 
verfehlt. Auffallend ist, daß A-dler II, 209 noch immer die 
dignitas und fortuna in feuer und flammen setzen läßt , worüber 
doch auch J. Müller in Bursians jahresber. bd. III, p. 682 ein 
vollgiltiges urtheil abgegeben hat. III, 125 wird Sorof mit na- 
tura, si modo erit, excitante das richtige getroffen haben, da von 
einer Übung der naturanlage wenigstens an dieser stelle nicht 
die rede sein kann. 

Nach der sachlichen seite hat das werk nicht unbedeutende 
fortschritte gemacht, nach der kritischen wird es, obwohl es ge- 
wonnen hat, einer gründlichen revision nicht entbehren können. 

Rubner. 



23. Fr. Eyssenhardtii epistula urbica. Hamburg. 
1879. 10 p. 4. 

Dieses , J. Classen zur feier seiner fünfzigjährigen doctor- 
promotion von Eyssenhardt in gemeinschaft mit den lehrern des 
hamburger Johanneums gewidmete, in elegantem latein verfaßte 
schriftchen *) sucht einige dunkle stellen in der Überlieferung 
über städtische und ländliche bauweise und termination bei den 
Römern aufzuhellen. Es handelt sich dabei um Interpretation 
und emendation besonders Vitruvs und der Gromatiker, deren 
an sich schon dunkler text noch dazu ja unsicher überliefert ist, 
so daß von vorn herein vorsieht und schärfe in gleichem maaße 
nöthig sind. 

Ausgegangen wird von Vitruv 2, 8, 17 (nicht 2, 17), wo- 
nach es in Rom verboten war, gemeinsame mauern zweier häuser 

1) Zu verbessern ist außer ein paar falschen citaten p. 4, 5 tantas 
statt tantes. 

Piniol. Anz. X. Ö 



106' 23. Vitruvms. Hr. 2. 

über l 1 ^ fuß dick zn bauen. Latericii vero {sei. parietes), heißt 
es dann , m'sz diplinthii aut triplinthii fuerint , sesquipedali crassitu- 
dine non possunt plus unam sustinere contignationem. Eyssenhardt 
meint, die worte sesquipedali crassitudine seien von einem ab- 
sebreiber aus dem vorhergebenden am rande notirt und dann 
aus nachlässigkeit in den text gekommen ; sie enthielten unsinn : 
paries enim diplinthius vel adeo triplinthius superiorem aedium par- 
tem non potest sustinere nisi sua, hoc est sive trium sive sex pedum crassitu- 
dine". Verstehe ich diese begründung recht, so nimmt Eyssen- 
hardt an, daß mit den worten diplinthius und triplinthius ein län- 
genmaaß angegeben sei, ohne dies jedoch zu beweisen. Zunächst 
können die worte doch nur eine läge von zwei oder drei steinen 
in die länge oder breite oder höhe bedeuten, ob die steine nun */2 
oder zwei fuß dick sind. Danach könnte man die Vitruvstelle 
so erklären : „ziegelmauern können , wenn sie nicht zwei oder 
drei steine dick sind, bei einer stärke von l 1 ^ fuß nicht mehr 
als ein Stockwerk tragen". Die ziegel hätten also ein maaß 
von 3 /4 zu x /2 fuß haben müssen, während nach Vitruv 2, 3, 3 
in Rom nur ziegel von l 1 /^ zu 1 fuß gebraucht wurden. Daß 
freilich eine mauer von derselben dicke mehr hält, wenn sie 
aus jenen kleinen , als wenn sie aus diesen großen ziegeln ge- 
baut wird, wäre erst noch zu beweisen. 

Eyssenhardt führt zur bekräf'tigung der Vitruvstelle Plin. NH. 
35, 173 an und meint, beide schriftsteiler hätten dasselbe ge- 
setz im aixge. Gewiß ; jedoch so, daß Plinius den Vitruv einfach 
ausgeschrieben hat. (S. Piniol, jahrg. XXXI, 412 „Vitruv als 
quelle des Plinius"). Zur erklärung fügt Eyssenhardt Plin. NH. 
35, 171 bei, wo er latum federn I schreibt und von den hand- 
schriften behauptet „numerus singularis excidit u . Der grund dafür 
ist nicht abzusehen ; der regel nach fehlt doch unus bei solchen 
maaßangaben , wie auch Vitruv 2, 3, 3 , woher Plinius die an- 
geführten worte entlehnt hat. 

Daß die binnenwände der häuser nicht dicker als IV2 fuß 
gewesen, findet Eyssenhardt begreiflich, weniger, weshalb die gemein- 
schaftlichen mauern zweier nachbarhäuser ; jedoch kommt er nach 
anleitung zweier stellen der Digesten (VIII, 2, 33 will er possit 
statt posset schreiben ; mir scheint posse notbwendig ; denn der 
relativsatz ist hier ein hauptsatz) zu der ansieht, das gesetz habe 
verhindern wollen, daß der zum unterhalt der mauer verpflichtete 



Nr. 2. 23. Vitruvius. 1 07 

dieselbe nicht zum schaden des nachbarn aus wohlfeilen Ziegel- 
steinen beliebig dick aufbaue, um im eigenen interesse mög- 
lichst viele Stockwerke nach art der miethcasernen darauf zu 
setzen. Freilich , hätte er die mauer nach der seite des nach- 
barn hin an dicke wachsen lassen wollen, so hätte er diesem 
seinen grund und boden geraubt, und das hätte der richter ge- 
wiß nicht gestattet ; aber selbst wenn er nach seiner eigenen 
seite hin an dicke zusetzen wollte, gestattete das gesetz es nicht, 
über jenes maaß hinaus zu gehen, obgleich doch dann der nach- 
bar nicht geschädigt war. Nach dem ganzen Zusammenhang 
der Vitruvstelle scheint mir das gesetz keinen andern grund ge- 
habt zu haben als den, daß überall der für die große hauptstädtische 
bevölkerung enge flächenraum möglichst ausgenutzt werden sollte. 

Auf p. 4 wirft Eyssenhardt die frage auf, wie es mit dem 
von den zwölf tafeln geforderten 2*/2 füßigen ambitus der ge- 
bäude zur zeit Vitruvs gehalten sei. Er findet ihn von letz- 
terem 1, 1, 10 (nicht 1, 11; von hier an citiert Eyssenhardt 
mit mehr Sicherheit nach den seiten der ausgäbe von Rose) an 
einer dunkeln stelle erwähnt. Die von Eyssenhardt hier vor- 
geschlagene lesung und interpunction hat bereits Reber seiner 
Übersetzung zu gründe gelegt, der jedoch die worte ad ambitum 
stilicidiorum wiedergibt mit „bezüglich der richtung der dachtrau- 
fen". Eyssenhardt hat nicht erklärt, wie ambitus hier im sinne 
der zwölf tafeln zu fassen sei. Ueber die sache handelte schon 
ausführlicher Preller, die regionen der Stadt Rom p. 87 ff. 

Zum Schluß kommt Eyssenhardt auf eine partie der Gro- 
matiker, p. 318 ff., die allerdings sehr dunkel ist. Schon früher 
hatte man erkannt , daß sie eine erklärung enthalte zu irgend 
welchen, uns verlornen planzeichnungen von grundstücken, konnte 
aber weder genau erkennen , wie die beschreibung eingerichtet, 
noch wo die grundstücke belegen gewesen seien. Für beides 
bringt Eyssenhardt den Schlüssel, der in der that zu passen 
scheint, so daß wenigstens etwas mehr licht in diese finsterniß 
dringt. Durch eine geschickte combination macht er es wahr- 
scheinlich , daß die beschriebene gegend bei Veji an der flami- 
nischen straße lag. Auch bei dieser gelegenheit werden einige 
dunkle Vitruvstellen mit Wahrscheinlichkeit verbessert. 

D. Detlefsen. 

8* 



108 24. Hyginus. Nr. 2. 

24. Hygini gromatici über de munitionibus castrorum ex 
recensione Guilelmi Gemoll. 8. Lips., Teubner 1879. 

Die kleine schrift erscheint hier in verbesserter gestalt, wenn 
aucb nicht mehr als eigenthum des Hygin. Nachdem der bru- 
der des herausgebers , Albert Gemoll , im Hermes X , 244 ff. 
nachgewiesen hatte, daß unter den drei von H. Lange benutzten 
wolfenbüttler handschriften der Arceriamxs (A) die maßgebende 
sei, unterzog sich der herausgeher der mühe einer nachcollation, 
wobei er fand , daß zwar die lesarten von A genau angegeben, 
dagegen die collation von codex C bei Lange eine ungenaue 
sei-, und das ist ja leicht möglich, da die ausgäbe der schrift 
eine erstlingsarbeit von Lange war. Mit der bevorzugung von 
A fallt nun aber der name des autors, der titel der schrift, und 
die bisher (auch noch bei Teuffei, Rom. lit. gesch. p. ) angenommene 
abfassungszeit , da cap. 45 statt domine Traiane aus A domine 
frater (wie Fronto, p. 188 Nab.) gesetzt ist. Wie man übrigens 
mit dem Zeitalter Traians die sprachlichen eigenthümlichkeiten 
des büchleins reimen konnte, ist beinahe unerklärlich. Man be- 
achte nur das dem genetiv fünfmal vorangestellte causa, wel- 
ches auch Madvig, Emend. Liv. 2 , 579 (40, 44, 10 causa ludorumf) 
nicht zu vertheidigen weiß , und Gertz zu Sen. Benef. 4, 3, 1 
(p. 216) umgestellt hat. Wenn man auch die Voranstellung 
schon von Terenz an vereinzelt findet (vgl. Seyffert zu Cicero 
Laelius 16, 57), so wird dies doch erst im spätlatein häufiger, 
wie bei den Script, hist. Augustae (durch Vermittlung von ad causam 
alcs französisch ä cause de) , weßhalb die ansieht des herausge- 
bers nur bestätigt wird , daß der verf. nach Caracalla zu setzen 
und dem Vegetius nicht so ferne sei. Die vorrede enthält die 
rechtfertigungen für eine anzahl zum theil gelungener, zum theil 
aber auch kühner conjeeturen. Was verf. p. 5 über die präpo- 
sition prae sagt, beweist, daß ihm die paläographie ein neues 
gebiet ist. Den Schluß macht ein reichhaltiger index verborum ; 
aber wozu sind indices da, wenn z. b. cap. 14 dexteriorem et si- 
nistriorem keine aufnähme finden? 



25. Foerster, Joannes Guilelmus. De fide Flavii Vegetii 
Eenati. Bonnae 1879. Dissertation. 56 p. 8. 

Nach einem kurzen nachweise, daß Vegetius unfähig war, 



Nr. 2. 25. Vegetius. 109 

ßeine gewährsmänner richtig zu verstehen und das ihm vorlie- 
gende material wohlgeordnet zusammenzustellen, erklärt der Ver- 
fasser, er wolle die autorität des Vegetius im zweiten buche einer 
genauen prüfung unterwerfen, und führt dies in doppelter weise 
durch, indem er zunächst p. 3 — 26 die Widersprüche, Verwir- 
rungen und unlösbaren Schwierigkeiten, die sich dort finden, mit 
großem Scharfsinn nachweist und sodann zu erforschen sucht, in 
welcher weise die confusen angaben des Schriftstellers entstanden 
sind. Er sagt darüber p. 26 : Vegetius cum, id quod supra ostendi, 
unam atque simplicem vellet proponere descriptionem ordinationis le- 
gionum antiquarum , diversa ne dicam contraria inveniebat tradita 
esse ab auctoribus quos exscripturus erat, cumque non intellegeret di- 
versis ea fuisse temporibus , omnia licet diversissima quoad poterat 
arte et consilio dataque opera in unum congessit atque consarcinavit. 
Inde explicantur quae dicit in praefatione nostrae partis: ''Quae de- 
icriptio si obscurior aut impolitior videbitur, non mihi sed difficultati 
ipsius rei convenit imputari. Adtento itaque animo saepius rele- 
genda sunt, ut memoria intelleg entiaque valeant comprehendi" . Haec 
si tenes plurima quae primo obtutu suum explicatum non habent fa- 
cile interpretaberis. Außer dieser Vermischung der verschiedenen 
zeiten macht der Verfasser noch Verwechslung der Organisation 
der legionen mit derjenigen der auxilia und endlich auch unge- 
höriges hereinziehen von einrichtungen der byzantinischen bu- 
reaukratie wahrscheinlich. Dem schließlichen resultate , daß al- 
lerdings in dem wüste des Vegetius hie und da etwas gesiindes 
und wahres enthalten sei, daß man ihm aber nur da folgen 
dürfe , wo dieselbe sache auch von anderer seite glaubwürdig 
bezeugt werde , kann man unbedingt beistimmen. Nicht so im- 
mer dem einzelnen. Referent will einiges von dem anführen, 
womit er sich nicht einverstanden erklären kann. 

Der verf. wundert sich p. 6, anmerkung 2 darüber, daß 
man geglaubt habe , die „victura in cute puncta" seien den re- 
cruten eingebrannt, da Vegetius doch nur den ausdruck 
scribere gebrauche; indessen wenn man die von Lipsius Mil. 
rom. 1, 9 angeführte stelle des Ghrysostomos l ) (tom. Dil in DI 
ad Corinth.) mit Prudent. Peristeph. 10, 1076—1080 vergleicht, 
so bleibt doch wohl nur diese annähme übrig. — Pag. 8 wird 

1) Ref. kann leider das citat nicht verificieren, da ihm der Chry- 
sostomos augenblicklich nicht zur Verfügung steht. 



110 25. Vegetius. Nr. 2. 

zum beweise dafür, daß in zeiten von bürgerkriegen die respu- 
blica im fahneneide keinenfalls habe erwähnt werden können, 
auf Tac. Ann. XIV, II verwiesen , eine stelle, an der von bür- 
gerkriegen durchaus keine rede ist. — P. 12 f. setzt Foerster 
die II, 6 beschriebene ordinatio legionis in das zweite Jahrhundert 
und den anfang des dritten. Er berücksichtigt dabei allerdings 
p. 9 den ausdruck antiqua , hätte jedoch noch auf die bei 
Tacit. Dial. 15 ff. befindliche ausführung über die Verwendbar- 
keit dieses wortes bezug nehmen sollen, zumal diese auf dasselbe 
resultat führt. Dort wird cap. 17 geltend gemacht, Cicero, der 
etwa 120 jähre vor dem tage des gesprächs getödtet sei, ge- 
höre nicht in die antiqua tempora, dagegen (cap. 18) könnten 
Servius Galba und G. Papirius Carbo , deren bekannte prozesse 
223 bezw. 193 jähre vor dem bezeichneten Zeitpunkte stattge- 
funden haben, mit recht antiqui genannt werden. Da Vegetius 
am ende des vierten Jahrhunderts schrieb , so kommt man bei 
anwendung dieser rechnung auf eben die zeit, welche Förster 
nennt. Wesentlich stützt der Verfasser sich bei seiner beweis- 
führung auf die zahl der der legion zugetheilten reifer; unter 
Vespasian seien es nur 120 und diese in turmae eingetheilt ge 
wesen; später sei die zahl vermehrt und dabei die zutheilung 
zu den einzelnen centurien eingeführt worden. Diese änderung 
wird vom Verfasser dem Hadrian zugeschrieben und soll bis in 
die mitte des dritten Jahrhunderts bestand gehabt haben; nach 
240 komme keine legionsreiterei mehr vor. Es mag sein, daß 
Förster damit das richtige getroffen hat ; auffallend bleibt jedoch, 
daß aus der betreffenden zeit nur Renier (I. A. 4075 ein reifer) 
die centurie nennt, während in sonstigen in diese zeit fallenden 
inschriften das nie der fall ist ; vgl. Eenier 1. c. , CIL. III, 
4172, 4480, 5942, 5947; sowie daß CIL, V, 896 noch im 
vierten Jahrhundert ein eques legionis erscheint. Dieses Zeug- 
nisses entledigt sich Förster allerdings einfach durch die be- 
hauptung (Ehein. Mus. neue folge XXXIV, p. 242, anmerkg 2), 
der mann sei entweder kein legionsreiter gewesen, oder die in- 
schrift gehöre in ein früheres Jahrhundert. Genug, die sache 
bedarf noch einer eingehenderen Untersuchung. — Wenn der 
Verfasser p. 14 ff. bei der aufdeckung der in II, 8 herrschenden 
Verwirrung jeden besserungs- oder erklärungs versuch von vorn 
herein zurückweist, so ist doch auf Mommsen's aufsatz in der 



Nr. 2. 25. Vegetius. 111 

Ephem. IV, p. 227 ff. hinzuweisen, in welchem gezeigt ist, daß 
die erste cokorte nach ihrer augmentierung wirklich nur fünf cen- 
turionen gehabt zu haben scheint, daß also noch ein körnchen 
Wahrheit in Vegetius' angäbe verborgen liegt und daher derartige 
vermuthungen wohl gestattet sind. Secundus hinter princeps scheint 
in der that interpolation und im gegensatze zu dem primus prin- 
ceps hinzugefügt zu sein ; ferner ist für den triarius prior der 
princeps posterior zu setzen und dann beide male der princeps 
vor den hastatus zu stellen. — P. 19 meint Förster, Vegetius 
habe cap. 8 der ersten cohorte 10 centenarii zugetheilt; ist denn 
aber die bemerkung : „erant etiam centuriones etc." nicht lediglich 
eine allgemeine ohne bestimmte beziehung auf die erste cohorte? 
An der einfügung derselben an falscher stelle darf man bei 
Vegetius keinen anstoß nehmen-, hinsichtlich der zahl der cen- 
turionen besteht allerdings eine gewaltige confusion. Referent 
ist der ansieht, daß die erste cohorte von den fünf centurionen 
mit hülfe der fünf optiones geführt wurde , daher kann er sich 
auch den ausführungen des verfa&sers p. 28 und 31 nicht an- 
schließen. — P. 20 wird der zweifei ausgesprochen, ob Momm- 
sen zu CIL. III, 850 den princeps praetorii mit recht für identisch 
mit dem primus princeps erklärt habe ; indessen spricht für 
Mommsen das avencement auf den Inschriften CIL. III, 2917 
und Henzen 6767 1 ). — P. 32 erklärt es der Verfasser für un- 
thunlich, einen commandanten von 200 mann ducenarius zu nen- 
nen; hat er denn den trecenarius (vgl. Mommsen Ephem. IV, p. 
244) und den centenarius vergessen? Das wort ist eben mehr- 
deutig und muß nicht immer auf den gehalt oder die rang- 
classe (vgl. Hirschfeld Verwaltungsbeamte p. 265) bezogen wer- 
den. — Ob ein centurio niemals einfach Ordinarius genannt wer- 
den konnte, wie p. 37 angenommen wird, ist doch nach den 
pannonischen ziegelstempeln Eph. II, p. 402, nr. 781a und IV, 
p. 131, nr. 445 noch zweifelhaft. — Wenn Förster p. 45 nicht 
weiß, was er aus den centuriones exercitatores machen soll, da dem 
decurio die Übung der mannschaften und der pferde zustehe, so ist 
zu bemerken, daß instrueteurs untergeordnete officiere nicht entbehr- 
lich machen. — Wahrscheinlich ist, was p. 46 behauptet wird, daß 

1) Die erstere gehört in Trajan's, nicht in Vespasian's zeit, wie 
Mommsen Eph. IV, p. 231 schreibt; die letztere ist ebendaselbst sehr 
glaubwürdig verbessert. 



112 25. Vegetius. Nr. 2. 

die einzelnen legionscohorten von tribunen commandiert wurden, 
aber die sache bedarf noch eines besseren beweises, da weder 
die angezogenen stellen des Tacitus , noch die im texte ange- 
führten gründe ausreichen. Für des Vegetius zeit ist vielleicht 
hinzuweisen auf Prudentius Peristeph. 1, v. 64 und 67: ite, si- 
gnorum magistri et vos tribuni absistite .... Christus illic candi- 
datis praesidet cohortibus. — Mit dem, was der Verfasser sodann 
p. 48 ff. über das verhältniß von centurie und manipel sagt, 
kann referent sich nicht ganz einverstanden erklären, nament- 
lich wird das völlig unverdächtige zeugniß des Cincius bei 
Gellius XVI, 4, 6 nicht zu beseitigen sein. Tacitus hat den 
älteren ausdruck manipulus und den neueren centuria abwech- 
selnd für die unterabtheilungen der cohorte gebraucht, ohne 
daß daraus die identität beider zu folgern ist: ein histo- 
riker spricht über derartige untergeordnete dinge eben nicht 
mit der akribie eines militärschriftstellers. Auch die aus Cäsar 
beigebrachten stellen beweisen nicht, was sie sollen; B. civ. II, 
28 spricht sogar gegen den Verfasser, der übrigens darin recht 
hat, daß schon bei Caesar, also wohl in folge der einführung 
der cohortenstellung, die centurie selbständig ist; daß aber jene, 
aus zwei in einem näheren Verhältnisse zu einander stehenden 
centurien gebildeten manipel niemals existiert haben sollen , ist 
zu viel geschlossen. — Zu p. 53, anmerkung 1 muß es als auf- 
fallend bezeichnet werden, daß der Verfasser die durchaus klare 
ausführung A. Müller's über die octavi ordines (Philolog. XXXVIII, 
p. 134) nicht verstanden hat; vgl. auch Mommsen Eph. IV, p. 
230, anmerkung. — Die p. 54 aufgestellte behauptung, daß der 
primipilus prior und der primipilus posterior gleichen rang gehabt 
hätten, trifft selbst für die zeit nicht zu, in der es einen primi- 
pilus posterior gab; da dies aber nach augmentierung der ersten 
cohorte nicht mehr der fall gewesen zu sein scheint, so ist um 
so mehr hinfallig, was daraus gefolgert wird. Die reihenfolge 
primus püus, princeps, hastatus ist durch Henzen 6747 und 6779 
bezeugt , auch für die übrigen cohorten mutatis , mutandis wahr- 
scheinlich; indessen ist man für die reihenfolge der centurionen 
in diesen bis jetzt noch lediglich auf vermuthungen angewiesen. 
Wenn p. 55 , anmerkung 2 für die zeit der manipularstellung 
das avancement vom decimus hastatus posterior zum decimus ha- 
ttatua prior und weiter zum nonue hastatus posterior u. s. f. auf- 



Nr. 2. 26. Caecilius Baibus. 113 

gestellt wird, so lassen sich auch dagegen triftige gründe an- 
führen. 

Vorstehende bemerkungen mögen bezeugen, mit wie lebhaftem 
interesse ref. den mit vielem Scharfsinn und guter sachkenntniß ge- 
schriebenen Untersuchungen gefolgt ist. Ohne zweifei sind die 
betreffenden Studien durch den Verfasser nicht unerheblich ge- 
fördert, wenngleich derselbe es bisweilen unternimmt nicht leichte 
Streitfragen mit wenigen Worten zu entscheiden. Das latein liest 
sich sehr angenehm ; leider läßt sich dasselbe nicht von den 
harten und absprechenden urtheilen über die Urheber abwei- 
chender meinungen sagen, welche durchaus keinen wohlthuenden 
eindruck machen. 



26. De sententiis quas dicunt Caecilii Balbi scripsit Jose- 
phus Scheibmaie r. Programm des Wilhelmsgymnasiums in 
München. 1879. 32 p. 8. 

Auf die lange discutierte Caeciliusfrage erhalten wir in 
dieser fleißigen abhandlung eine befriedigende antwort, und da- 
mit zugleich die gewißheit , daß diese Studien einigen gewinn 
für die römische litteratur abwerfen. 

Die zwei Sentenzen- und anecdotensammlungen , welche ich 
im jähre 1855 aus einer Münchner und einigen Pariser hand- 
6chriften herausgab und trotz der verschiedenen disposition bei- 
der für theile einer und derselben ursammlung erklärte , sind 
seither durch die bemühungen von W. Meyer in verschiedenen 
Jüngern handschriften aufgefunden worden, die deßhalb der kri- 
tik keine hülfe bringen ; doch finden sich in mehreren hand- 
schriften saec. XII und XIII beide Sammlungen vereinigt, wo- 
durch ihre Zusammengehörigkeit außer allen zweifei gestellt ist. 
An einen mittelalterlichen Ursprung derselben, an welchem Düntzer, 
Bernhardy und Reifferscheid festhielten , kann heute unmöglich 
mehr gedacht werden , sondern verf. weist dieselben , einer con- 
jectur Mayers folgend , als übersetzte excerpte aus einer grie- 
chischen sentenzensammlung nach , und zwar sind seine beweise 
folgende. 

Die männer , denen die Sprüche und anecdoten beigelegt 
werden, sind fast ausschließlich Griechen und genau dieselben, 
welche auch in den griechischen Sentenzensammlungen vorkom- 



114 26. Caecilius Baibus. Nr. 2. 

men. Ueber eine anzahl corrupter oder unsicherer namen wie 
Demogenes , Hieremias , Menefranes , Megmas giebt verf. zwar 
kein bestimmtes urtheil ab, glaubt aber, daß männer dahinter 
stecken , welche den griechischen Sammlungen nicht fremd sind. 
Namen von Körnern, die sonst sich in den griechischen florilegien 
nicht finden, zählt verf. nur fünf, da einige Sprüche von Cicero 
und dem rhetor Seneca sowohl durch ihre Stellung zu anfang 
und am ende als auch durch das fehlen in der besten hand- 
schrift sich als interpolation herausstellen. Gegen dreißig Sen- 
tenzen und anecdoten bezeichnet verf. als wörtliche Übersetzun- 
gen aus dem griechischen (die mehrzahl der originalstellen habe 
ich schon nachgewiesen) , eine größere anzahl als freie Übertra- 
gungen. Endlich entsprechen die lemmata de sapientia, de fide 
u. s. w. großentheils genau denen der florilegia des Stobäus, 
Maximus , Antonius. Das hohe alter der ursammlung aber er- 
hellt am besten aus dem fehlen christlicher Sentenzen. 

Wenn nun etwa 200 Sentenzen übrig bleiben, welche verf. 
nicht mit griechischen parallelstellen zu belegen vermag, so liegt 
in denselben weniger ein argument gegen die hypothese Meyers, 
als vielmehr der werth und die bedeutung der Sammlung. Eine 
bereicherung hat das material nicht erfahren , da die zwölf auf 
p. 1 1 mitgetheilten Sentenzen , über die sich verf. nicht im kla- 
ren zu sein gesteht , aus Hieronymus u. a. quellen excerpiert 
sind, z. b. die erste aus Cicero de invent. 1, 1 sapientiam sine 
eloquentia parum prodesse civitatibus, eloquentiam vero sine sapientia 
nimium obesse plerumque. Von besonderem interesse ist das ver- 
hältniß der Sammlung zu den spruchversen des Publilius, von 
denen augenscheinlich eine ziemliche anzahl bei anlaß der Über- 
setzung in die ursprünglich griechische Sammlung eingefügt wor- 
den sind. Verf. vermuthet nicht ohne grund, daß in dem soge- 
nannten Caecilius noch einige Publiliusverse erhalten seien, 
welche in unseren Publiliushandschriften fehlen, z. b. : 

Imponas nulli, quae ipse non possis pati(?) 

Nocere nescit , qui se velle prodidit , 

Geminatur iracundia infelicitas (?) 

Expedit pro amico occidi , quam cum inimico vivere 
Doch ist er vorsichtig genug, dergleichen eben nur als eine con- 
jectur zu bezeichnen. Umgekehrt weist vrf. auf p. 17 auf das schla- 
gendste nach, daß Ribbeck mit unrecht in die Appendix sententiarum 



Nr. 2. 27. Griechische geschichte. 115 

(Comic, lat. fragm. Zweite aufl., p. 364 ff.) eine anzahl Senten- 
zen versificiert hat, welche als aus dem griechischen übersetzt 
nie eine metrische form gehabt haben können. 

E. W. 



27. Forschungen zur geschichte des achaiischen bundes. 
Erster theil : quellen und Chronologie des Kleomenischen krieges. 
Von Max Klatt. Berlin, A. Haack 1877. 134 p. gr. 8. 

Eine erstlingsschrift, welche ihrem aus der schule C. Wachs- 
muths hervorgegangenen Verfasser keine Unehre macht. Inhalt 
und zweck ist im titel sattsam kundgegeben ; letzteren hat sie 
unseres erachtens bei den quellen der hauptsache nach erreicht 
und in beiden abtheilungen liefert sie manchen beachtenswerthen 
beitrag zur förderung einzelner fragen. 

Welches die quellen des Polybios 11,43 — 70 und des Plu- 
tarchos im Aratos und Kleomenes sind, war unter andern be- 
sonders von Schoemann bereits aus den eigenen angaben dieser 
Schriftsteller mit Sicherheit erschlossen; es erübrigte noch der 
nachweis, wie weit in jeder dieser darstellungen theils Aratos 
theils Phylarchos benutzt ist. Mit dem urtheil des verf. über 
diese autoren , mit den gesichtspunkten , von welchen er in der 
behandlung Plutarchs ausgeht , und mit vielen einzelheiten der 
ausführung kann man sich getrost einverstanden erklären ; stär- 
kere bedenken haben wir bei Polybios. Dieser erklärt an ver- 
schiedenen stellen seines werks , daß erst mit dem dritten buch 
seine eigene leistung beginnt : die zwei ersten bücher will er 
also bloß als compilation angesehen wissen. Dadurch wird die 
ansieht des verf. , derselbe habe beim Kleomenischen krieg die 
mündliche Überlieferung in umfassender weise herangezogen, von 
vorne herein erledigt und auch seinem axiom : einem historiker 
wie Polybios sei die benutzung nur einer quelle und Vernach- 
lässigung der andern nicht zuzutrauen , die zu gründe liegende 
Voraussetzung selbständiger ausarbeitung entzogen. Gerade die- 
ses bei den alten compilatoren zu unserm vortheil keineswegs 
seltene verfahren ist auch im ersten buch des Polybios am söld- 
nerkrieg , im zweiten an den römisch-gallischen bändeln nachzu- 
weisen, s. Rhein, mus. XXXIV, 97 ff. und Philol. XXXIX, 71 ff. ; 
nur wenig anders verhält es sich mit dem ersten punischen 



116 27. Griechische geschichte. Nr. 2. 

krieg des ersten und, fügen wir jetzt hinzu, mit der Achaiergeschichte 
des zweiten buches. Nach dem verf. hätte Polybios von Aratos 
hauptsächlich den politischen Standpunkt in der auffassung der 
Verhältnisse , das detail dagegen mitunter aus andern quellen 
entlehnt. Aber gerade jener Standpunkt ist, wenn man die aus 
ihm geflossenen betrachtungen abrechnet, oft sein einziges eigen- 
thum in dieser einleitung; ihn bringt er selbst mit, wegen der 
Übereinstimmung desselben mit dem von Aratos eingenommenen 
bevorzugt er die darstellung dieses Schriftstellers und in folge 
dessen schließt er sich an sie in der erzahlung ohne änderungen 
an. Wir besitzen hierüber seine eigene , vom verf. nicht genug 
für die aufhellung der ganzen frage verwerthete angäbe II, 
40, 4 : so weit Aratos an der spitze der politik gestanden, wolle 
er die geschichte nur im auszug vortragen; über die unter der 
führung anderer herbeigeführten ereignisse werde genauer und 
eingehender gehandelt werden. Leitende persönlichkeit war 
Aratos bis zum eintreffen des Antigonos Doson zu ende 223 : 
dem entsprechend finden wir auch die erzahlung des Polybios bis zu 
jenem ereigniß in der weise eines auszugs *), von da an aber aus- 
führlicher vorgetragen. Im ersten jähr der ausführlicheren darstel- 
lung 222 begegnen uns cap. 56 — 60 tadelnde erwähnungen des 
Phylarchos und einwände gegen seine ausspräche : sie dienen zum 
zeichen, daß jetzt jener historiker an der reihe der benutzung ist. 

Einzelne stellen , an welchen Polybios den Phylarchos aus- 
schreibt , hat verf. in überzeugender weise nachgewiesen und in 
betreff der denkwürdigkeiten des Aratos sowohl die ansieht von 
Koepke und Blaß, welche in denselben zerstreute, zu verschie- 
dener zeit abgefaßte gelegenheits- und flugschriften erkennen 
wollen , vollständig widerlegt, als auch den positiven beweis er- 
bracht, daß sie ein zusammenhängendes ganzes gebildet haben. 
Für Trogus weist er Phylarchos als quelle nach ; von Pausanias 
ist nach seiner ansieht Aratos ausgeschrieben. 

Das hauptverdienst der zweiten abtheilung besteht darin, 
daß nicht wenige aufstellungen der Vorgänger widerlegt werden. 
In der cardinalfrage, welche sich um die zahl der zwischen der 
Schlacht von Dyme und dem erscheinen des Antigonos ende 223 

1) Ausgenommen die geschichte der Verhandlungen mit Antigonos, 
in welcher dafür auch cap. 47, 11 auf beiziehung anderer quellen hin- 
gewiesen ist. 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 117 

liegenden jähre dreht und die Zeitbestimmung der vorausgegangenen 
ereignisse eines ganzen Jahrzehnts bedingt, schließt er sich in selb- 
ständiger weise Ernst Reuß an, sofern er jene Schlacht in das jähr 226 
setzt und auf sie drei Strategien (Timoxenos, Aratos, Timoxenos, 
225 — 223) folgen läßt. Die der Schoemannschen ansieht, nach 
welcher die schlacht 225 vor sich geht und dann Timoxenos 
zweimal nach einander regiert, entgegenstehenden Schwierigkeiten 
werden dadurch zwar beseitigt, aber um den preis neuer, ebenso 
unüberwindlicher, welche jetzt entstehen. Wir gedenken auf 
diese einer längeren auseinandersetzung bedürftige frage an ei- 
ner andern stelle einzugehen ; hier wird es genügen , die quelle 
aller irrungen anzudeuten. Sie besteht darin, daß sowohl über 
die Jahreszeit des Strategenantritts als über zahl und termin 
der ständigen bundesversammlungen seit langer zeit unerwiesene 
annahmen im schwänge sind, welche einer vom andern ungeprüft 
übernommen hat. 

Von den beilagen der schrift heben wir als wohl gelungen 
die Zurückweisung einer ansieht Foucarts hervor, welcher die 
von ihm 1874 veröffentlichte arkadische inschrift dem jähre 224 
zuweist und aus ihr die Stiftung eines arkadischen bundes durch 
Kleomenes ableitet. Die darlegung des verf. ist hier und an 
einigen andern stellen allzu breit ausgefallen. In dieser bezie- 
hung möchten wir noch einige kleinigkeiten bemerken. Corrupte 
formen wie Alsaia und Langon sollten in der erzählung nicht 
als wirkliche Ortsnamen figuriren. Der Stiefvater des Kleomenes 
hieß Megistonus, nicht Megistonos. Endlich die durch ihre härte 
abstoßende weglassung des verbum substantivum in nebensätzen, 
z. b. „wenn man annehme, daß die vnofivtjuatu eine Sammlung 
von flugschriften" oder ,,so daß es nicht auffallen dürfte, wenn 
die auslösung übernommen" dürfte ein philologe füglich den ta- 
gesliteraten belassen , welche mittelst solcher ebenso affectirter 
wie billiger redeblumen zu glänzen vermeinen. 

ü. 



28. Wilhelm Ihne, Römische geschichte. Fünfter band: 
der verfall der republik. Leipzig, Wilh. Engelmann 1879. 

Dem in den früheren bänden angestrebten zwecke , eine 
anschauliche , lesbare , in anläge und stil künstlerisch gehaltene 
darstellung der römischen geschichte für den gebildeten leser, 



118 28. Komische gesehichte. Nr. 2. 

besonders für den Studenten, angehenden gelehrten und lehrer 
der alten gesehichte zu bieten, dürfte der verf. in dem uns vor- 
liegenden theile um ein bedeutendes näher gekommen sein. Wäh- 
rend Mommsen uns nur resultate giebt und selbst zweifelhafte er- 
gebnisse seiner forschungen so darstellt, daß er bei dem leser das 
gefühl erregt, es sei niemals über die thatsachen oder auffassungen, 
wie er sie giebt, eine wissenschaftliche controverse gewesen oder 
noch vorhanden, ist Ihnes methode untersuchend, erörternd und stets 
an der hand der quellen auf das zweifelhafte und unsichere hin- 
weisend. Diese behandlungsweise tritt denn auch in unserem 
bände besonders hervor und fällt um so angenehmer auf, als 
wir bezüglich der in demselben behandelten begebenheiten bis 
jetzt entweder auf die vulgata oder auf die durch keine angäbe 
von gründen motivirte abweichende darstellung Mommsens an- 
gewiesen waren. Wer neben Mommsens römischer gesehichte 
dessen ausgezeichnete detailforschungen studiert hat, für den hat 
die letztere methode keine gefahr. Allein das Studium dieser 
einzelnen forschungen setzt einen gelehrten voraus, der selbst 
forscher auf diesem gebiete ist. Der gebildete leser, dem 
solche forschungen ferner liegen , wünscht zwar meist nur resul- 
tate und kümmert sich wenig darum, wie der Verfasser zu densel- 
ben gekommen ist, und so erweckt Mommsens römische ge- 
sehichte allerdings beim lesen ein behagliches gefühl der Sicher- 
heit. Sobald er aber dahinter kommt, daß das wort des führers, dem 
er bis dahin unbedingtes vertrauen geschenkt hat , nicht unfehl- 
bar ist, schlägt die behaglichkeit in das gegentheil um, und 
dies ist gerade bei dieser classe von lesern am meisten der fall. 
Nächst der feststellung der historischen thatsachen, die sich der 
Verfasser mit recht besonders angelegen sein läßt, handelt es sich 
um deren auffassung und beurtheilung. Auch hier in einem ge- 
wissen gegensatz zu Mommsen ist Ihne offenbar bestrebt, apo- 
diktische entscheidungen in rechthaberischem, schulmeister- 
lichem tone zu vermeiden , und von einem gewissen gefühl der 
billigkeit geleitet ist er stets darauf bedacht, die bei den römi- 
schen Schriftstellern selbst landläufig gewordenen urtheile zu 
prüfen und besonders denjenigen personen und Völkern gerecht 
zu werden, die in der gesehichte selbst nicht zu worte gekommen 
sind, indem er aus leisen spuren und andeutungen, Widersprüchen, 






Nr. 2. 28. Römische geschichte. 119 

Zugeständnissen der Römer selbst die einseitige Schilderung der 
vulgaten geschichtschreibung , der auch Mommsen in den be- 
handelten partien im großen und ganzen folgt, zu modificiren 
sucht. Aus demselben gefühle der billigkeit ist schon in den ersten 
bänden die beurtheilung Carthagos , des Hannibal , des Perseus, 
der Achäer u. a. hervorgegangen, welche dem Verfasser vielfach 
den Vorwurf der partheilichkeit zugezogen haben. Im vorlie- 
genden bände tritt Ihne sogar mit worten der rechtfertigung und 
entschuldigung für Jugurtha und Mithridates auf und hebt zum 
ersten male klar und deutlich hervor, wie sich im kriege mit 
ersterem die Römer gerade derselben laster schuldig gemacht 
haben, deren sie den feind anklagten. 

Während aber Ihne so den feinden Roms gerechtigkeit wi- 
derfahren lassen und eine einseitige bewunderung der römischen 
Staatsmänner auf ein geringeres maaß herabmindern will , tritt 
er andererseits auf zu gunsten der römischen volksmoralität , in- 
dem er die zweifei hervorhebt die sich an die Schilderungen 
heften , die spätere Schriftsteller von der römischen sittenlosig- 
keit entworfen haben. Aehnlich wie schon im bd. IV im prozeß 
der bacchanalien wird jetzt im prozeß der vestalinnen gezeigt, 
daß wir hier großartigen entstellungen und Übertreibungen be- 
gegnen. — In der auffassung der Gracc bischen bewegung 
unterscheidet sich Ihne grundsätzlich von Mommsen. Er sieht 
die Ursache derselben nicht wie letzterer hauptsächlich in 
den ökonomischen miß ständen, deren bedeutung er kei- 
neswegs außer acht gelassen haben will, sondern vorzugsweise 
in dem stillstand der Verfassung seit den Hortensischen 
gesetzen. Nach Mommsen (II 5 , 74) ging die krise, durch welche die 
„römische revolution" eröffnet ward, nicht aus einem politischen 
conflikt hervor, sondern aus den ökonomischen und socialen Ver- 
hältnissen ; denn seiner ansieht nach „waren optimaten und po- 
pulären des siebenten Jahrhunderts die einen für die andern 
viel zu unentbehrlich, um sich auf tod und leben zu bekriegen; 
sie konnten nicht bloß nicht einander vernichten, sondern wenn 
sie es gekonnt hätten, hätten sie es nicht gewollt". Ihne dagegen 
findet die hauptursache der Gracchischen bewegung in der Un- 
vereinbarkeit der alten Verfassung mit den bediüfnissen eines 
aus einem Stadtgebiet zu ungeheuren dimensionen angeschwolle- 
nen Weltreichs. Die Unmöglichkeit, ein solches durch bürger- 






120 28 Komische geschiente. Nr. 2. 

und bauern Versammlungen vom römischen forum aus zu leiten, 
habe das Staatswesen nothgedrungen in die abhängigkeit von 
einer ausgewählten körperschaft von Staatsmännern von fach, 
d.h. des Senats, gebracht. Dieser habe sich anfänglich zwar 
seiner hohen aufgäbe würdig erwiesen, habe aber doch auf die 
dauer die große gefahr, die darin lag, daß zwischen form und 
wesen kein einklang herrschte , nicht beseitigen können , und 
zwar aus dem gründe , weil durch den aus den provinzen zu- 
strömenden reichthum die aristokratie nach und nach vollständig 
entartet und an die stelle politischer fähigkeit, Selbstbeherrschung 
und mäßigung, kurzsichtigkeit , zuchtlosigkeit und raubsucht ge- 
treten sei. Mommsen ist zwar der ansieht, daß der adel als 
solcher sich wenig verändert habe , daß es ,, weniger andere 
menschen als eine andere zeit" (II 5 , 79) gewesen seien; allein 
dies ist doch nur ein spiel mit Worten, im erfolg bleibt sich 
die sache gleich: der adel war ein anderer geworden und inso- 
fern entartet, als in der „sonne des glucks" an stelle der frü- 
heren fugenden ebensoviele laster getreten waren. Gegen diese 
entartung des adels durch kleine mittelchen , wie luxusgesetze 
u. s. w. anzukämpfen war nach dem verf. vergebens ; ein 
reformator mußte dem gegenüber ein gegengewicht aufstellen 
und konnte dies nur in dem zweiten elemente suchen, welches 
von jeher als gegengewicht gegen die herrschende classe gedient 
hatte, nämlich in dem volke, und dieser gedanke drängte sich 
nach des verf. meinung um so eher auf, „als gerade die vom 
regiment ausgeschlossenen classen durch die Verschiebung der 
macht- und besitzverhältnisse ebensosehr in eine hoffnungslose 
wirthschaftliche läge versunken waren, als der adel in die höhe 
gewachsen war". Die sociale krisis war demnach nach Ihne 
nicht die Ursache , sondern eine veranlassung mehr für die 
Gracchen, die reform in die band zu nehmen und sie gerade zu 
versuchen, wo sie allein versucht werden konnte. 

Bezüglich des ack er gesetzes des Tiberius Gracchus 
ist Ihne gleich Mommsen von der formalen legalität desselben 
einerseits sowie von dessen materieller unbilligkeit andererseits 
überzeugt; aber zugleich war dieses gesetz (wie der verf. p. 36 
im einzelnen nachweist) als eine Wiederauffrischung des längst 
veralteten Licinischen gesetzes nicht nur, weil eine beraubung 
der besitzenden , ungerechtfertigt , sondern es war auch unaus- 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 121 

fährbar und wirkungslos, und seine einzige folge die Zerrüttung 
der bestehenden Ordnung. 

Wesentlich von Mommsen weicht Ihne ab in der auffassung 
des Cajus Gracchus. Mommsen II 5 , 117 sagt über Cajus 
Gracchus folgendes: „daß Cajus Gracchus keineswegs, wie viele 
gutmüthige leute (sie!) in alter und neuer zeit gemeint haben, 
die römische republik auf neue demokratische basen stellen, son- 
dern vielmehr sie abschaffen und in der form eines durch ste- 
hende Wiederwahl lebenslänglich und durch unbedingte beherr- 
schung der formal souveränen comitien absolut gemachten amtes, 
eines unumschränkten volkstribunats auf lebenszeit, anstatt der 
republik die tyrannis, d. h. nach heutigem Sprachgebrauch 
die nicht feudalistische und nicht theokratische , die napoleo- 
nisch-absolute monarchie einführen wollte , das offenbart 
die Sempronische Verfassung selbst mit voller deutlichkeit einem 
jeden der äugen hat und haben will". Diese von den früheren 
auffassungen völlig abweichende idee Mommsens, daß Cajus 
Gracchus darauf ausgegangen sei, die republicanische Verfassung 
zu stürzen und in der form des lebenslänglichen volkstribunats 
die absolute monarchie einzuführen , will Ihne keineswegs ein- 
leuchten, so wenig, daß er sie nur nebenbei erwähnt (p. 86); 
nach ihm war vielmehr des Cajus Gracchus hauptzweck der, die 
Übermacht zu beseitigen, welche dem alten rechte zuwider der 
senat factisch erworben hatte, und die gesetzliche souveränetät 
des Volkes zur Wirklichkeit zu machen. Einer polemik mit 
Mommsen geht der verf. hier wie anderwärts offenbar absicht- 
lich aus dem wege , wohl mit dem richtigen gefühle , daß diese 
für seinen leserkreis unfruchtbar sein würde und daß der fach- 
gelebrte sich aus den angeführten Zeugnissen selbst die gründe 
für abweichungen von Mommsen ableiten könne. Nach meiner 
ansieht über die Mommsen'sche hypothese scheint mir in der- 
selben eine Vermischung von absieht und folge vorzuliegen: daß 
Cajus durch seine reformen der absoluten monarchie vorgear- 
beitet , ist zweifellos und wird auch von Ihne nicht bestritten 
(p. 83). Daß er aber eine solche beabsichtigt habe, kann 
weder aus dem inhalt seiner gesetze geschlossen werden, von 
denen kein einziges dafür eine sichere handhabe bietet; noch 
folgt es daraus , daß er , um mich Mommsens eigener worte zu 
bedienen, „mit beispielloser thätigkeit die verschiedenartigsten 
Philolog. Anz. X. 9 



\$% 28. Römische geschickte. Nr. 2. 

und verwickeltsten regierungsgeschäfte in seiner person concen- 
trirte" ; denn bei dem interesse , das er persönlich an der aus- 
führung seiner demokratischen neuerungen hatte und hei dem 
durch die starre Opposition und durch die gewaltthaten beider- 
seits geschaffenen zwang der Verhältnisse mußte er selbst mit 
hand anlegen und seine person mit möglichst vieler macht um- 
geben. In der that stützt auch Mommsen seinen schluß nicht 
hierauf, sondern lediglich auf die prämisse , daß Cajus ein „g e- 
nialer" Staatsmann gewesen, der ganz genau gewußt habe 
was er wollte ; einem solchen habe es nicht verborgen bleiben 
können, daß nach dem stürze des Senats regiments nichts anderes 
als ein persönliches regiment möglich gewesen sei. Allein diese 
prämisse selbst ist durch nichts bewiesen-, im gegentheil: der 
schließliche mißerfolg seines reformversuchs zeigt deutlich, daß 
er sich in den mittein gewaltig verrechnet hatte, und wenn dies 
der fall war, so wird man einräumen müssen, daß er die weit 
schwierigere bereclmung der letzten politischen consequenzen sei- 
nes Systems noch viel weniger gemacht haben wird. Offenbar 
hatte er sich in dem v o 1 k e selbst sehr getäuscht (was doch 
auch Mommsens meinung sein muß, wenn er II 5 , p. 95 sagt, 
daß der wesentliche fehler der Gracchischen „revolution" in der 
beschaffenheit der damaligen bürgerversammlungen gelegen 
habe) — ; er hatte übersehen , daß das volk ihn weder verthei- 
digen wollte noch vertheidigen konnte : hatte er sich aber hierin 
verrechnet, so lag der fehler in der falschen beurtheilung des- 
selben faktors, der auch für ihn bei der beurtheilung bei wei- 
teren politischen consequenzen fast ausschließlich in betracht 
kam. Mit recht tritt daher Ihne der anschauung entgegen, daß 
die Gracchische Verfassung ein werk „politischer genialität" 
war; daß Cajus sowohl wie Tiberius die zunächst in betracht 
kommenden faktoren falsch beurtheilten , raubt ihnen den rühm, 
geniale Staatsmänner gewesen zu sein , als welche sie Mommsen 
preist; und weit eher möchten wir dem verf. beistimmen, nach 
dessen anschauung sie politische enthusiasten sind, die 
das unmögliche erstreben. 

Die wichtigste frage in der von den Gracchen angeregten 
reform war die der aufnähme der bundesgenossen in die römische 
bürgerschaft. Bis diese frage gelöst war, konnte die innere be- 
weg ung nicht zum abschlusse kommen. Leider gestattet die 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 123 

lückenhafte Überlieferung keinen klaren einblick in die inneren 
kämpfe, -welche sich hauptsächlich um die cardinalfrage drehen. 

Viele neue gesichtspuukte treten uns in des Verfassers dar- 
stellung des Jugurthinischen krieges entgegen, was bei 
der vielfachen behandlung des gegenständes auffallend ist. Nach 
Ihne war der krieg keineswegs ein kriminalproceß in gro- 
ßem maßstabe, wie er noch von Mommsen auf grund der 
Sallustischen erzählung dargestellt ist, sondern er hatte einen 
politischen zweck, nämlich die Schwächung Numidiens 
durch theilung in zwei oder drei reiche. Die ver- 
brechen Jugurtha's, z. b. die ermordung des Adherbal, wären 
wohl nicht bestraft worden, wenn der politische zweck, die thei- 
lung des reiches, auf andere weise hätte erreicht werden können, 
wie man sich ja auch anfangs um die ermordung des Hiempsal 
nicht gekümmert hat, so lange durch die nebenbuhlerschaft des 
Adherbal das Numidische reich noch gespalten schien. Die mo- 
ralische entrüstung des Sallust ist dem Verfasser daher nichts 
als rhetorischer Wortschwall. Die erbitterung mit welcher Rom 
den krieg fortsetzte und schließlich die grausamkeit mit der 
es Jugurtha behandelte , waren die folge davon , daß die nobi- 
lität sich in dem kriege compromittirt hatte und daß Marius 
und die volkspartei durch ihre härte gegen Jugurtha zugleich 
ihre politischen gegner angriffen. 

Im einzelnen bringt Ihne eine reihe bisher unbeachteter 
punkte zur discussion, deren Würdigung uns personen wie that- 
sachen in einem vielfach verschiedenen lichte erscheinen lassen. 
So weist der verf. mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nach , daß 
auch Adherbal in Rom bestechungskünste nicht unversucht ge- 
lassen und daß insbesondere Aemilius Scaurus von ihm 
gewonnen war, dessen frühere Unbestechlichkeit dem Jugurtha 
gegenüber nur auf diese weise erklärt werden kann. Ferner 
zeigt der verf. daß nach der theilung des reiches zwischen Ju- 
gurtha und Adherbal durch die Römer ein Zeitraum von vier 
Jahren verstrich, bis Jugurtha von neuem den krieg gegen jenen 
begann — was in der erzählung des Sallust keineswegs hervor- 
tritt. Mit recht rügt ferner der verf. die ungenauigkeit 
der Sallustischen angäbe bezüglich der schlacht bei Cirta, 
das er in die nähe des meeres verlegt, während es 70 
kilometer davon entfernt ist. Die ermordung der Italiker in 

9* 



124 28. Römische geschickte. Nr. 2. 

Cirta hält Ihne für unvereinbar mit der dem Jugurtha zu- 
geschriebenen klugheit und seiner sonstigen handlungsweise. 
Gegen diese anschauung möchte doch zu erinnern sein, daß 
Jugurtha auch eine große partie frechheit und leidenschaftlichkeit 
besaß , die ihn für die nächsten folgen seiner handlungsweise 
blind machte, wie die ermordung des Massiva während seiner 
anwesenheit in Rom beweist. Sehr wahrscheinlich dagegen ist 
die vermuthung des verf. , daß Jugurtha den frieden mit Cal- 
purnius nur unter der bedingung einer gegenleistung , die wohl 
in dem ungeschmälerten besitz von ganz Numidien bestand, 
abgeschlossen haben kann. In der Vorladung des Jugurtha 
nach Rom sieht der verf. nicht den von Sallust angegebenen 
zweck einer zeugnißablegung gegen die der bestechung an- 
geklagten; denn hierbei hätte er zugleich gegen sich selbst 
zeugniß ablegen müssen, und in eine solche falle zu gehen, war 
Jugurtha viel zu schlau, ganz abgesehen davon, daß er in einer 
solchen zumuthung den höchsten grad der demüthigung und 
entwürdigung hätte erblicken müssen , der ihm keine wähl ge- 
lassen , von seiner königlichen Stellung den geringsten rest zu 
retten. Ferner spricht gegen Sallust's auffassung der umstand, 
daß seine Vernehmung als zeuge durch tribunicische intercession 
vereitelt wurde , und daß ßich Jugurtha gleichwohl noch lange 
zeit nachher in Rom aufhielt. Der wahre zweck seines römischen 
aufenthaltes war daher nach der ansieht des verf. nicht dieser, 
sondern vielmehr die regulirung der Verhältnisse in Numidien, 
und zwar auf grund des Vertrags , den er mit Calpurnius abge- 
schlossen hatte. Scharf spricht sich der verf. gegen das ver- 
fahren des Metellus aus, der nach längerem vergeblichem be- 
mühen den Jugurtha durch meuchelmord aus dem wege zu 
schaffen , in befolgung der früher in den friedensverhandlungen 
mit Carthago angewandten methode nur allmählich mit den frie- 
densbedingungen herausgerückt war, um zuletzt die person des 
Jugurtha selbst zu verlangen — ein verfahren , bei dem sich 
Metellus an schmählichem verrath nur noch dadurch von jenen 
henkersknechten unterschieden habe , daß er während der Ver- 
handlungen den versuch erneuerte, durch bestechung des Bo- 
milkar den Jugurtha verrätherisch in seine gewalt zu bekommen. 
Die erfolge, die Metellus thatsächlich aufzuweisen hatte, beruhten 
daher nach Ihne auch nur auf diesen trügerischen Unterhandlungen 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 125 

und waren keineswegs durch kriegsthaten errungen; im gegen- 
theil: Ihne weist schlagend nach, daß Metellus am flusse Mu- 
thul, weit entfernt einen glorreichen sieg zu erfechten, nur mit 
genauer noth einer schweren niederlage entgangen ist. Daher 
mußte er auch nach der schlacht den rückmarsch antreten, eine 
thatsache, welche (wie der verf. p. 142 nachweist) Sallust ab- 
sichtlich verheimlichte ; auch konnte Metellus in den besitz C i r t a s 
nicht durch irgend welche siege, die Sallust nicht verschwiegen 
haben würde, sondern nur in folge eines Vertrages gekommen 
sein-, der besitz dieser stadt war es vielmehr allein, der es dem 
Metellus ermöglichte , in dem nach dem abbruche der friedens- 
verhandlungen von neuem entbrannten kriege den westlichen 
theil von Numidien zu behaupten. Ebenso war der rückmarsch 
des M a r i u s vom flusse Mulucha nach Ihnes ansieht kei- 
neswegs ein siegeszug, sondern wir sehen aus den von Sallust 
angeführten details , daß es dem Marius nur mit großer mühe 
gelang , sich den rückzug in die römische provinz zu bahnen. 
Bezüglich der haltung des königs Bocchus sucht verf. es 
wahrscheinlich zu machen, daß er keineswegs bedingungslos den 
Römern zu gefallen war , sondern da er am ende des krieges 
den westlichen theil Numidiens erhielt, dies wohl der preis ge- 
wesen sei, den er sich für den verrath an seinem eidam Jugurtha 
ausbedungen habe. Daher war auch die gefangennähme des 
Jugurtha nicht die heldenthat, als welche sie dargestellt wird, 
sondern sie beruhte auf der Verabredung mit Bocchus, der nach 
der Zusicherung des preises nicht mehr schwankend , wie dies 
Sallust darstellt, sondern entschlossenen sinnes in Verbindung 
mit den Römern zur that schritt. Der verschlagene Jugurtha 
war so von noch verschlageneren überlistet. Im felde unbesiegt 
wurde er durch verrath und tücke überwältigt. Bocchus erhielt 
einen theil Numidiens, wodurch die Schwächung des letzteren 
besiegelt ward, allerdings nicht ganz in der weise, wie es beab- 
sichtigt war. 

Die meisten dieser von Ihne aufgestellten vermuthungen 
haben einen hohen grad von Wahrscheinlichkeit ; nur dem urtheil 
Ihnes über den Charakter des Jugurtha vermögen wir nicht bei- 
zustimmen. Wenn wir auch Ihne darin recht geben , daß Ju- 
gurtha wohl unbestraft geblieben wäre, wenn ihn nicht sein ge- 
schick in den kämpf der römischen parteien geworfen hätte, 



126 Bibliographie. Nr. 2. 

und wenn wir auch keineswegs mit Mommsen (II 5 , 152. 153) 
die cahalen der Römer in schütz nehmen wollen, so können wir 
Jugurtha doch keineswegs von blinder leidenschaft , wie sich 
solche z. b. bei der ermordung des Adherbal, insbesondere aber 
bei der des Massiva zeigte, sowie von kurzsichtigkeit und schwäche 
besonders gegenüber Metellus freisprechen. ' 

In dem mithr idatischen krieg läßt der verf. die 
große Sullas als feldherrn hervortreten, die sich hauptsäch- 
lich in dem feldzug in Griechenland gegen Mithridates feldherrn 
Archelaos zeigte; zugleich wird er dem charakter des Sulla da- 
durch gerecht, daß er keine gelegenheit vorübergehen läßt, um 
zu zeigen, wie Sulla, obwohl er ein geächteter ist, die interessen 
des römischen Staats zu wahren sucht. 

Im bürgerkriege tritt dem verf. Sulla immer mehr als 
der protector der alten römischen republik hervor und zeigt 
sich nach dem siege als wahren Staatsmann. Die proscriptionen 
waren nach des verf. urtheil unvermeidlich; nicht aus mordlust, 
die sonst Sulla nicht vorgeworfen werden kann , sondern im in- 
teresse des Staates und durch den zwang der Verhältnisse griff 
Sulla zu diesem mittel, weßhalb es verkehrt ist, darüber in mo- 
ralische entrüstung zu gerathen. 

So wenig wir einerseits zweifeln, daß manche von des Ver- 
fassers scharfsinnigen vermuthungen durch weitere detailforschun- 
gen modificationen erfahren werden , so sehr sind wir anderer- 
seits davon überzeugt, daß er in vielen und wie uns bedünken 
will, gerade in den hauptpunkten das richtige gesehen hat. In 
jedem falle freuen wir uns über ein buch, das nns so viel des neuen 
und anregenden bietet und über einen der wichtigsten Zeiträume 
in der römischen geschichte den blick auf so viele neue gesichts- 
punkte eröffnet hat. 

M. Zoller. 



Bibliographie. 

Uebersetzungen aus dem deutschen in neuere sprachen wer- 
den vom buchhändlerischen Standpunkt aus besprochen von O. 
MühlbrecM in Börsenbl. nr. 100. 130. 

Bericht von Fr.. Kapp an die historische commission des 
börsenvereins der deutschen buchhändler: Börsenbl. nr. 101. 
Ueber die publicationen desselben berichtet Reichs Anz. nr. 87; 



Nr. 2, Bibliographie. 127 

dazu die anzeige von J. Opel, die anfange des deutschen zei- 
tungswesens, ebendas. nr. 123. 

Bericht über den verein der schlesischen buchhäudler : Bör- 
senbl. nr. 104. 

W. Engelmann: nekrolog : Börsenbl. nr. 105. 

Buchhändlerverein kreis Norden: Börsenbl. nr. 114. 

Bericht über die hauptversammlung des börsenvereins am 
11. Mai in Leipzig: Börsenbl. nr. 116. 

Bericht über die vom börsenverein ernannte enquete-commis- 
sion: Börsenbl. nr. 119. Man sieht, welche thätigkeit entwickelt 
wird, um die übelstände der gegenwart zu bekämpfen. 

Minister Falk und buchhändler Stauda in Berlin : Börsenbl. 
nr. 121. 

Berliner reformbestrebungen : Börsenbl. 121. 126. 130. 144. 

Ueber die buchhändlerischen anpreisungen neuer werke: 
Börsenbl. nr. 132. 

Kreisverein Mecklenburgischer buchhändler: Börsenbl. nr. 142. 

Würtembergischer buchhändlerverein: Börsenbl. nr. 148. 

Bückblicke und vorblicke: Börsenbl. nr. 148: bezieht sich 
auf den bericht über die Cantate - hauptversammlung. 

Brandentnxrgischer provinzialverein : Börsenbl. nr. 150. 

Die ausstellung neuer buchhändlerischer erzeugnisse zur 
ostermesse 1879: Börsenbl. nr. 150. 154. 

Buchhändlerverein für das königreich Sachsen : Börsenbl. 
nr. 154. 

Grüße, eine vergessene bibliothek: Börsenbl. nr. 160: be- 
trifft eine der brüdergemeinde gehörige bibliothek: vorzugs- 
weise theologischen inhalts. 

Details über die auction der bibliothek von Firmin Didot 
(s. PhAnz. IX, 6, p. 351) giebt RAnz. nr. 130. 

Quartalrundschau im deutschen buchhandel : Börsenbl. nr. 168. 

Das eigenthumsrecht an briefen : Börsenbl. nr. 174. 

Censurverhältnisse in Petersburg: Börsenbl. nr. 184. 

Zum 16. September: Börsenbl. nr. 198. Es soll da von 
deputirten buchhändlern über die läge des buchhandels berathen 
werden. 

i?aer's antiquariat in Frankfurt a. M. bespricht Reichs Anz. nr. 94 : 
der RAnz. berührt auch sonst jetzt die cataloge der antiquare. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung von B. G. Teubner 
in Leipzig, 1879, nr. 3: Notizen über künftig erscheinende bü- 
cher: die quellen des Flavius Josephus in seiner archäologie 
von H. Bloch. — S. Propertii Elegiarum 1. 1. IV. Recensuit 
Aem. Baehrens. — Epilegomena zu Horaz von O. Keller. — Q. 
Horatius Flaccus , eine literarhistorische Untersuchung von Lu- 
cian Müller. — Bibliotheca scr. Gr. et Rom. Teubneriana : Nonni 
paraphrasis ev. Joannei von G. Scheindler. — Incerti auctoris 
de Constantino M. eiusque matre Helena libellus. Ed. E. Hey- 



128 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

denreieh. — — Nr. 4 : Notizen u. b. w. : Porphyrii Quaestionum 
Homericarum ad Hiadem pertinentium reliquias collegit, dispo- 
suit, edidit H. Sehrader. — Metrik der Griechen und Römer 
von W. Christ. 2. aufläge. — Quaestiones syntacticae de par- 
ticipiorum usu Tacitino, Velleiano, Sallustiano. Ed. F. Helm. — 
Bihliotheca cett: Cleoemedis &smgi'a xvxlixri nttsttomv. Ex rec. 
Herrn. Ziegler. — — Nr. 5: Notizen u. ß. w. : Scriptorum grae- 
corum qui christianam impugnaverunt religionem quae supersunt. 
Collegit, prolegomenis instruxit C. J. Neumann. Fase, tertius: 
Julian! imperatoris contra Christianos quae supersunt. — Kaiser 
Julians hücher gegen die Christen. Nach seiner Wiederherstel- 
lung übersetzt von J. C. Neumann. — Vier gemeinverständliche 
vortrage über Piatons lehre und leben, von M. Wohlrab. — 
Studien zu Sophokles, von O. Hense. — Griechische schulgram- 
matik . . . von Fr. Koch. Siehente aufläge. — Lautsystem der 
griechischen vulgärsprache von K. Foy. — Bihliotheca cett. : 
Hesychii Milesii qui fertur de viris illustrihus librum ad codicum , 
fidem recensuit, emendavit, apparatu critico adjeeto edidit J. 
Flach. — Nicephori patriarchae Constantinopolitani opuscula hi- 
storica ed. C. de Boor. 

Verlags-katalog der Weidmännischen buchhandlung in Berlin. 
Erster nach trag, enthaltend die erscheinungen der jähre 1877 
und 1878. Januar 1879. — Verzeichniß ausgewählter werke 
aus dem verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig. — Empfeh- 
lungswerthe werke aus dem verlag von Veit u. Cie. in Leipzig. 

Ankündigungen: K. von Beaulieu-Marconnay, Karl von Dal- 
berg und seine zeit, Weimar, H. Böhlau; Denkmäler der kunst, 
ergänzungsband zur ersten und zweiten aufläge von W. Lübke 
und C. von Lützow , Stuttgart , Ebner u. Seubert ; Westermann's 
illustrirte deutsche monatshefte herausgegeben von Fr. Spielhagen, 
Braunschweig, "Westermann. 

Cataloge von antiquaren: L. Bamberg in Greifswald, antiqua- 
rischer catalog 31, classische philologie; Köbner in Breslau, phi- 
lologie und pädagogik, nr. 135; Ferdinand Steinkopf in Stutt- 
gart, classische philologie nr. 224, classische alterthumskunde. 
nr. 225. 



Kleine philologische zeitnng. 

Veränderungen in der Verwaltung der nationalen museen 
in Paris giebt Reichs Anz. nr. 55. 

Bonn 28. märz. In der nähe von Oberbreisig ist man auf 
römische mauerwerke gestoßen, worüber nach der Bonner zeitung 
RAnz. nr. 70 berichtet. 

Greifswald 25. märz. G. Schömann f, 86 jähr alt. 

April 1 erschien postblatt nr. 2. 



Nr. 2. Kleine philologische aeitung. 129 

Die ausgrabungen in Olympia: bericht nr. XXXII (s. ob. 
nr. 1, p. 81): Als eine von den hauptaufgaben der ausgrabun- 
gen ist auch in diesem jähre die Vervollständigung der giebel- 
gruppen und metopen des Zeustempels angestrebt worden, und 
zwar zunächst die des ostgiebels. Besaßen wir hier auch 
schon sämmtliche von Pausanias aufgezählte einundzwanzig fi- 
guren , so fehlten uns doch an den dreizehn menschlichen ge- 
stalten außer zahlreichen gliedern nicht weniger als zehn köpfe. 
— Die schwer transportabeln torsen der statuen waren verhält- 
nißmäßig in der nähe der Ostfront ausgegraben worden ; die 
leichter verschleppbaren extremitäten haben wir in weiterem um- 
kreis suchen müssen. Und so ist denn das ganze gebiet im 
osten des tempels zugleich mit den Säulenhallen in angriff ge- 
nommen worden , welche den bezirk des Zeus nach dieser seite 
hin begrenzen. Obgleich nun noch nicht die hälfte dieser arbeit 
gethan ist , so haben wir doch aus dem dichten gewirre später 
raubbauten, welches diese ganze gegend überspinnt, nicht nur 
eine große menge von gliedern und körpertheilen, sondern auch 
bereits sechs köpfe hervorgezogen, von denen zwei den gie- 
belgruppen, drei den metopen des Zeustempels angehören und 
einer, der porträtkopf eines bartlosen mannes, aus römischer 
zeit stammt. — Vor allen wichtig ist der fund des behelmten 
Oinomaoshauptes. Was wir am 6. märz von demselben 
* entdeckten, war freilich nur die vordere hälfte des schräg durch- 
gespaltenen kopfes , doch ließ sich der hinterkopf durch früher 
gefundene helmfragmente zum größten theil ergänzen. Jeden- 
falls ist der eindruck ungetrübter als bei dem arg verstoßenen 
Pelopskopfe ; ja er scheint diesem auch an kunstwerth überlegen. 
Augen und gefurchte stirn sind ausdrucksvoller, der bartum- 
rahmte mund tiefer eingeschnitten und ein wenig geöffnet, mit 
einem ausdruck , der trefflich zu der stolzen haltung paßt , in 
welcher der grimme könig von Pisa mit eingestemmtem arme 
dasteht. Pelops dagegen blickt still und bescheiden vor sich 
hin. — Am 13. märz wurde der köpf jenes knieenden mäd- 
chens vom ostgiebel gefunden, welches Pausanias wunderlicher 
weise für einen der Stallknechte genommen hat. Die Zugehörig- 
keit des kopfes ist durch seine verhältnißmäßige kleinheit gesi- 
chert, trotzdem daß auch hier hals und hinterkopf fehlen. Das 
haupt bildet mit dem körper ein höchst anmuthiges ganzes, in 
dem alles ruhiges, naives zuschauen ist. In gesichtsformen und 
haaranordnung herrscht die größte einfachheit : eine schnür um- 
zieht das haupt, um welche das haar im nacken heraufgenommen 
gewesen zu sein scheint. Nur die stirnlocken unterhalb der 
schnür sind plastisch ausgeführt, die übrigen haarpartien glatt 
gelassen und blos durch bemalung gegliedert gewesen. — In- 
teressant ist die Übereinstimmung dieses kopfes in form und 
haaranordnung mit einem wohlerhaltenen weiblichen met- 



130 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

openkopfe, den wir am 7. märz ausgruben, weil damit 
nach meiner ansieht die identität der entstehungszeit für giebel 
und metopen von neuem dargethan wird. Es ist dies unzwei- 
felhaft der schönste aller bisher gefundenen metopenköpfe. Er 
ist fast völlig rund herausgearbeitet und hing mit dem relief- 
grunde nur noch durch einen kleinen cylindrischen ansatz an 
der linken seite zusammen. Leider läßt sich über seine bedeu- 
tung für jetzt noch nichts sicheres ausmachen. Wahrschein- 
lich gehört er in die metope mit der heraufführung des Ker- 
beros aus der unterweit; denn in keiner der ostmetopen — 
und zu diesen maß er seines fundortes wegen gehören — 
ist sonst für ihn platz. — Die beiden übrigen neuerdings auf- 
gefundenen metopenköpfe stellen den Herakles genau in dem 
typus dar , in welchem er uns aus der Atlasmetope und den 
französischen funden bekannt ist. An einem derselben (5. märz) 
ist auch noch ein stück der brüst und des weit zum schlage 
ausholenden oberarms erhalten. Diese bewegung und die rich- 
tung des profils nach rechts passen gut für die Geryonesmetope, 
von der die Franzosen 1829 bereits den größten theil gefunden 
haben. Von dem zweiten Herakleskopf (7. märz) ist nur 
die vordere hälfte erhalten. — Die große fragmentenlese 
vor der Ostfront ist unter anderem den noch fehlenden Unter- 
körpern des Zeus und des Kladeos zu gute gekommen. Auch 
die Nike des Paionios ist an derselben betheiligt-, namentlich 
können wir jetzt das kühn vortretende linke bein derselben voll- 
ständig ergänzen und konstatiren, daß es nur durch eine diskret 
angebrachte stütze unter der fußsohle mit der basis zusammen- 
hing. Auf diesem reichlich und stetig zufließenden ström von 
fragmenten beruht unsere gegründete hoffnung, Nike sowohl wie 
giebelgruppen einst vollständig wiedergeschenkt zu erhalten. 
- — In topographischer beziehung konzentrirt sich unsere auf- 
merksamkeit auf zwei gebäude , dem Prytaneion und dem 
zunächst vermuthungsweise so bezeichneten Leonidaion (s. o. 
des Zeustempels), über welche mein architektonischer kollege 
nach vollendeter aufdeckung ausführlicher berichten wird. Für 
jetzt handelt es sich darum , an beiden stellen die ältesten grie- 
chischen anlagen aus dem gewirre von späteren um- und über- 
bauten herauszuschälen. Bei den hierbei nöthig gewordenen 
tiefgrabungen haben sich die tieferen schichten des olympischen 
bodens hier wie überall von bronzen ältesten stiles : votivfiguren, 
inschriftplättchen , waffenstücken , gefäßen, gerätbtheilen, gewich- 
ten, münzen etc. ganz durchsetzt gefunden. — Der bedeutendste 
bronzefund wurde am 3. märz an der süd-altismauer gemacht: 
die relieffigur des knieenden Herakles als bogen- 
schütz , wie er der phantasie der ältesten Hellenen stets vor- 
schwebte und uns auch in Olympia nun schon mehrfach begeg- 
net. Die gestalt des beiden ist in einen viereckigen rahmen 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 131 

von 40 zu 30 cm. knapp hineinkomponirt und der reliefgrund 
ausgeschnitten. Welch einem geräth dieses erzrelief nach der 
beliebten sitte ältester hellenischer kunst zum beschlag gedient 
hat, hat sich trotz der umrahmenden tektonischen glieder noch 
nicht errathen lassen. Ganz in der nähe dieses fundes wurde 
ein vortrefflich erhaltener großer bronzeeimer mit äußerst 
praktisch konstruirtem henkel unter einer Wasserleitung hervor- 
gezogen. — Unter den übrigen bronzefimden, welche meist am 
prytaneion gemacht wurden, sind fast alle epochen der griechi- 
schen kunst vertreten : die älteste periode , wie sie für uns am 
charakteristischsten durch jene am athenischen dipylon ausge- 
grabenen vasen mit geometrischem Ornament und rohen mensch- 
lichen figuren repräsentirt wird , durch einen sehr primitiven 
kentaur mit menschlichen Vorderbeinen und eine anscheinend 
ungeflügelte Sphinx; die epoche des korinthischen vasenstils 
etwa durch das überaus feine flachrelieffigürchen eines reiten- 
den k nahen (Zeus - — ost), das untertheil einer rennenden 
Gorgone, einen löwen, zwei greifenköpfe etc. ; der reife archais- 
mus durch eine fein ciselirte nackte Jünglingsgestalt mit 
erhobenen armen und gestreckten mageren formen, welche einem 
pfannenartigen gefäß zum griff diente, und durch das spannen- 
hohe figürchen eines ebenfalls nackten Jünglings von sehr 
untersetzten formen, der in Wiederholung eines beliebten archai- 
schen typus ruhig und starr dasteht , den linken fuß vorgesetzt 
(Leonidaion) ; die vollendete kunstepoche Alexanders und seiner 
nachfolger durch ein kleines , höchst lebendig komponirtes und 
fein durchgeführtes relief mit der srestalt des Theseus, welcher 
den Minotauros von seinem felsensitz herabstürzt ; endlich 
durch einen wundervoll gearbeiteten lebensgroßen nackten 
bronzearm, der uns schmerzlich daran erinnert, wie herrliches 
an bronzewerken in der Altis untergegangen ist. — Auch schöne 
funde an silbernen und goldenen münzen sind gemacht worden. 
Im prytaneion drei alterthümliche didrachmen mit der Schild- 
kröte Aeginas, ein alterthümliches tetradrachmon von Athen und 
sechs didrachmen Philipp II. , des Makedoniers (Zeuskopf und 
reifer). An der byzantinischen ostmauer zwei byzantinische 
goldmünzen und ein 'thönerner henkelkrug ganz voll kleinen 
byzantinischen kupfergeldes. — Die inschriften sind wiederum 
durch mehrere bronzeplättchen der ältesten zeit vertreten , von 
denen eines, vollkommen erhalten, in elischem dialekte geschrie- 
ben ist. Eine siegerinschrift des Zakynthiers Polyxenos, 
welcher im ringkampf der knaben gesiegt hatte , fand sich im 
sw. des Zeustempels verbaut; im osten die ehrenbasis einer 
Klaudia Tyche aus der 247. olympiade (208 n. Chr.), welche 
als priesterin der Demeter, des kaisers, des achäischen bundes 
und als lebenslängliche hestia des Kronion der Arkader be- 
zeichnet wird. Georg Treu. EAnz. nr. 84. — Bericht XXXIII : 



132 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

Olympia, 22. april. Der vergangene monat hat an marmor- 
funden wiederum drei köpfe und drei torsen, dazu eine 
reiche ins chriften ernte zu tage gefördert. — Das hauptin- 
teresse haftet an den zur Vervollständigung der giebelgruppen 
im osten des Zeustempels unternommenen grabungen. Hier ha- 
ben wir den fand des Kladeoskopfes seiner vorzüglichen 
erhaltung wegen besonders zu preisen. Er wurde am 1. april 
aus den späten mauern über dem südende der Echohalle her- 
vorgezogen und fügt sich mit seinem halse dem im ersten aus- 
grabungsjahre gefundenen torso genau an. Jugendlich bartlos, 
mit kurz geschorenem haar , das nur an den rändern plastisch 
markirt ist, bestätigt das haupt die aus körperhaltung und kör- 
performen gewonnene ansieht, daß jener Jüngling, der in der 
rechten giebelecke mit aufgestützten ellenbogen auf dem bauche 
daliegend zur Versammlung olympischer heroen in der mitte des 
ostgiebels hinaufschaut , eben den kleineren , gleichsam jugendli- 
cheren fluß darstellen müsse, während der breit dahinströmende 
Alpheios in einem würdevoll gelagerten älteren manne personifi- 
zirt ist. Der in lebhafter bewegung aufblickende, aber in aus- 
druck und formen noch alterthümlich befangene köpf erscheint 
im verhältniß zu den kraftvoll ausgerundeten schultern und der 
mächtig gewölbten brüst etwas klein. Es giebt uns der fiußgott 
eben selbst den unverfälschten und unverfeinerten typus jener 
griechischen Jünglinge der guten alten zeit wieder, die an seinen 
ufern im berühmtesten gymnasion der weit vor allem die kraft 
und gewandtheit ihrer glieder auszubilden strebten. Auch in 
der derbnatürlichen Stellung desselben regt sich noch keine spur 
von jenem träumerischen naturgefühl , das in den weich hinge- 
lagerten flußgottgestalten einer reicher und feiner empfindenden 
zeit lebt. — Unter den zahlreichen neu aufgefundenen fragmen- 
ten des ostgiebels erwähnen wir bloß eines der größeren, welches 
das ganze linke bein des sinnend dasitzenden kahlköpfigen 
greises umfaßt , um dann weiter auf die überraschende that- 
sache hinzuweisen, daß wir hier an der äußersten ostgrenze der 
Altis beträchtliche theile von westgieb eis tatuen ausge- 
graben haben. Es erklärt sich diese für die weitere forschung 
nach westgiebelresten sehr wichtige thatsache dadurch, daß der 
überaus dichten späteren ansiedelung im osten das material zu 
ihren hüttenbauten ausging, während wir vor der Westfront die 
zerstreuten glieder der giebelgruppe fast sämmtlich unverbaut 
gefunden haben, offenbar weil keine umfassendere niederlassung 
in der nähe war. — So haben wir denn im fernen osten, fast 
170 m weit vom körper, den größten theil der gewaltigen b e i n e 
und die rechte hand der kolossalen mittel figur des west- 
gieb eis aufgefunden. Es ist das eine überaus glückliche er- 
gänzung ; denn erst jetzt vermögen wir den überraschend schlan- 
ken wuchs, den hoheitsvollen stand derselben zu genießen; und 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 133 

an die rechte hand, welche der unterzeichnete in der Berliner 
ausstellung der gypse, wie sich jetzt zeigt, nicht richtig ergänzt 
hat, knüpfen sich wichtige deutungsfragen. Um so mehr ist zu 
bedauern , daß der hand die finger fehlen und sich ihre hand- 
lung daher noch immer nicht mit Sicherheit deuten läßt. Auch 
sonst noch haben sich mehrere glieder von westgiebelliguren hier 
im osten verbaut gefunden (das unterbeut einer der liegenden 
alten, ein stück vom leibe des knabenraubenden kentauren etc.) 
— eine deutliche mahnung , die grabungen nach dieser seite 
hin energisch fortzusetzen. — An metopenstücken wurde 
ein helmstück des Geryones und am nordende der Echohalle 
wiederum ein nach rechts blickender Herakleskopf (8. april), 
der dritte in diesem frühjahr, aufgelesen. — Die übrigen mar- 
morfunde , welche wir heute zu verzeichnen haben, gehören fast 
sämmtlich der römischen zeit an. Zunächst ein vortrefflich er- 
haltener köpf der älteren Faustina, der gemahlin des 
Antoninus Pius, welcher sich mit seinem halszapfen genau in ei- 
nen aus der exedra des Herodes Atticus stammenden weiblichen 
torso einfügen ließ. Ferner eine weibliche gewandfigur 
ohne köpf: nach ihrem fundorte zu schließen, eines der kaiserin- 
nenbildnisse aus dem metroon, und zwei nackte männliche torsen, 
welche in einer aus trümmern erbauten hütte über dem ,, Leoni- 
daion" lagen. Sie scheinen idealisirten porträtstatuen angehört 
zu haben. Endlich darf ich eine ganz kolossale hand aus pari- 
schem marmor, wie es scheint eine arbeit bester griechischer 
zeit, die wir am südende der byzantinischen ostmauer ausgruben, 
nicht unerwähnt lassen , weil sie den beweis führt , daß der 
olympische boden irgendwo noch einen vorzüglich gearbeiteten 
marmorkoloß birgt, den wir noch zu finden haben. — Ungefähr 
in derselben gegend haben wir mit den tieferen erdschichten 
drei sehr werthvolle alterthümliche bronzeinschriften , zum theil 
von bedeutendem umfange, ausgehoben. Aus der byzantinischen 
befestigungsmauer im osten wurde eine längliche große marmor- 
basis für eins der weihgeschenke herausgebrochen, welche Mum- 
mius nach der niederwerfung des achäischen bundes dem olympi- 
schen Zeus aus der kriegsbeute darbrachte. Da sie, nach ihrer 
länglichen form zu urtheilen , keines der beiden von Pausanias 
erwähnten Zeusbilder getragen haben kann, so haben wir hier 
einen beweis dafür, daß Mummius auch noch mit anderen weih- 
geschenken sich bemüht hat, das andenken an die schmähliche 
niederbrennung von Korinth auszulöschen. Merkwürdig ist, daß 
die gleichlautende weihinschrift , welche die basis an beiden 
Schmalseiten trägt, nur das eine mal in dem zu Mummius' zeit 
gebräuchlichen aiphabet geschrieben ist, auf der anderen seite 
aber in einem späteren. Wahrscheinlich ist dies so zu erklären, 
daß die statuen , vielleicht in folge einer Straßen Verlegung , in 
späterer zeit umgestellt und die inschrift dann auf der entgegen- 



134 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

gesetzten seite wiederholt wurde. — Auf eine andere erinnerung 
aus der zeit der Unterjochung Griechenlands durch die Kömer 
sind wir in der südwest-ecke der Altis gestoßen, die jetzt ganz 
von erde befreit daliegt. Zwischen den zahlreichen länglichen 
reiterbasen, die hier in stattlicher reihe noch unverrückt daste- 
hen, fand sich ein quadratischer kalksteinblock, auf dem ein 
macedonischer Eömerfreund aus Thessalonich das bild des Q. 
Cäcilius Metellus, des besiegers von Macedonien, errichtete, 
„um seiner tugend und des Wohlwollens willen , welches dieser 
fort und fort gegen seine Vaterstadt, gegen die übrigen Mace- 
donier und die anderen Hellenen hege", wie es in der inschrift 
heißt. In dieser gegend scheinen überhaupt mehrfach macedo- 
nische erinnerungen niedergelegt worden zu sein. So stießen 
wir hier auf die inschrift eines bisher unbekannten macedoni- 
schen künstlers Herophon und vor allem auf die auch von 
Pausanias (6, 16,5) erwähnte basis des eilboten Alexanders des 
Großen, Philonides, des „ausschreiters von Asien", (ßtjfiart- 
azl^ ir^ 3 ' AalaS). — Auch sonst standen hier noch ein paar 
ehrenbasen mit inschriften: die des Eleers Antigenes, welcher 
mit einem füllengespann siegte, und die des L. Cäcilius ßu- 
fus. . Hierzu kommt im süden des philippeions ein bathron, auf 
dem fünf siege in laubkränzen, verzeichnet waren ; sodann zwei 
ehrenbasen von Strategen des achäischen bundes , die des L. 
Pompeios Krateros im süden des heraions und des T i b. 
Claudius Pelops im osten des Zeustempels. Endlich das 
besonders interessante fragment eines dekrets, das sich auf die 
abhaltung der olympischen spiele zu beziehen scheint, in dem 
auch der den römischen kaisern zu erweisenden ehren erwäh- 
nung gethan wird. (Zeus-ost). — Von bronzefunden ist 
außer der gewöhnlichen täglichen ernte an kleinen geräththeilen, 
münzen etc. nur weniges zu erwähnen : so vor allem ein lebens- 
großer muskulöser bronzearm, der wohl von einer im südw. 
des Zeustempels errichteten siegerstatue herrührt, der rücktheil 
eines panzers und endlich ein gefäßhenkel, der aus einer 
völlig assyrisch stilisirten männlichen flügelfigur gebildet wird, 
bereits das zweite exemplar dieses kunstgeschichtlichen sehr 
merkwürdigen typus, das auf olympischem boden zum Vorschein 
kommt. Georg Treu. EAnz. nr. 109. — Bericht XXXIV: 
Die während der letzten monate ausgeführten grabungen haben 
uns drei bau werke geliefert , welche speziell für die topographie 
Olympia's , aber auch im allgemeinen für die geschichte der 
griechischen baukunst von einschneidender bedeutung sind: im 
nordwesten der Altis wurden umfangreiche reste des alten grie- 
chischen prytaneions aufgedeckt; im Südosten fanden wir den 
unterbau eines großen triumphbogens , des römischen festthores 
zum heiligen bezirke; das bedeutendste und zugleich interessan- 
teste bauwerk aber entdeckten wir im süden der Altis, nämlich 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 135 

das buleuterion (rathhaus) der Eleer. — Die planbildung eines 
antiken rathhauses war bisher völlig unbekannt. Zwei mit runden 
apsiden ausgestattete oblonge gebäude schließen einen quadra- 
tischen mittelbau ein und bilden so eine ganz symmetrische 
gruppe. Vor die drei bauten legt sich im osten eine gemein- 
same Vorhalle, welche den einheitlichen zweck der ganzen anläge 
bezeugt. Daß wir hier in der that das buleuterion gefun- 
den haben, geht aus mehreren stellen des Pausanias mit Sicher- 
heit hervor. Bei der aufzählung der in Olympia aufgestellten 
Standbilder erwähnt er nämlich ,,an dem wege vom buleuterion 
zum großem tempel" mehrere statuen, deren platz wir aus den 
aufgefundenen inschriften kennen. Sie stehen vor der Ostfront 
des Zeustempels , nicht weit von dem rathhause. — Von dem 
quadratischen mittelbau sind nur noch theile der umfassungs- 
wand und im innern das fundament einer säule vorhanden, welche 
die decke des 40 olympische fuß weiten saales stützte. — Bes- 
ser erhalten und bei weitem wichtiger sind die beiden flügel- 
bauten. Der grundriß des nördlicheren bildet ein rechteck 
(13,50 m X 24 m), an das sich im westen eine halbkreisförmige 
apsis von ebenfalls 13,50 m durchmesser anschließt. Die um- 
fassungswände sind massive quaderrnauern , nur an der Ostfront 
bildeten drei dorische säulen zwischen zwei eckkanten vier breite 
eingänge. Auf den säulen und der umfassungswand lag ein al- 
terthümliches dorisches gebälk , dessen regulae nur fünf, dessen 
viae gar keine tropfen haben. Triglyphen, geisa und antenka- 
pitell zeigen noch intensive rothe und blaue farbenspuren, reste 
der früheren bemalung. — Im innern ist durch eine querwand 
die apsis von dem oblongen hauptsaale abgetrennt und eine 
zweite wand scheint die apsis in zwei quadranten getheilt zu 
haben. Der große saal , genau doppelt so lang als breit, wird 
durch eine mittlere Stützenstellung in zwei schiffe eingetheilt. 
Die apsis kommt also als architektonisches innenmotiv nicht zur 
geltung, sondern wirkt architektonisch nur im äußern. — Genau 
dieselbe grundrißbildung , auch fast dieselben dimensionen zeigt 
das südliche gebäude , nur darin unterscheidet es sich von dem 
nördlichen, daß der hauptsaal kein genaues rechteck ist, sondern 
daß seine breite von 11,02 m im osten in der mitte auf 11,07 m 
steigt und im westen auf 10,42 m herabsinkt. Die ausgleichung 
der verschiedenen breiten findet in kontinuirlicher kurve statt, 
so daß ein allmählicher Übergang zu der ellipsenförmigen apsis 
vorhanden ist. — Auf diese weise hat das ganze gebäude die 
gestalt einer ellipse erhalten , von deren großer axe durch die 
Ostfront etwa ein viertel abgeschnitten wird ; durch den west- 
lichen brennpunkt dieser ellipse geht die wand, welche die apsis 
vom hauptraume scheidet. — Den einwand , daß sich die kur- 
ven etwa im laufe der zeit aus ursprünglich graden linien von 
selbst gebildet haben könnten, widerlegt aufs schlagendste einer- 



136 Kleine philologische zeitung. Nr: 2\ 

seits die große differenz der maße bei einer im übrigen sehr 
sorgfältigen ausführung des gebäudes und andererseits die rich- 
tung der Stoßfugen und die form der quadern. — Ein zweites 
beispiel für eine solche Verwendung der elliptischen grundriß- 
form kennt weder die baugeschichte Griechenlands noch die aller 
übrigen länder. — Auch für die vielbestrittene thatsache der 
vertikalen krümmung aller horizontalen bei manchen griechischen 
bauwerken hat das buleuterion neues beweismaterial geliefert, 
da genaue höhenmessungen gezeigt haben, daß sich sowohl die 
stufen als auch die lagerfugen der umfassungswände nach den 
ecken des gebäudes senken. — Ueber die zeit der erbauung 
geben uns nicht nur die kunstformen der säulen, anten und ge- 
bälke, sondern auch mehrere aufgefundene steinmetzzeichen vol- 
len aufschluß: die beiden flügelbauten gehören wahrscheinlich 
der ersten hälfte des fünften Jahrhunderts v. Chr. an, derselben 
periode, welcher wir den Zeustempel verdanken. Der mittelbau 
sowie die ionische vorhalle scheinen erst später erbaut worden 
zu sein. — Wie groß die bedeutung der plandisposition des 
buleuterions — zweischiffiger hauptraum mit runder apsis — - 
für die gesammte architekturgeschichte ist, liegt auf der hand: 
das grundschema so vieler römischer gebäude, der urtypus der 
altchristlichen kirchengebäude tritt hier zum ersten male auf. 
Dieser typische grundriß ist also keine erfindung der Römer, son- 
dern war schon zur zeit der Perserkriege in Griechenland oder 
bald darauf üblich. — Das olympische buleuterion wurde in 
römischer zeit umfassenden umbauten unterzogen; die ionische 
halle wurde abgebrochen und an ihrer stelle ein großer säulen- 
hof errichtet, welcher die ganze 40 m lange front der gruppirten 
bauanlage einnahm. Im innern des hofes fanden wir einen 
runden altar aus porös und zwei antike brunnen. — In byzan- 
tinischer zeit wurden die prächtigen gebäude des buleuterions 
abgebrochen und alle säulen, quadern, architrave, triglyphen und 
geisa zum bau einer festungsmauer verwendet. Nur diesem um- 
stände verdanken wir die glückliche erhaltung so vieler wich- 
tiger baustücke mit ihrem interessanten farbenschmucke. — Die 
nordmauer des hofes vor dem buleuterion bildet gleichzeitig die 
südliche grenzmauer der Altis. Als wir bei den grabungen 
diese mauer nach osten verfolgten, stießen wir auf einen großen 
unterbau aus marmor und kalkstein ; wir erkannten darin die 
reste eines triumphbogens mit drei thoren , welcher in spätrömi- 
scher zeit als festeingangsthor erbaut worden ist. Hier betraten 
die festzüge den heiligen bezirk. Geradeaus führte der weg an 
der Ostfront des Zeustempels vorüber zum großen altare ; an der 
rechten seite dieses weges stand die 99m lange Echohalle, an 
deren stufen wir schon 23 basen für weihgeschenke oder Stand- 
bilder ausgegraben haben. Ebenso reich mit statuen-basen ist 
ein zweiter weg besetzt, welcher von dem festthore an der süd- 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 137 

front des Zeustempels vorüber zum westlichen eingange des hei- 
ligen bezirkes führte ; auch diese straße haben wir jetzt voll- 
ständig freigelegt. — In der nordwestecke der Altis , in der 
nähe des Heraion und Philippeion , hatten wir schon im no- 
vember ein gebäude aufgedeckt, welches nach der beschreibung 
des Pausanias das prytaneion der Eleer war. Allerdings ergab 
eine genaue Untersuchung, daß sämmtliche mauern und mosaik- 
fuß böden erst aus römischer zeit stammen , daß also das grie- 
chische prytaneion einem totalen umbau unterzogen worden ist. 
Um festzustellen , ob noch reste des älteren griechischen baues 
vorhanden wären, durchbrachen wir an mehreren stellen den rö- 
mischen fußboden und durchsuchten die unter demselben befind- 
lichen erdschichten. Das resultat dieser grabungen war über 
erwarten günstig, nicht nur eine große menge altdorischer kapi- 
telle wurde aufgefunden , sondern auch zahlreiche gut erhaltene 
mauerzüge aus sauber bearbeiteten porosquadern sind freigelegt 
worden , welche in ihrer gesammtheit uns jetzt noch ein deut- 
liches bild des griechischen prytaneions liefern. Um einen in- 
neren hof liegen mehrere gemacher, von denen eines (20 m X 5 m) 
noch ziemlich gut erhalten ist. Eine Säulenstellung öffnete die- 
sen saal nach dem hofe und gestattete so einen ausblick auf 
den wahrscheinlich in der mitte des hofes befindlichen aschen- 
altar der Hestia. Von diesem altare selbst ist zwar nichts mehr 
gefunden worden, aber die fundamente der kapeile, welche nach 
Pausanias' beschreibung den altar umgab, sind noch erhalten. — 
Ob das aufgefundene gemach der Speisesaal war, in welchem 
nach altem brauche die olympischen sieger nach den festspielen 
bewirthet wurden, ist noch nicht entschieden, da die grabungen 
am prytaneion noch nicht beendet sind. Wilhelm Dörpfeld. 
RAnzeig. nr. 141. — Bericht XXXV: Der verspätete eintritt 
der Sommerhitze hat es in diesem jähre ausnahmsweise gestattet, 
die ausgrabungen bis zum 12. juni fortzusetzen. An diesem 
tage sind die museen in der üblichen weise für die Sommer- 
pause geschlossen worden, und das gesammte expeditionspersonal 
hat Olympia verlassen. — Ueber die architektonischen und to- 
pographischen resultate der letzten woche, unter denen das lang 
gesuchte Pelopion die erste stelle einnimmt, und über die an 
werth und umfang gaiiz besonders reiche inschriftenernte , die 
wir in dieser zeit gemacht haben, wird noch besonders berichtet 
werden; ich wende mich daher zunächst zu den plastischen 
funden. — Es ist noch immer das große gebiet der osthallen, 
welches uns die zahlreichsten ergänzungen der giebelfiguren ge- 
liefert hat, aus welchem, um nur eines hervorzuheben, der 
Kl ade os neuerdings wieder so glücklichen Zuwachs erhalten 
hat, daß die lang hingestreckte gestalt des flußgottes jetzt bis 
auf die Unterarme ganz vollständig vor uns liegt. Aber auch 
im westen hat sich uns endlich nach langem suchen eine neue 

Piniol. Anz. X. 10 



138 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

fundgrube für giebeltheile und metopen der Westseite aufgethan. 
Ein vom Zeustempel nach nordwest gezogener graben ist näm- 
lich im norden der byzantinischen kirche auf mehrere späte 
hütten der bekannten art gestoßen, in deren mauerfüllsel sich 
auch statuenfragmente vorfanden. Aus diesen konnte z. b. die 
bekannte gruppe des Lapithen , welcher einen Kentauren würgt, 
in erfreulichster weise vervollständigt werden. Hier ist ferner 
der freilich entsetzlich verstümmelte köpf jener knieenden 
Lapithin entdeckt worden, welche ein niedergestürzter Kentaur 
mit seinem hinterbein umklammert hat. Man sieht jetzt, wie sie 
ihr haupt angstvoll neigt und es mit den armen vor ihrem zu- 
dringlichen gegner zu schützen sucht. Für einen köpf, der die- 
ser figur bisher ziemlich allgemein zugeschrieben wurde, wird 
jetzt eine andere Verwendung gesucht werden müssen. Hier 
endlich wurde der metopenkopf der amazonenkönigin 
Hippolyte gefunden, die Herakles ihres aresgürtels beraubt. 
Die metope scheint den Vorgang so gegeben zu haben, daß He- 
rakles seine gegnerin an den haaren gepackt hat, wie der nach 
links gerissene haarschopf an der rechten seite des kopfes be- 
weist. Nur an diesem motiv war der amazonenkopf als solcher 
kenntlich ; sonst verräth weder eine kopfbedeckung , noch der 
Charakter der gesichtazüge etwas amazonenhaftes ; selbst der 
schmerz der besiegten spricht sich kaum merklich in den em- 
porgezogenen augenlidern aus. — Daß die tempelskulpturen 
einst in lebhaftem farbenschmuck strahlten, hat man bisher immer 
nur aus der art schließen können, wie gewisse theile der figuren, 
namentlich haar und bart, ohne detaillirung durch die färbe un- 
fertig erscheinen. Erst neuerdings ist es uns gelungen, auf den 
nordstufen des Zeustempels unter einer gestürzten säulentrommel 
ein großes faltenstück aufzufinden , dessen ganze Vorderseite mit 
einem lebhaften, vortrefflich konservirten dunkeln roth bedeckt war. 
Weitere nachforschungen ergaben dann auch, wie es zugegangen 
ist, daß einzig an diesem stücke die färbe sich erhalten hat. 
Es gehört nämlich unzweifelhaft zu der chlamys, welche der 
mittelfigur des westgiebels am rücken herabhängt , und zwar zu 
dem theile derselben, der von oben durch den ausgestreckten 
rechten arm der figur, von vorn durch den vortretenden rechten 
Schenkel derselben vollkommen vor den einflüssen der Witte- 
rung geschützt war. Der rothe mantel dieser kolossalgestalt 
wird mithin für alle Zukunft eine gesicherte thatsache auf dem 
gebiete antiker polychromie bleiben. — An marmorfunden haben 
wir sonst nur noch einige römische porträtköpfe aufzu- 
führen, einen leidlich gut erhaltenen und vier meist stark ver- 
stümmelte. Leider gehört zu den letzteren auch ein vortrefflich 
gearbeitetes bildniß des kaisers Traj an. — Die in diesem Zeit- 
raum ausgegrabenen bronzen führen uns wie gewöhnlich auf 
olympischem boden bis in die ältesten zeiten griechischer kunst 






Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 139 

zurück; insbesondere die votivfigürchen von menschen und thie- 
ren , deren hohes alter wir am metroon und pelopion an der 
gleichsam geologischen Schichtung der fände bequem ablesen 
konnten. — In einer wohl von altarasche herrührenden kohl- 
schwarzen humusschicht, die sich 50 — 70 cm tief unter den fun- 
damenten des metroons hinzieht, haben wir wiederum nicht nur 
hunderte jener primitiven thierfiguren aufgelesen, sondern dies- 
mal auch Statuetten von wagenlenkern und reitern 
aufgefunden , die von der gottheit wohl den sieg in den wett- 
kämpfen erflehen sollten. Sie tragen meist breitrandige hüte 
als schütz gegen die heiße olympische sonne. Später, jedenfalls 
aber noch lange vor dem fünften Jahrhundert, scheint für die 
wagenlenker eine hohe mutze mit zurückgebogener spitze üblich 
geworden zu sein. Sonst sind diese figuren nur mit einem gür- 
tel bekleidet. ■ Ist es in den ältesten, roh aus thon zusammen- 
gekneteten figuren oft schwer möglich, überhaupt nur eine mensch- 
liche gestalt herauszuerkennen, so regt sich in den späteren be- 
reits das bestreben verfeinerter naturbeobachtung: man sieht, 
wie der reiter sein pferd mit den schenkein fest umklammert 
hält und wie der wagenlenker mit etwas gekrümmten knieen 
einen festen stand auf dem schütternden wagen sucht. Die 
enden der zügel hat er um den rand des wagenstuhles geschlun- 
gen, in dessen konstruktion sich deutlich die immer zunehmende 
tendenz zu einem leichten und eleganten aufbau verfolgen läßt. 
— Werthvoller als diese unscheinbaren rohen figürchen sind zwei 
götterstatuetten, von denen eine den Apollon, die andere den 
Zeus darstellt. Die erste namentlich ist eine perle feiner ar- 
chaischer kunst. Sie giebt den gott in jener hundertfach wie- 
derholten Stellung, den linken fuß vorgesetzt und die arme eng 
an die seiten geschlossen. Die attribute, welche die hände hiel- 
ten, sind leider verloren gegangen, doch ist Apollon auch so 
noch kenntlich genug an dem bartlos jugendlichen gesicht und 
dem lang herabwallenden haar, das von einem korbartigen kopf- 
putz umgeben ist. Die Zeusstatuette stellt den göttervater in 
voller nacktheit weit ausschreitend dar, in der gehobenen rechten 
den blitz schwingend und auf der ausgestreckten linken den 
adler tragend. Dieser typus muß, nach zahlreichen münzbildern 
zu schließen, in der kraftvollen heftigkeit seiner aktion dem ge- 
schmack der ältesten griechischen kunst besonders entsprochen 
haben. Später freilich wurde er fast gänzlich von dem ruhiger 
aufgefaßten bilde verdrängt, das den gott in stiller hoheit thro- 
nen oder stehen ließ. Daher mag es kommen , daß fast gar 
keine statuarischen Wiederholungen dieses typus auf uns gekom- 
men sind. Um so höher haben wir unsere Statuette zu schätzen, 
wenn sie jenen typus uns auch in einer, wie es scheint, späteren 
Umbildung wiedergiebt. — Andere bronzefunde geben uns von 
dem großen reichthum an gefäßen und prachtgeräthen künde, 

10* 



140 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

mit denen die heiligthümer der Altis geschmückt waren. So 
fanden wir in einem gemach des ältesten prytaneions mehrere 
dreifüße und kessel zusammen mit geräththeilen , wie eini- 
gen henkeln, ornamentstreifen, einem greifenkopf u. dergl. mehr, 
alles dicht über einander gehäuft. Leider ist es hier wie so 
oft der fall, daß die dünnen wände der bronzegefäße von oxyd 
so zerfressen oder doch vom erddruck in den formen so völlig 
zerstört sind , daß uns nur die widerstandsfähigeren gegossenen 
theile , wie henkel , relieffiguren und Statuetten , übrig geblieben 
sind, deren ursprüngliche stelle im Zusammenhang des ornamen- 
talen ganzen sich dann aber leider nicht immer erkennen läßt. 
So haben wir denn auch diesmal in verschiedenen theilen der 
Altis solche figürliche Ornamente meist prophylaktischen sinnes 
aufgefunden, die ich hier in annähernd historischer reihenfolge 
aufzähle: eine geflügelte henkelfigur, noch halb assyri- 
schen stiles, ein in ähnlicher weise verwandtes geflügeltes grei- 
fenvordertheil, das gleichsam den Übergang bildet zu den 
später so beliebt gewordenen greifenköpfen, von denen wir 
auch diesmal ein paar zierliche exemplare ausgegraben haben. 
Es folgt die relieffigur einer rennenden , geflügelten G o r g o n e, 
ein hockender löwe, in dessen strenger stilisirung die formen 
der orientalischen kunst noch nachklingen , vor allem aber eine 
schreitende Sphinx in feinem alterthümlichem stile, die mit ei- 
nem doppelgesicht nach zwei seiten blickt, wohl nur weil das 
figürchen als Ornament für eine doppelansicht berechnet war. 
Georg Treu. R Anzeig. nr. 166. 

RAnz. nr. 85. 120 berührt M. Jahns werk „Atlas zur ge- 
schiente des kriegswesens von der urzeit bis zum ende des 16. 
Jahrhunderts". 

Köln, 4. april. Römischer Sarkophag gefunden : darauf auch 
eine sehr verwitterte inschrift. RAnz. nr. 85. 

RAnz. nr. 90 berichtet über das osterprogramm des Frie- 
drich-Wilhelmsgymnasium in Köln, welches mittheilungen über 
die Universität Köln enthält. 

RAnz. nr. 91 verzeichnet den inhalt des osterprogramms 
des domgymnasium zu Naumburg. 

Das Statut der Kaiser-Wilhelm-spende enthält RAnz. nr. 92 
beil. 1. 

London, 30. april. H. Rassam hat in Ninive eine auf ei- 
nen krieg des königs Sennacherib bezügliche inschrift entdeckt, 
in der auch ein krieg mit den Juden vorkommt. RAnz. nr. 104. 

Geschenke an die königliche bibliothek in Berlin verzeich- 
net RAnz. nr. 111 beil. 1. 

Nach berichten aus Hissarlik setzt dr. Schliemann seine nach- 
grabungen in den sogenannten gräbern des Achilles u. s. w. 
eifrig fort. RAnz. nr. 113. 



Nr, 2. Kleine philologische zeitung. 141 

Ueber die ergänzung des generalstabswerks über die kriege 
1866 und 1870 durch die biographie der führer berichtet 
EAnz. nr. 115. 

Die städtische archäologische cornmission in Rom will nach- 
grabungen bei dem Forum Romanum vornehmen, wie nach den 
Hamb. Nachr. RAnz. nr. 119 berichtet. 

Der general - gouverneur von Turkestan hat ausgrabungen 
an archäologisch wichtigen punkten seines gouvernements ver- 
boten : nur mit seiner erlaubniß dürfen sie veranstaltet werden. 
RAnz. nr. 122. 

Messina, 29. mai. Ausbruch des Aetna: näheres im RAnz. 
nr. 128. 

St. Petersburg, 21. juni. Der fünfte archäologische 
congreß soll im September 1881 iu Tiflis abgehalten und dabei 
die alten denkmäler besonders beachtet werden. RAnz. nr. 144. 

Kurze anzeige von der deutschen Übersetzung von Cesnolas' 
werk über Cypern von L. Stern im RAnz. nr. 152. 

Rom, 22. juni. Der pabst hat dr. Hergenröther zum leiter 
der vaticanischen archive ernannt. RAnz. nr. 156. 

Postblatt nr. 3 erschien am 1. juli. 

Deuts, 9. juli. Das kriegsministerium hat geldmittel zur 
Verfügung gestellt, um die Überreste römischen mauerwerks 
bei Deutz von schutt zu befreien. RAnz. nr. 161. — Es ist 
das bei der Sparsamkeit des herrn cultusministers eine sehr er- 
freuliche Wahrnehmung. 

München. Das Stiftungsfest des deutschen ar- 
chäologischen instituts zu Rom. — Am 21. april, dem 
mythischen, noch alljährlich gefeierten gründungstage Rom's, be- 
ging das deutsche archäologische institut auf dem Capitol die 
feier seines fünfzigjährigen bestehens. Die warme theilnahme 
und anerkennung , welche demselben nicht allein aus dem deut- 
schen vaterlande und der römischen heimat, sondern von allen 
gebildeten nationen entgegengebracht wurde , gestaltete diesen 
tag zu einem wirklichen Jubelfeste. — Schon am frühen morgen 
entfalteten sich auf dem stattlichen, erst seit l*/2 jähren bezo- 
genen institutsgebäude die deutsche und italienische flagge. 
Vestibül und treppenhaus waren mit prächtigen südlichen ge- 
wachsen geziert , und der hohe , geräumige bibliotheksaal , in 
welchem die festsitzung stattfinden sollte, prangte im grünen 
schmucke von lorbeerguirlanden. — Zu besonderer zier gereich- 
ten demselben jedoch die beiden auf hohen piedestalen sich er- 
hebenden marmorbüsten des königs Friedrich Wilhelm IV und 
unsers kaisers, beide werke des deutschen bildhauers Otto in 
Rom. Dieselben wurden vor der großen festsitzung im engern 
deutschen kreise dem institute feierlich übergeben. Die Über- 
gabe der ersteren, eines geschenkes sr. majestät des kaisers, 
vollzog im auftrage desselben der deutsche botschafter , baron 



142 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

von Keudell, die der anderen, welche dem institute von mit- 
gliedern und freunden zum geschenk gemacht wurde, prof. 
Bücheier, zeitiger rector der Universität Bonn. Prof. H e n z e n, 
der erete secretär des instituts, sprach für beide gaben auf das 
wärmste seinen dank aus. — Gegen zwei uhr begannen die 
festgäste zu erscheinen. Auf einer estrade am einen ende des 
saales nahmen die beiden secretäre Henzen und Heibig so- 
wie die anwesenden mitglieder und ehrenmitglieder der central- 
direction platz, ihnen gegenüber der erbgroßherzog von Sachsen- 
Weimar , der königl. italienische unterrichtsminister Coppino, 
die botschafter und gesandten der mächte , der bürgermeister 
von Rom, die Vertreter wissenschaftlicher körperschaften aus Ita- 
lien, Deutschland, Oesterreich, Frankreich und Schweden und die 
jüngeren mitglieder des instituts. Auch der übrige räum war 
bis zum letzten platze von andern in Rom anwesenden Deutschen 
und Italienern angefüllt. Der erste secretär eröffnete die fest- 
sitzung mit einer längeren italienischen rede, welche die innere 
geschichte des institutes zum gegenstände hatte, während er hin- 
sichtlich der äußeren auf die im auftrage der centraldirection 
von prof. Michaelis verfaßte festschrift verweisen konnte. Das 
institut sei von Gerhard im verein mit gebildeten, zu Rom 
verweilenden Engländern und Franzosen und hervorragenden 
italienischen gelehrten zunächst als ein institut für archäologische 
correspondenz gegründet. Der zweck desselben war, Deutsch- 
land die damals so reichlichen italienischen entdeckungen, Ita- 
lien die Studien der nordischen länder durch seine Sitzungen 
und publicationen zugänglich zu machen. So seien als perio- 
dische Zeitschriften das Bollettino , die Annali und Monumenti er- 
schienen , nach deren Vorbild später die Revue archiologique, das 
neapler Bollettino und die Archäologische zeitung gegründet seien. 
Ebenso habe sich gleich im anfange das bedürfniß kund gegeben, 
systematisch geordnete reihen von monumentenclassen zu veröf- 
fentlichen , ein gebiet, wo auch Gerhard , zunächst unabhängig 
vom institut, mit seinen publicationen etruskischer Spiegel und 
gefäße vorangegangen sei. Im auftrage des institutes habe dann 
Brunn eine publication der etruskischen aschenkisten dem ab- 
schluß nahe gebracht ; Otto Jahn's plan , ein Corpus der rö- 
mischen Sarkophage herzustellen , gehe durch die Zeichnungen 
des maiers Eichler seiner Verwirklichung entgegen; Kekule" ver- 
anstalte in gemeinschaft mit dem maier Otto eine allgemeine 
Sammlung antiker terracotten ; Klügmann setze Gerhard's werk 
über die Spiegel fort, während Benndorf den auftrag übernommen 
habe, einen archäologischen apparat von scheden in der art der 
für das Corpus Inscriptionum Latinarum dienenden vorzubereiten; 
das erste ziel dieses umfassenden Unternehmens sei, auch die er- 
haltenen antiken statuen in einem Corpus zu vereinigen. Die 
gründung des Schwesterinstituts zu Athen habe außer der zeit- 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 143 

schrift „Mitteilungen", unter mitwirkung des großen general- 
stabes ein kartenwerk für Attika in's leben gerufen ; die katalogar- 
beiten von Dütschke, Matz und von Duhn, sowie die wich- 
tigen Studien Mau's über pompejanische maiereien endlich würden, 
ohne eigentliche institutspublicationen zu sein , doch sämmtlich 
vom institute unterstützt. Der plan zu solchen Unternehmungen 
hatte aber nicht gefaßt werden können, wenn das institut nicht 
seit so langer zeit in dem hehren Rom seinen festen sitz gehabt 
hätte, wenn es nicht von den gelehrten aller nationen, besonders 
aber von den Italienern stets auf das eifrigste unterstützt worden 
wäre ; ia diesem sinne sei das institut seit seinem ersten anfange 
immer international geblieben. Die erhabenen fürsten , deren 
büsten das institut mit jubel begrüße , hätten der eine als pro- 
tektor, der andre dadurch, daß er es zur preußischen und dann 
zur deutschen reichseinrichtung machte , nur die materielle exi- 
ßtenz des Institutes sichern, nicht aber ihm seinen ursprünglichen 
internationalen charakter nehmen wollen; sie hätten daher dem 
institute Statuten gegeben , welche demselben alle rechte einer 
autonomen körperschaft gewährten. — So 8eien endlich die 
zwecke des institutes , als einer rein wissenschaftlichen anstalt, 
auch durch geschenke und Vermächtnisse von Privatleuten ge- 
fördert. Der Deutsche Parthey habe demselben seine biblio- 
thek, der Russe Ivanoff sein ganzes vermögen vermacht; der 
heutige tag bringe als geschenk des Deutsch -Römers baron von 
P 1 a t n e r eine bibliothek italienischer städtegeschichten : alle diese 
gaben bewiesen, wie die Wissenschaft und ihre anhänger keinen 
unterschied der nationalität und der religion kannten. Und daß 
dieser erhabene charakter der internationalität wie heute, so auch 
in zukunft der rühm des instituts bleiben würde , dazu diene 
ihm zum beweise die reiche theilnahme, welche alle länder bei 
dieser festlichen gelegenheit dem institute erwiesen. Nach der 
begrüßung der festgäste schloß redner damit, daß die central- 
direction zum feierlichen ausdruck der einheit der archäologischen 
interessen und des internationalen Charakters des institutes den 
italienischen gelehrten deRossi ersucht habe, die festpublication 
zu schreiben. Dadurch aber daß dieselbe eine reihe römischer 
Stadtpläne zum gegenständ habe , werde bezeugt , daß, wie die 
gründer des institutes einst den geburtstag Rom's zur einweihung 
ihres werkes wählten , so Rom in zukunft der mittelpunkt der 
archäologischen Wissenschaft bleiben müsse. Die festpublication 
sei daher den Römern selbst gewidmet. — Nach Verlesung eines 
glückwunschtelegramms sr. kaiserlichen hoheit des deutschen 
kronprinzen, welcher außerdem, wie auch ihre königliche 
hoheit die frau großherzog in von Baden, das institut durch 
ein glückwunschschreiben geehrt hatte, erhob sich der unterrichts- 
minister Coppino. Er sprach dem institute den dank Italiens 
und seiner regierung insbesondere aus : es habe größeres geleistet 



144 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

als die zu bescheidenen worte des Vorredners errathen ließen. 
Als einen thatsächlichen beweis des interesses, welches seine re- 
gierung an dem feste nehme, übergebe er die kürzlich veran- 
staltete ausgäbe des Bufalini'schen planes von Rom aus dem 
jähre 1551. Hierauf ergriff Krüger, hanseatischer ministerre- 
sident und mitglied der centraldirection des instituts, das wort. 
Er sagte dem minister, der italienischen regierung und den 
wissenschaftlichen und künstlerischen körperschaften des landes 
für ihre stete theilnahme den dank des instituts und betonte, 
daß die festfeier keine Selbstverherrlichung sein solle, sondern 
sie sei ein akt der pietät gegen die begründer des instituts, wie 
der dankbarkeit gegen alle, welche durch ihre arbeit oder theil- 
nahme zur blüthe dieser internationalen anstalt beigetragen hät- 
ten. Nachdem dr. Richard Schoene, vortragender rath im 
preußischen Unterrichtsministerium und mitglied der centraldi- 
rection die glückwünsche des ministers Falk und diejenigen des 
athenischen institutes dargebracht hatte, begann die reihe der 
auswärtigen gratulationen. Der greise conte Mamiani, Senator 
des königreichs Italien und präsident der philosophisch-histori- 
schen section der Accademia de 1 Lincei sprach in hochberedten, von 
lebhaften gesten begleiteten worten den glückwunsch dieser aca- 
demie aus und hieß die abgesandten aller übrigen wissenschaftlichen 
körperschaften in Rom willkommen. Der cavaliere Lanciani 
übergab als geschenk der Comissione archeologica comunale zu 
Rom eine votivtafel mit Lorbeerkranz. Prof. Holm überreichte 
eine festschrift seiner Universität Palermo. Viele andere muni- 
cipien und wissenschaftliche anstalten Italiens waren außerdem 
durch abgesandte und adressen vertreten. Dann beglückwünschte 
der griechische geschäftsträger Papparigopulos das institut in 
griechischer spräche, während der russische gesandschaftssecretär 
Schewitsch eine adresse der akademie von St. Petersburg über- 
reichte. Darauf sprach Geffroy, mitglied des institutes von 
Frankreich und director der französischen schule zu Rom, zu- 
nächst als Vertreter dieser anstalt, zugleich aber auch als re- 
präsentant Frankreichs. In geistreichem vortrage gedachte er 
aiisführlich der gönner und mitarbeiter, welche das institut unter 
seinen französischen landsleuten gefunden habe. Er schloß mit 
dem danke, welchen andrerseits die französischen schulen zu 
Athen und Rom dem institute schuldeten. Es folgte Montelius, 
conservator des museums von Stockholm; in schlichten, aber um 
so herzlicheren worten brachte er den glückwunsch der skandi- 
navischen länder. In gleich sympathischer weise gratulirte im 
namen Oestreichs Eitelberger von Edelberg professor an der 
Universität zu Wien und director des museums für kunst und In- 
dustrie daselbst ; er überreichte die adressen der Universitäten 
Wien, Graz, Innsbruck, Prag und Czernowitz. Allen diesen 
außerdeutschen festgesandten dankte als mitglied der central- 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 145 

direction prof. Brunn aus München, früher lange Sekretär de3 
institutes. Er sei zwar beauftragt, im namen der centraldirec- 
tion zu danken, dies hindere jedoch nicht, daß er aus dem her- 
zen des alten secretärs des institutes spräche, welcher die zeiten 
in lebhaftester erinneruug halte, wo es sich darum gehandelt 
habe, die wissenschaftliche thätigkeit des instituts neu zu beleben 
und zu erweitern. Niemand habe sich daher mehr als er durch 
eigne erfahrung überzeugen können, wieviel das institut der all- 
seitigen mitarbeit der wissenschaftlichen weit verdanke , wieviel 
insonderheit, um es mit einem worte zu sagen, der brüderli- 
chen Unterstützung der italienischen freunde. Er könne deshalb 
nur mit den lebhaftesten gefühlen der dankbarkeit in die Vergan- 
genheit zurückdenken und nehme die heute dargebrachten hul- 
digungen als gutes Vorzeichen , daß die alten beziehungen der 
freundschaft auch erhalten blieben in zukunft. Stürmischer, sich 
immer und immer erneuernder beifall lohnte diese von herzen 
gesprochenen und zu herzen gehenden worte; es war der höhe- 
punkt des festes. — Jetzt begannen die deutschen gratulationen, an 
deren spitze professor Jordan aus Königsberg die glückwünsche 
aller deutschen Universitäten im allgemeinen, wie der preußischen 
im besonderen darbrachte. Er hob hervor , wie das institut ei- 
nerseits das Studium vieler deutscher Jünglinge zum abschluß 
bringe, andererseits aber auch durch seine publicationen der 
Wissenschaft selber stets neue impulse gebe. Da nun das in- 
stitut von anfäng an besonders von der römischen municipal- 
behörde und der italienischen regierung stets so wohlwollend 
unterstützt sei, so fühlten die deutschen professoren sich ver- 
pflichtet , den dank , welchen sie dem institute schuldeten , auch 
auf diese auszudehnen. Darauf übergab prof. Jordan selbst die 
adresse der Universität Berlin und die festschrift der Königs- 
berger, prof. Buecheler aus Bonn mit prof. Schaefer die 
festschrift dieser Universität, prof. G-aedechens die festschrift 
von Jena und prof. Brunn diejenige der Münchener akademie. 
Prof. Volkmann p. t. rector von Halle überreichte die fest- 
schrift dieser Universität, prof. Studemund die adresse von 
Straßburg, prof. Kronecker mit prof. Au wer s diejenige der 
Berliner akademie, prof. Halm, director der Staatsbibliothek zu 
München, die adressen von München und Tübingen. Prof. 
B r u h n s brachte die adresse der Sächsischen gesellschaft der 
Wissenschaften und Richard Schoene endlich die des Berliner 
architekten Vereins und der archäologischen gesellschaft daselbst. 
Alle sprachen herzliche wünsche für das gedeihen des institutes 
aus, prof. Halm feierte es als eine altera arx Capitolina der 
Wissenschaft. Jetzt übergab dr. Kluegmann noch eine festschrift 
im eignen namen, dr. Mau eine solche im namen der im hundert- 
Bten semester dem institute angehörenden jüngeren gelehrten, 
der juvenes Capitolini, und maier Eich ler zwei prächtige feder- 



146 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

Zeichnungen von seiner hand, worauf der zweite secretär Heibig 
allen deutschen landsleuten den dank des instituts aussprach. 
Endlich erhob sich Emmanuele Ruspoli, bürgermeister der Stadt 
Eom. In kräftiger, feuriger rede hieß er die gaste des instituts 
auf classischem boden willkommen und wünschte, als repräsentant 
seiner mitbürger, dem institute, ein bestehen so ewig wie die 
ewige stadt. Alle anwesenden schlössen sich diesem wünsche 
mit stürmischem beifall an : mit einem danke an den Vorredner 
und mittheilung einiger weiterer glückwunschtelegramme schloß 
der erste secretär die sitzung. Man schied mit einem gefühle 
des stolzes auf ein friedenswerk , wie es nur durch das gemein- 
same wirken von nationen geschaffen worden ist, und wofür sich 
daher alle gegenseitig zu dank verpflichtet waren. Jeder 
Deutsche durfte sich aber außerdem sagen, daß die deutsche 
Wissenschaft wie bei der gründung, so im laufe der jähre immer 
die seele des Unternehmens gewesen sei. — Der abend verei- 
nigte, auf die einladung der centraldirection hin, ungefähr 120 
festtheilnehmer zu einem pranzo im großen saale des Allergo del 
Quirinale ; eine von der generaldirection der alterthümer den 
fremden gelehrten zu ehren veranstaltete illumination des forum 
Romanum gab dem reichbewegten tage einen echt römischen ab- 
schluß. Nach einer am folgenden abende bei dem deutschen 
botschafter veranstalteten soiree, welche die königlichen majestäten 
Italiens durch ihre gegenwart ehrten, und wo die von dr. Heibig 
arrangirten lebenden bilder viel beifall fanden, endigte die reihe 
der festlichkeiten mit einem glänzenden pranzo, welches der un- 
terrichtsminister Coppino am 23. den fremden archäologen zu 
ehren veranstaltete. — Außer den durch besondere abgesandte 
vertretenen deutschen Universitäten hatten Heidelberg , Kiel, 
Marburg und Würzburg festschriften, Breslau, Erlangen, Göttingen, 
Leipzig und Rostock adressen gewidmet. Hinsichtlich des ti- 
teis der festschriften und des Wortlautes aller adressen s. den 
festbericht des institutes und Archäol. zeitgl879, p. 106. End- 
lich sei noch einer kurz nach der festsitzung eingegangenen 
adresse der gleichzeitig in Rom tagenden democratici <Vogni 
provincie d'Italia erwähnung gethan. Sie gratulirten den ge- 
lehrten aus dem vaterlande Luthers und Schillers, Goethes und 
Körners; an der spitze der Unterzeichner stand der alte Ga- 
ribaldi. [S. unt. p. 147.] — Aodlph Gerber. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1879 , nr. 69 : K. E. v. Baer und 
seine gesammelten werke. — Beil. zu nr. 70: Moriz Haupt: anzeige 
des buches von Balger , M. Haupt als academischer lehrer. — Beil. 
zu nr. 71: zum sechzigjährigen Jubiläum des feldmarschalls grafen v. 
Moltke. — Beil. zu nr. 72: die neuere litteratur über Cypern. — Dr, 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 147 

Otto Blau: nekrolog von H. Vambery. — Beil. zu nr. 75: über aca- 
demische ferien : sehr viel unnützes gerede. — Beil. zu nr. 78 : kleine 
Schriften von Wilhelm Vischer, von C. Starck, bespricht beide bände: 
8. PhAnz. IX, 8, p. 493: als diese anzeigen geschrieben wurden, kannte 
ihr Verfasser Starcks anzeige nicht. — Beil. zu nr. 81. 82 : Mehlis, 
über die deutsche urzeit. — Beil. zu nr. 92: die neuern classiker auf 
den schulen: der aufsatz beginnt: „noch in den vierziger jähren bil- 
deten auf unsern höhern Unterrichtsanstalten die classiker der neuzeit 
eine art contrebande": das mag genügen zur Charakteristik de9 auf- 
satzes: denn eine colossalere Unwahrheit läßt sich kaum denken. Aber 
dergleichen wird geschrieben , um diese anstalten in den äugen des 
größern publicums zu discreditiren. — Nr. 101: der pabst über die 
protestantische Propaganda in Rom: schreiben des pabstes an die 
cardinäle , in dem er die protestantischen schulen u. s. w. in Rom 
verwirft. — Nr. 104. 105: die Verfassung der höhern schulen: anzeige 
des buches gleichen titeis, von W. Schrader: die anzeige referirt, ent- 
hält nichts eigenes und stellt dadurch das buch als eine oratio pro 
domo dar, nach der zur befriedigung gerechter wünsche durchgrei- 
fende Veränderungen an den gymnasien durchaus nicht angezeigt sind. 
Ist das richtig, so liefert das buch nur von neuem den beweis, wie 
selten grade in den leitenden kreisen offene äugen für die schaden der ge- 
genwart gefunden werden. Vgl. ob. nr. 1, p. 66. — Nr. 105 : Griechenland 
und Epirus: bezieht sich nur auf die Verhältnisse der gegenwart. — Beil. 
zu nr. 106. 107. 108. 109: mediceische politik: Busers Mediceer und 
Frankreich. Guasti's Torrigiani manuscripte: faßt nur die politische 
thätigkeit der Medizeer ins äuge. — Beil. zu nr. 110. 117: J. Sepp, 
die cardinalfrage der hierarchie. Ein capitel für theologen. I. IL III. 

— General von Werder: ehrender nachruf an den in den ruhestand 
tretenden. [Vrgl. PhAnz. III, p. 209]. — Beil. zu nr. 119: H. von 
Treitschke's deutsche geschichte im neunzehnten Jahrhundert: anzeige. 

— Beil. zu nr. 121: das archäologische Institut in Rom und sein 
fünfzigjähriges Jubelfest: vgl. ob. p. 141 — 146. — Beil. zu nr. 122: Dr. 
Titus Tobler, der Palästina -fahrer. — Beil. zu nr. 127: Sputa, die 
geschichte der stadt Kairo. I. Alt -Kairo. — Beil. zu nr. 136. 137. 
138. 140. 141: A. Berghaus, geschichte der colonisirung und der co- 
lonien: bezieht sich auf die neue zeit. — Beil. zu nr. 137: Persuhn's 
Pompeji: anzeige. — Beil. zu nr. 142. nr. 143. Beil. zu nr. 144: Die- 
stel, theologie und naturwissenschaft, mit bezug auf Zöckler's geschichte 
der beziehung zwischen theologie und naturwissenschaft: die Schöp- 
fungsgeschichte kommt dabei besonders in betracht , und (überhaupt 
die harmonie zwischen bibel und naturforschung: nur meint der vrf. 
zum schluß, aus allen conflicten zwischen naturwissenschaft und theo- 
logie schäle sich immer das große problem heraus, die frage nach 
dem zusammenhange zwischen geist und materie. Ja, aber grade des- 
halb sollte das was geschichte und christenthum lehrt nicht vergessen 
werden, die bescheidenheit in der forschung und des forschers. — 
Beil. zu nr. 152: die einweihung des neuen Marburger universitäts- 
gebäudes. — Beil. zu nr. 156. 163. 168. 172. 178: die philosophie der 
gegenwart. I. II. III. IV. V. — Beil. zu nr. 159 : das Niederwalds- 
denkmal. — Nr. 160: der ausbruch des Aetna. — Beil. zu nr. 162: 
das universitätsfest in Kopenhagen: das 400jährige Stiftungsfest wird 
geschildert. — Nr. 162: im goldenen kränze: die goldene hochzeit 
des deutschen kaiserpaares betreffend. — Beil. zu nr. 164: Alexander 
von Tralles von F. R. Seligmann: anzeige der ausgäbe von Puseh- 
mann. — Beil. zu nr. 165: mykenäische thongefäße: bespricht die 
fände Schliemanns mit rücksicht auf dessen und anderer Schriften ; 
vgl. mittheilungen des deutschen archäologischen instituts in Athen 



148 Auszflge ans Zeitschriften. Nr. 2.' 

bd. TU, p. 1 ügg. — Nr. 176: die protestantischen schulen und die 
Staatsaufsicht in Ungarn: vertheidigt die regierung gegen angriffe 
in großer menge. — Beil. zu nr. 180: Fr. Pecht , deutsche kunst 
in Rom. 

Hermes, Zeitschrift . . von E. Hühner, bd. XIV, 1879. hft 3: Jo- 
hannes Schmidt, die Evocati , p. 321. — R. Hirzel, Demokrits schrift 
mol ti^vfxitjg, p. 354. — G. Lehmann, über das alter der Iliasband- 
sehrift Burney Msc. 86 des britischen museums, p. 408. — B. Tiedke, 
quaestiunculae Nonnianae, p. 414. — Benedictus Niese, der text des 
Thukydides bei Stephanos von Byzanz, p. 423. — H. Haupt, neue 
beitrage zu den fragmenten des Dio Cassius, p. 431. — Max Nie- 
meyer, zu Plautus, p. 447. — C. A. Lehmann, Quaestiones Tullianae, 
p. 451. — U. v. Wilamowitz-Möllendorf, dXiy.rowva , p. 457. — Index 
fabularum Aristophanis ex codice Ambrosiano L 39 Sup. : von dem- 
selben, p. 461. — Mise eilen: F. Blaß, nachträgliches zu Alkman, 
p. 466. — C. A. Lehmann, Soph. Antig. 40, p. 468. — R. Förster, 
ein vers des Helladios, p. 469. — Zu Apuleius und Fulgentius de 
Psyche et Cupidine, von demselben, p. 472. — G. Hirschfeld, die ab- 
kunft des Mithridates von Pergamon , p. 474. — U. v. Wilamowitz- 
Möllendorf, Pheidon von Elis (nachtrag zu p. 189), p. 476. — H. 
Dropsen, nachtrag zu den „römischen feldmessern", bd. II, p. 474, 
p. 477. — Zu Catullus (nachtrag zu ob. p. 200) LXVI, 77, p. 479. — 
W. Schmitz, zu Cicero, Tusc. Quaest. II, §. 26, p. 480. — Noch einmal 
„Namphamo", von demselben, p. 480. 

Hft 4: Ad. Michaelis, Stesichoros im epischen kyklos, p. 481. — 
Emil Stutzer, über drei epitomirte reden des Lysias, p. 499. — H. 
Jordan, über die ausdrücke aedes, templum, fanum, delubrum, p. 567. 
— H. Dropsen, epigraphische miscellen, p. 584. — C. T. Unger, at- 
tische doppeldata, p. 592. — C. A. Lehmann, Quaestiones Tullianae, 
P. III, p. 621. — Rh. Thielmann, zu Cornificius, p. 629. — Miscellen: 
H. Jordan, 1. quam magnus, quam multa; 2. zum Arvalenliede ; 3., de 
Vaticanis Sallusti historiarum schedis, p. 634. — Register. 

Neue Jahrbücher für philologie und pädagogik von Fleckeisen und 
Masius, 1879, bd. 119, hft 1: 1. Zu Th. Bergks neuester bearbeitung 
des Pindarus, von W. Christ, p. 1 — 14. — 2. Zu Horatius (carm. 3, 
2 f.) und Piaton (apol. cap. 20), von Döring, p. 15 — 16. — 3. Zum 
griechischen roman, von E. Rohde, p. 16 — 17. — 4. Der Standort des 
ehernen Viergespanns auf der akropolis von Athen, von C. Wachs- 
muth, p. 18—24. — 5. Der Nikomachischen ethik, von R. Noetel, p. 
25 — 38. — 6. Zu Plutarchos ntgl fiovoixtjs, (cap. 3), von H. Guhrauer, 
p. 38. — 7. Zu Plautus und Terentius, von F. Scholl, p. 39—47. — 
8. Zu Terentius Eunuchus (prol. 4), von R. Sprenger und A. Fleckeisen, 
p. 48. — 9. Ueber Ciceros quellen in den büchern de natura deorum, 
von P. Schwenke, p. 49—66. — 10. Zu Strabon und Suetonius, von 
A. Dederich, p. 66-68. - 11. Zu Horatius episteln (I. 15, 10—13), 
von K. Riech, p. 69 — 70. — 12. Anz. v. E. Baehrens: Albii Tibulli 
libri duo, von E. Roßberg, p. 71 — 79. — 13. Zur controverse über 
ponderosus in der Itala, von H. Rönsch, p. 79—80. 

Hft II: 14. Zu den fragmenten des Aristonikos von A. Römer, p.'81 — 
91. — 15. Zu Justinus (XI, 11, 1), von F. Rühl, p. 92. — 16. Zu Aischylos 
Persern, von P. Keiper, p. 93—96. — 17. Zu Xenophons Anabasis (Codex 
C), von A.Hug, p. 97— 104. — 18. Zu Paianios und Eutropius, von H. 
Haupt, p. 104. — 19. Zu Piatons apologie (s. 30e), von H. Uhle, p. 
105 — 109. — 20. Emendationes Aristoteleae, von M. Hagduck, p. 109 
— 112. — 21. Anz. von C. Boysen: de Harpocrationis lexici fontibus 
quaestiones selectae, (Kiel 1876) von F. von Stogentin, p. 113— 127. — 
22. Zu Cornificius, von A. Weidner, p. 127—128. — (9.) Ueber Cice- 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 149 

ros quellen in den bückern de natura deorum. (Schluß), von P. 
Schwenke, p. 129-142. — 23. Zu Livius (XXVII, 44, 7), von C. Hart- 
mann, p. 143 — 144. 

Hft III: 24. Das deutsche institut für archäologische correspondenz. 
Eine semisaecular-erinnerung, von P. Weizsäcker, p. 145 — 155. — 25. 
Zu den geographi latini minores, von A. Riese, p. 155 — 156. — 26. 
Eine datirbare altspartanische inschrift, von H. Höhl, p. 156. — 27. 
Zu Thukydides (VIII, 19) und Xenophon (Hell. I, 1, 9), von H. Müller- 
Strübing , p. 157 — 160. — 28. Timaios als quelle für Diodor XIV, 54 

1 —78, von E.Bachof, p. 161-173. - 29. Zu Herodotos (III, 128), von 
K. J. Liebhold, p. 173—174. — 30. Zu Xenophons Kyropädie, von 
demselben, p. 174- 176. — 41. Zu Cicero de provinciis consularibus 
(9, 21), von C. Gneiße, p. 176. — 32. Der perduellionsproceß des C. 
Rabirius, von H. Wvrz, p. 177-201. — (17). Zu Xenophons Anabasis 
(V, cap. 2), von F. Vollbrecht , p. 202—206. — 33. Zur lateinischen 
anthologie , von E. Baehrens, p. 207 — 208. — 34. Des Horatius elfte 
ode des zweiten buches . von Th. Plüß, p. 209—222. — 35. Philolo- 
gische gelegenheitsschriften , p. 223—224. 

Hft IV: 36. Erste und zweite lesung in der athenischen Volksver- 
sammlung, von G. Gilbert, p. 225 — 240. — 37. Anz. von A. C. Lange: 
de Aeneae commentario poliorcetico (Berlin 1879), von A. Hug , p. 
241 — 266. — 38. Zu Caesar und seinen fortsetzern, von W. Gemoll, 
p. 267—270. — 39. Zu Cicero de divinatione (1. 3. 5), von K. Hart- 
felder , p. 270. — 40. Die perfectisehen formen von eo und seinen 
composita, von C. Wagener, p. 271 — 272. — 41. Zu Tacitus Germania, 
von H. Schütz, p. 273—288. 

Hft V und VI': 42. Nochmals für Homer und Aristarch , von E. 
Kammer, p. .279 — 301. — 43. Zu Apollinaris Sidonius, von K. Roßberg, 
p. 301 — 302. - 44. Zum Homerischen Demeterhymnos, von A. Ludwich, 
p. 303—308. — 45. Zur Odyssee {T. 163), von R. Köhler, p. 308. — 
46. Anz. von W. H. Röscher : Hermes der windgott (Leipzig 1878), von 

• H. Schweizer-Sidler, p. 309 — 314. — 47. Zeus und Kronos als wolken- 
verschlinger, von W. Schivartz. p. 314 — 317. — 48. Zu Ausonius, von W. 
Brandes, p. 318 — 320. — 49. Emendationum Aristophanearum decas 
nona et decima, von O. Schneider, p. 321 — 342. — 50. Berichtigung 
eines fragmentes des Parmenides, von A. Gludisch, p. 343 — 344. — 51. 
Ueber die sitte des cvv&y/ucc, von H. Röscher, p. 345—351. — 52. 
Kalinos oder Tyrtaios? von J. Sitzler, p. 351 — 352. — 53. Studien zu 
Thukydides, von E. A. Junghahn, p. 353—402. — (19.) Zu Piatons 
apologie, von Ch. Cron und O. Erdmann, p. 403—412. — 54. Ueber 
einige reden und Demosthenes, von A. Phillippe , p. 413 — 419. — 55. 
Ueber einige Schriftsteller des namens Pollio, von H. Peter, p. 420 — 
424. — 56. Zur abwehr (gegen Leo Ziegler), von J. N. Ott, p. 425 — 
442. — (Auf der zweiten seite des Umschlages berichtigungen). 

Hft VII: 57. Zur schlacht von Marathon, von H. Müller- Strübing, p. 
433 — 418. — 58. Zur responsionsfrage bei Aischylos, von Ch. Herivig, p. 
449—452. - 59. Zu Sophokles Antigone, von F. Kern, p. 453-460. - 50. 
ZuPindaros, (Ol. 1,28), von H. Flach, p.460. — 61. Nachträge zu mei- 

: ner dritten ausgäbe des Theokritos, von Ch. Ziegler, p. 460. — (37.) 
Entgegnung (betreffend den taktiker Aineias), von Ad. Lange, p. 461 

f —464. — 62. Zur litteratur des Vergilius, von C. Schaper : J. Kvicala : 
Vergilstudien , p. 465 — 471. — W. Kloucek: kritisches und exegeti- 
sches zu Vergilius (Prag 1879), p. 471-473. — 63. Ueber die hand- 

I Schriften des Tibullus, von E. Behrens, p. 463 — 474. - 64. Kritische 
nachlese. Zu Dracontius und der sogenannten Orestis tragoedia, von 

p K. Roßberg, p. 475—479. — 65. Zur Ilias (Sl, 384 ff.), von E. Kam- 
mer, p. 479 — 48U. — <6Q. Zu Livius buch XXI, von A. Biederich, p. 



150 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

481 — 491.— 67. Zu Lukianos, von E. Ziegeler, p.491— 492. — 68. Zur 
kritik der scriptores historiae Augustae. I, von R. Unger, p. 493 — 512. 

Hf't. VIII. 69. Zur Chronologie des böotischen vocalismus, von 
R. Meister, p. 513 — 526. — 7U. Zu den scholien des Dionysios 
Thrax, von P. Eymolff, p. 526. — 71. Zur kritik des Euripides, von 
H. Stadtmüller und J. Kvicala, p. 527 — 533. — 72. H. Rönsch, Lani- 
penae bei Placidus, p. 534. — 73. Zu Thukydides, von W. Herbst, 
p. 535 - 540. — 74. Zu Tiberianus, von E. Baehrens, p. 540. — 75. 
Anz. von: de versibus in Lucretii carmine repetitis . . . scr. Car. 
Gneisse, von Th. Tohte, p. 541 — 553. — (56.) Berichtigungen und 
nachtrag, von J. N. Ott, p. 553. — 76. Zu Sallustius, von G. Unger- 
mann, p. 554 — 558. — (47.) Noch einmal Zeus als wolkenverschlinger, 
von W. Schwartz, p. 558. — 77. Das Römercastell Saalburg von A. 
v. Cohausen und L. Jacobi, anz. von Fr. Otto, p. 559 — 560. — 78. Zum 
ersten buche von Vergilius Aeneis, von W. Gebhardi, p. 561 — 576. — 
(35.) Philologische gelegenheitsscbriften, p. 576. 

Hf't IX: 79: Auletischer und aulodischer nomos, von K. von Jan, im 
anschluß an Gruhrauer zur geschichte der aulodik u. s. w., p. 577 — 592. — 
80. ZüAppianos, von W. H. Röscher, p. 592. — 81. Marginalien zu A. Hugs 
ausgäbe des platonischen Symposion, von Ch. Cron , p. 593 — 599. — 
(28.) Zu Timaios , von J. BeLoch , p. 599. — 82. Die dokimasie der 
beamten zu Athen, von Th. Thalheim, p. 601 — 608. — 83. Eine me- 
trische altargivische inschrift, von H. Rö'hl, p. 608. — 84. Aristoteles 
politik, griechisch und deutsch . . . von Fr. Susemihl, 2 bde, anzeige 
von (V. JJiitenberger , p. ti09 — 615. — 85. Der itoyog Äöyog, von K. 
Hartfelder, p. 615. — 86. Die composition der Aegineten, von M. 
Lanye, anzeige von L. Schwabe, p. 616 — 620. — 87. Der schätz des 
Ptolemaios II Philadelphos, von Fr. Rühl, p. 621. — 88. Emenda- 
tiones Petronii satirarum, scr. A. Strelitz, p. 622 — 634. — 89. Ueber 
die Ordinarii des Vegetius, von H. Bruncke, p. 635—639. — (37.) Er- 
klärung, von A. Hag, p. 639. — 90. Zu Eutropius, von R. Duncker, 
p. 640—656. — (35.) Philologische gelegenheitsschriften , p. 656. 

Ht't X: 91. Euripidis fabulae, ed. R. Prinz, anzeige von S. Mehler, 
p. 657 — 668. — 92. Zu Solons fragmenten, von J. Sitzler, p. 668 — 
672. — 93. Knabenliebe und frauenliebe im Platonischen Symposion, 
von M. Wohlrab, p. 673—684. — (60.) Zu Pindaros, von Th. Fritzsche, 
p. 684. — 94. Hermokopiden, von A. Philippi, p. 685—686. — 95. 
Die zunge der opferthiere, von P. Stengel, p. 687—692. — 96. Der 
goldene schnitt im hexameter , von R. Löhbach , p. 692. — 97. Zu 
Apollonios Dyskolos, von P. Egenolf, p. 693-698. — (67.) Zu Lu- 
kianos, von O. Wichmann, p. 698 — 700. — (76.) Zu Sallustius, von 
L. Hellwig und O. Gneisse, p. 700 — 704. — (17.) Zu Xenophons Ana- 
basis, vod K. Hartfelder, p. 704. — 98. Grlossograpbisches , von G. 
Löwe, p. 705 — 712. — (56.) Audiatur et altera pars, von L. Ziegler, 
vertheidigung gegen Ott, p. 713—719. — (35.) Philologische gelegen- 
heitsschriften, p. 720. 

Rheinisches museum für philologie , von O. Ribbeck und Fr. Bü- 
cheier 1879, bd. 34, hft 1 : Ueber die vocalbildung eu im lateinischen, 
von Th. Birt, p. 1. — Stichometrisches und bibliothekarisches, von 
C. Wachsmuth, p. 38. — Eine Plautushandschrift des 13. Jahrhunderts, 
von G. Goetz und G. Löwe, p. 52. — Ueber den sophisten Polyxenos, 
von C. Baeumker , p. 64. — Kritische bemerkungen zu Quintilian, 
buch X, cap. 1, von F. Schoell, p. 84. — Polybios und Diodoros über 
den söldnerkrieg, von G. F. Unger, p. 90. — Satura critica, scripsit 
B. Schmidt, p. 106. — Die nauarchie in Sparta, von J. Beloch, p. 117. 

— Miscellen: scholion zu Hesiod. Theog. 30, von G. Löwe, p. 131. 

— Ueber den codex Escorialensis T. I, 13 des Peoto, von M. Schanz, 






Nr. 2. Literatur. 151 

p. 132. — Zu Piatons Symposion 175 B, von F. Susemihl, p. 134. — 
Zu Strabo VIII, 374, von B. Niese, p. 137. — Ueber eine verlorene 
handscbrift des Corippus, von G. Löwe, p. 138. — Ueber ein dem 
Seneca beigelegtes epigramm, von F. Gloeckner, p. 140. — Kritische 
bemerkungen zu den scriptores historiae Augustae, von J. Klein, p. 
142. — Zu Porphyrion, von O. Keller, p. 147. - Noch einmal die 
bildnisse des Thukydides, von A. Michaelis, p. 149. — Scymnus von 
Chios, von E. Rhode, p. 153. — Zur Chronologie des Zeno und Klean- 
thes I, von Th. Gomperz, p. 154. Heliodoros als coinmentator der 

Dionysischen techne, von C. Wachsmuth, p. 156. — Die Satrapen 
Arsamos bei Polyainos und Sarsaruas bei Ktesias, von demselben, p. 
156. — Eine bildsäule des Masinissa in Delos, von demselben, p. 159. 
— Zu den inschniten von Dodona, von F. Blaß, p. 160. 

Literatur 187». 

(dem Philologus und PkAnzeiger zugesandt). 

Tycho Mommsen, gebrauch der präpositionen cbv und fxtm bei 
den nachhomerischen epikern. — Dionysios der perieget. 4. Frankf. 
a. M. (Programm des städtischen gymnasiums in Frankf. a. Main). 

De apodotico qui dicitur particulae cJf in carmmibus homericis 
usu. Dissertatio quam . . . scripsit Lud. Lahmeyer. 4. Lipsiae. (Doc- 
tordissertation von Kiel.) 

Die homerische Odyssee, von A. Kirchhoff. 2. aufl. 8. Berlin, Hertz. 

Maur. Schmidt, Miscellaneorum philologicorum particula tertia. 
(VII. Emendationum Pindaricarum heptas). Ind. schol. aestiv. in univ. 
Jenensi . . . . 1879 habendarum. Jenae. 

Ed. Luebberti dissertatio de Pindari carminibus aegineticis qua- 
tuor postremis. 4. Kiliae. (Programm zur feier des geburtstags 
des königs). 

De Alcestidis et Hippolyti Euripidearum interpolationibus. Dis- 
eertationis de interpolaüone Euripidea speeimen . . . scripsit J. H. 
Wheer. 8. Bonn. (Doctordissertation). 

VergleichuDg der Phädra des Racine mit dem Hippolytos des Eu- 
ripides, von H. Steter t. 4. Offen bürg. (Programm des progymnasiums 
zu Oftenburg). 

Ueber Uerodots Vorstellung von den orakeln, von dr. Schuler. 4. 
Donaueschingen. (Programm des progymnasiums). 

Thucydidis de hello Peloponnesiaco libri octo. Ad . . . explana- 
vit E. Fr. Poppo. Editio altera, quam auxit et emendavit J. Fr. 
Stahl. Vol. III, sect. I. 8. Lips. Teubner. 

Die quellen des Flavius Josephus in seiner archäologie. Von LT. 
Bloch. 8. Leipzig, Teubner. 

Beiträge zu alten geographen, von dr. Hansen. Sondershausen. 
4. (Programm des gymnasiums). — Stephanus von Byzanz und Pom- 
ponius Mela. 

P. Cascorbi, Observationes Strabonianae. 8. Gryphimontii. (Doc- 
tordissert.) 

Doxographi Graeci. Collegit, recensuit, prolegomenis indieibusque 
instruxit H. Diels. 8. Berol., G. Reimer. — 24 mk. 

Des epikuräers Philodemos schrift 7r*pt orifAtiwv xal crjutuÜGtiov. 
Eine darlegung ihres Zusammenhangs von dr. Fr. Bahnsch. 8. Lyck. 

Beiträge zu dem gebrauche der partikeln bei Antiphon, von K. 
Wetzet. 4. Frankf. a. M. (Programm des gymnasiums zu Laubach). 

Francesco Zambeccari und die briefe des Libanios. Ein beitrag 
rar kritik des Libanios und der geschichte der philologie von R. Für- 
ster. 8. Stuttgart, Heiz. 1878. 



152 Literatur. Nr. 2. 

Legenden der Pelagia. Festschrift für die XXXIV. Versammlung deut- 
scher philologen und schulmänner zu Trier . . . von H. Usener. 8. Bonn. 
Titi Macci Plauti comoediae. Recensuit et enarravit J. L. Us- 
sing. T. II. 8. Hanniae. 1878. 

De versibus in Lucretii carmine repetitis Scr. . . L. Gneisse. 8. 

Argentorati 1878. (Doctordissertation aus Straßburg. Steht auch in 

Randbemerkungen zu „Servii graminatici qui feruntur in Vergilii 

carmina commentarii rec. G. Thilo et H. Hagen", von Fr. Pauly. 8. 

Graz. (Programm des staatsgymnasiums). 

De carmine christiano codicis Paris. 8084 contra fautores paganae 
8uperstitionis Ultimos dissertatio philologica . . . quam . . conscripsit 
Greg. Dobhelstein. 8. Lovan. (Doctordissertation von Löwen). 

Senecae epistulas aliquot ex Bambergensi et Argentoratensi codd. 
edidit Fr. Buecheler. 8. (Festschrift zur philologenversammlung in 
Trier). Bonn. 

G. Windhaus, Varietas lectionis ad L. Annaei Senecae epistulas 
e cod. Bambergensi enotata. 4. Darmstadt. (Programm des Ludwig- 
Georg-gymnasiums). 

Quaestiones grammaticae et criticae ad Quintiliani librum deci- 
mum scripsit Ferd. Becher. 4. Berol. (Programm von Ilfeld). 

Cornelius Tacitus. Dialogus de oratoribus. Für den schulgebrauch 
erklärt von G. Andersen. 2. auü. 8. Leipzig, Teubner. 

Gaii institutionum iuris civilis commentarii quattuor. Recensuit 
Ph. E. Huschke. Ed. 3. 8. Lips., Teubner 1878. 

Incerti auctoris de Constantino magno eiusque matre Helena li- 
bellus. E . . edidit Ed. Heydenreich. 8. Lips., Teubner. 

Collectio librorum juris aotejustiniani Tomus alter. — Ulpiani li- 
ber singularis Regularum, Pauli libri quinque sententiarum, Fragmenta 
minora saeculorum p. Chr. n. secundi et tertii. Recensuit Paulus 
Krüger. 8. Berol., Weidmann. 1878. — 2 mk. 40 pf. 

Die lateinischen bibelübersetzungen vor Hieronymus und die Itala 
des Augustinus. Ein beitrag zur geschichte der heiligen schrift von 
L. Ziegler. 4. München, Th. Riedel. 

Quaestionum de dialecto aeolica capita duo. Dis«ertatio . . quam 
. . scripsit Gualth. Volkmann. 8. Javoriae. (Doctordissertation von Halle). 

Metrik der Griechen und Römer, von W. Christ. 2. aufl. 8. 
Leipzig, Teubner. 

De pedibus solutis in tragicorum minorum trimetris iambicis scr. 
Car. Fr. Müller. 8. Berol., Weidmann. 

Synonymik der griechischen spräche, von J. H. Heinrich Schmidt. 
Bd. III. 8. Leipzig, Teubner. 

De Ariadne, quae et Bacchi et Thesei fertur conjux, quaestionum 
Part. 1, scr. H. Kanter. 8. Vratisl. (Breslauer doctordissertation). 

Die Gorgonen und verwandtes. Eine Vorarbeit zu einem hand- 
buch der griechischen mythologie vom vergleichenden Standpunkt, 
von W. H. Röscher. 8. Leipzig, Teubner. 

De civium Atheniensium muneribus eorumque immunitate, scr. 
Victor Thumser. 8. Vindobonae, Herold. 

Die römische stadtära, von G. Fr. Unger. 4, München, verlag 
der Akademie. 

Geschichte der Karthager, von O. Meltzer. bd. I. 8. Berlin, 
Weidmann. 

Pompejanische beitrage von August Mau. 8. Berlin, G. Reimer. 

A. Marty , die frage nach der geschichtlichen entwickelung des 
farbensinnes. 8. Wien, Herold söhn. 



Nr. 3. Juli. August« | R7Ö 

September. October. ö * 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 

von 

Ernst von Leutsch. 



29. Homerische miscellen von A. Grrumme: Programm 
zu der feier des Heinrichstages. Gera 1879. 4. 19 p. 

Die abhandlung umfaßt zwei kapitel unter den Überschriften : 
1) zur homerischen parataxis (p. 1 — 17), 2) ein gebrauch der 
partikel xal (p. 18 — 19). In dem ersten wird die parataktische 
vorausstellung behandelt, d. i. sätze, welche dem gedankenver- 
hältnisse nach nachfolgenden hauptsätzen als nebensätze unter- 
geordnet sein sollten, denselben aber in Wirklichkeit selbständig 
d. h. ebenfalls in form von hauptsätzen vorangehen. Ausgeschlossen 
sind die zahlreichen fälle , in denen allenfalls ohne Störung des 
sinnes an die stelle eines hauptsatzes ein subordinierter satz (Vor- 
dersatz) treten könnte, und nur diejenigen fälle behandelt, m 
denen der Zusammenhang , das gedankenverhältniß , in dem die 
sätze zu einander stehen, unabweisbar darauf führt, einen vor- 
angestellten hauptsatz logisch als einen dem nachfolgenden haupt- 
satze untergeordneten satz aufzufassen. Nach diesen gesichts- 
punkten werden nun erörtert: 1. zweigliedrige sätze, in welchen 
durch parataktische gegenüberstellung ein hauptgedanke mit ei- 
nem nebengedanken in vergleichende beziehung gebracht wird: 
geschieht die gegenüberstellung mit copulativen partikeln, so 

■ entstehen correspondierende Vergleichssätze: dahin 
gehören nur die vier beispiele mit r t pis» — rßi: A 453 ff. 27 236 ff. 
& 234 f. # 383 f. (ein beispiel, wo das erste glied den haupt- 

• gedanken enthält — K 249) — mit adversativen partikeln: 190 f. 

ij & 63 f.; — 2. parataktische temporale Vordersätze, 

6 wohin außer den stabilen bezeichnungen des morgens und abends, 
Philol. Anz. X. U 



154 29. Homeros. Nr. 3. 

wie 5 48, £821, nur noch e 262, T 242gerechnet werden; — 
3. parataktisch vorausgestellte sätze als Vertreter von causalen 
neben Sätzen: v 10 — 14, ^4406; — . 4. parataktisch vorausge- 
stellte sätze als Vertreter von adversativen oder concessi- 
ven nebensätzen: A 389 ff., y 262 ff., A 165 ff, r 359 ff., 
8 13 ff, «74 f., Wollt, ^183 ff., U 451 ff, 270 f., A 191 f. 

Referent begrüßt den hier gemachten anfang einer genau- 
eren erörterung der homerischen parataxis mit besonderer freude. 
Es ist in der that kaum begreiflich , wie dies nicht allein für 
eine homerische syntax grundlegende, sondern auch für das 
verständniß des dichters selbst so überaus wichtige, ja selbst für die 
höhere kritik x ) vielleicht ergiebige kapitel so lange hat vernachläs- 
sigt werden können. Freilich so einfach, als es auf den ersten blick 
scheinen mag, ist diese aufgäbe keineswegs, es erfordert dieselbe 
ein nicht geringes maaß von umsieht und besonders ein feines 
Sprachgefühl , wie es nur durch eine vertrautere bekanntschaft 
mit dem dichter gewonnen wird. Wer sich darauf beschränken 
wollte die geläufigen logischen und grammatischen kategorien auf 
die parataktischen Satzgefüge anzuwenden, der würde der home- 
rischen spräche nicht gerecht werden und nicht selten den tie- 
feren psychologischen grund, auf dem die anordnung und Ver- 
knüpfung der gedanken beruht, und damit die eigenart und be- 
sondere Wirkung derselben verkennen. Der Verfasser hat dar- 
über selbst einige treffende bemerkungen gegeben und in rich- 
tiger Würdigung dieser Schwierigkeiten seine aufgäbe in der oben 
angedeuteten weise zweckmäßig beschränkt, um zunächst auf ei- 
nem bestimmt abgegrenzten gebiete durch eine eingehende Un- 
tersuchung einen festen grund zu legen. Indem referent die 
umsieht und gründlichkeit, mit der dies geschehen ist, anerkennt, 
erlaubt sich derselbe im einzelnen folgendes zu bemerken. 

Zu den correspondierenden Vergleichssätzen, deren erstes 
glied dem zweiten unterzuordnen ist, können noch gefügt wer- 
den S"ll f., S* 315—318, o 392 f. Bei den bezeichnungen 
des Sonnenaufgangs oder des tagesanbruchs verdiente die stelle 
y 1 ff. in ihrer beziehung zu dem schlußverse des vorhergehen- 

1) Der verf. macht darauf aufmerksam , daß in den offenbar spä- 
teren abschnitten 9- 266—369 und w 1 — 204 sich von allen arten der 
homerischen parataxis auch nicht ein einziges beispiel finde und ebenso 
wenig ein dt anodonxöv. 



Nr. 3. 29. Homeros. 155 

den gesanges besonders hervorgehoben zu werden. Da nämlich 
die bezeichnung des Sonnenaufgangs innerhalb einer gliederung 
mit fAtv — 84 der adverbialen bestimmung naptv^ifj — xul rjöo 
gegenübersteht , so ist hier die untergeordnete bedeutung der 
Zeitbestimmung trotz ihrer ausführung in drei versen deutlicher 
als sonst erkennbar. 

Zweifelhaft scheint die auffassung der der dritten kategorie 
zugewiesenen beispiele i'lOff. und ^406 als parataktischer Ver- 
treter von causalen Vordersätzen. An der ersten stelle bereitet 
die mit psv 8rj v. 10 eingeleitete thatsache allerdings die v. 13 
folgende aufforderung vor und die nur vorbereitende, dem fol- 
genden untergeordnete Stellung des satzes erhellt klar aus der 
vorhergehenden ankündigung icpisnevog rü8s sigco, aber ein cau- 
sales verhältniß , wie es der verf. in den worten erläutert : „d a 
(quoniam) die kleider und das gold und die übrigen geschenke 
der Phäakenfürsten berbeigebracht sind, wohlan, so laßt uns dem 
fremdling nun noch weiter (d. i. als ausdruck des in folge seiner 
erzäblung gesteigerten interesses) mann für mann einen großen 
dreifuß und ein becken geben", — ein causales verhältniß liegt 
doch nicht vor , denn die tbatsacbe , daß reiche geschenke für 
den fremdling bereits herbeigebracht und in der kiste verpackt 
sind, ist doch eher geeignet von weiteren geschenken abzuhalten, 
als dazu aufzufordern ; das, was den Vorschlag wirklich begrün- 
den würde — das in folge seiner erzählung gesteigerte interesse 
an dem fremden — ist nicht ausgesprochen. Gegen die causale 
auffassung sprechen auch die ähnlichen gedankenreihen #98, 
\p 350, d 551, x 5, v 293, von denen die ersten beiden stellen 
durch die correspondierenden partikeln tj8q per — vvv 84 jeden- 
falls das temporale verhältniß betonen, die übrigen (mit fiiv 8rj) 
aber ein adversatives gedankenverhältniß zeigen. Namentlich 
scheint die nach dem gedankenverhältniß am nächsten verwandte 
t/293 — 296 für unsere stelle die erklärung zu fordern: zwar ist 
der fremdling schon reich beschenkt, aber wir wollen noch ein 
übriges thun. — Auch an der zweiten hiehergezogenen stelle 
A 406 ist kein zwingender grund vorhanden vniöt-iauv als pa- 
rataktisch vorausgeschobene begründung des ovde r' f'drjaav auf- 
zufassen. Der Verfasser gründet diese auffassung darauf, daß das 
xeu vor inedsiaat auf die bei xalioaoa 402 vorschwebende ab- 
sieht bezug nehme und bezeichne, daß der erfolg jene9 y.aMoai 

11* 



156 29. Homeroa. Nr. S. 

der dabei gehegten absieht entspreche : „Thetis rief den Aigaion, 
um das binden des Zeus durch die andern götter zu verhindern, 
und das erreichte sie auch. So gehört denn das xai seiner "Wirk- 
samkeit nach recht eigentlich zu ovSs x eörjöav, und nur inso- 
fern das logisch untergeordnete vm'dsiaav zu ovx eSyaav (wie 
Ursache zur Wirkung) gehört, gehört xat auch mit zu vnsdsiGa*". 
Aber viel näher liegt doch die beziehung des xai auf den un- 
mittelbar vorhergehenden gedanken: naga Kgovtcovi xa&^eto 
xvdei yaimv , Aigaion setzte sich prangend in der fülle seiner 
kraft (vgl. Hentze anhang zu 51) neben Zeus nieder — so 
daß sich der einfache Zusammenhang ergiebt: vor dem erschra- 
ken denn auch die götter — die natürliche Wirkung seiner ge- 
waltigen erscheinung — und banden ihn nicht. Der hier gegen 
die auffassung der stelle erhobene Widerspruch trifft natürlich 
nicht zugleich die dabei der partikel xai zugewiesene funetion, 
welche der Verfasser im zweiten kapitel eingehender behandelt. 
Es werden hier eine reihe von stellen treffend erörtert, wo xat 
zur bezeichnung einer Wechselbeziehung dient in der weise, daß 
es zurückweisend einen begriff (Vorstellung oder handlung) mit 
einem andern in einen inneren Zusammenhang bringt. 

Referent verbindet mit dieser anzeige noch einen rückblick 
auf die in dem ersten heft dieser Zeitschrift von 1879/1880 p. 
17 ff. besprochene abhandlung desselben Verfassers de Iliadis 
prooemii versu quinto et de parataxia Homericae quodam gener e. 
Der verf. hat dort die parenthetische auffassung des 6atzes Jiog 
ö'sTiA.fte7o ßovX/j mit recht verworfen und denselben als unterge- 
ordnetes parataktisches glied dem Satzgefüge eingeordnet. Die 
zur begründung dieser auffassung gegebenen zahlreichen beispiele 
sind dem dort vorliegenden zweck entsprechend lediglich nach 
der formellen rücksicht geordnet, wie zwei zusammengehörige Satz- 
glieder durch einen parataktischen zusatz zum ersten getrennt 
werden. Es verdiente dieser gegenständ aber weiter verfolgt zu 
werden und um dazu anzuregen, erlaubt sich referent hier in der 
kürze einige gesichtspunkte hervorzuheben. Genau genommen 
sollte man dabei von einer trennung zusammengehöriger Satzglie- 
der nicht reden , da der parataktische zusatz mit dem Satzglied, 
dem er sich anschließt, stets durch das gedankenverhältniß, viel- 
fach auch formell durch gewisse dem griechischen ohr leicht ver- 
ständliche mittel verknüpft ist. Namentlich ist dabei von großer 



Nr. 3. 30. Euripides. 157 

bedeutung die Wortstellung. So ist z.b. y/10 der parataktische 
zusatz öXixnvto de Xaol als folgesatz vorbereitet durch das an 
das ende des vorhergehenden satzes gerückte xaxtjv , von dem 
das verbum des folgesatzes gleichsam attrahiert die erste stelle 
einnimmt. An andern stellen, namentlich bei adversativem ge- 
dankenverhältniß ist es die chiastische Stellung der wesentlichen 
begriffe, welche die enge Zusammengehörigkeit der glieder fühl- 
bar macht, wie B 346 — 348, / 570, oder es ist der anschluß 
des parataktischen Zusatzes durch die anaphorische aufnähme ei- 
nes vorhergehenden begriffes vermittelt, wie £ 364 — 367 vgl. 
J 60 f. (<xu nimmt at) auf). Eine genauere beachtung derartiger 
beziehungen wird auch in der scheinbar regellosen willkür der 
parataktischen zusätze, bei denen man noch immer viel zu sehr 
zu der annähme von parenthesen neigt, bestimmte gesetze er- 
kennen lassen. 

Möge der Verfasser bald muße und neigung finden seine 
Untersuchungen über die homerische parataxe fortzusetzen. 



30. Siegfried Mekler, kritische beitrage zu Euripides 
und Sophokles. Separatabdruck aus dem jahresb. des k. k. ak. 
gymn. zu Wien 1879. 18 p. 8. 

31. — — Euripidea. Textkritische Studien. Wien 1879. 
70 p. 8. 

In Mekler begrüßen wir einen scharfsinnigen und ge- 
schmackvollen kritiker, einen würdigen Schüler von Gomperz. 
Schon die erste schrift die wir von ihm kennen lernten, „zur 
revision der frage de caesura media im iambischen trimeter des 
Euripides" verrieth uns gewandtheit der emendation, gründlich- 
keit der auffassung und kenntnis des tragischen Sprachgebrauchs. 
Die beiden abhandlungen, die wir hier besprechen wollen, bieten 
uns eine reihe geschickter conjecturen zu dreizehn stücken und 
verschiedenen fragmenten des Euripides und zwei stellen der 
Antigone des Sophokles. Mehrere darunter sind höchst beach- 
tenswerth; andere erscheinen als minder sicher oder wahrschein- 
lich; wieder andere dürften ganz abzuweisen sein; aber fehler- 
hafte , geschmacklose , leichtfertige vermuthungen , dergleichen 
man so häufig in derartigen Schriften findet, sind uns nirgends 
aufgestoßen. Wir wollen zunächst diejenigen emendationen nam- 



158 30. Euripides. Nr. 3. 

haft machen, die uns als evident oder wenigstens sehr probabel 
vorkommen. Die meisten gehören der Alcestis an: der auffal- 
lende ausdruck 291 xaXäg fxsv avrolg xaT&avslv tjxov ßiov wird 
mit xaXwg fxsv avrolg xatacpQovsh ijxov ßiov konstruktionsfähig 
gemacht: in 617 ops'gsiv avdyxi] xaineg ovra dvoXocpa ist SvaXocpa 
nicht bloß ein gewählteres wort als dvacpoga , sondern erklärt 
auch die abweichende lesart dvafisvrj und die glosse SvaxoXa 
(Hesych. Svaloqsov • dvoxoXov). Trefflich ist die herstellung von 
673 f. ''Adfirj^ • dXig ydg tj aagovoa ovuqiogä • navaai xti. Zu 
vs. 827, wo, wie ich früher bemerkt, an der stelle von ngoaconov 
der ausdruck „trauerkleidung" nöthig ist, hat Mekler's Verbes- 
serung nsTiXcofiat" 1 mehr Wahrscheinlichkeit als die meinige tbv 
atolfiov. Daß 1129 öa/m^r' iptjv ein glossem von ^vväogov sei, 
läßt der gleiche ausgang von drei sich sehr nahe stehenden 
versen 1126, 1129, 1131 als begründete annähme erscheinen. 
Die änderung Heracl. 529 aal xardg^saßs %iopsi hat einen lei- 
digen anstoß, bei dem man sich nur gezwungen mit dem Porson' 
sehen gesetz abfinden konnte, glücklich beseitigt. Ebend. 999 
ist mit xal ydg ?%&gbg <av dxovosiai ys ^g^ard ^gijarbg mv dvtjg 
nicht nur das versmaß hergestellt, sondern auch der poetische 
ausdruck gewonnen. Mit der emendation Hei. 587 nwg ovv aß* 
iv&dä' Tja&" iv 'IX top #' dpa ; dürfte der vonNauck eingeführten 
form Jja&ag die hauptstütze entzogen sein. Zu gleichem zweck 
schreibt Mekler Heracl. 65 yvooaei av ' fidmg tjö&a 5' ov xaXog 
rd8s. Iph. Taur. 337 wird mit recht das dem gebrauch der 
tragödie sonst fremde draXia^rjg in ävaXwarjg emendirt. Die 
Umstellung Hec. 594 av vv%e,iv avttjv xgsoäv wird durch die an- 
geführten stellen Ale. 27, 523, Hipp. 442, Ion. 259, 1120, Or. 
848 sehr wahrscheinlich gemacht; eine Untersuchung, welche 
stelle xQ£m> im trimeter überhaupt einzunehmen pflege, hätte die 
Wahrscheinlichkeit zur Sicherheit steigern sollen. Ansprechend 
ist auch die vermuthung zu fr. 72 aipia ydg aöv , piJTeg, i%svi- 
iparo, zu fr. 230 Nsi'Xov Xindav xdXXiajov snzdggov or6[ia, wenn- 
gleich bei der letzten stelle die vom verf. gegebene erklärung 
der corruptel kaum befriedigen kann. Zwar bestechend, aber 
doch bedenklich ist das heilmittel , welches Mekler zu Herc. 80 
vvv ovv ztV i'kttiti' 1] ttQQOv aojTijgt'ag i^sv^iagi^si ; in anwendung 
bringt. Er bemerkt, daß der begriff evfiagwg mit dem Zusam- 
menhang der stelle nichts zu schaffen habe , und nimmt eine 



Nr. 3. 30. Euripides. 159 

Kicke an: vvv ovv rlv' i\ni8' . . it-ev^geg ij(ih, tj rvpjv 8v- 
vaifi£& uv s^sv )> [ictQC£sir ; der ausfall der zeile würde sich so 
gut erklären. Wir halten aber die stelle für ganz gesund. Man 
darf nur nicht, wie es allerdings gewöhnlich geschieht, i<~evfia- 
q(£si deuten „du schaffst mit leichtigkeit herbei". Vielmehr heißt 
$!zev[xagiXe<jftai wie v. 18 das aktiv „erleichtern". Man muß den 
poetischen ausdruck verstehen : die sofidgeia bezeichnet den in- 
halt von iXntg q nögog acojtjQiag , so daß der sinn etwa ist: 
„welche hoffnung oder welchen weg der rettung bietest du uns 
zu unserer erleichterung"? Damit lassen sich redensarten wie 
avduv aid^str, einm notxOJ.stv, Qf'&ia e/.lsvxatvstv vergleichen, in 
welchen gleichsam aus der näheren bestimmung zum objekt das 
verbum gebildet ist. Diese stelle führt uns zu den conjecturen, 
welche uns anlaß zu einer näheren erörterung bieten. Zu Med. 
1190 yevysi ö' ajacrzwo' ex &oovoav nvgovpisrt] macht Mekler die 
gute bemerkung, daß die in hellen flammen stehende vor schmerz 
aufjammernde königstochter nicht so ruhig aufstehen könne wie 
1156 xaneit dvaaiäa ix doövmv dieo^erui, sondern aufspringen 
müsse. Aber was Mekler dafür schreibt, qisvysi <5' dvanzäo i , 
kann nicht das richtige sein; Glauke kann nicht auffliegen; 
qscßog ii dvuTzzsQOt , dvirnav yößqj sind andere Vorstellungen, 
welche wie nszsG&at, fiSTfoogC^ea&ai den zustand bezeichnen, in 
welchem der mensch in folge innerer erregung die fassung ver- 
liert. Offenbar ist das zweite dvacräa' unter einwirkung des 
ersten entstanden und muß das allein geeignete d %< d\a d' dafür 
gesetzt werden. — In fr. 582, in welchem Palamedes seine er- 
findung der buchstaben preist, ist die einfügung von er' nach 
novrCag in v. 4 noch annehmbar, da die anwendung auf Aga- 
memnon der Situation entspricht. Wenn aber Mekler bei der 
behandlung der beiden folgenden verse naiatv z dno&irjtyxovTa 
XQrjlAiiicov (ietqop ygdxpavrag slnsiv , rov Xaßövza 5' eidtvat auch 
ygdxpavzd o 1 slnsTv schreiben will und dno&vi'jdxovra als un- 
brauchbar bezeichnet, da das testiren nicht an den letzten au- 
genblick gebunden sei , so müssen wir erwidern , daß eben mit 
ano&vtjaxovza, das niemand ohne weiteres wird beseitigen wollen 
und können , die emendation von Scaliger als richtig erwiesen 
wird ygdtyatza leinsiv, wobei wie so häufig der hauptnachdruck 
auf das partieip ygdximvia fällt: der sterbende hinterläßt schrift- 
liche bestimmungen über die theilung seines Vermögens, die er 



160 30. Euripides. Nr. 3. 

zu irgend einer beliebigen zeit abgefaßt hat. Da nun nach der 
beobachtung von Kumpel dno&vrjGHoiza sowohl wegen der Ver- 
längerung des o als weil dieses compositum nirgends bei den 
tragikern vorkommt als fehlerhaft erscheint, ist sicher naiaiv r& 
vov &v7]GxovTa ^QTjfidtmv fiizgov ygdxpavia Xtliii.iv zu emen- 
diren. ?— Der änderung von fr. 142 iyw 8s naläag ovx im 
vo&ovg XaßsTv in iycb 8s nal8dg o 1 ovx im vo&ovg Xaxslv wider- 
spricht die Warnung o as qivXd^aa&at ygsojr. Diese zeigt, daß 
das mißliche der vo&oi naiSsg etwa von Phineus mit bezug auf 
Perseus (vgl. Ovid Met. V, 11 falsum versus in aurum Iuppiter) 
geltend gemacht wird. — Bei fr. 378 , welches sich in dem 
gleichen gedankenkreise bewegt, möchte man allerdings Mekler 
recht geben, daß der gedanke „die menschen scheuen sich ille- 
gitimen kindern das leben zu geben" etwas absurdes habe ; aber 
bei der änderung von cpvrevsiv in cpari^nv leidet der logische 
Zusammenhang mit dem folgenden. Wenn es nämlich weiter 
heißt: „denn für denjenigen, der eine tüchtige natur hat, ist 
der name (vö&og) keine schmach" , so kann damit nicht der 
rath die vö&oi ohne scheu als naiSeg zu bezeichnen begründet 
werden. In diesem Zusammenhang könnte man nur fidrtjv de 
&vt]rol zovg vö&ovg qisvyova dga avrwv cpazC&iv oder qdvai q,u- 
teveiv verstehen; vielleicht aber hat das überlieferte in der uns 
unbekannten gedankenfolge der betreffenden stelle den sinn ge- 
habt: „ohne grund scheuen sich die menschen väter zu sein 
(jtpvievetv, nicht cpvTEvaai) d. h. sich als väter der unehelichen 
kinder zu bekennen". — Fragm. adesp. 451 N. xgslaaov t dpv- 
veiv ' xar&avelv ydg evxXecüg )] £rjv üsXotfx av dvaxXsmg ys nat- 
&avcov will Mekler in xgeiaaov . . SvoxXsäig ys<^gawg co»^> ver- 
bessern. Der zusatz ysgawg wv würde in dieser Verbindung 
eine ganz andere bedeutung haben als der zusatz ngiaßvg mg 
av Androm. 763 tgonaiov avtov arrjaofiai ngsaßvg nsg ojv und 
Würde dem gewicht der sentenz nnr eintrag thun, da darin aus- 
gesprochen wäre, daß für denjenigen, der noch ein langes leben 
vor sich habe, ein rühmlicher tod nicht ohne weiteres einem un- 
rühmlichen leben vorzuziehen sei. Ich möchte auch die mög- 
lichkeit des ausdrucks 3? £t}v tfe^ot/*' av bei der Stellung von 
diXotm nach i\ bezweifeln. Ueberhaupt ist die comparative 
bedeutung von ßovkea&at und ÖiXetv bedenklich. Man führte 
früher Eur. fr. 703 dafür an , wo jetzt die richtige lesart aXv- 



Nr. 3. 31. Euripides. 161 

nog o'ixtlv (iäXXov (für aXvnov oixsiv ßiotov) aus Stobaeus her- 
gestellt ist. Ellendt citiert aus Sophokles ein einziges beispiel 
für ßovXsa&ui in der bedeutung von malle, Ai. 1314; aber unge- 
achtet der bemerkung „uäiXov enirn non magis significat, "secl po- 
tiu8 u bezieht sich /} dort auf fiüXXov. Es bleibt, wie es scheint, 
nur Androm. 350 nioag K 1 av sivug üvyarig' 1 r^ix)jnivt]v ßoiXoC 
av svgeiv rj na&slv «j-co Xiyca ; übrig und dürfte es dann ge- 
rechtfertigt sein an dieser stelle llot' av zu schreiben. Es 
wird also auch in jenem fragment bei unserer emendation iy<o 
&£Xot(* av uäXXov tj Ijjv övaxXswg sein bewenden haben müssen. 
Daß die ab weichung von dem vorhandenen text, wenn an- 
ders die emendation innere Wahrscheinlichkeit hat, bei Stobaeus 
weniger ins gewicht fällt , ist bekannt. Die einrede , welche 
Mekler bei der änderung Med. 910 yuptovg nageunoXmiti xaX- 
Xiovg Tiöasi abwehren will, daß xaXXiovg psychologisch unmög- 
lich sei, kann ihm nicht erspart bleiben, da yduovg xaXXiovg in 
solcher Verbindung ebenso wie ix xaXXtorcov (Xt'xzgcov) fr. 212 
nur die körperliche Schönheit im äuge haben kann. — Den an- 
stoß, welcher in Bacch. 38 %X<agaig vn" 1 iXäzaig dvngoqioig i\vrai 
ntrgatg liegt, sucht Mekler mit avogoqotg . . ariyaig zu be- 
seitigen. Aber schwerlich dürfte jemand hierin den sinn „unter 
bäumen, die ihnen ein dach und doch kein dach bieten" so 
leicht entdecken und wahrscheinlich dürfte ohne commentar die 
stelle auch für griechische leser unverständlich gewesen sein. 
Elmsley wollte uvngöqiovg tjvtou nirgag schreiben; das würde 
heißen: „sie sitzen auf felsen", wobei natürlich ärogövpovg un- 
erträglich wäre. Ich habe deshalb in meiner ausgäbe nach 
avogr'iipoig ein #' eingefügt; die frauen sitzen unter bäumen und 
unter felsen, die nicht wie grotten ein dach haben, sondern auf 
der einen seite ganz frei sind, folglich keinen schütz bieten. — 
Fragm. 803 N. haben gleichzeitig Mekler und Stadtmüller (in 
den Jahrb. f. philologie) in gleicher weise behandelt. Beide 
stimmen dem gedanken, den ich dem bruchstück vindiciert habe, 
bei und beide suchen eine leichtere .emendation zu gewinnen, 
indem sie einfach r t für d setzen. Beide haben sie auffallender 
weise außer acht gelassen, daß nunmehr dem sinne die bedeu- 
tung von dieX&eiv nicht entspricht, welche ganz bei meiner her- 
stellung sl %gt] öuX&eiv utj lixvcav nxäusvov am platze ist: „wenn 
ßie es durchbringen sollen unabhängig von ihren kindern". Jene 



162 31. Euripides. Nr. 3. 

form des gedankens würde t] %g?j q>ai>)j>ai ngbg rexvcov rixa/ts- 
vov erfordern. — Ale. 312 mit änderungen retten zu wollen 
und nicht einfach als Wiederholung von 195 zu beseitigen halte 
ich für unmethodisch. Die abweichung ov ov ngoaelns — ov 
xou ngoaslns hat für die echtheit ebensowenig bedeutung wie 
die stelle der Wiederkehr für „die stichometrische beschaffenheit 
des stammcodex". Von schauspielern rührt die änderung, von 
schauspielern auch die einfügung an jener stelle her. — Die 
änderung Bacch. 476 daxovt>&'' Ugd ff' ix,Oaigei hat an der 
Schreibweise der handschriften daxovp&' ogyi, a.axovv&'' ogyi 
keine stütze, da ogyia nur einer gewöhnlichen schreibmanier ent- 
stammt. Die Wiederholung des gleichen wortes 469 , 471 , 476, 
482 ist bei der Umgebung und bedeutung des wortes kaum 
lästig. Die gleiche vertauschung von ogyia und Isgd versucht 
Mekler ebdas. 998 nsgl ad, Bdxp , tgä (lazgog rs adig. Da 
beobachtet worden ist, daß hgog an keiner stelle vorkommt, wo 
nicht ebenso gut das dreisilbige isgög als das zweisilbige igog 
brauchbar ist, die von Dindorf häufig in den text gesetzte form 
Igog also für die tragiker wenig gewähr hat, müßte man mit 
annähme minder genauer responsion Isgd schreiben. Außerdem 
ist mit der Scaliger'schen änderung ad nicht geholfen; der 
fehler muß in ptatgog rs aäg liegen, weil Semele keine orgien hat 
und wie 78 nur von der Kybele die rede sein kann. Darum 
ist für rs aäg nach 131 ts &säg zu schreiben, wie Heracl. 911 
6 aog in &eog übergegangen ist. Bei der aufnähme der ände- 
rung von Mekler wird die Umstellung, welche ich in meiner 
ausgäbe bei der beibehaltung von ogyia vornehmen mußte, un- 
nöthig: ntg} rd Bdv.ii legd fiazgög rs &süg. Interessant 
ist es, daß Mekler ein neues beispiel gefunden hat, wo die aus- 
scheidung zweier halbverse die größte Wahrscheinlichkeit für sich 
hat, nämlich Ale. 795 f., wo die worte rdad' vnsgßaXav tv^ag 
(nvlag) ateqidvoig nvxaa&slg, welche 829. 832 wiederkehren, an 
ungeeigneter stelle stehen. Uebrigens hat dieser fall ähnlichkeit 
mit ßhes. 37 f., da nur die einer anderen stelle zugehörigen 
worte wiederholt sind. Drum muß immerhin dieses mittel der 
emendation , welches besonders von Nauck fleißig in anwendung 
gebracht wird, als bedenklich erscheinen und darf nur mit vor- 
sieht zugelassen werden. Diese vorsieht haben wir bei mehreren 
annahmen der art von Mekler vermißt. Die Verbindung von 



Nr. 3. 81. Euripides. 163 

Bacch. 181. 182 8si yäg vtv og nsqiifvev av&gmnoig &sog dünkt 
uns ebenso unmethodisch wie die von Ale. 818 f. HP. ah&og 
yag ifjilv iati ■ tlg 8 J o xat&avwv , worauf 0E. yvvT] fxsv ovv 
6\(oXev ' A8prjtov } %evs folgen soll. An dieser stelle genügt eö 
auf nh> ovv {immo vero) zu verweisen. Gerade dieses [isv ovv 
verlangt den vers fxäv rj tsxvoov ti qsgov8ov )} ypgoav nattjg ; 
Allerdings hat bereits Herakles von Admet erfahren, daß seine 
kinder und seine eitern noch leben; aber jetzt da er sich be- 
trogen fühlt, kann er sehr wohl an eine Unwahrheit denken ; die 
frage ist also ganz gerechtfertigt. Wir werden hiernach tä xgia 
des scholiasten (7«^« 8s ta tgia sv tiaiv ovy. eyaeitai) von 818. 
819 bis zum Personenwechsel 819 HP. t(g 8* ö xatüaväv •, ver- 
stehen und nach ausscheidung von 818. 819 die übrige 
stelle als gesund ansehen. In dieser beziehung ist der lockere 
Zusammenhang zwischen Ttg 5' ö xat&avwv ; und ftmv rj . . ita- 
xriQ ; bemerkenswerth, welcher deutlich verräth, daß diese beiden 
verse erst nachträglich mit noth zusammengebracht worden sind. 
Hik. 214 f. ist die ausscheidung der worte &eov xataGxevijv 
ßiw Sövtog zoiavjtjv unnöthig und kann der umstand, daß x«- 
taaxsvrj nur einmal in der tragödie vorkommt, den verdacht 
nicht rechtfertigen, da z. b. auch naoaaxevrj nur zweimal gefun- 
den wird. — Ale. 321 darf nicht als interpolation erklärt wer- 
den , ohne daß der gebrauch von xal rö8* (für ««5 tovto) mit 
beispielen belegt wird. — Bacch. 212 dürfte die einsetzung von 
x«J fii'jv für ntv&tvQ fehlerhaft sein , da x«! firjv am anfang der 
rede stehen muß , wenigstens nicht einer einleitung , wie sie die 
worte ins! av . . ysv/joofjiai enthalten, folgen kann. — El. 7 
bewundert Mekler das perfekt ti&eixe mitten unter aoristen und 
präsentien aoristischer bedeutung. Allerdings tritt das perfekt 
mitten in einer erzählung auf, aber ganz an seiner stelle, da 
die fortdauer in der gegenwart, indem die beutestücke noch an 
den tempeln hangen, bezeichnet werden soll. Die änderung des 
viel besprochenen ersten verses a> y1\g aalaiov " Agyog , ^häyov 
goai , wo Mekler zgCg für y7jg setzen will, läßt unbeachtet, daß 
fod%nv gnai unmöglich apposition zu * Agyog sein kann. Gerade 
diese apposition führt auf co yijg naXaiov ayxog, 'häftov goai. 
Die thalschlucht ist das flußbett des Inachos. Vgl. Bacch. 1051 tjv 8 
ayxog afxq>Ug7](xvov , v8aai 8iäßgoxot>. Hei. 483 würde ich der 
änderung von ti cpm ; ti \i%<a ; in ti 8gä; ti Xi%03 ; das der si- 



164 61. Euripides. Nr. 3. 

tuation entsprechendere ti ndd-co ; ti U%co; (vgl. Trach. 973, 
0. C. 216, Hom. Od. s 465) vorziehen, aber bei der rechten 
auffassung „wie soll ich es erklären? was soll ich sagen?" liegt 
keine tautologie vor. Von der behandlung von Med. 486 f. 
wollen wir nur sprechen , weil sie hinsichtlich der methode eine 
bemerkung verdient. Zu Tlsliav t dmxteiv\ monsg aXyiatov 
&avHv , nal8mv vn" 1 avtov , ndvta ö' i^sTXov cpoßov haben einige 
handschriften am rande die Variante Sc/xor. Mekler verwandelt 
Ööfiov in TQOfxor, wozu cpößov glossem sein soll. Solche ansichten 
sind von Seiten einer richtigen methode durchaus zu verwerfen. 
Die Variante ndvta <5' i^siXop döfiov ergibt einen wesentlich ver- 
schiedenen gedanken („ich zerstörte sein ganzes haus") und rührt 
augenscheinlich von demjenigen her, der diesen gedanken ver- 
mißte. — In fr. 407 nov nai not' oixel amfiatog Xayjav [Aegog; 
ist gewiß nur ti für nov zu setzen und jede weitere ände- 
rung abzuweisen, da nov offenbar glossem ist und das nach dem 
vorhergehenden so geeignete naC sich als ursprünglich erweist 
(vgl. Krüger I, §. 69, 32, 16). — Die ergänzung in fr. 472 
vöfiog 8s < dsinvov > Xsixpav sxßdXXstv xvatv ist ansprechend. 
Dagegen ist in fr. 501 [xdttjv dg' sig ywaixag ejj dv8gmv xpoyog 
ypdXXsi xevov tö^svfxa y.ai xaxwg Xsysi * cä ö' atV dfisivovg dg- 
as'voov , lydi Xiym mit der änderung xsi nattwg Xsysi, ctid' sio 
afistvovg dgae'vwvj iyco Xsyco (syrcott 1 syco) nichts gewonnen. Was 
soll hei. xaxmg Xsysi? Das ist nicht die hand des dichter», der 
etwa schreibt und wohl auch geschrieben hat: fidttjv dg' eig 
ywalxag e£ dvdgmv xpoyog xpdXXsi xsvbv tö^sv/xa x o v x i n £- 
o x o nov. 

Wir haben dasjenige berührt was uns bemerkenswert er- 
schien und eine reihe von conjecturen, die uns unbrauchbar oder 
ganz unsicher vorkamen, unberücksichtigt gelassen. Bei den 
bedeutendsten kritikern geht ja neben einer kleinen anzahl guter 
eine große zahl werthloser conjecturen her und können wir dem 
Verfasser der beiden abhandlungen nur glück wünschen, daß er 
beim ersten anlauf gleich eine stattliche zahl schöner emenda^ 
tionen zu tag gefördert hat. 

Wecklein. 



32. Ottomarus Bachmann, conjecturarum observatio- 



Nr. 3. 32. Aristophanes. 165 

numque Aristophanearum specimen I. Goettingen 1878. 8. 
167 p. — (Doctordissertation). 

Eine recht erfreuliche und verdienstliche , ebenso von fleiß 
und Sorgfalt wie von scharfsinniger beobachtung zeugende ar- 
beit ! Der Verfasser gibt an, daß die gedruckte abhandlung aus. 
einer größeren dissertation über den gebrauch der präpositionen 
bei Aristophanes ausgezogen sei ; indeß betreffen die beobach- 
tungen zwar vorzugsweise die präpositionen, beschränken sich 
aber keineswegs darauf, sondern verbreiten sich über verschie- 
dene andere grammatische erscheinungen z. b. den gebrauch 
verschiedener adverbia , die formein der betheuerung , die fälle 
der tmesis , den Wechsel von &t\tiv und tdi'Ktiv u. a. Ferner 
sind damit metrische bemerkungen verbunden und wird nicht 
bloß der Sprachgebrauch des Aristophanes , sondern auch der 
der übrigen komiker in betracht gezogen. Im Zusammenhang 
mit diesen beobachtungen oder auch für sich wird eine reihe 
von conjecturen geboten, von denen mehrere wenn nicht evident, 
doch sehr beachtenswerth erscheinen. Daneben werden fremde 
conjecturen mit guten gründen widerlegt, mitunter auch bestä- 
tigt oder zur geltung gebracht. Da wir hier unmöglich auf die 
menge der einzelnen punkte eingehen können , wollen wir nur 
einige herausgreifen , besonders solche , an die sich hinsichtlich 
der methode allgemeine bemerkungen knüpfen lassen. Eecht 
ansprechend sind die Verbesserungen, welche Bachmann zu Equ. 
668 vorschlägt IV av b y.rjgvlg . . hsyij, zu Nub. 462 (ieza tov, 
zu schob Ach. 1134 ^mg^aadai yug <£ ov [a6i>ov^> th xa&o- 
n\ta&7;rai xre., zu schob Av. 1188 nöleixog atgszai ' /nszemgC^ezai 
diu tr t v IneoßoXijp dvzi rov iyeCgtzui, zu Pa. 427 sV lorzeg, zu 
Men. mon. 375 'iaov lat)v eig nlg nag yvruixag tftneaeiv, die 
weglassung des artikels Thesm. 558 mg z av xgs' s£ 'Anazov- 
Qtcov und fragm. 90 ravt\ ygf uvzcp. — Von Ach. 412 f. ist 
der erforderliche gedanke richtig mit at quid hoc rei estf pannis 
indutus tragoediam componisl inde igitur fit ut mendicos fingas" an- 
gegeben ; aber der versuchten Verbesserung dzug zl ngä ; rga- 
yq>8lav noieTg ifatm iad^z^ ikatrfa ■ ob-/, etbg nico%ovg nottig kann nicht 
die geringste probabilität zukommen. Die herstellung des ge- 
dankens scheint nur bei annähme einer lücke möglich zu sein: 
urag zl i« qü-ai ix (aus dem hause des und des mannes) . . 
*X ei $ • • • '/ VQttyoidCag noitig eyjav ht&tfl? iksn^v; ovx izog ntco^ 



166 32. Aristophanes. Nr. 3. 

%ovg noisig. Die conjectur zu Lys. 1125 avrtj dt* ifiavzijr ov 
xaxmg yvw/Atjg s^oo kann schon deshalb nicht befriedigen, weil 
die stelle nach der angäbe der scholien der tragödie entnommen, 
jedenfalls der feierliche ton der tragödie nachgeahmt ist, welcher 
keinen anapäst im zweiten fuß des trimeter verträgt. Es muß 
wohl vielmehr ifiavzTJg in in avrtjg d. i. iq>' avzTjg verwan- 
delt, im übrigen aber entweder mit Meineke r ov . . zov'g t 
ix oder xavztj z agp' avzrjg ov xaxmg yv(6(jii]g f'^co zovg z 1 ix xzs. 
geschrieben werden. — Um für die conjectur zu Thesm. 500 
oiöv y' vn' uvyug iaziv die bedenkliche partikel ys zu schützen, 
führt Bachmann mehrere beispiele an ohne zu beachten, daß in 
diesen yi zoi verbunden ist. Da wir den bedenken, welche 
Bachmann gegen andere emendationsversuche geltend macht, 
beistimmen, bleiben wir bei der vermuthung, die wir anderswo 
ausgesprochen haben, idstv vd avyäg olov (mit tilgung von iaziv). 
In Men. fragm. 555 in) xlipiaxa ngog zsiftog avaßalvan will 
Bachmann in) und ngo^ vertauschen: ngog xXipaxa in) rsix°S 
ävaßainov. Meineke wollte in) xXCftaxt oder xX/ßaxog schreiben: 
Bachmann bezweifelt, ob dies griechisch sei. Für in) xXlfiaxog 
könnte man auf Iph. Taur. 1382 xdn) xlipaxog &oqcop verwei- 
sen; allein sicherlich läßt sich in) xli^axa „über die sprossen 
der leiter hin" eher verstehen als in) xXCpaxog und so wird 
man lieber xan) xlifxaxag Oogcav mit der stelle des Menander 
belegen. — Durch conjectur Unregelmäßigkeiten in den text 
zu bringen muß immer bedenklich bleiben, wenn man auch an- 
nehmen kann, daß gerade die Unregelmäßigkeit anlaß zur cor- 
rectur geboten habe. Von dem absoluten nominativ des particips 
zählt Bachmann acht beispiele bei Aristophanes auf, von denen 
vielleicht das eine oder andere der Verbesserung bedarf oder 
wie jedes anakoluth, wenn es kein fehler sein soll, seinen beson- 
deren grund oder seine besondere absieht hat. Gestützt auf 
diese verhältnißmäßig wenigen beispiele schreibt Bachmann Ran. 
968 og t]v, xaxoig zig (ztg mit Velsen) ntgineowv , xa) nltjaior 
nagaatrj, um den lästigen Wechsel des Subjekts zu beseitigen. 
Man würde abgesehen von jenem bedenken auch xikv für ?jv . . 
xai erwarten und müßte darum og rjv xaxoig tig neginsay, xav 
nXi]6iov nagaazy vorziehen, wenn nicht, wie ich Philol. XXXVI, 
p. 228 bemerkt habe, die änderung nagaaräg einerseits in der 
falschen auffassung der conjunetion xai die einfachste erklärung 



Nr. 3. 32. Aristophanes. 167 

der corruptel böte, andrerseits die anspielung auf das sprich- 
wörtliche Xfog nagaazug Keiop xti. erst deutlich hervortreten 
ließe. — Der nachweis, daß Eccl. 18 unecht sei, dürfte schwer- 
lich zureichend sein ; za, vvv ßovl.tv/naza sind die beschlüsse, um 
deren ausführung es sich jetzt handelt , so daß die nähere be- 
stimmung oaa ani^nig sSn^e keinen Widerspruch zu i>lv ergibt. 
Am wenigsten bedeutet die leidige Symmetrie, welche Bachmann 
nach beseitigung des verses mit 6. 5. 6. 5. 6 zum Vorschein 
bringt. — In etwas verwegener weise wird der text von Eccl. 
611 ff. behandelt. Man vergleiche das tiberlieferte mit folgender 
„herstellung" : BA. /}»■ utiQax idav iniüvfAi'jay kui ßovXyzai axa- 
XaQvgai \ £±et zolzojv uqaXoov Sovrai. TIP. /aÜXV sazai ngoina 
fiuV avzqi | "S-vy-AUZudagötlv , ztäv fx xonov de fttzsa^e <-vyxaza- 
dagöcöv. I Xui zavzag yag xoirug höh» zoig av8ga<Tt ^vyxazaxtl- 
a&ai. Einmal ist die änderung ziemlich unmethodisch , indem 
wenig ersichtlich wird , wie die auf einander gehäuften corrup- 
telen aus einander hervorgegangen sind. Zweitens ist ngolxa 
fiäla nur ein nichtssagender nothbehelf, da fiäXa als recht un- 
nütz erscheint und nicht mit avzixu [idla, \xäXa zupa^ gerecht- 
fertigt werden kann. Drittens was soll der gedanke „communium 
autem particeps erat concumbens cum ea id est eo quod concumbebat" 
und welcher logische Zusammenhang wird gewonnen ? ! Der 
überlieferte text , an dem auch Bergk und Meineke anstoß ge- 
nommen haben , ist ganz in Ordnung : „von dem was er nicht 
an die gemeinde abgibt, sondern heimlich für sich behält, wird 
er das mädchen bezahlen können, das er gebraucht, und hin- 
terher, wenn er's gebraucht hat, wird er so gut wie jeder an- 
dere seinen theil aus der gemeindekasse erhalten". So berechnet 
etwa der defraudant die vortheile seiner handlung und lacht über 
die großmuth der anderen die ihm sehr zu statten kommt. — 
Vor allem aber sind als unmethodisch und widerwärtig ände- 
rungen abzuweisen wie die von zi)v <5' aviopoXoiocu-, ztj? ö' enl 
GZQOvdov fiiav (Lys. 721) in rtjv (5' av (xoXig y } ivd£v$ in) azgov- 
&ov (tlar. Solche künstelei , der die obige änderung von äzäg 
ti za. qcmC in uztxg zi bgä> an die seite zu stellen ist, muß 
schon ein gewisser kritischer takt verschmähen. — Bei seinen 
grammatischen beobachtungen und Untersuchungen hat Bach- 
mann einen fehler nicht vermieden, zu dem das streben neue 
regeln festzustellen leicht führt, den fehler unnöthiger gleich- 



168 32. Aristophanes. Nf. 3. 

macherei. Wenn dygög bei den komikern in prapositionalen 
ausdrücken 21 mal im Singular ohne artikel steht, im plural 
aber in der regel den artikel bei sich hat, warum sollen die 
zwei fälle, in welchen der Singular den artikel hat Pac. 1318 
7t dl iv eig zov ayghv vvvi %qt] nävza xo[it£siv, Ach. 32 dnoßXinoov 
elg rov dygov siQrjiqg igmv , nicht ebenso zu dulden sein wie die 
wenigen fälle, wo dem plural der artikel fehlt? Und wie un- 
wahrscheinlich sind die änderungen näXiv sig dygov al , slg 
dygov uz' slgrivrjg igöHvl Der dichter ist eben, muß man viel- 
mehr sagen, um des Versmaßes willen von dem gewöhnlichen 
gebrauch abgewichen wie in hundert anderen fällen. Ich erin- 
nere z. b. nur an die ausdrucksweise avzoig dvögdai, avzoig za- 
Xdgoig , welche in der regel ohne artikel steht, wenn es aber 
das versmaß erfordert, avzo?g zoig zaXdgoig lautet. Darum 
möchte ich auch nicht Lys. 1072 xal /xrjv and zijg 2ndgzrjg in 
xa] iAt]v rj8t] 'k 2ndyzr\g verwandeln; soll der gebrauch von 
dnö etwas feierliches haben, so mag es an der stelle gerade am 
platze sein und wenn Aristophanes sonst Zndgtri ohne artikel 
braucht, so mag ihm der artikel hier gerade für das versmaß 
bequem gewesen sein. Die beseitigung des artikels in v.a\ zoig 
Aansdaifiorioig Pac. 282 durch die leichte änderung xavzoig Aa- 
nsdaifAovioig würde man annehmbar finden, wenn nicht der ar- 
tikel vor ' A&Tjvuicov Lys. 1145, 1229 gegenüber stände und hier 
der entfernung des artikels größere Schwierigkeiten entgegen- 
träten; denn die änderungen ndgog ' A&ip>aiwv für zä>v ' j4&t]vaioyv 
und ctl\' tjv ' A&qraiovg für tjv zovg ' A&qralovg sind willkürlich. 
Warum sollen wir glauben, Aristophanes habe Nub. 426 f. nicht 
fita&ov 5' ofxovfiat aoi xaza&t'jasiv zovg &sovg. — noiovg &sovg 
6 fiel av geschrieben , weil gewöhnlich mit noXog bei dem sinne 
„was sprichst du mir da von" nur das betreffende nomen wie- 
derhohlt wird? Ueberzeugender ist es, wenn Bachmann bemer- 
kend, das mg als präposition bei attischen Schriftstellern niemals 
zur bezeichnung quo versus quid tendat vel dirigatur vorkomme,, 
an zwei stellen PI. 152 mg zovzov zginsiv, Pac. 174 ngdas^s 
zov vovv mg ipri für mg slg setzen will. Die Verwechselung ist 
ja eine sehr gewöhnliche; freilieh wird man ngoai^siv zov vovv 
sig ztva. sonst aueh vergebens suchen. 

Von den conjecturen, die nebenbei zu anderen Schrift- 
stellern geboten werden, verdient besonders erwähnung die zu 



Ut. 3. 83. Strabo. 169 

Aesch. Agam. 278 noaov (für noi'ov), während die zu Eur. 
Andr. 977 ußgiarr/g ei'g ps, rljg [xtjryot; qsovov zwar beachtens- 
werth ist, aber doch wohl als ebenso unnöthig erscheint wie die 
von Heath arnz' ipqg [xtjtqo-:, da man nur t/g työvov von vfigi- 
azrjg abhängig zu machen und den participialsatz zag . . otei- 
dt^coj ifioC als eine zweite dem präpositionalen ausdruck coor- 
dinirte bestimmung zu v^qigt^ zu betrachten braucht. 

Da Aristophanes augenblicklich etwas vernachlässigt wird, 
wenigstens nicht die seinem werthe entsprechende behandlung fin- 
det, so kann man Bachmann nur recht eindringlich zur fortsetzung 
seiner stndien auffordern. Vielleicht eifert ihn , wenn es dessen 
bedarf, die äußerung an, die einmal L. Spengel gelegentlich 
gethan hat, daß gerade die größten philologen sich mit Ari- 
stophanes beschäftigt haben. 

WecMein. 

33. Symbolae criticae in Strabonem vel censura Cobeti 
emendationum in Strabonem. Scr. Greg. N. Bernardakis. 8. 
Lipsiae, Teubner. 1877. — 1 mk. 60 pf. 

Wie der titel andeutet, ist diese schrift durch die von Cobet 
in seinen Miscellanea critica Lugd. Bat. 1876 mitgetheilten con- 
jecturen zu Strabon hervorgerufen worden. In einem ersten ka- 
pitel weist Bernardakis nach , daß unter den von Cobet vorge- 
schlagenen textesänderungen sich etwa 30 befinden , die bereits 
Koiaes empfohlen hatte. Die schwere anklage, die er auf grund 
dessen gegen Cobet erhebt, ist inzwischen von dem angegriffenen 
dadurch theilweis entkräftet worden, daß er in der Mnemosyne 
1878, p. 49 ff. Responsio ad Bernardakin erklärt hat, Koraes vor- 
schlage seien ihm unbekannt gewesen. Es bleibt also lediglich 
die thatsache bestehen , daß zwei so bedeutende kritiker wie 
Koraes und Cobet an den angeführten stellen unabhängig von 
einander zu gleichen ergebnissen gelangt sind. Daß der werth 
ihrer vorschlage dadurch nur erhöht wird, leuchtet ein, und in 
der that wird nur bei wenigen derselben ein zweifei an ihrer 
rieht' gkeit bestehen bleiben. — In einem zweiten kapitel unterwirft 
Bernardakis die übrigen vermuthungen Cobet's einer genauen 
durchsieht und weist dabei eine beträchtliche anzahl als über- 
flüssig zurück , während er andere durch eigene vorschlage zu 
ersetzen sucht. Im ersten falle ist er fast überall im recht und 
Philol. Ana. X. 12 



170 33. Strabo. Nr. 8. 

weiß dabei seine umfassenden, wenngleich nicht erschöpfenden 
beobachtungen des strabonischen Sprachgebrauchs sehr glücklich 
zu verwerthen. Weniger beifall verdienen seine eigenen vermu- 
fhungen. Besonders bedenklich sind da die palaeographischen 
phantasien, denen er sich bisweilen überläßt. So soll p. 31 q>i- 
Xöteixoi aus agosvoKoizai , p. 41 iv top ösxdzcp aus ovzcog ver- 
dorben sein; und ähnlich will er zu p. 269 C. aus ovtt av sl 
yivoizo — ovx av &Xig yivoizo herausbringen, wo wohl richtiger 
Meineke und Madvig av i&xvoho geschrieben haben. Sehr kühn 
sind seine änderungen zu p. 249 und 305, wo er statt des über- 
lieferten dialij&jjpai — aqtana&ijvai vorschlägt; und p. 782, wo 
er das allerdings offenbar verdorbene mvij&ijvat durch ävay&yväi 
ersetzen will. Es muß wohl ogfiqdljvai heißen. — P. 383 schreibt 
er statt 6 8t (Ion) ngäzov fisv slg zszzagag qivXdg SisiXs tb nXr\- 
&og , htu eig zszzagag ßiovg — o 8s ngärog d teils rn n)Sj&og 
nard [roiig] tstragag ßiovg. Ich glaube, daß Strabon oder 
sein gewäbrsmann wirklich an eine doppelte theilung denken, 
eine lokale und eine soziale, daß mithin jede änderung unnöthig 
ist. Als eine gelungene Verbesserung ist dagegen anzusehen 
p. 249 C ofjinioag &aQg<nvtag statt ofxotmg öfAOQOvvrag. 

Wir schließen mit dem wünsche, daß der Verfasser seine 
fruchtbaren beobachtungen über den Sprachgebrauch Strabons 
fortsetzen möge. 

34. Johann Kvicala, Vergil - Studien nebst einer col- 
lation der Prager handschrift. Prag, F. Tempsky 1878. 4 bl. 
und 275 p. 

Das vorwort zu Kvicala's Vergil- Studien berichtet, daß die- 
selben einer größeren Sammlung entnommen sind. Den anlaß 
zur Veröffentlichung des vorliegenden theiles scheint die einsieht 
in eine ohne zweifei merkwürdige handschrift gegeben zu haben, 
welche zwar von J. Kelle beschrieben , aber bisher noch nicht 
studiert und gekannt war. Die mittheilungen des verfs. über 
diesen codex und aus demselben füllen p. 201 — 266 des buches. 
Derselbe gehört der bibliothek des metropolitan - domcapitels zu | 
Prag ; er ist mit karolingischer minuskel im IX. Jahrhundert ge- j 
schrieben; von Kvicala wird er mit Fl bezeichnet Daß /7 be- 
achtung verdient, glaubte Kvicala zunächst aus dem fehlen des \ 
verses VI, 329 zu erkennen, der erst von einem späteren leser 



Nr. 3. 34. Vergilius. 171 

nachgetragen ist, welcher nach einer andern handschrift manche 
zusätze und änderungen in 77 gemacht hat. Auch der schon 
für Heyne bedenkliche und von Ribbeck als dittographie bezeich- 
nete versIII, 595 fehlt in 77, ebenso ursprünglich I, 132, gegen 
welchen Kvicala mancherlei, aber nichts für den ref. überzeu- 
gendes vorbringt. 

Der vers I, 132 ist, woran Kvicala selbst erinnert, von Probus 
citiert und von Claudian nachgebildet. Was bedeutet gegen so 
alte Zeugnisse, die durch die besten handschriften bestätigt sind, 
die autorität eines einzigen verhältnißmäßig jungen codex? Aber 
auch in diesem ist der ausgelassene vers vom Schreiber selbst 
nachträglich an richtiger stelle eingefügt worden, wie deutliche 
spuren zeigen. Später wurde er ausradiert, ob aber von dem 
Schreiber selbst oder von einem andern, läßt sich natürlich nicht 
erkennen. Am rande hat ihn dann eine sicher jüngere hand 
wieder hinzugeschrieben. Kvicala meint, der vers habe in der 
vorläge von 77 nicht im texte gestanden, sondern sei irgendwo 
nachträglich hinzugefügt gewesen ; so habe ihn der Schreiber zu- 
erst übersehen, dann noch gefunden und eingeschoben. Das ist 
allerdings möglich ; aber ebenso möglich ist es, daß der vers im 
texte der vorläge sich fand und doch vom abschreiber anfangs 
übersehen wurde. Kvicala hält es ferner für wahrscheinlich, daß 
die tilgung von dem ersten Schreiber vorgenommen wurde , als 
dieser seine abschrift mit einem andern codex verglichen und 
den fraglichen vers in diesem nicht vorgefunden habe. Andere 
werden es für sehr unwahrscheinlich halten, daß der in allen 
unseren älteren handschriften enthaltene vers gerade in den zwei 
von dem Schreiber des 77 benutzten im texte, beziehungsweise 
gänzlich gefehlt habe. Dieser äußere grund kann demnach den 
vers nicht verdächtigen. Ebenso wenig vermag dies die subjec- 
tive meinung, daß durch die tilgung des verses die rede Neptuns 
an kraft gewinne; ich kann nur finden, daß dadurch eine härte 
entstände. Denn iam erklärt sich hier nur, wenn es einen die 
folge bezeichnenden satz einleitet, auf welchen der vorhergegan- 
gene vers vorbereitet hat: tantane vos generis tenuit fiducia vestri, 
(ut) iam caelum terramque meo sine numine, venti, miscere (audeatis). 
Wie demnach v. 132 durch 133 deutlich gefordert erscheint, so 
bietet er auch in seinem Wortlaut kein unüberwindliches beden- 
ken : tenuit ist „das den zustand bezeichnende perfectum", das 

12* 



172 34. Vergiliu». Nr. 3. 

Kvicala an einer andern stelle p. 259 anerkennt: „seid ihr so 
befangen . ."; die beziehung von generis vestri auf den himmel- 
stürmer Astraeus, den vater der winde, wäre nicht gesuchter als 
andere mythologische anspielungen des dichters , ist jedoch hier 
weder passend noch nöthig. Unpassend ist eine hindeutung auf 
titanenhafte auflebnung der winde deshalb, weil Neptun , wie v. 
130 und 137 zeigen, wohl weiß, daß dieselben nur auf begehren 
der Iuno und geheiß des Aeolus rasen; aber sie ist auch unnö- 
thig, da sich eine einfachere erklärung darbietet, die Kvicala 
mit unrecht abweist. Die worte generis fiducia vestri sind iro- 
nisch zu fassen ; darauf deutet die Stellung des vestri am Schlüsse 
des verses, wo es mit venu am ende des folgenden verses cor- 
respondiert. Die aufiehnung der winde besteht darin, daß sie 
zwar nicht ohne eine gottheit, aber ohne die das meer beherr- 
schende auf dem meere zu wüthen wagten ; daher ist meo schon 
durch die Stellung hervorgehoben. Ein größeres gewicht als auf 
die hier widerlegten gründe legt Kvicala darauf, daß bei Vergil 
„in reden, wenn auch nicht immer im ersten verse, so doch gleich 
im ersten satze der den angeredeten bezeichnende vocativ vor- 
kommt". Wenn dieser von Kvicala beobachtete gebrauch wirk- 
lich ein gesetz wäre, so würde doch nur folgen, daß venti nicht 
im vocativ als anrede, sondern im nominativ als apposition stände. 
Aber liegt hier überhaupt ein gesetz vor, dem sich der dichter 
fügen mußte? Kvicala hat sich die mühe genommen, die 200 
beispiele der Aeneis zu sammeln , in welchen jene regel befolgt 
ist. Auch ohne diese Zusammenstellung würde man es selbst- 
verständlich finden, daß die anrede im ersten satz einer rede zu 
stehen pflegt ; es bedurfte daher nur des nachweises , daß das 
gegentheil nicht vorkomme. Kvicala muß aber vielmehr 19 aus- 
nahmen constatieren. Freilich findet er die ungewöhnliche Stel- 
lung hier überall wenn nicht nothwendig, so doch innerlich be- 
gründet und angemessen; nur an der fraglichen stelle kann er 
keinen grund ausfindig machen, der den dichter veranlaßt haben 
sollte , den vocativ venti gegen die regel erst im zweiten satze 
einzufügen. Und doch liegt die begründung so nahe. Kvicala 
selbst sagt: „Neptun hat eile" und weist dies durch v. 135 und 
142 nach; nun denn in der eile begnügt er sich im vers 132 
mit der anrede vos und trägt venti erst im folgenden verse 
nach, wo es durch die mit vestri correspondierende Stellung und 



Nr. 3. 34. Vergilius. 173 

durch den gegensatz zu dem unmittelbar daneben stehenden nu- 
mine besonders wirksam ist. Hiernach muß ich den vers 132 
nicht für unerträglich, sondern für unentbehrlich halten. 

An dem einen beispiele wollten wir zeigen, daß den angaben 
des codex 77 und dem plaidoyer seines Vertreters gegenüber vor- 
sichtige prüfung geboten ist. Wollte man auch dem von Kvicala 
versuchten nachweis der unächtheit in anderen fällen beistimmen, 
z. b. in dem schon von Heyne angezweifelten vers in, 595 oder 
in dem selbst von Eibbeck nicht beanstandeten VI, 329 , so 
dürfte dies wenigstens nicht auf die autorität von 77 hin gesche- 
hen. Denn wie jener in 77 fehlt, so auch H, 567 — 588; und 
wie dieser erst von späterer band in 77 eingeschoben ist, so in 
den ersten büchern noch I, 3, 433, 664; II, 243; III, 523,525; 
IV, 603 ; V, 582, 745. Keinen einzigen von diesen versen hat 
Ribbeck angetastet. Kvicala sucht freilich I, 433 als unächt zu 
erweisen und hält es für ein gewichtiges moment, daß der vers 
in 77 von späterer band eingeschoben ist und daß auch 434 — 
436 von noch späterer hand am rande nachgetragen sind. Aber 
Kvicala verdächtigt nicht nur diese verse, sondern auch die mit 
denselben enge zusammenhängenden 431 (zweite hälfte) und 432, 
die von erster hand in 77 geschrieben sind. Hat 77 hier auto- 
rität, so müßte die unächte partie erst mit 433 beginnen; ist 
dies aber des sinnes wegen unmöglich, so kann die autorität 
von 77 für die unächtheit von 433 — 436 nicht mehr gewicht ha- 
ben als für die ächtheit von 431 f. Wie 434 ff., so sind in 77 
noch andere verse erst später am rande nachgetragen worden, 
z. b. m, 404; VT, 635, die niemand verdächtigen wird. Kann 
demnach dem fehlen eines verses in der ursprünglichen gestalt 
von 77 keine urkundliche bedeutung zuerkannt werden, so gilt 
dasselbe von eigenthümlichen lesarten, welche 77 ausschließlich 
oder nur mit wenigen handschriften gemein hat. Kvicala ver- 
theidigt eine reihe solcher lesarten z. b. I, 48 f. adoret und im- 
ponat, 148 magna, 179 saxis, 512 avexerat, H, 260 produnt, 306 
hominurnque , HI, 170 require , IV, 288 Cloanthum , VT, 34 oculi, 
132 larnbens, 516 alvus; ferner das asyndeton 1,448 und V, 752 
wo que, H, 71 und TV, 390 wo et fehlt, endlich VI, 593 wo 
non statt nee steht. Ref. hält manche dieser lesarten lediglich 
für Schreibfehler, z. b. I, 148 und 179, H, 260, HI, 170, VI, 
34, 132 und 516, I, 448, IV, 390, VI, 593. Ob in den an- 



174 34. Vergilius. Nr. 8. 

deren fallen, in welchen man Kvicala beistimmen kann, glück- 
liche conjectur, wie sie Kvicala wenigstens für einzelne von jün- 
geren händen geschriebene partien zugiebt, oder ächte Überliefe- 
rung vorliegt, wird sich nicht eher erkennen lassen, als bis das 
verhältniß von 77 zu den übrigen handschriften aufgeklärt ist. 
Bis dahin scheint es bedenklicher eklekticismus, wenn bei der re- 
cension des textes einzelne in 77 stehende lesarten, die sich aus 
irgend welchen gründen empfehlen, der besser bezeugten und 
nicht unhaltbaren Überlieferung vorgezogen werden. Immerhin 
bleibt es ein entschiedenes verdienst von Kvicala, die handschriffc 
77 bekannt gemacht und durch lebendige und anregende erörte- 
rungen das interesse auf dieselbe gelenkt zu haben. 

Bedeutender aber ist in dem buche von Kvicala die reiche 
beisteuer , welche er zur erklärung der ersten sechs bücher der 
Aeneis geliefert hat. Gegen hundert stellen werden p. 1 — 200 
exegetisch und theilweise auch kritisch behandelt; vier fünftel 
dieser anzahl kommen auf das I. buch. Je seltener selbständige 
forscher exegetische Studien veröffentlichen, um so dankenswerther 
erscheint eine solche publication, zumal wenn sie mit gründlicher 
und umfassender kenntniß, mit besonnenem und vorsichtigem ur- 
theil unternommen und in sorgfältiger und verständlicher dar- 
stellung durchgeführt ist. In der that zeigt das buch von Kvi- 
cala alle diese Vorzüge, allerdings auch die Schattenseiten derselben. 
Die darstellung erscheint bisweilen ängstlich und umständlich, das 
urtheil schwankend und unsicher. So beginnt die erörterung über 
I, 21 f. mit dem hinweis auf den anstoß, welchen Probus an der 
in ihnen enthaltenen Wiederholung nahm, und mit dem satze: 
„Man möchte in der that diese zwei verse wegwünschen" ; sie 
schließt mit den Worten: „indessen muß man schließlich wohl 
zugeben, daß wenn diese stelle kein muster von Vollkommenheit 
ist, sondern manches bedenken erweckt, doch vielleicht auch hier, 
wie in vielen anderen fällen die annähme ausreicht, daß diesen 
versen eine endgiltige fassung und die letzte feile nicht zu theil 
geworden ist". Zu I, 448 f. bemerkt Kvicala : „ich glaube, daß 
sich die in der Prager handschrift dargebotene fassung der stelle 
(nexae statt nexaegue) sehr empfiehlt. Durch diese fassung ge- 
winnen wir eine vollkommen befriedigende grammatische con- 
struction und einen ganz angemessenen sinn". Gegen ende der 
auseinandersetzung aber sagt derselbe: „doch will ich zum Schlüsse, 



Nr. 3. 34. Vergilius. 175 

obzwar mir die lesart nexae mehr zusagt, nicht verschweigen, daß 
dieselbe erklärung, die ich für die richtige halte, auch bei der 
lesart nexaeque aufrecht erhalten werden könnte". Nicht be- 
stimmter lautet die anmerkung zu I, 156: rapuitque in fomite flam- 
mam werden vermuthungsweise als „dittographie" zu succepitque 
ignem foliis betrachtet ; aber sofort wird beigefügt : „Man könnte 
freilich aber auch durch eine leichte änderung die worte retten, 
wenn man nämlich schriebe atque arida circum nutrimenta dedit, 
rapuit quae in fomite fiamma". Zu I, 179 heißt es: „die lesart 
der Prager handschrift saxis ist vielleicht wegen der Überein- 
stimmung mit flammis vorzuziehen". Mit der unsicheren Zurück- 
haltung, die sich in solchen bemerkungen kundgibt, contrastiert 
die kühnheit einzelner erklärungsversuche oder textänderungen : 
so wird II, 323 für quo res summa loco, Panthu? quam prendimus 
arcem? mit dreifacher änderung freilich nur schüchtern vorge- 
schlagen quo res nostra loco, Panthu, inquani] perdimm arcem f 
Doch derartige fälle bilden ausnahmen ; in der regel wird der 
leser von der beweisfübrung des verfs. überzeugt. Die Wortbe- 
deutung, die construction, der Zusammenhang des textes, die ma- 
nier des dichters wird mit gleicher genauigkeit erwogen; nicht 
selten benutzt Kvicala das für die gerade vorliegende aufgäbe ge- 
sammelte material , um darauf weitere , zum theil höchst interes- 
sante beobachtungen zu gründen. 

Vergil ahmt bekanntlich wie die homerischen gedichte so 
die Argonautika des Apollonios nach, aber mit verschiedenem 
glücke : den rhodischen dichter weiß er zu übertreffen , hinter 
Homer bleibt er entschieden zurück, obschon er ihn durch Ver- 
stärkung und Steigerung des ausdrucks zu überbieten sucht. 
Manche aus Homer entlehnte Situation will sich in den rahmen 
der Aeneis nicht fügen. Uebrigens weicht Vergil in der Zeich- 
nung der Situation hie und da selbst an solchen stellen von Ho- 
mer ab , welche reminiscenzen aus der Ilias oder Odyssee ent- 
halten. In der nachahmung des Ennius verfährt Vergil mit takt 
und geschmack. Vergils meisterschaft bewährt sich vor allem in 
der spräche. Mit welcher liebe er sie behandelt , zeigt schon 
sein hang zum etymologisieren, vgl. 1,267 f., V, 568. Der aus- 
druck zeigt eine schöne Sinnlichkeit, z. b. I, 342. Zur erhöhung 
des effects dient die beliebte nebeneinanderstellung gleicher oder 
ähnlicher worte z. b. I, 684, IH, 159 f., 329, IV, 83, V, 447, 



176 34. Vergilius. Nr. 3. 

569, oder die kunstreiche anordnung zusammengehöriger und pa- 
ralleler worte, wie I, 269, 634 u. s. w. ; endlich die Symmetrie 
in versen wie I, 209 und versgruppen wie I, 242 — 252. Die 
kunst der erzählung und Schilderung steht bei Vergil nicht auf 
gleicher höhe wie die sprachliche form. Da begegnen lticken 
und Wiederholungen , Unebenheiten und widerspräche. Gewiß 
würde , wie der verf. öfter bemerkt , eine letzte Überarbeitung 
der Aeneis manches störende beseitigt haben; aber ebenso ge- 
wiß weist nach der Überzeugung des ref. die große zahl solcher 
mängel auf eine ungenügende plastische begabung des dichters 
hin. Die Unklarheit in der bezeichnung localer Verhältnisse er- 
klärt der verf. mit recht daraus, daß der dichter sich keine bis 
ins einzelne bestimmte Vorstellung gebildet hatte. 

Diese und ähnliche von Kvicala angestellte beobachtungen 
sind allerdings nicht eben neu; aber neu ist die treffliche dar- 
legung derselben und neu die reiche Sammlung analoger stellen. 
Nicht nur die Aeneis und die übrigen werke Vergils sondern 
auch die verwandten griechischen und römischen dichtungen, 
insbesondere die homerischen übersieht Kvicala mit sicherem 
blicke und weiß manches durch geschickte Zusammenstellung in 
neues licht zu setzen. Auch dem commentar des Servius hat 
Kvicala sorgsame beachtung gewidmet und dessen erklärungen 
in nicht wenigen fällen zu ehren gebracht. Ebenso berücksich- 
tigt der verf. die commentare der neueren; dagegen hat er die 
in programmen, Sammelwerken und Zeitschriften zerstreuten bei- 
trage nicht in genügendem umfange herangezogen. Hätte Kvi- 
cala die anmerkungen von C. W. Nauck zum I. buche der Ae- 
neis , die in den programmen von Königsberg für 1862 und 
1869 niedergelegt sind, kennen gelernt, so würde er die verse 
73 und 82 vielleicht anders erklärt, jedenfalls aber zu v. 56 f. 65. 
76 f. 198. 233. 447. 567. 574. 578. 716. 728 Nauck, mit wel- 
chem er in der erklärung zusammentrifft, als seinen Vorgänger ge- 
nannt haben. Für intra se I, 455 mußten Madvigs Adversaria 
II, 33 citiert werden. Die änderung von polum I, 398 in solum 
wäre ihrem ersten Urheber Burmann zugeschrieben worden, wenn 
Kvicala Steudeners programm von Roßleben für 1873 gekannt oder 
den bericht über dasselbe im Philol. Anz. Vit, 219 f. beachtet 
hätte. Für die behandlung der ganzen stelle I, 393 — 400 war 
außer anderem der aufsatz Lucian Müllers im Philologus XXXVII, 



Nr. 3. 34. Vergilius. 177 

350 ff. zu verwertken, für I, 608 das im Philol. Anz. VII, 220 f. 
besprochene Groß-Strehlitzer programm von Schröter für 1875. Die 
worte I, 166 fronte sub adver ~sa würden wohl anders aufgefaßt 
worden sein , wenn Kvicala die erläuterung der ganzen stelle 
von Schenkl in der Zeitschr. f. d. Österreich, gymn. XXI, 391 
nicht übersehen hätte. Doch genug der beispiele. 

Der zugemessene räum gestattet nicht, den im vorstehenden 
berührten stellen noch andere anzureihen, in welchen ref. dem 
verf. nicht zustimmen kann. Nur weniges sei in kürze ange- 
deutet. Für irrig hält ref. die annähme, welche Kvicala aus 
dem gerade hier nicht glücklichen commentar von Weidner ent- 
lehnt hat, daß die I, 466 — 493 vom dichter bezeichneten dar- 
stellungen in einem giebelfelde platz gefunden hätten. Als nicht 
gelungen betrachtet ref. auch den von Kvicala unternommenen 
versuch einer erklärung, warum der dichter II, 263 zuerst den 
Machaon aus dem hölzernen pferde steigen läßt. Der verf. meint, 
Machaon gehe voran „um als arzt bei einer etwa vorfallenden 
Verwundung gleich bei der hand zu sein" ! Wie aber, wenn der 
zuerst herausgestiegene arzt zuerst verwundet wurde, wer sollte 
dann zur hülfe bei der hand sein? Man hat doch niemals die 
feldärzte vor die front oder in die erste Knie gestellt. Einmal 
scheint Kvicala sich selbst zu widerlegen, wenn er den T, 446 ff. 
geschilderten tempel, der bereits mit einer pforte versehen, mit 
gemälden (oder bildwerken) geschmückt ist, in welchem die kö- 
nigin sich niederläßt, um recht zu sprechen, für unvollendet er- 
klärt, aber weiterhin meint, „daß z. b. in der Umgebung des 
tempels, im tempelhof noch nicht alles fertig war", also daß der 
tempel selbst eben doch fertig stand. Eine bedenkliche drehung 
des begriffs sieht rei. darin, wenn I, 126 stagna nicht als das 
„auf dem gründe des meeres unbeweglich stehende gewässer", 
sondern „in dem weiteren sinne" als das „meer" aufgefaßt und 
„dann natürlich in folge des contextes von dem oberen theile 
des meeres" verstanden wird. Als ein geistreiches spiel mit ein- 
fallen muß es erscheinen , wenn zu I, 445 bemerkt wird : „die 
worte facilem victu müssen , wenn die Überlieferung richtig ist, 
den leichten erwerb bezeichnen". „Facilis victu kann eigentlich 
gar nicht bedeuten ein leicht erwerbendes volk . . . Wenn man 
asper victu Aen. VIII, 318 vergleicht, so sollte gens facilis victu 
bedeuten ein volk, das in seiner lebensweise . . freundlich ist". 



178 34. Vergilius. Nr. 8. 

„Vielleicht ist zu schreiben facili victu". „Auch könnte man ver- 
muthen sie nam fore hello egregium et facilem victum per saecula 
genti. Noch wahrscheinlicher aber wäre es vielleicht zu schreiben 
sie nam fore hello egregiam et facilem victum per saecula genti' 1 . 
Endlich kann ref. es nicht billigen, wenn Kvicala den cor- 
rectoren und interpolatoren so feine motive unterlegt, daß z. b. 
I, 66 ventos in folge eines falschen strebens nach Symmetrie oder 
der versschluß I, 708 zur herstellung des parallelismus mit v. 700 
eingeschoben worden sei. 

Andere bedenken hält ref. zurück. Sie würden ebenso we- 
nig als die hier ausgesprochenen der unumwundenen anerken- 
nung eintrag thun, daß Kvicala in seinen Vergil- Studien ein vor- 
zügliches buch geliefert hat — ein buch, das die kritik und 
mehr noch die erklärung der Aeneis nicht nur in den behan- 
delten partien sondern überhaupt entschieden fördert und das 
durch die geübte methode der Untersuchung insbesondere den 
lehrern, welche die Aeneis in der schule erklären, ein muster 
der exegese darbietet. Daß der reiche inhalt auch flüchtigem 
nachschlagen zugänglich sei, dafür ist durch einen sprachlichen 
und einen sachlichen index gesorgt. Wenn übrigens daselbst 
„äußere" oder „formale" Symmetrie von innerer geschieden wer- 
den sollte, so mußte im sprachlichen index auf p. 57, 84 und 
254, im sachlichen nur auf p. 135 hingewiesen werden. 

35. Albii Tibulli Elegiarum libri duo. Accedunt Pseu- 
dotibulliana. Eecensuit Aemilius Baehrens. 8. Lipsiae in 
aedibus B. G. Teubneri. MDCCCLXXVIII. — 2 mk. 80 pf. 

Baehrens hat in dieser ausgäbe des Tibull diejenigen prin- 
cipien durchgeführt, welche er 1876 in den Tibullischen blät- 
tern als die allein berechtigten zu erweisen versucht hatte. Ab- 
gesehen von den gesondert dastehenden kurzen Freisinger ex- 
cerpten und dem trefflichen Fragmentum Cuiacianum, wird des- 
halb für die textesherstellung eine doppelte handschriftliche re- 
cension zu gründe gelegt: die eine ist repräsentirt durch einen 
codex Ambrosianus (A) und einen Vaticanus (F), welche beide 
der zweiten hälfte des 14. Jahrhunderts angehören sollen , die 
andre durch den im 15. Jahrhundert geschriebenen Wolfenbütteler 
codex (G) und die excerpta Parisina (Par.) Den werth dieser 
an letzter stelle genannten recension hat Baehrens, wie es scheint, 



Nr. 5. 35. Tibtillus. 179 

nicht unerheblich überschätzt, namentlich an solchen stellen , wo 
die excerpta Parisina nicht zur controle des codex G vorhanden 
sind. Zwar, wo die lesart GPar. der lesart AV gegenübersteht, 
wird in der regel GPar. zu bevorzugen sein. Z. b. I, 1,29 ist 
bidentem in GPar. mit recht von Baehrens bevorzugt gegenüber 
bidentes in iF (ludentes A mit weiterer verderbniß), welches we- 
gen homöoteleutons aus I, 1, 30, der mit boves schließt, in den 
archetypus von AV kam-, ähnlich I, 1, 2 multa statt magna; 
II, 1, 45 aurea statt antea u. s. w. Auch wird Baehrens zuge- 
geben werden müssen , daß an einer nicht unerheblichen anzahl 
von stellen , wo Par. fehlen , der codex G allein *) die richtige 
lesart gegenüber den Codices AV bewahrt hat, z. b. I, 5,7 per te 
statt parce ; u. s. w. Aber G ist andrerseits an zahlreichen stellen 
augenfällig interpolirt, wie Baehrens auch faktisch an nicht we- 
nigen stellen durch nichtaufnahme seiner lesarten anerkannt hat v 
und es erscheint daher nicht gerechtfertigt, daß Baehrens mit 
verhältnißmäßig übergroßem vertrauen dem G gegenüber A V folgt. 

So schreibt I, 2, 51 und 52 Baehrens mit G: 
Cum libet, haec tristi depellit nubila caelo : 
Cum libet, aestiuas conuocat ore niues. 

In dem pentameter geben AV dagegen: 
Cum libet, aestiuo conuocat orbe niues. 
In der lesart von G befremdet, daß das neben convocat entbehr- 
liche ore in dem pentameter zugesetzt sein soll, während es in 
dem hexameter zu depellit nicht zugesetzt ist, obschon gerade das 
depellere an sich anders als durch os bewirkt gedacht werden 
könnte. Doch ist zuzugeben , daß dieses bedenken als durch 
Tibull selbst verschuldet angesehen werden könnte, falls AV 
dieselbe lesart wie G überlieferten. Daß aber die lesart von 
AV die ächte ist, ergiebt sich aus der betrachtung folgender 
stellen. 

Ovid hat in seinen Amores, in welchen er vielfach von Ti«- 
bull abhängig ist, I, 8, 9. 10 die fähigkeiten einer magierin mit 
folgenden worten beschrieben: 

Cum voluit, toto glomerantur nubila caelo : 
Cum voluit, puro fulget in orbe dies. 

1) Ob man aus dem umstände , daß I, 8, 45 Tollere in G auf ra- 
sur steht, wird schließen dürfen, daß G das an sich erwünschte Vel' 
lere (vgl. Prop. IV, 25, 13) hatte, ist zweifelhaft. 



180 35. Tibullus. Nr. 3. 

Bei der abfassung dieser dichtung hat Ovid, wie es scheint, sich 
jener tibullischen stelle erinnert. Aber auch der wie Tibull dem 
kreise des Messalla angehörende Verfasser des Panegyricus auf 
Messalla spricht von dem aestivus orbis des himmels in den Wor- 
ten (Tib. IV, 1, 158—160): 

At media est Phoebi semper subiecta calori, 
Seu propior terris aestivum fertur in o r b e m 
Seu celer hibernas properat decurrere luces. 
Danach scheint bei Tibull (I, 2, 52) die lesart von AV gerecht- 
fertigt. War aestivo convocat orbe niues die ursprüngliche les- 
art, so scheint es etwas leichter erklärlich, daß ein mittelalter- 
licher Schreiber, dem diese gewähltere anwendung von orbis nicht 
geläufig war, ore statt orbe einsetzte, und die änderung von ae- 
stivo zu aestivas war dann eine nothwendige consequenz. 

Wo vollends G den Codices A VPar. gegenübersteht, wie z. b. 
in dem in AVPar. leicht corrumpirten pentameter I, 10, 49 
Pace bidens vomerque nitent — 

(Baehrens mit G schlecht vigent), ist G als unzuverlässig 
zu verwerfen. Vgl. Ovid. fast. IV, 927. 928. 

In bezug auf die Stellung der Wörter finden sich abweichun- 
gen in den beiden recensionen des tibullischen textes, über die 
nur durch eine genaue Untersuchung des metrums bei Tibull 
entschieden werden kann. So hat I, 9, 53 G (und Baehrens): 
At te, qui donis puerum corrumpere es ausus, 
Eideat assiduis uxor inulta dolis : 
dagegen AV umgekehrt puerum donis. An und für sich sind 
natürlich beide Stellungen metrisch sehr wohl möglich. Doch unter- 
sucht man den gebrauch von Tibull genauer, so hat die von AV 
gebotene lesart mehr Wahrscheinlichkeit für sich. Denn wo sich 
ein Schema findet, wie es die lesart von G bewirken würde (diese 
stellen sind I, 1, 51; 2, 61; 8, 61 ; n, 3, 32), konnte Tibull 
eben nicht anders schreiben, sei es um metrischen Schwierigkei- 
ten zu entgehen, sei es, daß der satzbau diese Stellung verlangte. 
Wo es ihm aber freistand zu wählen, wie an unserer stelle, 
hat er immer das schema von AV vorgezogen; so I, 4,81 Eheu 
quem, Marathus lento me torquet amore; I, 5, 69 At tu, qui 
potior nunc es, mea fata timeto) II, 3, 58 Uli sint comitee 
fuseiy quoa India torret. Außerdem finden wir noch dasselbe 
Schema I, 3, 87; 4, 15; 8, 59; II, 4, 5. 



Nr. 3. 35. Tibullus. 181 

Dagegen haben A V I, 1, 78 schlecht D i t e s despiciam, GPar. 
gut: Despiciam dites despiciamque famem, wie dies aus der 
vergleichung der folgenden stellen hervorgeht. Dieselbe ana- 
phora hat Tibull I, 4, 82 Deficiunt artes deficiuntque doli; I, 7, 
64 Candidior semper candidiorque ueni; II, 5, 100 Cespitibus men- 
8as cespitibusque torum, wo immer die anaphorischen Wörter durch 
que verknüpft, aber jedesmal durch ein dazwischengeschobenes 
wort getrennt sind. Außerdem sprechen von 21 nicht durch ana- 
phora characterisirten stellen, wo die erste hälfte des pentameters 
durch einen Choriambus und einen spondeus gebildet wird, 18 
für die Stellung von GPar. und nur 3 für A F, so daß auch ohne 
anaphora Tibull es vorgezogen zu haben scheint, den pentameter 
mit Choriambus zu beginnen und dann den spondeus folgen zu lassen. 
Daß die eignen conjecturen und vollends die besser mit 
stillschweigen zu übergehenden versumstellungen des herausgebers 
vielfach unnöthig sind , ist von andern kritikern schroff betont 
worden ; an einer nicht kleinen anzahl von stellen hat aber Baeh- 
rens mit recht anstoß an der Überlieferung genommen 1 ). Daß 
die besserung nicht jedes mal geglückt ist, ist selbstverständlich. 
So sind nicht zu billigen die Baehrens'schen conjecturen zu I, 
1, 46; 2, 7. 25-, 3, 47; 4, 12. 43. 44; 5, 42. 65; 6, 16. 32. 
42; 7,9; 9, 24.60; II, 1, 54. 72; 3, 45; 5, 3. 4. 9. 58. 120; 
Lygd. 1,7; 4, 3. 26. 32.5,12; 6, 40; Sulpic. et Cerinth. 4, 1; 
Sulpic. 3, 4 etc. 

Unnöthiger anstoß scheint z. b. auch genommen I, 3, 33 : 
At mihi contingat patrios celebrare Penates 
Keddereque antiquo menstrua tura Lari. 
Baehrens vermuthet in der note celerare, dessen gewöhnliche 
transitive bedeutung von Baehrens hier kaum gemeint sein kann ; 
bei annähme intransitiver bedeutung aber würde Pen ates gleich 
domum (nach hause) solöcistisch sein. Die handschriftliche 
Überlieferung celebrare wird daher beibehalten und durchstel- 
len wie Ovid. fast. DI, 639 der Sprachgebrauch erklärt werden 
müssen. 

Mit recht hat Baehrens an verderbten stellen manchen äl- 



1) Z. b. I, 4, 44, wo noch neuerdings von crass unkundiger seite bei 
einem von quamvis abhängigen satze vorgeschlagen wurde, dreisil- 
biges (!) an nuntiat anzunehmen, ja diese Ungeheuerlichkeit durch 
die „ähnliche synizese" (!) atveo (Tibull. II, 1, 49) zu vertheidigen. 



182 35. Tibullus. Nr. 3. 

tern conjecturen zu ihrem rechte verholfen. Aber auch I, 9, 25 
hätte er lieber mit Eoßbach und Luc. Müller 1 ) die emendation 
Bigler 's und Haupt's in den text setzen sollen. Baehrens edirt: 

Ipse deus tacito permisit lene ministro, 
Ederet ut multo libera verba mero. 
Statt des matten lene, das die zweite hand des codex V hat, 
(l$ne hat G, leue AV) haben Bigler und Haupt vorgeschlagen: 

Ipse deus tacito permisit lingua ministro 
Ederet ut multo libera verba mero 
mit erwünschtem gegensatz zwischen lingua und tacito ministro. 
Die künstlichere Wortstellung darf kein entscheidendes bedenken 
erregen, wenn man stellen wie II, 3, 14; Lygd. 4,49; 6,26 da- 
mit vergleicht. Des metrums wegen hat Tibull ministro, das als 
bacchius einen guten hexameterschluß bildet, in den nebensatz 
gezogen. 

Die Zusammenstellung des apparats erscheint in allem we- 
sentlichen vollständig a ) und sorgfältig ; doch fehlt die lesart der 

1) Ob auch die excerpta Parisina dieses distichon und dann auch 
die lesart lingua enthalten, wie es nach der collation Wölfflin's scheint 
und wie es auch L. Müller in seiner ausgäbe zur vertheidigung von 
lingua anführt, wage ich nicht zu entscheiden. Denn Meyncke, der 
nach Wölfflin diese excerpte noch einmal verglichen, giebt über dies 
distichon nichts an; in dem von ihm veranlaßten abdruck derselben 
(Rhein, museum, bd. 25, p. 369 — 392) fehlt es ganz. Kaum dürfte 
man darin einen beweis für das Vorhandensein des distichons in der 
excerptenhandschritt finden können , daß bei Meyncke die erste der 
beiden vollständigen seiten, auf der auch unser distichon stehen müßte, 
nur 193 zeilen hat, die zweite aber 195. 

2) Mit recht hat Baehrens auf die angäbe der lesarten interpolirter 
handschriften außer an schwer verderbten stellen verzichtet. Werthlos 
ist z. b. auch der junge und interpolirte codex Magliabecchianus VII, 
1053 in Florenz, von dem ich eine von W. Studemund 1865 in Florenz 
gefertigte collation besitze. Studemund hat folgende abweichungen 
dieses codex von dem text der Lachmann'schen ausgäbe (Berlin 1829) 
für die beiden ersten gedichte des ersten buchs des Tibull angemerkt: 
I, 1, 2 magna || 6 luceat] c ist aus g gemacht || 12 florida \\ 15 rure] 
iure (unsinnig) || 21 lun.tr abit (schlecht) || 29 inter dum] die buchstaben in- 
ter stehen auf rasur || 29 bidentem (gut) || 37 nee] neu || 39 antiquis^SLUS 
antiquus gemacht (schlecht) || 44 sciUcet || 44 menbra || 44 thoro || 45 iimi- 
tes \\ 46 conünuisse || 48 igne || 54 hostdes zweite hand, exües erste hand 

|| 57 curo aus curro gemacht || 59 Et \\ 60 Et || 64 Iuncta || 71 subripet 
erste hand, subrepet zweite hand || 71 nee || 72 capite || 73 iraetanda 
zweite, tratanda erste hand || 76 uiris] ruus erste hand || 78 Dites despi- 
tiam. I, 2, 5 nostrae] mater (ob aus glossem zu custodia entstanden?) 

|| 7 domini || 10 sones auf rasur || 17 iemptat erste hand || 22 addere || 23 
decet || 24 uigor (unsinnig) || vor vers 25 steht im text noch der (in- 
terpolirte) pentameter Prcsidio noctis sentio adesse deam , und außer- 
dem steht am rande Aurispa sie d .- Securum in tenebris me facit esse 



I 



Nr. 3. 35. Tibullus. 183 

exe. Fris. an einigen stellen und I, 3, 67 die lesart der exe. 
Par. su b nocte, O. in nocte. Auch bemerke ich hier, daß der 
codex V kaum richtig von Baehrens im anschluß an das paläo- 
graphische gutachten von A. Mau und Gr. Loewe dem ende des 
14. Jahrhunderts zugewiesen wird, statt ihn in das 15. zusetzen. 
Die grenze zwischen lateinischen handschriften des 14. und 15. 
Jahrhunderts zu ziehen , ist für die meisten handschriftenverglei- 
cher unmöglich. Nun findet sich aber , nach Baehrens' angäbe, 
in V im texte selbst hinter II, 3, 15 der von Seneca herrüh- 
rende vers : Creditur ad muletram constituisse prius, und der brief 
des Thomas Seneca über die kritik des Tibull (Praef. p. VIII) 
ist im jähre 1434 geschrieben. — Einen bedeutenden fortschritt 
stellt die Baehrens'sche ausgäbe in der behandlung der bücher 
III und IV dar, indem dieselben jetzt nicht mehr als zwei getrennte 
bücher, sondern als ein fortlaufendes conglomerat nicht von Ti- 
bull herrührender dichtungen bezeichnet wird. Für diesen punkt 
hat die erneute durchforschung der Tibullcodices erwünschten 
aufschluß gegeben, indem die altern handschriften ein solches 
drittes und viertes buch überhaupt nicht scheiden. Wenn nun 
aber Baehrens die sämmtlichen früher dem dritten buche zuge- 
theilten sechs elegien dem einen Lygdamus zuschreibt, so scheint 
er uns den wichtigen Untersuchungen Selmar Kleemann's gegen- 
über in bezug auf III, 5, wie einst in seinen TibulKschen blät- 
tern p. 37, so jetzt in der ausgäbe unrecht zu haben. Kleemann 
hatte bekanntlich in seiner Straßburger promotionsschrift : de libri 
tertii carminibus quae Tibulli nomine circumferuntur (1876) den me- 
thodischen nachweis geführt, daß der Verfasser von III, 5 ent- 
weder der jugendliche Ovid selber gewesen sein müsse oder ein 
nach den jähren 9 — 12 nach Chr. lebender rhetorisirender, aber 

uenus, 'während bei jenem mit Presidio beginnenden pentameter selbst 
beisteht: Senecas supplevit (vgl. dazu die notizen von Baehrens über den 
codex Vaticanus 2794) || 35 terrete zweite, terrecte erste hand || 37 aspexerit 
zweite, asperxerit erste hand || 41 coniux \\ 47 ciet (verkehrt; hätte in 
Baehrens 1 apparat immerhin angeführt werden können) || 47 infernas 
auf rasur || 52 hecä§ || 56 in fehlt (schlecht) || 62 pulla zweite, paüa erste 
hand || 68 castra] capta (unsinnig) || 81 incestus zweite, in cestris erste 
hand || 82 sunetis zweite, sarttts erste hand || diripuisse \\ Sösupplex zweite, 
sup/ex erste hand || 89 iuuenem (vgl. die correctur in dem codex A bei 
Baehrens) || 9b puellae zweite, capet/ae erste band |j 95 areta || 96 Despuit 
immotlen || . Ich habe diese Varianten nur angeführt, um anderen ge- 
lehrten die zeit zu sparen, welche etwa eine prüfüng des 31ugliabecchia- 
nus vorzunehmen in der läge sein sollten. 



184 35. Tibullus. KTr. 5. 

trotzdem daß er gedichte des jungen Ovid wie des alten Ovid 
unverschämt und ungeschickt plünderte, mit hohem poetischem 
talent ausgestatteter lügner. Denn der dichter von III, 5 nennt 
sich selbst jung (6. 19. 20; vgl. auch olim in 23 und außer- 
dem 15. 16. 25. 26) und bezeichnet sich als 43 vor Chr. ge- 
boren (17. 18), würde aber nicht nur Ovids Jugend gedichte Amo- 
res (II, 14, 23. 24) und Ars Amandi (II, 670) in seinen versen 
19. 20. 16, sondern auch die zwischen 9 und 12 nach Chr. ge- 
schriebenen Tristia (IV, 10, 6) in seinem vers 18 ausgeschrieben 
haben. Nun hat zwar Baehrens (Tibullische blätter p. 40) an- 
nehmen zu müssen geglaubt, Lygdamus habe wirklich im alter 
von wenigstens 56 jähren nach dem jähre 13 nach Chr. die fünfte 
elegie geschrieben: die verse III, 5,19.20 seien von dem dich- 
ter ungeschickt angewandt; aber mit kaum erklärbarer flüchtig- 
keit hat derselbe übersehen , daß der dichter sich in vers 6 : 
Immerito iuueni parce nocere dea ausdrücklich als iuuenis be- 
zeichnet; auch kann ein dem greisenalter doch nicht fern ste- 
hender mann „von wenigstens 56 jähren" sich kaum so in den 
gegensatz zu dem greisenalter stellen, wie es in vers 25.26 
geschieht. Da somit die Bährens'sche ansieht durch den text 
des gedichtes selbst sicher widerlegt und die früher gemeinhin 
übliche annähme, wonach der gleichzeitig mit Ovid geborene 
Lygdamus in kaum denkbarer weise frech von Ovid ausgeschrie- 
ben sein sollte, durch Kleemanns ausführungen als beseitigt gel- 
ten kann, so wird nur übrig bleiben mit Kleemann anzunehmen, 
daß III, 5 ein von Ovid verfaßter und an seine in Etrurien wei- 
lenden freunde gerichteter elegischer brief ist, dessen inhalt wie 
form auch in keiner weise des Ovid unwürdig sind. Dieses ge- 
dieht hat mit den allerdings hinter Ovids genialität erheblich 
zurückstehenden elegien, die die liebe des Lygdamus zur Neära 
betreffen (111,1.2. 3.4.6) schlechterdings nichts zu thun; Klee- 
mann glaubte auch diese dem Ovid vindiciren zu dürfen, da er 
meinte, durch alte handschriftliche Überlieferung würden die ge- 
dichte III, 1 — 6 als eine buchmasse geschützt und er stellte 
demgemäß, nachdem er III, 5 als ovidianisch erwiesen, die frage 
unrichtig so : spricht etwas in der diction dawider , daß die ge- 
dichte III, 1, 2. 3. 4. 6 von demselben Verfasser wie III, 5 d.h. 
von Ovid sind? 

Die gedichte III, 1. 2. 3. 4. 6 gehören also einem sonst un- 



Nr. 3. 36. Cicero. 185 

bekannten dichter des Messallakreiscs an, der sich pseudonym 
Lygdamus nennt, und mit der auch sonst in dem Corpus Tibul- 
lianum herrschenden gleichgültigkeit gegen die anordnung ist vor 
die letzte dieser elegien jener von dem jungen Ovid an Tibull 
gerichtete hrief III, 5 gestellt. 

Uebrigens wird in diesem ovidianischen gedieht III, 5, 16 
nicht mit allen herausgebern und Tibullhandschriften : 

nee venit tardo curva seneeta pede, 
sondern nach den Excerpta Parisina, welche tacito (nicht tacita, 
wie bei Baehrens verdruckt ist) geben, zu bessern sein : nee venit 
tacito curva seneeta pede, da auch Ovid selbst in der Ars Amandi 
II, 670 sagt: Iam veniet tacito curva seneeta pede. Vgl. 
auch Tibull I, 9, 4 und I, 10, 34. 

36. Untersuchungen zu Cicero's philosophischen Schriften 
von EudolfHirzel. I. theil. De natura deorum. 8. Leipzig. 
Hirzel. 1877. — 5 mk. 

Es ist nachgerade eine triviale Wahrheit geworden, daß Ci- 
cero kein eigentlich philosophischer köpf gewesen. Wie über- 
haupt den Römern ein systematisches fortbilden der philosophie 
abzusprechen, so datirt auch von ihrem berühmtesten und ein- 
flußreichsten philosophen keine neue epoche dieser Wissenschaft. 
Cicero ist nicht mehr als dilettant auf diesem gebiete, kaum 
mehr denn ein in den meisten fällen verständiger eklektiker. 
Sein verdienst gipfelt also nicht darin, daß er die philosophie 
um einen für alle zeiten fruchtbringenden gedanken bereichert, 
sondern darin, daß er seine mitbürger für philosophische fragen 
interessirt, daß er den religiös-sittlichen niederschlag in den leh- 
ren der griechischen philosophen seinen landsleuten mundgerecht 
gemacht , indem er denselben in ein anmuthiges lateinisches ge- 
wand kleidete : mit einem worte darin, daß er der philosophischen 
Wissenschaft die brücke geschlagen für den durchgang in die 
allgemeine bildung. In seiner philosophirenden thätigkeit verfuhr 
aber Cicero je nach dem Stoffe verschieden. Themata der prak- 
tischen moral fanden allzeit an ihm einen redefertigen anwalt: 
auf dialektischem und naturphilosophischem gebiet wagte er kaum 
einmal einen freien erguß eigener gedanken, er hielt sich viel- 
mehr in erkenntniß seiner eigenen schwäche freiwillig in die 
spanischen stiefel seiner quelle geschnürt. Für uns ist das auf- 
Philolog. Anz. X. 13 



186 36. Cicero. Nr. 3. 

finden dieser quelle oft mißlich und schwer und doch von un- 
berechenbarer Wichtigkeit, weil es uns einen einblick in die gei- 
stige Werkstatt des dilettantischen popuUrphilosophen gewährt 
andererseits rtickschlüsse auf partien antiker philosophie gestattet, 
die ohne Cicero für uns ein verschlossenes buch sein würden. 

So verdient es doppelt anerkennung, wenn Rudolf Hirzel 
es unternommen hat ausgestattet mit dem rüstzeug echt philolo- 
gischer methode und umfassenden Quellenstudiums , Untersuchun- 
gen zu Cicero's philosophischen Schriften zu schreiben. Der erste 
theil behandelt die Schrift de natura deorum. 

I. Nach einer allgemeinen Vorbemerkung über Cicero's ver- 
hältniß zu seinen quellen (p. 1 — 4), die den Standpunkt Mad- 
vig's abweist, nach dem man summarisch über diese art cicero- 
nianischer schriftstellerei aburtheilen könne , die vielmehr jede 
einzelne schrift geprüft wissen will, untersucht Hirzel p. 4 — 46 
die quellen des ersten buches und zwar p. 4 — 32 die quellen 
der darstellung der epikureischen lehre. Diese wird durch Vel- 
lejus gegeben §. 18 — 56 und zerfällt in drei theile, in einen hi- 
storischen theil §. 25 — 41 (II), der umgeben ist von zwei dog- 
matischen (I und III). Der historische theil „eine kritische mu- 
sterung sämmtlicher von Thaies an, bis auf den stoiker Diogenes 
den Babylonier vorgebrachten meinungen" ist nach Hirzel und 
andern aus Philodemus negl evoeßeiag geflossen, denn was Vel- < 
lejus sagt, stimmt mit Philodem, wenn es auch gekürzt erscheint : 
I und III gehören nach Hirzel zusammen wegen der gleichen 
gegen die stoiker und den ihnen verwandten Plato gerichteten 
tendenz. Unzweifelhaft richtig. Es fragt sich bloß, wer nun 
die quelle gewesen. Früher schloß man voreilig auf Phaedrus, | 
weil Cicero in der zeit, wo er an dieser schrift arbeitete, ad Att. 
XIH, 39, 2 schrieb : libros mihi, de quibus ad te antea scripsi, 
velim mittas et maxime tbai'Syov nsgl &emv *) et flaXlddoi;. Aber 
diese briefstelle beweist doch nicht ohne weiteres , daß Cicero 
nun die erbetenen bücher wirklich als quellen benutzt. Hirzel 
entscheidet sich für Zeno , hauptsächlich aus drei gründen : 1) 
weil Cotta durch die darstellungsweise des Vellejus an Zeno's 
vortrage erinnert worden (cf. I, 21, 58 sq.), 2) weil Zeno gut 
paßt als vorbild der derben lection, die Cicero anderen phi- 

1) Die handschriften bieten tiiqhscuv und für Ilcclkddos JIMIDOC, 

worüber später. 



Nr. 3. 36. Cicero. 187 

losophen durch seine epikureer ertheilt, und endlich 3) weil Zeno 
nachweislich der beste und bedeutendste gewährsmann der epi- 
kureischen lehre in Ciceros äugen war. 

An und für sich betrachtet erscheint es befremdlich für ei- 
nen verhältnißmäßig kleinen abschnitt zwei quellen anzunehmen : 
es würde doch a priori viel wahrscheinlicher sein, daß Cicero 
eine quelle benutzt, zumal wir wissen, mit welcher fliegenden 
hast er excerpirt und compilirt, bloß um seinen schmerz ob des 
todes seines lieblingskindes zu betäuben. 

Von diesem Standpunkt aus betrachtet hat Teuffel's ansieht 
viel für sich, der den ganzen abschnitt als aus Philodem geflossen 
ansieht. Aber Hirzel weist nach, daß, abgesehen von dem stili- 
stischen riss zwischen §.24 und 25 , 20 sq. eine eingehende 
kritik der stoischen lehre vorgetragen wird und 36 sq. eine kri- 
tik derselben lehre als etwas ganz neues folgt, eine thatsache, 
die wahrlich nicht durch einheit der quelle ihre erklärung findet. 
Und selbständig d. h. ohne daß sich Cicero an eine einzelne 
schrift angelehnt, können I und III auch nicht gearbeitet sein, 
schon aus dem gründe nicht, weil III eine bekanntschaft mit 
Epikur's Schriften voraussetzt, die wir Cicero nicht zutrauen kön- 
nen. Auch Epikur selbst kann nicht quelle gewesen sein, denn 
die lehre von dem quasi corpus und quasi sanguis (45) und von 
der laovofiiu hat nicht ihn zum Urheber, wie aus dem schweigen 
des Diogenes hervorgeht. So bleibt nichts übrig als mit Hirzel 
für II Philodem, für I und III Zeno als quelle anzunehmen. 
Freilich den anspruch auf unumstößliche Wahrheit wird das re- 
sultat nicht erheben können. Bis zur schlagenden evidenz, um 
nach art der stoiker zu reden, werden wir kaum in dieser frage 
gelangen, wir werden uns mit dem wahrscheinlichsten nach art 
der neueren akademie begnügen müssen. Schoemann scheint mir 
daher sehr richtig in betreff des Philodem zu urtheilen: „daß 
Cicero diesen benutzt habe, ist aus der Übereinstimmung einiger 
stellen wenn auch sehr wahrscheinlich , doch nicht mit voller 
Sicherheit zu folgern; denn ähnliche angaben und urtheile, 
wie dort, kamen ohne allen zweifei in gar manchen anderen epi- 
kureischen Schriften ebenfalls vor" (in s. ausg. 4. aufl., p. 18 1 ). 

1) Neuerdings hat P. Schwenke eine sehr eingehende recension 
gerade derjenigen theile der Hirzel'schen schrift geliefert (Neue Jahrb. 
119, 120), die sich mit den quellen beschäftigen. Für unsern abschnitt 

13* 



188 36. Cicero. Sfr. 3. 

P. 32 — 45 weist Hirzel als quelle der kritik der epikurei- 
schen lehre von Seiten des akademikers Cotta Klitomachus nach, 
gegen Teuffei, der in seiner literaturgeschichte behauptet, Cicero 
habe Posidonius in libro quinto de natura deorum (s. N. D. 123) 
benutzt. Teuffel's ansieht wird hinfällig durch vergleich von 85 
und 123. In der ersteren stelle nämlich bekämpft Cotta die 
ansieht einzelner, als habe Epikur „we in offensionem Atheniensium 
caderet, verbis reliquisse deos, re sustulisse". An zweiter stelle be- 
kennt sich Cotta grade zu der ansieht dieser „nonnulli", ein Wi- 
derspruch, der unmöglich Posidonius octroirt werden kann. Hir- 
zel kommt vielmehr auf grund mehrfacher parallelen Cicero's mit 
Sextus Empiricus , der notorisch aus Klitomachus und somit in- 
direct aus Karneades geschöpft, zu dem resultat, daß Klitomachus 
quelle gewesen. Ebenso äussert sich Schömann a. o., Schwenke 
stellt sich auf Teuffel's seite. 

II. Der zweite theil der Hirzel'schen schrift beschäftigt 
sich mit der erklärung einiger stellen des ersten buches (p. 46 — 
98) und beginnt mit I, 19, 49, einer stelle, die von jeher eine 
crux interpretum gewesen. Hirzel citirt nach Schoemann's dritter 
aufläge, die vierte bringt wesentliche Verbesserungen, so daß die 
Stelle lautet: Epicurus autem, qui res oecultas et penitus abditas 
non modo viderit animo , sed etiam sie tractet ut manu , docet eam 
esse vim et naturam deorum , ut primum non sensu , sed mente cer- 
nantur x ) , nee soliditate quadam nee ad numerum , ut ea quae ille 
propter firmitatem Gtzoifivta appellat , sed imaginibus similitudine et 
transitione pereeptis; quum\_que~\ infinita simülimarum imaginum spe- 
cies ex innumerabilibus individuis existat et adnos affiuat (3. ausg. 
a deo afßuat) cum maximis voluptatibus in eas imagines mentem in- 
tentam infixamque nostram intelligentiam capere, quae sit et beatae 
naturae et aeternae (statt der handschrift beata natura et aeterno). 
Statt species ist mit Brieger series zu lesen. 

Zunächst handelt es sich um den ablativ „nee soliditate quadam u , 
den Schömann u. a. verleitet durch das vorangehende, „sensu und 
mente" als ablativus instrumenti auffassen. Hirzel weist durch die 
correspondirende stelle in der kritik Cotta's (105) schlagend nach, 

kommt Schwenke zu dem resultat, daß Zeno einheitliche quelle ge- 
wesen. Non liquet. 

1) Die rechtfertigung des cernantur sc. di giebt Schömann im 
anhang seiner ausgäbe p. 263—264. Die handschrift bietet cernatur. 



Nr. 3. 36. Cicero. 189 

daß es ablativus qualitatis ist : die götter werden wahrgenommen 
nicht als von einer gewissen Solidität. Sehr anspre- 
chend ist ferner „nee ad numerum", wiederum unter zuhülfenahme 
der Cotta'schen replik, erklärt und nachgewiesen als fast wört- 
liche Übersetzung aristoteleischer redeweise (Öiautvtiv ravtov xa?' 
agt&lAov), es bedeutet die individuelle identität. Also: 
die soliditas und die individuelle identität, die den festen kör- 
pern eigen ist, eignet nicht den göttern. Plane eadem est mea 
sententia. Nun wissen wir doch auch dank der Hirzel'schen be- 
weisführung den zusatz ut ea quae ille propter firmitatem ateosfxvia. 
appellat zu erklären. Aber weiter. Schwierigkeit bieten simi- 
litudine et tr ansitione. Beginnen wir mit dem letzteren. 
Hirzel meint, gestützt auf §. 109: Fluentium frequenter transitio 
fit visionum , ut e rnultis una videatur , transitio hiesse nicht der 
Übergang der bilder von den göttern zu den menschen Avie Schö- 
mann erklärt, sondern der Übergang der bilder je des einen an 
die stelle des andern. Gesetzt dies wäre richtig, und für 109 
werden wir einen ähnlichen zwischengedanken suppliren müssen, 
wie erklärt Hirzel 105: Sic enim dicebas speciem dei percipi cogi- 
tatione non sensu eamque esse eius visionem ut similitudine et 
tr ansitione cernaturt Transitio heißt sicher nichts weiter als 
was Schömann will-, daß es das epikureische dv7nva7ilrjQcaaig 
wiedergeben sollte, ist unglaublich. Nur so viel werden wir bil- 
liger weise Hirzel einräumen, daß die folge der transitio frequen- 
ter fluentium visionum die duararrl/jQmaig ist. Es geschieht ein 
Übergang ewig strömender bilder von den göttern zu den men- 
schen, und weil diese ewig strömen und eins an die stelle des 
andern tritt und alle eine Wirkung haben (s. Schömann p. 267), 
so erscheinen die vielen nur wie eins — e multis una videtur. 
Wir halten also an der erklärung Schömann's fest und erklären 
auch similitudine nicht wegen der ähnlichkeit der bilder unter 
einander, wie Hirzel will, sondern wegen der ähnlichkeit sc. ima- 
ginum et mentis } vermöge deren die bilder wahrgenommen werden; 
denn similia similibus percipiuntur. Ich wüßte auch nicht, wie 
man grammatisch die Hirzel'sche auffassung rechtfertigen wollte. 
Was für ablative sollen denn similitudine et tr ansitione sein? doch 
nicht ablativi qualitatis? Ueberhaupt aber scheint mir Hirzel 
von einer falschen ansieht auszugehen, wenn er behauptet, sed 
imaginibus similitudine et transitione pereeptis gebe die position zu 



190 36. Cicero. Nr. 3. 

der negation: nee soliditate quadam nee ad numerum. Es nimmt 
unserer ansieht nach einfach das mente wieder auf, ebenso wie 
nee soliditate e. sq. zu non sensu cernantur als nähere bestimmung 
gehört. Daß dem so sei, zeigt in §. 105 deutlich der Zwischen- 
satz „eamque esse eius visionem". Darin freilich hat Hirzel gegen 
Schümann u. a. recht, daß er betreffs der construetion des gan- 
zen satzes der handschriftlichen autorität das wort redet: es ist 
sicher kein que oder sonst was hinter quum einzuschieben, son- 
dern man hat zu capere das docet des Vordersatzes zu ergänzen. 
An dem imaginibus pereeptis — in eas imagines wird niemand, der 
seinen Cicero kennt, anstoß nehmen. In der erklärung und 
rechtfertigung des Schlusses endlich, wie ihn die handschrift bie- 
tet: quae sit et beata natura et aeterna, stimme ich Hirzel aus 
vollster seele bei. 

2) P. 85 — 90 weist Hirzel nach, daß das gesetz der iaovofita 
oder gleichmäßigen vertheilung (ut omnia omnibus paribus paria 
respondeant) außer von Cicero, den man bisher als einzigen zeu- 
gen für dieselbe angesehen, der sache nach bereits von Lucrez 
gekannt und verwerthet sei. 

3) Endlich unterzieht Hirzel 11,26 einer längeren besprechung. 
Die stelle lautet nach Schömann : Inde Anaxagoras, qui aeeepit ab 
Anaximene diseiplinam, primus omnium rerum discriptionem et motum 
mentis infinitae vi ac ratione designari et confici voluit: in quo non 
vidit neque motum sensui iunetum et continentem in inßnito ullum esse 
posse , neque sensum omnino , quo non ipsa natura pulsa sentiret. 
Hirzel polemisirt zunächst gegen Schömann, der motum für das 
handschriftliche modum setzt, wie mir scheint, mit unrecht. Denn 
abgesehen davon, daß das folgende motum in der luft schwebt, 
ist es doch bekannt und durch parallelstellen sattsam bewiesen, 
daß der vovq des Anaxagoras der Ordnung (discriptio) und be- 
wegung (motus) grund war. Sein prineip war ja aus dem be- 
dtirfniß einer bewegenden, nach zwecken handelnden intelligenz 
hervorgegangen. Wie dagegen die stelle aus Philodemus streiten 
soll, vermag ich nicht einzusehen. Dagegen erscheint es mir 
richtig, wenn Hirzel in infinito nicht wie Schömann auf den 
unendlichen geist, sondern auf die unendliche weit bezieht. 
Schwierigkeiten bleiben freilich so wie so. Ich sehe nicht, wie 
continens eine einzige nach einem bestimmten plan 
zusammenhängende bewegung heißen und motum auf die 



Nr. 3. 36. Cicero. 191 

bewegung gehen kann, die in allen ihren theilen vom be- 
wußtsein begleitet ist. Das scheint mir mit Göthe zu sprechen 
kein auslegen, sondern ein unterlegen zu sein. Was soll denn 
ullum bedeuten ? Nach meiner meinung ist Schömann's zwiscben- 
gedanke zum verständniß der stelle nöthig, daß nur körper auf 
körper einwirken kann, und continens ist die fortdauernde bewe- 
gung , die der vovg dem chaotischen durcheinander der homöo- 
merien zu theil werden läßt. Ich übersetze : dabei hat er über- 
sehen, daß eine mit bewußtsein und empfindung verbundene und 
fortdauernde bewegung im all nicht möglich und überhaupt em- 
pfindung undenkbar ist, ohne daß die bewegung schaffende kraft 
d. i. die mens mitbetroffen empfände. Das folgende giebt, seiner 
äußern form entkleidet, einfach den grund für die hier noch un- 
bewiesene behauptung. Es ist dies nämlich unmöglich, sagt der 
redner, weil körper nur auf körper einwirken kann. Sehr ge- 
wichtig schließt deshalb unser satz mit sentiret, und dasselbe 
verbum begegnet im Schlußsatz: Quod quoniam non placet, aperta 
simplexque mens, nulla re adiuncta qua sentire possit , fuger e in- 
telligentiae nostrae vim et notionem videtur. Nur der ausdruck na- 
tura für infinita mens bedarf noch eines Wortes der erklärung : 
natura heißt in diesen büchern Cicero's häufiger die blinde , be- 
wußtlose naturkraft, s. I, 35-, II, 81, und Cicero scheint grade 
hier diesen ausdruck gewählt zu haben , weil ihm nicht ohne 
weiteres das sentire als attribut zukommt, was doch bei mens 
der fall gewesen wäre. 

IDT. Der dritte abschnitt der Hirzel'schen schritt stellt sich 
in seinem breitesten und wichtigsten theile die aufgäbe nachzu- 
weisen, daß die philosophie Epikur's aus der des Demokrit her- 
vorgegangen. Die aufgäbe ist meines erachtens glänzend gelöst, 
der beweis gegen Zeller u. a. erbracht. — Daß sich die physik 
Epikurs an die atomistische naturlehre Demokrit's anlehnt, ist 
eine längst zugegebene thatsache. Aber auch in den beiden 
andern disciplinen, in der logik (von Epikur kanonik genannt) 
und in der ethik ist der grundstock demokriteischer lehre unver- 
kennbar. Was zunächst die kanonik anbelangt (p. 110 — 134), 
so steht ihr hauptsatz : „die sinnliche Wahrnehmung bildet den 
grund aller unserer erkenntniß" durchaus nicht im Widerspruch 
mit Demokrit. Vielmehr weist Hirzel auf grund von stellen des 
Aristoteles und Sextus Empiricus nach, daß Demokrit in seinen 



192 36. Cicero. Nr. 3. 

Schwankungen über den werth der sinnlichen Wahrnehmung doch 
so viel zugestanden, daß sie ein kriterium der Wahrheit bildet, 
und mehr wird man vernünftiger weise auch Epikur — cum 
grano salis verstanden — nicht einräumen. Auch von der lehre der 
tzQolrjxpeig ist der keim schon beim Abderiten zu finden. Diese 
„allgemeinen, aus erinnerung an wiederholte Wahrnehmung und 
vergleichung der dadurch der seele eingeprägten Vorstellungen 
gewonnenen begriffe" sind es übrigens, die keiner änodsi^ig be- 
dürfen, wovor sonst beide philosophen — wiederum ein punkt 
der Übereinstimmung — nicht zurückschrecken, vorausgesetzt 
nämlich, daß uns durch unsere empfindung die kriterien der Wahr- 
heit nicht suppeditirt werden. Endlich erscheint es unzweifel- 
haft, daß Kar oop *) den titel einer erkenntnißtheoretischen schrift 
Demokrit's bildete, und Epikur nannte bekanntlich seine disciplin 
xavovixrj. Der schluß ist einfach und das resultat um so plau- 
sibler, als die kanonik nur als Werkzeug für die physik galt, 
für welche ja die abhängigkeit von Demokrit ausgemachte that- 
sache ist. 

Was von der kanonik gilt, gilt auch von der ethik p. 134 
— 154, auch sie steht auf den schultern Demokrit's. Denn der 
hedonismus beider stimmt zusammen: beide verlangen ein durch 
die qiQÖvr}Gig geregeltes hingeben an die lust und drängen nicht 
die einzelne lustempfindung in den Vordergrund. Darum hat Zeller 
unrecht, der an stelle Epikurs Aristipp als quelle annahm. Zwar 
darin scheinen beide zu differiren daß Epikur die aragu^ia (ani- 
mus sine perturbatione) und die änovia (corpus sine dolore), Demo- 
krit bloß die ev&vftta als das letzte ziel alles strebens, als das ideal 
der glückseligkeit setzte, aber einerseits ist diese differenz nicht grade 
wesentlich, denn auch dem Epikur waren die g e i s t e s freuden die 
hauptsache ; andererseits ist dieser gegensatz, in solcher Schroffheit 
aufgestellt, falsch. Denn wenn wir in Plat.[Rep. 583 B. lesen: aiye 
öia tov aojfjiatog im ttjv ipvxtjv reirovaai not Xeycusvai rjSovai, o%s- 
86v ai TtXstatai ts xa) fisyiarai , tovtov tov siöovg eiai, Xvnmv 
rivsg ana'kXayal (s. Philebus 43 D), so ist dies nach Hirzel 
auf Demokrit zurückzuführen und die legende abzuthun, als ob 
Plato gegen Demokrit wegen wissenschaftlicher differenzen einen 



1) Die vertheidigung resp. erklär ung des Zusatzes tisqi koi/uw> wird 
wenig gläubige seelen finden. 



Nr. 3. 36. Cicero. 193 

unversöhnlichen haß im busen getragen. — Ueberhaupt aber 
knüpft das ganze philosophiren Epikur's an das des Demokrit 
an p. 154 — 160. Wenn es feststeht, daß Demokrit's gesammt- 
richtung darauf ging eine erklärung der natürlichen erscheinun- 
gen aus natürlichen Ursachen zu geben, so beweist Hirzel durch 
citate, daß auch Epikur seine ganze thätigkeit unter den begriff 
der naturforschung zusammengefaßt, und Hirzel krönt seine ganze 
beweisführung mit einer stelle aus Plutarch (Mor. ed. Wyttenb. 
V, 530), die angiebt, daß Epikur sich lange zeit hindurch als 
Demokriteer bekannt habe. — Was noch in diesem abschnitt 
über Wandlungen und differenzen unter den Epikureern gesagt 
wird, ist wenig und kaum geeignet den glauben an die relative 
Stabilität der epikureischen lehre zu erschüttern. Es betrifft den 
maßstab der gliickseligkeit (Timokrates), die theorie der freund- 
schaft (Philodem), die ansieht über die götter, denen spräche bei- 
gelegt wurde (Zeno beeinflußt durch Karneades), die stärkere 
hervorhebung der dialektik (Zeno). Die echten Epikureer nann- 
ten diese neuerer oocpiatat, und Hirzel macht wahrscheinlich, daß 
der begründer dieser epikureisch-sophistischen richtung Apollodor 
gewesen. — Weshalb trägt aber dieser ganze abschnitt (p. 
98 — 190) die Überschrift : differenzen in der epikureischen schule? ! 
IV. Der letzte theil unserer schrift handelt von den quellen 
des zweiten buches von de Natura deorum und kommt zu dem re- 
sultat, daß für die vier hauptstücke der darstellung der stoischen 
theologie folgende quellen zu statuiren sind: 1) für den beweis 
des daseins der götter Posidonius nsg] üscöv , 2) für die darle- 
gung ihrer beschaffenheit Apollodor nto) &bwv , 3) für den be- 
weis, daß die weit von ihnen regiert werde, Panaetius nsr/t tzqo- 
voiag und 4) für den beweis , daß sich im besondern die men- 
schen ihrer fürsorge zu erfreuen haben, wiederum Posidonius 
nsol &säv. Ueber 1 und 4 wollen wir nicht rechten, denn daß 
Cicero für sein zweites buch den Rhodier Posidonius — abgesehen 
von einigen eigenen zuthaten benutzt, ist ausgemacht und besonders 
sicher gestellt durch die art, wie er ihn zu ende des ersten buches 
citirt (123). Auch das wollen wir Hirzel gern zugeben, daß 
parallele gedankenreihen in I und H, III und IV vorkommen und 
die disposition (§. 3) nicht strenge innegehalten ist. Schon 
Schömann bietet zur rechtfertigung dieser behauptung in seiner 
ausgäbe p. 105 sq. das nöthige material. Auch darin stimmen 



194 36* Cicero. Nr. 8. 

wir mit Hirzel überein, daß für III wahrscheinlich Panaetius als 
quellenschrift anzusetzen , denn die Wiederholungen und auffalli- 
gen Schlußsätze sind in III und IV der art, daß sie selbst unter 
Voraussetzung einer größtmöglichen gedankenlosigkeit und igno- 
ranz Cicero's einer quelle nicht zugeschrieben werden können. 
Nur über II erlauben wir uns anderer ansieht zu sein. Was hin- 
dert denn diesen abschnitt als aus Posidonius geflossen anzuse- 
hen? Zunächst bestreitet Hirzel, daß sich I und II unterschei- 
den dergestalt, daß I das Vorhandensein der götter beweise und 
II ihre arten angebe, und diese negative behauptung erhält eine 
starke stütze an sätzen, wie wir sie im zweiten abschnitt bei 
Cicero lesen, s. 54 Quae cum in sideribus inesse videamus, non 
possumus ea ipsa non in deorum numero reponere, oder 55 Earum 
autem perennes cursus atque perpetui declarant in his vim et mentem 
esse divinam : ut haec ipsa qui non sentiat deorum vim habere, is 
nihil omnino sensurus esse videatur, cf. 47. Aber ist es denn wirk- 
lich eine zu große ketzerei dem Cicero zuzutrauen , daß er bei 
dieser art schriftstellerischer thätigkeit sich selber oft im unkla- 
ren über das zu beweisende befunden? Schwenke weist in sei- 
ner recension p. 133 schön nach, daß wenn wir jene Schlußsätze 
wegdenken, die entwickelung der gedanken klar und plan ist, 
vorausgesetzt daß wir „quäl es sint 11 richtig fassen. Nicht die 
verschiedenen arten der götter soll der zweite abschnitt aufzählen, 
sondern die körperlichen und geistigen eigenschaften derselben 
will er vorführen, wie dies deutlich aus I, 65 erhellt: Concedo 
esse deos , doce me igitur , unde sint , ubi sint , quales sint corpore, 
animo, vita. Wenn wir diese erklärung billigen, so wird jeder 
zugeben, daß gleiche gedankenreihen vorkommen konnten, ja 
vorkommen mußten, nur mit anderer perspective. Was Hirzel 
ferner gegen Posidonius geltend macht, daß er ein feind der 
§. 63 sq. angewandten mythenerklärung gewesen , fällt ebenso- 
wenig in die wagschale, als wenn 29 und 33 ansichten vorge- 
tragen werden, die mit den uns bekannten des Posidonius nicht 
im einklange stehen. Wir brauchen nur anzunehmen, wie auch 
Hirzel p. 215 und 216 thut, daß Posidonius bei der darstellung 
der stoischen lehre historisch zu werke gegangen und daß dieser 
gebrauch der etymologie und allegorie der lehre des Chrysippus 
angehörte, cf. Schwenke p. 135. So scheint nichts gegen Posido- 
nius als quelle des zweiten abschnittes zu sprechen, so gut wie alles 



Nr. 3. Bibliographie. 195 

aber gegen Apollodor. Ich beschränke mich auf die kühn ge- 
wagte conjectur Hirzel's aufmerksam zu machen , der ad Att. 
XIII, 39, 2 seiner hypothese zu liebe statt des handschriftlichen 
nmiDOC AIIOAAOJ&POT geschrieben wissen will. 

Es folgen p. 225 — 243 noch einige bemerkungen über Po- 
sidonius und seinen lehrer Panaetius und beider verhältniß zu 
Plato. Philo nennt den Posidonius unter denjenigen, die die ewig- 
keit der weit behaupten, Diogenes führt ihn unter den zeugen 
für die weltverbrennung auf. Hirzel löst diesen Widerspruch 
abweichend von Zeller so, daß er sagt: Posidonius habe selbst 
nicht mit entschiedenheit über diesen punkt gesprochen. So tritt 
aus auf diese weise zwischen Panaetius und Posidonius eine 
Übereinstimmung mit dem von beiden schwärmerisch verehrten 
Plato entgegen , eine Übereinstimmung , die , wie Hirzel meint. 
Panaetius und sein schüler auch dadurch zu bethätigen suchten, 
daß sie den platonischen Phaedon für unecht erklärten, weil sie 
sich nicht zur persönlichen Unsterblichkeit bekannten. Sed sa- 
pienti sat! 

Wir haben ziemlich ausführlich referirt, um den lesern einen 
etwas genaueren einblick in die an ergebnissen reiche schrift 
Hirzel's zu gewähren und zugleich das interesse zu bekunden, 
mit dem wir dem gange der Untersuchungen gefolgt sind. Möchte 
der 2. band diesem ersten bald folgen, möchte das material des- 
selben ein ebenso reichhaltiges sein und das reichhaltige mate- 
rial eine ebenso umsichtige Verarbeitung und verwerthung finden, 
wie im besprochenen ersten. 

Ferd. Becher. 

Bibliographie. 

Ein bericht über den Congres litteraire intematioval in Lon- 
don findet sich Börsenbl. nr. 202 : es ist, wie es scheint, dabei 
nicht viel herausgekommen, namentlich scheint Deutschland sehr 
in den hintergrund getreten. Die nächste Versammlung soll in 
Lissabon stattfinden : glückliche reise ! 

Börsenbl. nr. 203 enthält eine anzeige von Lorck, herstel- 
lung von druckwerken 3. aufl. 8. Leipzig, Weber (5 mk.), in 
der von vielen auf die autoren betreffenden dingen die rede ist, 
so von den manuscripten , über welche in besagter anzeige aus 
dem 1743 in Leipzig bei Gesner erschienenen buche: „der in 
der buchdruckerei wohlunterrichtete lehr -junge" folgender sehr 
zu beherzigende passus angeführt wird: „es sollten zwar billig 



* 96 Bibliographie. Nr. 3. 

alle rnanuscripta, welche man zum druck übergeben will, abson- 
derlich diejenigen, die von solchen autoribus einlaufen, welche 
nicht in loco und man sich ihres rathes nicht bedienen kann, 
auf das reinste und sauberste abgeschrieben und von den auto- 
ribus selbst revidiret sein, damit der setzer allein auf seinen grif, 
nicht aber auf das Spintisiren seine meiste zeit zubringen möge, 
maßen es sehr oft geschiehet, daß man solche rnanuscripta unter 
hände bekommet, so ein gelehrter selbst nicht lesen, vielweniger 
ein setzer errathen kann , daher es denn kein wunder , daß in 
manchen werken mehr Errata als zeilen befindlich, ganze sensus 
corrumpieret werden, und zum öftern wider des autoris meinung 
ganz was fremdes und zur sache nicht gehöriges hineingesetzt 
wird". Dann wird von der Correctur und anderem gesprochen, 
aber auf die letzte Ursache dieser übelstände nicht eingegangen, 
die lediglich in der erziehung und den schulen liegt, welche 
jetzt viel zu wenig auf den schreibunterricht achten : man beachte 
z. b., da jetzt Jahresanfang ist, die rechnungen, welche man 
bekommt; erstens sind diese oft mit so eigenthümlichen buchsta- 
ben geschrieben, daß man nur mit mühe entziffern kann, wofür der 
mann geld haben will und zweitens mit einer d i n t e, die nur 
wasser zu sein scheint. Und dies — das bemerken wir für herrn 
Lorch — reißt auch in den druckereien ein : so bekommt man cor- 
recturbogen, die nicht mit druckerschwärze, sondern mit gott weiß 
was für einer flüssigkeit gedruckt sind — und doch sollten grade 
solche für die correctur bestimmte abzüge am sorgsamsten ge- 
druckt sein. 

Wie ein gedieht Göthe's in Wien im auftrage der Staats- 
anwaltschaft hat confiscirt werden sollen, erzählt Börsenbl. nr. 
209 und macht sich darüber lustig. Aber das kann in Berlin 
jetzt auch passiren ! 

C. B. Lorch, der buchhandel und "die graphischen künste 
auf der kunstgewerbe-ausstellung in Leipzig i. j. 1879, aufsatz 
im Börsenbl. nr. 207. 213. 231. 237. 266. 277. 

Die Verhandlungen der commission für die revision des Sta- 
tuts des börsenvereins in Börsenbl. nr. 217. 219. 222. 224. 227. 

Die zeitungspreisliste der deutschen reichspost Verwaltung wird 
in Börsenbl. nr. 251 besprochen. 

Archiv für geschichte des deutschen buchhandels hft. IV 
wird in Börsenbl. nr. 268 angezeigt, auch im BAnz. nr. 260. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung von B. G. Teubner 
in Leipzig, 1879, nr. 6, abth. 1, notizen über künftig erschei- 
nende bücher: Hugo Berger, die geographischen fragmente des 
Eratosthenes neu gesammelt ; Lucian Müller, metrik der Griechen 
und Römer für die obersten classen der gymnasien; Grammatici 
latini, ex recensione H. Keilii, vol. VII, fasc. 2-, damit ist dies 
bedeutende werk vollendet ; Institutionum et regularum iuris ßo- 
mani syntagma, exhibens Gaji et Iustiniani Institutionum synopsin, 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 197 

Ulpiani librum singularum regularum, Pauli sententiarum libros 
quinque, tabulas systema institutiouum iuris Romani illustrantes, 
praemissis duodecim tabularum fragmentis : Edidit et brevi anno- 
tatione instruxit Rucl. Gneist. Ed. altera. — In der Biblio- 
theca scriptorum Graecorum et Romanorum (es wäre wünschens- 
werth Latinorum hier zu finden) Teubneriana berichtet Susemihl 
ausführlich über seine ausgäbe von Aristotelis Ethica Nicomachea. 
— Die zweite abtheilung p. 1 1 1 flg. verzeichnet erschienene bücher. 

Aus dem verlage von T. O. Weigel in Leipzig, der Claren- 
don Preß in Oxford u. s. w. Erstes verzeichniß hervorragender 
werke , welche bis auf weiteres zu = bedeutend herabgesetzten 
preisen = zu beziehen sind. 

Erster verlagsbericht von Ernst Schmeitzner in Chemnitz : 
Schriften von Fr. Nietzsche, sonst meist musikalisches, philosophi- 
sches u. dgl. 

Catalog über die national-bibliothek der deutschen classiker 
bei Hempel in Berlin. 

Den illustrirten verlagskatalog von Neff in Stuttgart bespricht 
RAnzeig. in nr. 278, den von Flemming in Glogau derselbe in nr. 286, 
den von Stoll und Bader in Freiburg i. Br. in nr. 287, den von 
Kirchhoff und Wiegands antiquarischem bücherlager in nr. 238, 
den von Harrassowitz in nr. 259. 

Kataloge der antiquare: Bulletin mensuel des livres anciens 
et modernes de Joseph Baer , nr. 17, Octobre, Novembre 1879, 
Paris; Verzeichniß nr. 25 des antiquarischen bücherlagers der 
Dieterich" 'sehen Sortiments - buchhandlung in Göttiugen; Antiqua- 
riats-catalog 52 von Simmel u. Co. in Leipzig, classische philo- 
logie und alterthumskunde , Supplement zu den catalogen 46 — 
48, December, 1879. 

Fondo di libri antichi e moderni a prezzi didotti. — Li- 
breria antiquaria. — Di Ermanno Loescher in Torino. Philologia 
classica, parte 1. Octobre 1879. 



Kleine philologische zeitung. 

Ende juni 1879 ist folgende aufforderung zu uns gelangt, 
die wir, um sie auch weitern kreisen bekannt zu machen, hier 
mittheilen: „Arn 25. märz d. j. ist G. F. Schoemann aus die- 
sem leben geschieden. — In anerkennung seiner hervorragenden 
Verdienste auf dem gebiete philologischer forschung und in dank- 
barer eriunerung an seine ausgezeichnete lehrthätigkeit haben 
amtsgenossen , schüler und Verehrer desselben beschlossen , ihm 
zu dauerndem andenken auf seinem grabe ein denkmal zu er- 
richten. — Demzufolge wenden sich die unterzeichneten an alle 
seine amtsgenossen , schüler und Verehrer mit der ergebensten 
bitte, diesem vorhaben durch geldbeiträge förderlich sein zu wol- 
len. — Die höhe derselben ist dem ermessen eines jeden über- 



198 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

lassen, auch die kleinsten beitrage werden willkommen sein: 
jeder der unterzeichneten ist zur annähme bereit. Die Samm- 
lungen werden ende juli geschlossen. — Ueber die eingegange- 
nen gelder wird nach errichtung des denkmals rechnung abge- 
legt werden. — Greifswald, Breslau, Danzig, juni 1879. 
— Dr. Ahlwardt, professor an der univ. Greifswald. Dr. Herta, 
professor an der univ. Breslau. Dr. Susemihl, professor an der 
univ. Greifswald. Helfritz, bürgermeister in Greifswald. Dr. 
Kruse, provinzial-schulrath in Danzig. Dr. Thoms, professor am 
gymn. zu Greifswald". 

Göttingen. Durch zufall sind mir aus dem lange zeit wie 
es scheint arg verwahrlosten nachlaß von C. G. Heyne eine reihe 
an diesen gerichteter b riefe bekanntgeworden, die klar darthun, 
wie nicht allein Zeitgenossen aus sehr verschiedenen kreisen die 
größte achtung gegen Heyne hegten, sondern auch welchen bedeu- 
tenden einfluß der treffliche im stillen auf die Förderung gelehr- 
ter Studien geübt hat. Daß dies in Heeren's (Heyne's Schwie- 
gersohn) bekannter biographie nicht mehr hervorgehoben, in die- 
ser der in der correspondenz geborgene schätz nicht ausgebeutet 
worden ist, mag theils in der besorgniß partheiisch zu erscheinen 
seinen grund haben, theils darin, daß damals, 1813, man über 
publication von briefen anders dachte als jetzt : vgl. Heerens 
vorr. p. VII: jetzt aber ist von dem rest gebrauch zu machen 
um so mehr geboten , als der jüngste biograph von J. H. Voß 
auf eben so ungerechte als kenntnißlose weise Heyne'n be- oder 
vielmehr verurtheilt hat. Wie und ob der noch existirende nach- 
laß zur öffentlichen kenntniß gebracht wird, steht noch dahin: 
hier dürfen nur ein paar auf archäologie und philologie bezüg- 
liche briefe gedruckt werden: zunächst einer von W. Göthe, mit 
dem Heyne mehrfach in verkehr gewesen zu sein scheint. Der 
brief lautet (wo ein gedankenstrich , ist im brief ein absatz) 
wortgetreu : [Nachdruck verboten.] 

„Sie kommen mir durch Ihr gütiges Schreiben auf eine 
freundliche Weise zuvor, und beschämen mich dadurch um so 
mehr, als ich gewissermaßen Ihr Schuldner geblieben bin. Ich 
mußte fürchten daß Sie mich für inkonsequent halten möchten, 
da ich, bey meinem Eintritt nach Eom, mein Verlangen Ihnen 
zu dienen bezeigte und nachher, außer einer vorläufigen Ant- 
wort, nichts wieder von mir hören ließ. Allein ich darf zu mei- 
ner Entschuldigung sagen : daß es mir sonderbar genug und im 
Grunde doch ganz natürlich gegangen ist. Ich erkenne es jetzt 
selbst erst nach meiner Eückkunft, aus den Briefen die ich von 
dort her an meine Freunde schrieb und die mir jetzt wieder zu 
Gesicht kommen. — Im Anfange hatte ich noch Lust und Muth 
das einzelne zu bemerken, es nach meiner Art zu behandeln und 
zu beurtheilen ; allein je weiter ich in die Sachen kam, je mehr 
ich den Umfang der Kunst übersehen lernte desto weniger unter* 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 199 

stand ich mich zu sagen und meine letzten Briefe sind eine art 
von Verstummen oder, wie Herder sich ausdrückt: Schüsseln in 
denen man die Speisen vermißt. — Wenn ich mich werde ge- 
sammelt haben, werde ich erst selbst erkennen was ich mi,- er- 
worben habe und dann wird leider gleich das Gefühl eintreten 
von dem was mir noch abgeht. — Was ich dem Publiko vorle- 
gen könnte sind Bruchstücke, die wenig bedeuten und niemand 
befriedigen. — Daß Herder zu eben der Zeit als ich hier an- 
komme, weggeht, ist mir ein sehr leidiger Vorfall. So sehr ich 
ihm die Reise gönne, so mußte ich doch nothwendig wünschen : 
daß er mir entweder hier oder ich ihm dort nützlich seyn möchte. 
— Nach meinen Verhältnissen kann ich nicht hoffen Ihnen so- 
bald in Göttingen aufzuwarten, ob ich es gleich herzlich wünsche, 
denn der größte Theil von dem was mir abgeht, ist eben das 
was Sie im Ueberflusse besitzen. — Sollte ich über das was ich 
an alter und neuer Kunst bemerckt ein allgemeines Glaubensbe- 
kenntniß hersetzen, so würde ich sagen : daß man zwar nicht ge- 
nug Ehrfurcht für das, was uns von alter und neuerer Zeit übrig 
ist, empfinden kann, daß aber ein ganzes Leben dazu gehört diese 
Ehrfurcht recht zu bedingen, den Werth eines jeden Kunstwercks 
in seiner Art zu erkennen und davon, als einem Menschenwercke, 
weder zu viel zu verlangen , noch auch wieder sich allzuleicht 
befriedigen zu lassen. — Wenn ich geneigt wäre etwas auf das 
Papier zu bringen: so wären es vorerst sehr einfache Sachen. 
Z. b. in wiefern die Materie , woraus gebildet worden, den klu- 
gen Künstler bestimmt, das Werk so und nicht anders zu 
bilden. So geben die verschiedenen Steinarten gar artige Auf- 
schlüsse über Baukunst, jede Veränderung des Materials und 
des Mechanismus, giebt dem Kunstwercke eine andere Bestimmung 
und Beschränkung. Die Alten waren , nach allem was ich be- 
mercken konnte, auch besonders hierin unaussprechlich klug und 
ich habe mich oft mit großem Interesse in diese Betrachtungen 
vertieft. — Sie sehen , daß ich sehr von der Erde anfange und 
daß es manchem scheinen dürfte als behandelte ich die geistigste 
Sache zu irdisch ; aber man erlaube mir zu bemerken : daß die 
Götter der Griechen nicht im siebenten oder zehnten Himmel, 
sondern auf dem Olymp trohnten und nicht von Sonne zu Sonne, 
sondern allenfalls von Berg zu Berg einen riesenmäsigen Schritt 
thaten. — Es ist gut daß mich der Raum nötigt aufzuhören. — 
Ich empfehle mich Ihnen bestens und bitte mich mit Ihrem An- 
gedencken zu erfreuen. Weimar d. 24. jul. 1788. Goethe 11 , — 
[Nachdruck verboten.] — Eines der folgenden hefte wird noch 
einen brief Lessing's mittheilen. — E. v. L. 

Kurze anzeige von dem „bericht über die heidnischen 
alterthümer der ehemals kurhessischen provinzen" von E. 
Finder im RAnzeig. nr. 172, beil. 1. 



200 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Der pabst hat den kardinal Hergenröther mit der reorga- 
nisation der päbstlichen archive betraut. RAnz. nr. 173. 

Homolle, professor in Nancy, geht nach D e 1 o s, um im auf- 
trage der französischen regierung ausgrabungen zu leiten. 
RAnz. nr. 176. 

Schriften die geschichte der Universität Marburg betref- 
fend, welche der neubau des Universitätsgebäudes veranlaßt hat, 
bespricht RAnzeig. nr. 178. 

Lieutenant Kirchener ist vom Britischen museum als nach- 
folger Rassams zu forschungen nach Assyrien gesendet. — RAnz. 
nr. 109 

Paris, 28. august. In einer der letzten Sitzungen der Aca- 
demie der inschriften berichtete H. Weil über einen ihm von 
Didot zur Verfügung gestellten papyrus aus dem zweiten jahrh. 
vor Chr. , in dem fragmente des Aeschylos , Euripides und an- 
dere enthalten seien. RAnz. nr. 201. [Philol. XXXIX, 3, p. 
406 ügg. bringt näheres über sie.] 

Die ausgrabungen in Olympia (s. ob. hft 2, p. 129), 
nr. XXXVI aus RAnzeig. nr. 204 : Nach mehrjährigem vergeb- 
lichem suchen wurde kurz vor dem Schlüsse der diesjährigen 
ausgrabungsperiode der dem Pelops geheiligte bezirk 
aufgefunden. Durch Pausanias angäbe stand die läge des Pe- 
lopion zum Zeustempel fest. Zu seiner auffindung wurde schon 
vor zwei jähren vom Zeustempel nach norden ein graben gezo- 
gen, welcher zwar den großen tempel der Hera lieferte, von 
dem Pelopion aber auch nicht einen stein enthielt. Und doch 
hatte der graben , wie wir jetzt sehen , das heiligthum mitten 
durchschnitten, aber durch zufall war derselbe gerade durch zwei 
gegenüberliegende lücken der Umfassungsmauer gegangen. Erst 
bei der in diesem frühjahr vorgenommenen abraumung sämmtli- 
cher zwischen Zeustempel und heraion lagernden erdmassen kam 
ein mit porosquadern eingehegter bezirk zu tage , dessen läge 
genau den angaben des Pausanias über das Pelopion entspricht. 
„Es liegt im norden des Zeustempels und erstreckt sich , unge- 
fähr in der mitte des tempels anfangend, nach dem opisthodom 
hin. Es ist mit einer steinernen einfassung umgeben ; im innern 
wachsen bäume und sind Standbilder aufgestellt. Der eingang 
ist von westen". — Obgleich bis jetzt das ganze heiligthum noch 
nicht freigelegt ist, erkennt man doch schon, daß läge und bau- 
art genau mit obiger beschreibung übereinstimmen. Auch von 
dem an der Westseite gelegenen besonderen thorgebäude ist der 
aus großen quadern hergestellte unterbau aufgefunden worden. 
Das innere des besirks nimmt ein niedriger hügel ein , dessen 
sanftansteigendem fuße die Umfassungsmauer in der form eines 
unregelmäßigen fünfeckes folgt. — Oestlich vom Pelopion sah 
Pausanias den auf einem steinernen unterbau aus asche errich- 
teten großen altar des Zeus. Da er nicht die maaße der 






Nr. 3. Kleine philologische Zeitung. 201 

länge und breite, sondern die des umfanges angiebt, so werden 
wir annehmen dürfen, daß der altar rund und nicht viereckig 
war. Außerdem ist für einen 22 fuß hohen aschenaltardie runde 
form bequemer herzustellen. — Sind nun auch östlich vom Pe- 
lopion nur wenige fundamentreste eines runden bauwerkes auf- 
gefunden , so sind wir doch berechtigt, in diesen quadern die 
letzten trümmer des großen altars zu erkennen, zumal die fun- 
damente fast genau in dem mittelpunkte des ein Stadion großen 
heiligen bezirkes von Olympia liegen, und man annehmen darf, 
daß der berühmte , uralte altar , der ideelle mittelpunkt Olym- 
pias, auch das räumliche centrum der Altis war. — Die im be- 
richte XXXI erwähnte südosthalle ist während der monate 
mai und juni vollständig aufgedeckt worden. Der ursprüng- 
liche griechische bau bestand aus vier in einer flucht liegenden 
quadratischen zimmern, welche von drei Seiten mit Säulenhallen 
umgeben waren. Der grundriß bildete daher ein langgestrecktes 
viereck; die kurzen Seiten zeigten je acht, die westliche langseite 
neunzehn dorische säulen, die östliche, nicht durchbrochene wand 
bildete mit der rückwand der Echohalle die östliche grenzmauer 
der Altis. — Als das gebäude in römischer zeit durch feuer 
zerstört wurde, errichtete man auf dem noch unbeschädigten un- 
terbau ein großes wohnhaus mit mehreren atrien , sälen , bade- 
zimmern etc. Die römischen mauern bestehen meist aus ziegeln, 
aber auch einzelne bautrümmer des älteren griechischen gebäu- 
des hat man verwendet. Reste römischer mosaikfußböden sind 
in mehreren gemächern enthalten. — Da Pausanias im Südosten 
der Altis ein gebäude sah , welches in seiner zeit als absteige- 
quartier der römischen Statthalter Griechenlands verwendet wurde, 
seinen früheren namen Leonidaion aber noch beibehalten hatte, 
so liegt es nahe , in der beschriebenen südosthalle das L e o n i- 
d a i o n zu vermuthen. — Eine stattliche ionische Säulenhalle 
haben uns die grabungen im Südwesten Olympias geliefert. Im 
gegensatze zu den übrigen , bisher gefundenen stoen , die alle 
durch eine innere säulenstellung in je zwei schiffe getheilt wer- 
den, ist die neue südwesthalle nur einschiffig. Die ostwand 
war geschlossen, an der westwand standen auf einer stufe aus 
porös ionische säulen in abständen von 2 x /4m. Die Säulenbasen, 
merkwürdigerweise mit profilirtem quadratischem plinthus, sind 
noch in situ; säulentrommeln, gebälk und rückwand sind dagegen 
im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung abgebrochen und 
zum bau der oft genannten byzantinischen festungsmauer ver- 
wendet worden. — Beim abbruch dieser mauer haben wir außer 
zahlreichen architraven und geisen schon 35 kapitelle gefunden, 
so daß diese stoa mindestens 80 m. lang gewesen sein muß. Auch 
die aus terracotta in den edelsten formen hergestellte sima ist 
in zahlreichen exemplaren ausgegraben worden. — Die erhalte- 
nen kunstformen der basen, kapitelle, gebälke und simen weisen 
Philol. Anz. X. H 



202 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

auf das IV. Jahrhundert v. Chr. als entstehungszeit hin. — 
Werfen wir schließlich noch einen kurzen rückblick auf die ge- 
sammten architektonischen und topographischen ergebnisse der 
verflossenen vierten ausgrabungsperiode , so bietet sich uns ein 
reichhaltiges bild stattlicher bauten dar, zum theil für die ge- 
schichte der griechischen baukunst von epochemachender Wich- 
tigkeit. — Im herzen der Altis das heiligthum des Pelops 
und in unmittelbarer nähe desselben reste des großen Zeusal- 
tares. — Als östlichen abschluß des heiligen haines die 
circa 100 m. lange ionische Echohalle und das einem peripteros 
ähnliche Leonidaion. An die rückwand beider bauwerke lehnt 
sich unmittelbar der westwall des in westöstlicher richtung an 
dem fuße des Kronion angelegten Stadions. — Die südliche 
begrenz ung des heiligen bezirkes bildet eine etwa ein m. hohe 
quadermauer. In derselben befindet sich in der nähe des Leo- 
nidaions ein in der form eines römischen triumphbogens erbautes, 
spätrömisches thor, durch welches die festprozessionen in die 
Altis eintraten. — Weiter westlich führt ein zweiter durchgang 
durch die südaltismauer zum buleuterion, einer gruppe von drei 
nebeneinander liegenden, zum theil mit apsiden versehenen, dori- 
schen bauten, die im osten mit einer gemeinsamen vorhalle ver- 
sehen sind. — Südlich davon, also schon außerhalb der Altis, 
wurde eine circa 80 m. lange, zweischiffige römische Säulenhalle 
entdeckt, mit korinthischen säulen im innern und dorischen im 
äußern. — An der südaltismauer entlang läuft im innern des 
heiligen haines eine breite straße , die noch jetzt zu beiden Sei- 
ten mit langen reihen der verschiedenartigsten basen für weih- 
geschenke und Standbilder besetzt ist. — Wo die straße die 
westmauer erreicht, gestattet ein schon im vorigen jähre auf- 
gefundenes thor den austritt aus der Altis. Verläßt man hier 
den heiligen bezirk, so befindet man sich unmittelbar vor einer 
halle, welche sich an der ostseite der in der IL campagne aus- 
gegrabenen byzantinischen kirche (Werkstatt des Phidias) hin- 
zieht. In nächster nähe befindet sich die oben beschriebene 
ionische südwesthalle. — An dem ebenfalls im westen, außer- 
halb der Altis, gelegenen gymnasion ist in diesem jähre nur so- 
viel gegraben worden, um zu konstatiren, daß der grundriß des- 
selben genau mit der von Vitruv gegebenen beschreibung grie- 
chischer gymnasien übereinstimmt. — Auch die grabungen an 
dem in der nordwestecke der Altis gelegenen prytaneion 
waren von erfolg. Obwohl dieser bau in römischer und byzan- 
tinischer zeit vollständig umgestaltet worden ist, gelang es doch, 
den ursprünglichen grundriß des griechischen prytaneions we- 
nigstens in seinen grundzügen festzustellen. — Schon aus dieser 
kurzen aufzählung der architektonischen funde wird man den 
eindruck gewinnen, daß die resultate der verflossenen vierten 
arbeitsperiode in architektonischer beziehung ganz besonders zu- 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 203 

friedenstellend gewesen sind. Wilhelm Dörpfeld. Nr. XXXVII 

aus KAnz. nr. 228. Die leser dieser berichte haben bereits von 
den archäologischen und architektonisch - topographischen resul- 
taten kenntniß , welche die letzten ausgrabungswochen im mai 
und juni ergeben haben. Es erübrigt daher nur noch, sie mit 
den epigraphischen ergebnissen bekannt zu machen und die be- 
richterstattung über die abgelaufene arbeitsperiode (oktober 1878 
bis juni 1879j mit einer übersieht über die gesammtheit der 
funde zu beschließen. — Unsere ins chriften ernd te ist ge- 
rade in den letzten wochen ganz ungewöhnlich reich ausgefallen. 
Nachstehende aufzählung mag einen begriff von dem werth und 
der mannigfaltigkeit derselben geben. Es wurden ausgegraben : 
im Pelopion ein rundlicher unbehauener sandsteinblock, 
auf dem große , in roh spiralförmiger anordnung eingemeißelte 
buchstaben die erinnerung an ein besonderes kraftstück verzeich- 
nen. Ein gewisser Bybon rühmt sich in der Inschrift , nach 
prof. Kirchhoffs deutung, diesen stein mit der einen, wahrschein- 
lich der linken, band über den köpf weg und über das von sei- 
nem gegner erreichte ziel hinausgeschleudert zu haben. Abo 
ein primitives siegesdenkmal , das , nach den buchstabenformen 
zu urtheilen, spätestens am anfaug des VI. vorchristlichen Jahr- 
hunderts , wahrscheinlich aber noch früher , in das Pelopion ge- 
stiftet wurde — falls wir es nämlich wirklich , was sich nicht 
mehr konstatiren läßt, an seinem ursprünglichen aufstellungsorte 
aufgefunden haben. (Ein abguß der inschrift ist im campo santo 
ausgestellt.) Im Pelopion kam auch der rest eines steinernen 
Sprunggewichtes mit dem namen wohl des weihenden ath- 
leten zum Vorschein — der abguß eines solchen , bereits früher 
aufgefundenen sprunggewichtes, jedoch ohne inschrift, liegt eben- 
falls in der Olympia-ausstellung für die freunde antiker gymna- 
stik aus. — Nördlich vom Pelopion, aber offenbar von 
der nordseite des Zeustempels hierher verschleppt, ein inschrift- 
stein, in dem dr. Furtwängler einen rest der basis jener weih- 
geschenke erkannt hat, welche Mikythos in der ersten hälfte des V. 
Jahrhunderts allen göttern und göttinnen für die genesung seines 
auszehrenden sohnes weihte. Die inschrift muß wegen der großen 
zahl der anatheme wiederholt worden sein ; denn ein gleichlauten- 
des fragment hatten wir schon vor 1 l /a jähren im nordosten des 
Zeustempels ausgegraben (Arch. ztg. 1878 taf. 17, 1). — Ebenda 
die basis der siegerstatue des Eleers Pythokles (Paus. 6, 7, 10) 
vom jüngeren Polyklet. Nichts ist uns von derselben ge- 
blieben, als der schwarze marmorblock, welcher sie trug, mit den 
aufschriften, welche man — vielleicht weil sie in späterer zeit 
nicht mehr bequem lesbar waren — an einer anderen stelle des 
blockes in einem späteren aiphabet wiederholt hat. — Im Pry- 
taneion: eine bronzene lanzenspitze, welche die Tarentiner 
dem Zeus aus dem zehnten ihrer beute in den kämpfen mit den 

14* 



204 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Thuriern darbringen (ol. 85 — 90). Ebenda ein bronzetäfelchen, 
auf dem sich der Eleer T roilos (Paus. 6, 1, 4) in zwei di- 
stichen seines kampfrichteramtes und seiner wagensiege rühmt. 
Die amtsführung dieses Troilos (ol. 102) macht übrigens in der 
geschichte der olympischen kampfspiele insofern epoche, als es 
fortan den hellanodiken verboten wurde, zugleich als bewerber 
mit ihren gespannen in den kampfspielen aufzutreten. — Unweit 
der Troilosinschrift fand sich das bathron der Kyniska, das 
auch ursprünglich (Paus. 6, 1, 3 und 6) dicht daneben hier im 
westen des Heraions gestanden hat. Noch jetzt sind auf dem- 
selben die stolzen, auch von der palatinischen anthologie aufbe- 
wahrten verse zu lesen, in denen sich die tochter und Schwester 
von Sparta's königen rühmt, allein unter allen weibern von 
Hellas den olympischen siegeskranz davon getragen zu haben. 
— Der künstler, welcher sie und das siegreiche gespann neben 
ihr in erz gegossen hatte, hat sich ebenfalls auf der basis ge- 
nannt, und zwar zum glück mit seinem bisher unbekannten va- 
ternamen als Apelleas, der söhn des Kallikles. Dadurch 
wird es nicht nur möglich, ihn der künstlerfamilie des Theo- 
kosmos von Megara anzureihen, sondern es ergiebt sich auch, 
daß er es war, welcher ebenfalls das gespann der Kyniska im 
Vorraum des Zeustempels gearbeitet hatte , wie dr. Furtwängler 
durch die ergänzung einer daselbst gefundenen inschrift (Arch. 
ztg. 1877 nr. 58) erwiesen hat. — An sonstigen künstlerinschrif- 
ten wurden noch zwei des Sikyoniers K 1 e o n entdeckt : die eine auf 
dem basisblock eines der straf-Zeusse (Paus. 5, 21, 3) ; die andere 
auf dem bathron des Kritodamos von Kleitor (Paus. 6, 8, 5). — 
Alle die erzwerke, zu denen die angeführten künstlersignaturen 
gehörten, sind für uns verloren; in einem falle aber, bei einer 
marmorstatue , können wir uns neuerdings wieder rühmen, in- 
schrift und statue gefunden zu haben. Ein bereits aus römischer 
zeit stammendes plinthenstück mit dem namen eines Dionysios, 
des Apollonios söhn aus Athen, ließ sich nämlich genau an eine 
schon früher beim Heraion ausgegrabene weibliche gewandfigur 
anfügen. Unsere kenntniß von den athenischen künstlern, welche 
in den ersten Jahrhunderten römischer herrschaft den typen der 
hellenischen kunstblüthe durch geschickte Wiederholungen die 
weiteste Verbreitung verschafften, wird auf diese weise durch ein 
neues beispiel vermehrt. Die zahl endlich der ehreninschrif- 
ten und prie st erlisten aus römischer zeit ist so groß, daß 
sie sich einer aufzählung entziehen. — Wie massenhaft in die- 
sem jähre überhaupt nicht nur die epigraphischen funde, sondern 
auch die der übrigen kleineren kunstgattungen zugeströmt sind, 
zeigt am besten eine numerische übersieht, bei welcher ich die 
zahlen aus früheren arbeitsperioden zur vergleichung daneben 
setze; 






Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 205 

Winter 1875/76. 1876/77. 1877/78. 1878/79. Summa. 
Steinskulpturen 178 409 384 357 = 1328 
Bronzen ... 685 1243 1808 3728 = 7464 
Terracotten . . 242 178 484 1190 = 2094 
Inschriften . . 79 121 229 267 == 696 
Münzen ... 175 208 987 1665 = 3035 
Es erhellt hieraus, daß die zahl der in diesem jähre gefundenen 
hronzen, terracotten, münzen und inschriften der aller vorherge- 
henden jähre zusammengenommen theils gleichkommt, theils so- 
gar sie übertrifft. Georg Treu. Nr. XXXVIII in EAnz. nr. 278. 

Bereits ist der telegraph diesen zeilen mit der künde vorausge- 
eilt, daß der langgesuchte köpf von der Nike des Paio- 
nios gefunden ist, leider ohne deren gesicht. Im folgenden 
sollen die näheren umstände dargelegt werden , welche den im- 
merhin überaus erfreulichen fund herbeiführten. — Gleich bei 
wiederaufnähme der ausgrabungen nach der Sommerpause , am 
14. Oktober, gingen wir mit etwa 100 mann in der ganzen, 100 m. 
langen rückflucht der Echohalle gegen osten vor, um nach den 
noch fehlenden ostgiebelköpfen und dem haupte der Nike zu 
suchen. Denn bei jener halle, welche die Altis im osten be- 
grenzt, hatten wir im vorigen jähre nicht weniger als zehn, theils 
den metopen des Zeustempels, theils römischen porträtstatuen an- 
gehörige köpfe ausgegraben, grund genug zu energischem weite- 
rem vorgehen in dieser richtung. Das terrain erwies sich von 
anfang an sehr günstig : einmal , weil es ganz voll von jenen 
späten trümmerhütten war, aus deren lehmwänden wir unsere 
marmorfunde hervorzuziehen pflegen, und andererseits, weil das 
antike niveau hier gegen den westwall des stadions ansteigt. 
Hatten wir in den ungünstigsten gegenden des olympischen ge- 
bietes oft 6 bis 7 m. tief im sande zu graben, ehe wir in eine 
ergiebige fundschicht gelangten, so blickten uns hier die oberen 
säume jener trümmerbauten schon entgegen, nachdem wir wenige 
handbreit der erdoberfläche heruntergeschält. — Glückliche funde 
verhießen uns gleich von anbeginn in immer steigendem werthe 
günstigen fortgang. — Bereits am 20. Oktober zogen wir eine 
kleine statue der Nemesis-Fortuna mit eile, Steuerruder 
und rad aus einer mauer hervor, welche, wie sich aus einer 
früher gefundenen Wiederholung (Ausgrab. III., 17b., 1) schlie- 
ßen ließ, einst mit jener zusammen den sogenannten geheimen 
eingang des stadions geschmückt hat. — Am 29. folgte ein 
Tituskopf, der sich mit seinem halszapfen genau in die kai- 
serstatue einfügen ließ, die wir vor l*/2 jähren auf dem Metroon- 
stylobat liegend gefunden. (Ausgrab. III., 19, 3). So wie dies 
geschehen, stand das schönste der bisher in Olympia ausgegra- 
benen kaiserbildnisse mit seinem Nereiden - geschmückten panzer 
in schwungvoller bewegung plötzlich fast vollständig vor uns. — 
Der 31. oktober brachte uns den köpf des knieenden kna- 



206 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

ben vom ostgiebel (Ausgrab. II., 7b.) und damit einen neuen 
fingerzeig und neue hoffnungen für die sechs noch fehlenden 
köpfe dieses giebels (es sind darunter häupter von solcher Wich- 
tigkeit wie das des Zeus, des Alpheios, der Hippodamia und der 
Sterope; außerdem fehlen in demselben noch die köpfe des so- 
genannten Myrtilos und eines hippokomen). Jener knabenkopf 
aber sieht aus wie ein jüngerer b rüder des Kladeos, nur von 
etwas edlerer bildung, mit scharfgeränderten äugen und vollen 
lippen. — Immer höher war indeß unter den grabscheiten un- 
serer arbeiter der stadionwall angestiegen, immer höher lagen 
die funde. — Hier nun war es, wo am mittag des 3. november 
die hacke eines arbeiters kaum handbreit unter der Oberfläche 
ein großes marmorstück traf, das sich bald als ein köpf zu er- 
kennen gab. Nachdem derselbe vorsichtig aus den ihn umge- 
benden steinen einer späten mauer herausgelöst und gewaschen 
war, zeigte sich leider sofort, daß das ganze gesicht fehlte. Im 
ersten augenblick aber vergaßen wir diesen verlust fast über 
der freude , nun wirklich den langgesuchten köpf jener Nike in 
händen zu halten, mit deren auffind ung die ausgrabungen in 
Olympia vor nun vier jähren ihren verheißungsvollen anfang nah- 
men. Daß dies in der that das haupt der Nike des Paio- 
nios sei, daran ließen den unterzeichneten große und marmor- 
art, haaranordnung und styl, gewisse technische eigenthümlich- 
keiten in der behandlung der Oberfläche und schließlich auch 
der fundort kaum zweifeln ; hatten uns doch auf dem fast 1 00 m. 
weiten wege von der Nikebasis bis hierher fragmente von glied- 
maßen, gewandfalten und flügeln, die der Nike angehörten, als 
Wegweiser gedient, ein versuch, das haupt auf den rümpf auf- 
zupassen, ergab bei der starken Zersplitterung des halses zwar 
keine absolut sicher passenden brüche, die man als rein äußer- 
lichen beweis der Zusammengehörigkeit verwenden könnte, wohl 
aler die genaueste Übereinstimmung in umriß und umfang des 
halses. — Was sich aber als durchaus verschieden von den frü- 
her gefundenen theilen der Nike erwies, war die erhaltung der 
Oberfläche an den geretteten kopfresten. Während der körper 
vom regen stellenweis völlig zernagt war, ist das hinterhaupt 
verhältnißmäßig vortrefflich konservirt. Dies mag eines theils 
davon herrühren, daß der köpf früher als der körper aus seiner 
höhe herabstürzte , wobei dann auch das gesicht abgespellt sein 
mag, und dann in jener hüttenwand geborgen wurde, aus der 
wir ihn hervorgezogen haben, während der körper allen Unbil- 
den der Witterung ausgesetzt blieb. Andererseits mag der far- 
benüberzug haar und binden geschützt haben. Einiges aber 
wird zur erhaltung des hinterkopfes jedenfalls der schütz beige- 
tragen haben, welchen die zweifellos emporgerichteten flügel den 
seiten, und ein bogenförmig zwischen denselben flatterndes ge- 
wand dem scheitel gewährt haben ; auf ein solches aber scheinen 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 207 

gewisse stücke unter den aufgefundenen flügel- und gewand- 
fragmenten mit größter Wahrscheinlichkeit hinzuweisen. — Was 
uns daher von dem neuen funde schon jetzt zu ungeschmälertem 
genuß dargeboten wird , das ist der schöne umriß des Schädels, 
um den sich das haar weich herumschmiegt, von dreifachen bin- 
den zusammengehalten, damit der stürm des windschnellen Au- 
ges es nicht zerzause. Ohne die hülfe eines bildes auf verglei- 
chungen angewiesen, möchte ich jene haaranordnung als mitten 
innestehend bezeichnen zwischen jenem haubenartigen kopfputz 
der schlanken Jungfrau in der Lapithenhochzeit des westgiebels, 
der ein Kentaur an den busen greift, und dem anmuthi- 
gen bänderschmuck jener frauenköpfe, die in verschiedenen mu- 
seen unter dem namen der Sappho vorkommen. Mit jener theilt 
der Nike-kopf die strenge des motivs , mit diesen die freude an 
dem anmuthigen haargeringel , das in übermüthig krauser fülle 
sich unter den haltenden binden hervordrängt. Jene maßvolle 
Zurückhaltung erinnert an die zeit, die den meistern des stren- 
gen styles noch nahe stand; in diesem haargelocke aber regt 
sich bereits der geist der neuen zeit, der aus dem überkühnen 
fluge und den rauschenden gewandfalten der Nike so vernehm- 
lich zu uns redet. — Und wenn uns das wichtigste, worauf wir 
am meisten gespannt sein durften, die züge des gesichts, noch 
immer vorenthalten bleiben, so brauchen wir darum noch kei- 
neswegs zu verzagen. Die jahrelangen erfahrungen der olym- 
pischen ausgrabungen lehren uns im gegentheil, daß wir mit 
größter Wahrscheinlichkeit darauf rechnen können, auch dieses 
noch zu erlangen ; haben sich hier doch schon dutzende von 
köpfen aus kleinen splittern zusammengefunden. Der olympische 
boden hat seine marmorwerke bisher in einer in der geschichte der 
antikenfunde kaum dagewesenen Vollständigkeit wiedergegeben. 
Wir werden daher auch vertrauen dürfen, daß ausdauernde be- 
harrlichkeit uns nicht nur das gesicht der Nike und die fehlen- 
den glieder des Hermes, sondern auch den größten theil der 
metopen und die noch vermißten giebelköpfe wiederschenken 
werde. Wo, um nur von den letzten zu reden, 41 mehr oder 
weniger vollständige gestalten mit 26 köpfen zum Vorschein ge- 
kommen sind, da darf man auch noch darauf rechnen, die feh- 
lenden 16 zu entdecken. Von den funden in den übrigen ge- 
bieten der Altis und namentlich im westen derselben wird im 
nächsten berichte die rede sein. Olympia, den 6. november 1879. 
Georg Treu. 

Berlin, 11. sept. „Tegel und die Humboldt", ein Vortrag 
des dr. jur. Holtze, wird im RAnz. nr. 213 kurz besprochen. 

Ueber ausgrabungen bei Regensburg berichtet einiges 
RAnz. nr. 238. 239. 

Paris, 12. nov. In dem inneren hofe des Louvre (der- 
selbe führt den namen Sphinx) stellt man jetzt die marmorstücke 



208 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

zusammen, welche das piedestal der siegesstatue bilden, die sich 
in dem karyatidensaal des Louvre befindet, und das vordertheil 
eines alten griechischen kriegsschiffes darstellen. 
1863 hatte der französische konsul Champoiseau, der auf der 
insel Samothrake mit einer archäologischen arbeit betraut war, 
die siegesstatue aufgefunden und sie nach Paris gesandt ; wegen 
mangels an geld und zeit mußte er die stücke des marmornen 
piedestals auf der insel zurücklassen. Von der jetzigen regie- 
rung erhielt Champoiseau die nothwendigen mittel, um die 24 
marmorblöcke, aus denen das piedestal besteht und von welchen 
jeder 1060 bis 2500 kg wiegt, nach Frankreich überzuführen. 
Dieses piedestal hat in so fern großen werth, als es das voll- 
ständige modeil eines kriegsschiffes ist, welches das alterthum 
(280 jähre vor Christi geburt) hinterlassen hat. EAnz. nr. 268. 
Berlin, 25. novemb. Die von den königlichen mu- 
seen erworbenen pergam enischen Skulpturen. Auf 
der akropolis des alten Pergamon (jetzt Bergama) sind seit län- 
geren jahren fragmente von hochreliefs zu tage gekommen (E. 
Curtius , beitrage zur geschichte und topographie Kleinasiens p. 
56. 62), von denen mehrere durch die gute des Ingenieurs Carl 
Humann in Smyrna als geschenk in die königlichen museen ge- 
langt und im göttersaale unter nr. 224A. — C. aufgestellt sind. 
Mit genehmigung der Hohen Pforte wurde im vergangenen 
jähre auf antrag des director Conze unter leitung Humann's eine 
ausgrabung an jener stelle veranstaltet, zu welcher der minister 
der geistlichen etc. angelegenheiten die mittel bewilligt hatte. 
Dieselbe führte sehr rasch zur entdeckung einer reihe von hoch- 
reliefplatten , die sich als theile eines großen marmorfrieses , zu 
dem auch die bereits hier befindlichen fragmente gehörten, her- 
ausstellten. Durch eine allerhöchste bewilligung wurden die mit- 
tel zur systematischen durchführung der ausgrabungen, zu welcher 
die laufenden fonds der königlichen museen allein nicht ausgereicht 
haben würden, bereit gestellt. Die arbeiten, denen se. kaiserliche und 
königliche hoheit der kronprinz , der protektor der königlichen 
museen, eingehendes Interesse widmete, sind alsdann unter lei- 
tung des ingenieurs Humann und zeitweise auch des direktors 
Conze, welcher noch gegenwärtig an ort und stelle verweilt, fort- 
geführt worden und werden demnächst ihren abschluß erreichen. 
Durch das entgegenkommen der Hohen Pforte ist es möglich ge- 
worden, den besitz sämmtlicher fundstücke den königlichen mu- 
seen zu sichern. Der größte theil der Skulpturen ist bereits 
hier angelangt. — ■ Ampelius nennt in seinem vermuthlich in der 
zweiten hälfte des n. Jahrhunderts n. Chr. geschriebenen Liber 
memorialis (VIII, 14) unter den weitwundern einen zu Pergamon 
befindlichen großen altar von marmor von 40 fuß höhe mit sehr 
großen Skulpturen, mit einer darstellung des Gigantenkampfes. 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 209 

Augenscheinlich desselben altars gedenkt der etwa um dieselbe 
zeit schreibende Pausanias (V. 13, 8, vgl. Brunn, Bull, dell' 
Inst. 1872 p. 26 f.). Die vermuthung liegt nahe, daß der bau 
von Attalus I. (241 — 197 v. Chr.) errichtet sei und im zusam- 
sammenhang stehe mit seinen über die Galater erfochtenen siegen. 
Es unterliegt keinem zweifei , daß die hauptmasse der gefunde- 
nen Skulpturen von diesem altar, und zwar von einem großen 
fries herrührt, der den kämpf der götter gegen die Giganten dar- 
stellt. — Wie der ganze altarbau gestaltet war, insbesondere 
welche stelle der fries an demselben einnahm, ist noch gegen- 
ständ der Untersuchung. Der fries selbst bestand aus platten 
von 2,30 m. höhe und einer zwischen 0,61m. und 1,10. m schwan- 
kenden breite, aus einem nicht ganz gleichmäßig gefärbten, bald 
mehr ins bläuliche, bald mehr ins gelbliche spielenden großkör- 
nigen marmor. Die figuren, im kühnsten hochrelief ausgearbeitet, 
oft ganz vom gründe gelöst, füllen denselben in der ganzen höhe 
aus , haben also etwa anderthalb lebensgroße. Die komposition 
zeigt die götter im wildesten , leidenschaftlichsten kämpf gegen 
die in phantastischer mannigfaltigkeit dargestellten Giganten, die 
zum großen theile schlangenfüßig , vielfach geflügelt, zum theil 
auch in rein menschlicher gestalt als gerüstete krieger erschei- 
nen und in barbarischer roher kampfeswuth gegen die götter 
anstürmen. Zwei augenscheinlich als pendants komponirte haupt- 
gruppen von je vier platten zeigen Zeus, der mit der linken die 
aegis schwingt , mit der rechten seine donnerkeile geschleudert 
hat, und Athena, einen Giganten, den ihre schlänge umringelt, 
bei den haaren fassend , während Nike heranschwebt , sie als 
Siegerin zu kränzen, und Ge aus dem boden sich erhebt, um 
klagend für ihre söhne zu flehen. Auf einer anderen reihe von 
platten ist Helios dargestellt , der mit seinem Viergespann aus 
der tiefe heraufkommt; auf anderen platten ist Apollo, Artemis, 
Dionysos von einem satyrknaben begleitet, Hephaistos, Boreas, 
vielleicht auch Poseidon kenntlich. An einem über dem fries 
hinlaufenden gebälk scheinen die namen der götter, unterhalb 
des frieses die namen der Giganten eingegraben gewesen zu sein. 
Während die komposition augenscheinlich von einem meister her- 
rührt und überall die gleiche frische , den gleichen reichthum 
der erfmdung zeigt, ist die ausführung keine völlig gleichmäßige 
und verräth verschiedene hände von verschiedener Sorgfalt und 
geschicklichkeit. Durchgängig aber tritt eine unvergleichliche 
meisterschaft und kühnheit der marmorarbeit zu tage. Wenn- 
gleich sich die Skulpturen als verwandt mit den werken erwei- 
sen, welche man bisher als erzeugnisse der pergamenischen kunst 
kannte, mit dem sterbenden Gallier vom Kapitol und der gruppe 
des Galliers, der sein weib getödtet hat und sich ersticht, in villa 
Ludovisi, so zeigen sie diese kunst doch von ganz neuen Seiten 
und eröffnen einen völlig überraschenden einblick in eine rieh- 



210 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

tung der antiken skulptur, welche dem modernen bewußtsein 
besonders nahe liegt und uns bisher noch wenig bekannt war. 
Die auffallende Verwandtschaft einiger motive mit der Laokoon- 
gruppe wirft neues licht auf die noch nicht sicher beantwortete 
frage nach der entstehungszeit dieses Werkes. — Die zahl der 
theils in der ganzen höhe, theils in großen bruchstücken gefun- 
denen platten ist mehr als 90; dazu kommen an 1500 kleinere 
und kleinste fragmente. Die erhaltung der Oberfläche ist sehr 
verschieden; einzelne stücke sind so gut wie unberührt, und 
namentlich für die platten, welche in mittelalterliche befestigungs- 
mauern verbaut gewesen sind, steht zu hoffen, daß sie nach ent- 
fernung des auf ihnen haftenden mörtels als besonders gut kon- 
servirt erscheinen werden. Vieles ist durch Verwitterung, man- 
ches vielleicht auch durch feuer sehr zerstört; daß ein erhebli- 
cher theil des frieses ganz zu gründe gegangen, vermuthlich zu 
kalk verbrannt worden ist, steht außer zweifei. — Neben der 
gigantomachie sind zahlreiche bruchstücke eines zweiten frieses 
von kleineren dimensionen (1,57 m. hoch) und geringerer relief- 
erhebung gefunden, dessen gegenständ noch nicht feststeht; ein 
theil scheint sich auf den mythus des Telephos zu beziehen. 
Auch eine reihe von statuen ist zu tage gekommen , von denen 
wenigstens einige auch zu dem altarbau gehört zu haben schei- 
nen. — Von Skulpturen einer älteren epoche ist nur vereinzeltes 
gewonnen, darunter ein weiblicher idealkopf von ganz ausge- 
zeichneter Schönheit. — Der zustand der Skulpturen macht eine 
öffentliche aufstellung derselben vorerst unmöglich; doch ist man 
beschäftigt, einige der am besten erhaltenen hauptgruppen so 
herzustellen, daß sie dem publikum zugänglich gemacht werden 
können. — RAnz. nr. 277. 

Berlin, 5. decemb. Einen genauem bericht über die vom 
preußischen cultus - ministerium ins leben gerufene Zeitschrift : 
„Jahrbuch der königlich preußischen kunstsammlungen" (Berlin, 
Weidmann) enthält RAnzeig. nr. 286. 

Von der ergänzung des generalstabswerkes vom kriege 1866 
und 1870 ist das zweite heft erschienen, biographien der ge- 
nerale u. s. w enthaltend: RAnz. nr. 287 zeigt es an. 

„Graf Moltke und der preußische generalstab" ist der titel 
eines von V. von Fircks edirten werkes, welches RAnz. nr. 288 
bespricht. 

Homers Ilias und Odyssee im versmaaß des Originals über- 
setzt von F. W. Ehrenihal (Leipzig, Bibliographisches institut) 
zeigt RAnz. nr. 294 kurz an. 

Ueber in Augsburg aufgefundene Überreste von alten römi- 
schen bauten berichtet RAnzeig. nr. 237. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1879: Beil. zu nr. 185 : die geschiente 



Nr. 3, Auszüge aus Zeitschriften. 211 

des alten Persiens : anzeige des buches von F. Jusii. — Beil. zu nr. 192 : 
schlafen und träumen. — Beil. zu nr. 198.199: Jolly, altindisches le- 
ben. — Beil. zu nr. 200, nr. 202. Beil. zu nr. 203. 204. 205. nr. 209. 
Beil. zu nr. 211: G. Kinkel, kunst und künstler am päbstlichen hofe 
zur zeit der frührenaissance. I. II. III. IV. V. VI. VII. — Beil. zu nr. 
204: zur gymnasialfrage: schließt an die schritt von 0. Lorenz an 
„über gymnasialwesen , pädagogik und fachbildung", referirt dessen 
gesunde ansiebten und weist dabei auf das Übergewicht der gymna- 
sien , aber auch auf den mangel an bildung in dem lehrerstande hin, 
alles mit rücksicht auf Oesterreich. — Beil. zu nr. 212: Fr. Ritschi: 
anzeige von Ribbeck's biographie bd I: die erste hälfte der anzeige 
wunderliches zeue, dann kurzes referat. — Beil. zu nr. 214: zur ägyp- 
tischen Chronologie von V. v. Strauß und Tourney. — Beil. zu nr. 
218. 219: Döllinqer, die orientalische frage in ihren anfangen. — Beil. 
zu nr. 219. 220.' nr 223. Beil. zu nr. 227: zu K. Ritters hundertjäh- 
rigem geburtstage, von Fr. Ratzel. I. II. III. IV. — Beil. zu nr. 220. 
221 : W. Hesse, die Tellsage. — beil. zu nr. 227 : lieutenant Kirche- 
ner setzt in Mosul die assyrischen forschungen von H. Rassam 
fort. — Nr. 233 : angäbe der den mitgliedern der philologenversarnm- 
lung in Trier gewährten eisenbahn- erleichterungen. — Beil zu nr. 
241. 242: die zehnte versammlang der deutschen anthropologischen 
gesellschaft in Straßburg: ist viel von gräbern und sogenannter prä- 
historie die rede. — Nr. 246: zeitungswesen: wie sehr die zeitungen 
1879 sich in Deutschland vermehrt haben, wird gezeigt. Ob das ein 
glück? In England meint man, die gute literatur sei durch das zei- 
tungswesen so gut wie vernichtet: s. ob. bd IX, 12, p. 640. — Beil. 
zu nr. 248: eine reform im brittischen museum: betrifft die Oberlei- 
tung. — Nr. 251: Weisung des französischen Unterrichtsministers, daß 
die doctordissertationen auch der Universität zu Straßburg und andern 
geschickt werden sollen. - Nr. 252. 253. 254: der russische nihilismus. I. 
II. III. — Beil. zu nr. 253 : die examina greifen in England sehr um 
sich: die examinanden zerfallen in zwei classen, die eine knaben und 
mädchen bis zum 15, die andre bis zum 18 jähr: die der zweiten, 
welche gut bestanden, erhalten den titel assnriatus oder assneiata in 
artibus! daraus werden unsre liebhaber der examina ohne zweifei Ca- 
pital zu schlagen suchen. — Beil. zu nr. 254: psyebologie der lyrik. 
— Beil. zu nr. 255. 257: die erste säcularfeier des königlichen gym- 
nasiums zu Cassel. I. II. — Beil. zu nr. 256: Gerland, heilige getränke: 
bezieht sich auf Karaiben u. dgl. — Giambattista Vico: kurze Schil- 
derung seiner schriftstellerischen thätigkeit. — Nr. 257: die unter- 
riebtsfrage in Frankreich. — In Paris ist ein besonderer lehrstuhl für 
geschichte der alten philosophie errichtet. — Beil. zu nr. 260. 261. 
263: H. Riegel, die provinzialmuseen in Frankreich. — Nr. 265: die 
insel Cypern und ihre alterthümer: besprechung des werkes von L. 
Stern und G. Ebers. — Beil. zu nr. 266. 267: Fr. v. Hellwald, zur cul- 
turgeschichte des Islam. I. II. — Beil. zu nr. 268: J. Sehen-, 1870— 
71: anzeige von J.Mähly.- wohl zu beachten. — Nr. 269: der russische 
nihilismus. VII. — Beil. zunr. 270: Ch. JB.- das neueste vom schatz- 
haus des Atreus, sehr beachtenswerth, da der auftatz ein sehr klares 
bild von diesem tholus giebt. — Nr. 274: kurzer bericht über die 
philologen-versamrnlung in Trier. — Beil. zu nr. 276. 281 : E. Presuhn, 
die 1800jährige erinnerungsfeier der verschüttung Pompeji's. I. II: 
beschreibung der feier in Pompeji. — Beil. zu nr. 284. 287: A. Wi- 
gand. allgemeine bildung und einheit der Wissenschaft. I. II. — Beil. 
zu nr. 291: Karl Bernhard Stark: nekrolog. — Beil. zu nr. 291. 292: 
C. H., graf Albert von Zollern -Hohenberg, der sänger und held. — 
Nr. 293: das amerikanische schul- und erziehungswesen : schildert die 



212 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

einrichtungen der Volksschule genauer, dann die höhern bildungsan- 
stalten, alles in einem sehr rosigen lichte : nur der schluß macht miß- 
trauisch, wo die bibliotheken kurz besprochen werden : es giebt deren 
nicht viele und die es giebt besitzen, wenigstens nach unsern begrif- 
fen, sehr wenige bücher. — Beil. zu nr. 297 : die wahrheit über die 
Cenci-fabel. — Nr. 300: über academisches lehren und lernen: anzeige 
einer am 3. august in Berlin gehaltenen rede Zellers: schöne gedanken, 
wie sie sehr oft schon ausgesprochen, nie aber von der leitenden bu- 
reaukratie beachtet sind, auch nicht vom academischen publicum selbst, 
und von diesem auch so lange nicht beachtet werden werden so lange 
docenten und Studenten da am regelmäßigsten weilen, wo das 
beste bi er ausgeschenkt wird. — Beil. zu nr. 301. 302. 303. 304: Ber- 
thold Georg Niebuhr: von Werner Hesse: sehr zu beachten. — Beil. 
zu nr. 301: lobhudelnde anzeige von der zweiten aufläge von Nicolai' s 
griechischer literaturgeschichte. — Beil. zu nr. 305: der palazzo Ric- 
cardi und seine literarischen schätze: hand Schriften -verzeichniß der 
florentiner bibliotheken : berücksichtigt besonders italienische hand- 
schriften. — Beil. zu nr. 315. 316: die provinzialmuseen in Oester- 
reich. — Nr. 317: England und der Cypern-vertrag. — Zur belgischen 
und französischen schulfrage: ein für die rechte der laien und des 
Staats eintretender artikel des Journal des Debats wird abgedruckt. — 
Beil. zu nr. 317: Fr. v. Löher, zu Spachs biographie: sein verhältniß 
zu Deutschland wird erörtert. — Louis Schneider und der russische 
einfluß in Berlin. — Beil. zu nr. 319. 320: ein Wegweiser zur errei- 
chung eines rüstigen alters. — Beil. zu nr. 322. 323 : Fr. v. Löher, 
ausflug nach Rußland. I. II. — 

Jahrbücher des Vereins von Alter thumsfreunden im Rheinlande. 
Bonn. Heft 63. 1878. Geschichte und Denkmäler. J. Schneider, die 
römischen militärstraßen des linken Rheinufers, c. Von Cöln bis Bin- 
gen. Mit 1 tafel, p. 1. — E. Hübner, der römische grenzwall in 
Deutschland. Mit 1 tafel, p. 17. — K. Christ, inschriftliches aus 
Heidelberg unter besonderer berücksichtigung keltischer namen auf 
rheinischen inschriften. Mit 1 tafel, p. 57. — H. Dütschke, beschrei- 
bung der in der Hamburger alterthümer-sammlung befindlichen grie- 
chischen, römischen und etruskischen gegenstände I, p. 88. — F. 
aus'm Werth, römische gläser. a) altchristliche goldgläser vom Rhein. 
Mit 2 tafeln, p. 99. — J. J. Merlo, das haus des Herzogs von Bra- 
bant zu Cöln, p. 115. — Literatur. Die chroniken der niederrhei- 
nischen städte. Angez. von H. Düntzer, p. 142. — F. Kraft, ge- 
schichte von Gießen und der umgegend von den ältesten zeiten bis 
zum jähre 1265. Angez. von Seeger, p. 155. — Fr. Schneider, der 
karolingische thorbau zu Lorsch. Angez. von van Vleuthen, p. 163. 

— Miscellen. Jost, Besseringen: funde, p. 164. — Schaaj 'hausen, Bonn: 
kirchhof der alten Remigiuskirche , p. 164. — Cobern a. d. Mosel: 
funde, p. 166. — Schaafhausen, Coblenz: funde, p. 167. — Derselbe, 
Erbenheim: Fränkisches todtenfeld, p. 167. — Koenen, Gohr, ein frän- 
kischer steinbau, p. 168. — Gondorf an d. Mosel: funde, p. 170. — 
Jost, Köln: die Marienkirche auf dem Capitol, p. 171. — Derselbe, 
Limburg in der Pfalz: ausgrabungen, p. 174. — Schaafhausen, Metter- 
nich: funde in der römischen villa, p. 176. — K. Christ, Miltenberg: 
berichtigungen zu den jahrbb. 60, p. 70 besprochenen inschriften, p. 176. 
Erwiderung darauf von Urlichs, p. 180. — Schaafhausen, Nettersheim: 
grabfunde, p. 181. — Koenen, Neuß: römische gräber nordwestlich vom 
münsterplatze, p. 181. — Derselbe, Neuß: ein Merowingergrab, p. 186. — 
Mehlis, der grenzfluß Obringa und die eintheilung Germaniens, p. 188. 

— Hetiner, Trier: St. Wendeler alterthümer-sammlung dem provin- 
zialmuseum übergeben, p. 189. — Paulus, Württemberg: altgerma- 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 213 

nische ausgrabungen und entdeckungen in den j. 1876. 1877, p. 190. 

— Jahresbericht für das vereinsjahr 1877 (resp. Pfingsten 1877 — 78), 
p. 199. — Verzeichniß der mitglieder, p. 205. 

Heft 64. 1878. Geschichte und Denkmäler. L. Urlichs, der 
Rhein im alterthum, p. 1. — J. Schneider, römische heerstraßen zwi- 
schen Maas und Rhein. Mit 1 tafel, p. 18. — E. Hühner, ein neues 
römisches castell in Britannien. Mit 1 tafel, p. 25. — Derselbe, bei- 
trage zu den römischen alterthümern der Rheinlande. I. Die römische 
brücke über den Neckar bei Heidelberg. Mit 1 tafel, p. 33. II. Ur- 
sprung von Mainz, p. 39. III. Grenzstein der Teutonen. Mit 1 tafel, 
p. 46. — K. Christ, der keltische gott Merdos und der arische Mi- 
thras, p. 53. — Derselbe, der achte römische meilenstein aus Heidel- 
berg, p. 62. — Derselbe , datirbare Inschriften aus dem Odenwalde 
und Mainthal , p. 65. — H. Dütschke , die antiken denkmäler der 
Kölner privatsammlungen. Mit 2 tafeln , p. 69. — Derselbe , über 
eine goldene fibula aus Etrurien. Mit 1 Holzschnitt, p. 89. — F. X. 
Kraus, römisches denkmal in Merten. Mit 1 tafel, p. 94. — F. 
Hettner , ausgrabungen römischer alterthümer im reg. bez. Trier im 
j. 1878, p. 100. — E. aus'm Werth, datirbare grabmäler des Mittel- 
alters in den Rheinlanden. Mit 2 tafeln, p. 117. — Derselbe, römische 
gläser. b) Heidnische und christliche glaskelche und patenen. Mit 
1 tafel und 1 Holzschnitt, p. 119. — J. S. Merlo, das Haus des Her- 
zogs von Brabant in Köln. Fortsetzung von H. 63, p. 141. p. 130. — 
Literatur. H. Schliemann , Mykenae. Mit vorrede von V\?. F. Glad- 
stone. Angez. v. H. Dütschke, p. 164. — lieber die bedachung der 
vierungskuppel am Münster zu Straßburg. 2. bericht. Angez. von 
H. ölte, p. 169. — Mittheilungen der k. k. central -commission zur 
erforschung und erhaltung der kunst- und historischen denkmale. 
Angez. von Aldenkirchen, p. 171. — Der geschichtsfreund. Mitthei- 
lungen des historischen Vereins der fünf orte Luzern , Ury , Schwyz, 
Unterwaiden und Zug. Bd. 32 und 33. Angez. von Aldenkirchen. — 
Ad. Thomas , geschichte der pfarre St. Mauritius zu Köln. Angez. 
von van VIeuten, p. 184. — Miscellen. Mosaikböden und Wandmale- 
reien zu Aix in Frankreich, p. 185. — van VIeuten, kleine alterthü- 
mer in Andernach, p. 185. — Römergrab bei Bertrich, p. 185. — 
van VIeuten, töpferstempel, p. 186. — J. Schtieider, nachtrag zur be- 
sprechung des Hölzermannschen Werkes 62, p. 130 fg., p. 186. — 
Heydmger , funde in der Eifel, p. 187. — Fränkisches grab bei Al- 
tenessen, p. 181. — E. aus'm Werth, fränkische grabfunde zu Nie- 
dercassel, Wesselingen, Merkenich und Brodenbach , p. 182. — Seh. 
die anthropologenversammlung am 12.— 14. aug. 1878 in Kiel, p. 193. 

— K. Christ, der name der Lahn, p. 201. — C. Bendermacher , rö- 
mische funde der Mosel, p. 202. — C. Koenen, die Merowinger-gräber 
von Niederempt resp. Frankeshoven, p. 204. — van VIeuten, frän- 
kische gräber zu Wesseling, p. 206. — J. Schneider, ausgrabungen 
bei Xanten, p. 206. 

Heft 65. 1879. Register zu den Jahrbüchern 1—60 und zu den 
zu Winckelmann's geburtstage ausgegebenen festschriften. Verfaßt 
von dr. Bone. 

Heft 66. 1879. Geschichte und Denkmäler. J. Schneider, rö- 
mische heerstraßen zwischen Maas und Rhein. Mit 1 tafel , p. 1. — 
v. Eltester, die Römerstraße zwischen Mainz und Coblenz, p. 8. — E. 
Hübner, zum römischen grenzwall in Deutschland. 1. nachtrag, p. 
13. — Derselbe, antike todtenmasken. 1., p. 26. — K. Christ, beitrage 
zur vergleichenden mythologie, p. 44. — Derselbe, datirbare inschrif- 
ten aus dem Odenwalde und Mainthal, p. 52. — C. Bone, zwei votiv- 
tafeln der Dea Icovellauna. Mit 1 tafel, p. 64. — Derselbe, die 



214 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

grabsteine der legio secunda in Obergermanien. Mit 1 tafel, p. 70. 
— J. Asbach, neue römische inschriften. Mit 1 tafel , p. 77. — .F. 
Hettner , Ainortorso gefunden in Trier. Mit 1 tafel, p. 80. — E. 
aus'm Werth, Römerstraßen, p. 81. — Derselbe, Verschluß -deckel rö- 
mischer gefäße. Mit 1 tafel, p. 93. — F. v. Vleuten, ein fund neuer 
münzen bei Bonn, p. 97. — Derselbe, kleine beitrage zur numismatik, 
p. IUI. — E. Pauls, Cornelimünster, p. 109. — Literatur. A. Dunker, 
beitrage zur erforschung und geschichte des pfahlgrabens. Mitgetheilt 
von /. Schneider, p. 116. — J. K. Hahn, das Psalterium aureum von 
St. Gallen. Mitgetheilt von H. Otte, p. 117. — W. Frühner, les 
medaülons de l'empire romain, mitgetheilt von van Vleuten, p. 125. 
Miscellen. Küntzeter, Aachen, p. 127. — van Vleuten, Bonn: funde, 
p. 138. — F. Haug, Bregenz : funde, p. 139. — Raderschatt, Cöln: 
glasgefäße, p. 142. — J. B. D. .lost, Cöln : das stift am Weidenbach, 
p. 142. — Derselbe, die Severiuskirche, p. 145. — L. Leiner, Con- 
stanz: das Rosegartenmuseum, p. 150. — Donaueschingen: Pfahlbau- 
ten, p. 151. — K. Christ, Darmstadt: römische und germanische 
funde, p. 151. — A. Deppe, über die dauer der Hermannschlacht, p. 
153. — Mehlis, Limburg: funde, p. 155. — Pohl, Linz: alterthümer 
p. 160. — Mehlis, Rheinpfalz: archäologisches, p. 161. — Pohl, Rö- 
merstraßen, p. 163. — van Vleuten, nachtrag zu p. 78, p. 165. — 
Berichtigungen, p. 166. — Jahresbericht, p. 167. — Verzeichniß der 
mitglieder, p. 174. 

Rheinisches Museum herausgeg. von O. Ribbeck und F. Buecheler 
1879, bd 34, hft 2: das tetrobolon als richtersold in Athen. Von O. 
Wachsmuth, p. 161. — Zu Horatius Sermon. IL 5. Von H. Blümner, 
p. 166. — Supplementuni Epigrammatum Graecorum ex lapidibus con- 
lectorum Scripsit: C. Iiaibel, p. 181. — Stichometrie und kolometrie. 
Von F. Blaß, p. 214. — De Hygini gromatici libro de munitionibus 
castroruin scripsit Gull. Foerster, p. 237. — Die lateinischen suffixe 
tia tio. Von H. Dünlzer, p. 245. — Zu Jamblichus de vita Pythago- 
rica. Von E. Rohde, p. 260. — Die Überlieferung der Alexandra des 
Lj'kophron. Von E. Scheer, p. 272. — Verzeichniß der siege drama- 
tischer dichter in Athen. Von Th, Bergk, p. 292. — Miscellen: 
die Eintheilung von Xenophon's Hellenika. Von C. Wachsmuth, p. 
334. — Lateinische etymologien. Von O. Keller, p. 334. — Erotema 
philologicum. Von x. y. z., p. 340. 

Hft. 3: Coniectanea. Scripsit F. Bücheier, p. 341. — Die me- 
trische lebensskizze Pindars. Von A. Ludwich, p. 357. — De Diony- 
sii et Caecillii studiis. Scripsit C. Morawski, p. 370. — Die Vorge- 
schichte des Harpalischen processes. Von H. Haupt, p. 377. — Chro- 
nologische beitrage. Von H. Usener. (Mit 1 tafel), p. 388. — Die 
Überlieferung der Alexandra des Lykophron. Von E. Scheer. (Schluß), 
p. 442. — Deidamia an Achilles. Eine mittelalterliche heroide. Von 
A. Riese, p. 474. - Miscellen: Stichometrie und kein ende. Von 
C. Wachsmuth, p. 480. — Noch einmal zur nrnyo^ogin der alten Athener. 
Von W. Heibig, p. 484. — Zu der Pariser Laertioshandschrift 1758. Von 
M. Bonnet, p. 487. — Zu Cicero Tuscul. 1. 19.43. Von H. Diels, p.487.— 
Suetoniana (carracutium, limbus, »voces animantium,« alia). Scripsit 
G. Loewe, p. 491. — Homo Plautinae prosapiae. Von G. Goetz, p. 
496. — Etymologisches. Von O. Heller, p. 498. — Quum, puur. Von 
H. Hagen, p. 501. — Grammatisches und lexicalisches aus den Ur- 
kunden der ltala. Von H. Roensch, p. 501. — Ueber die noten des 
Jos. Scaliger zu dem Glossarium nomicum des Labbaeus. Von H. 
Haupt, p. 507. — Zu den chronol. beitragen §. 388 ff. Von H. Use- 
ner, p. 508. 

Hft. 4: Zu Seneca's tragödien, von Th. Bint, p. 509. — Philo 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 215 

von Byblos und Hesychius von Milet, von E. Rohde, p. 563. — Ueber 
die verlorene partie von Plautus' Amphitruo, von S. Brandt, p. 575. 

— Das rhythmische gesetz des Demosthenes, von F. Rühl, p. 593. — 
Zu Plautus' Curculio, von G. Götz, p. 603. — Kleine bemerkungen 
zu griechischen rednern, von A. Phitippi, p. 609. — — Misce llen: 
Zeit der entstehung von Aristophanes' rtjgag , von C. H'achsmuth, p. 
614. — Timokles und Lessing, von A., p. 615. — Zu den berichten 
über den thernistokleischen bau der mauern Athens, vou A. Schäfer, 
p. 616. — Ein Diodor-fragment, von A. Ludwich, p. 619. — riyovs 
in den biographien des Suidas, von E. Rohde, p. 620. — Vergilius et 
Seneca, scr. F. £., p. 623. — Zu den neugefundenen spruchversen des 
Publilius Syrus, von G. Loewe, p. 624. — De duabus Tuciti historia- 
rum paragraphis , scr. H. Tiedtke, p. 625. — Molon oder Apollonios 
Molon, von A. Riese, p. 627. — Q. Remmius Palaemon, von Fr. Schall, 
p. 630. — Grammatisches und lexicalisches aus den Urkunden der 
Itala. (Schluß), von H. Roensch, p. 632. — Fragment einer marsischen 
inschrift, von F. B., p. 639. — — Zur abwebr, von H. Flach, p. 640. 

— Nachtrag zu p. 47ö und berichtigung zu p. 461. 

'A9rjVaiiOV. Tb/u. 8. Tti>/. a. ß' . llgökoyog p, a. — Jltgl rov 
gv&fiov Ttjg nag rifxiv Gnyovgyiug & G/eoit, ngbg TrjV dgjfaiav ngogcadiuv 
xcd fifigixrjy vnb XgvooGfUvovg Bakaaaidov p. 3. — Kgmxet xcd tgfxtivtv- 
nxcc iinb'lcodvvov üavTu^idov (zu: 2dd-a ^iacauivixi] ßißkt,o9tjxrj tJ/z. d" = 
Mty. Wtkkov ixaroviatTtj^U Bv^ctvnv^g langiag 976 — 1077) p. 44. — 
Utgi Ttjg ahiag 7tjg vnb altv AaTivwv akwanog Tqg KwvGTavnvovnöksiog 
vnb Qtodoaiov 6. Btvi&kov p. 67. — KgtTtxct xcd yga/ufiarixa vnb Kwvgt. 
2. Kovtov p. 96. — Bißkioyga'fia vnb Ev9v/uiov KaGTÖgyrj «) tkktjuvxri 
/uv&okoyia Decharme. ß) bgiGjj.bg xcd tj vvv Sieg Tr t g rfikoioyictg xctiä B. 
Schmid. y) Mi%. 'Axofnvdwv tu amLÖfutvc. vnb 2. II. Ad/xngov p. 109. — 
'Eniygaqcd ATTtxtjg dvixdoToi vnb 2inf. A. Kovfxuvovdt] p. 138. — ' Ava- 
Gxaifcd naget tö Ainvkov vnb rov aihov p. 144. — 'Ag/aiokoyrxcd tldrjoug. 
'Ag/aia iv &uiaaicp ntdiw tvgh&ivTa. 'O naget mg ' A%agvug navägyatoi 
idqog. '0 Iv Xaigwvtia kiaiv. ' Agycuokoyixbv /uovGilov. 'Ynb Ev&vpiov 
KctOTÖgx»] p. 146. — Bißkicc veocfavij p. 155. — MiTtiogokoyixai naga- 
Ttjgr/Gtig p. 157. — Ilagogd/uaTa p. 158. — Tii%. y . utgi rrjg dvuxa- 
kvipHüg ovgaviwv aw/ucauju diu rov vnokoyiGfjov vnb J. K. Koxxidov p. 
159. — Kgmxc\ xcd yga/u/uanxci vnb K. 2- Rövtov p. 198. — utgi 
rov „ov fitjv dkkd" „ov fxivioi, c\kkü" „ov yccg dkkc'c" vnb Xg. Bakaaai- 
dov p. 221. — "Eyygcufov Ttjg xoivbrr}jog Ttjg vr\aov Ildgov ngbg rbv xa- 
novddv netoav vnb Vu>. UgioTodixov p. 228. — 'Eniygaqcd ' ATTtxtjg dvix- 
domi vnb 2t. A. KovfAavovdt] p. 231. — Btßkioygctqia vnb tov civtov ■ 
IlkÜTaivog Kgircüv tlg Ttjv xa^co^iikrjfAivrjv ykwoGccy vnb A. rovvccgtj p. 238. 

— Bißkia vtorfuvtj p. 241. — MiTtwgokoyixcd nugcci^grjGtig p. 246. — 
itv/. d'. Kgmxd xcd igfxrjvtvii,xd vnb V. IIctVTcd^idov p. 247. — Kgi- 
uxrj f/ikirt] ntgl 7>jg diac/ogüg itjg GtGGakovixrjg dnb rfjg &ig/j.rjg vnb Mctgy. 
J>l s uiiGC( p. 258. — 2r)timÜGng c<g%cuokoyr/.cd vnb II A. Ko/uvtjvov p. 269. 

— 'IchiOirxä irjg vtüJTigag tkkr t vtxtjg ykuloorig vnb 'Ja». IlgwTOifixov p. 273. 

— Eniygaifcd ' ATHxr t g civixcfcrtot, vnb 2t. A. KovfAccvovdr] p. 288. — 'Eni- 
&ttct xwtjGtijjg nag 'O/utjocp vnb W. E. Gladstone {^itTcufgceGig vnb E/ufj. 
2iccrj) p. 298. — Bißkia vioefavtj p. 336. — MiTtuigokoytxal nagca^grj- 
atn p 340. 

IlagvaGGÖg. "Ev 'A&rjvcng. Tö/x. y. 1879. Jan. — Aug. Ilorxika 
qifkokoyixcc vnb Kwvgt. 2 Kovtov , §. 28. Rißkiov clvri tov C'.vriygarjov, 
p. 50. § 29. 'AvTiygcccfcc ngwra , eig/eda tj nakaid , xa\c\ q uya&d, 
dxgißrj, id-iömoTa xrk §.30, dvriygctrfa \4mxi r tvä, p. 110. §.31. 2novdrj 
ntgl T« nakaut. dviiygacpa r, ßißkta. §.32. Avriyga'ia xciwc't rj via, ifavka, 
iixala (tixaiuTfga). §. 33. AvTiygaya yfiagTq/uiva tj dirjuccgTtjfAiva, dmjg- 
d-vjfxivu, ddiög&oiTa rj dyinavbg&WTa , danytj. p. 203, §. 34. Jiog&dj 



216 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

rj inavog&w, diog&(otr)g rj inttvog&atrig, dwg&ojßig rj inavogfrOJßig, dtog- 
9to/ua. Ilagadtog&ui, nagadvögd-wßig, nagadi6g&(t){j,a, p. 271. §.35. IIa» 
gdksitpig ki^f(ag r] grjßiiog, dvcenkr}gwßtg. Jidkufi^ia, nkiJQw/ua. §. 36. 

Avnßdkkio [uvriyQaifa) , nagaßdkkio , dvtt^itd^oi, nagayivaißxw , avnyi- 
vwaxw. 'Avtißokov rj dvnßökaiov, p. 379, §. 37. Mvivdcc, ov%l pvivdaN, 
ytjXupivda, ovyl xptjkaqivdaN, nksißtoßokivda, oi/i nkiißtoßokivdaN. §. 38. 
Jccnß/nög, davuej dvtl tov davfißu) , p. 480. — ' Ag%mokoyixd: berichte 
über die verschiedenen gelehrten gesellschaften und funde p. 75. 169. 
253. 353. 430. 518. 622. 717. — Xgovvxd p. 82. 171. 436. 627. 720. — 

A&. Ilitgidov negl tov iv ©tßngwnu Ttjg 'Hnsigov fiißaiwvixov (fgovgiov 
tov dyiov Jovätov , p. 123. — A{äfjingov) ai iv 'Okvfinia avaßxaqttti, p. 
329. 152. — Askixov dr/ftotixd ußfxata , p. 165. — ' Agyvgonovkov negl 
tr)g ivtgytnxtjg inidgäßmog trjg dgößov, p. 276. — Bäjußct okiya ntgl tr)g 
'Akßvcvixrjg ykoißßrjg , p. 286. — 2axskkagonoi>kov köyog stßitrjgiog tig ro 
fxä&tj/xct tr)g Qcofiaixtjg yga/xfxatokoyiag , p. 357. — A{dfingov) tcc inißtt]- 
[xovbxec 7iogi,a/uata tiuv iv 'Okvfxnia uvaßxaifwv , avdyviußfict , ßgv. Kovg- 
xiov p. 366. — Ad/ungov to ngüitov drjfMudsg aß/ua ttjg viag ikktjvi,xr)g 
ykoißßrjg p. 400. — Kct^ä^tj 'Egv. 'Ptvdv iv tfj rakiixfj ' Axctdrjfisiu p. 416. 

— 'Egp. Alyy, r) ihovo/uct^tix, dir)yr)fxa ix ttjg ßv^avnccxrjg Ißtogiag fiita- 
(fQKßdiv ix tov ytQjunvixov p. 486. 599. 704. — 4>greßttßidrj, r) (xv&tßtogo- 
ygarjvu iv Itakia dno tov 1860, p. 498. 574. — A(ä/Angov) r) iv Aov- 
divw twigtia ngög ngoaymyrjv tüüv tkkrjvixwv ygafi/udtwv p. 514. — Adfi- 
ngov ctvsxdota vofiißfxata t7g iv Kg^rrj nöktaig Btf.vov p. 516. — 2axsk- 
kagonovkov dvaßxaqcd xal anoxakvipug y.ata tr)v neckend? 2vßagiv p. 609. 

— Jgayov/urj (ftttvr) , kakid , ti^vrjtog kdgvyl; p. 616. — Adfingov rj vats- 
gcticc tr)g iv llkaiawlg vixr/g p. 645. — Kövtov ykajßßixal nagatrjgr]ßHg. 
§. 1. 'Avctyvwg xaxüig dvtl tov dvdyvw&i*. §. 2. 'Ogyaß/uog ix tov 6g- 
yd£oj, ov%i ix tov ogyui. §. 3. ßitono/unicc, ov%l ßMonoftntia p. 658. 

Mittheilung en des deutschen archaeologischen Institutes in Athen. 
2. jahrg. Athen 1877. Heft 1. Ad. Michaelis, beinerkungen zur pe- 
riegese der akropolis von Athen, p. 1. Mit tafel. (V. nigav bei Paus. 
VI. Die attischen weihgeschenke. VII. Paus. Wanderung durch den 
tempel der Polias). — F. v. Duhn , eine ansieht der akropolis aus 
dem jähre 1670, p. 38. Mit tafel. — C. Curtius , Kybelerelief von 
der ionischen küste, p. 48. Mit tafel. — Derselbe, das asty von Athen, 
p. 53. — R. Kühler, torso eines apoxyomenos, p. 57. Mit tafel. — 
R. Weil, von den griechischen inseln, p. 59. Mit tafel. — A. Milch- 
höfer, altes grab bei Spata, p. 82. 

Heft 2. Ad. Michaelis, beinerkungen zur periegese der akropolis 
von Athen, p. 85. (VIII. Der Erechtheus des Myron. IX. Die Pro- 
machos. X. Der Standort des ehernen Viergespanns). — JE. Ziller, 
Untersuchungen über die antiken Wasserleitungen Athens, p. 107. Mit 
4 tafeln. — F. v. Duhn, Sarkophag aus Lykien, p. 132. Mit 3 ta- 
feln. — U. Köhler, attische psephismen aus der ersten hälfte des vier- 
ten jahrh. I., p. 138. — R. Weil, über die ausgrabungen in Olympia, 
p. 155. — TJ. Kühler, der südabhang der akropolis zu Athen nach 
den ausgrabungen der archaeologischen gesellschaft, p. 171. (I. Zeug- 
nisse. II. Terrassirung und Verbindungswege. III. Quellen und Was- 
serbauten). Mit einer tafel. — Derselbe, attische phratrieninschrif- 
ten p. 186. — Derselbe, der strateg Chares, p. 188. — R. Weil, zur 
inschrift von los, p. 80. — L. Julius, das alter der kleinen propyläen 
zu Eleusis, p. 190. — Derselbe, die gemälde des Polygnot in der pi- 
nakothek der propyläen zu Athen, p. 192. — Sitzuugsprotokolle, p. 
194. — Ernennungen, p. 195. — Eingegangene schritten, p. 196. 

Heft 3. U. Köhler, attische psephismen aus der ersten hälfte des 
4. jahrh. IL, p. 197. — F. v. Duhn, votivreliefs an Asklepios und Hy- 
gieia, p. 214. Mit 4 tafeln. — H. Röhl, inschriften von Melos und 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 21 7 

Rhodos, p. 223. — TJ. Kühler, der südabhang der akropolis zu Athen 
nach den ausgrabungen der archaeologischen Gesellschaft, p. 229. 
(IV. Bauliche reste. V. Ueber einige aufgefundene monumente. VI. 
Schlußergebnisse). Mit 1 tafel. — A. MUchhöfer, die gräberfunde in 
Spata, p. 261. — TJ. Köhler, drei hypothekensteine aus Spata. p. 277. 

— Spyr. Lampros , über das korinthische amphitheater, p. 282. Mit 
1 tafel. — */w«v. A. Viafxttvoq, InHv/ißidios Ksgxvgcüxtj Imygaf^, p. 289. 

— TJ. Köhler, nachtrag zu dem vertrage der Athener und Thessalier, 
p. 207. p. 291. — Eingegangene Schriften, p. 292. 

Heft 4. Die antiken kunstwerke aus Sparta und Umgebung be- 
schrieben von H. Dressel und A. MUchhöfer, p. 293. Mit 6 tafeln. 

3. jahrg. 1878. Heft 1. TJ. Köhler, über die zeit und den Ur- 
sprung der grabanlagen in Mykene und Spata, p. 1. — L. Julius, 
zwei peloponnesische bronzen, p. 14. Mit 1 tafel. — H. G. Lolling, 
symmachievertrag der Phoker und Boeoter, p. 19. — G. v. Alten, die 
thoranlagen bei der Hagia Triada zu Athen, p. 28. Mit 2 tafeln. — 
TJ. Köhler, mauerbauinschriften aus Piraeus und Athen, p. 49. — A. 
Papadopulos , inschriften aus Thira in Lydien, p. 55. — F. v. Duhn, 
bericht über eine reise in Achaia, p. 60. — Eingegangene Schriften, p. 82. 

Hft. 2. C. Kobert, satyrmasken aus terracotta, p. 83. Mit 1 tafel. 

— H. G. Lolling, ptoische inschrift. Mit einem anhang, p. 86. — 
G. Körte, zwei statuen aus Aegion in Achaia, p. 95. Mit 2 tafeln. — 
TJ. Köhler, dokumente zur geschichte des athenischen theaters. I. II. 
Mit einem excurs, p. 104. — H. G. Lolling, böotisehe scbauspieler- 
inschriften, p. 135. — TJ. Köhler, die läge desThesmothesion in Athen, 
p. 144. — Derselbe, hallenanlage am südfuße der akropolis zu Athen, 
p. 147. Mit 1 tafel. — H. G. Lolling, inschriften aus der korykischen 
grotte, p. 154. — Ad. Furticängler, büste Pans in terracotta, p. 155. 
163. Mit 1 tafel. — TJ. K{öhler), inschriften von Naxos, los und Gy- 
thion (nach rnittheilungen der herrn Zerlentis, Smyrlis und Deffner), 
p. 161. — G. Löschke, stele aus Amyklae, p. 164. — TJ. Köhler, 
rfic'ü.ui l%?\t vfrf gixcci , p. 172. — R. Weil, inschrift aus Thelpusa, p. 
177. — Sitzungsprotokolle, p. 179. — Ernennungen, p. 180. 

Heft 3. Ad. Furtwängler , die Chariten der akropolis, p. 182. — 
r. Sovgittg, 1-niyoarjriXtaxi) twv KXvn tfwy, p. 203. — R. Weil, über die 
ausgrabungen in Olympia. 2. aufsatz, p. 208. — TJ. Köhler, docu- 
mente zur geschichte des athenischen theaters. III. IV. Mit einem 
nachtrag zu II, p. 229. — H. G. Lolling, weihinschrift aus Marathon, 
p. 259. — K. J. MvXwvag, dvo mvxra xiaomga, p. 265. Mit 2 tafeln. 
n. Zra/uaraxtis, ntgl iov naget ib 'Hgctlov xrt&ctgia&iyrog Tctqov , p. 271. 
Mit 1 tafel. — Ad. Furtwängler, relief aus Argos und broncestatuette 
des Pan, p. 287. Mit 2 tafeln. — TJ. K(öhler) , inschrift aus Akrai- 
phia, p. 299. 

Heft 4. G. Körte, die antiken sculpturen aus Boeotien, p. 301. 

4. jahrg. 1879. Heft 1. H. G. Lolling, Atarneus, p. 1. — Der- 
selbe, zum grabstein der Phrasikleia, p. 10. — /. H. Mordtmann, 
metrische inschriften aus Chalkedon, Kyzikos, Heraklea Pontica und 
Nikomedien, p. 11. — S. Weil, das Asklepieion von Naupaktos, p. 
22. — U. Köhler, epigraphische rnittheilungen 1. 2. p. 30. — G. 
Loeschke , altattische grabstelen, p. 36. Mit 4 tafeln. — A. MUch- 
höfer, Sphinx, p. 45. Mit 2 tafeln. — TJ. Köhler, eine attische ma- 
rineurkunde, p. 79. — E. Oberg, goldsachen aus Athen, p. 90. — 
Sitzungsprotokolle, p. 94. — Ernennungen, p. 96. 

Heft 2. TJ. Kühler, attische Prytanen - Urkunden , p. 97. — \H. 
G. Lolling, der hermioneische archipel, p. 107. — A. Ucmu&onovXog 
xccTdkoyos twv /ufTalhxüiy äg)(ca,07JJTwv rov Iv 2fivgvn /uovnsiov jljf tvay- 
ythxtjt ff^oA^, p. 114. — A. MUchhöfer, antikenbericht aus dem Pe- 

Philol. Auz. X. 15 



218 Literatur. Nr. 3. 

loponnes, p. 123. Mit 4 tafeln. — F. Thiersch, die tholos des Atreus 
zu Mykenae, p. 177. Mit 3 tafeln. — O. Benndorf, relief einer at- 
tischen grabvase, p. 183. — A. Povceonovlog , dgccy^rj ' AXi^äv&Qov rov 
4>tQttiov, p. 187. — II. Sra/xaiccxfjg $my(ja<pi) TiJau OfffnuJÜP, p. 191. 

Revue de philologie, de litterature et d'histoire anciennes. Nouv. 
Se"r. Annee III. 1879. Livr. 1. Etudes sur Demosthenes. I. La 
guerre d'Olynthe et la guerre d'Eubee, par Henri Weil, p. 1. — 
Note paleographique (souscription du discours de De'mosthene contra 
la lutte de Philippe), par r., p. 13. — A propos d'un vers de Iuve- 
nal (VII, 104), par Gaston Boissier, p. 14. — Sur Xenophon Cyro- 
pedie VIII, 1 , 20 et Procope guerre des Groths I, 14, par X., p. 15. 

— Notes sur un manuscrit de la bibliotheque de Schlestadt (Vitruve), 
par A. Giry, p. 16. — Sur le sens de l'exclamation »malum !« , par 
Const. Martha, p. 19. - Sur Catulle LV, 29 et XXII, 7-9, par JB. 
Benoist, p. 26. — Quelques passages d'Ipbigenie en Tauride, par Ed. 
Tournier, p. 28. — Sur un nouveau fragnient d'Eschyle, par H. W., 
p. 32 (v. Wilamowitz-Möllendorff, de Rhesi scholiis disputatiuncula 
Greifswald 1877). — Le culte des Divi et le culte de Rome et d'Au- 
guste, par E- Desjardins, p. 33. — Sur Sidoine Apollinaire 9, 296 et 
11, 56, par Em. Chatelain, p. 64. — Un passage des Georgiques (I, 
221 — 222), par O. Niqoles, p. 65. — Homerica, par H. van Herwer- 
den, p. 68. — Emendatinnculae 3. (Esch. Pers. 284). 4. (Her. 1, 132). 
5. (Eur. Herc. für. 1251) par E. T{ournier), p. 78. — Melanges criti- 
ques (1. Fronto ed. Naber p. 99. 2. Sur la Medee et l'Andromache 
d'Ennius. 3. Une vieille enigme de Varron Gell. 12, 6), par L. Havet, p. 79. 

— Philon de Byzance fortifications : notice preliminaire; texte jus- 
qu'au §. I, 3, traduction et notes, par Ä. de Rochas-Aiglun et Ch. 
Graux, p. 91. 

Livr. 2. Avril 1879. Philon de Byzance fortifications: texte de- 
puis le §. I, 3 jusqu'au §. V avec traduction et notes, par A, de 
Rochas-Aiglun et Ch. Graux, p. 113. 

Revue des Revues et publications ä l'antiquite classique publ. en 
1878: Allemagne p. 1—112. 

Livr. 3. Juillet 1879. Philon de Byzance, fortifications: texte 
depuis le §. V .jusqu'ä §. XII avec texte et notes (fin), p. 129. — 
Varia, par P. Thomas, p. 152 (1. Sur l'Hortensius de Ciceron. 2. Ma- 
nil. astron. V, 322—323. 3. Ter. Heautont. 1017—1020). — Observa- 
tion sur le texte de Sidoine Apollinaire, par Em. Chatelain, p. 154. 

Revue des Revues etc. publ. en 1879. Allemagne — France, p. 
113—240. 



Literatur 1879. 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt 1 )). 

Revue de philologie de litterature et d'histoire ancienne. Nou- 
velle serie publiee par MM. Ed. Tournier, L. Havet et Ch. Graux. 
Annee et Tome III. 8. Paris, C. Klincksiek. 

Homerisches verballexicon mit angäbe der etymologie und erläu- 
terung der unregelmäßigen verbalformen für obere gymnasialclassen 
von C. Thiemann. 8. Leipzig, Teubner. 

Otto Crusius de Babrii aetate. Dissertatio inauguralis. . . Lipsiae. 
8. Hirschfelder. 1879. 

Lexicon Theocriteum. Composuit Jo. Rumpel. 8. Lips. Teubner. 

Kurt Bernhardt, de tones in mediis syncopatis usu Aeschyleo 4. 
Chemnitz. (Programm). 

De Alcestidis et Hippolyti Euripidearum interpolationibus. Dis- 

1) Keine Jahreszahl steht bei den 1879 erschienenen schriften. 



Nr. 3. Literatur. 219 

sertationis de interpolatione Euripidea specimen. Dissertatio inaugu- 
ralis quam .... defendet scriptor Joannes Henricus JVheeler. 8. Bonn. 

De Aristophanis comici vocabulorum formatione et coinpositione. 
Scripsit Viliehn. Uckermann. 8. Marburg, Elwert. 

De Aeneae commentario poliorcetico. Scripsit Adolf Carol. Lange. 
8. Berol., Calvary. 

Die quellen des Flavius Josephus in seiner Arcbaeologie. Von 
Heinrich Bloch. 8. Leipzig, Teubner. 

Syrnbolae criticae et palaeographicae in Plutarchi Vitas Parallelas 
et Moralia. Scripsit Gregorius N. BernaräaJcis. 8. Lips., Teubner. 

Aristotelian studies. I. On the structure of the seventh book of 
tbe Nicomachean ethics chapters I— X. By J. Coon Wilson. 8. Ox- 
ford, Clarendon preß. 

Quaestiones Archimedeae. Scripsit J. L. Heiberg. Inest de are- 
nae numero libellus. 8. Hauniae, Kleine. 

Die quellen Strabons im sechsten buche untersucht von dr. Georg 
Hunraih. 8. Cassel, Kay. 

Exercitationes criticae in Antiphontis orationibus. Dissertatio 
inauguralis quam ... scripsit Hermannus Reutzel. 8. Gissae, Ricker. 

Demosthenes neun philippische reden . . . erklärt von C. Rehclantz. 
Zweites heft. I. abtheilung. Vierte aufläge. 8. Leipzig, Teubner. 

Ausgewählte comoedien des Plautus . . . erklärt von J. Brix. Er- 
stes bdchn. Trinummus. 8. Leipzig, Teubner. 

Die unvollständigen verse in Virgils Aeneide. Von F. W. Musi- 
scher. 4. Jauer. (Programm.) 

De C. Valerii Flacci tropis et figuris. Scripsit Hermannus Gel- 
bing. 8. Marburg. 1878. 

Claudii Claudiani Carmina. Vol. Ilum. Carm. XXV-XXXVII 
et carmina minora recensuit Lucloincus Jeep. Accedunt nonnullaalio- 
rum carmina quae in Mss. Claudiani leguntnr. 8. Lipsiae, Teubner. 

Untersuchungen zur echtheitsfrage der Heroiden Ovids von W. 
Zingerle. 8. Innsbruck, "Wagner. 1878. 

Poetae latini minores. Recensuit et emendavit Aemüius Baehrens. 
8 min. Lips., Teubner. 

Untersuchungen über die ältesten lateinischen christlichen rhyth- 
men. Mit einem anhange von Hymnen von dr; Joh. Huemer. 8. 
Wien, Holder. 1878 

Die fragmente des Coelius Antipater. Von Otto Gilbert. (Beson- 
derer abdruck aus den Jahrb. f. Philol. bd. X.) 8. Leipzig, Teubner. 

Die fragmente des L. Coelius Antipater von W. Sieglin. 8. 
Leipzig, Teubner. (Besonderer abdruck aus suppl. zu Jahrb.* f. Phil, 
bd. XL) 

Dr. Petersdorf, C. Julius Caesar num in bello gallico enarrando 
nonnulla e fontibus transcripserit. 4. Beigard, Klump. (Programm.) 

Zwei Maiblinger handschriften (hauptinhalt Sallnst und Cicero) 
besprochen von Georg Schepss. 8. Dinkelsbühl. 1878. (Programm.) 

Bericht über Curtins-handschriften des ungarischen nationalmu- 
seums, von dr. Michael Ring. 4. Budapest, Aigner. 

^ Q. F. F. F. Q. S. Instituto Archaeologico Romano imperii Germa- 
nici decem lustra feciliter peracta amica mente gratulatur bonaque 
vota facit Universitas literarum Julio-Maximiliana interprete Carolo 
Ludovico Urlichsio, philologiae P. P. 0. Inest commentatio de vita et 
honoribus Taciti, duodecimum instituti Wagneriani programma. 4. 
Wirzeburgi, Stard. 

Cornelio Tacito. Della vita di Giulio Agricola e della Germania. 
Versione italiana di M. Messina Panlini. 8. Palermo. 1875. 



220 Literatur Nr. 3. 

Beiträge zur textkritik der Scriptores historiae Augustae, von dr. 
Mich. Petschenic/. 8. Wien, K. Gerolds söhn. 

M. Tullii Ciceronis de Legibus libri tres. Erklärt von dr. Ad. 
du Mesnil. 8. Leipzig, Teubner. 

Zur kritik und erklärung der briefe Cicero's an Atticus. Einla- 
dungsschrift zu den schulfeierlichkeiten des jahres 1878/79 an der 
königl.schulanstalt zu Nürnberg von Friedrich Schmidt. 8. Nürnberg, 
Fr. Campe. 

De Ciceronis quae feruntur ad Brutum epistolis scripsit Ferd. 
Becher. 4. Harburg. 1870. (Programm.) 

W. Oemoll, adnotationes criticae in L. Annaei Senecae dialogos. 
4. Ohlau. 1877. (Programm.) 

Collectio librorum juris antejustinianei. Tomus alter. — Ulpiani 
über singularis regularum. — Pauli libri quinque sententiarum. — 
Fragmente minora secnlorum p. Chr. n. secundi et tertii. Recensuit 
Paulus Krueger. 8. Berol., Weidmann. 

Cassii Felicis de medicina ex graecis logicae sectae auctoribus li- 
ber translatus sub Artabure et Calepio consulibus (a. 447) nunc pri- 
mum editus a Vol. Rose, 8 min. Lips., Teubner. 

Griechische aoriste. Ein beitrag zur beschichte des tempus- und 
modusgebranchs im Griechischen von Leo Meyer. 8. Berlin. Weidmann. 

Apollon pythoktonos. Ein beitrag zur griechischen religions- und 
kunstgeschichte von Theodor Schreiber. Mit zwei tafeln in lichtdruck. 
8. Leipzig, Engelmann. 

Solone. Saggio critico - biografico di Luigi Cerrato. 8. Torino, 
Loescher. 

Zur geschichte der attischen finanzverwaltung im fünften und 
vierten Jahrhundert. Von dr. Thomas Fellner. 8. Wien, C. Gerolds 
söhn. 

De rebus imperatore M. Aurelio Antonino in Oriente gestis. Quae- 
stiones historicae et chronologicae de bello Armeniaco Parthico et de 
Avidii Cassii seditione. Accedunt appendices et conspectus titulorum. 
Scripsit Ernestus Napp. 8. Bonn, Habicht. 

Ausführliche grammatik der lateinischen spräche, von dr. Ra- 
phael Kuehner. Zweiter bd., zweite abtheilnng. 8. Hannover, Hahn. 

De conjunctione quom. Scripsit Carolus Goebel. 8 min. Gue- 
terslohae, Bertelsmann. 

Die altsprachliche Orthoepie und die praxis. Von dr. R. Bouter- 
weck und dr. A. Tegge. 8. Berlin, Weidmann. 1878. 

Römische alterthümer von Ludivig Lange. Zweiter band. Der 
staatsalterthümer zweiter theil. Dritte aufläge. 8. Berlin, Weidmann. 

Geschichte des römischen postwesens während der kaiserzeit, von 
E. E. Hudemann. (Nachträge.) 8 min. Berlin, Calvary. 

Antik und modern. Ein Vortrag von dr. Christian Muff. 8 min. 
Halle, Mühiniann. 

Die Berliner amazonenstatue. Archaeologische festgabe darge- 
bracht dem herrn geheimen cabinetsrath a. d. dr. E. Prosch , inten- 
danten der großherzoglichen kunstsammlungen. ritter hoher orden zur 
feier seines fünfzigjährigen Jubiläums am 25 juni 1877 von dr. Frie- 
drich Schlie 5. Schwerin, Bärensprung. 

Carmina burana selecta. Ausgewählte lateinische studenten-trink- 
und liebeslieder aus dem 12. und 13. Jahrhundert aus dem codex bu- 
ranus mit neudeutschen Übersetzungen, geschichtlicher einleitung, an- 
merkungen und beigaben. Eine literatur -kulturgeschichtliche studie, 
zugleich ein liederbuch. Von Adolf Ponnwerth von Bärnstein. 4 min. 
Würzburg, Neudinger. 



Nr. 4. lYovemb. December 1879. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Püilologus 



von 



Ernst von Lentsch. 



37. De Iliadis libro vicesimo quarto. Pars prior. Scripsit 
Antonius Tomaszewski. (Programm des königlichen ka- 
tholischen gymnasiums zu Culm). gr. 4. 18 p. Culm 1876. 
— In Kaysers bücher-lexicon th. 20 und sonst auch aufgeführt 
als: Dissertatio inauguralis. gr. 4. 18 p. Thorunii 1876. (Jena, 
Deistung). 

Nach 1 ) einer einleitung, in welcher der Wolf-Lachmannsche 
Standpunkt in der Homerfrage empfohlen wird, wendet sich der 
verf. p. 3 der letzten rhapsodie der Ilias zu. Er bemerkt, wenn 
man sich auch nicht vorstellen dürfe, Homers nachahmer seien 
ohne jede kunst gewesen, so sei doch bei ihnen, speziell bei dem 
Verfasser von ft , vieles matt , anderes in form und inhalt von 
Homer abweichend, wieder anderes entlehnt — etenim quarta fere 
pars totius rhapsodiae ex aliis rhapsodüs deprompta est 2 ). Als 
motiv für den dichter wird mit Lachmann II. XXII, 412 — 28 
angesehen, aber der bekannte aussprach desselben Betr. 2 p. 84: 
„so viel jedoch hätte ich Aristarch wohl zugetraut , daß er das 
letzte buch ganz verworfen hätte", durch ein citat aus Liesegang 
de XXIV Iliadis rhaps. diss. Pars prior. (Duisburger programm 
1862) p. 5 als grundlos hingestellt. Man muß sich billig wun- 
dern dem namen dieses mannes hier zuerst zu begegnen , da 



1) Die besprechung erfolgt erst jetzt, weil sich ref. zweimal mit 
der bitte eine ähnliche anzeige aufzunehmen an die Berliner Zeitschrift 
für gymnasialwesen vergeblich gewandt hatte. 

2) So hatte auch referent auf p. 6 seiner dissertation de versibus 
in extr. IL rhaps. Heraus p. 6 erklärt: Etenim quarta fere pars totius 
rhapsodiae (versus circiter 200) ex aliis seu Iliadis seu Odysseae libris irans- 
lata est. 

Philol. Anz. X. 16 



222 8l Homeros. Nr. 4. 

sich Tomaszewski auch im vorhergehenden, und zwar nicht hlos 
dem gedanken nach, eng an ihn angeschlossen hat. Allerdings 
ist Liesegang auch im weiteren verlauf der schrift im vergleich 
zu dem, was er Tomaszewski hot, recht wenig citiert. So äu- 
ßert Tomaszewski p. 11: 

Neque tarnen necessarium esse puto, de unoquoque versu vel he- 
mistichio accuratius disputare et suam cuique propriam quasi sedem, si 
quidem fieri potest, attribuere : de iis tantum versibus, in quibus sin- 
gulare quiddam videtur inesse quique graviorem habent offensionem, 
accuratius disseram. 

Man ist über eine solche anschauung wie sie sich in diesen 
worten kund gibt „freudig überrascht" gewesen ; aber schon Lie- 
segang hatte p. 8 gesagt: 

Longum est neque necessarium de unoquoque versu vel hemi- 
stichio accuratius disserere et suum cuique locum proprium, si quidem 
fieri potest, attribuere •, freilich nicht ohne das jedoch unerfüllt ge- 
bliebene versprechen eines index locupletissimus quo eius modi ver- 
sus enumerantur hinzuzufügen. „De iis versibus, in quibus singulare 
quiddam videtur inesse 11, will auch Liesegang „accuratius" handeln. 

Tomaszewskis übrige quellen — es ist dies ß. Friedrich 
de libro 11. XXIV. Lips. 1872 und des referenten eigene doc- 
tordissertation. Halis 1868 — haben nicht einmal eine gelegent- 
liche erwähnung gefunden. Indeß reicht auch ihre benutzung 
sehr weit. Folgendes auch sonst charakteristisches beispiel mag 
hier seine stelle finden: 

Tomaszewski p. 14 f. Liesegang, Peppmüller, Friedrich. 

Non urgebo quod sequens v. P. p. 12 : Versus sequens 

78 [ifooTjyvg 8s £ä[tnv ts xal usanrjyvQ 8s £ripiov . . . videtur 
"Ipßgov nainalqsaatjs proxime quidem ad exemplum N 33 fac- 
accedit ad versum rhap. N 33, tus esse, legitur autem ibi pro 
nisi quod TevsSom hie in 8s „8s Zäpov" „Ttt>£8oio", at non 
2apov ts mutatum est, non ur- est cur iteratio reprehendatur. 
gebo quod in v. 79 pontus L. p. 12: Non urgebo quod 

„niger" vocatur *), id quod nus- .... nullo alio loco apud H. 
quam alibi est apud Homerum, pontus „niger" vocatur. 
quodque forma adjeetivi „pei- F. p. 16: forma fisllag sin- 

Äas,-" singularis est et unica, gularis et unica est apud Hom. 
non morabor denique in duo- — L. 1. c. : non urgebo duo 
1) de epithetis ponti cfr. Duentzer „hom. abhandl." p, 544 f. 



Nr. 4. 



87. Homeros. 



223 



bos (sie !) illis an. eig. in v. 80 
fjtoXvßduiirj et ßvoaov: at alia 
quaedam sunt in bis versibus, 
quibus majus quiddam tribuen- 
dum esse pataverim (sie !). Ha- 
bent enira in carminibus bome- 
ricis quaedam voces suam quae- 
que quasi propriam in versu 
sedem , ut si ßoög conjungitur 
cum aygavXoio semper praece- 
dit substantivum , sequitur ad- 
jeetivum atque ita quidem ut 
versus claudant 

Quis autem est, cui h. 1. non 
veniat in mentem praeclara illa 
comparatio Odyss. rbap. ju 251 
sqq. quae , quamvis verba , si 
discesseris a verborum conjunc- 
tione „ßoog xigag uygavloio" 
inter se differre videamus, buic 
plane similis est. Deinde xqoa 
qigovaa b. 1. de piseibus dici- 
tur, vocabulum nr]n autem Om- 
nibus aliis qui ubique sunt lo- 
cis ab Homero de bominum tan- 
tum morte usurpatur. Quare 
jam apud veteres non defuerunt, 
qui 77?jfia qtonvcu scribendum 
esse censerent, quod absurdum 
esset etiam piseibus xtjgug as- 
signare. Quam bene et reli- 
giöse non dixerim. 



Versus deinde sequentes 83 
sqq. (sie!) cum pangebat, ob- 
versabatur ei haud dubie locus 



illa an. sig. in v. 80 fioXvß- 
Sairr} et ßvaaov (sie !)...; at 
duabus rebus , quae et ipsae 
nonnullis forsitan leviores esse 
videantur, maius quiddam tri- 
buendum esse censeam. Primum 
enim in carminibus bom. quae- 
dam vocabula suam quodque in 
versu babent sedem suumque 
locum, velut si ßoög coniungitur 
cum aygavXoio , nunquam sub- 
stantivum non praecedit, sequi- 
tur adiectivum atque ita qui- 
dem, ut versum claudant. 

P. p. 13: Quis autem est 
cui non praeclara illa comparatio 
Odysseae rbaps. v. /a 251 sqq. in 
mentem veniat, quae buic plane 
similis est, etiamsi verba, si 
discesseris a iunetura „ßoog xi- 
gag üygavXoio", inter se diffe- 
runt. — L. 1. c. : Deinde xqga 
cpt'govca (v. 82) de piseibus usur- 
patur, vocabulum xijg autem 
omnibus aliis locis de bominum 
tantum fato adbibetur. — P. 
1. c. : animadvertendum est sub- 
stantivum wqg ab H. nusquam 
de belluarum morte usurpari, 
sed de morte tantum bomiuum 
. . . . ; voluerunt igitur iam ve- 
terum nonnulli scribere „nl^a 
tytQovaa", quoniam absurdum 
esset etiam piseibus „xrjgas" as- 
signare. Quam bene et religiöse 
non dixerim. 

V. 83 seqq. poetae sine du- 
bio ille locus rbaps. 2 obver- 
satus est, ubi Thetis cum Ne- 
16* 



224 88. Hippokrates. Nr. 4. 

ille rhaps. <£", ubi Thetis cum reidibus ex mari emergit, filium 
Nereidibus e mari emersit, ut fi- ob mortem Patrocli graviter af- 
lium ob Patrocli mortem gravis- flictum consolatura. 
simo moerore afflictum consola- 
retur .... 

Es dürfte kaum nöthig sein weitere partien, namentlich auch 
aus Friedrich, zur vergleichung heranzuziehen, die sich leicht in 
menge beibringen ließen: besteht doch kaum der sechste theil 
der fraglichen schrift aus eigenen Worten des Verfassers. Neues 
findet man aber auch dort nicht, trotzdem Tomaszewski p. 2 
erklärt : quaestionem hano non indignam duco , in qua veri investi- 
gandi causa elaboremus studiumque collocemus, etiamsi quod velimus 
assequi non possimus. Verf. glaubte so vielleicht dem Vorwurf 
„lächerlicher anmaßung" zu entgehen, welchen sich, wie er p. 1 
meint, derjenige zuziehe , qui se (doctorum) disputationibus aliquid 
addere posse existimet. 

Schließlich glauben wir noch bemerken zu müssen, daß nicht 
nur dem berichterstatter in Bursians Jahresberichten , sondern, 
wenn die oben aus Kaysers lexicon angegebene notiz nicht auf 
irrthum beruht, auch andern gelehrten der wahre werth dieser 
schrift hat ganz verborgen bleiben können. 

Rud. Peppmüller. 

38. Hellenische anschauungen über den Zusammenhang 
zwischen natur und geschichte von dr. Robert Pöhlmann. 
Leipzig, verlag von S. Hirzel, 1879. 93 p. 8. — 1 mk. 60 pf. 

Die schrift beschäftigt sich in ihrer ersten hälfte eingehend 
mit einer Würdigung der hippokratischen abhandlung nto) ufQoov 
vöix.7wv tönwv als des ersten Versuches „die menschenschicksale 
aus dem buche der Schöpfung" zu erklären. Bis zu den eigent- 
lichen Schicksalen der Völker freilich verfolgt Hippokrates den 
einfluß der natur noch nicht, wohl aber sucht er den volkscha- 
rakter und die befähigung, die man einem ganzen volke zuer- 
kennen kann, aus der natur seines Wohnsitzes herzuleiten. Ne- 
ben aller anerkennung hierbei hat der Verfasser für Hippokrates 
den Vorwurf der einseitigkeit , indem „ein einzelnes, allerdings 
am stärksten in die äugen fallendes moment, der Wechsel der 
Jahreszeiten, ganz einseitig in den Vordergrund trete", und na- 
mentlich „so wichtige faktoren wie geologischer bau und boden- 



Nr. 4. 38. Hippokrafes. 225 

beschaffenheit völlig unberücksichtigt bleiben". Demge- 
genüber glaubt referent wenigstens cap. 7 (Littre" II, p. 28) her- 
vorheben zu dürfen, wo es ausdrücklich heißt: Td fxiv toiavra 
vSara vopii^co (jo%&?]Qa sivai ngog änav XQ^ a ' Sevrega 8e\ oaeov 
eiev ai ntjyai ex nergemv ' axXtjgn yug dvdyxtj elvai ' r] ex yr)g 
oxov üegfACt, vSard eaiiv tj aCSrjgog yi'yvszai rj %a).xdg r) dgyvgog 
tj xgvaog tj öelov rj Gtvmrjgirj tj dacfiaXtov r] virgov xrX. Diese 
stelle steht zwar nicht in dem berühmten vergleich zwischen 
Asien und Europa, wo sie der Verfasser vermißt, sie steht in 
dem ersten allgemeinen theile, wo wie z. b. cap. 5 schon deut- 
lich genug auf die abhängigkeit der geistigen und sittlichen fä- 
higkeiten von dem wohnort hingewiesen wird. — Höchst beach- 
tenswert sind die betrachtungen des Verfassers über den von 
Hippokrates angenommenen parallelismus zwischen klima einer- 
seits und gestaltung der bodenoberfläche sowie ausprägung des 
volkstypus andrerseits. Hippokrates erscheint hier in demselben 
dogmatismus befangen , welcher der antiken naturforschung im 
allgemeinen anhaftet. Aber trotzdem hat der Koer nicht alle 
erscheinungen des völkerlebens ausschließlich der einwirkung 
des klima zugeschrieben, sondern — wie der abschnitt über die 
Makrocephalen und die cap. 24 enthaltene äußerung über die 
bedeutung der gewöhnung (vopog) zeigt — dem eingreifen des 
menschlichen willens sein recht vorbehalten. Daß er die ur- 
sprüngliche anläge eines Volkes vor dem einfluß der um- 
gebenden natur nicht als gleichberechtigten faktor erkannt hat, 
das ist ein Vorwurf, den noch Montesquieu und Buckle mit ihm 
zu theilen haben, ein mangel, der bei diesen ungleich mehr be- 
fremden muß, als bei dem ersten begründer dieser Wissenschaft. 
Während Montesquieu die Staatenbildungen als reine naturproducte 
behandelt, weiß Hippokrates in der gegenüberstellung der freien 
europäischen Staaten und der asiatischen despotenreiche den ein- 
fluß der Staatsverfassung neben dem der natur auf das volk wohl 
anzuschlagen. 

Hippokrates Zeitgenosse, Herodot, dessen werk von dem ge- 
danken einer vergleichung des barbarischen Orients mit dem eu- 
ropäischen Hellenenthum ausgeht, erscheint als denker hinter 
Hippokrates zurückstehend, insofern er über den Zusammenhang 
lokaler und sittlicher unterschiede keine reflexionen anstellt und 
bei objectiv referirender darstellung im schroffen gegensatz zur 



226 38. Hippokrates. Nr. 4. 

kritischen forschung des arztes und naturforschers an ein walten 
dunkler schicksalsmächte glaubt. Als das erste zeugniß für die 
Verbreitung der von Hippokrates zuerst wissenschaftlich ausge- 
führten ideen wird Euripides (s Med. v. 824 flgd.) bezeichnet, wo 
der veredelnde einfluß der reinen und frischen luft Attikas auf die 
erzeugnisse des attischen geistes gepriesen wird. Freilich muß 
sich der Verfasser selbst zu dem geständniß entschließen , daß 
diese gedankenverbindung zunächst nur an die weise des Hip- 
pokrates erinnert. 

Wenn Hippokrates sich darauf beschränkte den volkscha- 
rakter aus der geographischen und physikalischen beschaffenheit 
des Wohnorts abzuleiten, wagen sich die attischen historiker ei- 
nen schritt weiter und bringen auch die Schicksale der Völ- 
ker mit der eigenart ihrer Wohnsitze in Zusammenhang. Die 
hierher gehörigen gedanken des Thukydides concentriren sich in 
dem satze von b. I, 2 : daß die gute des bodens gleichmäßige ver- 
theilung des besitzes hindert, die bildung von klassenunterschie- 
den und innern Zwiespalt befördert, in folge dessen das land eine 
beute auswärtiger feinde wird, ein satz der mit einem in Buckle's 
Geschichte der civilisation entwickelten gesetze überraschende ähn- 
lichkeit hat. Die entsprechende parallele zwischen Athen und 
Sparta zieht erst Xenophon in der schrift von den Staatseinkünften. 

Von hervorragender bedeutung für die Weiterentwicklung 
dieser theorie scheint, soweit man aus dem bei Strabo erhaltenen 
schließen darf, Ephorus gewesen zu sein. Bei ihm tritt uns zum 
ersten male ein verständnißvoller einblick in die bedeutung der 
wagerechten gliederung des griechischen continents entgegen. 
Plato in den Gesetzen und im Timaeus (Atlantismythus) wirft 
über die bedeutung der landesnatur für die entwicklung des 
Staates fragen auf, zu denen er, wie der Verfasser anzunehmen 
geneigt ist, von Hippokrates angeregt worden sein soll. Im 
übrigen verfährt er dogmatisch einseitig , indem er z. b. die 
maritime läge eines Staates als unfehlbar zu entsittlichung füh- 
rend verurtheilt. Von Aristoteles gehört hauptsächlich der 14. 
abschnitt der Probleme hierher, wo das gesetz aufgestellt wird, 
„daß überall mit der abnähme der polhöhe das maaß männlicher 
gesinnung zunimmt, schwächliche feigheit der fluch einer tropi- 
schen natur ist". Indem Aristoteles seinen erwägungen, in denen 
manches wahre liegt, allgemeine geltung beilegte, gelangte er 



Nr. 4. 38. Hippokrates. 227 

zu Schlüssen, welche durch die modernen ethnographischen For- 
schungen als gänzlich verfehlt hingestellt worden sind. Auf 
diesem felde geht es den Griechen wie in der medizin und der 
naturforschung überhaupt: überall präoccupiert das apriorische 
verfahren den gang der Untersuchung in der weise, daß selbst 
von einzelnen wohlbeobachteten fällen die directive der vorge- 
faßten idee geopfert wird. Dies zeigt Pöhlmann in dem hinweis 
auf die Mossynöken des Xenopbon. 

Wenn von den späteren historikern Polybios die ethnographi- 
schen unterschiede in der theorie als erzeugnisse der landesnatur faßt, 
ohne diese theorie consequent durchzuführen, so ist das zum theil 
aus literarischen anregungen zu erklären. Auch Posidonius aus 
Apamea ist bei seiner neigung für dieselbe theorie auf eine ein- 
seitige auffassung gerathen , doch ist es interessant zu erfahren, 
daß er nach Galen bei der erklärung sittlicher unterschiede durch 
physikalische als mittelglied die von dem klima abhängige be- 
schaffenheit des blutes (vergl. Aristoteles) herangezogen haben soll. 

Derjenige, welcher in der lösung des bisher einseitig be- 
handelten problems einen entscheidenden fortschritt bezeichnet, 
ist Strabo, der nicht allein in der landesnatur, sondern auch in 
der eigenen kraft des volksgeistes, in der zucht und Übung die 
Ursachen erkennt, warum die geschichte eines Volkes diesen oder 
jenen verlauf nimmt. Er unterscheidet zuerst neben der hori- 
zontalen die vertikale gliederung, er unterscheidet nicht nur dem 
namen nach die drei theile der alten weit und erkennt in Eu- 
ropa den natürlichen sitz der hervorragendsten culturvölker, kurz 
Strabos Standpunkt ist eine Vorstufe der „geographischen teleo- 
logie" Ritters, er steht auf dem höhepunkt der antiken erd- und 
Völkerkunde, gegen ihn bezeichnet selbst Galen zweihundert jähre 
später einen rückschritt. 

Der Verfasser nennt sein anregendes schriftchen einen ersten 
versuch der darstellung der betreffenden ideen. Die erschöpfende 
abschließende darstellung dieser ideen, „welche einer künftigen 
geschichte der historischen Wissenschaften vorbehalten ist", dürfte 
vor allem auch noch auf andere bücher der hippokratischen Samm- 
lung rücksicht zu nehmen haben, z. b. auf das von der heiligen 
krankheit und auf die pseudohippokratische schrift nsg) dtairqs ß', 
abgesehen von einer anzahl in den andern Schriften zerstreuter 
notizen. Kühlewein. 



228 39. Aristoteles. Nr. 4. 

39. Aristotelis Ethica Nicomachea ed.id.it et commentario 
continuo instruxit Gr. Ramsauer Oldenburgensis. Adiecta est 
Francisci Susemihlii ad editorem epistola critica. Lipsiae 
in aedibus B. G. Teubneri MDCCCLXVIII. VIII und 740 p. 
gr. 8. — mk. 

40. Tlsgl dixutoovvtjg. The fifth book of tbe Nicomachean 
Etbics of Aristotle. Edited for tbe syndics of the university 
press by Henry Jackson, M. A., fellow of Trinity College. 
Cambridge at tbe university press. London, Cambridge Ware- 
bouse. Cambridge, Deigbton, Bell and Co. 1879. XXXII und 
125 p. gr. 8. 

41. The moral pbilosophy of Aristotle consisting of a trans- 
lation of the Nicomachean Etbics , and of the paraphrase attri- 
buted to Andronicus of Bhodus, with an introductory analysis 
of each book; by the late Walter M. Hatch, M. A., fellow 
of new College, Oxford etc., completed after his death by others. 
London, Murray. 1879. XXIV und 589 p. gr. 8. 

42. Aristotelean studies. I. On the structure of tbe se- 
venth book of the Nicomachean Ethics Chapters I — X. By J. 
Cook Wilson, M. A., fellow of Oriel College. Oxford at the 
Clarendon press MDCCCLXXIX. II und 81 p. und 9 tabellen. 
gr. 8. 

43. De recognoscendis Ethi eis Nicomacheis dissertatio I. LT. 
Scripsit Franciscus Susemi hl. Berolini apud S. Calvary 
eiusque socium. MDCCCLXXVIII. MDCCCLXXIX. 19 und 
19 p. 4. (Ind. schob univ. Gryphisw.). 

44. Neue Studien zur geschichte der begriffe von Gustav 
Teichmüller, ordentlichem professor d er philosophie zu Dorpat. 
III. heft. Die praktische Vernunft bei Aristoteles. Gotha, F. 
A. Perthes. 1879. XVII und 453 p. gr. 8. 

45. Die lehre des Aristoteles von der Lust. Von prof. 
Georg Kaas. Jahresbericht des k. k. zweiten gymnasiums in 
Graz. Graz im verlage desselben, 1878. 46 p. Lex. 8. 

Ramsauers erklärende ausgäbe der Nikomacbischen ethik, 
von welcher bereits eine treffende beurtheilung aus der feder 
Thurots in der Eevue critique 1879, II, p. 168 — 171 erschienen 
ist, überragt bei weitem alle bisherigen leistungen dieser art, so- 
gar, was viel sagen will, die von Grant. Zwar die übrigen 
seiten der auslegung sind ziemlich stiefmütterlich behandelt, aber 



Nr. 4. 39. Aristoteles. 229 

für das eindringen in den Zusammenhang des ganzen bis ins 
feinste und kleinste hinein und die bedeutung jeder einzelnen 
stelle als glied dieses Zusammenhangs ist dieser commentar ein 
unentbehrlicher führer, und so weit sich auf solchem wege dem 
herausgeber anstoße und Störungen ergaben, hat er auch für die 
kritik, die höhere wie die niedere, erhebliches geleistet. 

So dankbar wir aber auch das gebotene anerkennen, den- 
noch macht die ausgäbe keinen ganz befriedigenden eindruck. 
Wir wollen nicht untersuchen, ob sich der Urheber nicht über 
manches kürzer fassen, über anderes umgekehrt wieder rasch 
hätte hinweggehen sollen ; der grundfehler des buchs liegt an- 
derswo. Ramsauer hat viel gethan, aber er hätte noch mehr thun 
sollen und hätte es gekonnt, wenn er sich nicht mit allzu leich- 
tem gepäck auf die reise begeben hätte. Eine neue eingehende 
erklärende ausgäbe unserer Ethik haben wir fürs erste in Deutsch- 
land schwerlich wieder zu erwarten; um so mehr durften wir 
die erwartung hegen , daß die seine zugleich eine zusammenfas- 
sende Verarbeitung sämmtlicher neueren, vielfach zerstreuten Un- 
tersuchungen enthalte. Darin finden wir uns aber vollständig 
getäuscht. Ramsauer sucht sich damit zu rechtfertigen , daß er 
im interesse der kürze auf alle polemik verzichtet und daher 
seine Vorgänger so selten genannt habe. Aber abgesehen von 
der richtigen antwort, welche ihm hierauf schon Thurot ertheilt 
hat, die sache steht leider anders : er hat fast die ganze zahlreiche 
litteratur über seinen gegenständ überhaupt nicht gekannt, und 
je höher man eben deßhalb anschlagen muß, was er rein aus 
sich selber geleistet hat, ganz ohne schaden ist doch natürlich 
die sache nicht abgegangen. Viele äugen sehen nun einmal mehr 
als zwei, und nicht bloß verkehrtes, sondern auch richtiges. Es 
ist noch das geringste übel , daß er in folge hievon mehrfach 
sich selbst conjecturen zuschreibt, die schon von andern aufge- 
stellt waren 1 ) oder ein paar male statt der schon gefundenen 



1) 1099b, 8. 1113b, 6. 1118a, 2. 26. 1121a, 27. 1122a, 19. 1127a, 
13. 1128a, 29. 1129a, 32. 1133b, 8 ff. 1134a, 22. 32. 1142b, 16. 1144a, 
28. 1146b, 14—24. 1148a, 26. 1150a, 26. 32. 1151a, 32. b, 24. 1157b, 
10. 1163b, 27._ 1172a, 15. b, 14. 1174b, 26 ff. 1176b, 27. 1179a, 8. 
Aus diesem register erhellt auch, daß Ramsauer nicht einmal die ausgaben 
von Zell und Koraes ordentlich angesehen hat. Die Koraes angehörige 
emendation 1121a, 9 wird von ihm Bekker beigelegt. 



230 39. Aristoteles. Nr. 4. 

richtigen schlechtere macht *). Weit schlimmer ist es , daß eine 
reihe gewichtiger anstoße, auf die namentlich Rassow aufmerksam 
gemacht hat, ihm ganz oder theilweise und bei anderen die 
schon entdeckte hebung derselben entgeht 2 ) , noch schlimmer, 
daß er hie und da falsche erklärungen giebt, wo die richtigen 
schon vorhanden waren, und in folge davon die gesundheit des 
textes verkennt und zu den verfehltesten änderungen greift. 
Hätte er z. b. das buch von Walter 3 ) gekannt, so würde er ge- 
sehen haben, daß der vermeintliche widersprach VI, 10, 1142b, 
32 f. sich sehr leicht beseitigt, wenn man ob nicht auf ti rilog, 
sondern auf to avpiyfQov bezieht. Ferner die behandlung von 
III, 2. 1110b, 33 ff. würde durch berücksichtigung der ausein- 
andersetzung von Bernays und seiner herstellung von niaag 
Ulla, 14 richtiger ausgefallen und nicht fälschlich lv olg tj 
tiQu<zig z. 16 getilgt worden sein. Aus Rassow konnte der her- 
ausgeberlernen V, 2. 1129b, 15 f. zu verstehen und zu emendiren 
und demzufolge die völlig verunglückte anfechtung von ag^ovii 
1130a, 5 zu vermeiden. Münschers deutung von to<V lomoTg 
(= praeter pecuniam) III, 5. 1112b, 30 verdient wenigstens vor 
dem, was vrf. selber vorbringt, den vorzug. Gänzlich mißver- 
standen ist die von Rassow richtig erklärte stelle VII, 5. 1147a, 
4 ff., wo an xa&6Xov und überhaupt nichts zu ändern ist. Ein 
gleiches gilt theilweise von VII, 8. 1150a, 16 — 32. Und so 
ließe sich noch mehr anführen. Die kenntniß und das Studium 
von Vahlens eindringenden Untersuchungen über den Sprachge- 
brauch und besonders die syntax des Aristoteles würden Rams- ! 
auer vor manchen unnöthigen conjecturen bewahrt haben, welche 
lediglich auf die hinwegschaffung gewisser acht aristotelischer 
Unebenheiten des stils hinarbeiten, wie z. b. III, 13. 1118b, 12 
des raschen constructionswechsels. So wittert er VI, 13. 1144b, 
1 ff. eine tiefgehende verderbniß, während man nur ov ravtov 
fiiv, ofiomp d£ als parenthese zu bezeichnen braucht, um sofort 
eine bei Aristoteles ziemlich häufige, auch in der Ethik noch 
sonst vorkommende form der satzfügung zu erkennen , über die 

1) 1112b, 9. 1115b, 20 ff. 1128b, 26. 1132a, 32. 1152b, 81. 1156b, 
19 ff. 1167a, 35. 

2) Die nöthigen beispiele kann jeder leicht finden, wenn er das 
büchlein von Rassow (vgl. Philol. Anz. VII, p. 430 ff.) mit dieser aus- 
gäbe vergleicht. 

3) S. Philol. Anz. a. a. o. 



Nr. 4. 39. Aristoteles. 231 

Vahlen in einem besonderen aufsatz gehandelt hat. Und was 
soll die Wiederholung <^nob<;°> zbv o&veiov VIII, 15. 1162a, 32, 
während der herausgeber doch die viel auffallendere kürze III, 
3. Ulla, 34 mit recht ruhig hingehen läßt? Wozu braucht 
im aristotelischen stile II, 7. 1108a, 22 6 £%a>v hinter sigmveia 
nett, VI, 13. 1143b, 25 rw hinter ovde, IX, 2. 1165a, 15 nävta 
hinter dii wiederholt zu werden? Und warum sollte es nicht 
möglich sein X, 4. 1175a, 5 ovvt-xtjs hinter fjdnvrj ledig- 
lich aus ovvsxmg hinzuzudenken? In einem falle vollends wie 
II, 9. 1109a, 28, wo Ramsauer w «0«f> schreibt, wären auch 
im deutschen beide ausdrucksweisen gleich möglich. Sogar die 
aristotelischen Studien von Bonitz haben für Ramsauer nicht exi- 
stirt, wie man leicht aus einer vergleichung der dort behandelten 
stellen sieht, an denen sich meist bei ihm noch immer die alte 
fehlerhafte interpunetion wiederfindet. Ueberhaupt hat er für 
die Verbesserung der interpunetion noch lange nicht genug ge- 
than : allzu oft erscheint auch bei ihm noch zum großen schaden 
der Übersichtlichkeit ein größeres ganzes in lauter kleine selb- 
ständige sätze zerhackt. Und nicht einmal der Index Aristotelicus 
ist genügend benutzt, denn sonst würde II, 9. 1109b, 24 das 
überlieferte SijXol hergestellt und nicht VIII, 16. 1163b, 29. X, 
7. 1177a, 21 auch jetzt noch gegen ts yüg = etenim krieg ge- 
führt sein. Mit unrecht übrigens zählt zu den fällen dieses ge- 
brauchs Jackson auch V, 1. 1129a, 19: hier entspricht dem ts 
vielmehr xai z. 20. 

Eine neue textrevision auf grund der handschriften und son- 
stigen quellen lag nicht in Ramsauers absieht, und darüber hat 
niemand mit ihm zu rechten. Aber er hat doch mehrfach aus 
diesen mittein den Bekkerschen text geändert und würde es zum 
vortheil der sache gewiß noch öfter gethan haben, wenn er Ras- 
sows hierauf gehende auseinandersetzungen sich zu nutze gemacht 
hätte. Mit recht hat er bei der angäbe abweichender lesarten 
eich auf eine auswahl beschränkt; daß er aber die der besten 
handschrift K b vollständig aufführt, war unnöthig, und was hier 
erspart werden konnte, ließ sich besser verwerthen. Denn gleich 
Rassow bemerkt auch er richtig , daß L b an der spitze einer 
zweiten familie steht, und da war es gewiß weit mehr im inter- 
esse der leser sich diese doppelte Überlieferung, so weit sie sich 
jetzt noch verfolgen läßt, vor äugen geführt zu sehen. Nicht 



232 39. Aristoteles. Nr. 4. 

einmal die lesart et de ^Seig III, 7. 1114b, 3 theilt er mit, die 
schon Bonitz als die richtige erkannt hat. Ein großer mangel 
ist ferner natürlich auch hierbei wieder, daß dem herausgeber 
Rassows mittheilungen über die üeue collation von K b durch R. 
Scholl unbekannt geblieben sind. Diesem übelstand ist jedoch 
nachträglich durch meine angehängte Epistola critica abgeholfen, 
in welcher ich die ergebnisse dieser collation mit allen kleinig- 
keiten vollständig und zugleich für die übrigen handschriften 
die berichtigung einiger versehen Bekkers mitgetheilt habe. Wie 
wenig aber die kühnen hoffnungen, welche Ramsauer auf eine 
erneute vollständige vergleichung von ihnen, namentlich auch 
von H a N b zu setzen scheint, begründet sind, zeigt Jacksons aus- 
gäbe des 5. buchs; vielmehr würde ein solches unternehmen 
durchaus nicht der mühe lohnen. Ueber den sehr geringen werth 
von H a hat sich längst Bonitz nach eigner einsichtnahme ausge- 
sprochen. An sehr wenigen einzelnen stellen mag sich aus H a 
N 13 oder aus handschriften, die Bekker gar nicht benutzt hat, 
noch ein kleiner gewinn ziehen lassen, desgleichen aus den noch 
ungedruckten commentaren; allzuviel wird es nicht sein, und 
auch so müssen wir gestehen , daß die Überlieferung der Ni- 
komachischen Ethik immerhin noch zu den besseren gehört. 

Auch mit noch manchen andern conjecturen Ramsauers au- 
ßer den schon angeführten vermag ich mich nicht zu befreunden *). 
Aber recht zahlreich sind doch auch die wirklichen Verbesserun- 
gen und die wenigstens beachtenswerthen Verbesserungsversuche 2 ). 
Desgleichen ist der herausgeber mit der seclusionsparenthese 
und ähnlichen zeichen oft zu rasch bei der hand 8 ), hat je- 

1) So 1137b, 5. 1143b, 22. 1156b, 18. 1159a, 9. 1160b, 31. 1161a, 
6. 1162a, 16. 1163b, 12. 1166b, 34. 1171a, 15. 1173a, 11 ff. 1172b, 11. 
1177b, 8 (wo vielmehr Rassows Umstellung richtig ist). 15. 1179a, 
35 b 22 

2) So 1105a, 5. 1112a, 4. 1114a, 4. 15. 1126b, 4. 1130b, 12 f. 
1134b, 9. 13.32. 1143b, 35. 1144b, 13. 1147b, 10. 1148a, 7. 1150a, 21 f. 
(wo ich jedoch nur die vorgeschlagene Umstellung billigen kann). 
1151b, 20. 21 f. 1157a, 9, 32. 1158a, 16. 36. 1159a, 4. 1161b, 8 ydia 
(so schon Aretin). 1165b, 15. 1166a, 15. 1172a, 8(?) b, 25. 1174b, 10. 
1178a, 19. 24. b, 30(?) 1180b, 23. Sehr zweifelhaft bin ich 1102a, 20. 
1107b, 25. 1125a, 28. b, 1. 1143a, 25. 1145a, 5. 1174a, 20. b, 3. 

3) So 1127b, 20 ff. 1133a, 24. 1135a, 5 ff. 1136a, 29. 1138a, 23 f. 
30 f. 1140b, 21 ff. (wo vielmehr durch andere Ordnung der glieder zu 
helfen ist). 1143a, 33. 1151a, 6. 1156a, 30 f. 1157a, 9. b, 23. 1158a, 
3 f. 1161a, 17 f. 35. 1166a, 6 (wo die Sinnlosigkeit des Zusatzes eher 
auf eine corruptel führt: etwa xal Ttav <f>L\iot> <,xal^> oi ngoßxexgov- 
xoth ?) 1170a, 8—11 (vielmehr vor 1169b, 33 fanv zu stellen.) 1177b, 28 f. 



Nr. 4. 40. Aristoteles. 238 

doch auch wirklich viel unächtes oder doch verdächtiges aufge- 
stöbert 1 ). 

Was endlich speciell die drei der Nikomachischen und der 
Eudemischen Ethik gemeinsamen bücher anlangt, so hat sich Rams- 
auer durch aufdeckung der starken lückenhaftigkeit des b. 6. sehr 
verdient gemacht; in b. 5. hält er das 13. und 15. capitel nicht 
für aristotelisch, was auch ich glaube, was mir aber noch lange 
nicht weit genug geht ; in der erkenntniß der doppelten recen- 
sionen und eingeschobenen partien in allen dreien hätte er, wenn 
er auch einiges richtig gesehen hat , wiederum ungleich weiter 
kommen können , wenn er seine Vorgänger Rieckher , Hacker, 
Rassow ausgebeutet hätte. So aber ist für die frage nach dem 
Ursprünge dieser bücher von ihm nichts wesentliches geleistet. 

Man sieht, die mängel von Ramsauers arbeit sind durchaus 
nicht unerheblich, aber sie verschwinden dennoch beinahe gegen- 
über den Vorzügen derselben. 

Immerhin aber zeichnet sich doch vor ihr die Jacksons vor- 
theilhaft aus durch die fast vollständige kenntniß und die sorg- 
fältigste benutzung aller einschlagenden , namentlich deutschen 
Schriften und abhandlungen, und es ist seltsam genug, wie sehr 
hierin der Engländer dem Deutschen und dessen versäumniß zum 
muster vorgehalten werden kann. Aber auch sonst ist diese 
englische ausgäbe des 5. buch des allergrößten rühmens werth. 
Der Urheber hat sich der mühe unterzogen für eben dies buch 
die handschriften Bekkers L b M b N b O b H a aufs neue genau und 
zuverlässig zu vergleichen und diese vergleichung auch noch auf 
P b und Q auszudehnen. Er unterwirft danach den text einer 
durchdachten revision , die ihn zu nicht seltenen abweichungen 
von Bekker führt , und der man meistens nur beistimmen kann. 
Eine reihe meist glücklicher änderungen und änderungsvorschläge 
auf dem wege der vermuthung vollendet das werk nach die- 
ser richtung. Ein vortrefflicher, überaus lehrreicher commentar 
liefert die erforderliche begründung in Verbindung mit einer ein- 
gehenden auslegung. Die einleitung endlich behandelt dreierlei, 
die handschriften, die Umstellungen und die frage, ob dies buch 5. 
dem Aristoteles oder dem Eudemos angehört. 

8) So 1114b, 29 f. 1117b, 23 f. 1118a, 13 ff.(?) 1124a, 17. 1127b, 
12 f. 16 f. 1139a, 31 ff. 1141b, 2 f. 1146b, 18 f. 1148a, 17 ff. 1154a, 31 ff. 
1155b, 15 f. 1162a, 5(?) b, 12 f. (?) 1164a, 26 f. 1166a, 19 ff. 34 ff. 1168a, 
26. 1170a, 24 f. b, 3f.(?) 1174a, 8 ff. 



234 40. Aristoteles. Nr. 4. 

Von diesen drei gegenständen hängen die beiden letzten 
eng mit einander zusammen. Denn Jackson thut überzeugend 
dar, daß der abschnitt 1135a, 15 — 1136a, 9 nicht den Aristo- 
teles zum Verfasser haben kann , wohl aber den Eudemos ; sind 
also wirklich die zahlreichen anstoße, welche dies buch darbietet, 
durch die von ihm vorgenommenen Umstellungen aus dem wege 
zu räumen, so würde freilich der beweis erbracht sein, daß das 
ganze ursprünglich zur Eudemischen Ethik gehört. Ganz anders 
aber gestaltet sich die sache , wenn man sich durch diesen um- 
stellungsversuch eben so wenig überzeugt findet als durch alle 
die zahlreichen früheren und dafür hält , daß im wesentlichen 
keine andere Umstellung als die des 15. cap. vor das 13. und 
im ersteren selbst die von 1138a, 28 qiavegov — b, 5 ano&avslv 
hinter b, 13 tovrotg gerechtfertigt ist, und wenn man dann 
1135a, 15 — 1136a, 9 vielmehr mit Eieckker und Eassow als 
eine andere, ausführlichere recension von 1134a, 17 — 23 allmv 
-J- 32 iv o/v dij — 33 aÖixia erkennt. Vergleicht man nun ferner 
1136b, 6 ff. mit Eth. Eud. 1223b, 6 ff., 32 f. und den verzwick- 
ten stil, der namentlich im 11. cap. herrscht, mit dem des Eu- 
demos, zieht man endlich dessen liebhaberei für aporien und die 
vielen bedenken in betracht, zu denen das 11. 12. 15. und 13. 
cap. anlaß geben 1 ), so kommt man zu einem ganz andern muth- 
maßlichen ergebniß, nämlich daß diese vier capitel nebst dem 
voraufgehenden stück 1135a, 15 — 1136a, 9 aus der Eudemischen 
Ethik stammen, alles übrige aber mit wenigen ausnahmen 2 ) der 
Nikom achischen zuzutheilen ist. Die hypothese der doppelten 
recensionen hat in diesem buche, wie Jackson selbst einräumen 
muß, an 8, 1133a, 19 — b, 28 einen starken, ja gar nicht weg- 
zuleugnenden anhält, und diese ganze erklärung hat den vorzug, 
daß sie auf die verhältnißmäßig einfachste weise alle Schwierig- 
keiten hinwegräumt. Möglich ist es, daß überdies mit Eamsauer 
vor 1131a, 9 inet eine lücke anzunehmen ist. Die zahlreichen 
Umstellungsversuche dagegen werden schon durch diese ihre Viel- 
heit und theilweise gewaltsamkeit verdächtig, wenn auch hier 
nicht der räum dazu ist meine bedenken auch gegen diesen 

1) Daß 1 138a, 6 f. fiij xtXeinv und ov xsXivtvv nur so viel als „nicht 
zulassen" bedeuten könnte, scheint mir durch Jacksons bemerkung 
nicht erwiesen und gäbe auch wohl nur eine leere tautologie. 

2) Zu diesen rechne ich 1130b, 6 — 29 mit ßieckher und Rassow 
und 1129a, 10-26. 



Nr. 4. 40. Aristoteles. 235 

neuesten und kühnsten, um nicht zu sagen verwegensten zu ent- 
wickeln. Wer wird es z. b. Jackson wohl so leicht glauben, 
die ursprüngliche Ordnung habe dergestalt verzettelt werden kön- 
nen , daß in ihr der größere erste theil des 13. cap. 1137a, 5 
— 26 codi vielmehr im anfange des buchs hinter 1, 1129a, 11 
ravra und der rest eben dort hinter 2, 1129b, 6 dyattä gestan- 
den hätte? Und wenn er die worte 77 «t; per nw Ipi tu arn- 
Ttsnov&OS ngoij ro dixawr, siQtjtai ngötfQOv 10, 1034a, 23 f., 
die ich mit Rassow für eine andere und kürzere fassung von 9, 
1133b, 29 — 1134a, 16 halte, an den anfang des 14. cap. rückt, 
so geht dies von der meinung aus, als solle das recht der wie- 
dervergeltung zu der eigentlichen gerechtigkeit eine analoge 
Stellung einnehmen wie die billigkeit und weder zur austheilen- 
den noch zur ausgleichenden gehören. Diese auffassung ist aber 
meines erachtens bereits durch Trendelenburg und besonders 
Zeller genügend widerlegt worden. 

Schon von früheren forschem ist nachgewiesen , daß auch 
im 6. buche Eudemos allen anspruch auf das 1. cap. und auf 
die partie im 8. 1141b, 21 /; — 1142a, 11 axtnreov hat; allein 
letztere unterbricht , von allem andern abgesehen , störend den 
Zusammenhang , wie Rassow und Ramsauer gezeigt haben , und 
ersteres ist, wie Rieckher und Rassow bemerkten, als eine andere 
recension zu den folgenden worten 2, 1138b, 34 — 1139a, 3 ov- 
todw auszuscheiden. Und so kann denn auch dies buch der für 
das 5. aufgestellten vermuthung nur zur bestätigung dienen. 

Im b. 7. ferner sind lange doppelte recensionen und ungehörig 
eingeschobene stücke schon von Hacker und Rassow nachgewie- 
sen , und daß die dortige abhandlung über die Lust nicht von 
Aristoteles, sondern von Eudemos ist, hat Spengel x ) wohl so 
ziemlich außer zweifei gesetzt. Enthielten nun die voraufgehen- 
den capitel über die mäßigkeit und unmäßigkeit nichts über- 
schüssiges, so würde man Kaas (p. 5 f.) beipflichten müssen, daß 
sich gegen Spengels Schluß , daß auch sie dem Eudemos ange- 
hören , kein stichhaltiger grund werde vorbringen lassen. So 
aber steht die Sache ganz anders. Nur aber liegt sie hier nicht 
so einfach, und es fehlen in weit höherem maße die sicheren 
anhaltpunkte, um jene überschüssigen stücke ohne weiteres auf 

1) Aristot. Studien I. München 1863, p. 20—24 (Philol. abhandl. 
der Münchn. akad. X, p. 188—202). 



236 40. Aristoteles. Nr. 4. 

die schultern des Eudemos abladen zu dürfen. Wenn vollends 
Wilson recht hätte, so würden wir in dieser größeren ersten 
hälfte des 7. buchs nur eine spätere compilation vor uns haben, 
zu welcher weder Aristoteles selbst noch Eudemos viel beige- 
steuert hätte. 

Wilson glaubt nämlich darthun zu können, daß dieselbe vom 
4. cap. ab aus lauter, großentheils mit einander parallel gehen- 
den bruchstücken von vier verschiedenen behandlungen desselben 
themas zusammengeflickt sei , und aus seinen auseinandersetzun- 
gen ergiebt sich die Unmöglichkeit, daß er auch nur eine ein- 
zige dieser vier bearbeitungen bereits dem Aristoteles oder Eu- 
demos könnte beilegen wollen, so schwankend er sich auch selbst 
schließlich (p. 78) hierüber äußert. Dies schwanken ist aber 
freilich sehr begreiflich, denn man sieht schwer ab, wie seine 
ansieht über die drei ersten capitel und den anfang des 4. sich 
hiemit vertragen soll. Denjenigen gegenüber, welche das ganze 
7. buch dem Eudemos beilegen, schließt nämlich Wilson (p. 
60 f.) aus Eth. Eud. VII, 2, 1235b, 13 ff. in höchsst scharf- 
sinniger und überzeugender weise, daß vielmehr allem anscheine 
nach Eudemos in der Nikomachischen Ethik bereits VII, 1, 
1145b, 2 — 7 und 4, 1146b, 6 — 8 bereits gerade so vor sich 
gehabt habe wie wir, und danach, sollte man denken, dürfte 
auch alles dazwischenliegende im wesentlichen schon von Aristo- 
teles selbst sein und eben so das ganze ] . cap. , von welchem 
denn auch Wilson ausdrücklich nicht abgeneigt ist es zuzugeben. 
Aber auch sonst läßt sich gegen Wilsons beweisführungen vieles 
einwenden. So können, um nur einiges anzuführen, 1146b, 24 
— 27 und 27 — 30 unmöglich aus zwei verschiedenen recensionen 
sein, denn «XX' z. 31 entspricht dem psv ovv z. 24, und die 
worte svi.01 yüo — 'Hoü-xXsizo^ z. 26 — 30 bilden eine parenthese, 
welche zur Vollständigkeit des sinnes die worte si ovv — Söhjc, 
z. 27 — 29 gar nicht entbehren kann; daß auch die folgenden 
f'vioi yäo — 'Hodukeizog z. 29 f., welche abgesehen von dem bei- 
spiel nur eine Wiederholung enthalten , noch hinzugesetzt sind, 
ist nur eine jener nicht seltnen Weitschweifigkeiten des Aristo- 
teles, für welche man bei Vahlen beitr. z. Poet. II, p. 71 (159) f 
die belege findet. Hält man ferner nur die richtige bemerkung 
von Rassow (p. 127) fest, daß Aristoteles noch gar nicht das 
1146b, 31 — 1147a, 10 ausgeführte, sondern erst das folgende 



Nr. 4. 40. Aristoteles. 237 

in nähere beziehung zur unmäßigkeit setzen will, so wird man 
bei einer nicht schikanösen auslegung hier schwerlich mehr als 
allerhöchstens einen bloß scheinbaren Widerspruch gegen seine 
und des Eudemos sonstige äußerungen darin finden , wenn die 
möglichkeit eines Unterliegens der Vernunft im kämpf mit der 
begierde hier ganz vortrefflich bald aus der betäubenden heftig- 
keit der letzteren, und bald aus ihrer sophistik, durch welche sie 
den kämpf in das reich der gedanken selbst hinüberspielt, er- 
klärt wird. Wilsons völlig verfehlter versuch ferner, 9, 1151a, 
11 — 19 als eine andere recension von 19 — 28 abzulösen, beruht 
auf dem kolossalen mißverständniß (p. 36), als ob unter agettj 
z. 15 die mäßigkeit (iyKQaraiet) gemeint sei, während doch der 
Zusammenhang lehrt, daß auch hier >) agezij nal r\ no%9t]Qta die 
eigentliche tilgend und Untugend des Charakters, und zwar hier 
speciell die enthaltsamkeit (öayyQoavvri) und zügellosigkeit («xo- 
XaaCa) ist, aus welcher nach der auch sonst wiederholt vorge- 
tragenen lehre des Aristoteles auch die richtige ansieht über 
den lebenszweck (og&odo^siv rcngi rtjv v-Qxijv z. 19) entspringt, 
während die praktische einsieht (tpQovijatg) vielmehr die richtigen 
mittel zu dessen Verwirklichung an die hand giebt, s. bes. VI, 
13. 1144a, 7 ff. 20 ff. 29 ff. 1145a, 4 ff. X, 8. 1178a, 16 ff. 1 ). 
Daß endlich im schlußabschnitt (cap. 11) auch einiges schon 
vorher auseinandergesetzte kurz wiederholt wird, darf man, wie 
Ramsauer bemerkt, füglich dem Aristoteles selbst zutrauen. In 
den angehängten tabellen sucht Wilson seine ansieht über die 
parallelredactionen sehr zweckmäßig zu veranschaulichen, aber 
es steht sehr zu befürchten, daß sie vielfach umgekehrt die un- 
haltbarkeit dieser ansieht veranschaulichen werden, indem diese 
angeblichen parallelen vielfach vielmehr ganz verschiedenartigen 
inhalts sind. Und so scheint es denn nicht, daß man mit ihm 
noch viel weiter gehen darf, als schon Hacker und Rassow ge- 
gangen sind, wohl aber scheint es, daß man trotz seines Prote- 
stes hiegegen auch seine erörterungen (p. 28 ff.) zu einer stütze 
der vermuthung benutzen darf, daß von den beiden parallelre- 
dactionen 6, 1147b, 23- 1148a, 1? und 1148a, 22— b, 14 die 



1) Nicht minder stark ist freilich eben hiernach das mißverständ- 
niß von Teichmüller p. 168, daß Aristoteles trotzdem mit der dgeTtj tj 
<jvanrj rj Id-nnr; tov oQ&odoHfly jkqi tijv ^QX*I V ^iö tfQovrfßti meine. 

Philol. Anz. X. 17 



238 41. Aristoteles. Nr. 4. 

erstere der Nikomachischen , die letztere der Eudemischen ethik 
ursprünglich ist. 

Die meinung von Grant, Aristoteles selbst habe an stelle die- 
ser drei bücher eine lücke gelassen, und die citate des 5. in der 
Politik II, 2. 1261a, 31. III, 9. 12. 1280a, 17. 1282b, 19 f. 
seien spätere einschiebsei, ist von Jackson genügend widerlegt 
worden. In der that aber sind diese citate so allgemeiner natur 
und so wenig wörtlich, daß sich aus ihnen der aristotelische Ur- 
sprung dieses buches in keiner weise herleiten läßt : gesetzt es 
gehörte wirklich dem Eudemos an, so muß doch auch Aristoteles 
ganz dasselbe gesagt haben, und so frei auch in manchem be- 
tracht die bearbeitung des Eudemos ist, diese gedanken sind von 
der art, daß er sie nothwendig gleichfalls ausdrücken mußte. 

Doch genug hievon! Wenden wir uns jetzt zu der engli- 
schen Übersetzung des laut der vorrede seines bruders ende 1877 
gestorbenen H a t c h. So wünschenswerth es mir scheint , wenn 
bei einem werke des Aristoteles einer erklärenden ausgäbe auch 
eine Übersetzung beigefügt wird, so wenig vermag ich mich für 
eine solche ohne text, kritischen und exegetischen commentar 
sonderlich zu erwärmen. Abgesehen hievon ist anzuerkennen, 
daß die vorliegende zu den besseren, ja zu den guten exempla- 
ren ihrer art gehört. Aber gerade dies bestätigt meine meinung. 
Denn trotzdem gewährt sie für die auffindung und lösung der 
tiefer liegenden Schwierigkeiten kaum eine nennenswerthe hülfe. 
Ob es aber gerathen war auch eine Übersetzung der gewiß nicht 
schon von Andronikos , wahrscheinlich aber von Heliodoros von 
Prusa herrührenden paraphrase, die ja freilich brauchbares ent- 
hält, beizugeben und dadurch den umfang und in folge davon 
den preis des buches in einem grade anzuschwellen, welcher zu 
dem nutzen, welchen es gewähren kann, in keinem Verhältnisse 
steht, darf stark bezweifelt werden. Weit wünschenswerther wäre 
der ersatz dieses theiles der arbeit durch erklärende anmerkun- 
gen gewesen, wie sie einst die englische Übersetzung der Poetik 
von Twining zu einem so werthvollen, noch heute lesenswerthen 
werke machten. Aber freilich der Übersetzer hat auch hand- 
schriften, namentlich den Oxoniensis collegi novi und die Überse- 
tzung von Leonardus Aretinus verglichen und eine neue textes- 
revision mit philologischen anmerkungen, desgleichen „supple- 
mentär?/ essays" zu geben beabsichtigt, und der tod hat ihn an 



Nr. 4. 42. 43. Aristoteles. 239 

der ausführung gehindert, und schon diese Übersetzung ist un- 
vollendet geblieben, so daß sie namentlich im 8. und 9. buch, 
von denen fast nichts vorhanden war, vielmehr Spooner ange- 
hört und im 7. und 10. von anderen revidirt ist. Jedenfalls 
vermag ich den nutzen der jedem buch voraufgeschickten einlei- 
tenden analysen, der besonderen Überschriften, welche auch den 
kleinsten abschnitten gegeben sind, und der den letzteren an der 
seite in kleinerem druck beigefügten Inhaltsangaben nicht allzu 
hoch anzuschlagen. Weit zweckmäßiger würde statt alles dessen 
meines erachtens die voraufschickung der von Aristoteles selbst 
dem werke gegebenen disposition bis ins einzelnste ohne rück- 
sicht auf die jetzige büchereintheilung gewesen sein in der art, 
wie ich es in meinen bearbeitungen der Poetik und der Politik 
versucht habe , und dies hätte kaum den dritten theil des rau- 
mes gekostet. 

Meine beiden dissertationes enthalten zunächst das resultat 
einer vergleichung der editio princeps Aldina, welche für die Ethik 
nicht ohne einen gewissen kritischen werth ist , und eines ziem- 
lich correcten druckes der mittelalterlichen lateinischen Überse- 
tzung (/"'). Auf grund dieses materials ergiebt sich sodann als 
ergänzung von Ras so ws Untersuchungen über die beiden hand- 
schriftenfamilien, daß im 8. buche die eine durch K b O b , die an- 
dere durch FM b Ald. , im 10. jene durch K b M b , diese durch 
jTL b Ald. dargestellt wird, während im 5. bald K b L b und M b O b , 
bald K b O b und L b M b einander gegenüberstehen. Endlich wird 
statistisch das werth verhältniß beider zu einander je nach den 
verschiedenen büchern festgestellt und auf grund hievon unter- 
sucht, wie viel eine methodische Umgestaltung der im ganzen 
bereits vortrefflichen Bekkerschen recension nach den textesquel- 
len im anschluß an Rassow und andere oder noch darüber 
hinaus erforderlich, und wie oft der text nach je einer einzigen 
dieser sechs quellen oder nach N b allein zu gestalten ist. Ei- 
nige von mir begangene versehen sind in meiner ausgäbe (Leip- 
zig 1880) stillschweigend berichtigt, in welcher sich das bild 
überdies durch die heranziehung auch der gedruckten commen- 
tare und der paraphrase noch etwas verändert hat. 

Die schrift Teich müllers ist namentlich gegen das schon 
oben (p. 326) berührte buch Walters, die lehre von der praktischen 
Vernunft in der griechischen philosophie, Jena 1874, und die lo- 

17* 



2*40 44. Aristoteles. Nr. 4. 

benden recensionen desselben *) gerichtet. Walter selbst hatte 
in diesem buche und noch mehr später als recensent 2 ) eine scharfe 
spräche gegen ihn geführt, Teichmüller seinerseits nun weist dem- 
selben einige irrthümer und sogar einige starke Schnitzer nach, 
behandelt ihn aber mit großem unrecht nahezu bald wie einen 
Sophisten bald wie einen unreifen knaben. Es handelt sich hier 
vor allem um die behauptung Walters, daß nicht bloß, wie schon 
oben (p. 233) bemerkt wurde, die praktische einsieht (qiQovrjaig) 
als tugend der praktischen Vernunft es nach Aristoteles nicht 
mit der aufstellung des richtigen lebenszweckes , vielmehr nur 
mit der auffindung der richtigen mittel vermöge der berathschla- 
gung zur erfüllung desselben zu thun habe, sondern auch von 
der praktischen Vernunft überhaupt ein gleiches gelte. Daß diese 
behauptung ihrem letzteren theile nach unrichtig ist, glaube ich 
in meinen Studien zur Nikomachischen ethik, Jahrb. f. philol. 
CXIX, 1879, p. 737 — 765 gezeigt zu haben und konnte dabei 
in ermäßigter gestalt auch einige bemerkungen von Teichmüller 
verwerthen. Wenn aber Teichmüller auch den ersten theil an- 
greift und nur (p. 213) so viel gelten lassen will, daß Aristo- 
teles den ausdruck cpQovqoig auch speciell für diejenige einzel- 
funetion gebrauche, welche mehr (!) auf die mittel und den Unter- 
satz des praktischen Schlusses gerichtet ist, so glaube ich wie- 
derum in der genannten abhandlung diesen angriff im wesent- 
lichen bereits entkräftet zu haben, und vergebens habe ich mich 
nach irgend einer stelle umgesehen, in welcher das wort in ei- 
nem anderen und umfassenderen sinn gebraucht würde. Und 
gäbe es wirklich eine solche , so würde sie ohne alles gewicht 
sein gegenüber der thatsache, daß an allen denjenigen, in wel- 
chen es sich um die endgültige Wesensbestimmung der yQÖvqoig 
handelt, es überall die angegebene ist, so daß es also höchstens 
eine der bekannten und gerade von Teichmüller mit recht hervor- 
gehobenen ungenauigkeiten aristotelischer Sprechweise sein könnte, 
wenn das wort gelegentlich, wo es auf die schärfe der termino- 
logie nicht ankommt, auch einmal in einer unbestimmteren und 
umfänglicheren fassung angewendet wäre. Ich kenne aber nur 
eine einzige stelle, welche sich wenigstens mit einigem scheine 

1) Vgl. Philol. Anz. VII, 1875, p. 132 ff. und Bursians jahresb. 
III, p. 364. 

2) Jenaer liter. ztg 1875, p. 629 ff. 



Nr. 4. 44. Aristoteles. 241 

für die behauptung Teichmüllers verwerthen ließe und auch von 
diesem verwerthet wird (p. 24 ff.) , daß die theorie der ethik 
und politik selbst, d. h. die lehre vom höchsten lebenszweck 
oder der glückseligkeit für die einzelnen wie für die Staaten, 
nach der ansieht des Aristoteles ein erzeugniß der qiQÖvrjöts 
sei, nämlich VI, 8, 1141b, 21— 1142a, 11. Allein diese stelle 
ist nur leider, wie schon oben (p. 231) bemerkt wurde, schwer- 
lich von Aristoteles. Vielmehr hätte Teichmüller wissen sollen, 
daß längst A. M. Fischer und Fritzsche dargelegt haben, wie 
sehr diese erörterung dem Standpunkt des Eudemos, und wie 
wenig sie dem des Aristoteles entspricht, und daß schon Rassow 
darauf hingewiesen hat, wie eng und unmittelbar sich das zu- 
nächst auf sie folgende an das ihr zunächst voraufgehende an- 
schließt, so daß also durch dies einschiebsei in Wahrheit aller 
Zusammenhang zerstört werde. Oder wenn Teichmüller dies 
wußte, so war er es zu widerlegen verpflichtet. Und selbst diese 
stelle beweist doch nur dann, was Teichmüller mit ihr beweisen 
will, wenn man es mit ihm für unmöglich hält, daß in ihr die 
ausdrücke noXiriKrj , vofio&siixrj , ßovXsvTix/j , Stxacmxrj lediglich 
von der praktischen politik und nicht von der Staatstheorie ge- 
braucht seien, womit alle nöthigung, die (fgövtjGis hier als die 
richtige auffassung des lebenszwecks zu nehmen, sofort fallen 
würde, so wenig sich auch sonst diese unklar gedachte erörte- 
rung mit dem wirklichen system des Aristoteles in Übereinstim- 
mung bringen läßt. Und warum soll denn die sache so un- 
möglich und so bloß modern gedacht sein? Nannten denn die 
alten Griechen etwa nicht (iovoixog bald den ausübenden vir- 
tuosen und bald vielmehr den theoretiker der musik? 

Behauptungen, wie die, daß die praktische Vernunft und 
der wille bei Aristoteles dasselbe seien, und daß, wer dies be- 
streite , nichts von ihm verstehe l ) , kann man bei Teichmüller 
doch kaum ohne kopfschütteln lesen. Auch die praktische Ver- 
nunft ist nach den unzweideutigen erörterungen des Aristoteles 
nichts anderes als vernunft, nur aber in ihrer beziehung zum 
strebenden seelentheile (opexnxoV), dessen tugenden die charak- 
tertugenden sind, und die praktische einsieht ist auch noch reine 
Vernunfttugend und nicht ein schielendes mittelding zwischen 

1) P. 235. Weitere belege hiezu und zum folgenden s. in meinen 
Studien p. 745, anrn. 25. 



242 44. Aristoteles. Nr. 4. 

einer solchen und einer charaktertugend , wie man nach Teich- 
müllers darstellungen glauben müßte. Hieran wird dadurch nicht 
das mindeste geändert, daß sie allerdings zu den charaktertu^ 
genden in dem angegebenen wechselseitigen abhängigkeitsver- 
hältniß steht, noch weniger dadurch, daß allerdings der vorsatz 
oder die gesinnung (ngoalgeatg) , von deren gute oder Schlech- 
tigkeit tugend oder Untugend des Charakters abhängt, in der 
that ein gemeinsames erzeugniß der praktischen Vernunft und 
des strebenden seelentheils, eine ogs^ig ßovlevnxrj ist. Gleichwie 
die charaktertugend selbst, so gehört dagegen auch der vernünf- 
tige wille (ßovhjoi^) ausschließlich dem oqsx'ziw'iv an 1 ), auch so 
weit er , von der Vernunft richtig geleitet , die richtigen lebens- 
zwecke erstrebt. In dieser beschaffenheit ist er mit der charak- 
tertugend untrennbar verbunden, einmal so fern jene die Vor- 
aussetzung von ihr und durch sie auch von der ygörijatg ist, sodann 
weil umgekehrt jene beschaffenheit so wie deren Voraussetzung 
innerhalb der praktischen Vernunft selbst, die Virtuosität im rich- 
tigen erfassen der sittlichen zwecke, so weit sie nicht bereits auf 
glücklicher naturanlage beruhen , selber erst aus der eingewöh- 
nung der charaktertugenden entspringen 2 ). 

Die fast durchgehende Vermischung von Wahrheit und irr- 
thum in Teichmüllers buch macht es nicht leicht, zum genusse 
des wirklich guten, anregenden und lehrreichen zu gelangen, an 
welchem es in demselben keineswegs fehlt. Ich begnüge mich 
hier auf die höchst nützliche Sammlung und besprechung der 
beispiele von praktischen Schlüssen bei Aristoteles (p. 73 — 87), 
auf die erörterung, wie ngoalgsatg aus der bedeutung „vorsatz" 
in die der sittlichen oder unsittlichen „gesinnung" übergeht (p. 
91 ff.), die über „die physiologische seite der cpgntqoig" (p. 133 
— 174) und über das theoretische und das praktische gebiet der 
meinung (86%a) p. 179 ff. (vgl. 236 f.) trotz mancher zum theil 
auch in diese abschnitte eingesprengter Verkehrtheiten hinzuweisen. 
Die auseinandersetzung über die keime zu den lehren des Ari- 
stoteles über die praktische Vernunft und einsieht bei Piaton 

1) Psych. II, 3. 414b, 2. III, 10. 433b, 23. Pol. IV (VII), 15. 1334b, 
22 ff. Vgl. Eud. Eth. II, 7. 1223a, 26 f. und meine Studien p. 743, 
anm. 17. 

2) Daher denn jene Virtuosität (s. ob. p. 233 anm. 1) VII, 9. 1151a, 
18 f. als tj tfvoMT] ij tfriarq bezeichnet wird. Außerdem s. III, 7. 1114a, 
31-b, 21. 



Nr. 4. 45. Aristoteles. 243 

(p. 193 ff.) enthält wenigstens brauchbares. Wenn man dagegen 
bedenkt, daß Teichmüller (p. 129) selbst zugesteht, Aristoteles 
spreche von einer cpQnvTjatg gewisser thiere, nur in analogem sinne, 
so wird man in der that auch nach seinen auseinandersetzungen 
(p. 127 — 133) nicht begreifen, wie dabei noch in eigentlicher 
bedeutung von einer „praktischen Vernunft in der ganzen natur u 
die rede sein könnte. Entdeckungen vollends wie die einer „in- 
telligiblen materie und ihrer acte" (p. 260 ff.), nicht etwa in ei- 
nem übertragenen, sondern ganz ernsthaft im wirklichen sinne, 
bei Aristoteles wird es das richtigste sein stillschweigend auf 
sich beruhen zu lassen. 

Die kleine schrift von Kaas ist eine achtbare Studie, auf 
einen besonderen wissenschaftlichen werth jedoch kann sie mit 
ausnähme zweier allerdings erheblicher punkte keinen anspruch 
machen. Wenn zu denjenigen ergebnissen in Spengels grundle- 
gender abhandlung vom jähre 1841, welche „allgemeinen beifall" 
gefunden haben, auch die Zuweisung der drei gemeinsamen bü- 
cher an Aristoteles gerechnet wird (p. 4), so ist dies doch in der 
that etwas stark. Mit recht aber schreibt auch der Verfasser 
im anschluß an Spengels spätere auseinandersetzung die abhand- 
lung über die Lust im 7. buche demEudemos zu und hält sich 
daher in seiner darstellung vielmehr an die im 10. als die acht 
aristotelische. In einem angehängten excurs (p. 42 ff.) wird Spen- 
gels beweis überdies noch genauer ausgeführt, daß die definition 
der lust als ungehemmter thätigkeit, dvsfinödiazog ivigysta ti\g 
xaza (pvaiv e'&cog VII, 13, 1153a, 14 f., den bestimmungen der 
zweiten abhandlung X, 5, 1175b, 36 ff. (vgl. 4, 1174b, 31 f.) 
widerspricht, nach denen Aristoteles ausdrücklich die lust nicht 
als eine thätigkeit angesehen hat. Ob es aber dem Verfasser 
gelungen ist wahrscheinlich zu machen, daß derselbe sie viel- 
mehr als einen affect (nd&og) betrachtet habe, ist eine andere 
frage : mir scheint dies durch die definition der affecte olg enezai 
ifiovh rj Xv7iTj II, 4, 1105b, 23 ausgeschlossen und dies auch von 
Kaas anerkannte bedenken durch ihn nicht gehoben zu sein. 
Sehr beachtenswerth ist auch seine kritik der darstellungen, welche 
Zeller, Ueberweg und Grant von Aristoteles auffassung der lust 
geben (p. 31 ff). In der that scheint es nicht, daß im sinne 
des philosophen die lust mit Zeller als das ziel bezeichnet wer- 
den darf, in welchem jede lebensbewegung zur ruhe kommt, und 



244 46. Demostheues. Nr. 4. 

auch ihre bezeichnung als das mit der vollendeten thätigkeit un- 
mittelbar gesetzte resultat mag nicht ganz zutreffend sein; viel- 
mehr wenn Kaas seinerseits in der entscheidenden stelle 1174b, 
31 f. TsXeiol 8s trjv itigysiav q tjdovti ov% mg s%ig svv7Tug%ovaa, 
a\V mg miyivöfievöv (sc. irj irsgysia) ti tsXog die Übersetzung 
von Brandis „ein hinzutretender abschluß" oder besser die : „eine 
hinzutretende Vollendung" vorzieht, so kann ich in bezug auf 
die letztere ihm nur beistimmen. Völlig klar ist freilich auch 
sie nicht, und es ist wohl auch keine völlig klare möglich, und 
Aristoteles selbst scheint in dieser schwierigen frage mehr richtig 
gefühlt als ganz klar gedacht zu haben: die lust ist nur eine 
beigäbe der thätigkeit, aber eine vervollkommende, eine solche, 
durch welche die thätigkeit erst den höchsten gipfel und abschluß 
der Vollkommenheit erreicht, so etwa läßt sich der sinn seiner 
worte durch eine Umschreibung wiedergeben. 

Fr. Sus&mihl. 



46. Inter privatarum causarum orationes Demosthenicas 
quae pro genuinis habendae sint quaeque pro falsis breviter ex- 
ponitur. Pars I. Scr. R. D u n c k e r. Osterprogramm des Frie- 
drich Wilhelms-gymnasiums zu Greiffenberg in Pommern. 1877. 
(17 p). 

Im eingange wird kurz auf die sechs reden hingewiesen, 
welche allgemein als echt anerkannt sind , denn die einwände 
gegen die vier vormundschaftsreden kommen kaum in betracht. 
Als werke eines fälschers erscheinen die reden gegen Aphobos 
wegen falschen Zeugnisses und die nagayga^rj ngbg Zrjvc&e^iv. 
Die frage über die Apollodorischen reden sieht Duncker als 
durch die schrift von Sigg „der Verfasser neun angeblich . . . für 
Apollodor geschriebener reden" als erledigt an. Einer genauen 
analyse wird die rede gegen Theokrines auf p. 6 — 9 unterzogen. 
Zu den von A. Schäfer beanstandeten stellen werden noch die 
folgenden gefügt: §. 17 % Sig ovv xai nag 1 avrov Qsoxgivov 6(ao- 
Xoyettat rom" 1 shai tc ocphjfta xat xarsiä^aro rolg q>vX£taig vnsg 
avtov xal rov adsXcpov . . . ngoasX&mv tfohtool 0soxgiv>jg 
(OfioXöytjaev oqietXeiv xal ixtiasiv ivccvitüv tmv cpvXuimv. §. 65 
Kai tovg jue»> aXXovg , oaoi xaxovgyovvttg ßXdfitovat ti rolg iv~ 
tvyyävovxag , tovg (isv tmv o'ixoi cpvXaxtjv xataoti)aavtag aco&iv 
sau, tovg d'fo'dov fiivovtag ttjg rvxtug (xqdev na&siv , tovg d'ivf 



Nr. 4. 46. Demosthenes. 245 

yt tcp tgörtb) (pvXu^a^itovg svsan dtaoojaao&ai ztjv im* xaxov ti 
noitu ßovXofit'vmp imßovXtjv , 10hg dt zoiovrovöl ovxoqidvzag , not 
%Qij nousvdiitag uSsiag naoa tovtwv 7v%st*. Wegen des ge- 
brauchs der pronomina: §. 33 Kai uot. xdXsi 0tXmn(8r]v ibv 
üaiaviia, ngog ov iXsys lavza &eoxgi'v?jg ovtoai, xai tovg aXXovg 
oi avvlauai roiim ruvra Xeyovit. §. 35 tovzo ydg eanv vneg- 
ßo).tj , ro nag* cur ovo' av eig «jfirocre/ Xaßsiv, ioviov naget zov- 
rmv TjdiaTu Xttfißdvstv ncoXovvia zag yguqtdg. Interessant ist der 
nachweis, daß der Verfasser der rede in dem gebrauche der an- 
redeformeln ro avSgsg '/ä&tjvatot (avdgeg 'u4&rjVuiot) und ro dvögeg 
dixaatai wesentlich von Demosthenes abweicht, ebenso wie in dem 
gebrauche der formel Xußi und der formel Xi-ye. oder draytyicocxs 
{i'.rdyi codi), welche letztere er gegen den feststehenden von Duncker 
wahrgenommenen gebrauch des Demosthenes auf bis dahin nicht 
vorgebrachte documente neunmal anwendet, während sich nur 
dreimal laß? in dieser rede findet. Auch ein eigentümlicher 
gebrauch des dativus ethicus erscheint beachtenswerth : §.17 ocpei- 
Xovzog aiThl tov ndnnov , §. 19 ovx ?x7tTr/.OTog aiirqj iov na." 
tgög , §. 22 hq>tlX?tp iifxlv 7(j) drjuoaim, §. 26 ^Sftagrvotjuotog 
fisv ijfxiv tov Mixmiog, §.28 fxdg7vgug vfiiv nuguoyja&ut, ztXsv- 
ii]Guv7og avrcö zov uÖtXtyov. 

In der rede gegen Phainippos (p. 10 — 12) wird zu den 
von Schäfer beanstandeten stellen noch hinzugefügt §. 22 ol 5s 
ao\ na.7?gsg 7oaoi7coi> tjoav xvqioi ^gr^dzcov, &6ß' sxuregov Tginovg 
avuxsrtai , vixtjoavzcoi avrtop dtovvaia %og?]yovi'7(o%. Dazu wird 
bemerkt : haec periodus est implicata ; multo expedüior ea esset , si 
scriptum esset: mOT 1 £y.Ü7£Qog ävift^Ae nx^öag Aiovvliu. ypgriymv 
— wohl mit unrecht , denn durch die wendung mit dvdxetzut 
wird die darstellung plastischer, indem auf die gegenwart hin- 
gewiesen wird. Mehr kommt in betracht daß im §. 23 der red- 
ner etwas verspricht was er nicht hält, mit den worten: äXX' 
iym Bei£(ß nölX* dnjXmxmg , n itjv ixtxgnr obalav naguXaßmv iov 
nuigr'g. 

Wie subjectiv die urtheile ausfallen , wenn es sich darum 
handelt aus dem allgemeinen eindrucke einer schrift auf den le- 
ser zu bestimmen ob dieselbe einem autor beizulegen ist, hat 
sich bei der rede gegen Phormion gezeigt; denn während J. 
Herrmann dieselbe der Leptinea sehr ähnlich fand, konnten Schäfer 
und Blaß (Die att. beredsamkeit 2. abtheilung, p. 519) in der- 



246 46. Demoathenes. Nr. 4. 

selben den Demosthenischen character nicht finden. Duncker 
sucht durch einzelne eigenthümlichkeiten des Sprachgebrauchs 
nachzuweisen, daß die rede dem Demosthenes nicht angehört. 
Der artikel bei eigennamen erscheint in derselben weit häufiger 
als in den echten privatreden; in diesen ist bei 279 eigen- 
namen das verhältniß 46 mit artikel zu 233 ohne denselben, 
während in der rede gegen Phormion von 81 eigennamen 41 
mit dem artikel, 40 ohne denselben stehen. Die differenz ist 
erheblich und steigert sich, wenn der von Duncker angefochtene 
abschnitt wegfällt. Wenn aber bemerkt wird: Omninoque scrip- 
torem fernere aut posuisse articulum aut omisisse ex verbis §. 18 QsoSozqj 
laozslsl et §. 44 zq> Qsodoicp ra> iGozeXel luculentissime apparet, so ist 
nicht beachtet, daß bei einem im vorhergehenden schon erwähnten 
namen die zusetzung des artikels die regel ist, so wie daß an dieser 
stelle der rede wg 8eov naga psv zw QeoSorcp tm iaozsXel vnoa^nv 
avzovg 8Utjv atev nagaygaeprig, insiSi] 8s eis zo ^Adi]vatmv 8wa- 
azqgiov sigsQ%6fA8&a, \tr\y.sz' 1 sioaymyipov zijv SCmjv ihat, die zuse- 
tzung des artikels durch den gegensatz zu zo 'u4&t]vaia)v Stxa- 
OTtjQior nahe gelegt war, kurz vorher geht übrigens QsoSözw. 

Ein gewichtiges kriterium Demosthenischen eigenthums ist 
der gebrauch des demonstrativpronomen nach dem relativsatze : 
auch dieses fällt (p. 16) zu Ungunsten der rede aus. Wenn 
aber Duncker an der Wendung ot>x hzbg shat avtov , welche 
dreimal vorkommt, anstoß nimmt und dazu bemerkt : quae in Jiac 
oratione invenitur phrasis obx svzog ehai civtov item ut comicum 
illud non apud se esse a sermone petita videtur quotidiano, so haben, 
abgesehen davon daß die worte einem manne aus dem volke in 
den mund gelegt werden, selbst die tragiker solche Wendungen 
nicht verschmäht, wie Eurip. Heracl. 709 ocor cpgspööv ovx evdov 
03p, und in etwas anderem sinne Aesch. Choeph. 233 evdov ysvov, 
%aQÜ 8s (*}]' xnXayrjg cpge'vag , wozu Dindorf auf den Thesaurus 
vol. in, p. 104 verweist. Dagegen konnte noch auf manche 
auffallende wendung hingewiesen werden, wie £q>68iop Xaßutv zo 
zt]v avyygacftjv xeXsyeiv in §. 35, ntotäg axövsiv §. 49, ■drjgtov 
von den gegnern und noch mehreres von Blaß p. 519 zusam- 
mengestellte. Auch an der disposition der rede und der häufi- 
gen Wiederkehr desselben gedankens nimmt Duncker anstoß. 
Blaß bemerkt, daß des Verfassers stärke nicht sowohl im erzählen 
und schildern als im argumentieren und der gesammten anläge 



Nr. 4. 46. Demosthenes. 247 

liegt, daß das im prooemium gut ausgeprägte ethos nachher kaum 
mehr hervortritt und daß im epilog nicht immer Verknüpfung 
der stücke stattfindet. 

Eine, wie es scheint, unlösbare Schwierigkeit bietet die 
bis dahin nach dem vorgange des Libanios gegen alle analogie 
allgemein angenommene vertheilung der rede unter zwei Sprecher, 
den Chrysippos und seinen bruder, zu welcher der gebrauch des 
auf den einen der brüder zu beziehenden pronomen olrog (von 
§. 20 bis §. 32 incl.) zu nöthigen schien. Ueberdies wollen die 
worte in §. 32 xai aide [asv ngbg gs Ovo ovyygacpag snoitjaavzo 
weder auf den Chrysippos noch auf den bruder passen. Duncker 
stellt die neue ansieht auf, in welcher er mit Blaß in dem gleich- 
zeitig erschienenen dritten theil der „Attischen beredsamkeit" zu- 
sammentraf, daß die rede nicht abwechselnd von den beiden 
brüdern, sondern von dem Chrysippos allein gehalten ist. Den 
hiermit sich nicht vertragenden abschnitt von §.22 — 33 scheidet 
er als späteren zusatz aus. Dieser abschnitt ist unverhältniß- 
mäßig reich an rhetorischen figuren und apostrophen, während 
der inhalt, wie p. 18 nachgewiesen wird, zum theil anderen thei- 
len der rede nachgebildet ist, zum theil Wiederholungen enthält. 
Dazu kommt eine abweichung von der übrigen rede im gebrauch 
des artikels , welche an sich freilich dem Demosthenischen cha- 
racter entsjiricht, da die eilf eigennamen sämmtlich ohne artikel 
stehen. Freilich die notiz von der rechnungsablegung in §. 23 
und 24 ist unentbehrlich, da der redner in §, 42 sich ausdrück- 
lich darauf zurückbezieht. Duncker nimmt an, daß die ursprüng- 
liche stelle wo dieselbe stand verloren gegangen und dann die 
lücke von fremder band ergänzt sei. Wenn aber dies der her- 
gang war, ist es dann nöthig die worte in §. 22 '££ avrov drj 
tov ngciyputog XoyiouG&e, cü avdgsg Stxaatai', nag' vfilv avrolg, 
ono&tt' TjfAtl/.tv obtog anobaiativ to %gvGt'ov . sv&tv^s yug Qm'ksi 
ovh ii'&sfitiog tlg ztjv vavv iä ^grjpaTa •ao) InoO^xr/v ovx e'x^t', 
aXV int zolg ifiotg ^gi'maaiv tnidavmaüfXErog^ iv Boanogcp $ anga- 
oimv zcöv xgrifAUTCx)) uarsXaßs xa) rovg 7u sifgönloa öaveCaavrag 
polig dnrjlluiev als späteren Ursprungs anzusehen? Sie passen 
ganz gut für den Chrysippos und auch auf sie bezieht sich der 
redner in §. 46 zurück; denn wir haben sonst nicht erfahren 
daß Phormion die übrigen gläubiger befriedigt hat (die worte 
in §. 8 : tv naay anogiu ijv y xou yäg ol öavsiatul si^opto avrov 



248 46. Demosthenes. Nr. 4. 

oi ra ezsgonXoa Sapstaavzsg, reichen nicht aus *). Dagegen konnte 
der redner wohl sagen: sneöei^a . . . ngog ze zovzotg, oze ano- 
dovvui qitjai zo xqvoiov rw Aa.fA.ni8i, ovzs rbv nal8a aagaXaßöpta 
top i[i6v ovzs zop xoipojpop inidijfiovpza sp BoatzoQcp, wenn er 
sich auch nur auf §. 8: 'EX&mv zoivvv ig zbv Böarzogop, e%av 
smozoXdg nag' i/iov ag dnsdmx'' avtw dnspsyxslp zw naidl reo 
eftq> nagain\Aa"C,ovzi sxsi xat xoipoovqp zipi, ygdxpag iv zrj intazoXy 
zo zs aoyvoiov o i8s8apsixsip xal ztjp vno&tjxqp xal nqoGzd^ag^ 
sneidav raftiaz' i^uifQS&y zd %Qi)nara, s%szd£sip xal augaxoXov&eip, 
zag (ilv intazoXdg ovx dno8i8o30ip ovzog, ag sXaßs nag' ipov, ipcc, 
[xtjSsv siSeCqaap wv sngazzsv ovzog xzX. und §. 35: ovx ctp ^yov- 
(tevog S'ljfAÜg shnögmg i^slsy^ai ooa fiöpoi ngbg avzovg avzol 
ngd^Eiav 2 ). Es giebt wohl keinen ausweg als entweder Duncker 
zu folgen oder mit Blaß anzunehmen, daß die rede ursprünglich 
für einen andern fürsprecher bestimmt war und als Chrysippos 
sich entschloß sie selber vorzutragen, die bearbeitung nicht mit 
der nöthigen Sorgfalt stattfand, so daß ovzog in den mittleren 
theilen häufig ungeändert blieb. Aber sicher würde, wenn Chry- 
sothemis sich in der elften stunde zum Vortrag der rede, ent- 
schloß und einen so auffallenden verstoß machte, das gelächter 
des publicums nicht ausgeblieben sein und doch wenigstens nach- 
träglich eine änderung im manuscript zur folge gehabt haben. 
Auch wüßten wir nicht zu errathen was in einem so einfachen 
rechtsfall für den Chrysippos übrig geblieben wäre, wenn die 
uns vorliegende rede für einen fürsprecher bestimmt war. 

In der von Duncker gegen Schäfer dem Chrysippos vindi- 
cierten partie §. 18 — 21 incl. wird das anstößige, nur auf den 
bruder zu deutende zolzop in §. 20 (mpioXcysi ftsv sigt]xspat zavra 
ngog zovzop) durch eine ansprechende emendation in ngog toi- 
zoig geändert, womit auf die früher erwähnten zeugen hingewie- 
sen wird. 

1) Auch das in §. 41 auf tni&uicc folgende ft» tf'ovr' tinogovvz« hat 

nun worauf es sich zurückbezieht. 

2) Gerade die knappheit und gedrungenheit der recapitulation 
konnte den interpolator bestimmen, die nicht ungeschickte rhetorische 
ausführung in §. 28—32 incl. einzuschieben. Durch die im eingange 
vorkommenden worte axoveai, ^.(wc ^u*i' evvoias iv zw /uign Xiyövrotv, 
welche Duncker und Blaß richtig auf den anschluß an Phormions rede 
beziehen , ließ sich der interpolator bestimmen die worte dem bruder 
des Chrysippos in den mund zu legen, fiel aber in §. 31 durch dsn 
Übergang aus dem pronomen demonstrativum in das der ersten person 
aus der rolle. 



Nr. 4. 47. Metrik. 249 

Doch begeht Duncker gegen Schäfer wohl ein unrecht, wenn er 
meint daß dieser die angeführten worte so verstanden habe, daß 
Lampis schon seine erste aussage vor dem Schiedsrichter gethan habe ; 
denn Schäfer sagt ausdrücklich: iunge a>[A.oX<'yei fxlv ngog tovzqv 
etQt]x£tui, zavza. Dann aber hat sich der redner sehr undeutlich 
ausgedrückt, zumal da kurz vorher nagu. zovzov sich auf den 
Phormion bezieht. Wenn Schäfers construction der worte die 
richtige ist, so liegt es nahe zotzov in 0eo8ozop zu ändern, was 
paläographisch kein bedenken hat. Doch verdient Dunckers än- 
derung ngbg zovzoig, wie es scheint den Vorzug. 

Noch auf einen umstand möge an dieser stelle hingewiesen 
werden, welcher gegen die echtheit von §. 32 spricht. Da heißt 
es „'H ydg cvyyQayij [*e, qstjal t zw vavA.Xi]Q(^ ixtlevev anodovtai 
zo XQvaiov. Anders in §. 33 tj avyygacpi) aco&eiaqg zr\c, vtag av- 
zov anoSoivui xeXevei zd ^g/j/xara. Von den beiden vorliegenden 
fassungen des contracts verdient aber die zweite den vorzug. 

Hatte sich denn Phormion verpflichtet dem schiffscapitän 
Lampis das geld zu geben? Er wollte ja nach §. 9 ursprüng- 
lich mit demselben aus dem Bosporos zurückkehren. Die aus- 
zahlung des geldes an Lampis wird sonst nirgends ausdrücklich 
auf den contract zurückgeführt , sondern nur die Verpflichtung 
zur einladung der waaren (§. 11: (ö Au\iniq) IXtyEv Zzt ovze zd 
XQrjfiaza etvoizo tlg zrjv vavv oizog naza zr\v avyyQayijv oize zo 
%(jvoiov tlltjcpojt; sit] nao y uvrov iv Boonögcp zote. Wenn es in 
§. 34 heißt: zqvtxuvra [ASiaßaXXofXEPog avviazazai piezd zov Aä{i- 
izibog xat qirjaiv ixsivcp zo %ovatov dnoöedwxevai, iqx'jdiov fisv Xa- 
ßeiv zo ztjv avyygncptjv xeXsveiv, so haben wir wohl nur mit einer 
von dem angeklagten aus dem contract gezogenen consequenz 
zu thun. 

Wir wünschen schließlich dem Verfasser dieser in gefälligem 
latein geschriebenen erstlingsarbeit, der inzwischen gezeigt hat 
daß auch im Eutropius noch manches zu thun ist, daß er muße 
und Stimmung finde zu den Demosthenesstudien zurückzukehren. 



47. Die cäsuren im trimeter der sophocleischen Electra. 
Von dr, Naumann. Beilage zu dem programm des gymnasiums 
zu Beigard. Ostern 1877. (16 p.) 

Die cäsur, unter welcher bezeichnung der Verfasser nach 
dem vorgange von Christ auch die diäresen versteht, wird auf 



250 47. Metrik. Nr. 4. 

das bedürfniß athem zu holen zurückgeführt. Sollten aber wirk- 
lich die griechischen Schauspieler so kurzathmig gewesen sein, 
daß sie innerhalb eines trimeters eine pause zum athemholen nö- 
thig hatten? Von Demosthenes erfahren wir daß er sich ge- 
wöhnte mit lauter stimme in einem athem viele verse zu sprechen, 
noch dazu nicht an einer stelle stehen bleibend, sondern hin und 
her gehend und an einer steilen höhe hinaufgehend. (Cic. de 
Orat. I, 261). Diesem bedürfniß darf aber nur da genügt wer- 
den, „wo satzbau, interpunction und sinn es gestatten und unser 
rhythmisches gefühl nicht beleidigt wird". Von diesem, wie uns 
scheint, sehr unsicheren kriterium aus gelangt Naumann unter 
anderem (p. 16) zu dem resultate daß der erste trimeter in So- 
phocles Electra allein ohne cäsur ist, denn er konnte sich nicht 
entschließen in den Worten cd zov OTQaryyrjaavrog h Tgola nori 
die hephthemimeres anzunehmen , weil dadurch die folgenden 
Worte ' AycL\xzyLvovoq nal 3 die eng mit co iov OToaTtjytjcjavTog zu- 
sammenhängen, von diesen Worten gewaltsam getrennt werden. 
Es wird dieser mangel dadurch entschuldigt daß für den vor- 
tragenden auch in dem ersten verse sicher noch keine pause er- 
forderlich ist, wobei es interessant wäre zu erfahren ob der Ver- 
fasser der abhandlung auch in anderen eingangsversen diese be- 
obachtung gemacht hat. Indem wir uns aber nach seinem Vor- 
gänge auf die Electra beschränkten, fanden wir daß noch man- 
cher andre vers dem Schicksal des ersten verfallen wird, wie 
vers 724 sneira ö' Ahnävog av8oog || aömuoi, wo die cäsur hin- 
ter der ersten thesis der dritten dipodie, welche Naumann (p. 13) 
annimmt sich ebenso wenig mit dem von ihm aufgestellten prin- 
cipe verträgt als die hephthemimeres. Andere stellen um deren 
cäsur es uns bange wird sind die folgenden, welche wir mit 
Naumanns cäsurbezeichnung zusammenstellen: vers 1256 nolig 
yag || sö%ov vvv || tXevdsgov aröfia (p. 14), v. 358 tgycp 8l || totg 
cpovevGi tov naTQog ^vvsi, (s. 14), v. 977 i'8ta&s || rcoSe reo xaai- 
yvrjTCo, qiCXotj 1047 ßovXrjg yäg || ovdev earn> i-'x&iov nanrjg (p. 14), 
1272 8e8otxct || h'av ijSovfj vixoofisvqv (p. 14), v. 266 snstra || 
noiag tjptt'gctg || Soxsig /.S ayeiv, v. 10 nohvcp&ogov ts Scöfia TltXo- 
ni8oov || t(')8e (p. 15), v. 61 Soxcö fisv j| oi>8si> Qtjfja avv xf'gSsi || 
xaxop (p. 15), v. 582 (jij ntjfia Gavrfi || xai fistdyvoiav rl&tjg (p. 10). 
Die penthemimeres wird von 890 fällen auf 602 reduciert 
(p. 9). Noch schlimmer kommt die hephthemimeres weg, die 



1 



Nr. 4. 47. Metrik. 251 

von 704 fällen auf 411 herabgedrückt wird, (swa xivst {püsypiar 1 
oqvC&cov aaxfii) entgeht dem Schicksal aus der liste gestrichen zu 
werden durch das folgende raisonnement : srjoc gehört zu cpüzyfAuz 
und zu diesem der genetiv ogvi&oav, während aaq>tj prädicativ zu 
fassen und der vers zu übersetzen „der vögel morgenstimmen 
hell erweckt". Trotzdem habe ich mich für die penthemimeres 
entschieden, da man allenfalls das adjectiv sma dem sinne nach 
adverbiell fassen kann. „Weil bereits der hehre strahlenglanz 
in morgenfrühe uns die vogelstimmen hell erweckt". Will man 
die penthemimeres in diesem verse nicht gelten lassen, so bleibt 
nur noch übrig die cäsur hinter ögvi&oov anzunehmen". 

Wenn aber die Zusammengehörigkeit von eqja mit cpQsyixata 
Naumann bedenken gegen die penthemimeres erregt, kommt denn 
die trennung des objects von seinem verbum gar nicht in be- 
tracht? ist beispielshalber v. 29 (tnl yag tu (aIv do^avta ötjlaaoa) 
die hephthemimeres für Naumann ohne anstoß? Dieselbe frage 
paßt auf v. 894 ogä xoXcovtjq i£ uxgag || vi-nQovTnvg ntjyug ya~ 
kaxzog (p. 12)). Freilich trägt er ja kein bedenken das attri- 
but von seinem beziehungsworte durch die cäsur zu trennen, 
wenn er zu v. 19 (ueXouvd t'uötocov ixXeXoinev svq>Qovtj) auf p. 16 
bemerkt : entweder hat dieser vers die penthemimeres oder gar 
keine cäsur. Die worte pisXaivä t'ugtqojv slqiQÖvt) gehören eng 
zusammen und bedeuten „ die dunkle sternennacht " d. h. die 
dunkle nacht, die den sternen angehört, wie dem tage das glän- 
zende licht der sonne. Indessen kann man doch allenfalls hinter 
(A'Xaivu zuargcov die cäsur setzen weil der zuhörer schon aus 
diesen worten den begriff „nacht" entnehmen kann(?), zumal da 
Xa^inQov ?])Jov ßiXag kurz vorhergeht. Auch das prädicat finden 
wir von dem subject durch die cäsur getrennt, z. b. v. 314 7/ 
d'av iycb ■&uoaovau || [iälXov ig kcyovg zovg aovg IxuCfjijv (tertiana 
prima, p. 12) als alleinige cäsur in diesem verse anerkannt, 
ebenso wie in 321 xal (aijv tymf eaoaa' ixelvov ovx oxvcp. Man 
traut seinen äugen kaum, wenn man v. 584 ngmzrj &dvoi'g || ar, 
st 8ixqg ys ivyitivoig als beispiel für alleinstehende tertiana prima 
auf p. 12 angeführt findet. Ebendaselbst wird sogar tvyxdvco, 
was ohne sein participium keinen sinn giebt , durch die cäsur 
von demselben getrennt («U' et anuvTq tvy^di>sig [| dnxovaiH. ti 
qgottiv); auch den genetiv finden wir von seinem regierenden 



252 48. Miscellanea. Nr. 4. 

substantivum getrennt (v. 939 zr^ rlv naQnvoTjg mjfiovtjg || Xvang 
ßägog. P. 12). 

Wir fragen nochmals : was wird nach solchen Wahrnehmun- 
gen aus dem von dem Verfasser aufgestellten grundsatze daß die cä- 
sur da statt finden darf „wo satzhau, interpunction und sinn es 
gestatten" von dem rhythmischen gefühle ganz abgesehen? 

Schließlich müssen wir urtheilen, daß der Verfasser viel fleiß 
und Sorgfalt auf eine unhaltbare sache verwandt hat und würden 
es bedauern wenn er in dieser richtung noch weiter sich bemü- 
hen wollte. Daß der Verfasser unnütze mühe nicht scheut, zeigt 
sich auch darin daß er, man weiß nicht für welche Masse von 
lesern, wiederholt lateinisch geschriebene und gedruckte stellen 
seiner gewährsmänner ins deutsche übersetzt, wobei er so be- 
scheiden ist, seiner Übersetzung eines abschnitts aus Preuß de 
saenarii graeci caesuris die worte vorauszuschicken: „derselbe sagt 
ungefähr folgendes". 

48. Hermathena. A series of papers on literature, 
science and philosophy, by members of Trinity College, Dublin. 
Nro. V. Dublin, Edward Ponsonby; London, Longmans, Green 
a. Co. 1877. IV, 291 p. 8. 

Es soll hier auf eine fundstätte philologischer abhandlungen 
hingewiesen werden, welche die beachtung der deutschen fach- 
genossen verdient. Die nummern I — III des obenbezeichneten 
Jahrbuchs sind dem ref. fremd geblieben. Ueber den philologi- 
schen inhalt von nr. IV (1876) ist in der Eevue des revues I, 
p. 226 — 228 berichtet. Die dem ref. vorliegende nr. V enthält 
außer fünf aufsätzen, welche anderen gebieten angehören, einen 
auch für manchen philologen interessanten : Greek Geometry from 
Thaies to Euclid, by Gr. J. Allman, und acht arbeiten, die sich auf 
dem boden der classischen philologie und alten geschichte bewegen. 
An der spitze findet man The letters of Quintus Cicero. By Robert 
Yelverton Tyrrell, Fellow of Trinity College, and Professor of Latin. 
Der verf. beschäftigt sich auf 20 Seiten fast ausschließlich mit 
der abhandlung von A. Eußner über das Commentariolum petitio- 
nis (gratulationsschrift des gymnasiums zu Würzburg an die 
Universität München 1872). Während in dieser schritt das Com- 
mentariolum dem Quintus Cicero abgesprochen wird, vertheidigt 
Tyrrell die bisher geltende ansieht daß Quintus der autor sei, 



Nr. 4. 48. Miscellanea. 253 

im tone fester Überzeugung. Das wesentliche seiner gegen 
Eußner erhobenen einwendungen ist jedoch zum großen theile 
im Piniol. Anz. V, p. 498 — 505 vorweggenommen. Eine lösung 
der obwaltenden Schwierigkeiten konnte Tyrrell schon darum 
nicht geben, da er zwar ganze seiten mit den aus der bekämpf- 
ten schrift entnommenen beispielsammlungen gefüllt, die in der- 
selben vorgebrachten beweise aber nur unvollständig behandelt 
hat. Selbst gegen Bücheier weiß Tyrrell manches zu erinnern. 
Schon daß dieser gelehrte die schlechten handschriften mit einer 
der good society nicht geläufigen deutlichkeit sterquilinium genannt 
hat, giebt zu einer kleinen bemerkung anlaß. Ferner empfängt 
auch Bücheier den Vorwurf, die stilistische unvollkommenheit 
des Commentariolum übertrieben zu haben. Im übrigen hat sich 
Tyrrell begnügt, mehrere punkte in Büchelers prolegomena bei 
seinen auseinandersetzungen zu ignorieren. — Minder conservativ 
tritt der verf. des nächsten , durch einen späteren anhang er- 
gänzten aufsatzes auf: On the Date of Capture of Myeenae by the 
Argives. By J. P. Mahaffy, M. A,, Fellow of Trinity College, and 
Professor of Ancient History. Der verf. leugnet , daß die von 
Pausanias im einklang mit einer nachricht bei Herodot berich- 
tete einnähme von Mykenä durch die Argiver um 470 v. Chr. 
stattgefunden habe , und vermuthet im hinblick auf Diodor, daß 
schon zur zeit des Pheidon Mykenä im interesse des ovromtafiog 
von den Argivern überwältigt worden sei. - — Es folgt eine Studie 
über TJie Correspondence of Fronto and M. Aurelius. By Hastings 
Crossley, M. A. In den einleitenden bemerkungen über die auf- 
findung , aufnähme und behandlung der briefe Fronto's werden 
die literaturangaben in Klußmanns Emendationes Frontonianae 
durch hinweisung auf zwei französische publicationen (p. 69 f.) 
ergänzt, deren eine jedoch Croßley selbst als werthlos bezeichnet. 
Im weiteren wird hervorgehoben, daß der briefwechsel mit Fronto 
für die Würdigung des jugendlichen M. Aurelius ähnliche aus- 
beute gewähre wie für die beurtheilung des älter gewordenen 
die Meditationes. Indem der verf. jenen gewinn für unsere kennt- 
niß zu ziehen sucht, entwirft er ein im wesentlichen treffendes 
bild der merkwürdigen beziehungen zwischen dem bescheidenen 
kaiserlichen schüler und seinem selbstgefälligen und kleinlichen 
lehrer. Anfangs ganz von seines meisters rhetorischen lehren 
befangen, wird M. Aurelius besonders durch die einwirkung des 
Philolog. Anz. X. 18 



254 48. Miscellanea. Nr. 4. 

Rusticus der philosophie zugeführt und zeigt sich dann selbstän- 
diger , wenn auch persönlich seinem alten lehrer unwandelbar 
ergeben. Ueber die spätere annäherung an Fronto's richtung, 
besonders seit dem jähr 161, vermißt man einen bestimmten 
hinweis, wie ihn Mommsen in einer abhandlung des Hermes 
VIII, 212 gegeben hat, aus welcher Croßley mehrfachen vortheil 
für seine arbeit hätte ziehen können, z. b. p. 76, nr. 18. Auf 
einseitiger betrachtung beruht es, wenn Croßley p. 71 behauptet, 
daß die bezeichnung Tullianus bei Fronto eine verächtliche ne- 
benbedeutung habe. Wenn auch der raritätenkrämer in Ciceros 
reden insperatum adque inopinatum vermißt, so weiß er doch die 
hohe bedeutung des redners und briefstellers Cicero zu schätzen. 
Er stellt ihn bald mit Cato und Gracchus 114,6; 145,9 Naber 
bald mit Cato und Sallust 93, 9; 149, 21 auf gleiche Knie. 
Er empfiehlt dem Victorinus, zur vergleichung zu lesen quod M. 
Tullius pro L. Sylla egregie scribtum reliquit 184, 1 ; sendet dem 
M. Aurelius die rede de imperio Ca. Pompei und rühmt neminem 
umquam neque Romana neque Graecorum lingua facundius in con- 
cione populi laudatum 221, 20. Er versichert dem kaiser: epi- 
stulis Ciceronis nihil est perfectius 107, 16, und schreibt an dessen 
bruder Verus : M. Tullius summum supraemumque os Romanae lin- 
guae fuit 125, 14. Diesen stellen gegenüber läßt sich Croßley's 
bemerkung nicht aufrecht halten. Zur emendation werden zwei 
beitrage gegeben: p. F t7 n. 20 zu 82, 25: Quom plane voluerim 
(maluer i m) , qualem petieram , rescribe statim de tempore , womit 
aber kein genügender sinn erzielt wird-, p. 79 n. 26 zu 54, 12 
prope nullus in epidicticis im ic^vm locus, qui est in dicis multum 
necessarius , wo Haupts die anicis dem vorhergehenden adjeetiv 
epidicticis besser entspricht. — An diese Studien reihen sich wei- 
terhin Some Legal and Constitutional Points in Cicero, Horace, and 
Others. By Thomas Maguire, LL. D. f Professor of Latin, Queens 
College, Galioay. Die theilweise mit wenigen Worten behandelten 
stellen sind: Cicero Phil. II, 33, 82. leg. III, 17,38. Tac. ann. 
XIII, 26, 5. Hör. sat. I, 6, 17 ff. 9, 36 f. II, 3, 64 ff. epod. 
4, 16. epist. I, 20, 28, carm. III, 24, 4. Juv. 1, 110. Calpurn. 
4, ll7ff. M. Antonin. 17. Cic. off. III, 4, 20.— Der folgende 
aufsatz Gibbon and Julian, by J. W. Barlow , M. A., Fellow of 
Trinity College , and Professor of Modern History , will den für 
deutsche leser wohl selbstverständlichen nachweis liefern, that the 



Nr. 4. 48. Miscellanea. 255 

author of The Decline and Fall has not shoion Julian much favour. 
— Den nächsten philologischen beitrag bilden Miscellanea critica. 
By Arthur Palmer , M, A. , Fellow of Trinity College. Auch hier 
begnügt sich ref. mit der angäbe der stellen: Soph. 0. E. 22 ff. 
0. C. 707 f. Eur. Bacch. 778 f. 1037. 1297 f. Aristoph. Pac. 
605 ff. Demosth. fals. leg. 187. Cic. Cat. I, 6, 14. Tac. XI, 
23, 16. Plaut. Mil. 11,2, 64 ff. most. I, 2, 30 ff. Ovid. Her. 
III, 39 f. und sieben stellen aus Properz. Dagegen mögen ei- 
nige mittheilungen gestattet sein über Notes on the History of Ta- 
citus. By Philip George Sandford (Seh.) , B. A. Der verf. will 
1,26,4 postero die schreiben und iduum tilgen; aber da die ur- 
sprüngliche Schreibung des Mediceus sich nicht mehr entziffern 
läßt, so ist die stelle unheilbar. Längst geheilt dagegen ist 
durch Puteolanus die stelle I, 29, 12 quo domus nostrae aut 
reip. fato, wofür jetzt Sandford quod . . fatum lesen möchte; 
überliefert ist quo . . fatu. Die änderung I, 71, 9 sed ne hostis 
meuteret c on ciliatione s, adhibens statim inter intimos amicos ha- 
buit hat der verf. selbst zweifelnd vorgeschlagen, nur die bezie- 
hung von adhibens auf das folgende soll unzweifelhaft sein. Der 
sinn wäre : but , to prevent Ins enemies fearing reconciliation witli 
him , at once admitted him and retained him among his intimate 
friends. Vielleicht hätte der verf eine andere emendation seinem 
versuche vorgezogen, wenn er Halms ausgäbe vom jähre 1875 
gekannt hätte, was leider, wie sich aus der verspäteten polemik 
gegen diesen herausgeber schließen läßt, nicht der fall war. 
Paläographisch leicht ist I, 72, 5 die änderung von virilia sce- 
lera, woran schon Ritter und Nipperdey anstoß nahmen in vernilia 
(s'ervilia) scelera ; aber dieser begriff wäre im zusammenhange matt 
und ist für crudelitas und avaritia überhaupt nicht entsprechend. 
Denn dies sind eben keine servilia scelera, da sie dem reichen 
herrn , nicht aber dem geknechteten armen eigen zu sein pflegen. 
Sie heißen mit recht virilia , da sie aus der Übertreibung der 
ächten virtutes (mannestugenden) der severitas und diligentia her- 
vorgehen; vgl. rhet. ad Her. IV, 25, 35. Sie sind aber insbe- 
sondere an dieser stelle treffend als virilia scelera bezeichnet im 
gegensatze zu den vorher genannten vitia , deren wesen wir aus 
den deutlicheren angaben des Tac. Ann. XIV, 51 und aus den 
hiezu von Nipperdey citierten schol. Juv. I, 155 kennen lernen. 
Wie unnöthig der verf. H, 10 ineubuerat . . pervertere in per- 

18* 



256 48. Miscellaneä. Nr. 4. 

v er t er et ändert, zeigt Drägers beispielsammlung (Synt. u. Stil, 
d. T. §. 145). Der in den worten II, 28, 10 sin victoriae sani- 
tas, sustentaculum, columen in Italia verteretur liegenden Schwierig- 
keit sucht Sandford durch zwei vorschlage zu begegnen, wovon 
der eine gelinder, der andere gewaltsamer erscheint, keiner aber 
ein leichtes verständniß ergibt. Der erste lautet: sin victoria 
sanitas , sustentaculum , columen in Italiam verteretur. Hier soll 
victoria subject, sanitas prädicat sein und esset ergänzt werden, 
so daß der sinn wäre : but if our safety depend on victory, let our 
support and mainstay be turned (with us) into Italy. Nach dem 
zweiten vorschlage wird fast jedes wort der Überlieferung ge- 
ändert: sin victoria sanitas sust entaretur, incolumes in 
Italiam verterentur. Müßig sind die conjecturen zu II, 81, 
14 lecta corpora (wie 11, 18) statt decora und zu II, 82, 18 
Vespasiani numen für nomen. Statt der unhaltbaren Überliefe- 
rung II, 75, 6 praesenti facinora, wofür die leichte emendation 
praesenti facinore allgemein angenommen ist, will Sandford pr ae- 
ben ti (praestanti) facinora lesen und den dativ von paratum ab- 
hängen lassen wie ann. II, 10,2. Nicht eine änderung der les- 
art, sondern nur eine erklärung bietet der verf, zu IV, 42, 31, 
indem er die bereits von Lipsius vorgeschlagene vermuthung 
ausuri, welche er Madvig zuschreibt, verwirft und visuri von viso 
ableitet. Endlich IV, 65, 1 möchte Sandford schreiben : neque 
subire condiciones metus futuri neque palam aspernari praesens sinebat 
mit Streichung des vor praesens überlieferten condicio; aber die 
Wiederholung desselben Wortes im texte mit modificierter bedeu- 
tung ist , zumal beim Wechsel des numerus , weniger bedenklich, 
als die annähme, daß condicio nur ein rest von condiciones, die- 
ses aber glossem zur ergänzung des objects von aspernari sei. 
Demnach ist ein bleibendes ergebniß für die herstellung des 
Tacitustextes durch Sandford's conjecturen wohl nicht geliefert. 
Den letzten philologischen beitrag des vorliegenden bandes bilden 
Notes on dr. W. SmitHs Latin Dictionary. By Charles Haines 
Keene, M. A. An einzelnen stellen haben die gelehrten der 
Hermathena über die philologie der Deutschen wenig schmeichel- 
hafte andeutungen gemacht; aber sie beweisen doch vielfache 
kenntniß der deutschen forschung, und das ist uns wichtiger. 
So darf der Anzeiger die Hermathena als willkommene helferin 
auf dem fehle philologischer forschung begrüßen. 



Nr. 4. 49. Mittelalter. 257 

49. Gregorius auf dem steine, der mittelalterliche Oedipus, 
von Oberlehrer Albert Heintze. Wissenschaftliche abhand- 
lung zu dem XX. programm des Gymnasiums zu Stolp für das 
Schuljahr 1876—77. Druck von F. W. Feige in Stolp. (23 p.) 

Die vorliegende schrift ist eine interessante Studie über die 
Umbildung, welche die heidnische Oedipussage in der legende 
von Gregorius auf dem steine durch die christliche Weltanschau- 
ung erfahren hat. Dem ersten erzähler hat die vollständige 
Oedipussage nicht vorgelegen, sondern eine sonst nicht hochste- 
hende, aber doch noch immer griechische fassung derselben, wie sie 
bei Suidas unter dem artikel Oedipus und bei Cedrenus (ed. 
Bekker. 45) vorliegt. Hier erscheint Oedipus nur als gemahl 
der lokaste, nicht als mörder des Laios. Hierauf hat Lippold 
in der dissertation „die quelle des Gregorius Hartmanns von 
Aue. Leipzig 1869" hingewiesen. Auch Gregorius, der enkel 
des königs Marcus, sündigt nur durch den incest mit der mutter, 
welche das kind, die frucht der sündlichen Vereinigung mit dem 
bruder, ausgesetzt hatte. Nachdem das kind eine zeit lang auf 
dem meere umhergetrieben war , ward es auf eine wunderbare 
weise gerettet und wurde dann von einem frommen abte erzo- 
gen. Als in der seele Gregors durch die äusserungen einer 
fischerfrau zweifei über seine abstammung erweckt sind, begiebt 
er sich aus der clause des abtes auf die Wanderung und ver- 
mählt sich mit der mutter, die er als wittwe vorfand und der 
er gegen die angriffe ihrer feinde beigestanden hatte. Durch 
die entdeckung seines freveis wird er zur büße getrieben ; er 
legt die herrschaft, die er von der herzogin-mutter übernommen 
hatte, nieder und läßt sich auf einem felsen im meere anketten, 
wo er 17 jähre verweilt. Da wird er durch die stimme gottes 
als würdig bezeichnet den päbstlichen stuhl einzunehmen und 
nachdem das schloß der kette , welches er ins meer geworfen 
hatte , auf eine wunderbare weise wiederaufgefunden ist , folgt 
Gregor dem göttlichen rufe. Auch die mutter wird ihrer sünde 
ledig , indem sie die päbstliche absolution erhält. Schon aus 
einer flüchtigen betrachtung der erzählung Hartmanns erhellt, 
wie der unheimlich fatalistische charakter der antiken sage durch 
die christliche Weltanschauung beseitigt ist. Zunächst liegt eine 
milderung darin daß das greuelvolle Unheil sich nicht durch 
drei generationen fortpflanzt, sondern auf drei personen sich 



258 49. Mittelalter. Nr. 4. 

beschränkt, die gescliwister und ihr kind. Von vornherein ist 
die ehe der geschwister nicht eine Wirkung des fatums, sondern 
eine folge der sünde unter einwirkung des teufeis , dessen ge- 
walt aber keine absolute ist. Die reue bleibt nicht aus, und 
der vater des Gregorius stirbt an gebrochenem herzen auf einer 
pilgerfahrt, nicht durch die hand des sohnes. Während Laios 
und lokaste ihr kind in grausamer weise aussetzen, um es zu 
tödten, so geschieht dies hier nur um die schände zu verhehlen ; 
auch wird alles gethan um das kind , wo möglich, am leben zu 
erhalten und für sein fortkommen in der weit zu sorgen. Auch 
die ehe mit der mutter ist keine Wirkung des fatums , sondern 
durch die Schönheit und liebenswürdigkeit der herzogin erklär- 
lich, welcher Gregor aus harter bedrängniß geholfen hat. Ganz 
ohne schuld ist weder der held noch die heldin der erzählung, 
jener indem er von der erforschung der eitern , welche ja der 
hauptgrund zum verlassen des klosters war, in dem heimatland 
ganz absteht, diese indem sie nicht nach der herkunft des frem- 
den fragt und die ähnlichkeit des kleides und linnenzeuges ihres 
gastes mit demjenigen, welches sie ihrem kinde mitgegeben hatte, 
nicht weiter beachtet, was auf unmittelbaren einfluß des teufeis 
zurückgeführt wird. Sollte aber nicht auch darin eine schuld 
der herzogin liegen, daß sie, welche bis dahin allen bewerbern 
als eine büßende ihre hand versagt hat , nun doch einen neuen 
ehebund eingeht? Sie ist aber in ihrer wähl vollkommen frei, 
während über die hand der lokaste im voraus von Kreon verfügt 
ist. Im gegensatz zu Oedipus ist dann weiter festzustellen, daß 
nach dem stürze des Gregorius aus seinem glücke hier keine that 
der Verzweiflung statt findet. Während lokaste sich erhängt 
und Oedipixs sich die äugen aussticht, wehrt Gregor der Ver- 
zweiflung seiner mutter durch den hinweis auf die wahre reue, 
die vor gott als büße für alle missethat gelte. Im gegensatz 
zu der von den strahlen des christenthums durchleuchteten le- 
gende wird der unheimlich fatalistische Charakter der antiken 
sage in kurzen zügen gezeichnet. Ueber Oedipus wird p. 21 
bemerkt: „Ihm als dem gliede eines verhaßten geschlechtes 
(Oed. Colon. 960 ff.) steht die gottheit kalt und feindlich gegen- 
über, sie treibt den unglücklichen in schuld und verderben und 
überläßt ihn dann der pein. Erst spät wendet sie ihm ihre 
huld zu, aber nur zur ausgleichung für so schweres in der 



Nr. 4. 49. Mitteralter. 259 

hauptsache unverdientes leid ; ihm wird der ort bezeichnet wo 
der müde greis eine ruhestätte finden soll. Doch in der art 
wie dies gewährt wird bewahrt die gottheit bis zuletzt ihr ern- 
stes, düster-erhabenes angesicht ; durch wiederholte donnerschläge 
wird dem Oedipus verkündet daß nun sein ende nahe, und kaum 
wird ihm zeit gelassen von seinen töchtern und von Theseus 
sich zu verabschieden. Des gottes stimme , die alle zeugen des 
Vorgangs mit grausen erfüllt , treibt ihn zur eile an , um den 
letzten weg zu wandeln. So können wir , wie überhaupt in 
der religiösen anschauung des griechischen alterthums , so auch 
hier höchstens die gerechtigkeit der gottheit anerkennen, keines- 
wegs aber die volle, wahrhaft göttliche liebe. 

Die auffassung des Verfassers wird Widerspruch finden, 
aber nicht von mir, der ich in meinem aufsatze über die tri- 
logische composition der Sieben gegen Theben in der Zeitschrift 
für alterthumswissenschaft 1856 nachzuweisen gesucht habe, daß 
auch Aeschylus in der trilogie , zu welcher die Sieben gegen 
Theben gehören, denselben Standpunkt eingenommen hat. Wenn 
auch sonst die Weltanschauung des großen tragikers der mensch- 
lichen freiheit großen Spielraum läßt, so nöthigte ihn hier die 
fatalistische natur des sagenstoffes mit einem stählernen netze 
in ihre engen bahnen hinein. Ich kann dem Verfasser nur bei- 
stimmen, wenn er p. 9 bemerkt: „die strafe des Laios durfte 
nur darin bestehen , daß ihm , der gegen die gesetze der natur 
gefrevelt hat, nun der natürliche segen der ehe versagt ward, 
daß er überhaupt ohne nachkommenschaft blieb. Durch die 
fassung, der vater sollte von dem söhne getödtet werden, wird 
das ganze in eine schiefe bahn gelenkt." 

Wenn Heintze übrigens die äußerlichkeit der büße des 
Gregorius als einen mangel bezeichnet, so ist dagegen zu er- 
innern daß ein rein innerlicher siebzehn jähre hindurch sich voll- 
ziehender bußvorgang nicht wol dichterisch dargestellt werden 
konnte und es andrerseits nicht anging den auch von der weit 
verstoßenen sünder als wirkend darzustellen etwa in der weise 
wie es Göthe im zweiten theile des Faust gethan hat. Aber 
ein mangel des gedichts liegt darin, daß gar nicht darauf rück- 
sicht genommen wird, daß das vergehen des Gregorius in Unwis- 
senheit geschah. Wenn diese seite hervorgehoben wäre, so wäre 
freilich die unverhältnißmäßig harte büße nicht am platze ge- 



260 Bibliographie. Nr. 4. 

wesen, während der griechische dichter die thaten des Oedipus 
als nsnov&öxa ftullov rj dtöganöra bezeichnen konnte. 

L. Schmidt. 

Bibliographie. 

Eine „Quartalrundschrift im deutschen buchhandel", die die 
monate october bis december enthält, giebt Börsenbl. 1880, nr. 1. 

Die üblen gewohnheiten unserer zeit wirken immer noch 
auf den reellen buchhandel ein ; daher klagen über die schleu- 
derei und den Zwischenhandel: Börsenbl. 1880, nr. 4. 

Einen eigentümlichen fall berichtet Börsenbl. 1880, nr. 8, 
wonach in Coblenz der verkauf der gesammtausgabe von Göthe's 
werken verboten ist : der fall wird nach einem aufsatze in den 
Grenzboten weiter erörtert ebendas. nr. 10. Auch vrgl. Augsb. 
allg. ztg. nr. 19. 

Eingegangen sind : Prospect zu : Allgemeine geschichte in 
einzeldarstellungen , unter mitwirkung . . . herausgegeben von 
Wilhelm Oncleen, 8. Grote, Berlin; — zu: deutsche urzeit von 
Wilhelm Arnold, 2. aufl. 8. A. Perthes, Gotha; — auswahl von 
festgeschenken aus dem verlag von Paul Neff in Stuttgart; — 
verlag der C. F. Winter' sehen Verlagsbuchhandlung in Leipzig 
und Heidelberg , — prospect zu : illustrirte Zeitschrift für länder- 
u. Völkerkunde mit besonderer berücksichtigung der anthropo- 
logie und ethnologie, begründet von K. Andree, in Verbindung 
von fachmännern herausgegeben von dr. Richard Kiepert, 4. 
Vieweg u. söhn, Braunschweig ; — zu : geschichte der deutschen 
kirchen- und schulvisitationen im Zeitalter der reformation, von 
C. A. H. BurMardt, bd. I von 1524 — 1543. Grunow, Leipzig. — 

Zu beachten sind die Verzeichnisse hervorragender werke 
aus dem Verlage von T. O. Weigel in Leipzig, der Clarendon 
Preß in Oxford, Gyldendal in Kopenhagen, die zu herabgesetz- 
ten preisen zu haben sind: nr. I und II griechische und latei- 
nische schriftsteiler; III. neulateiner, commentare zu klassikern, 
verschiedenes ; IV. orientalische sprachen ; V. VI. theologie ; VII. 
neuere sprachen. — Daneben bestehen noch verzeichniß I. IL III 
mit der Überschrift : Preisermäßigung auf zeit, die vorzugsweise 
werke der klassischen philologie enthalten. 

Um die thätigkeit auf dem gebiete der pädagogik an- 
zudeuten , erwähnen wir : verzeichniß neuer oder in neuen auf- 
lagen erschienenen lehr - und hülfsbücher für gymnasien , real- 
und höhere bürgerschulen, aus der fierder'schen verlagshandlung 
in Freiburg i. Br. ; — pädagogischer catalog aus Ed. Peters 
verlag in Leipzig; — pädagogischer verlag von A. Pichler's 
wittwe u. söhn in Wien ; — Teubner's lehr- und hülfsbücher für 
den Unterricht in neuern sprachen, Schulausgaben englischer und 
französischer Schriftsteller mit anmerkungen ; — W. Reih päda- 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 261 

gogische Studien, Pfeil, Leipzig ; — Rundschrift, mit Vorwort zur 
100. aufläge von GrRR. Reuleaux . . herausgegeben von F.Soennecken. 
Cataloge von Antiquaren : Bielefeldt in Karlsruhe, katalog nr. 
74, kunst; Kamffmeyer in Berlin nr. 242 philologie und alter- 
thumswissenschaf t ; Kirchhof u. Wigand antiquarischer katalog 
nr. 570 — 573; Kubasta u. Voigt, buchhandlung und antiquariat 
zu Wien, antiquarischer anzeige**. 19: classische philologie 
und archäologie ; Simmel u. de. in Leipzig nr. 32 klassische 
philologie und alterthumskunde ; besprochen in RAnz. 1880, nr. 7. 

Kleine philologische zeitung. 

Berlin, 16. nov. Heute starb A. Gladisch, gymnasial - di- 
rector a, d. : s. unt. p. 268. 

Göttingen. In den tagen der Vollendung des Gotthard-tun- 
nels wird eine etwas verspätete anzeige der arbeit R. BongMs, 
„das gymnasialwesen in Italien" in Italia. Herausgegeben von 
K. Hillebrand in Florenz. Bd. IV. p. 44—92. Leipzig 1877" 
wohl noch auf die nachsieht der leser dieser Zeitschrift rechnen 
dürfen ; ist doch die annäherung der beiden länder , der die 
„Italia" auf geistigem und moralischem gebiete schon so erfolg- 
reiche dienste geleistet, wieder um einen bedeutenden schritt 
weiter gerückt. Eine in der Italia gegebene betrachtung des 
classischen (gymnasialen) Schulwesens aber wird bei den lesern 
des PhilAnzeigers besonderes interesse erwecken, wenn sie der 
feder des gelehrten philologen und politikers entstammt, der 
seinen gegenständ in dem weiten rahmen der entwickelung sei- 
nes landes zu betrachten gewohnt ist, der anerkannt einer der 
besten kenner des italienischen unterrichtswesens an die spitze 
desselben berufen sich als gleich besonnenen und thätigen re- 
formator desselben bewies, jetzt wiederum seine muße philolo- 
gischen Studien, einer Übersetzung des Piaton, zu gute kommen 
läßt. — Bonghi schickt seiner darstellung des classischen Schul- 
wesens einen abschnitt über die allgemeine anordnung des hö- 
heren Unterrichts voraus. Dieselbe wird bestimmt durch das am 
15. nov. 1859 von Ratazzi erlassene, hauptsächlich wohl von 
dem staatsrechtslehrer Melegari und dem späteren unterrichts- 
minister Berti ausgearbeitete gesetz-, auf frühere zeiten braucht 
die betrachtung nicht zurückzugehen, da bis zu diesem Zeitpunkte 
der höhere Unterricht in Italien dieselbe einrichtung zeigte, wie 
anderswo im katholischen Europa zu anfang unseres Jahrhunderts. 

Seit 1859 ist der Unterricht in classischen und realen ge- 
schieden. Auf der grundlage der beiden alten sprachen beru- 
hend giebt der erstere in einem achtjährigen cursus allein die 
Vorbereitung zu der Universität, von ihm vollständig getrennt 
macht der reale Unterricht es sich zur aufgäbe, in sechsjährigem 
cursus neben allgemeiner, möglichst abgeschlossener bildung 
eine specielle Vorbereitung und befähigung zum handel , zur in- 



262 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

dustrie und landwirtsckaft zu erzielen. Von ihm gieht es keine 
brücke zur Universität, die möglichkeit weiterer ausbildung sollen 
das höhere technische institut zu Mailand und die mit den Uni- 
versitäten verbundenen Ingenieurschulen bieten. 

Der achtjährige cursus des classischen Unterrichts 
fällt zwei völlig getrennten und verschieden organisierten schulen, 
gymnasium mit fünfjährigem und lyceum mit dreijährigem cur- 
sus zu. In dem ersteren herrscht reines classenlehrersysteni, in 
dem lyceum dagegen fachlehrersystem ; nach einem bestimmten 
lehrbuche, wie hier zu lande, sind die lehrer (professoren) überall 
nicht verpflichtet zu unterrichten , jedoch sind die grenzen des 
Unterrichtes in den einzelnen classen durch ministerielle decrete 
bestimmt. — In thätigkeit ist die schule vom 15. october bis 
zum 15. märz*). — Einen gegensatz gegen unsere anschauungen 
bildet das in den italienischen schulen übliche vorherrschen des 
examens. Ein solches bedingt den Übergang aus jeder classe in 
die folgende und findet am ende des gymnasial- und lyceal- 
cursus statt, früher sogar auch trotz absolvirten gymnasial- 
cursus' bei dem eintritt in das lyceum. Der ausfall der examina 
wird nach dem bei uns im militär und in der marine üblichen 
punktsystem geregelt ; jeder examinator verfügt über zehn punkte, 
von denen sechs zum bestehen nöthig sind. — Commissionen 
zur prüfung der lehrer existiren in Italien nicht, die stellen wer- 
den durch einen von der regierung eröffneten concurs besetzt. 
Die beteiligung daran kann durch examen oder durch Vorlegung 
von titeln , d. h. der auf Universitäten erworbenen grade , ge- 
schehen. Diese titel haben nach dem verf. das gemeinsame, daß 
sie alle keine einigermaßen genügende garantie für practische 
tüchtigkeit bieten. — Ist jemand gewählt, so ist das gehalt 
jammervoll genug. Das anfangsgehalt ordentlicher professoren 
am gymnasium beträgt 1400, am lyceum 1800 fr., eine Selten- 
heit ist es, daß es auf 3300 fr. steigt. Im jähre 1875 bestan- 
den 104 königliche gymnasien mit 9772 Zöglingen, 80 königl. 
lyceen mit 5532 Zöglingen. Die schülerzahl der einzelnen 
schulen zeigt noch grössere differenzen als bei uns , es giebt 
classen von 60 und 3 — 4 schillern. — Neben den Staatsschulen 
stehen auch in Italien die communalen, jedoch mit ausgedehn- 
teren rechten als bei uns. Eine bedeutende rolle aber spielen 
außerdem schulen der moralische Unterrichtszwecke verfolgenden 

*) Die unter abzug der sonn- und festtage bleibenden 200 — 220 
schultage auf 29 wochen, wie der verf. thut, zu reduciren, möchte zu 
einem falschen bilde verleiten , denn diese sonn- und festtage sind 
doch mehr oder weniger die überall nöthigen kleineren erholungs- 
pausen der arbeitszeit, eine der allgemeinen natürlichen Voraussetzun- 
gen jeder fruchtbringenden thätigkeit. — Auch dürfte bei dem nur 
achtjährigen cursus der beiden italienischen schulen die erste (unterste) 
classe des lyceums der obersecunda unserer gymnasien nicht ganz 
entsprechen. 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 263 

körperschaften, sowie die über ihren ursprünglichen zweck weit 
hinausgreifenden geistlichen seminarien. Zu allen diesen kom- 
men noch die privatinstitute und die schule im Vaterhaus. Von 
der gesammtschülerzahl des gymnasiums bildet die vorher er- 
wähnte schülerzahl der königlichen gymnasien etwa ein viertel, 
von der gesammtschülerzahl der lyceen dagegen die der könig- 
lichen lyceen mehr als die hälfte. Von den schülern des gym- 
nasiums erreicht etwa nur ein drittel das lyceum ; die schule 
erweist sich also nicht nur bei uns als ein sieb , welches unauf- 
hörlich ausscheidend nur die schwerere und für den betreffenden 
gebrauch brauchbare frucht zurückbehält. — Den hauptmangel 
des classischen Schulwesens sieht verf. darin , daß es dem bil- 
dungsbedürfniß zu wenig abhilft. Der Staat verlangt, daß über- 
all da wo neugründung einer schule beabsichtigt wird , eine 
ganze anstalt, gymnasium oder lyceum, gegründet werde. Verf. 
wünscht, daß da wo beide anstalten vorhanden, sie gänzlich ver- 
einigt werden, daß es aber den communen erlaubt sei, von der 
ganzen anstalt so viel classen als nach den Verhältnissen ange- 
messen erscheine, zu gründen. Auch die lehrerbildung sei in 
der weise, wie sie das im jähre 1875 erlassene, bald aber gro- 
ßenteils wieder rückgängig gemachte Universitätsreglement ordne, 
für den künftigen beruf passender einzurichten ; namentlich müsse 
es den studierenden gestattet sein, sich in mehreren fächern aus- 
zubilden und dieselben später zu lehren, damit nicht im lyceum 
der lehrer der naturgeschichte auf seine fünf, der lehrer der 
philosophie auf seine sieben lectionen wöchentlich beschränkt bleibe 
und der Staat nicht, wie dies bisher geschieht, für diese so wenig 
in anspruch genommenen lehrkräfte dieselben mittel aufzuwen- 
den habe, wie für die voll beschäftigten lehrer der alten sprachen. 
— Die resultate sind namentlich im lateinischen und grie- 
chischen , sowie auch im italienischen nach Bonghi äußerst 
schwach ; freilich ist aber auch die Stundenzahl in diesen fä- 
chern mit der bei uns üblichen verglichen gering, etwa halb so 
groß. Das dürfte auch uns gewissen bestrebungen gegenüber 
ein fingerzeig sein. Die anzahl der lectionen in den beiden 
ersten fächern ist daher in der letzten zeit etwas erhöht. Die 
mangelhaftigkeit der leistungen im italienischen findet verf. theil- 
weise auch durch das zuviel der Unterrichtsfächer, welches die 
entwicklung der ideen in den jugendlichen geistern nicht be- 
günstige , bedingt. Den geringsten nutzen bringt nach seinem 
urtheil — ebenfalls ein wohl zu beherzigender fingerzeig — der 
systematische Unterricht der philosophie. Bei dem mangel an 
Übereinstimmung der lehrer in diesem fache und am zutreffen 
der in jedem staatlichen unterrichtsplan gemachten Voraussetzungen 
erzeuge dieser Unterricht entweder nur Unklarheit oder lasse 
nur eine reihe von definitionen und distinetionen zurück. Er 
sei daher zu beseitigen oder auf die lo°nk einzuschränken. Auch 



264 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

die resultate des geschichts- sowie des mathematischen Unterrich- 
tes seien nicht befriedigend, der erstere trage zu sehr den Cha- 
rakter der aufzählung von daten. — Uebrigens aber hört der 
Verfasser wohl die lauten stimmen derjenigen , welche über die 
zahlreichen gegenstände des classischen Unterrichts klagen, nicht 
aber solcher, welche einen passenden Vorschlag zur Vereinfachung 
machen. — Zur Verbesserung der disciplin und des fleißes hält 
Bonghi — sicher mit recht — es für wünschenswerth , die ü- 
bergangsexamina von classe zu classe ihrer Wichtigkeit zu ent- 
kleiden und den noten, welche der schüler während des Jahres 
erhalten hat, eine viel größere Wichtigkeit zu verleihen, das ur- 
theil bei den schlußexamina aber ganz den professoren anheim 
zu geben. Es sei daher zu beklagen, daß die dies und eine 
Verschärfung des prüfungsmodus bezweckenden reformen der 
jähre 1875 und 76 größtenteils später wieder aufgehoben wor- 
den und eine laxere handhabung der einschlagenden Verhält- 
nisse eingetreten sei, wie denn der minister Coppino selbst eine 
durch begünstigung träger söhne und nachlässiger familien er- 
worbene popularität nicht gescheut habe, indem er im gegen- 
satze gegen die frühere Verordnung mehrfache Wiederholung 
misglückter examina nach kürzester frist gestattete. Wie der- 
artige urtheile und anordnungen der regierung auf die prüfen- 
den commissionen wirkten , wird erst recht deutlich , wenn wir 
hören, daß vor der Verordnung von 1875 von den in königli- 
chen und ähnlichen anstalten ausgebildeten 85%, von den in 
privatschulen und dem eiternhause vorgebildeten 48°/o, nach den 
bestimmungen von 1875 dagegen 73% und 29%, 1877 aber 
wieder gar 90% überhaupt bestanden. — Eine dem wünsche 
des Verfassers entsprechende besserung der Verhältnisse wird 
nun wohl durch eine neuere Verordnung herbeigeführt, wonach 
schülern, welche während des jahres gute noten erhalten haben, 
das übergangsexamen erlassen werden kann, eine weitere ist zu 
hoffen von der bei der regierung durchgedrungenen Überzeugung, 
daß die schule wohl programme und Instructionen des ministers, 
nicht aber bestimmte, obligatorisch eingeführte lehrbücher ent- 
behren könne. Verf. verlangt, daß an stelle der zwar nicht feh- 
lenden, gewöhnlich vielmehr im Übermaß , aber regellos vorhan- 
denen lehrbücher bestimmt eingeführte, auf grund vollster ma- 
terialbeherrschung und von italischen Verfassern abgefaßte treten : 
denn die ausländischen namentlich deutschen lehrbücher, wie die 
grammatiken von Curtius , Kühner , Schultz , die atlanten von 
Sydow, Spruner, Brettschneider tragen, so trefflich sie sein mö- 
gen, den italienischen Verhältnissen nicht genügende rechnung. 
Es werde aber zunächst darauf ankommen, daß der italienische 
lehrerstand genügende lehrbücher verfasse, wozu er nach Bonghi's 
angäbe zunächst wenig eifer zeigt. — Vorstehendes referat kau 
nur eine dürftige Vorstellung der an sich sehr gedrängten dar 



; 



Nr. 4. Kleine philologische zeltung. 265 

Stellung Bonghi's geben ; jeder leser derselben aber wird mit 
dem ref. dem verf. für seine ebenso vorurteilsfreie als umsich- 
tige darlegung dank wissen und sich durch dieselbe nicht nur 
in seiner kenntnis der italienischen Verhältnisse gefördert, son- 
dern auch zu mannigfacben vergleichungen und betrachtungen 
heimischer zustände angeregt fühlen. — i — 

Die Zeitschrift ,, Magazin für Literatur des ausländes" er- 
scheint mit 1. jan. 1880 in neuer gestalt. 

Viel Sorgfalt wird jetzt auf construirung schöner Wandka- 
lender verwendet: so die iirma: gebrüder Grunert in Berlin, die 
Hermann' 'sehe buchhandlung von Otto Eisner ebendaselbst , die 
Lawent'sche buchdruckerei daselbst. 

Einen beachtenswerthen catalog von in- und ausländischer 
literatur hat herausgegeben die buchhandlung Stoll u. Bader in 
Freiburg i. Br. 

In London im verlage von Murray erscheint eine schritt 
von dr. Schliemann, unter dem titel : „Ilias das land der Trojaner", 
in welcher er über seine neuesten ausgrabungen bericht erstattet. 

Im verlage von Fr. Kortkampf hierselbst erscheinen jetzt 
die reden des staats-ministers dr. Falk, welche der- 
selbe in den jähren 1872 — 1879 gehalten hat, im druck. Die 
reden sind nach dem inhalte in drei tbeile, und diese wiederum 
in abschnitte geordnet und gruppirt. Der erste theil umfaßt 
die reden über die gesammte Unterrichtsverwaltung, welche sich 
auf die beaufsichtigung des erziehungs- und Unterrichtswesens, 
auf die Verwaltung der Unterrichtsangelegenheiten in den ele- 
mentar- und Volksschulen, gymnasien und Universitäten, auf die 
reform der Unterrichtsgesetzgebung, sowie auf die allgemeinen 
und besonderen Verhältnisse der lehrer beziehen. Der zweite 
theil wird die reden über die regelung der rechtsverhältnisse 
zwischen staat und kirche enthalten. Der dritte theil bringt 
dann die reden vermischten inhalts. Innerhalb der einzelnen 
abschnitte sind die reden möglichst chronologisch geordnet; der 
innere Zusammenhang der zu verschiedenen zeiten gehaltenen 
reden ist durch hinweise zu wahren gesucht , den einzelnen re- 
den sind einleitungen vorausgeschickt, in denen über die vor- 
hergehenden Verhandlungen kurz berichtet ist und wo es zum 
verständniß nöthig, sind die bezüglichen gesetzentwürfe, antrage, 
Interpellationen u s. w. mitgetheilt •, auch sind in bezug genom- 
mene gesetzesparagraphen , Verordnungen u. s. w. in anmerkun- 
gen beigefügt. Das schlußheft soll ein inhaltsverzeichniß, sowie 
ein sach- und chronologisches register bringen. Bis jetzt liegen 
von dem werke die beiden ersten hefte vor , welche die bogen 
1 — 13 enthalten. Das ganze werk soll, nach dem von der 
Verlagshandlung ausgegebenen prospekte , etwa vierzig bogen 
groß lexikon-oktav umfassen, und sollen monatlich zwei bis drei 
hefte von je sechs bogen zum Subskriptionspreise von 1 mk. 20 pf. 



$66 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

pro heft erscheinen. — Es ist das jedenfalls ein sehr dankenswerthes 
material, wünschenswerth ist nur, ja mehr als wünschenswerth, daß 
eine gerechte und scharfe kritiküber die in hinsieht auf dasunterrichts- 
wesen in diesen reden enthaltenen ansichten geübt und dabei na- 
mentlich beachtet werde, daß rücksichtsloses aufgeben alter Insti- 
tutionen namentlich auf diesem gebiete sich stets räche : es ist das 
um so nöthiger, da die ansichten des minister Falk in Berlin und bei 
den national-liberalen immer noch ihre eifrigen Vertreter haben. 

Als selbstständige schrift ist erschienen von A. v. Firchs 
„graf Moltke und der preußische generalstab", welcher in all- 
gemein verständlicher form das wirken und die Verdienste des 
genannten schildert. 

Das britische museum hat neuerdings ungefähr 1200 frag- 
mente von babylonischen terracottatafeln aus den ausgra- 
bungen in Babylon erhalten , unter denen sich sehr wichtige 
befinden sollen. Vrgl. Augsb. Allg. Ztg. 1880 beil. zu nr. 22. 

Das bereits angekündigte gedenkblatt des deutsch- 
französischen krieges 1870 — 71, entworfen von H. I. 
Grregorius , (in farbiger ausführung aus 3 blättern bestehend, 
große im ganzen 1 m. 87 cm. hoch, 1 m. breit, verlag von G. D. 
Baedecher in Essen. Preis aufgezogen mit polirten Stäben 15 mk.) 
ist soeben erschienen. Das inhaltreiche, geschmackvoll zusam- 
mengestellte und sauber ausgeführte blatt ist zum aufhängen in 
schulen , kasernen , gesellschafts- und festlokalen bestimmt , und 
soll dem deutschen volke die großen geschichtlichen thaten und 
errungenschaften dieser ruhmreichen zeit in kurz gedrängter an- 
schaulicher weise in erinnerung erb alten. Die mitte des großen 
tableaus nimmt der name sr. majestät ein ; über und unter die- 
sem treten die worte Metz , Sedan , Paris , Orleans , Straßburg, 
Amiens, Beifort in bunten färben aus dem text hervor, der in 
übersichtlicher gruppirung alle wichtigen namen und daten aus 
dem feldzuge enthält, verbunden mit worten aus den Proklama- 
tionen sr. majestät, sowie depeschen vom kriegsschauplatz. Die 
Schriften in dem tableau zeichnen sich durch ihre mannichfaltige 
form und Schönheit aus. Wie der Verleger uns mittheilt, haben 
se. majestät der kaiser, welchem das erste exemplar dieses ge- 
denkblattes vorgelegt wurde, dasselbe mit beifall entgegengenommen 
und über diese umfangreiche arbeit, sowohl was die komposition des 
ganzen, als was die ausführung des einzelnen betrifft, in einem ka- 
binetsschreiben sich mit anerkennung geäußert, dem Verfasser auch 
ein werthvolles geschenk, bestehend in einer mit dem allerhöchsten 
porträt und der namen schiffre gezierten goldenen uhr nebst kette 
zu theil werden lassen. — EAnz. 1880, nr. 20. 

31. decemb. Attentat auf den könig von Spanien. 
Von dem im verlage von Fr. Willi. Grunow in Leipzig er- 
scheinenden „Atlas zur geschiente des kriegswesens" 
von der urzeit bis zum ende des 16. Jahrhunderts. Bewaffnung, 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 267 

marsch- und kampfweise, Befestigung, belagerung, Seewesen. Zu 
seinen Vorlesungen an der königlichen kriegsakademie zusammen- 
gestellt von Max Jahns, major vom nebenetat des großen ge- 
neralstabes, liegen jetzt die lieferung 9 und 10 vor, welche wie 
die früheren lieferungen jede zum preise von 3,50 mk. zu be- 
ziehen sind. Mit diesen lieferungen ist das treffliche, empfeh- 
lenswerthe Averk abgeschlossen. Lieferung 9 umfaßt die tafeln 
79, 81 — 89 und die bogen 33 — 36 des erläuternden textes, die 
Schlußlieferung die bogen 37 — 40 und die tafeln 90 — 94 und 
96 — 100. Tafel 79 stellt die handfeuerwaffen des 16. Jahrhun- 
derts dar, taf. 81 die bewaffnung und kampfesweise der lands- 
knechte , taf. 82 die reiterei des 16. Jahrhunderts, die taf. 83 
und 84 die feld - artillerie und die positions - artillerie des 16. 
Jahrhunderts, die taf. 85 und 86 die gefechtsordnungen, taf. 87 
die marsch- und schlachttaktik des 16. Jahrhunderts , taf. 88 
bringt verschiedene auf die kriegskunst bezügliche abbildungen 
desselben Jahrhunderts , und taf. 89 einige beispiele deutscher 
befestigungen aus dem 16. Jahrhundert. Der begleitende text 
dieser lieferung holt die erläuterung der früheren tafeln von 
nr. 37 an nach und hebt mit der Schilderung der bewaffnung 
und kampfweise der Sachsen und Normannen an, um dann zur 
ausrüstung und kampfweise der abendländer vom ausgange der 
Karolinger bis zu dem der Hohenstaufen überzugehen. Der 
nächste abschnitt ist dem früheren mittelalter bis zum ausgange 
der kreuzzüge gewidmet und hier sind es wieder zunächst die 
abendländer, deren kriegsweise geschildert wird. Die schluß- 
lieferung des atlas enthält ebenso wie die voraufgegangenen 
lieferungen 10 tafeln abbildungen. Tafel 90 verbildlicht die 
deutsche befestigungskunst des 16. Jahrhunderts, wie sie sich 
durch Dürer in seiner „zweiter rnanier basteien zu erbauen" 
und in seiner polygonal - befestigung darstellt. Die folgenden 
beiden tafeln (91 und 92) sind der französischen und italieni- 
schen befestigungsweise des 16. Jahrhunderts gewidmet, während 
die tafeln 93 und 94 den belagerungskrieg in demselben Jahr- 
hundert zum gegenstände haben. Tafel 96 giebt ein bild des 
Städtekrieges im 16. Jahrhundert und die tafeln 97 und 98 von 
dem flottenwesen vom 9. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert 
und dem Seewesen im 14. und 15. Jahrhundert. Zum Schluß 
veranschaulichen dann die beiden letzten tafeln (99 und 100) 
die konstruktion der orlogschiffe und kriegsschiffe des 16. Jahr- 
hunderts. Der dieser lieferung beigegebene text setzt die er- 
läuterung der abbildungen bei tafel 42 bis 47, welche die be- 
festigung und den belagerungskrieg des früheren mittelalters 
behandeln , fort. Da während des erscheinens des atlas sich 
eine das ursprünglich ins äuge gefaßte maß bedeutend über- 
schreitende erweiterung des textes nothwendig machte, so konnte 
der text nicht zugleich mit dem atlas abgeschlossen werden und 



268 Auszüge ans Zeitschriften.. — Literatur. Nr. 4. 

wird daher die Verlagsbuchhandlung ein textheft separat nach- 
liefern und für dieses den preis von 5 mk. berechnen. Dieses 
schlussheft des textes wird , wie die Verlagsbuchhandlung mit- 
theilt, baldigst nachgeliefert. Nach beendigung der lieferungs- 
ausgabe erhöht sich der preis des kompleten atlas mit text von 
40 mk. auf 45 mk. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1879, nr. 335 : A. Gladisch, nekrolog. 
— Beil. zu nr. 336. 337. 338. 339. 340: eine neue Übersetzung des 
Sophokles: ausführliche besprechung der Übersetzung der Antigone 
von K. Bruch nebst blicken auf die kunst des Sophokles von Chr. 
Cron. — Beil. zu nr. 345: das Winkelmannfest der archäologischen 
gesellschaft in Berlin: wir heben aus dem umfangreichen berichte 
hervor 1) eine von Brunn brieflich mitgetheilte entdeckung des kürz- 
lich verstorbenen L. Stark die gruppe des Laokoon betreffend , wo- 
nach der eine söhn nicht von gleicher gefahr bedroht sei wie sein 
bruder und der vater, sondern entrinne, und 2) die schrift von Ro- 
bert Thanatos, zum 150. geburtstage Lessings , die an dessen schrift 
anschließt: „wie die alten den tod gebildet" und über die im auszuge 
hier berichtet wird. — Nr. 346 : Liibke , Aegypten von Gr. Ebers. — 
Nr. 356: Jahrbuch der königlich preußischen kunstsammlungen. — 
Nr. 363: die dritte säcularfeier der Universität Würzburg und das 
bayerische Staatsbudget: klage über die nichtbewilligung von geldern 
für die feier: dergleichen wird noch oft vorkommen: unsere Profes- 
soren haben noch nicht begriffen, wie durch die großmacht Deutsches 
reich die interessen solcher ohne bajonette lebenden kleinen Institute 
wie die Universitäten unbeachtet bleiben müssen. — Beil. zu nr. 364 
— 365: Boccaccio als humanist. 

Literatur 187». 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Homerisches verballexicon mit angäbe der etymologie und erläu- 
terung der unregelmäßigen verbalformen von dr. C. Thiemann, Berlin, 
(Mayer u. Müller) 1879. 

A complete concordance to the Odyssey and Hymns of Homer 
to which is added a concordance to the parallel passages in the 
Iliad, Odyssey and Hymns by Henry Dunbar. Oxford (Clarendon) 1880. 

Zum sprachgebrauche der Oppiane von dr. Preuß. Progr. von 
Liegnitz 1880. 

Eduard Luebbert: de Pindari carmine Pythico seeundo. Kiel 
(C. F. Mohr) 1880. 

Die poesie der Oedipussage. Erster teil. Von dr. Hüttemann. 
Programm von Straßburg 1880. 

Leopold. Schmidt: supplementum quaestionis de Pindaricorum car- 
cinum chronologia. (Ind. lection. Marburg. 1880/81) Marburg 1880. 

De Babrii Choliambis scr. Carolus Deutschmann. Aquis Mattiacis 
(Schellenberg) 1879. 

Girolumo Vitteli: Appunti critici sulla Elettra di Euripide. To- 
rino-Roma (Ermanno Loescher) 1880. 

Comicorum Atticorum fragmenta ed. Thcodorus Koch. vol. I. 
Antiquae camoediae fragmenta. Lipsiae (Teubner) 1880. 

De Aristophanis comici vocabulorum formatione et cempositione 
scr. dr. Vilelmus Uckermann, Marburg 1879. (El wert). 



Nr. 5. Januar. Februar 1880. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 

Ernst von Leutsch. 



50. E. Bombe de ablativi absoluti apud antiquissimos Eo- 
manorum scriptores usu. Greifswald 1877. 

In der lateinischen grammatik von Müller -Lattmann §. 58 
wird der ablat. absolutus folgendermaßen erklärt: „Zu den ver- 
schiedenen arten des ablativs kann ein praedicatives attribut oder 
eine praedicative apposition treten. Dem Lateiner gilt auch in 
diesem falle der ablativ nur als ein satztheil (adverbiale bestiin- 
mung)". Welche art des ablativs in dieser construction die ur- 
sprüngliche war, hat natürlich Lattmann in einer schulgrammatik 
nicht weiter angegeben. Delbrück kommt in seinen Untersuchun- 
gen über den „Ablativ, localis, instrumentalis im altindischen, 
lateinischen , griechischen und deutschen" p. 42 — 44 zu dem 
resultate, daß im lateinischen „die sogenannten ablat. absoluti 
zuerst loc. abs. waren, auf die später, als der localis und instru- 
mentalis schon ein casus geworden waren, naturgemäß auch ei- 
niges vom instrumentalis überging". Gegen diese behauptung 
ist der erste theil der obengenannten , recht fleißigen und ver- 

j ständigen dissertation von Bombe gerichtet. An beispielen, die 
er Plautus, Ennius, Terenz, Cato, auch andern altern scenischen 
dichtem entnommen hat, und zwar an solchen , welche mit dem 
particip. perfecti gebildet sind und welche er für die ältesten 
hält, dann an denen, welche aus dem particip. praesentis be- 

j stehen und zuletzt an solchen, in welchen, wie man zu sagen 
pflegt, ein participium zu ergänzen ist, führt er den nachweis, 

I daß der ablativ nicht local aufzufassen ist, sondern daß die äl- 

! testen beispiele reine temporale ablative sind. Aus dem zweiten 
theile, in welchem er den gebrauch des abl. absolutus näher 
Philol. Anz. X. , 19 



270 51. Grammatik. Nr. 5. 

bespricht, hebe ich einige beachtenswerte punkte hervor. So 
kommt in den ältesten lateinischen Schriften kein abl. absolutus 
mit einem particip. fut. passivi vor; einige beispiele, die man 
dafür halten könnte, müssen und können auch auf andere weise 
erklärt werden. — Substantiv und participium in der construc- 
tion des abl. absolutus werden durch andere Wörter nicht ge- 
trennt, wie es z. b. bei Jul. Caesar v. BGall. I, 44,10 debere se 
suspicari slmulata Caesar em amicitia . . sui opprimendi causa 
habere der fall ist. Nur dann ist es in den ältesten lateinischen 
Schriften erlaubt, wenn die Wörter aut pendent ex participio aut 
ad constructionem illam accommodata sunt. His adnumerandae sunt 
encliticae particulae velut quidem. Nach diesem von Bombe beob- 
achteten gebrauche in betreff der Stellung des abl. absolutus wer- 
den einige stellen mit glück verbessert. — Zuletzt spricht der 
Verfasser über absente und praesente mit einem abl. plura- 
lis für absentibus und pr aesentibus und führt richtig aus, 
daß in diesem falle das participium die stelle einer präposition 
vertritt, wie schon Donat zu Ter. Eunuch. IV, 3, 7 bemerkt 
hat {cum sie dicit, pro praepositione ponit absente ac si diceret: co- 
ram amicis). Hier hätte der Verfasser auch erwähnen können, 
daß dieser eigenthümliche gebrauch sogar in prosa vorkommt, 
nämlich bei Cornific. IV, 11, 16 post ille convitium fecit et magis 
magisque praesente multis clamavit. Sicherlich ist diese Sprechweise 
der vulgärsprache entnommen , wie Bombe auch richtig bemerkt 
hat; um so mehr ist dies einleuchtend, wenn man beachtet, daß 
auch andere particip. praesentis als präpositionen in die roma- 
nischen sprachen übergingen wie z. b. mediante (vermittelst), du- 
rante (während) und non obstante (ungeachtet) im italiänischen 
und spanischen präpositionen sind, und die beiden letzten mit 
abfall des e auch im französischen, vrgl. Diez gramm. der ro- 
manischen sprachen III, 188. 

C. Wagener. 

51. Linguarum noviciarum laxam temporum significationem 
iam priscis linguae Latinae temporibus in vulgari elocutione per- 
spici posse scrips. Fr. H. Brehme. 4. Götting. 1879. 

Bekannt ist, daß die tempora und modi der romanischen 
sprachen aus dem Vulgärlatein gebildet sind, weniger bekannt 
mag sein, daß manche zeit- und modusform in eine andere über- 



Nr. 5. 51. Grammatik. 271 

gegangen ist. „Das plusquamperfectum des indicativs, sagt Fr. 
Diez, Grammatik der roman. sprach. II, 113, lebt im spanifcchen, 
portugiesischen und provenzalischen fort, doch mit schwankender 
bedeutung: im altspanischen und portugiesischen erfüllt es ne- 
benher, im neuspanischen und provenzalischen ausschließlich 
die bestimmung des imperfects conjunctivi." Hieran anknüpfend 
versucht Brehme im ersten theile der obengenannten dissertaiion 
darzulegen , daß bereits bei Plautus und Terenz der indicativ, 
nicht aber der conjunctiv, des plusqamperfects gelegentlich die 
stelle eines imperfects vertritt; daß in späterer zeit des alter- 
thums öfter diese Verschiebungen der tempora eintreten , sieht 
man z. b. aus Fulgentius, vrgl. Zink, II, p. 47 und besonders 
Foth über Verschiebungen der tempora im romanischen p. 4. 

Bei dieser Untersuchung ist es vor allem wichtig, sich die 
grundbedeutung des lateinischen plusquamperfects klar zu machen, 
um dann die einzelnen fälle zu bestimmen. Der verf. bespricht 
auch die ansichten verschiedener grammatiker, die ihm freilich 
alle nicht genügen, aber eine bündige erklärung sucht man bei 
ihm auch vergebens. Das beste, was nach meiner meinung über 
die natur des lateinischen plusquamperfects gesagt ist, findet man 
in dem trefflichen buche von Em. Hoffmann, Construction der 
lateinischen zeitpartikeln, welches Brehme nicht zu kennen scheint. 
Die ansieht Hoffmanns ist in kürze folgende: plusquamperfectum 
und perfectum bezeichnen beide das von dem betreffenden Stand- 
punkte aus bereits vollendete. "Wie nun aber das perfectum in 
die beiden arten des aoristischen und logischen zerfällt, ebenso 
muß offenbar auch das plusquamperfectum eine doppelte auffas- 
sung zulassen, wie ja auch in den romanischen sprachen: die 
aoristische, wenn schlechthin ein praeteritum als seiner zeit nach 
vor einem andern liegend angegeben wird, — die logische, wenn 
eine thätigkeit als früher begonnen und nun als vollendet in 
ihrem resultate vorliegend bezeichnet wird. Erhält nun das 
perfectum den sinn eines präsens , so muss jenes logische plus- 
quamperfectum den eines imperfects erhalten, vrgl. auch Müller- 
Lattmann Lat. gramm. §.106. Zu einem solchen logischen plus- 
quamperfectum rechne ich auch die beispiele mit dixeram, iusse- 
ram, die Brehme auf p. 15 — 18 gesammelt hat und die zu ver- 
gleichen sind mit den passivischen formen ut erat dictum, prae- 
ceptum , welche Hoffmann anmerk. 32 und 33 bespricht. Die 

19* 



272 51. Grammatik. Nr. 5. 

beispiele mit insueram , noveram , ceperat , decreverat , praeterierat 
auf p. 17 und 18 lassen sich zusammenstellen mit dem, was 
Hoffmann auf p. 16 — 20 sagt. Wenn Brehme nur die hälfte 
des verses Plaut. Trin. 161 [alius ad te vener am) citirt, so 
läßt sich daraus noch gar nichts entnehmen, sieht man sich aber 
die ganze stelle an (verbis paucis quam cito alium fecisti me, alius 
ad te veneram), so ist das plusquamperfectum ganz an seinem 
platze. — Es soll hiermit nicht gesagt sein, daß ich den freien 
gebrauch des plusquamper-fects bestreiten wollte, wohl aber be- 
haupte ich, daß derselbe nicht auf alle die beispiele anzuwenden 
ist, welche Brehme gesammelt hat. Auch fueram mit und ohne 
particip. perfecti für er am kommt häufig in den comödien und 
bei späteren prosaikern *) vor. Der grund hierfür mag wohl 
in der grundbedeutung von fui und fueram liegen. Denn die 
wurzel fu- bedeutet eigentlich „entstehen , werden" und daraus 
erklärt sich, daß fui in der bedeutung von factus sum gebraucht 
werden konnte, was freilich Brehme, ohne es weiter zu begrün- 
den, bestreitet (vrgl. Kühnast, Liv. synt. p. 205), z. b. Plaut. 
Pers. 479 quid neque fiet neque fait (= factum est), Sali. Cat. 
20, 7 fuimus = facti sumus, vrgl. Kühner Ausführl. lat. gramm. 
I, 519. Daß dieser freie gebrauch des plusquamperfects aus 
der vulgärsprache in die Schriftsprache gedrungen ist, wird ge- 
wiß jeder zugeben; doch daß das metrum darauf eingewirkt 
haben soll, davon kann ich mich nicht überzeugen, da ja auch 
solcher freie gebrauch des plusquamperfects in prosaschriften sich 
nachweisen läßt, vrgl. Kühner II, 106. 

Bevor der Verfasser zu der zweiten Untersuchung, in welcher 
er die eigenthümlichkeit des fut. II bei den ältesten lateinischen 
autoren behandelt, übergeht, bespricht er kurz die futurformen 
auf -so. Unangenehm berührt die art und weise, wie Brehme 
von den grammatikern, die sich mit dieser frage beschäftigt ha- 
ben, spricht {de formis fut. in so exeuntibus plerique ac fere omnes 
interpretum et grammaticorum multa perversa scripserunt) , um so 
mehr, da ich glaube, daß Brehme die Kteratur über diesen ge- 
genständ gar nicht vollständig kennt ; denn hätte er sie gekannt^ 
so hätte er doch gewiß statt Bamshorn die neuesten forscher wie 
G. Curtius, W. Corssen u. a. anführen müssen, welche die an- 



1) Auch Cic. ad Attic. 5, 1, 3: quae fueramus ego et tu inter nos 
de sorore locuti. 






Nr. 5. 52. Homeros. 273 

sieht Madvigs zurückweisen und G. Hermann folgen. Ganz 
falsche behauptungen stellt der verf. im folgenden satze p. 24 
auf: qnamquam diximus futurum in -so exiens ab initio Simplex fuisse 
tarnen in uno verlo faxo significatio futura praeterita remansit, cuius 
rei permulta inveniuntur exempla apucl Plautum et Terentium , sed 
non inveniuntur sie positum nisi in prima persona. Man vergleiche 
aber: si id capso, geritote amicis vostris aurum corbibus Plaut. 
Bacch. 712; haud sinam quidquam profari priusquam ac cepso, 
quod peto Pacuv. 325 (0. Ribbeck Scaen. poet. I, p. 118); qui 
nisi genitorem ulso, nulluni meis dat finem miseriis Accius 293 
(0. Ribbeck I, 174), wo Nonius 185, 20 ausdrücklich hervor- 
hebt ulso pro tdtus fuero\ si oeeeps o, animam omnem intertraxero 
Plaut. Amphitr. 673; cetera, qua iusso, mecum manus inferat 
arma , wozu Servius bemerkt : qua iusso, qua iussero et est anti- 
quum. Sodann kommt faxo nicht nur in der 1. pers. als fnt. II 
vor, sondern auch die anderen personen, wie z. b. nam si faxis, 
ie in caveam dabo Plaut. Capt. 120. Eine gute Zusammenstellung 
der verschiedenen personen von faxo als fut. II findet man im 
Lateinisch - deutschen lexicon von Georges (7. aufl.) I, p. 2480. 

C. Wagener. 



52. Die exegetischen scholien der Ilias im codex Venetus B. 
Eine philologisch-kritische Untersuchung von Adolph Roemer. 
München 1879, Lindauer'sche buchhandlung (Schöpping). 

Eine recht interessante und nützliche Untersuchung ist es 
die der rührige Verfasser uns in diesem schriftchen vorlegt. Es 
wird darin der nachweis geführt, daß es ein großer mißgriff von 
Dindorf war, die exegetischen scholien der Ilias auf der grund- 
lage des codex Ven. B herauszugeben, während der Townleianus 
für dieselben haupthandschrift ist, neben dem B nur subsidiari- 
schen werth zu beanspruchen hat. Ausgenommen sind die por- 
phyrianischen scholien, für welche B hauptquelle bleibt (p. 114). 
Zu dem zwecke hat Roemer eine große reihe von scholien 
der ersten classe dieser handschriften (s. Dindorf praefat p. VI 
— VIEL: vgl. aber auch H. Schrader im Phil. Anz. IX, p. 607 ff.) 
mit den entsprechenden des Victorianus (einer in München be- 
findlichen abschrift des Townleianus; s. indessen p. 110 anm.) 
vergleichend zusammengestellt und dargethan, wie die ganz glatt 



274 52. Homeros. Nr. 5. 

verständlichen scholien des Victorianus im B nicht selten zum 
reinen unsinn umgewandelt sind. 

Als hauptarten der in B auftretenden verderbniß hat Eoe- 
mer erkannt 1. auslassungen besonders von citaten, lesarten 
und kritischen bemerkungen, wodurch die beziehungen der ein- 
zelnen notizen verwischt und unkenntlich wurden; 2. contami- 
nation, wodurch viele nicht zusammengehörige scholien mit ein- 
ander verbunden und unverständlich wurden •, 3. u m r e d i g i r u n g, 
welche den text der scholien in willkürlicher weise entstellte. 

Kurz ist das resultat zusammengestellt p. 111 — 114. Für 
alle drei arten bringt der verf. reichhaltige Sammlungen von 
beispielen (es werden im ganzen über 200 scholien besprochen). 
Ein klassisches mißverständniß des Schreibers von B s. p. 20. 
Dem etwaigen einwürfe , daß möglicherweise die contaminirten 
scholien in B die ursprüngliche gestalt, — einen zusammenhän- 
genden , mit de, ydg und ähnlichen partikeln verbundenen com- 
mentar — bieten, den etwa ein byzantinischer gelehrter zer- 
stückelte und die einzelnen erklärungen mit lemmata versah, so 
daß die redaction, welche noch am meisten solche partikeln aus 
dem fortlaufenden commentare gewahrt hat (das wäre cod. B), 
der ältesten gestalt am nächsten käme, begegnet der verf. p. 
41 ff. Er weist nach, wie nur durch contamination der kleine- 
ren selbständigen scholien die größern in B entstanden sind; 
vgl. u. a. p. 43, r 180, p. 45, K 259; und besonders das scharf- 
sinnig erkannte und ans licht gestellte zu N 367, p. 46 — 49: 
contamination von je drei scholien p. 52 ff. Es sind dadurch 
die einzelnen bemerkungen oft bis zur Unkenntlichkeit entstellt, 
sogar ihre reihenfolge willkürlich geändert. Bei einem falle hier 
ist der beweis nach dem erachten des ref. nicht zwingend. Wenn 
nämlich zu K 258 (p. 55) es bei B unter anderm heißt: r}v de 
aqsaXog xal äXoqiog 8ia zo Xav&äveiv, so hat das seine ganz rich- 
tige bewandnis. Denn allerdings trägt das äyuXov etwas zum 
Xav&dveiv bei, da die cpäXoi als [äixqu dcnidiaxia, s. Et. M. 
175 1, [wo es mit bezug auf unsere stelle auch heißt: ayaXöv 
ts xai äloqiov hcct' s7iiTij8evaiv, Iva Xav&dvrf] wohl von blankem 
metall waren, worauf auch Et. M. 787, 3 sq. deutet: slal ydg 
riveg ^Ao* X a pn qoi svexa xöafAOV rijg nsQwecpalaiag , cpdXov 
yag to la\inqov. — Ebenso scheint auch die vermuthung 
dXocpov für atpaXop in schol. Victorianus unhaltbar wegen der 



Nr. 5. 52. Homeros. 275 

ganzen fassung des scholions: d(pa.Xov 8s uvaynalcog, in ydg jk>v 
cpdXov slm&cefftv ixöetadai oi Xocpot. In den meisten fällen aber 
sind Roemer's deductionen überzeugend. Wir verweisen beispiels- 
weise auch auf p. 58 und 59 zu K 32, #249 sowie p. 60 zu K 350. 

Sehr hübsch und ansprechend ist die auseinandersetzung auf 
p. 62, 63 zu H 433 , obwohl Roemer sie nur unter vorbehält 
giebt. Ebenso p. 64. 65 im scholion 165 die emendation : 
öaifxoia: lotyöv, nanör für Xoyov xaxöv. Schön ist auch die 
correctur des scholion T208, p. 65 wo in der zeile 4 v. u. das 
lemma fisra öoqtiov offenbar verschrieben ist für fiiya dögnov. 

P 53, p. 76 scheinen die beiden in B contaminirten, in V 
getrennten scholien weniger auf die etymologie von olonöXog zu- 
rückgeführt werden zu müssen, als wir vielmehr wohl nur rein 
exegetische bemerkungen , die vielleicht von zwei verschiedenen 
grammatikern stammen , zu erkennen haben. Der mann zieht 
seinen oelbaum an einem einsamen orte , „weil auf einsamen 
höhen der oelbaum gut gedeiht", so meint der eine der erklärer, 
der andre, „damit derselbe nicht von vorübergehenden Wande- 
rern geschädigt wird". Ich glaube nicht, daß den Griechen der 
begriff der sorj/uCu von dem der vxprjXötrjq sehr verschieden war, 
denn weite einöden waren ihnen unbekannt , £gt]/j.ov war ihnen 
das wegen der unzugänglichkeit einsame. Damit stimmt auch 
sowohl Hesych. s. v. oionöXcg als Et. M. 618, 41 iv w ol'sg no- 
Xovvzai rj m olog tig xctl [iövog noXelrui ' «£ ov iv iof/pcp, wo 
auch die vrpqlorrjg nicht ausdrücklich genannt wird. 

Scharfsinnig hat Roemer das Verhältnis bei r 4:4:4:, p. 104 
erkannt und vortrefflich ist die emendation nuQiavcav für naqiäaiv 
sowie der nachweis der beziehung des 'i/xiayov to (leg. i^iayovzo) 
ndgoidev auf v 7. Wenn Roemer p. 108 zu eidcog ndaas, tjTot 
£v8rjficot> mv erklärt, das wort tvdrjficav sonst nicht finden zu 
können, so ist zu bemerken, daß schon Bekker siürj/jicsp corrigirt 
hat. Das adverbiale slÖTj^ovcog wird von Hesych durch inißTTj- 
fiovmg erklärt. 

P. 90 führt Roemer 85 stellen allein aus W auf, zu denen 
scholien in B fehlen, während V solche hat, und zieht daraus 
sowie aus einer gleichen beobachtung bei den andern büchern 
den schluß „daß uns für die exegetischen scholien der Ilias in 
B nur ein unvollständiger auszug vorliegt". Ref. möchte viel- 
mehr der ansieht sein , daß in B und V verschiedene und im 



276 52. Homeros. Nr. 5. 

gründe von einander unabhängige aus theils gemeinsamen theils 
verschiedenen quellen hervorgegangene Sammlungen von schotten 
vorliegen, denn daraufscheint der umstand hinzuweisen, daß 
doch auch B manche gute bemerkung hat, die den übrigen Samm- 
lungen fehlt, und daß auch V nicht ganz frei ist von Unver- 
stand und willkürlichen späteren Zusätzen. Es genüge nur fol- 
gende wenige puncte herauszuheben , wobei sich ref. auch we- 
sentlich auf W beschränkt hat. 

W 661 hat V xafAfxoviqv ' ti]t> ix xazaftovTJg vixtjv . ovx av 
ovv e'iTtoi avto im Sgo/iiav. Das scholion ist in der fassung 
um nichts besser als die meisten der von Roemer an B geta- 
delten gekürzten schotten. Was soll das ovx av ovv tXnoi xrl.? 
Hier ist doch wahrlich nicht die möglichkeit einer deutung auf 
den doofiog vorhanden, wo Achill auffordert nv% fiäX' ava.0%0- 
fxhca nE7ih]ye[Ä€v\ und das führt mich auf die entsprechende stelle 
in X 257 wo in B die ganz gute notiz steht: ttjv [iovopEgij vC- 
xijv und weiter das exegetische scholion nsgl 8s [xdliara Ssdisv, 
aixi^ofxsvog 6 "Exrcog olxrov xivsT, wovon, wenn aus dem schwei- 
gen Bekkers ein schluß zu ziehen ist 1 ), V nichts hat. 

Zu W 709 hat V xsgSsa sidoog: i'omg vnb A&ijräg la&tjaav 
id si.xtj , eine erklärung die jedes vernünftigen sinnes entbehrt, 
wenn man nicht etwa für ' A&rjväg OSvaat'mg setzen will um mög- 
lichst zu retten was sich retten läßt. Gut dagegen ist was B 
hat: Sbixvvgiv ort iyäfiilXog rs%vrj dvSgiag, denn 'Oövasvg xigSsa 
eiScög steht auf gegen den ftiyag Telct[xc6vtog Alag. — 5 f / '726 die 
beschreibung des beinwegschlagens lyvvtov vyaiQsaig zur veran- 
schaulichung der Situation ist in B jedenfalls (bis auf den nichts- 
sagenden Schluß : InTiaadiiTog . . . dvtarat 8s xai im ra rov 
A'laviog) nicht ungehörig angebracht. Davon hat V nichts, son- 
dern dafür die vielleicht (?) in antiquarischer beziehung interes- 
sante notiz: tb ff#Vi" a Tzgmzog Evgs K.. (vergraben ist in ewige 
nacht der erfinder großer name zu oft !) xalsTzai 8s lyvvmv vcpal- 
gsaig (wie Bekker aus Eustath. emendirt) mg qwjai Coomtrgog, die 
mit dem falschen lemma Ssvisgog ovx' drdsigs an vers 729 ge- 
rathen ist. — Das scholion V zu W 741 ist jedenfalls so vager 

1) Allerdings sind Bekkers angaben über die handschriften höchst 
unzuverlässig, wie eine vergleichung seiner ausgäbe sei's mit der von 
Dindorf sei's mit den angaben Roemers über den cod. Vict. sofort 
klar macht. So hat z. b. «P 14 Bekker A statt V, ebenso f33 und 42, 
an welcher letztern stelle Roemer das auch angemerkt hat. 



Nr. 5. 52. Homeros. 277 

und nichtssagender natur, daß wir kaum fehlgehen werden, wenn 
wir es für den ausfluß der Weisheit eines graeculus infimae aetatis 
halten. — Ebenso scheint V zu W 772 %eiQag recht überflüs- 
sigen witz zu verrathen. Auch leistet sich an einzelnen stellen, 
wo er sonst mit B übereinstimmt, V recht müssige und unver- 
ständliche zusätze z. b. 336 und 346, wo "nag stth iv Ctxvwri 
yiyovsv o ' Aotlcov sv tööxei ?j A'iOij anoyovog shai nur eine 
müssige erfindung eines späten librarius ist. — Das bei Bekker 
zu 383 an erster stelle aus V angeführte scholion hat B nicht, 
und er durfte es nicht haben, da er das zweite hat. Bei Bekker 
ist letzteres auch als in V stehend bezeichnet. Dann aber kön- 
nen unmöglich die worte Hoc? ftiovg avuquXopsixovvzeg siffüyti dort 
stehen, denn sie bilden eine tautologie zu avvaycortav avxolg 
noin url. Stehen sie aber wirklich in der handschrift, so ist 
das ein sicheres zeichen dafür, daß V neben der mit B gemein- 
samen quelle noch eine ganz andre benutzt hat, so daß daraus 
die doppelte fassung desselben gedankens zu erklären ist. 

Den Schluß mache W721. Da ist sowohl das scholion B als 
das in V jedes in seiner art ganz gut, jedes aber steht selb- 
ständig da, so daß also, um das resultat kurz zusammenzufassen, 
in beiden Codices verschiedene Sammlungen von scholien aus vor- 
her vielleicht einzeln existirenden commentaren oder wenigstens 
aus verschiedenen einander ähnlichen Sammelwerken vorzu- 
liegen scheinen. Daß dagegen die Verderbnisse in B dessen ei- 
genstes werk sind, hat Roemer sicher erwiesen. 

Der schönen abhandlung hat der verf. als einleitung (p. V 
— XVIII) einige interessant herausgehobene beispiele exegetischer 
scholien vorausgeschickt, welche den vielfach unterschätzten werth 
derselben in's rechte licht zu setzen geeignet sind. 

Die gut ausgestattete und im ganzen correct gedruckte 
schrift — einzelne zahlen und accente sind versehen — hat dem 
ref. einige sehr angenehme stunden bereitet. Sie fordert zu wei- 
terer Untersuchung auf, um die im ganzen sichern resultate im 
einzelnen vielleicht zu modificiren und zu präcisiren. Das verdienst 
hat sie jedenfalls, die nothwendigkeit einer methodischeren kritik 
als Dindorf sie bei tom. III und IV seiner scholienausgabe geübt 
hat, erwiesen zu haben. Sie wird sicher den verdienten beifall 
der fachgenossen finden. Georg Schoemann. 



278 53. Homeros. Nr. 5. 

Es ist eine eigen thümliche thatsache, daß kurze zeit nach- 
dem die scholien des cod. Venet. 453 (nicht 455 , wie irrthüm- 
lich p. 1 der vorliegenden abhandlung steht) der Ilias, über 
welche die Bekker'sche ausgäbe kaum ein urtheil zuließ, in dem 
3. u. 4. bände der Dindorf'schen Ilias-scholien endlich in einer 
weise zugänglich geworden sind , die , wenn sie auch in vielen 
einzelheiten keine sichere grundlage bietet, doch im allgemeinen 
eine richtige Vorstellung von dem charakter derselben (im ver- 
hältniß z. b. zu dem Venet. A) gestattet, ein buch erscheint, 
welches es als einen „verfehlten gedanken und einen totalen 
mißgriff" hinzustellen unternimmt, „die exegetischen scholien der 
Ilias auf grundlage des Venet. B herauszugeben", und statt die- 
ses den cod. „Townleianus *) (Victorianus)" als die haupthand- 
schrift für diese scholien bezeichnet, neben welcher der Venet. 
B erst in zweiter linie und nur mit der größten vorsieht heran- 
gezogen werden dürfte" (p. 1. 2). 

Daß ixnter den „exegetischen scholien" der kürze wegen 
diejenigen scholien der Ilias verstanden werden, welche nicht 
im Venet. A, sondern in andern handschriften, z. b. dem Town- 
leianus , Venet. B, Victorianus u. s. w. enthalten sind , es vor- 
wiegend mit der erklärung des dichters zu thun haben und die 
auszüge aus den werken der viermänner viel weniger als der 
Venet. A berücksichtigen, hebt p. 1 (anfang) hervor. Daß trotz- 
dem auch in diesen scholien manches gute und manche für 
das verständniß des dichters wichtige bemerkung enthalten ist, 
zeigt die in der vorrede (p. Xff.) gegebene geschickte Zusam- 
menstellung , bei welcher man jedoch ungern eine angäbe dar- 
über vermißt, ob alle dort angeführten scholien sich auch im 
Victorianus finden, oder — wie es nach der Bekker'schen aus- 
gäbe den anschein hat — zum theil nicht. 

Das verhältniß des Venet. B speciell zum Victorianus (um 
den Townleianus hier zunächst aus dem spiele zu lassen) ist am 
Schlüsse des werkes (p. 113. 4) zusammengefaßt in 5 puneten 
formulirt worden, deren wesentlicher inhalt folgender ist : 1) Beide 
handschriften weisen auf eine und dieselbe vorläge zurück ; 2) 
diese vorläge enthielt außer den exegetischen scholien auch Vari- 
anten zu dem text und auszüge aus den werken der Aristarcheer ; 
davon hat der Victorianus mehr als B erhalten-, 3) diese vorläge 

1) Vgl. weiter unten p. 284. 



Nr. 5. 53. Homeros. 279 

ist in V in besserer gestalt erhalten als in B , wo die scholien 
Verkürzung, contaminirung und zum theil auch umredigirung er- 
fahren haben ; 4) zu manchen geographischen mittheilungen, die 
B fehlen , benutzte V vielleicht eine andere quelle ; 5) für die 
scholien des Porphyrios, die ausführlich von zweiter hand an den 
rand des codex geschrieben sind, ist B die wichtigste, ja viel- 
leicht die hauptquelle. 

Eine scharfe sonderung der exegetischen scholien von un- 
gefähr gleichzeitigen anderer art scholien ist vielleicht unmöglich, und 
man wird dem vrf. daher gern das recht zugestehen, sie für den vor- 
liegenden zweck der kürze wegen in der angegebenen weise zu de- 
finiren ; doch ist nicht zu übersehen, daß auch der Venet. A, zu des- 
sen scholien sie (p. 1) in gegensatz gesetzt zu sein scheinen, eine 
nicht ganz unbedeutende anzahl derselben enthält, von den in 
dem vorliegenden werke besprochenen außer dem von dem vrf. 
selbst (p. 69) verglichenen schob B 225 z. b. T 6 (p. 29); 
K 17 (p. 56, a), 122 (p. 32), 152 (p. 53, a), 258 (p. 54, a; 
55, c), 350 (p. 60, b); T 84 (p. 84, b), 332 (p. 86. 87, a 
undc); V 53 (p. 66, a), 248 (p. 23), 486 (p. 107), 566 (p. 34). 
Es würde also von interesse sein, auch über das verhältniß des 
Victorianus zu den exegetischen scholien dieser handschrift ge- 
naueres zu erfahren. 

Doch dies ist für die von Roemer behandelte frage neben- 
sächlich und ebenso für die bedeutung des cod. A, da diese, 
wie allgemein bekannt, auf einem andern gebiete liegt und un- 
geschmälert bleiben würde, wenn über seine exegetischen scholien 
im vergleiche mit V auch noch so ungünstig zu urtheilen wäre. 

Aehnlich ist über die bedeutung des cod. B. für die Por- 
phyrianischen scholien zu urtheilen , die freilich in keiner weise 
einen vergleich mit den aus den werken der Aristarcheer stam- 
menden des cod. A vertragen. Das über diese scholien des B 
von dem vrf. in demselben sinne abgegebene urtheil scheint 
sich auf die von zweiter hand geschriebenen zu beschränken, 
die bekanntlich zum theil nur in B stehen. Die ungleich schwie- 
rigere frage nach dem verhältniß der Porphyrianischen B-scho- 
lien erster hand zu denen des V, über welche ich in den 
prolegomenis meiner Porphyr. Q. Hom. rel. handeln werde, kann 
ich hier nur ganz kurz berühren : ich glaube annehmen zu müs- 
sen , daß diese scholien im Vict. in einer besondern redaction 



280 53. Homeros. Nr. 5. 

vorliegen, die im großen und ganzen (mit ausnahmen natürlich, 
wie z. b. A 515, vielleicht auch das p. 28 mitgetheilte zetema 
zu K 515) keine superiorität dieser handschrift vor B beweisen 
kann (vgl. meine praef. p. VI.) 

Schwierig ist die hiermit zusammenhangende frage, wie die sog. 
exegetischen scholien von manchen ihnen ähnlichen, aus zetematen, 
ohne daß sie deren form bewahrt hätten, excerpirten, an denen der 
cod. B ebenfalls reich ist, abzugränzen sind, und es wird sich hier- 
über in manchen fällen (und zwar ohne erheblichen praktischen 
schaden) keine bestimmte ansieht aussprechen lassen. Bei dem 
p. 87 anm. erwähnten schob B E 778 läßt sich z. b. allerdings 
der Ursprung aus einem zetema aus einem ganz kurzen scho- 
lium der Leidener handschrift (p. 86 meiner ausg.), das mit 77op- 
yv(jiov bezeichnet ist, beweisen, wodurch also das /;' vor dem xal 
8ia 70 xa&ctQov als das ursprüngliche erscheinen muß, und sich 
die von Eoemer selbst zugegebene eventualität , daß das schob 
B als ein scholium und nicht als aus drei verschiedenen stü- 
cken zusammengesetzt zu betrachten wäre , als die richtige er- 
gibt. Ebenso würde, wenn B P 24 (p. 97) aus einem zetema 
stammen sollte, zwischen dem /} tä^a iv rrj a nsyntevrai und dem 
vorhergehenden tj ngo tTjs u/judog i) xara to aioo7zmftsvov nscpövev- 
rai kein Widerspruch sein, wodurch freilich der ausdruck (psvymv 
ovv «i{/p?/r«t nicht geschützt werden kann. 

Doch es bleibt eine sehr große menge von scholien übrig, 
die weder auf die viermänner noch auf Porphyrios mit irgend 
welcher Wahrscheinlichkeit zurückgeführt werden können , und 
doch entschiedene beachtung verdienen, sowohl wegen der frage 
nach ihrem bis jetzt noch nicht ergründeten Ursprünge als auch 
wegen der auch für diese ja besonders wichtigen frage nach 
ihrer besten Überlieferung. 

Daß man für scholien wie die hier in frage kommenden, 
die sich nicht, wie die der viermänner und zum theil auch die 
Porphyrianischen, durch ihresgleichen controlliren lassen, bisher 
nur nach äußeren kriterien verfahren ist, und die Überlieferung 
der ältesten der in frage kommenden handschrift, also, da cod. 
A seiner hauptbedeutung nach nicht hierher gehört, die des cod. 
B für die beste gehalten hat, ist begreiflich. Daß neben dieser 
handschrift der Victorianus seine eigenthümlichen Vorzüge hat 
und eine ungleich selbständigere Stellung als z. b. der Lipsiensis 



Nr. 5. 53. Homeros. 281 

einnimmt, konnte freilich denjenigen, die, wie z. b. Hoff mann 
(Ilias XXI und XXII, p. 216 ff.), veranlassung und gelegenheit 
hatten , seine scholien genauer zu prüfen , nicht entgehen, wäh- 
rend Roemer, wie wir gesehen haben, sehr viel weiter geht, in- 
dem er — und , wie ich glaube , mit recht — die ansieht ver- 
tritt, daß für den im obigen näher bezeichneten kreis von scho- 
lien die B und dem Victorianus zu gründe liegende 
vorläge in letzterer handschrift in besserer ge- 
stalt erhalten ist. 

Es ist freilich schwer, und vorläufig jedenfalls noch unmöglich, 
sich ein bild von den commentaren zu entwerfen, aus welchen die 
sogenannten exegetischen scholien geflossen sind, und also mit 
annähernder bestimmtheit zu sagen, welche form der uns überlie- 
ferten scholien ein getreues bild derselben gibt. Aber eine 
große anzahl der von dem vrf. aus dem Victorianus beigebrachten 
und besprochenen stellen ist den entsprechenden des cod. B sowohl 
an ausführlichkeit und an citaten als auch an klarheit und Über- 
sichtlichkeit so sehr überlegen , daß sie — da , wie man dem 
vrf. (p. 22. 114) zugeben muß, es undenkbar ist, daß der libra- 
rius dieser handschrift dieses alles erfunden haben sollte — für sich 
selbst sprechen, und ohne zweifei von der kritik dieser scholien 
von jetzt an in allererster linie zu berücksichtigen sind. 

Das verdienst, dieses verhältniß klar gelegt und dadurch, 
wie nicht zu bezweifeln , die aufmerksamkeit der philologischen 
weit dem in letzter zeit im allgemeinen etwas vernachlässigten 
Victorianus wieder zugewandt zu haben, ist im höchsten grade 
anzuerkennen , und wird dadurch nicht geschmälert , daß der 
vrf. an manchen stellen eine (absichtliche oder nachlässige) ent- 
stellung der vorläge seitens des Schreibers von B oder seines 
oder seiner directen Vorgänger (was p. 114 mit recht als gleich- 
gültig bezeichnet wird) und eine superiorität des Victorianus an- 
nimmt, wo das verhältniß weniger klar oder das resultat ziemlich 
gleichgültig ist. 

So würde man die in B fehlenden worte des Victorianus K 274 
(p. 12): ngo^agC^srut 8s reo uxqüuti] nQiiurutyCüiäv avimv rtjv 
Hutogdcoair, als eine selbständige redaction des Schreibers dieser 
handschrift betrachten können, der dadurch das hätte ausdrücken 
wollen, was der Schreiber von B am ende eines andern scholiums 
zu diesem verse (III, p. 440, 13 Dindorf): idrjXov ovv t^v int 



282 53. Homeros. Nr. 5. 

rag vavg vnoGtgocpijr, und zu v. 275 (p. 442, 13) sagt: 8>jloi 
ozi ovh ocpöqoovTai jutV , uGovTai 8s rot. räv noXe^a'cov ex Ttjg 
(pcovrjg ^/öXojvog. — K. 32 (p. 58, a) würde man im scholion 
Vict. , dessen etwas geschicktere redaction im vergleich mit B 
übrigens nicht geläugnet werden soll, die worte 8iä tov v tb 
ävCfTtjawr, die in A ein zwischenscholium bilden (ovrmg ^qIgtuq- 
%og 8ia tov v ävözrjöav) , doch auch als aus einem scholium 
anderer art herbeigezogen und der dem schreiber vorliegenden 
ursprünglichen fassung fremd betrachten können. 

Ebenso dürfte sich auch in dem plus, das der Victorianus auf- 
zuweisen hat, an manchen stellen etwas finden, das man theils, 
um mich des von dem vrf. über ähnliche Vorkommnisse im Ven. 
B gebrauchten ausdruckes zu bedienen, als „selbstverständ- 

1 i c h und nichtssagend" theils als recht zweifelhaften werthes 
bezeichnen könnte. Ich rechne hieher u. a. das xal Eony Maiä- 
8og vhl d 49 (p. 27. 28), das mg na) iji 'OSvaascog (gegenüber 
dem aXV axovteg nelayi^ovrai des B) T 377 (p. 105), die be- 
merkuüg lacog to cojuoj> avzov eiddig — idida^sv W 173 (p. 24), 
das akXa fid&a>an> K 378 (p. 30), das xovqua&elaat tov ^viö^ov 
W 468 (p. 30), das leinovTog tov i (xuTaqtaysu) W 21 (p. 24), 
den zusatz % aiavvrov yao ovtoi zu r 148 (p. 30), der, wie er 
auch zu emendiren sein mag , an der betreffenden stelle jeden- 
falls ungehörig ist, die worte xal ioixev fysiv — avaXtatsi, to 
tivq K 247 (p. 35), die, wie man auch sonst über sie urtheilen 
mag , jedenfalls nicht zu diesem scholium gehören, und anstatt 
welcher B die , wenn auch nicht gerade besonders tiefe , doch 
jedenfalls im verhältniß zu den daselbst vorhergehenden Worten 
neue bemerkung hat : xal Seixrvoiv ozi xqsittcop avSgeiag qioovTjaig. 

An andern stellen kann man nach meiner meinung bei ei- 
ner unbefangenen vergleichung die berechtigung des von 
beiden handschriften gegebenen nicht in abrede stellen, 
wie das von der fassung von K Iß (abgesehen natürlich von dem 
plus des Vict.) der vrf. selbst (p. 57) zugibt. Dasselbe gilt, 
ebenfalls abgesehen von den B fehlenden worten oög — Grvfm 
TijS, von r 242 (p. 55), von K 389 (p. 61), da die zweite 
hälfte von B doch auch auf das vnb 8" 1 hosfie yvla bezogen ihre 
gute bedeutung hat, ebenso von 2 82 (p. 78), T 332 (p. 86), 

2 505 (p. 105)-, denn daß die auffassung, die in dem vnb na- 
vovoyiae liegt, irrig, und das von V gebotene: oti to axijnToov 



Nr. 5. 53. Homeros. 283 

olx evmpa das richtige und ursprüngliche ist, wäre doch erst 
zu beweisen. 

Im anschluß an diese zuletzt besprochene stelle mögen noch 
einige andere erwähnt werden , wo über die beschaffenheit der 
B. Scholien und die thätigkeit ihres Urhebers in doch z u 
ungünstiger weise geurtheilt worden ist: 

Daß 2 437 (p. 5) der cod. B sowohl im scholium wie im 
text nicht unffi e ogsv, sondern dnt'fi aaasv hat (wie übrigens auch 
im scholium oixsia anstatt ävoitteiog), wodurch der sinn des scho- 
liums ein entschieden besserer wird , erwähne ich hier nur der 
Vollständigkeit wegen : nach der Dindorf sehen ausgäbe läßt sich 
über den abschnitt nicht anders urtheilen , als es von Roemer 
geschieht. Dagegen ist zu dem p. 45 über F 140 gefällten ur- 
theil zu bemerken, daß mit den aufgeführten Gatten der Helena 
doch ohne frage die in der nach-homerischen zeit als solche be- 
zeichneten gemeint sind. — Zu p. 53 (K 153) ist zu bemerken, 
daß die trennung der onla von den sy^ea doch durch den da- 
zwischen stehenden satz i^tcpaCrsi — pü-W seür erleichtert wird. 
— Zu p. 45 (X258): daß das äcpa'/.ov zum Xavddrsiv beitragen 
kann, zeigt das scholium A: avpaXov fie yal aXocpov xut' snt- 
Tt'jdevoiv, na ).ai Dr/vtj ' q> d Xo i y a q t « i n 1 1 ä v n e g i « &tp a X a i cö * 
laixngtt dort löiama (vgl. auch Eust. K, p. 803, 55). — 
Das y.ai p. 69 (jT 22) läßt sich wohl aus dem Sprachgebrauch 
der scholien erklären, und verdient nicht „geradezu unerträglich" 
genannt zu werden. — Das p. 73 über 104 gefällte harte ur- 
theil ist vielleicht zu mildern, wenn man annimmt, daß das scho- 
lium eigentlich zu v. 105 gehört, aber durch flüchtigkeit mit der 
zu v. 104 gehörigen bemerkung über rj77edav6g zusammenge- 
schrieben ist. — P. 89 (W 288. 9) läßt sich die Inntav agsri] 
vielleicht (worauf Eust. *P, p. 1301, 42 führt) aus der erwäh- 
nung derselben B 763 ff. erklären. — P. 94 könnte dem scho- 
lium A 398 vielleicht durch die annähme des ausfalls eines J} 
vor dem oti aufgeholfen werden. — P. 103 ist nicht zu über- 
sehen, daß in dem scholium (T 175) von oXcng nüaai dno&i- 
a&ai itjv tiqos ' Ayan^ivova fjrjvir die rede ist. — P. 108 (jT165) 
hat B nicht svdrjuco}*, sondern siö^fÄCov. 

Hierher gehört endlich auch noch die thatsache, daß einige 
scholien in beiden haudschriften so sehr von einander abweichen, 
daß sie richtiger als von einander völlig unabhängige excerpte 



284 53. Homeros. Nr. 5. 

zu betrachten zu sein scheinen (vgl. ob. p. 1 1 über Porph.) ; so 
K 249 (p. 59), 303 (p. 59. 60), 350 (p. 60), 433 (p. 37, ot 
81 — Ogaxär), 500 (p. 32); T 21 (p. 15); V 806 (p. 20). 

Der zweck dieser bemerkungen, denen sich vielleicht noch 
einige andere von dem vrf. abweichende ansuchten über dieses 
oder jenes scholium hinzufügen ließen, ist nicht, das nach meiner 
ansieht unanfechtbare resultat, zu welchem derselbe gelangt ist, 
in frage zu stellen, sondern der, hervorzuheben, daß, obwohl V die 
in frage kommenden scholien durchschnittlich getreuer und vollstän- 
diger wiedergibt als B, doch deßhalb die prüfung der einzelnen 
scholien nicht außer acht zu lassen und unter allen umständen 
erstere letzteren ohne weiteres in allen einzelheiten vorzuziehen 
sind. Auch der vrf. äußert sich (p. 101. 110) ähnlich, doch 
— was nach der ganzen anläge des werkes natürlich ist — in- 
dem er in diesem sinne keine einzelheiten aus B hervorhebt. 

Eine genaue prüfung der einzelheiten kann aber trotz der 
vom vf. nachgewiesenen Vorzüge des Victorianus um so weniger bei 
seite gelassen werden, als es sich um eine gegen das jähr 1500 
(Hoffmann, p. 216; nach Dindorf, schol. II. III, p. IX not., so- 
gar erst „seculo sexto deeimo") , und andrerseits , bei B, um eine 
im 11. jahrh. geschriebene handschrift handelt. Es wäre wun- 
derbar , wenn erstere nicht wenigstens einzeln doch spätere 
zusätze — für einen solchen möchte ich z. b. das ravta 8s 
uvarsTa/Asvtj zy epcory K 141 (p. 24) halten — oder redactio- 
nelle änderungen einer zeit enthielte, die in der erklärung des 
dichters nicht allein das überkommene wiedergab , sondern es 
schon wieder selbständig zu verarbeiten verstand. Hat doch 
z. b. auch die Leidener handschrift der Ilias außer der ihr mit 
dem cod. B gemeinsamen quelle manches nachweislich jün- 
gere, z. b. von Eustathios und Senacheirem herrührende. 

Für den codex Victorianus ist diese möglichkeit aber dop- 
pelt vorhanden. Daß er eine abschrift des Townleianus ist, hat 
bekanntlich Heyne (Hom. Iliad. III, p. CVI), der beide Co- 
dices in bänden gehabt , mit bestimmtheit behauptet (ebenso 
Dindorf a. a. o., p. IX), und Hoffmann (II. XXI und XXII, 
p. 217) hebt mit recht hervor, daß die von Cramer, An. Par. 
III, p. 270 ff., aus dem Townleianus mitgetheilten scholien dies 
zu bestätigen scheinen. Roemer urtheilt (p. 110) wegen einiger 
abweichungen (vgl. auch p. 88 anm.) darüber zweifelnder. 






Nr. 5. 53. Homeros. 285 

Sind wir trotzdem berechtigt , die Heyne'sche ansieht für 
richtig zu halten, so würde sich also erstens die frage ergeben, 
ob sich in dem Townleianus nicht auch — wie vermuthlich in 
den meisten umfangreicheren scholien - handschriften — spätere 
zusätze unter den scholien finden (Heyne spricht, p. CI, von ei- 
ner „seeunda et tertia manus"), und ob sich diese nicht in dem Victo- 
rianus ohne unterschied unter den anderen, älteren, copirt finden. 
Zweitens aber würde es sich fragen, ob der Victorianus überhaupt 
mit großer genauigkeit copirt ist , und ob nicht vielleicht sogar 
absichtlich einiges geändert — hieraus würden sich z. b. 
abweichungen wie die von Roemer erwähnten erklären — oder 
auch zugesetzt worden ist 1 ). In diesem letzteren falle würde 
natürlich wieder die möglichkeit vorliegen, daß solche zusätze 
auf handschriftliche autorität zurückgehen — mit andern worten : 
ob der Vict. nur den Townleianus oder auch andere hand- 
schriften als quelle hat — oder daß sie dem abschreiber zuzu- 
schreiben wären. 

Ist andrerseits der Victorianus nicht für eine copie des Town- 
leianus zu halten, so bleiben dieselben bedenken theoretisch bestehen, 
doch fehlt es uns dann an der möglichkeit, das verhältniß zu 
controlliren. 

Wenn diese zuletzt aufgeworfenen fragen nun auch nicht so ge- 
wichtig sind, daß sie die richtigkeit des in dem Roemer'schen werke 
verfochtenen prineipes ohne weiteres erschüttern könnten, so kön- 
nen sie doch bei manchen Vict. -scholien bis jetzt noch einen 
sich aus innern gründen ergebenden zweifei (vgl. ob. p. 284) un- 
terstützen , und müssen in vielen fällen eine besonders genaue 
prüfung der Überlieferung als geboten erscheinen lassen. Um 
so wünschenswerther wäre es, daß — und wir wagen zu hoffen, 
daß Roemer selbst sich recht bald einmal auch dieser höchst dan- 
kenswerthen aufgäbe unterzieht — das verhältniß von Victorianus 
und Townleianus , sei es auch nur durch die genaue und voll- 

1) Wenn Dindorf, p. IX not., mit der angäbe, daß die Horney' 
sehen scholien zu II. IX (Helnistädt 1620) aus dem Townleianus (= 
cod. Salviat.) abgeschrieben wären, recht hat, würde man das fehlen 
mancher Bekker'schen V-scholien daselbst in dieser weise erklären 
können (vgl. auch v. 621 Hörn, mit I, 626 bei Roemer p. 74); doch 
scheinen nach der mittheilung bei Heyne, p. CVI, die Horney'schen 
schoben aus dem Victorianus selbst abgeschrieben zu sein, in welchem 
falle die abweichungen u. dgl. natürlich nur als üüchtigkeiten anzu- 
sehen wären. 

Philol. Anz. X. 20 



286 54. Sophokles. — Euripides. Nr. 5. 

ständige publication der scholien eines buches nach beiden codd. 
oder nach, dem einen mit den Varianten des andern cod., klar 
gelegt "würde. Hermann Schrader. 

54. Jobann Kvicala, Studien zu Euripides. Mit einem 
anbang Sophokleiscber analekta. 4. 107 p. — Zweiter tbeil 
(Alkestis, Ion, Hekabe). 4. 94 p. Wien 1879. (Separatabdruck 
aus dem XXIX. u. XXX. bände t der denkscbriften der philo- 
sophisch-historischen Masse der kaiserlichen akademie der Wissen- 
schaften zu Wien.) 

In ausführlicher , theilweise zu ausführlicher und gedehnter 
erörterung behandelt Kvicala eine große zahl von stellen des 
Euripides , vorzugsweise der stücke Alkestis , Hekabe , Elektra, 
Medea, Ion, und einige stellen des Sophokles. Die behandlung 
betrifft vorzugsweise die textkritik-, selten die erklärung. Das 
verdienstliche dieser Studien werden wir am besten damit an- 
geben, daß wir die stellen, welche eine sichere oder wahrschein- 
liche emendation gefunden haben, namhaft machen. Am meisten 
beifall scheint uns der Vorschlag zu verdienen, Phil. 276 ob dy 
für ov ötj zu lesen. Recht ansprechend sind auch die Verbes- 
serungen zu Hek. 984 rl XQ\1^ ? El. 43 f. qg . . ya^vpsv svrtjr, 
581 tj xHiog tl, 775 o Kairos und die Umstellung von Ion 651 — 3 
(nach 665). Ebenso wird die vertheilung von El. 671 — 83 
unter drei personen (Orestes, Elektra, greis) richtig sein , wenn 
auch in 672 noch eine Schwierigkeit übrig bleibt. Kvicala 
nimmt nämlich nur die Reiske'sche Umstellung von 682 f. an 
und unterscheidet vier partien von je drei versen , in 
welche sich immer die genannten drei personen theilen. Der 
inhalt entspricht dieser annähme aufs beste und anderwei- 
tige Umstellungen werden vermieden. Auch die analogie von 
Or. 1231 ff., wo an dem gebet neben Orestes und Elektra Py- 
lades theil nimmt, läßt sich für jene Verteilung geltend machen. 
Den einzigen anstoß bietet i)' in 672 (otxTeia? #' Wjw«ff), welches 
keine beziehung hat. Kvicala will oixTsigt y lesen; was aber 
ys hier bedeuten soll, ist nicht abzusehen und wenn Kvicala 
für die Verbindung von ye mit dem imperativ mehrere stellen 
anführt, so braucht man diese stellen nur nachzuschlagen, um 
— nicht zu begreifen , warum sie eigentlich angeführt wer? 
den. Wenn also jene vertheilung gehalten werden soll, muß 



Nr. 5. 54. Sophokles. — Euripides. 287 

man Dobree's änderung ui'xTt/fjup /j^äg billigen, wenn man anch 
zugestehen mag, daß zu dem folgenden oixtsiqe Öfjza besser 
oixTeiQe passen würde. Doch vgl. Aesch. Hik. 206 f. i'öoi — 
idouu 8?jtu, 215 f. avyytoCij — ovyyvolio | 8r t ta. — Wenn Kvi- 
cala Ion 916 ytvtzag als fehlerhaft erklärt und ö Ö' i/xäg ysvs- 
tüg (oder ysieag) xul aüg upaüljg schreiben will, so ist die 
beseitigung des metrischen fehlers dieser conjectur günstig. Die 
bedeutung „söhn" ist aber nicht ohne weiteres für yevhyg ab- 
zuweisen. Man vgl. Ellendt Lex. Soph. unter ysvszqg. Denn 
bedenklicher schon ist es, wenn auch Oed. T. 471 ö Jibg ysve- 
tag in ö Jibg yevszäg (yeveag) verwandelt wird. Und wenn 
Kvicala meint, daß Euripides das wort , das er zweimal in der 
bedeutung „vater" brauche, nicht in der entgegengesetzte!] be- 
deutung gebraucht haben könne, so läßt diese meinung sich an 
und für sich widerlegen und wird widerlegt durch El. 746, 
wo ovyytvtztiQa ,, Schwester" bedeutet. Kvicala erklärt zwar an 
einer anderen stelle avyyiit'zeiQa dort fürcorrupt; aber es bleibt 
bei dieser erklärung ; ein versuch der änderung wird schwerlich 
gelingen. Vgl. Weil's note z. d. st. Eine gewisse berechtigung 
hat auch die beseitigung des unnötigen pronomens o'lde El. 84 
'OytGTtjv rörö\ Androm. 313 qiynvovau zovös MsveXsco yvvai . 
Dort will Kvicala Oq^gi^v ovx dzifiü^tig, hier zovös zai/Sgög, co 
yvvai schreiben. Aber zovds Msviltm scheint für den selbstbe- 
wußten ton des Menelaos ganz passend und wie zovd' 1 i&avua^eg 
aus ovx dzifA-a^fig geworden sein soll, ist schwer einzusehen. 
— Die übrigen bemerkungen von Kvicala enthalten zum theil 
beachtenswerthe winke; manche Vermutungen sind nicht unbe- 
gründet, doch meist nur bloße möglichkeiten ohne evidenz oder 
hohe Wahrscheinlichkeit. Wir können hier nicht auf das ein- 
zelne eingehen und wollen nur einige punkte, welche die me- 
thode der emendation betreffen, berühren. Sehr rügen muß man 
die nichtbeachtung der Porson'schen regel, welche nicht weniger 
als fünf fehlerhafte versausgänge verschuldet hat: xa] nalaiGz\g 
si aoq> ög Bacch. 824, w'öi' uijdcav s'uGiofxog Hek. 337, noi z&Xevzä 
abg filog ebd. 419, fießaiü zuno aov El. 280, nQog zsXtvzävx)' 
%)aov Ion. 1136. Wer solche verse lesen kann, ohne den fehler 
zu merken, hat kein gehör für den trimeter, was auch von dem 
gilt, der etwa noch an der giltigkeit des Porson'schen gesetzes 
zweifeln wollte. Uebrigens vertheidigt Kvicala anch Ion 1288 

20* 



288 54. Sophokles. — Euripides. Nr. 5. 

alV tysrofieaüa • naTQog ö' ovaiav Ip'yco als richtig überliefert. 
Ueberhaupt scheint er die metrische seite wenig zu beachten, 
wenn er trimeter wie tallc'nQia , (.ViddcoTbvg ydfiovg , <ai>ovu?rt] 
El. 1089, TifAÖjp Xiav, Ine) ttdvr^ev nvz i/jov Ale. 434, o&rziog, 
all' Ojucos dvaynaia dofioig ebd. 533 durch conjeetur erzielt. 
Einem grammatischen fehler steht nicht fern ov fiijnnO' 1 . . y.a- 
leig Ale. 1094. Und Hek. 855 würde arparm . . 8öhai fjs 
heißen „das heer beschlösse daß ich", nicht „glaubte daß ich." 
— Nicht neu sind die conjeeturen zu Hek. 1083 (Härtung), El. 
1245 (ref. St. zu Eur. p. 376), Ai. 190 (Härtung), 0. K. 659 
(Hermann), O. T. 1135 (ref. A. Soph. em. p. 43). — Eecht 
lobenswert ist es, wenn Kvicala bei der behandlung schwieriger 
stellen die scholien in betracht zieht. Aber man kann manch- 
mal auch aus den scholien mehr herauslesen als darin steht. So 
soll das scholion zu Alk. 91 aantg li-yopsv (lEzalifiiov . . ovzm 
ftsraxvfÄiov to fista^v 8vo xv/Aazcov auf ^stanvfiiov (statt fistanv- 
fitog) hinweisen. Uebrigens wäre die „ruhepause des Unglücks" 
noch keine erlösung von Unglück. Wenn der scholiast zu Hek. 
21 in seiner erklärung aneölsto gibt, so liegt darin nicht die 
geringste bestätigung für die lesart geringer handschriften dem 
historischen präsens anöllvrai gegenüber. Med. 1045 wird als 
unecht erklärt auf grund der scholien. Dem erklärer, welcher 
die bemerkung gab %ai()hco ßovlsi'ftuzu : XtCnei to öqp«|«r ta 
tixva, soll der vers unbekannt gewesen sein. Aber ist denn in 
den worten tu jtqoö&sv • «|oo naiSag sx yaiag ipiovg das ent- 
halten, was dem scholiasten zu fehlen scheint ? Das scholion zu 
Med. 1046, in welchem vorkommt fQya^ofteirjv tov &<ivatov totg 
qulruzoig wird als Zeugnis für die conjeetur tärds (ptXrurwv xa- 
xoig angeführt; weil aber andere worte (diu. tijg tovtmv ttlevttjg) 
deutlich auf die Überlieferung toig tnvtmv xaxoig hinweisen, 
soll dieser zusatz aus einer anderen bemerkung herübergenom- 
men oder von dem scholiasten auf eigene faust gemacht sein, 
als ob dieser nicht ebenso gut oder noch besser jenes toig cpil- 
rntoig selbständig hätte hinzufügen können. — Die lesarten der 
handschriften muß man nicht nach seinen wünschen deuten. 
El. 538 will Kvicala ot'3' für ovx schreiben. Davon soll eine 
spur in der Überschrift eiö' (über ovk) liegen. Warum aber will 
man darin etwas anderes finden als eben die correctur et <3' ? 
Zu Alk. 992 erkennt Kvicala wohl, daß die lesart yilu de ri 



Nr. 5. 54. Sophokles. — Euripides. 289 

hui &uv(ivaa nickt die mindeste gewähr habe; er bedient sich 
derselben aber doch zur Verbesserung g>CXa 8"su xal Oavovaa. 
Ueberhaupt vermißt man oft die Sicherheit der methode , z. b. 
wenn zu El. 413 f. alle möglichen Variationen der herstellung 
geboten werden. Kvicala will freilich damit nur zeigen, wie 
unsicher die emendation sei bei verschiedenen möglichkeiten der 
textgestaltung , aber er bedenkt nicht, daß es nicht darauf an- 
komme einen lesbaren text zu gewinnen, sondern aus der Über- 
lieferung methodisch die emendation abzuleiten, während die 
meisten jener Variationen von vornherein von der methode aus- 
geschlossen werden. — Wie wir schon oben gesehen, spielt wie- 
der die particula Heathiana ihre rolle. Alk. 667 schreibt Kvi- 
cala ksIvov f iya, indem er mit Nauck den folgenden vers weg- 
läßt. Was soll yi? Besser vermutet Nauck xei'v.ov zöde. Aber 
der vers 668 ist dem eigenthümlichen pathos des Admet ganz 
entsprechend. Ebenso unbrauchbar ist ys Hek. 992 uifivrjrat 
y' eti. — Manchmal soll, wovon wir auch schon oben ein bei- 
spiel kennen gelernt haben , eine conjectur durch zahlreiche ci- 
tate probabel gemacht werden, ohne daß der verschiedene sinn 
oder Zusammenhang beachtet wird. Z. b. vermutet Kvicala 
zu Oed. K. 590 d)X ovv ftskövirnv yt und führt für die Ver- 
bindung dlV ovv . . ye eine reihe von belegstellen an. Von 
der bedeutung ist keine rede. Daß die bedeutung „aber we- 
nigstens" für jene stelle passe, wird niemand behaupten wollen. 
Ebenso nützen die citate zu Eur. El. 216 nichts, um der con- 
jectur «(Vor /(/ ir, zio v Wahrscheinlichkeit zu verschaffen. — Manchen 
änderungen fehlt der innere halt. Nicht zu verstehen ist z. b. 
Hek. 240 8va/Xaivla t' ajxogqoq öufxnicov t* Uno , wenn 241 
als interpolation gestrichen wird. Was soll die erklärung : 
„verunstaltet durch schlechtes gewand und dem augenschein nach"? 
Allerdings heißt 0. K. 15 oo^ an o^fiäiojv „soweit man dem 
augenschein nach urteilen kann". In jener Verbindung aber 
könnten nur die ofi/mTu des Odysseus verstanden werden. Und 
selbst im anderen fall könnte an ou/xarcon niemals „der gestalt 
nach, specie" bedeuten. Da sind ganz verschiedene dinge ver- 
wechselt. Hek. 16 will Kvicala 3(j#' s?' tjt i^la^aia schreiben 
in dem sinne „als das gebiet noch unversehrt war". Wann aber 
heißt ooOt'u; ohne weiteres „unversehrt", ohne daß dies aus der 
eigentlichen bedeutung „aufrecht" abgeleitet werden kann? 



290 54. Sophokles. — Euripides. Nr. 5. 

El. 383 würde ol fitj cpnsrcöneTf einen gegensatz wie „selber leh- 
nen, für euch selber sorgen" u. dgl. fordern-, auch hat qigetöi'i> 
keine beziehuüg wie z. b. Bacch. 792 auf diemahnungen des Dionysos^ 
Der gedanke 7«t: rjdovag yag rijiv ngofxrjfriag ßdgog Ion 448 ist 
zu abstrus, als daß er dem Euripides zugeschrieben werden 
könnte. Um die behauptung zu begründen, daß neben ei jag 
sich auch der bloße optativ mit ydg finde; genügt 1 Hei. 1201 
nicht. Noch weniger aber ist es statthaft einer cönjeOtür zu 
liebe (Med. 89 ' u yag sarm) ohne weiteres dies auf deü iihpe- 
rätiv auszudehnen , der dem '■ optativ an dieser stelle äquivalent 
sei: Med. 12 wird getilgt und 11 $wävaval- [asi> (ld aviij 8#) 
geschrieben Es soll von dem gegenseitigen guten einvernehmen 1 , 
das früher zwischen Jason und Medea geherrscht habe, die rede 
sein. Wer kann daran denken, da die amme nur die traurigen 
folgen der Argonautehfalirt schildert, nachdem Vorausgeht xouk 
<pxff 7j/iö? ^yijv Kogiv&iäp? Wenn Iäson Und die kindex' der 
Medea gefallen und Medea selbst in allem mit Iäson harmoniert, 
So ist die zufriedenheiit nur auf seite 1 der Medea vorhanden - 1 und 
das gute einvernehmen kein gegenseitiges. In Korinth harmo- 
nierte doch auch Medea mit Jason und die folge war nichts 
daß Medea wiederum dem Jason ävdärovaa war. Was soll 
£}gqödco ; Wßf Hek. 236 heißen und worauf soll es sieh beziehen r 
Ein fehler "geg'en methöde 1 ist es auch, wenn' ätt stellen wie 

iön ik ro9o ; {mmdd6iühy,< Hek. zm^^^wßkvffi Alk. 832 

(ttllä'übd '¥h fiij xfgüöat) anstoß genommen wird. ^— ' 

1 Wir wollen nach diesen mehr : allgemeinen bemerkungen ' irM 
riöch einige wenige einzelne stellen in beträ'cht ziehen. Die ähde- 
rung zü'Älk.' 647 fjyhipijv ■vfymv gibt zwar einen richtiger! sinn, ist 
äbei 11 wegen der. 'Stellung der wofte nicht ahnehmbäi 1 : - Da äudh im 
anfähg des' 'Verses u Ht d \ redt $% n hotwendig sein dürfte 1 ; so scheint 
die : stelle sehr corrupt zu sein. Demsinn würde 1 ! z.' b. am' besten 
öntyprec'heri 1 :- 1 ^^«; M^q > a h jjyKZffil &p , 'iJ8tttai'rii*lx. '^'"WeÄn 
fevicala" ole" gleichen 1 Versiäüsgähge Alk. 782— 'T^Ö' 'unter 1 'die 
nkcihlä'ssigkeiteh ! deÖ Stückes ° rechneir 'will \ l so' 1 Verkennt 'er 1 ' ueh 
humor der stelle, ! auf den ich Öchon frühe* aufmerksam -gemacht 
bähe (Vgl. stildien zu Eurip. p. 365): In' 785 ist wahrscheinlich 
tii^'Tt dp'rfö'srai' für' ''7>! ' 'rtgbßr/k*<it. 1 zu' : <setzeh. ; ^ Ebendaselbst 
798 wiirKVi#ala ßtidftgjnift ?V riiMvlrni fyheodctv Wxvyvv. B'äÖ 
der ' intransitive' gebrauch Von [xi&ogtii&tv nicht unbedenklich ist; 



Nr. 5. 54. Sophokles. — Euripides. 291 

wie Kvicala selbst bemerkt bat , wollen wir nicht in anschlag 
bringen. Schlimmer aber ist es , daß das ganze bild und der 
ganze sinn der stelle verdorben wird. Weil nlrvXng den regel- 
mäßigen ruderschlag bedeute, soll nlrvXng ax'vynv „das immer 
wiederholte füllen und austrinken des pokals in kurzen Zwischen- 
räumen" bezeichnen; deshalb soll titneaar mit bezug auf den 
diener gesagt sein und darauf wird die änderung begründet. 
Wer sieht nicht, daß die drei ausdrücke fis&oQfitsT nCrvXog ?[*- 
neaär auf das gleiche bild zurückgehen? Wie ich schon in 
der note zu Iph. Taur. 307 angedeutet habe, versteht man den 
scherz der wendung, wenn man sich nach ^fxnsacov einen gedan- 
kenstrich denkt : „von deinem finstern sinn wird fort dich fahren 
die ruderbewegung einfallend — die des bechers (d. h. wenn 
der becher immer wieder zum munde geführt wird, auf- und 
abgeht wie das rüder). Man hat also eine scherzhafte Verdre- 
hung des bildlichen ausdrucks toT oxv&fjconov ia^oq/usi zur 
Wirklichkeit mit nfTvXog ijiWä&eov', der dann mit axvcpov die pointe 
gegeben wird. — Ebendaselbst 931 verteidigt Kvicala die 
emendation von Canter noXI.ovg ijdtj nafjiXvasv &ärarog düpiaQ'iog, 
weil nur die construction nagaXhiv nrä nvog beglaubigt sei. 
Die bessere Überlieferung giebt nnlloic . . SdfictQTag und man 
braucht diese nicht doppelt zu ändern, wenn man n o X X ä v . . 
dufiaoTug schreibt. — Hek. 381 soll ttfg ivysrtlag gen. com- 
par. zu ixtit,ov sein; dagegen spricht schon die Stellung, welche 
die Verbindung von orofjia rtjg flysveiag empfiehlt. Eine erläu- 
terung des gedankens gibt fragm. 739. — Mit schwerfälligen 
Änderungen bringt Kvicala Med. 846 den unverständlichen text 
'nag . . ri nöX.iv rj q>(Xwg nö^nifior <?s X a ^Q a • •£§««>* zu stände. 
Unverständlich erscheint mir der text, da trotz der bemerkung, 
Tiö/nni^nr sei in passiver bedeutung gebraucht, sinn und zweck 
dieses wortes nicht zu erkennen ist. Wer den dichter verstehen 
will, wird einsehen, daß nach den isoo) nora^o) von den tsga 
tyhra , den heiligen Ölbäumen, die rede ist. Vielleicht ist noch 
HOLQntftog für Tznftninog zu setzen. — Ion 601 würde nicht 
xpotpnv nXin , sondern itövov nXia {noXvnQayfinvovari) den richti- 
gen gegensatz zu ?javy/'^oor ergeben , wie ich bereits A. Soph. 
em. p. 193 bemerkt habe. — Beachtung könnte der Vorschlag 
itatSog deotp' Eur. El. 1023 verdienen, wenn nicht die Verbes- 
serung von Weil natijg 8i$t]t> schon paläographisch den Vorzug 



292 55. Ovidius. Nr. 5. 

verdiente. Denn man kann sich denken, daß die abkürzung 
von nartjQ den anlaß zu der corruptel geboten habe. — In der 
conjectur rd er' o>r = td au onu Med. 568 ist ovza zwecklos. 
Der gegensatz zu fxfXXovaiv würde tu 7Tagorr\ das scholion 
(zovg sx aov) rua as&ev empfehlen; aber solche änderungen 
lassen sich nicht rechtfertigen und tu £eöW kann und muß ge- 
nügen. — Was Kvicala gegen die auffassung von El. 787 — 89, 
wie sie in dem text von Nauck und Kirchhoff ausgesprochen 
ist, vorbringt, muß man für berechtigt halten: die worte ovo' 
dnagrsla&ai %gtCQv können nicht mehr zu der einladung des 
Aegisthus gehören. Die conjectur ohS" 1 dnagvtiadui nugtjv befriedigt 
Kvicala selbst nicht ganz : „es konnte dem Orestes nicht in den 
sinn kommen die einladung abzulehnen". Man muß eben an- 
nehmen, daß xQ-ecäv nur eine nachträgliche ergänzung ist entstanden, 
als anagrotfAeaüa in anugif-ladai übergegangen war. Dem sinne 
entspricht noch die zufügung von 8>): ovo" 1 dnagrovftea&a dij. 
Man möge über die ausstellungen, die wir etwa zu machen 
hatten, nicht das im anfang hervorgehobene verdienst der ab- 
handlung vergessen. Noch muß ich erwähuen , daß am Schluß 
des zweiten theils die collation einer aus dem 14. Jahrhundert 
stammenden Raudnitzer handschrift der Hekabe gegeben wird. 
Die neuen lesarten sind nicht von belang. Kvicala empfiehlt 
zwar vfA.eig 385, oüoui tu 1225 und die weglassung von 1135 
und 1210, die in der handschrift fehlen. Aber es würde z. b. 
mit jenem vy-ui; ein unberechtigter gegensatz zwischen ipsig und 
rifiäg entstehen und was gegen yfjtäs vorgebracht wird, daß in 
ungefälliger weise die apodosis mit dem vocativ 'OSvaaev be- 
ginne, findet nicht statt, da 'OSvaatv sich dem vorausgehenden 
v[iäg anschließt. 

N. Wecklein. 

55. De Halieuticis Ovidio poetae falso adscriptis. Scripsit 
Theodorus Birt, dr. phil. Berolini apud Weidmannos 1878. 
8. 207 p. — 6 mk. 

Das urtheil über vorliegende, für die in rede stehende frage 
ausserordentlich bedeutsame und überaus inhaltsreiche schritt 
Birt's darf als abgeschlossen gelten, nachdem so competente be- 
urtheiler, wie E. Bährens (Jenaer literaturztg VII, 1879, p. 252 f.), 
A. R(iese) (Literar. centralbl., 1879, p. 775 f.) und Bursian's Jahres- 



Nr. 5. 55. Ovidius. 293 

bericht XIV, p. 255 ff.) und A. Zingerle (Z. f. d. Österreich, gymnas., 
XXX, 1879, p. 178 — 183) ihre stimmen darüber abgegeben haben. 
Dieselben, insbesondere die beiden erstgenannten, erkennen die um- 
fassende gelehrsamkeit und belesenheit des vrfs., sowie dessen nicht 
gewöhnliche leistungen auf dem gebiete der conjecturalkritik be- 
reitwillig an , kommen aber gleichzeitig darin überein , daß das 
resultat der weitschichtigen abhandlung in keinem Verhältnisse 
stehe zu der aufgewandten mühe. Denn trotz der genauen, oft 
in die kleinsten einzelheiten sich verlierenden Untersuchung habe 
Birt die ansieht von Barth, Ulitius, Wernsdorf u. a., welche die 
Halieutica Ovid absprachen , keineswegs zu voller evidenz 
zu erheben und ebensowenig die meinung der anderen kritiker, 
wonach die aussage des Plinius Nat. Hist. XXXII, 2, 5 ; 54, 
152 f., auf Wahrheit beruht, somit die Halieutica als.ein von Ovid 
in seiner letzten lebenszeit flüchtig hingeworfenes fragment zu 
betrachten sind, vollständig zu entkräften vermocht. Ref., der 
diesem urtheile nur beistimmen kann, gleichzeitig aber recht 
wohl einsieht , daß eine eingehende Widerlegung der von Birt 
aufgestellten behauptungen hier zu weit fähren und außerdem 
schon deßwegen im großen und ganzen resultatlos verlaufen 
dürfte, weil sich hier meistens nicht thatsachen, sondern ansichten 
gegenüberstehen , will sich damit begnügen , im nachstehenden 
die wesentlichen Vorzüge und mängel der Birt'schen arbeit dar- 
zulegen , sowie einige einzelbehauptungen , insbesondere solche, 
welche in den oben erwähnten recensionen unerwähnt geblieben 
sind, vorzuführen, an denen sich zeigen läßt, daß Birt trotz der 
sonst verwandten Sorgfalt doch mitunter eine genauigkeit ver- 
missen läßt, auf die er selbst den größten werth zu legen scheint. 
Alle anerkennung verdient zunächst die wahrhaft großartige 
und in ihrer art einzige Sammlung alles dessen , was für die 
entscheidung der frage irgendwie von bedeutung erscheint. In 
bezug auf inhalt , grammatische , stilistische , metrische und poe- 
tische form werden die Halieutica einer meist sorgfältigen (frei- 
lich auch oft einseitigen und mitunter voreiligen) kritik unter- 
worfen , wie dies für dieses gedieht bisher noch nicht und wohl 
für keine der Ovidischen dichtungen von zweifelhafter echtheit 
in diesem umfange überhaupt schon geschehen ist. Dabei hat 
Birt an nicht wenigen stellen durch ansprechende , wenn auch 
meistentheils der evidenz entbehrende änderungen den schwer 



294 55. Ovidius. Nr. 5. 

verderbten text zu heilen , außerdem auch noch eine große an- 
zahl beiläufig erwähnter stellen anderer autoren zu emendieren 
versucht. Schließlich ist die fleißige Zusammenstellung der ein- 
schlägigen zoologischen, insbesondere ichthyologischen literatur 
des alterthums, sowie der versuch einer quellenkritischen behand- 
lung der Halieutica, der freilich für die klärung der hauptfrage 
nicht sonderlich belangreich erscheint, als rühmenswerth hervor- 
zuheben. 

Wo viel licht, da ist auch viel schatten. Daß die ganze 
anläge der schrift keine glückliche ist, zeigt schon die am Schlüsse 
(p. 205) gegebene inhaltsübersicht. Da fast keine der dort auf- 
geführten capitelüberschriften dem inhalte des betreffenden ab- 
schnittes vollständig entspricht, scheint der verf. selbst über den 
gang der Untersuchung nicht ganz im klaren gewesen zu sein. 
Ueberdies wird letzterer fortwährend durch erledigung ganz ne- 
bensächlicher fragen gestört Den Schluß der prolusio bildet 
eine kritische abhandlung über Eleg. in Maec. I., p. 22 f. wird 
eine solche über Met. XIII, 694 in das zweite capitel einge- 
schoben , das dritte p. 44 — -46 durch eine ähnliche über Met. 
VII, 464 geschlossen , die vergleichuüg des pseudovergilischen 
Culex mit den Halieutica im vierten in ganz unnöthiger weise 
ausgedehnt, das fünfte , das sonst wohl etwas kurz ausgefallen 
wäre, p. 59-— 66 durch eine besondere dissertation „de anaphora 
poeticä" ergänzt , gleich darauf in den anfang des sechsten eine 
„observatiunada de Grati Cynegeticis" eingeflickt u dgl. m. Recht 
bezeichnend für die art der Untersuchung ist es, daß vorliegende 
arbeit über die Halieutica mit einer abhandlung über die Ars 
poetica abschließt. Auf dem gebiete der conjecturalkritik ver- 
fährt Birt keineswegs conseqnent , indem er auf der einen seite 
eine große anzahl verderbter stellen zu bessern sich bestrebt, 
andererseits von ihm ebenfalls für anstößig gehaltene 1 ohne jeden 
heilveröuch einfach auf rechnung des angeblichen fälschers 1 setzt 
(jsö' Z. b: ; v. 1 f. dedit arfnla per öikries ÄdmOnuitque sui'} 2 : sie 
namtjue] 3: nbndum . r -^ iatn , 2 . 4 ff. die Stellung von sie, 6$ -'ff. 
'die Verbindung seu . . j ve, 1 Wf. nunc et nunc, u. dgl. ,m.)^ja 
sich nicht scheut, von ihm selbst cönjicierte ungewöhnlichere 
ausdrücke, wie v 33: Pressüs lege loci, 73: Cöncrispatique, 
auf dessen conto zu schreiben. Die p. 12 aufgestellte vermu- 
thung zu v. 85 itiedius statt nieiius hat Birt nicht in den text 






Nr. 5. 55. Ovidius. 295 

aufzunehmen gewagt. Wir nennen noch folgende von ihm auf- 
geführte conjecturen als überflüssig: v. 8 : Perniciemque (Baeh- 
rens: Exitiumque) statt Pr aesidiumque , überaus künstlich 
und mit theilweise bedenklicher begründung v. 15: si forte alius 
qui damna notarit oder notarat, nicht minder sonderbar 
v. 20: manus timet hilla rapacis statt illa, v. 26 (lupus) . . dolos 
us tu deludit inultus statt saltu, das doch trefflich zu dem vorauf- 
gehenden emicat stimmt, v. 32: hac eludit praelia (im texte: 
proelia) fraude statt retia, da man wohl sagen könne, hastas, 
telum eludere, aber nicht retia eludere (11), v. 67: cupiunt animis sehr 
trivial statt capiunt animis (cf. Met. XI, 118. Ex Pont. IV, 9, 
37. II, 11, 21), wodurch gleichzeitig der zusatz animis sehr 
überflüssig wird, v. 89: nam varie quaedam fugiuntque petuntque 
für qui dam (das von Birt vermißte object läßt sich leicht aus 
dem vorhergehenden ergänzen), von sehr zweifelhaftem werthe 
v. 108: channe , gemino sibi iuncta parenti (statt fundata oder 
fraudata) mit der etwas gezwungenen erklärung : sibi iuncta 
quasi gem. par. Bei der annähme von lücken zwischen 45/6, 
•81/2, 85/6, 90,91 wird nicht berücksichtigt, daß wir es hier 
mit einem, wie Birt schließlich (p. 159) selbst zugesteht und aus- 
drücklich hervorhebt , ganz unvollkommenen fragment zu thun 
haben. Besonders unglücklich ist der versuch der ergänzung 
zwischen 81, 82 durch 

81 b (Ast aliis terram cedamus. Namque marina) 
82 : Noster in arte labor positus, spes omnis in illa, 
wodurch die responsion zwischen v. 52 und 82 und damit 
der ganze gedankenzusammenhang vollständig zerstört und der 
zweite theil des v. 82 (spes omnis in illa) ganz unerklärbar ge- 
macht wird. Ebenso verwerflich ist die damit in Verbindung 
stehende conjectur zu v. 52 : Saepta (== stabula oder refugium!) 
sequi natura monet statt Ipsa. Die richtige erklärung hatte schon 
Gesner gegeben. — Ueberhaupt berücksichtigt Birt zu wenig 
seine Vorgänger, auf die er häufig in ganz allgemeinen phrasen 
hinweist, wenn er es nicht vorzieht, sie ganz unerwähnt zu las- 
sen. Hinc in v. 66 (p. 23) ist schon von Heinsius vorge- 
schlagen worden; p. 28 hätte gesagt werden müssen, daß ganz 
ähnliche vorschlage zur ausfüllung der lücke zwischen v. 90 und 
91 schon von Gesner und Ulitius gemacht worden sind; p. 35 
war anzuführen, daß gerade die ältesten ausgaben v. 73: Com- 



296 55. Ovidius. Nr. 5. 

pescatque bieten; v. 21 las Ulitius nicht, wie es nach Birt's an- 
gäbe (p. 71) scheinen könnte, vomit ilicet humorem, sondern vomit 
ilicet iram vel undam. Birt's eigener Vorschlag : vomit illa cruo- 
rem findet sich wörtlich übereinstimmend schon im texte bei 
Gesner; p. 82 wird gegen Heinsius' conjectur Liber (v. 18) po- 
lemisiert, unerwähnt bleibt aber, daß dieser an erster stelle: 
Victor vorschlug. — Von sonstigen behauptungen will ich nur 
noch zwei herausgreifen. P. 39 heißt es: Diem supremum Ovi- 
dius obiit anno a u. c. 770 teste apud Hieronymum Suetonio, id 
quod in dubium adhuc vocavit nemo , man vgl. nur Heinsius ad 
Ep. ex Pont. IV, 9, 58. Merkel, quaest. Ovid. p. 23. Prol. p. 
CCLXVII. Gleich darauf lesen wir: Sed tarnen tenemus ex ipso 
mortis anno et primi Fastorum libri exordium et secundi. Er- 
stere behauptung beruht auf der hypothese Merkel's, die heut- 
zutage keineswegs mehr allgemeine gültigkeit hat, für letztere 
aber, welche bislang noch von niemand aufgestellt worden ist, 
dürfte Birt schwerlich im stände sein, schlagende beweise zu 
erbringen. 

Schließlich noch einige worte über das gesammtresultat. 
Weder dieses noch die ergebnisse der einzeluntersuchungen sind 
vollkommen klar ausgesprochen oder übersichtlich zusammenge- 
stellt ; man muß sie selbst mühsam genug aus den einzelnen ca- 
piteln, oft an stellen, wo man sie zu finden kaum erwartet, her- 
aussuchen. Von der vorgefaßten meinung auegehend, daß die 
Halieutica unbedingt unecht sein müßten, sucht Birt im 1. ca- 
pitel , und zwar nicht ohne erfolg , die beweisgründe , welche 
Zingerle aus den in den Halieutica sich findenden anklängen 
an Ovid für die echtheit abgeleitet hat, auf ihr richtiges maß 
zu beschränken, gibt im 2. eine Übersicht über die sprachlichen 
eigenthümlichkeiten des gedichtes, dessen inhalt und form er als 
dem charakter der übrigen Ovidischen dichtungen und dem ge- 
nius des dichters widersprechend hinzustellen sich bemüht (3. 
cap.) Plinius' bericht am ende des 32. buches wird als ein den 
aussagen gleichzeitiger und späterer Schriftsteller über von ihnen 
für echt gehaltene apokrypha analoger irrthum aufgefaßt (4. cap.). 
Der ganze übrige theil der abhandlung ist eigentlich nur der 
erörterung der zu anfang des 5. capitels aufgeworfenen frage: 
Jam quali falsario Halieutica tribuenda suntf gewidmet. Nach 
weitschweifigen quellenkritischen Untersuchungen, von denen nur 



Nr. 5. 55. Ovidlus. 297 

die eine, welche den Ursprung des ersten theiles der Halieutica 
auf Chrysipp zurückführt, von einiger, alle übrigen dagegen, 
mit so großer gelehrsamkeit und vorzüglicher sachkenntniß sie 
auch durchgeführt sein mögen , für die entscheidung der haupt- 
frage ohne nennenswerthe bedeutung sind , wird erst im anfang 
des 10. capitels darauf endgültig geantwortet, daß die entstehung 
des gedichtes in die zeit zwischen der abfassung des 9. und 32. 
buches des Plinius falle und nicht etwa zufällig sei, sondern auf 
absichtlicher täuschung beruhe. Diese erklärung ist denn doch 
viel zu künstlich, als daß sie im stände wäre, die seitherige an- 
schauung, wonach die Halieutica als ein brouillon des dichters, 
bestimmt zur ersten flüchtigen Orientierung über den später weiter 
auszuführenden gegenständ, anzusehen sind, vollständig umzusto- 
ßen. Freilich hat Birt gegen letztere noch einen besonderen 
grund geltend gemacht , der für die art seiner beweisführung 
überaus bezeichnend ist. Er begründet nämlich seine abweisung 
der in rede stehenden ansieht (p. 42) mit den Worten: Nammihi 
equidem ille mirurn quantum Musarum expers videtur qui poetas non 
prosa or atione sed v ersibus in poemate primis lineis desi- 
gnando uti sibi persuaserit, oblitus idem ut nostri aevi poetarum ita 
ipsius Aeneidis Yergüianae. Wie kann man ■ — von den „nostri 
aevi poetae" ganz abgesehen — eine so ganz vereinzelte notiz 
über die arbeitsweise des an dichterischer genialität Ovid ent- 
schieden nachstehenden Vergil zu einer allgemeinen regel auf- 
bauschen, die ohnedies zu dem, was wir von der dichtungsweise 
Ovids wissen (cf. Trist. IV, 10, 23 — 26. Seneca, controv. II, 
10, 8), im directesten Widerspruch steht? 

Ref. kann seinen bericht nicht schließen, ohne auf die ähn- 
lichkeit hingewiesen zu haben , welche Birt's abhandlung in 
vielen punkten mit einer älteren arbeit aus der Ovidliteratur 
besitzt. Nach dem oben gesagten wird nicht zweifelhaft sein, 
daß damit nur Merkel's prolegomena gemeint sein können. Hier 
wie dort finden wir dieselbe staunenswerthe gelehrsamkeit und 
belesenheit , dasselbe streben nach möglichst erschöpfender be- 
handlung der aufgeworfenen frage , dasselbe liebevolle eingehen 
in die kleinsten einzelheiten , die zur klärung der Verhältnisse 
zu dienen scheinen ; aber auch dieselbe Verkehrtheit in der an- 
läge des plans, dasselbe gefallen, ganz heterogene dinge in die 
Untersuchung hereinzuziehen , dieselbe sucht , mehr zu beweisen, 



298 Bibliographie. Nr. 5. 

als bewiesen werden kann, eine oft bis zur Dunkelheit manie^ 
rierte spräche. Damit soll keineswegs geleugnet werden , daß, 
jedes |; der beiden werke für den behandelten gegenständ von 
hervorragender bedeutung ist, daß jedes älteren und auch spä- 
teren Untersuchungen gegenüber immer seinen eigenthümlichen 
werth behaupten wird. Aber Birt hätte, wie Merkel, nicht ver-r 
kennen dürfen, daß derjenige, der über das ziel hinausschießt, 
sich naturgemäß immer weiter von der gesuchten wahrheil; 
entfernt. 

Gustav Nick. 

Bibliographie. 

Von R. F. Köhlers antiquariat zu Leipzig und von dessen 
catälög nr. 335 berichtet RAnz. nr. 31. 

G. Klemm , zur geschichte der ty pographie und des buch- 
handels in Dresden, im Börsenbl. 1880, nr. 16. 2.0. 

Mittheilung von Breithopf und Härtel in Leipzig in Sachen 
der einheitlichen deutschen rechtschreibung : Börsenbl. nr. 28 : 
darin sind antrage an das preußische ministerium so wie ant- 
worten und erlasse desselben , eben so ein aufsatz Dan. Sanders 
mitgetheilt, jedenfalls ist also die mittheilung sehr zu beachten, 
auch damit zu vergleichen ein aufsatz in Augsb. allg. ztg. 1880, 
beil. zu nr. 36. 

L. Rettig , buchdrucker und reformatoren , ein aufsatz im 
Berner taschenbuch für 1880, abgedruckt in Börsenbl. nr. 38. 
40 : nachweis des einflusses der reformation auf die büchdruckerei. 

Die lief. V des archivs für geschichte des deutschen buch- 
handeis (publicationen des börsenvereins der deutschen buch- 
händler) bespricht RAnz. nr. 75 beil. 1. 

Den katalog von O. Harrassowits in Leipzig über linguistik 
bespricht RAnz. nr. 99. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in Leipzig, 
1880 nr. 1 : erste abtheilung. Notizen über künftig erschei- 
nende bücher : Comicorum Atticorum fragmenta edidit Theodorus 
Koch. III voll. gr. 8. geh. — Richardi Bentleii Adversaria 
inedita. Ediderunt Paulus Schroeder et Carolus Zangemeister. 
gr. 8. geh. Der in englischen bibliotheken aufbewahrte hand- 
schriftliche nachlaß Richard Bentley's , namentlich seine hand- 
exemplare im Britischen museum , enthält ein überaus umfang- 
reiches und wichtiges, bis jetzt noch unbenutzt gebliebenes ma- 
terial, besonders emendationen zu einer großen reihe griechischer 
und lateinischer autoren. Auf diese noch zu hebenden schätze 
ist von Karl Zangemeister im Rheinischen museum n. f. XXXIH 
p. 462 ff. hingewiesen worden, und man findet dort einige pro- 



Nr. 5. Bibliographie. 299 

ben, nämlich emendationen zu Nonius und Ammianus Marcellinus 
abgedruckt. -- Die oben bezeichnete Sammlung soll nun das so 
lauge versäumte nachholen. Wenn bei irgend einem , so ist es 
bei dem großen britischen philologen geboten, daß seine entde- 
ckungen vollständig dem gelehrten publikum vorgelegt werden. 

— Es wird dieser band alle bis dahin unedirten adversaria Bent- 
leys enthalten natürlich mit hinweisung auf die jetzt gangbaren 
ausgaben und sonstiger sachgemäßer redaktion. Außerdem soll 
ein Verzeichnis derjenigen werke gegeben werden , in welchen 
bereits früher Bentleiana erschienen sind. Ausnahmsweise, nänv 
lieh in fällen, bei denen es sich um seltene und schwer zugäng- 
liche bücher handelt, wird ein Wiederabdruck der betreffenden 
bemerkungen erfolgen. — In der vorrede wird Zangemeister die 
bei dieser publikation befolgten grundsätze darlegen. — Der 
italische bund unter Roms hegemonie. Staatsrechtliche und sta- 
tistische forschungen von Julius Beloch. Mit zwei karten, gr. 8. geh. 

— Kurzgefaßte lateinische Stilistik. Für den schulgebrauch 
bearbeitet von dr. Bernhard Schmidt, oberlehrer am königl. gym- 
nasium zu Kassel, gr. 8. geh. — Aufgaben zum übersetzen 
ins lateinische im anschluß an die klassenlectüre für oberseeunda 
und unterprima. 1. hft. im anschluß an die reden pro Roscio 
Amerino und pro Archia (für oberseeunda). Von dr. Rosenberg. 

— Aus der Bibliotheca scr. Gr. et Lat. Teubneriana: Archi- 
medis opera omnia ed. J. L. Heiberg. 8. geh. Die vorberei- 
tenden schritte zu einer zeitgemäßen ausgäbe des Archimedes, 
welche von mehreren Seiten als bedürfnis anerkannt worden ist, 
hat der unterzeichnete in seinen Quaestiones Archimedeae (Hau- 
niae 1879) zu machen versucht; namentlich ist daselbst auf die 
Florentiner handschrift (cod. Laurent. 28, 4) als hauptquelle 
oder wohl gar einzige quelle des Archimedischen textes hinge- 
wiesen worden. Von dieser handschrift hat d. u. jetzt an ort 
und stelle eine möglichst genaue kollation angefertigt, welche 
die grundlage der neuen ausgäbe bilden soll. Dieselbe soll 
außer den zweifellos echten Schriften des Archimedes und den 
kommentaren des Eutokios noch die lemmata und das von Les- 
sing herausgegebene epigramm nebst einer fragmentensammlung 
enthalten. Am schluß wird die frage über das Verhältnis der 
handschriften auf grund fortgesetzter Untersuchungen ausführlich 
erörtert werden. Auch ein index verborum soll nicht fehlen. 
Für die innere einrichtung wird die Papposausgabe von Fr. 
Hultsch maßgebend sein, so daß eine neue lateinische Überse- 
tzung , kurze mathematische erläuterungen und ein kritischer 
kommentar, die Varianten des Florentinus und angaben über die 
Urheber der aufgenommenen emendationen enthaltend , beigege- 
ben werden. Der druck wird hoffentlich schon april 1880 be- 
ginnen können. Kopenhagen, im november 1879. Johann Lud- 
wig Heiberg. 



300 Bibliographie. Nr. 5. 

Nr. 2. Sophoclis tragoedie edidit Rudolf us Prinz, gr. 8. geh. 
Diese kritische ausgäbe des Sophokles wird im ganzen dieselbe 
einrichtung haben und nach denselben grundsätzen bearbeitet 
werden, wie die im gleichen verlage erscheinende des Euripides. 
Von handschriften werden der Laurentianus 32, 9 und der Pa- 
risinus 2712 zu gründe gelegt, welche der unterzeichnete unter 
steter berücksichtigung aller angaben der bis jetzt veröffentlich- 
ten, strengen anforderungen nicht genügenden kollationen selbst 
genau verglichen hat. Er hat die Überzeugung gewonnen, daß 
die ansieht, der Laurentianus sei die quelle aller andern hand- 
schriften , verkehrt ist. Wenn die lesarten des Parisinus und 
damit die zahlreichen in ihm enthaltenen Verbesserungen von 
fehlem des Laurentianus, der außerdem an verschiedenen stücken 
von einer (von Dübner bald als manus scholiastae, bald als 
manus antiqua , bald als manus recens , bald als manus recen- 
tissima bezeichneten) band des vierzehnten Jahrhunderts nach 
jener handschriftenklasse, deren bester Vertreter der Parisinus 
ist , durchkorrigiert ist , ordentlich bekannt sein werden , wird 
wohl kein verständiger mehr diesen codex als direkte oder in- 
direkte abschritt aus dem Laurentianus bezeichnen. Außer den 
beiden haupthandschriften hat der unterzeichnete alle irgendwie 
in betracht kommenden handschriften selbst verglichen oder für 
wichtigere stellen eingesehen. Diese wird er aber nur anführen, 
wenn sie bessere lesarten als jene zwei bieten. Ebenso wenig 
wie mit dem ballast von lesarten unbedeutenderer handschriften 
wird die ausgäbe mit einer Sammlung von allen möglichen bis 
jetzt vorgebrachten Vermutungen beschwert werden. Die tragö- 
dien des Sophokles sind in neuerer zeit der tummelplatz einer 
wüsten kritik geworden. Diesem unwesen durch ignorirung der 
hariolationen entgegenzutreten und eine feste handschriftliche 
grundlage zu legen, betrachtet der unterzeichnete als seine haupt- 
aufgabe. Zu den glücklichen, die den Sophokles in jedem drit- 
ten verse emendieren zu können glauben, gehört er nicht. Born, 
im Januar 1880. Rudolf Prinz. — Die tachygrapbischen abkür- 
zungen der griechischen handschriften. Von dr. O. Lohmann. 
Mit 10 tafeln in lichtdruck. — Pindars siegesgesänge , erklärt 
von Fr. Mezger. — Beiträge zur kritik und erklärung des Plau- 
tus. Von P. Langen. — S. Julius Africanus und die byzantinische 
Chronographie, von H. Geizer. 

Ausgegeben sind : mittheilungen von F. A. Brockhaus in 
Leipzig, nr. 1, den neuesten verlag enthaltend-, empfehlenswerthe 
werke aus dem verlag von S. Calvary u. co. in Berlin; von R. 
Gärtner in Berlin, darin Herder's biographie von R. Haym ; ver- 
lag von F. C. W. Vogel in Leipzig. 

Ferner Prospecte: von Aventicum Helveticum von H. 
Hagen bei K. T. Wyß in Bern; Egli, etymologisch- geographi- 
sches lexicon, bei Fr. Brandstetter in Leipzig; Vietor, Zeitschrift 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 301 

für Orthographie bei W. Werther in Rostock; R. Kiepert, illu- 
strirte Zeitschrift für länder- und Völkerkunde bei Fr. Vieweg in 
Braunschweig-, O. v. Leixner, unser Jahrhundert, bei J. Engelhorn 
in Stuttgart; Emil Naumann, illustrirte musik-geschichte, bei W. 
Spemann in Stuttgart ; A. Reißmann , illustrirte geschichte der 
deutschen musik, bei Fuchs verlag in Leipzig; Raphael - werk, 
sämmtliche lehrbilder und fresken des meisters , bei A Gutbier 
in Dresden ; Supplement zu Meyers konversations - lexicon , bei 
A. Bolms in Berlin ; Meyers reisebücher, bei dem bibliographischen 
institut in Leipzig. 

Kataloge von antiquaren (wo über den inhalt nichts bemerkt 
ist, beziehen sich die kataloge auf classische philologie und al- 
terthumskunde) : Broclchausen und Bräuer in Wien, verzeichniß 
des antiquarischen bücherlagers nr. 3 ; S. Calvary u. co. in Berlin, 
katal. CI; bücher-anzeiger nr. IV aus R. Damköhlers antiquariat 
in Berlin; verzeichniß nr. 26 des antiquarischen bücherlagers 
der Dieterich' sehen sortiments-buchhandlung in Göttingen ; Philo- 
logischer lagerkatalog nr. XCIII von J. J. Heckenbauer in Tü- 
bingen, sehr reichhaltig, auf dem titel eine ansieht von Tübingen ; 
antiquarischer katalog nr. 38 von H. Kerler in Ulm ; katalog 
des antiquarischen bücherlagers nr. VI von Paul Lehmann in 
Berlin ; verzeichniß von werken aus den gebieten der klassischen 
philologie , der archäologie , der epigraphik und der geschichte 
aus dem nachlasse des herrn hofrat professor dr. H. R. Stark in 
Heidelberg , welche . . . bei List und Francke in Leipzig zu be- 
ziehen sind, nr. 142; bücherverzeichniß nr. 53 von Mayer und 
Müller in Berlin; katalog nr. 46 von H. L. Frager in Berlin, 
kirchengeschichte und kirchenrecht ; Oskar Richter in Leipzig, 
bücherverzeichniß nr. 48, nr. 50 philologie und literatur der 
europäischen sprachen; katalog nr. 165 des antiquarischen bü- 
cherlagers von B. Selögsberg in Bayreuth ; antiquariats - katalog 
nr. 55 von Simmel u. co. in Leipzig; J. A. Stargard , antiqua- 
risches bücherverzeichniß nr. 127 ; katalog nr. 34 A. Stübers 
antiquariat in Würzburg; verzeichniß nr. 75 des antiquarischen 
bücherlagers von H. Th. Völcker in Frankfurt a. M. 



Kleine philologische zeitung. 

längen, 23. jan. Die Stadt Lingen feierte heute das 200 
jährige Jubiläum ihres gymnasiums. 

Berlin, 23 feb. Der interessante Vortrag, den prof. A. 
Conze in der academie der Wissenschaften am 29. januar über 
die pergamenischen alterthümer gehalten, ist gedruckt bei Dümm- 
ler erschienen. 

Ausgrabungen in Olympia (s. ob. hft. 3, p. 200) 
nr. XXXIX aus RAnzeig. nr. 15 beil. 1 : Auch diesmal können 
wir unseren bericht mit der nachricht von einem fände begin- 

Philol. Anz. X. 21 



302 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

nen , der , so klein er ist , dennoch wegen der hoffnungen , die 
sich an ihn knüpfen, von allen freunden der olympischen aus- 
grabungen freudig begrüßt werden wird. Der rechte fuß 
des praxitelischen Hermes ist am 23. dezember ausge- 
graben worden. Er fand sich bei der umhackung der erde 
zwischen der cellawand und den südsäulen des Heraions. Hier 
scheint er liegen geblieben zu sein, als man die unterbeine der 
statue und die obersteine ihrer basis verschleppte, und wurde 
dann in den boden des tempelumganges eingetreten , denn er 
lug nur 25 cm unter dem Stylobat. Es darf als ein glücklicher 
zufall bezeichnet werden, daß, nach den fundorten von Hermes- 
fuß und Dionysosrumpf zu urtheilen, die fehlenden theile un- 
serer gruppe nach süden , resp. Südwesten verschleppt worden 
sind, denn nun haben wir gegründete hoffhung, dieselben viel- 
leicht in den noch auszugrabenden terrains südwestlich vom 
Heraion wieder aufzufinden. — Der fuß ist übrigens nicht nur 
als willkommene ergänzung des schönsten aller olympischen 
funde werthvoll, sondern auch an sich ein wahres juwel an aus- 
führung und erhaltung. An dem zierlichen riemenwerk der 
sandale, das uns ein beweis dafür ist, mit welcher liebe die band 
des künstlers selbst bei diesen nebensachen weilte , sind sogar 
noch die rothe färbe und leichte spuren der Vergoldung erhalten, 
welcher jene zum Untergründe diente. Auch bronze, und wohl 
vergoldete bronze , scheint , nach einem erhaltenen stift auf dem 
spann des fußes zu urtheilen, zur Verzierung des Schuhwerkes 
verwandt gewesen zu sein. Die edlen formen des fußes sind 
mit einem raffinement vollendet, das nicht weiter getrieben wer- 
den kann. Man glaubt förmlich , die weiße haut zwischen dem 
rauhschraffirten feinen riemenwerke hervorleuchten, die muskeln 
des vollaufgesetzten fußes unter demselben aufquellen zu sehen. 
— Mit flügeln scheinen die sandalen nicht versehen gewesen zu 
sein; es läßt sich hierüber mit ziemlicher Sicherheit urtheilen, 
da der fuß erst über dem knöchel gebrochen ist. Seine länge 
beträgt 33 cm. Es haftet an demselben auch noch ein theil 
der plinthe , deren rohbehauener rand völlig in einer austiefung 
der bekrönungsplatte der basis verschwand. Letztere besitzen 
wir jetzt ebenfalls, nachdem dieselbe von den architekten aus 
mehreren kleinen bruchstücken , die in der Heraioncella umher- 
lagen , wieder zusammengesetzt worden ist. — Einen anderen 
guten fund haben wir im süden der zanes gemacht, wo jetzt 
die stehengebliebenen erdmassen abgeräumt werden: den pan- 
zertorso eines römischen kaisers. Die brüst desselben 
ziert die darstellung eines von zwei Siegesgöttinnen geschmückten 
tropaions , an dessen fuß ein gefesselter gefangener kauert. 
Neben dem rechten beine der statue, deren untere extremitäten 
sich mit hülfe früherer funde vollständig wieder herstellen lie- 
ßen, kniet eine kleine weibliche gestalt in barbarischem kostüm, 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 303 

die hände auf dem rücken gefesselt, offenbar die repräsentantin 
einer unterjochten Völkerschaft (Ausgrabungen III, taf. 18,2, 3). 
Da dies letztere stück Tor zwei jähren in der cella des Metroons 
gefunden wurde , so können wir mit Sicherheit schließen , daß 
die ganze statue von dort stammt. Die vortrefflichkeit ihrer 
arbeit stimmt mit dieser annähme vollständig überein-, denn sie 
giebt den ursprünglich ebenfalls dort aufgestellten statuen des 
Claudius und Titus (Ausgrabungen IV, tafel 19, 2, 3) wenig 
nach. — Nach besprechung dieser einzelfunde im herzen der 
Altis wenden wir uns zu den im osten und westen des Zeus- 
tempels unternommenen größeren arbeiten und deren resultaten. 
— Unser voriger bericht hat die ersten wichtigen statuenfunde 
aufgezählt, welche im äußersten osten des olympischen gebietes, 
auf dem westwalle des sta d ion s gemacht wurden. Seitdem 
haben unsere grabungen den kämm des walles dicht unter der 
jetzigen erdoberfläche längst überall erstiegen, und eine reich- 
liche nachernte von fragmenten der tempelskulpturen (darunter 
die unterbeine des sinnenden greises vom ostgiebel, die plinthe 
des Zeus etc.) und zahlreiche statuentheile aus römischer zeit 
sind uns zugefallen. Jetzt sind wir damit beschäftigt, die erde 
des walles selbst zu durchsuchen , da uns derselbe an anderen 
stellen bereits im vorigen jähre werthvolle terracotten und bron- 
zen geliefert hat , welche wohl bei gelegenheit einer auf höhung 
desselben dorthin gerathen sind (Zeuskopf, Argiverschilde). 
Gleich südlich vom gewölbten Stadioneingange lasen wir ein 
12 cm hohes fragment aus terracotta auf: die untere hälfte ei- 
nes rothen Silensgesichtes mit schwarzem harte und fröh- 
lich grinsendem munde, in dem die weißen zahnreihen sichtbar 
werden. Eine weißgemalte , also weibliche , kleine hand zaust 
ihm um den nacken herum am barte. Offenbar gehörte das 
fragment zu einer jener gruppen frauenraubender Silene , von 
deren einer wir bereits im vorigen jähre ein untertheil gefunden. 
(Ausgr. z. Ol. IV, 27a, 1.) — Tiefer in der erde des walles 
bronzen: thierfiguren , dreifüße, auf deren ringhenkeln vögel 
sitzen, wie auf den griffen am becher des Nestor. Endlich ein 
fragment von dem kreisförmigen rande eines bauchigen gefäßes 
von gewaltigen dimensionen, auf dem sich die reste einer weih- 
inschrift der Spartiaten erhalten haben. Ihr weihgeschenk scheint 
also bereits in antiker zeit mit dem übrigen auf den kehricht- 
haufen gewandert zu sein. — Ein nach Südosten gezogener 
graben hat leider lediglich das resultat ergeben, daß dieser theil 
des olympischen gebietes vom Alpheios weggeschwemmt wor- 
den ist , der statt dessen hier große sandmassen aufgehäuft 
hat. Ich kann mich also ohne weiteres den ausgedehnten ar- 
beiten im westen zuwenden, welche der hauptaufgabe dieses 
winters gelten , der aufsuchung der noch fehlenden theile des 
westgiebels und der westmetopen. — Um dieser aufgäbe in vol- 

21* 



304 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

lern maße genügen zu können, ist in drei richtungen vorgegan- 
gen worden : nach nordwesten (palästra und gymnasiongraben), 
nach westen (nord und west der byzantinischen kirche) und 
nach Südwesten (südwestgraben). — Das gebiet im norden 
der byzantinischen kirche hatte seine marmorfunde be- 
reits in den letzten monaten des vorigen arbeits Jahres hergege- 
ben. Hier galt es vorerst, die letzten reste späterer überbauten 
zu beseitigen und den antiken boden völlig frei zu legen. In- 
nerhalb der mannigfachen antiken anlagen , die hier zu tage 
traten , machten wir einen ganz eigenartigen fund , einen vier- 
eckigen, stuckirten und bemalten aschenaltar. Er stand in- 
nerhalb eines kreisrunden gemaches, mit der rückwand an die 
nordseite desselben gelehnt. Die aschenerde, aus der das ganze 
innere des altars besteht, war zuerst mit einer rohen kalkschicht 
und dann mit einer ganzen menge von stucklagen — wir zählen 
deren über zwanzig — successive umgeben worden. Auf meh- 
reren derselben ließen sich maiereien unterscheiden; am besten 
erhalten ist auf der rechten seite ein grüner oelzweig mit brau- 
nen Stengeln auf weißem gründe. Die kanten sind roh abge- 
schrägt. H. 40 cm, br. 60, tiefe 40. Auf und in demselben 
fanden sich zahlreiche kohlen- und thierknochen-reste. — In der 
Palästra ist jetzt der ganze südliche theil dieses gebäudes 
freigelegt. Die späten mauern, welche ihn durchziehen, haben 
auch hier giebel- und metopenfragmente geliefert. Unter den 
ersteren namentlich die unterbeine der weiblichen ortsgottheit 
aus der linken ecke des westgiebels und, zu unserer nicht ge- 
ringen Verwunderung, auch ein großes stück von den hinter- 
beinen der reliefpferde aus der nördlichen hälfte des ostgiebels. 
Es ist dieses das erste ostgiebelfragment, das wir in den westen 
verschleppt gefunden haben. Unter den metopenfunden ist be- 
sonders der köpf des kretischen Stiers hervorzuheben, der sich 
dem bruche des halses in der pariser metopenplatte genau an- 
fügt Der römischen epoche scheint die lebensgroße statue ei- 
nes nackten , ruhig dastehenden mannes anzugehören , deren 
bruchstücke wir hier überall zerstreut gefunden haben. Sie sind 
leicht an einem blendend weißen, überaus feinkörnigen marmor 
kenntlich, dessen sorgfältig polirte Oberfläche einigermaßen an 
die weise hadrianischer zeit erinnert. — Jetzt sind die trüm- 
mermauern, aus denen wir diese skulpturreste hervorgezogen ha- 
ben, überall gefallen und wir graben in tieferen schichten zwi- 
schen den umgestürzten schaffen des säulenhofes , welche von 
einer dicken sandschicht umhüllt neben ihren basen und kapi- 
tellen noch so daliegen , wie sie ein erdbeben hingeworfen. — 
Hand in band mit dieser freilegung der palästra gingen auf- 
räumungen vor der ostwand derselben und im süden des pry- 
taneions, durchsuchungen von späten mauern und tiefgrabungen. 
Die ersteren ergaben vor allem ein besonders werthvolles stück, 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 305 

das vordertheil eines nach links schreitenden , lebhaft bemalten 
reliefpferdes aus kalkstein. Doppelt werthvoll, -weil es 
zu jener serie von früher gefundenen kalksteinreliefs gehört, die 
wir jetzt mit der größten Wahrscheinlichkeit den götter- und Gi- 
gantenkämpfen im giebel des Megareer - schatzhauses zuweisen 
können. Daneben fanden sich die fragmente eines räthselhaften 
großen geräthes aus gebranntem und bemaltem thon. Das ganze 
sieht einer gefäßmündung von bedeutenden dimensionen (höhe 
ca. 70 cm) am ähnlichsten, kann aber einem gefäß schon des- 
wegen nicht angehört haben , weil es nach unten offen ist und 
die runde mittelöffnung bei einem durchmesser des ganzen mün- 
dungstellers von ca. 1,80 m nur etwa 10 cm beträgt. Viel- 
leicht ist an einen opfertisch oder dergleichen zu denken; jeden- 
falls haben wir etwas ganz eigenartiges und neues vor uns. 
Die tieferen schichten ergaben wie gewöhnlich bronzen, darunter 
einen großen kessel und ein alterthümliches inschriftplättchen, 
das, wie es scheint, einen Staatsvertrag mit den Messapiern ent- 
hält. — Ein noch weiter nach nordwesten durch die terra 
incognita des großen olympischen gymnasiums gezogener graben 
ist erst in die gegend der hochgelegenen späten trümmermauern 
hinabgestiegen, so daß nur von vorläufigen funden in demselben 
die rede sein kann. Der bedeutendste darunter ist das obertheil 
eines sehr schön gearbeiteten weiblichen porträtkopfes 
der römischen epoche. — Wie hier den nordwesten, so haben 
wir schon im vorigen jähre den ganzen Südwesten des olym- 
pischen gebietes mit einem mächtigen gegen 7 m tiefen graben 
durchschnitten. Von den großen architektonischen Überraschun- 
gen , die er uns gebracht , wird anderswo die rede sein. Auf 
die frage nach den fehlenden giebeltheilen lautete seine antwort 
lediglich negativ. Archäologische funde hat derselbe überhaupt 
fast nur in seinem nordostende gebracht , wo die reste von erz- 
statuen aus römischer zeit umherlagen , und dicht am südwest- 
lichen Altisthor, wo wir einen schönerhaltenen bronzediskus 
von 34 cm im durchmesser auflasen. Er trug die weihinschrift 
eines korinthischen fünfkämpfers aus der 255. olympiade (245 
n. Chr.). — An inschriften aus allen theilen der Altis hat es 
üherhaupt nicht gefehlt. Ich erwähne hier nur die des Mäna- 
liers Damoxenidas mit der künstlerinschrift des Nikodamos (Paus. 
6, 6, 3) und die des Aristion mit der des jüngeren Polyklet 

(Paus. 6, 13, 6). Olympia, den 1. januar. Georg Treu. 

Dazu nr. XL aus EAnz. nr. 49 , beil. 1 : Den ersten monaten 
der V. arbeitsperiode verdanken wir in architektonischer und 
topographischer beziehung eine große menge werthvoller resul- 
tate: wichtige bauwerke, wie das große gymnasion, sind neu 
entdeckt und theilweise bereits ausgegraben worden; andere 
schon bekannte gebäude, wie Heraion, Metroon, schatzhaus der 
Megarer und Echohalle haben wichtige ergänzungen erfahren. — 



306 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

Galt die vierte ausgrabungsperiode besonders dem osten und 
Südosten Olympias, wobei die Echohalle, das Leonidaion, das 
römische festthor, das buleuterion und die südhalle gefunden 
wurden, so wurde die laufende campagne der freilegung des 
ganzen westlichen theiles von Olympia bestimmt. — Schon jetzt 
haben wir auf dieser seite eine stattliche reihe wichtiger bauten 
ausgegraben , welche fast den ganzen räum zwischen der Altis 
und dem Kladeos einnehmen. Sie liegen außerhalb des heiligen 
bezirkes an einer breiten Straße, welche neben der westlichen 
Altismauer herläuft und von der zwei thore das betreten der 
Altis gestatteten. Das nördlichste dieser gebäude ist die schon vor 
zwei jahren aufgefundene palästra ; weiter südlich folgt ein gebäude- 
komplex , der sich um den antiken unterbau der byzantinischen 
kirche — höchst wahrscheinlich die Werkstatt des Phidias — 
gruppirt; den südlichen abschluß bildet das große gymnasion. — 
Am Schlüsse der letzten campagne waren wir westlich vom Al- 
tiswestthore auf eine ionische Säulenhalle gestoßen, deren aus- 
dehnung nicht mehr festgestellt werden konnte. Die diesjährigen 
grabungen haben nun ergeben , daß dieselbe zur äußeren halle 
einer sehr stattlichen, aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammen- 
den bauanlage gehört, die schwerlich etwas anderes sein kann, 
als das große gymnasium von Olympia. Obgleich erst ein klei- 
ner theil des gebäudes freigelegt werden konnte, sind wir doch 
über seine ausdehnung und im allgemeinen auch über seine 
grundrißbildung unterrichtet: einen inneren quadratischen hof 
von ca. 30 m breite umgiebt eine dorische Säulenhalle , an die 
sich auf allen Seiten eine doppelte reihe von größeren und klei- 
neren räumen anschließt. Rings um das ganze legt sich eine 
nach außen geöffnete ionische Säulenhalle, welche der großen 
anläge ein prächtiges aussehen verlieh. — Die dorischen säulen 
des hofes, schon mit fast geradlinigen echinen, haben sehr weite 
abstände , so daß auf jede axe drei triglyphen kommen. Von 
diesen sind zahlreiche exemplare vorhanden. Die dorischen 
geisa, welche noch schöne farbenspuren zeigen , waren mit sehr 
edel gezeichneten akroterien aus terrakotta bekrönt. — Die äu- 
ßere, den oblongbau umkreisende halle war abgewickelt über 
300 m lang und besaß 138 ionische säulen. Ihr architrav ist 
aus zwei fascien gebildet und trägt unmittelbar das geison, wel- 
ches mit einer prächtigen rankensima aus thon geschmückt war. 
— Außer diesen dorischen und ionischen Stützenstellungen ent- 
hielt der bau im innern höchst interessante korinthische säulen 
mit bemalt gewesenen kelchkapitellen , deren glatte fassung an 
ägyptische kapitelle erinnert. — Das gebäude ist verhältnißmäßig 
gut erhalten : die unteren theile der wände und die basen der 
sämmtlichen ionischen säulen stehen noch an ihrer alten stelle ; 
dagegen sind die Säulentrommeln, die kapitelle und die gebälke 
in byzantinischer zeit abgebrochen und zum bau der großen 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 307 

festungsmauer verwendet worden. Diese Verpflanzung hat die 
einzelnen bauglieder , zum theil mit ihrem farbenschmucke , vor 
weiterer Zerstörung bewahrt. — Daß diese stattliche und groß- 
artige bauanlage, deren grundfläche annähernd ein quadrat von 
80 m seitenlange bildet, eines der bedeutendsten gebäude von 
Olympia gewesen sein muß, ist zweifellos. Da ferner der grund- 
riß, soweit wir ihn kennen, mit der Vitruvschen beschreibung 
eines griechischen gymnasion übereinstimmt, so glauben wir zu 
der annähme berechtigt zu sein, in dem genannten bau das von 
Pausanias mehrmals erwähnte größere gymnasion gefunden zu 
haben. Allerdings haben die meisten topographen, den angaben 
jenes Schriftstellers folgend, das gymnasion weiter nach norden 
verlegt, doch ist einerseits in dieser gegend Olympias bis jetzt 
keine spur eines größeren griechischen gebäudes aufgetaucht, 
und andrerseits lassen sich jene angaben ohne besonderen zwang 
mit der läge des neu gefundenen gebäudes vereinigen. — Ein 
zweites neues gebäude ist im norden der byzantinischen kirche 
aufgedeckt worden. Es besteht aus einem quadratischen säulen- 
hofe von 8 dorischen säulen an jeder seite, um den sich eine 
reihe einzelner zimmer gruppirt. In der axe des hofes liegt 
westlich ein kleinerer peristyl, dessen seiten von je zwei anten 
und zwei säulen gebildet werden ; einige säulenstümpfe stehen 
noch aufrecht , und zwischen ihnen haben sich schranken aus 
porös erhalten. Der peristyl umschließt einen runden mit poros- 
quadern ausgemauerten brunnen, der jetzt nach erfolgter reini- 
gung — er war mit dem verschiedenartigsten baumaterial, mit 
ziegelstücken und marmorfragmenten angefüllt — wieder reines 
wasser liefert. — Westlich von jenem brunnenhofe trat sodann 
ein merkwürdiger rundbau an das tageslicht. Hochkantig ge- 
stellte porosquadern bilden einen kreis von 8 m durchmesser, 
der von einer zweiten quadratischen quadermauer umgeben ist, 
so daß der bau im innern rund , im äußeren aber viereckig er- 
scheint. In diesem rundbau fanden wir den trefflich erhaltenen, 
noch mit asche bedeckten altar , welcher im vorigen berichte 
erwähnt ist. — Von der nördlich belegenen palästra kannten 
wir bisher nur den nordöstlichen quadranten und die umfassungs- 
wände ; nach freilegung der ganzen südlichen hälfte während 
der monate november und dezember ist die grundrißdisposition 
vollständig gesichert. Die mitte füllt ein großer hof, der Vi- 
truvs beschreibung entsprechend, an der südseite mit einer dop- 
pelten , an den drei übrigen seiten mit einfachen Säulenhallen 
umgeben ist. An diese Umgänge schließen sich mehrere große 
säle und einzelne kleinere zimmer an, deren bestimmung sich 
zwar nicht überall, aber doch in mehreren fällen noch gut nach- 
weisen läßt. Außer einem räume , der , weil er ein bassin ent- 
hält , gewiß als badezimmer gedient hat , finden wir namentlich 
viele säle , in welchen schön profilirte sitzbänke aus porös an 



308 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

den wänden angebracht sind; wir dürfen in ihnen ohne zweifei 
hörsäle für vortrage erkennen. In mehreren dieser exedren, die sich 
nach dem peristyle hin mit ionischen Stützenstellungen öffnen, 
sind basen für statuen noch in situ aufgefunden worden. — 
Neben diesen umfangreichen anlagen haben uns die bisherigen 
grabungen werthvolle ergänzungen zu mehreren schon früher 
gefundenen bauten geliefert. — In der cella des Heraions stan- 
den in römischer zeit zwei reihen dorischer säulen , welche den 
innenraum in drei langschiffe theilten. Die ursprüngliche ein- 
richtung war anders. In ähnlicher weise , wie es der Apollo- 
tempel bei Phigalia zeigt, waren an den längswänden der cella 
weit vorspringende wandpfeiler vorhanden, welche vorne in an- 
tenform beendigt waren. Dadurch entstand an jeder seite der 
cella eine reihe kapellenartiger, zur aufstellung von weihge- 
schenken vorzüglich geeigneter nischen. Besonders bemerkens- 
werth ist dabei, daß diese kurzen querwände mit den äußeren 
tempelsäulen axial stehen und zwar so, daß die kapellen stets 
eine doppelte äußere axenbreite besitzen. Diese genaue Über- 
einstimmung des inneren und äußeren Systems kann unmöglich 
erst bei einem späteren umbau entstanden sein, sondern war 
schon in dem ursprünglichen plane des tempels vorgesehen. 
Daher ist die auffallend weite axenstellung der pteronsäulen 
(fast drei untere durchmesser) als von dem ältesten bau herrüh- 
rend, gesichert. Zieht man hierzu die früher erwähnten eigen- 
thümlichkeiten des Heraions (die Verschiedenheit der säulen 
und der kapitelle, sowie das gänzliche fehlen der gebälkstücke) 
in betracht und erwägt man, daß die 6 ^m breiten kapellen der 
cella unmöglich mit steinarchitraven überdeckt worden sein 
können, so kann man sich der ansieht nicht verschließen, daß 
das Heraion in seiner jetzigen gestalt noch der ursprüngliche 
bau ist, dessen gebälk und äußere säulen aus holz hergestellt 
waren. Die letzteren sind im laufe der Jahrhunderte allmählich 
durch die verschiedenartigsten dorischen steinsäulen ersetzt wor- 
den, und nur eine säule im opisthodom, welche den zerstörenden 
einflüssen der Witterung am wenigsten ausgesetzt war, bestand 
noch zu Pausanias zeit aus holz. Das alte hölzerne gebälk der 
außenfacaden, welches durch das weit überhängende gaison und 
durch einen farbenüberzug geschützt war, ist höchst wahrschein- 
lich bis zur gänzlichen Zerstörung des tempels (im jähre 395 
oder 426 n. Chr.) erhalten geblieben. Wie außerordentlich wich- 
tig diese am Heraion gewonnenen erkenntnisse für die ent- 
wickelungsgeschichte des dorischen baustiles sind, liegt auf der 
hand und bedarf keiner weiteren darlegung. — Von geringerer 
Wichtigkeit , aber doch nicht ohne interesse , ist die auffindung 
korinthischer säulen, welche in der cella des Metroons gestanden 
haben. Da dieser tempel wahrscheinlich aus dem 4. Jahrhun- 
dert v. Chr. stammt , dürfen dieselben den bisher bekannt ge- 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 309 

•wordenen korinthischen stützen angereiht werden. In römischer 
zeit, bei der großen restauration des Metroons , wurden die ka- 
pitelle leider durch theilweises abschlagen der blätter und durch 
eine rohe überputzung in dorische verwandelt , so daß ihre ur- 
sprüngliche fassung schwer erkennbar ist. — Werthvolle er- 
gänzungen sind dem schatzhause der Megarer , dessen bausteine 
in die byzantinische mauer verbaut waren , zu theil geworden. 
Die beiden säulen des im schema eines anten-tempels erbauten 
schatzhauses, die architravbalken, von denen der mittlere die auf- 
schrift Mey<toS63i> enthält, die triglyphen und metopen , die roth 
und blau bemalten geisa , die giebelblöcke , sowie die schönen 
thonsimen sind fast vollständig gefunden worden. Da der bau 
aus sehr früher zeit stammt, und da sein giebel mit den in der 
vorigen campagne gefundenen reliefs, einen Gigantenkampf darstel- 
lend, geschmückt war, so wird er unter den wenigen altdorischen 
bauten Griechenlands fortan eine sehr bevorzugte Stellung einnehmen. 
— In dem berichte XXVIII. war gesagt worden, daß die Echohalle 
wegen der vielen in ihrer nähe gefundenen ionischen bauglieder 
wahrscheinlich ionischen Stiles gewesen sei. Eine genaue Untersu- 
chung des in gewaltigen massen vorhandenen verschiedenartigsten 
baumateriales hat aber ergeben, daß die dorischen säulen, ar- 
chitrave, triglyphen und geisa, welche den hauptbestandtheil 
der östlichen byzantinischen festungsmauer bilden, der echohalle 
angehört haben. Jene frühere angäbe muß hiernach berichtigt 
werden. Der bau war ursprünglich einschiffig gestaltet ; mäch- 
tige holzbalken, deren auflager an der innenseite der triglyphen 
noch erhalten sind, überdeckten den 10 m tiefen räum. Erst 
in der späteren römischen zeit ist bei einer nothwendigen re- 
stauration und zur Verminderung der Spannweite eine mittlere 
Stützenstellung nachträglich hergestellt worden. Olympia, den 
1. februar 1880. Wilhelm Dörpfeld. 

Von dem prachtwerk: „unser Vaterland" ist heft 47 er- 
schienen. 

Den unter dem titel „Völkerpsychologie" von O. Harrasso- 
vritz in Leipzig herausgegebenen bücher-katalog nr. 60 bespricht 
RAnz. nr. 50. 

Nach der Vossischen zeitung waren 1811 in Berlin 3892 
Juden, 1875 aber 45,464, die jüdische bevölkerung hat sich um 
das vierzehnfache, die übrige bevölkerung um das sechsfache 
nur vermehrt. Es muß doch eine ganz eigenthümliche kraft in 
diesem geschlecht liegen. 

London, 6. januar. Der ulema Achmed Tewsik wegen bi- 
belübersetzung zum tode verurtheilt wird von England so in 
schütz genommen, daß der sultan ihn freilassen mußte. 

Göttingen, 17. febr. Die trennung der schule von der kirche 
wird von den ultramontanen wie von den conservativen immer 
noch bekämpft, wie der jüngste fastenbrief des bischofs von 



310 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

Mecheln wieder zeigt: nicht nur in Belgien und bei uns, auch 
in Italien und Oesterreich , in Frankreich, auch in Australien 
ist der kämpf lebendig. Eigentümlich ist auch, wie Preußen- 
feinde bei uns den kämpf benutzen: sie behaupten du r c2i diese 
trennung sei der kirchengesang viel schlechter geworden. Merk- 
würdig, was die leidenschaft der partei alles erfindet ! denn esw * r ^ 
doch in der Volksschule wie in gymnasien auf den g esan gunter- 
richt viel mehr Sorgfalt jetzt verwandt, als früher! 

Wir hoffen mit folgender mittheilung unse r n lesern eine 
freude zu machen: in glänzendem druck und schönem format 
in 4. liegt vor uns: Magnae scholae | Civitatis Rostochiensis | 
cum ei | tria saecula, cal. Febr anno MDCCCLXXX feliciter 
peracta | sacris scholasticis Rostochii privatim institutis | scho- 
lae cathedralis Gustroviensis nomine | publice gratulari vetiti 
sint | memoriam | pie recolunt | C. G. H. Raspe | Phil. Dr. Schol. 
Gustr. Rector Ord. Venet. Eques | TJieodorus FritzscTie | Ph. Dr. 
Super, ord. magister | Rostochiensis disciplinae olim alumni | 
(Inest Th. Fritzschii epistula ad collegas Rostochienses) : aus die- 
ser vortrefflich geschriebenen epistula theilen wir den anfang mit : 
En vos, collegae, celeri pede limina classis 
Quid petitis? volo vos, properum modo sistite gressum! 
Namque meas hodie nova res accessit ad aures , 
Insperata moram quae non sinit esse secundis 
Consiliis! Quid enim ! Semper studiosa novarum 
Rerum Rostochium! Numerat tria saecla Calendis 
Mense Numae festis Schola Publica, quae fuit olim 
„Magna" vocata suae non infima civibus urbis 
Cura eademque decus! Jam nos sincera decebit 
Gaudia testari, doctumque ornare laborem 
Laude sua, facere et meritae praeconia famae". 
Raspius haec, et ad haec uno omnes ore sonamus: 
„„Mira refers — has ipse vides prope abesse Calendas — 
Mature facto est opus — ut melius fuit illam 
Praescivisse diem, quam quis neget esse colendam?"" 
Mox ubi compositae mentes, aetate secundo 
Consiliisque cui partes geometra priores 
Pythagoras tribuit miscens quadrata rotundis, 
Tu , Vermehren, ais : „„Quamquam privata videntur 
Festa parare sibi collegae Rostochienses, 
Nostris ne careant votis! Etenim memini cum 
Nostra palaestra suae vidit tria saecula vitae, 
Holstenium bona de Galatis et docta ferentem 
Scripta, Palatinae qui nunc decus , at fuit olim 
Rostochii : pariter referenda est gratia"". „Pulchre 
Hocce mones, sed quis nostrum, precor , exiguo nunc 
Tempore digna queat scriptis persolvere dignis? 
Non equidem — vestrum num quis?" Sic Raspius. Illum 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 311 

Excipiens Foersterus, et ipse mathematicorum 
Saepe genus vetitum studio sectatus, at idem 
Ut neque Graiorum divinas oderit artes 
Nee quas Roma colit: ,„,Date carmina, condite versus 
Vos quorum versus opus unum est condere — Musas 
Vos semper tumidi iaetatis, at hie Rbodus, hie vos 
Nunc saltare decet, vetuit nos crassa Minerva!"" 
Ingens subsequitur plausus sie verba iocantis, 
Ac veluti Dores exsultavere, Sinonis 
Sanguiue cum reditus quaerendos dixit Apollo, 
Sic collegarum doctus chorus: „,,Hic bene dixit, 
Hicce tulit punctum , videant nunc grammatici quid 
Expediant"" laetas effundunt pectore voces. 

Sic mihi , collegae venerandi Rostochienses , 
Contigit, ut possem sollemnia solvere vota 
Haut sane invito : quid enim , qui „Rostochiensi 
Baptizatus aqua" iacto patriam memor urbem, 
Praetulerim meritae quam particulam dare laudis 
„Septenis numeris?" Hac in re scilicet una 
Das muß hier genügen : jede zeile läßt das gründliche Studium 
der besten lateinischen dichter erkennen. 

Berlin, 18. febr. Attentat in Petersburg am 17. d. m. ge- 
gen den kaiser und die kaiserliche familie durch eine im win- 
terpalais angelegte mine. 

„Beiträge zur geschichte der früheren Univer- 
sität Duisburg". Verlag von F. H. Nieten in Duisburg. — 
Nicht blos dem freunde der lokalgeschichte, auch dem aufmerk- 
samen beobachter des geistes- und kulturlebens früherer epochen 
bietet das vorstehend angeführte werkehen Stoff zur belebung 
und anregung; auf das leben und die zustände an den deut- 
schen Universitäten während des 17. und 18. Jahrhunderts wirft 
die nach den Universitätsakten verfaßte geschichte der ehemali- 
gen Duisburger hochschule ein interessantes Schlaglicht. Be- 
kanntlich wurde die Universität zu Duisburg, welche bereits von 
früheren deutschen kaisern in aussieht genommen worden war, 
aber erst von dem großen kurfürsten, dem eigentlichen schöpfer 
des preußischen Staatswesens , ins leben gerufen worden ist , im 
anfange unseres Jahrhunderts aufgehoben , um der zu Bonn er- 
richteten Friedrich-Wilhelms-universität platz zu machen. Die 
akten der Duisburger hochschule, welche noch eine zeit lang an 
dem früheren sitze der Universität verblieben, wurden später der 
Universität zu Bonn übergeben, in deren archiven sie gegenwär- 
tig aufbewahrt werden. Auf grund dieser akten hat der Ver- 
fasser der „geschichte der Stadt Bonn während der franzosen- 
zeit" (Lempertz in Bonn) , hr. Werner Hesse in Bonn , die vor- 
liegenden beitrage bearbeitet ; der autor hat es verstanden, seiner 
arbeit unbeschadet der Sachlichkeit des inhalts eine gefällige 



312 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

und anmuthige form zu verleihen. Der preis des buches be- 
trägt 1,20 mk. 

Berlin, 25. febr. Eine professoren wet te. Das hie- 
sige Tgbl. erzählt : Lange freilich ist's her , daß unsere ge- 
schichte sich zugetragen. Alle , welche an dem lustigen stück- 
lein theil genommen hatten, haben den weg in jenes land an- 
getreten, von dannen kein wandersmann wiederkehrt. Den letz- 
ten aus der zahl derer, die mit von der sonderbaren wettpartie 
gewesen, haben sie noch vor wenig tagen zur kühlen ruhestätte 
begleitet — es war der liebenswürdige , geistreiche und grund- 
gelehrte professor August B e n a r y. Mit der wette jedoch hatte 
es folgende bewandtniß gehabt. An einem heiteren januartage 
saßen einige unserer Universitätsprofessoren im Sprechzimmer und 
plauderten harmlos über die dinge , welche eben passirt waren. 
Plötzlich greift einer der herren nach der vor ihm liegenden 
Vossischen zeitung; er wirft einen flüchtigen blick auf die erste 
seite der tante Voß und stellt an den wegen seines fabelhaften 
gedächtnisses vielbeneideten professor B o e c k h die verhängniß- 
volle frage, ob er sich wohl getraue, bis zum andern tage die 
erste seite der Vossischen auswendig zu lernen. Der so ange- 
redete stutzt ein wenig, endlich erklärte er sich bereit die ge- 
dächtnißprobe anzustellen. Freilich wurde dem alten Boeckh 
die sache noch verfänglicher, als er den inhalt dieser druckseite 
erfahren hatte. Sie enthielt nämlich nichts anderes, als die am 
ordensfeste verliehenen auszeichnungen ! Allein Boeckh war der 
mann der blassen furcht nicht und gegen eine wette um 10 
oder 20 Haschen rothwein hielt er an seinem anerbieten fest. 
Wenige minuten darauf erscheint auch Moritz Haupt, eben- 
falls ein gedächtnißheld, der es mit den besten aufnehmen durfte. 
„Nun College", redet den stürmisch auf- und abgehenden philo- 
logen jemand an , „werden sie es Boeckh nachthun und eben- 
falls bis morgen die erste seite „tante Voß" auswendig lernen? 
Wenn sie gewinnen , erhalten sie gerade so viele Haschen roth- 
wein, als ihr mitbewerber". „Dumme geschichte", brummte 
Haupt ärgerlich vor sich hin, „indessen, was Boeckh im punkte 
des gedächtnisses leistet, vermag ich allenfalls auch". Also 
topp , eingeschlagen ! Nicht lange währt's und siehe da , auch 
Benary ist ins Sprechzimmer getreten. Die versammelten herren 
collegen sind im eifrigsten gespräche über diese sonderbare wette, 
Benary fragt nach dem gründe der ungewöhnlich lebhaften con- 
versation. Bald genug erfahrt er, um was es sich handelt und 
als ihn dann einer der anwesenden daran erinnert, daß er bei 
seinem nicht minder zuverlässigen gedächtnisse und als der 
jüngste wohl auch das wagniß unternehmen könnte, nimmt auch 
Benary die wette an. Die angelegenheit hatte sich rasch in 
professorenkreisen herumgesprochen und den tag darauf war das 
Sprechzimmer dicht gefüllt. Alle wollten diesem merkwürdigen 






Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 513 

turnier beiwohnet). Lächelnd betritt Boeckh, den geliebten stummel 
im munde, die halle. Der unparteiische hat das verhängnißvolle 
zeitungsblatt in der hand, während Boeckh in der that unter dem 
wachsenden erstaunen der zuhörer die ganze litanei fast fehler- 
los herunter schnurrt. „Die reine lappalie", sagte der alte, ein 
wenig renommirend , um den recht ärgerlich dreinschauenden 
Moritz Haupt zu sticheln. Nun tritt auch dieser hervor und 
wirklich arbeitet er sich , wenn auch etwas mühselig und meh- 
rere male pausirend, durch den wüst von namen glücklich durch. 
Endlich kommt die reihe an Benary. Alle anwesenden sind in 
hohem maße auf den ausgang gespannt. Aber siehe da, dieser 
übermüthige junge mann sagt den unparteiischen die großen 
worte gelassen ins gesiebt : „Da müßte ich doch wirklich ein 
rechter e . . . sein, solchen unsinn auswendig zu lernen. Lie- 
ber zahle ich die wette !" Ein lautes gelächter folgte diesem 
ausspruche und selbst die angeführten mußten nachträglich die 
richtigkeit der Benary 'sehen ansieht zugeben. Beim glase treff- 
lichen rothweins lachte man herzlich über den guten, wenn auch 
boshaften ausweg, den Benary gefunden hatte. [Es scheint doch 
nicht alles der Wirklichkeit ganz zu entsprechen]. 

Welche Verwirrung die die deutsche Orthographie betreffen- 
den erlasse des preußischen ministeriums hervorrufen und wie 
sich bei dieser gelegenheit schul-directoren voll byzantinischer 
unterthänigkeit entpuppen, zeigt folgendes Schriftstück aus T e u b- 
ner's mittheilungen u. s. w. 1880 nr. 1, p. 22: Von mehreren 
direktoren höherer lehranstalten ist mir die mitteilung zugegan- 
gen, daß verschiedene der in meinem verlage erschienenen und 
bis jetzt eingeführten lehr- und Übungsbücher von beginn des 
Schuljahres 1880/81 an zum ferneren gebrauch nicht zugelassen 
werden könnten, wenn bis dahin nicht neue auflagen in der vor- 
geschriebenen neuen Orthographie vorhanden seien. Abgesehen 
davon, daß es absolut unmöglich wäre, die bis jetzt im gebrauch 
befindlichen Schulbücher in der kurzen zeit bis ostern umzugestalten 
und neu zu drucken, selbst wenn die Verleger das sehr bedeutende 
opfer bringen könnten, die vorhandenen Vorräte größtenteils der 
makulatur zu übergeben, widerspricht ein solches vorgehen einzel- 
ner schuldirektoren auch der absieht des kgl. preußischen mi- 
nisteriums der geistlichen-, Unterrichts- und medizinal-angelegen- 
heiten, wie aus einem zur kenntniß des gesammten buchhandels 
gebrachten schreiben des herrn ministers vom 3. märz d. j. her- 
vorgeht. Es heißt darin wörtlich : 

— — — „Hierbei habe ich jedoch nicht unterlassen, dem 
finanziellen interesse der eitern und der an der herstellung 
von Schulbüchern beteiligten buchhandlungen vollständig 
rechnung zu tragen. Es ist demnach angeordnet, daß alle 
zur einführung im Schulunterrichte zu beantra- 
genden deutschen lesebücher, einschließlich der 



Öl 4 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

neuen auflagen, bezw. ausgaben, der bereits in gebrauch 
befindlichen, die fortan vorgeschriebene Orthographie ein- 
zuhalten haben , das heißt also , sofern dieselben , oder ihre 
neuen auflagen (ausgaben) nach dem beginne des 
Schuljahres 1880/81, als dem Zeitpunkte, mit welchem die 
Verordnung in kraft tritt, gedruckt worden sind. Den 
im gebrauche befindlichen oder dazu vorberei- 
teten lesebüchern, welche vor dem anfange des 
schulj ahrs 1 88 0/8 1 hergestellt sind, ist die zu- 
lässigkeit für die nächste zeit ausdrücklich zu- 
gesagt. In betreff der übrigen Schulbücher ist den 
schulbehörden nur aufgegeben, auf ausbreitung der gleichen 
Orthographie in geeigneter weise hinzuwirken. Als der Zeit- 
raum , innerhalb dessen die orthographische ausgleichung 
für alle in den drei untersten Massen der höheren schu- 
len gebrauchten Schulbücher sich zu vollziehen habe , sind 
fünf jähre festgesetzt. — — Durch die bezeichnung einer 
möglichst weit bemessenen frist bin ich darauf bedacht ge- 
wesen , Schädigung der interessen des Verlagsbuchhandels 
möglichst zu vermeiden. Von dieser absieht meines erlas- 
ses setze ich gleichzeitig alle schulbehörden in kenntnis 
und darf erwarten, daß hiernach die allmähliche beseitigung 
der Schulbücher abweichender Orthographie mit der gebüh- 
renden Schonung wird ausgeführt werden". 
Hiernach ist also nicht einmal die neue einführung von 
lesebüchern alter Orthographie ausgeschlossen, wenn dieselben 
vor dem anfange des Schuljahres 1880/81 hergestellt sind, und 
noch viel weniger ist es geboten, die bereits eingeführten Schul- 
bücher lediglich der Orthographie wegen abzuschaffen; es ist viel- 
mehr für deren beseitigung, soweit es sich um bücher für die 
drei untersten klassen der höheren schulen handelt, eine frist 
von fünf jahren gestattet , während eine fristbestimmung für die 
in den oberen klassen der höheren schulen gebrauchten Schul- 
bücher deshalb gar nicht bezeichnet worden ist, weil, wie es in 
dem erwähnten schreiben des herrn kultus-ministers heißt, 

„voraiiszusetzen ist, daß die schüler dieser klassen schon zu 
sicherer orthographischer gewöhnung gelangt sind und des- 
halb von kleinen differenzen in der Orthographie ihrer Schul- 
bücher weniger nachteilige folgen zu besorgen sind". 
Selbstverständlich werden die Verleger gangbarer Schulbü- 
cher den gestellten äußersten termin nicht abwarten und auch 
für meinen verlag werden die in frage kommenden Schulbücher 
in möglichst kurzer frist in der neuen Orthographie hergestellt 
werden, in der hoffnung, daß auch die übrigen Staaten Deutsch- 
lands die preußisch-bayrische Orthographie annehmen werden, 
während sonst allerdings zu den großen opfern, die der verlags- 
buchhandel zu bringen genötigt ist, auch noch das hiezukom- 



Nr. 5. Auszüge aus Zeitschriften. 315 

men würde, daß von den durch ganz Deutschland verbreiteten 
Schulbüchern verschiedene ausgaben mit alter und neuer Ortho- 
graphie veranstaltet werden müßten. Leipzig, 15. märz 1880. 
B. G. Teubner. 



Auszuge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1880: rückblick auf das jähr 1879: 
nr. 1. 2. 3. 4. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 13. 14. 15. 16. 17. 20.21. 23. 24. 25. 
26. — Beil. zu nr. 7 : Liibke , über Hettners italienische studien : be- 
zieht sich auf neuere kunst". — Nr. 8: rückblick auf das jähr 1879: 
beginnt mit nr. 1 : diese nr. IV beginnt die äußern Verhältnisse Deutsch- 
lands zu besprechen. — Beil. zu nr. 8: culturstudien auf einer reise 
von ost nach west : anzeige des buchs von M. Horden, vom Kreml 
zur Alhambra. — Beil. zu nr. 18: A. v. Warsberg, die tapbischen in- 
seln I. — Beil. zu nr. 21: A. v. Warsberg, die insel Leukadien 1. — 
Nr. 33 : das orientalische museum in Wien. — Antrag des abge- 
ordneten Beckh in der kammer zu München gegen die neue baye- 
rische Orthographie. — Beil. zu nr. 34. 40: A. v. Warsberg, die in- 
sel Leukadien: s. ob. beil. zu nr. 21. — Beil. zu nr. 36: zur ortho- 
graphischen frage: giebt die ansichten von D. Sanders und billigt 
sie. — Nr. 39: kulturkampftabelle im preußischen abgeordnetenhause 
vom 6. februar: die reden von Windhorst und Puttkamer ausführlich, 
andere kurz. — Nr. 40: H. NoS, weissagendes wasser. — Beil. zu 
nr. 42: D. Sanders, die preußische schulorthographie: zeigt die un- 
vollkommenheit des preußischen büchleins , enthält auch anderes be- 
\j.erzigungswerthes, wird aber wenig helfen, da dem verf. die bajonette 
fehlen. — Beil. zu nr. 44: A. v. it arsberg, Zante. — Zur entstehung 
der eddalieder, eine mittheilung aus Oxford. — Beil. zu nr. 46: A. 
Schöner, die ausgrabungen in Olympia, knüpft an das buch gleichen 
titeis von Curtius, Adler und Treu (Berlin, Wachsmuth, 1879) an und 
giebt einen überblick über das ganze. — Nr. 50: das französische ge- 
setz über den oberunterrichtsrath. — Nr. 57. 58. 59: auf dem wege 
nach Canossa I. II. III: sehr beachtenswerth. 

Neue Jahrbücher für philologie und pädagogik von A. Fleckeisen. 
1879, heft 11, erste abtheilung. 99. Die vorsokratische philosophie 
von A. G/adisch in Berlin (f 16. nov. 1879) p. 721-733. — 100. 
CtmrjQiov oder CnmrjQioy? von W. H. Röscher in Meißen p. 734— 736. 
— 101. Zu Anthenaios (III. 11 1 1 ) von M. Höhl in Berlin p. 736. — 
102. Studien zur Nikomachischen ethik I — III von F. Susemihl in 
Greifswald p. 737 — 765. — (19). Zu Piatons apologie von N. Wecklein 
in Bamberg p. 765 — 766. — 103. Zu Plautus Epidicus (v. 64. 65) von 
A. Fleckeisen p. 767 — 768. — 104. Zu den glossen des Placidus von 
E. Ludwig in Buxtehude p. 768. — 105. Observationes criticae in 
Lucretium von J. Voltjer in Groningen p. 769 — 786. — 106. Zu Cae- 
sars bellum Gallicum (III 7. 8) von C. Venediger in Spandau p. 786 
—790. — 107. Zu Cicero de oratore (I. 8, 32) von H. Deiter in Em- 
den p. 790. — 108. Ueber die abfassungszeit der zehnten ecloge des 
Vergilius von H. Flach in Tübingen p. 791—798. — 109. Zu Mani- 
lius Astronomica von H. Bechert in Leipzig p. 798 — 800. — 

Heft 12. 110. Der dichter Homeros und die Wolfsche hypothese 
von A. Kiene in Hannover p. 801 — 806. — 111. Zur bedeutung der 
Präposition ngö von J. Golisch in Schweidnitz p. 8U6 — 807. — (73). 
Zu Thukydides von K. J. Liebhold in Rudolstadt p. 807-808. — (71). 
Zur kritik des Euripides von /. Kvicala in Prag p. 809 — 815. — F, 



316 Literatur. Nr. 5. 

Wieseler: adnotationes criticae ad Euripidis Cyclopem (Göttingen 1879). 
112. Zur griechischen anthologie von J. Sitzler in Tauberbischofsheim 
p. 815 — 816. — (19). Zu Platous apologie von Ch. Cron in Augsburg 
p. 817—820. — (29). Zu Herodotos (VI. 105. 106) von P. Stengel in 
Berlin p. 820. — (80). Zu Appianos von L. Mendelssohn in Dorpat p. 
821 — 822. — 113. Anz. v. C. Hoffmann: de verborum transpositioni- 
bus in Cornifici rhetoricorum ad C. Herennium libris part. I (Mün- 
chen 1879) von A. Römer in München p. 823-832. — 114. Zu Sta- 
tuts Thebais (IV. 94) von O. Erdmann in Stendal p. 832. — (88). 
Emendationes Petronii satirarum von A. Strelitz in Rostock p. 833 — 
845. - 115. Zu Petronius von E. Rohde in Tübingen p. 845— 848. — 
(40). Die perfectischen formen von eo und seinen composita von R. 
Thimm in Bartenstein p. 848. — (38). Zu Caesar und seinen fortse- 
tzern von C. Fleischer in Meißen und O. Schambach in Mühlhausen 
p. 849 - 870. — (56). Ein letztes wort von J. N. Ott in Rottweil p. 
871—872. — (35). Philologische gelegenheitsschriften p. 872-873. — 
Register der im Jahrgang 1879 beurtheilten Schriften und abhandlun- 
gen p. 874. — Sachregister p. 875—876. 

Literatur 1880. 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

De apodotico qui dicitur particulae Js in carininibus Homericis 
usu. Dissert. inaugur. Kiliens. scrips. Ludovicus Lahmeyer. Lipsiae 
(Teubner) 1878. 

Homerische formenlehre von W. Ribbeck. Zweite aufläge. Ber- 
lin (Calvary u. Co.) 1880. 

Ueber den gebrauch der homerischen mit präpositionen zusam- 
mengesetzten und mit dem suffix *o gebildeten adjektiva von E. Wör- 
ner. Progr. von Meißen 1878/79. 

Porphyrii quaestionum Homericarum ad Iliadem pertinentium re- 
liquias coli. disp. ed. Hermannus Schrader. Fase. I. Lipsiae (Teub- 
ner) 1880. 

Lexicon Homericum composuerunt C. Capelle, A. Eberhard, E. 
Eberhard , B. Giseke , V. H. Koch , C. Mutzbauer , Fr. Schnorr de Ca- 
rolsfeld, edidit H. Ebeling. Voluminis II. fasciculus IX. Lipsiae 
(Teubner) 1880. 

Th. F. Gr. Bräuning: De adjeetivis compositis apud Pindarum. 
Pars prior. Progr. von Altona 1880. 

A. Conat: Du charactere lyrique et de la disposition dans les 
hymnes de Callimaque. Extrait des Annales de la Faculte des lettres 
de Bordeaux, no. 1, 2e annee (1880). Bordeaux (G. Gounouilhou). 

Ueber eine noch nicht edirte Sammlung Aesopischer fabeln nach 
einer Wiener handschrift von dr. Fr. Fedde. Breslau (Maruschke u. 
Berendt) 1877. 

Die parodos der Septem. Von prof. Moritz Schmidt. Melanges 
Greco-Romains tires du Bulletin de l'Academie imperiale des sciences 
de St.-Petersbourg. Tome IV. 1879. 

De Aeschylo G. Hermanni scr. F. W. Fritzschiiis. Index lection. 
Rostoch. 1880—1881. 

Textkritischer beitrag zu den Trachinierinnen von Moritz Schmidt, 
Melanges Greco-Romains tires du Bulletin de l'Academie imperiale 
des sciences de St.-Pe"tersbourg. Tome IV. 1880. 

Studien zu Sophocles von Otto Hense. Leipzig (Teubner) 1880. 



Nr. 6. März. April. Hai ISS«. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



56. Euripidis fabulae. Edidit Rudolphus Prinz. Vol. 
I, pars I, Medea. Lipsiae in aedibus Teubneri 1878 (63 p.) 
Pars II, Alcestis, ibid. 1879 (48 p.). 3 mk. 20 pf. 

Für die vorliegende ausgäbe ist cod. B (Vaticanus 909) 
von Dilthey neu verglichen ; überdies sah Hugo Hinck beson- 
ders diejenigen stellen ein , an welchen Elmsleys und Diltheys 
collationen von einander abwichen. Dazu kam eine zweimalige 
collation des cod. E (Paris. 2712) und des cod. a (Paris. 2713) 
durch den herausgeber selbst. Die zweite klasse der handschrif- 
ten (L = cod. Florentinus plut. 32, n. 2 : P = Palatinus in- 
ter Vaticanos 287) hat Hugo Hinck verglichen, letzteren auch 
August Wilmanns und zur Alcestis Hieronymus Vitelli. Der 
Harleianus ist an einer stelle von Dziasko eingesehen , wodurch 
festgestellt ist, daß dieser allein Ale. 1037 das richtige ßz/fwi- 
hat. Auch erfahren wir, daß Alcest. 1134 der codex B oi/nod" 1 
o\f)tadai doxäh darbietet, worauf Stadtmüller (in Fleckeisens 
Jahrbüchern 1879, heft VIII) die conjeetur äxpsaüai begründete. 
Med. 445 haben Ea döfimoir intaii], während die übrigen hand- 
schriften 86(xotg und dazu B utpait] hat. Kirchhoff bezweifelte, 
daß 86 [io ia iv durch eine andere autorität außer Musurus bezeugt 
sei und führte die abweichung auf inaveara zurück. Prinz folgt 
mit recht den handschriften Ea, indem er av als aus iv ent- 
standen ansieht. Als eine unnöthige abweichung von der hand- 
schriftlichen lesart erscheint uns wenn Med. 373 Naucks con- 
jeetur r/J*3 T irprjxsv TjfAfgav fAtivat pi 1 anstatt äqiijxtv aufgenommen 
ist. Auch Med. 440, wo Prinz ediert: 
ooi 8' ovre natQog 86fioi, 
Philol. Ana. X. 22 



818 56. Euripides. " Nr. 6. 

dvarafe, ft»9oQfilaaa&ai 
pox&ojv adga, imv tt Xextgutr 
aXXa ßaaiXeia xqhggoj* 
dofioioiv iniara 
war kein grund das handschriftliche dg in ri zu ändern. 

Ueber die zweite klasse der handschriften , deren archetyp 
mit S bezeichnet wird, spricht sich der herausgeber (in der prae- 
fatio der Medea p. IX) folgendermaßen aus : pretium duarum 
classium non prorsus par est , cum numerus interpolationum primae 
classis minor sit , sed secunda classis non multo deterior ac nequa- 
quam hercle contemnenda est. An einer anzahl stellen hat denn 
auch der herausgeber der lesart S den vorzug gegeben. All- 
gemein anerkannt war die lesart des cod. S ^mt- Med. 751 ; 
auch Med. 1056 verdient die lesart S ftij dtjra , &v/is, fitj cvy' 
loyaon tä8e den vorzug vor [ttj itot^ iQyaaij, sowie 1130 iariav 
anstatt olxlav. Med. 259, wo S togovtov olv hat, während die 
handschriften der ersten klasse tooovtot dt darbieten, wird dar- 
aufhingewiesen, daß auch v. 1112 in cod. c olv mit öe verwech- 
selt ist. An anderen stellen aber sehen wir keinen zwingenden 
grund von den handschriften der ersten klasse abzuweichen. 
Ale. 1045 hat die lesart S \xr\ /*' ävapvrja'Qg x«xrö>' den Charakter 
einer correctur, um die stelle lesbar zu machen. Da die hand- 
schriften der ersten klasse /*»? t*e fii/jrt'jöxeic haben, so schrieb 
Kirchhoff mit geänderter interpunktion urf us • (iifivrjöxng yaxmt. 
Warum setzt man aber nicht lieber ein fragezeichen , so daß 
Admet zum Hercules sagt : du willst mich doch nicht etwa an 
mein leid erinnern? Med. 703 ist die lesart S avyy*wora pit 
yag rjr ae XvntlaOai yvvai (die übrigen avyyfoaaro yag) nicht 
darnach angethan um darauf eine emendation zu begründen (G. 
Hermann ph rag , was Prinz in den text aufgenommen hat.) 
Med. 816 sieht der dual am aaiSs der ersten handschriftenklasse 
doch eher wie das ursprünglich Euripideische aus als die lesart S 
00* antgfxa. Das poetische ein Ididov nvXag 1234 mit der les- 
art S döpove zu vertauschen ist kein grund vorhanden. Wenn 
Prinz v. 1357 ediert: 

av ö° ovx sfnXXts tt*i* aTifAÜcag Xi%t] 

tegnrov Öiä^eiv ßiotov iyyeXwv ifiot, 

oitd 1 i} tvgavvog ovtf 6 ant ngoa&eie ydfiovii 

Kgitot atai) rrjf 8i (A 1 ixßaXeit 1 %&ovde 



Nr. 6. 56. Euripides. 319 

(avail nach dtaril in S und l mit den scholien), so hat Weil 
richtig bemerkt, daß anuop, welches die handschriften der ersten 
klasse haben, nicht wie ein glossem zu dvarel aussieht. Wenn 
er aber drifiov im sinne von uTiniöytjTov faßt mit Verweisung 
auf Hippol. 1417 und Aesch. Ag. 1279, so spricht dagegen das 
kurz vorhergehende dtifidaag, welches die gewöhnliche bedeu- 
tung „beschimpft" nahe legt. Dann ist freilich mit Bauer ix- 
ßaXsh in ixßaXdav zu ändern. Es leuchtet ein daß, wenn das 
participium in den infinitiv überging, eine vertauschung des be- 
griffs üziixov in anursi, um eine pointe zu gewinnen, nahe lag. 
Auch v. 1156 scheint uns die abweichung von der ersten klasse 
der handschriften nicht gerechtfertigt. Dieselben haben 
tj 3' coffr' igeTSs xöofto* ovx tjpea^gzo 
uXX Urea* ävdyi navza, xal nylt ix döfitof 
fxaxgaf antlvai naxiqa xal naldag ai&ev 
Xaßovaa ntnXovg tiotxiXovg rifxntaitio, 
Xqvgov rs delaa ariqiavov dfxyi ßoatQv^POtg 
Xa/ingcp xarÖTfTQCp 6%t][ia.Ti£eTat xöfirjv. 
Hier werden durch t«, welches die handschriften der ersten 
klasse haben, die beiden handlungen der Glauke gegenübergestellt. 
Prinz hat die lesart S <ag igsiöi vorgezogen, so wie er v. 1194 der les- 
art S ölg röamg den vorzug giebt vor der lesart der ersten hand- 
schriftenklasse 8lg toamg t\ für die G. Hermann eingetreten ist. 
Med. v. 1174 ist cfjfiäzvuv 3' und (so die erste handschriften- 
klasse) ebenso berechtigt als ofifiäzcov r' «so (nach S.). v. 1206 
ist die lesart der ersten handschriftenklasse negimv^ag Ötfiag minde- 
stens ebenso gut als die lesart %tQag. Wenn Prinz so oft die zweite 
handschriftenklasse vorgezogen hat, so wundern wir uns, daß er 
v. 512 nicht Hartungs emendation si cpev^oftai öy yalav ixßtßhj- 
fiitt] aufgenommen hat, welche sich an die lesart di S anschließt. 
Die neue ausgäbe wird dadurch anregend , daß der her- 
ausgeber manche stellen zum ersten mal als verderbt bezeich- 
net und dadurch auf neue aufgaben hinweist. Ein und die 
andre stelle hat in folge dessen neue emendationsvorschläge er- 
fahren, wie Alcest. 827, wo man bis jetzt das handschriftliche 
aXÄ. rjadon?]* fiep Oft/t 1 idcop daxQvnöoovv xovq<x.v tt xal n^öamnov 
unbeanstandet ließ, Stadtmüller ninlatfia vorgeschlagen hat. Im 
anschluß an die bemerkung zu v. 1120 {nvsifia # 1 ligsdianivor 
deixrvatr ug ji xuitör dyytXtl xaxöt) xaxov suspectum hat Weck- 

22* 



320 56. Euripides. Nr. 6. 

lein geändert mg ti xauor dyysXovvt 1 $nog. Alcest. 1107 wer- 
den in dem verse tlSoog it xdyrn r^rö' 'iym ngo&vn'iav die worte 
itimg xi als suspecta bezeichnet, desgl. Ale. 632 xmv aätv in den 
Worten ov ydg n tmv aeöv iv8tt)g TayrjasTat, v. 1125 (J) xtgrofiog 
[ai Oeov rig ixnlijOGst ^agä;) die beiden letzten worte, Med. v. 30 
(tjv i*7] nore atQixpaaa näXXkVxov Ss'qijv avtij nqog avttjv nctTSQ? 
anoinm^y qptkov) die worte ijv fit) , v. 384 rr\v sv&slav in den 
Worten xQiittGTa rt)v sv&siar , rj nsqtvxansv aoepoi fidliara rpag- 
fiäxmg ai)Tov£ sieh. Hier ist die lesart des cod. E'rt)v notylav 
(daneben die glosse rr)t Tt'xrijr) zu beachten. Auch werden Med. 
966 die an sich unanstößigen worte xsfo>r]c 6 datpmv , xslra vvv 
at&t &eog, via jvoavvsl um des Zusammenhangs willen als verba 
corrupta bezeichnet und dazu bemerkt : sensus esse debet : ac pro- 
fecto dona splendida reginam decorant vel gloriam reginae augent. 
Aber der erste vers ist ohne anstoß, wenn man bedenkt, daß 
Iason Medea gefragt hat r'i 8' « ftatala rävSs nag xstolg pp«s - , - 
Eine Schwierigkeit macht freilich via rvQarvsi. Schöne bemerkte 
in sinniger weise: „ihrem willen gegenüber wird also auch bei 
dir das interesse für die alte gattin nicht stand halten." Es 
läßt sich icre aber auch als ein hinweis darauf ansehen, daß die 
junge herrscherin eher geneigt sein wird geschenke anzunehmen. 
Sie gehört zu der klasse von der es in Aeschylus Agamemnon 
v. 1003 heißt: ol ö' ovtiot' 1 iXniaana, rjpqaav xaXwg, nicht zu 
den üqxuiotzIovtoi Stanöxai. 

An anderen stellen hat der herausgeber selbst die bessernde 
hand angelegt, doch sich begnügt seine emendationen unter dem 
text anzugeben. Ale. 63 möchte der herausgeber ovx av Svvaio 
tmüi' ij/ziv a fit} an Sei anstatt ndvt 1 fyuv, V. 325 xai aol [ist, 
nöai,, yvvaix* aQiaTrjv 'ian xo/indoai Xaßtiv , Iftir 8s xsSvijg 
fitjTQog sxnscpvxsrai anstatt vfilv 8s, naTSsg, v. 992 <flXa 8s &a- 
vovo' W satai anstatt datova gerat, v. 1141 nov rörSs 0avdtq> 
"t\i]g ayäva av[ißaXsü ; anstatt qu)e- Med. 707 sä 5' Varia» ; 
ov8s zavt'' injjxaou anstatt in^vsaa. An der vielfach behandel- 
ten stelle Med. v. 850 wird täv oi% haiav fiitoixov für /w£t' 
itXXcov vorgeschlagen, v. 1046 xoig rixvtov xaxoig für tovitav , v. 
1194 tilg 8' ins) xn/(tjr sasias ftttXaxtjv (oder dnaXrjv), 8ig rnaoog 
ilufinet'i anstatt eatios fjüXlov. Wenn die conjeetur richtig ist, 
so muß xöaoog aus der zweiten handschriftenklasse aufgenommen 
werden; die erste hat toaeng t\ V. 1174 hat die wendung o^«« 



Nr. 6. 56. Euripides, 321 

(jturoar z' dni xogag argscfovaaf , wo dnh in der Tmesis steht, 
durch ihre Vieldeutigkeit etwas hedenkliches , Prinz möchte lie- 
her dti. V. 195 lesen wir die worte: 

oinreg vpvovg ent fiev daXlatg 

eni t' elXantrccig xal itagd deinvotg 

qvgovTO ßlov rsgnvug dxodg 
hier nimmt der herausgeber mit Nauck an den letzten worten anstoß 
und möchte dafür lieber ßiov regne/v Svtarovg oder ixuvovg. — V. 
626 wird vorgeschlagen yapslg roiovrov mar dvalvsa&ai y ' pov 
anstatt vSars a dgveio&ai. Eine Wendung wie dXX' ovv ixtias 
ngoadöxa p liav ddvm Ale. 363 durch die änderung ixe? ab zu 
beseitigen, wozu der herausgeber geneigt ist, würden wir be- 
denken tragen, da wir uns an die elliptische Wendung ig 16 
ßaXavdov ßovXofiai (Aristoph. Ranar. v. 1279) erinnern. Es ist 
sogar wahrscheinlich, daß solche Wendungen in unseren texten 
verloren gegangen sind. So hat vor kurzem R. Schenk (Quae- 
stiones criticae Euripideae p. 7) im Cyclops v. 58 vorgeschlagen 
zu verbinden: 

no&oiai ö' dfitQOxotToi 

ß\a%al ajxixQth* isxicov 

eig avXdv, 
mit tilgung des punktum hinter rexitot, wogegen von Seiten der 
grammatik nichts einzuwenden scheint. Selbst dem Homer möchten 
wir diesen Sprachgebrauch vindicieren. Die bedenken an denen 
die interpretation der stelle II. A , 338 (ngwico ydg xal datzog 
uxovü£eadoi> ffteto) hat Nauck im Hermes bd. XII, 1877, heft III 
ans licht gestellt; wenn er aber dafür geändert wissen will 
ttqwmo ydg xaXs'ovtog, so möge daneben der Vorschlag ttqcÖtm ydg 
xal daiz ig der erwägung der fachgenossen anheim gestellt werden. 
Unter den angeführten , bescheiden unter dem text mit 
malim vorgeschlagenen emendationen hätten wir manche lieber 
in den text aufgenommen gesehen als Med. 1110 et 8e xvgrjatt 
8ai[i(op oXoög für o'vrog (B. E. a P t) oder ovra S. yg oitcog b s 1 ). 
Die euphemistische wendung durch eine nicht einmal paläogra- 
phisch wahrscheinliche conjeetur wegzuschaffen erscheint uns be- 
denklich. Auch die an sich recht ansprechende änderung Ale. 
355 i]dv ydg qtXovg xdv vvxrl Xevaaeiv , ovtm'' uv nagfi rgönov 
für igövov erscheint uns nicht nothwendig wenn wir an stellen 
1) v. h. nianus seeunda et tertia codicis B super scripsit. 



322 56. Euripides. Nr. 6. 

denken wie Aesch. Ag. 425 ßrßaxev oxpig ob fie&vazegov nzegoig ona.- 
Sova" 1 vnvov xe\ev&oig. Aber sehr beifallswerth ist die emenda- 
tion von v. 926 &dgaet vvv • sv zd zmvSe örjaezai aaztjg. Die 
abweichung der handschriften weist auf eine tiefer liegende cor- 
ruptel: denn BEL haben ev ydg zcövd' iym &rjaco nigi (b dtjoco in 
&rjao(xai geändert mit übergeschriebenem yg. drjooo.), P ev ydg vvv 
zmvb' 1 iym &rjam niqi, d (cod. Florentinus 31, 10) ev ydg Tmrds 
&7Jaofj.ai fiigi, a (cod. Paris. 2713) ev ydg zcövde vvv örjaoftat 
niqi. Prinz weist auf die abkürzung nljg für naztjg hin. Fein 
ist die änderung von Med. 334 novovfiev rjpetg xdftnvomv x*XQV~ 
fii&a für xov novmv. Doch geben die worte der Medea einen 
guten sinn, wenn man sie nicht als leere tautologie faßt, son- 
dern sie in beziehung setzt zu den vorhergehenden Worten des 
Kreon egn , m fxazaia , nai pC dndWa^ov novmv, worauf auch 
rjfieh' hinweist. Medea sagt, daß sie ihrerseits in noth ist und 
nicht fremder noth bedarf. Freilich drückt sie sich etwas dun- 
kel aus, doch ist vielleicht die gesticulation des Schauspielers dem 
verständniß zu hülfe gekommen. Beifallswerth ist die emenda- 
tion von Med. v. 1076 ovxiz' eifii agoaßltneiv oiare nai8ag , in 
der Prinz mit Wecklein zusammengetroffen ist ( T a******B, zt 
ngbg ifiäg B 1 , E a 2 , ze ngoapag a, z ig vfidg S, ngbg Ifiäg 
Chr. Pat. 875. 1611. 1078. 79.) 

In den Worten der amme v. 106 lesen wir: 

SijXov 8' ogyijg i^atgofjusvov 

vicpog oifimyaig mg zd^ dvuxpti 

fisi^ovt &v[a(S 
mit aufnähme von Witzschels conjectur (Vindic. Eur. Isenaci 1839 
p. 7) anstatt des handschriftlichen 5' dg %tjg E ald' äg%7jg B e£ sup. dg 
scr. B 1 8' «£ dg^g P 3** do%ijg L. Darin aber scheint zdgxijg zu ste- 
cken. Hesych. zdg%t] • zdgal-tg . azug%ov • d%si[itaozov (die codd. dzä- 
gaxov, aber die buchstabenfolge führt auf dtag^ov), zagyatveiv zagda- 
aeiv, zdgyavov . ... % z6 zagdzzov. Anstatt das handschriftliche oiftoo- 
yrjg mit Plüß in oipimyaig zu ändern, möchten wir lieber oi/imyijg z' 
schreiben. Zu Med. v. 211 scheint uns die von Prinz aufge- 
nommene conjectur Lentings 8S dla (av%iov anstatt vvyiov nicht 
nothwendig, wenn auch derselbe fehler in Hesiod. Theog. 991 
sich findet. Gegen die heimliche abfahrt zur nachtzeit spricht 
freilich die vergleichung des Apollonius von Khodus, welcher, 
doch wol alter tradition folgend, dieselbe am hellen tage ge 



Nr. 6. 56. Euripides. 323 

schehen läßt. Aber es ist eine bekannte thatsache , daß das 
schwarze meer meist von einem schwarzen, trüben himmel be- 
deckt ist und daß sein name wahrscheinlich nicht von seiner 
färbe, sondern von der beschaffenheit seiner atmosphäre abzu- 
leiten ist. Sonst müssen wir dem urtheile des herausgebers in 
der aufnähme der emendationen anderer gelehrten in den bei 
weitem überwiegenden fällen beistimmen. Da aber eine nicht- 
erwähnung einer conjectur eine entschiedene mißbilligung der- 
selben in sich zu schließen scheint (der herausgeber bemerkt 
ausdrücklich : nullam me effugisse coniecturam afßrmare audeo) , so 
mögen hier solche angeführt werden welche dies Schicksal nicht 
verdient zu haben scheinen. Dahin rechnen wir Med. 183 
Bauers conjectur ogvvrai für ögfxäzai, (desselben conjectur «x- 
ßaXcöi Med. 1357 erwähnten wir schon vorher), Weils yiyvmaxei 
Med. v. 228 für yiyvcoaxsiv , Med. 1367 acp' inr^icoGag (Heer- 
werden), v. 857 Naucks emendation lixvov für tixrcov, die uns 
unbedingt richtig erscheint , 887 Hartungs Vorschlag nagiatdtai 
Xixet, welcher neben Lentings ansprechender änderung Xt^ol er- 
wähnt zu werden verdiente, Kirchhoffs Vorschlag Med. 1255 
oüg yag xd.no %gvoeag yoväg eßXaarsv für ydg dno , Med. 1296 
ytjg xalvqt&ijvat xarra für yrjg aqie xgvifdjjvai (Weil), Elmsleya 
conjectur nfagav Med. 1359 für niöov wird durch "Weils ände- 
rung in niiqov vervollständigt. Auch war Weils conjectur zu 
Med. v. 494 rj xand xela&a$ diapC iv ßgotolg tä vvv erwäh- 
nenswerth. Die handschrift B &ia[*t iv dv&geonoig, a hat diai? 
ir. Der herausgeber hat dia^i' äv&ganotg aus E S aufgenom- 
men, aber die präposition ist schwerlich späterer zusatz. Es 
mag aber üiafi' iv das ursprüngliche sein, was durch die ge- 
läufigere form deafxia verdrängt wurde. Dieselbe änderung, 
welche Weil v. 494 vorschlug, ist aber auch Med. 1257 anzu- 
wenden. Hier hat noch niemand anstoß genommen an dem 
handschriftlichen &i<av ö' aipa nixn.iv yoßog in' dvigcov. Es 
ist aber doch nicht von männern die rede; es muß heißen vno 
ßgoräv. Wenn in der schwierigen stelle Med. 739 x' dntxqgv- 
xivfiara ovx uv ni&oio das letzte wort als verderbt bezeichnet 
wird, so verdiente Weils annähme einer lücke hinter den vor- 
hergehenden worten cpi'Xog yevoi av erwähnt zu werden ; Kirch- 
hoff statuirte den ausfall eines verses hinter xdnintjnvxtvfjata. 
Wir bemerkten vorher daß die ausgäbe dadurch anregend 



324 56. Euripides. Nr. 6 

wirkt, daß auf manche bisher nicht wahrgenommene schaden hin- 
gewiesen wird. Es mögen einige stellen folgen an denen der 
herausgeber keinen anstoß genommen hat. V. 1333 ist ohne 
jedes bedenken ediert tov aov Ö' a.\d<iion i elg $p s&xtjipav &soi, 
aber das giebt keinen guten sinn ; überdies haben nur die Hand- 
schriften der zweiten klasse das metrisch unerläßliche 5«'. Hier 
war Kirchhofes emendation roiöv tx' dldaiog zu erwähnen; Weil 
schrieb za>v aäv o' äkdß7og\ An der antwort der Medea v. 708 
loycp f*sv ovp , xagTsgeir 5s ßoiXsTai auf die frage des Aegeus 
iä ö' 'Iäomv ; olds Tavt 1 inr^eaa nimmt der herausgeber keinen 
anstoß , indem er nur Heimsöths änderung xagSia 5e xagtigsi 
(krit. stud. zu den griech. tragikern I, p. 225) anführt. Aber 
die stelle ist schwerlich in Ordnung. Man erklärt xaQTtgeiv als 
sarkastische bezeichnung der resignation, indessen hat die resi- 
gnation doch nur dann sinn , wenn Iason der angegriffene theil 
ist und sich nicht zur wehre setzt : ein bloßes zulassen einer 
an einem anderen vollführten that läßt sich nicht wol durch 
xagreneiv ausdrücken, welches vielmehr den sinn des ausdauerns 
in anfechtungen hat, also grade das umgekehrte der resignation 
bezeichnet. Schöne und Eauchenstein waren auf richtigem wege, 
jener als er lagy 1 iäv oder xdgt iäv de ßovXsiai vorschlug, 
dieser mit der conjectur xdgxa 5' egycp. Als das ursprüngliche 
erscheint uns aber xngt' in #' a ßovXsTat. Mit bitterem sarkas- 
mus sagt Medea: in Wirklichkeit läßt er nur zu sehr zu, was 
ihm im gründe seines herzens lieb ist. War 3' a einmal in 5« 
übergegangen, so lag es nahe einen infinitiv im vorhergehenden 
zu substituieren, während man nicht sieht, wie die von Schöne 
vorausgesetzte lesart, welche überdies einen trivialen sinn giebt, 
anlaß zur corruptel bot. — Schwer verderbt sind die worte in 
dem chorgesang der Alcestis v. 450: f*t]i'6g cisigofisvag navvvfpv 
asldvag. Das giebt keinen sinn, man mag das vorhergehende 
schreiben wie man will. Die handschriften haben Znägza, xv- 
xlog dvtxa Kagvstov Trsgivlaasrai ooga (so Via) oder top«. 
Man liest jetzt allgemein mit Abresch und Kirchhoff mgag nach 
Hesychius 7r8gt[i>y<sae7ai wgag • atgtfgxeTai rag tagag, indem <ie- 
Xqvqg als von xvxXng abhängig gedacht wird. Ueber die inter- 
pretation von fXTjvdg deigofif'rag sprechen sich die herausgeber 
nicht aus. Wecklein machte die stelle lesbar durch die sehr 
unwahrscheinliche änderung (pe'yyog dtigofttvag. Aber (itjvog 



Nr. 6. 56. Euripides. 325 

weist auf arjvrjg (Aesch. Prom. 797 tj vvxTiQog p^'j^rj)'-, die ände- 
rung des wenig geläufigen wortes in urjvog hatte die änderung 
von uigouinag in asioopiivag zur folge. Wenn dazu auch allen- 
falls navrvjfpv asldvag als apposition hinzutreten kann, so scheint 
doch die handschriftliche Überlieferung navvvyjovg (nur a l haben 
nawvxov) auf eine alte corruptel zu deuten. Mir scheint asXrj- 
vqg glossematischen Ursprungs zu sein und eine Wendung wie 
navvvynvg x«t' a'lyXaq verdrängt zu haben (xar« im temporalen 
sinne), die vorhergehenden worte lassen sich in einer fassung her- 
stellen bei welcher xvxXog keines erklärenden genetivs bedarf. 
Scaliger schrieb xvxXag avina KagveCov nsgivlaaBrai aga. 

Auch Med. v. 1269 läßt sich in den worten des chors : 

laXmd ydg ßgozoig öuoysvrj uid- 

d(tat etil yaiav avrocpoviaig ^vf(p- 

8d &s6&sv nirvovi^ ln\ dofioig ayr\, 
das handschriftliche im yaiav schwerlich halten. Die worte 
im yaiav, mag man sie nun mit \xiaG\iaxa unmittelbar verbinden 
oder zu dem folgenden ziehen , lassen sich , wie Weil bemerkt, 
nicht construieren, weshalb dieser gelehrte intyaia edierte. Mir 
scheint hier in yaiav das adjectivum alavog zustecken; in folge 
dieser corruptel gerieth die präposition, welche überdies in dem 
folgenden verse wiederkehrt , in den text , um dem accusativ 
yaiav eine stütze zu geben. Also ursprünglich vielleicht : 

utäanar' 1 oAo' aldvv avioyöviaig sq. 
Die form alarög, für welche bei Sophocles und Aeschylus unver- 
ächtliche Zeugnisse vorhanden sind und an welcher Gotfr. Her- 
mann und Lobeck keinen anstoß nahmen , ist durch Nauck (me- 
langes Greco- Romains vol. II, a. 1862, p. 441) für die gute grä- 
cität beanstandet worden , doch ist bei dem großen formenreich- 
thum der griechischen spräche ein solches verfahren immerhin 
mißlich, wenn nicht geradezu zwingende gründe zur proscription 
einer Wortbildung vorliegen. 

In beziehung auf die ächtheit von versen, Umstellungen und 
drgl. ist es interessant durch die ausgäbe das feine urtheil des 
herausgebers kennen zu lernen , von dem er schon durch kleine 
abhandlungen proben gegeben hatte. Doch fürchten wir den 
räum einer anzeige zu überschreiten, wenn wir auf diese fragen 
im einzelnen eingehen wollten. Nur so viel sei bemerkt, daß 
in der rede der Medea v. 947: 



326 57. 58. Euripides. Nr. 6. 

fifftipco yag avr\] 5cöp' a xaXXiativtiui 

tmv vvv iv av&Qconoiöiv, old* iya, noXv, 

Xsjtzov 7£ ninXov y.cn jiXokov %Qvarj\ator, 
der letzte vers uns mit unrecht gestrichen scheint, da die die- 
nerin doch wissen muß welchen schmuck sie hervorholen soll. 
Dagegen sind die worte in der früheren rede der Medea (v. 
784), wo sie von der Zukunft redet, überflüssig. Elmsley hatte 
den richtigen weg gewiesen. 

Schließlich sprechen wir den wünsch aus, daß der heraus- 
geber die philologische weit recht bald durch die fortsetzung 
der Euripidesausgabe erfreuen möge. Ludwig Schmidt. 



57. Fr id. Wieseler, Adnotationes criticae ad Euripidis 
Cyclopem. Ind. schob hib. Göttingen 1879. 15 p. 4. 

58. R. Schenk, Quaestiones criticae Euripideae. Progr. 
des gymn. zu Neu-Ruppin. Ostern 1879. 32 p. 4. 

Von diesen beiden abhandlungen beschäftigt sich die erste 
ausschließlich, die zweite vorzugsweise, mit dem Kyklops, dessen 
text bekanntlich an verschiedenen stellen erhebliche Schwierig- 
keiten bietet. Während Wieseler fast durchweg neue conjec- 
turen vorlegt und nur zwei- oder dreimal durch eine andere 
erklärung den überlieferten text zu schützen sucht, hat Schenk 
auf die vertheidigung handschriftlicher lesarten viele mühe ver- 
wendet und man kann sagen, daß Wieseler in jenem, Schenk in 
diesem punkte mehr glück gehabt habe. Als besonders beach- 
tenswert erscheinen mir folgende vorschlage von Wieseler: Cycl. 
91 a^evov je yrjv , 656 ootfarf, onodovTf, 704 itQ&y anoQQTjlag 
nsrgag. Von Schenk ist am meisten bemerkenswert die Vermu- 
tung, daß 685 ov rrjds yi ', et zijö' tfnag zu schreiben sei. Mit 
14 f. h ngvfivy 5' axga avtog Xaßcov tjv&vvov afMprjQEg 86gv be- 
schäftigen sich beide. Schenk sucht zu erweisen, daß die än- 
derung von Scaliger Xa^aiv notwendig sei, weil aficprJQeg dogv 
nur vom schiffe gesagt sein, also nur mit r(v9vvov verbunden 
werden könne. Aber mit recht wendet Wieseler, welcher gleich- 
falls dngv vom schiffe versteht, gegen Xa^ojv ein, daß dem Silen 
das amt des Steuermanns schon wegen seiner Stellung zukomme 
und es des loses nicht bedürfe. Er übersetzt Xaßwv „postquam 
occupavi vel cepi" unter vergleichung von 680 f. Aber hier steht 
Xaßovzeg wie in xatob* Xafißaritv, während in 15 Xaßtöv in dem 



Nr. 6, 57. 58. Euripides. 327 

sinn von occupavi unpassend und müßig ist. "Warum erklärt 
man nicht abzog laßüv „selbst angreifend, selbst hand 
anlegend"? Vgl. ovWapßdveiv. — Zu 84 vermuthet Wieseler 
oxonqv für Gnovbr\v. Diese Verbesserung habe ich ihm A. Soph. 
em. p. 195 vorweggenommen. Ebenso sind die emendationen 
zu 395 yrä&ovg, 664 zöv5 J ab bereits von anderen gefunden 
worden. — Die schwierige stelle 164 ff. wird von beiden be- 
handelt. Wieseler vermutet xvluC av aigolpir t v piav, Schenk 
schreibt ixnisTf xuv xvlwu mit Paley und in 166 gt\paißi ö 
ig äJfitjv. Für den anapäst im zweiten fuß sollte er nicht zwei- 
mal auf 269 oi naldsg ix.7i6loiv&\ ovg ^a'/Uöz' sym (ftXw verwei- 
sen. Für die construction von fiaCvsa&ai („ich könnte so toll 
sein, alle heerden der Cyklopen hinzugeben, um nur einen becher 
zu leeren") verlangen wir einen beleg; überhaupt wird fxanoipir^ 
durch die Wiederkehr von fiaivea&ai in 168 bedenklich Die 
änderung von Wieseler, bei der gixpat re bleiben kann, stellt 
den sinn her und scheint geeigneter als die leichtere änderung 
von P. "W. Schmidt fiatoCutjv. — In 202 schreibt Schenk ror 
nctQog ovaooaaofxev. Aber da sl in dem sinne des vorherge- 
henden tvysväg ganz an seiner stelle ist, so ergibt sich die me- 
thodische herstellung der überlieferten lesart nägog ev (ys ist 
in der einen handschrift nachträglich eingesetzt) aus Tro. 1050, 
wo für nugotö 1 fysi die handschrift, welche dort die zweite Masse 
vertritt, nägog f e^gj bietet. Gegen nagoiQ" 1 sv acaaofitv läßt 
sich nichts einwenden. — Die treffliche emendation des verses 
245 dair' ureg xQiurc'fAwv nimmt Schenk mit recht in schütz > 
sie ist über jeden zweifei erhaben, wenn auch Wieseler wieder 
&EQHr,v ys 86t>Tog dalza tw xgeavöfiq) schreiben will. — Zu 327 f. 
bemerkt Wieseler apertum est, quamquam nemo id sensit, Cyclopem 
dicere se tonitrua Iovis imitari atque irridere eo quod pedat. Con- 
feratur modo quod Strepsiades apud Aristophanem in Nub. v. 292 sq. 
dicit: ßovlofiat iirranonagdtiv ngi \g rag ßgoträg. Aber die gleiche 
erklärung mit dem gleichen citat habe ich in meinen curae eri- 
ticae p. 19 gegeben. Wieseler versteht nznkov von der decke 
auf welcher Polyphem liegt; aber warum soll es nicht ebenso 
gut von dem kleide des cyclopen verstanden werden können, 
was näher liegt? Gut citiert Wieseler zu dem gebrauch von 
xgoia) de flatu sive crepitu ventris die anwendung von tundo, pulso 
und ferio Verg. Ge. III, 382, Ovid. Am. I. 6, 54, Claudian. in 



328 57. 58. Euripides. Nr. 6. 

Rufin. I, 276, bell. Get. 626, Lucan. Phars. II, 23. Schenk 
kennt zwar meine erklärung , macht aber sehr unnütze einwen- 
dungen dagegen und verdirbt den scherz der stelle mit sv ariym 
7g yaffTf'p' vntiav . . nsnlcp, xoq(au> /iibg ßgovzaiaiv sig sqiv xrv- 
tmüv , worin sl azsyco . . ninXm trotz der einrede von Schenk 
nach Gtiyv 1 s%co axi]ic6[ia7a müßig ist. An sv liyycov rs darf 
man nicht wegen des tempus anstoß nehmen; es drückt die 
fortdauer aus; höchstens könnte man daran denken el isyymv 
t« mit Satri/xsrog zu verbinden und xanexnrcov zu schreiben. — 
Zu 362 bemerkt Schenk: xofit^s aog&ui8og analog credo signi- 
ficare „cura ventrem tuum. u Das kann Schenk glauben, aber er 
darf daraus nicht schließen, daß meine änderung yi^t^s unnötig 
sei; denn wer kann es mit ihm glauben? — 382 will Wieseler 
insi nsjgatav t^vS' iarjX&ousv yvd&ov schreiben; aber yrd&og be- 
deutet nicht ohne weiteres fauces und die änderung ist nicht 
sehr wahrscheinlich. Wir werden nstgaiuv t//*ö' F.otjX&optv ort' 
yqv setzen und annehmen, daß wie auch anderswo GTFytjv in 
yijv übergegangen und dafür zur herstellung des verses das na- 
heliegende i&6ta gesetzt worden sei. — Die änderung von 
Schenk 499 im ÖSfiviotg ?' iv avtgm ^Xiduvtjv 8%(ot> iraigav ist 
unmethodisch, die von Wieseler toi» %avQcv xlt8at>rjg «tycor i&eigag 
Iavqoxqkjtov Xmagbv ßSaigv^ov verletzt ebenso das versmaß wie 
die in 515 %goa er' mg zigeivav vvfiqiav. Auch bei der ände- 
rung von ixxai'gTe t>]v oqtgvv 657 in ixxaisTS ttjv oxpir, die an 
und für sich unnötig ist, hat Wieseler das versmaß nicht in 
betracht gezogen. Ebenso ist die änderung in 521, welche die 
stichomythie unterbricht, fehlerhaft. Ansprechender verbessert 
Schenk 514 f. "kvyva S' a/Afjh'et ctXa cor xqccc. xul zigsiva tvfxqia. 
Was er aber gegen meine Verbesserung Ivyva 8' dfi/isvsi as 8a- 
8oov XQÖa vorbringt, ist nicht begründet. Es genügt den satz 
anzuführen: %Q(ög non jpartem, sed totum hominem significat. — 
Beachtung verdient die änderung von Wieseler dnofxaxtinv in 
561. Doch ist mit „an credibile est narium exerementa conspicua 
fuisse ita ut ex naso dependerent u die notwendigkeit nicht erwie- 
sen , da ja der Silen nur ausfluchte sucht. — Die treffliche 
emendation von Nauck in 564 verwirft Wieseler, weil aus dem 
folgenden tl Sgdaug hervorgehe, daß dort Silen noch nicht 
trinke, sondern sich erst dazu anschicke. Aber 1 1 8gdatig ist ge- 
braucht wie das gewöhnliche t[ Xi&tg. Nach den Worten kotzbq f* 



Nr. 6. 59. Pseudo - Xenophou. 329 

ogäg nivovra trinkt also Silen den becher aus. — An dOsT in 593 
nimmt Wieseler, wie ich glaube, mit recht anstoß. Aber o^st 
xanvov kann es nicht geheißen haben; co&ti stammt von dem 
darüber stehenden w&t'jasi. Der sinn verlangt tvqiet xanvor. — 
Wir haben schon oben die emendation von Wieseler zu 657 
ywaiöiaJ oo&eiTs anodovTs hervorgehoben; das versmaß würde 
gewinnen , wenn man yarvaioTura c n o 8 ovt s schreiben und 
co&she als ein glossem zu anodoTire, das in anevdtzs übergegan- 
gen, betrachten würde. — In 707 vermutet Wieseler ngooBafornv 
nöda {i. e. radices collis). Aber die gewöhnliche redensart ßai- 
vav Tiöda gestattet kaum, in nöda eine andere bedeutung als 
in noöl zu finden. Eine änderung ist unnötig. Vgl. ifjßatveiv 
nodi El. 1288, Rhes. 214. Wecklein. 

59. 'Adqrufwp nnhrtia. Die attische schrift vom Staat 
der Athener. Untersuchungen über die zeit, die tendenz , die 
form und den Verfasser derselben. Neue textrecension und pa- 
raphrase. Von Hermann Müller- Strüb ing. 8. Göttingen 
1880. (Aus dem vierten supplement-bande des Philologus.) — 
4 mk. 

Freunde wie gegner werden in dieser schrift mit leichtig- 
keit den Verfasser des Werkes über „Aristophanes und die historische 
kritik" wiedererkennen, dieselbe genaue bekanntschaft wie mit 
der Überlieferung , so mit der modernen forschung , die feine 
kenntniß des griechischen, die einschneidende kritik, den Scharf- 
sinn und die kühnheit der combination, das tiefe verständniß für die 
Sachen, um die es sich eigentlich handelt, endlich die rücksichts- 
losigkeit in der beurtheilung dessen, was diejenigen forscher, 
welche man sich in Deutschland vielfach gewöhnt hatte und z. th. 
noch hat, als die maßgebenden anzusehen , über die griechische 
geschichte des fünften Jahrhunderts aufgestellt haben. Und niemand 
wird sich enttäuscht finden, der hier neue und weittragende ge- 
sichtspunkte mannigfaltiger art sucht. Nur hinsichtlich der form 
ist ein unterschied wahrzunehmen ; sie ist knapper, bewußter, geord- 
neter geworden und hat sich der üblichen weise, in welcher derartige 
Untersuchungen vorgetragen zu werden pflegen, mehr angeschlos- 
sen. Eigentlich hat sich Müller - Strübing nur einmal noch 
ganz in der alten weise gehen lassen •, in dem monolog des at- 
\ tischen bauern p. 5G ff. und dieser ist dafür geradezu als ein 



330 59. Pseudo-Xenophon. Nr. 6. 

meisterstück dichterischer vergegenwärtigung vergangener zu- 
stände zu bezeichnen, das lange systematische auseinanderse- 
tzungen aufwiegt. 

Daß der verf. übrigens die gelegenheit beim schöpf er- 
greift, sich mit einem theil seiner gegner im vorbeigehn ausein- 
anderzusetzen — wen sollte das wundern? Wer sich der be- 
handlung erinnert, die man für angemessen hielt, ihm zu theil 
werden zu lassen , wird fast über die milde erstaunt sein , mit 
der er sich äußert. Principiell wichtig ist von diesen erörterun- 
gen namentlich die über begriff und zweck der hypothese in 
geschichtlichen dingen (p. 7 f.) , die an analoge kämpfe zwischen 
Häckel und Virchow erinnert. Uebrigens darf man wohl die 
frage aufwerfen , warum Müller - Strübing nicht seinen gegnern 
zu gemüth führt , daß sie gar keine veranlassung hätten , über 
seine allgemeinen anschauungen über athenische zustände und 
Verhältnisse erstaunt zu sein, wenn sie ein werk wie Grote's 
griechische geschieh te eines eingehenderen Studiums gewürdigt 
hätten. 

Was nun aber die behandlung der 'A&ijvaCmv noXitsia selbst 
betrifft, so erweist sich der Verfasser hier als durchaus konser- 
vativ gegenüber der Überlieferung. Er muß sich seinen weg 
natürlich durch eine Würdigung der zahlreichen und zum theil so 
graß von einander abweichenden ansichten bahnen, welche, na- 
mentlich in den letzten jähren, darüber aufgestellt worden sind. 
Wie er selbst angiebt, ist er namentlich durch Kirchhoff zu sei- 
nen Studien angeregt worden; mit diesem muß er sich also auch 
zunächst auseinandersetzen. Eine nachprüfung der Kirchhoff- 
schen Umstellungsversuche ergiebt ihm dann gleich für die er- 
sten stücke ihre völlige unhaltbarkeit. Diese beweisführung ist 
glänzend und ertragreich und zudem durchweg überzeugend. 
Sie wird um so mehr auf fast allgemeinen beifall rechnen kön- 
nen , als die pedantischen , seltsam aufgeputzten darlegungen 
Kirchhoffs, welche zugleich von einer gänzlichen verkennung des 
in der schritt wehenden geistes ausgehen, überhaupt wohl nur 
in den nächsten kreisen der schule Zustimmung gefunden haben, 
dort freilich , wie es scheint , eine enthusiastischere , als Kirch- 
hoff selbst, dem doch immerhin viele zweifei geblieben sind, er- 
wünscht gewesen sein wird. Der von ähnlichen prämissen aus- 
gehende herstellungsversuch von Moritz Schmidt wird dann gleich- 



Nr. 6. 59. Pseudo-Xenophon. 331 

falls als haltlos nachgewiesen, zum theil mit denselben gründen, 
welche bereits Kirchhoff in der abhandlung über die abfassungs- 
zeit unserer schrift vorgetragen hat. Ebensowenig kann Müller - 
Strübing der hypothese von Cobet und Wachsmuth zustimmen, 
daß wir es mit dem reste eines dialogs zu thun hätten ; er be- 
gnügt sich hier jedoch mit einer kurzen polemik gegen einzel- 
heiten, offenbar in der Voraussetzung, mit der durchführung sei- 
ner eigenen auffassung diese anschauung genügend zu widerlegen. 
Diese eigene auffassung Müller -Strübings geht nun dahin, 
daß wir in der schrift den entwurf zu einer rede vor uns haben, 
welche ein anhänger der oligarchischen partei an seine genossen 
aus Athen und den bundesstädten gehalten hat, um eine bei 
einem theile der partei herrschende doctrin zu widerlegen, indem 
er nämlich zeigt, daß von einer reform der athenischen Verfas- 
sung in aristokratischem sinne nicht die rede sein könne. Ent- 
weder müsse sie bleiben wie sie sei oder sie müsse vollständig 
über den häufen geworfen werden , ohne rücksicht auf gesetz- 
liche formen oder auf das , was alles mit- und nachstürzen 
werde. Der Verfasser sei ein scharfer, durchaus realistischer 
köpf , der , dem demos durch seine geburt , den oligarchen durch 
seine parteistellung angehörig , die heuchelei und gegenseitige 
beweihräucherung der „besten männer" gründlich kenne und 
persiffire und sich über die schwächliche halbheit lustig mache, 
welche meine, an dem athenischen Staatswesen in oligarchischem 
sinne herumflicken zu können. Wir stehen nicht an, uns dieser 
ansieht rückhaltslos anzuschließen. Nicht nur der geist des gan- 
zen ist hier unseres erachtens vortrefflich gefaßt, wie er freilich 
ähnlich bereits früher von andern begriffen worden war, sondern 
auch die form der schrift wird hierdurch plausibel erklärt. Die 
scheinbar unvermittelten gedankensprünge , die bald durchaus 
skizzenhafte, bald weitläuftige ausführung entsprechen grade dem 
charakter, welchen das coneept einer rede zu haben pflegt, in 
dem man sich einzelne Wendungen und ausführungen , die man 
für besonders gelungen hält, genau niederschreibt, während man 
die herstellung der Übergänge und die genaue fassung im ein- 
zelnen vielfach der eingebung des augenblicks überläßt. Be- 
trachtet man die schrift von diesem gesichtspunkte aus, so wird 
man auch finden , daß die disposition eine im ganzen wohlge- 
ordnete und durchaus zweckentsprechende ist. 



332 59. Pseudo-Xenopbon. Nr. 6. 

Da sich aber der leser denn doch mehrfach den gedanken- 
gang des redners und die beziehungen, auf die hin einzelnes 
gesagt worden ist, ergänzen muß, hat Müller-Strübing der schrift 
eine paraphrase beigegeben, die in der regel allerdings eine 
Übersetzung ist, an nicht wenigen stellen aber das zum näheren 
verständniß nöthige, wie es in der gesprochenen rede vorgebracht 
sein wird, einschiebt, und die ihrem zweck durchaus entspre- 
chen wird. 

Der text selbst ist mit großer Sorgfalt nach den maßge- 
benden handschriften constituirt und von einem kritischen com- 
mentar begleitet. Einen vollständigen kritischen apparat zu ge- 
ben ist wohl mit rücksicht auf die ausgaben von Kirchhoff und 
Wachsmuth unterlassen worden. Wir wollen indessen nicht un- 
terlassen, zu bemerken, daß wenn man sich auf Wilamowitzens 
collation des Marcianus für die Hngoi verlassen kann, der codex 
Laurentianus 55, 22 schwerlich aus dem Marcianus abgeschrieben 
ist. Ein glossem nimmt der herausgeber nirgends an, dagegen 
sucht er, abgesehen von ein paar unbedeutenden, wenige worte 
umfassenden Umstellungen, dem texte namentlich durch die an- 
nähme zahlreicher kleiner lücken aufzuhelfen. Er ist darin in 
der regel recht glücklich , sowohl wo er sich seinen Vorgängern 
anschließt, als wo er original vorgeht; dasselbe gilt von der 
auswahl der aufgenommenen fremden und eigenen conjecturen. 
Wir heben von neuem beispielsweise hervor I, 10 6 ipbg dovkog 
(vgl. §. 11), I, 11 xitdvvevasig xui zu iQ 7 )t Aa ' ta Öiöovut zu at- 
avzov, I, 13 autmv statt avzödi, I, 18 zmv fX7tle6vz<or , II, 9 
iffjeia. Daß nicht jeder jeder aufgenommenen lesart beistimmen 
wird, ist selbstverständlich. So dürfte I, 3 doch Kirchhoffs dg- 
%ul fiia&oqiogiag fyovam den Vorzug verdienen vor Müller -StrüV 
bings agxai uto&oqiGQOi , [xto&oqio()iag svtxa. II, 4 ist das von 
Müller-Strübing vor xqsizzüvuiv eingeschobene xaza y^v gewiß 
falsch , denn eine Seemacht kann unter den dort dargelegten 
umständen auch das gebiet eines Staates plündern, der ihr zur 
see überlegen ist. Ebendaselbst ist das von dem herausgeber 
nach Kirchhoff eingeschobene nXtlovg vor ngoatwaiv nicht unbe- 
dingt nöthig, wohl aber aXXoi vor "EkXqveg II, 8 (vgl. I, 1). 
III, 5 ist argaztCai; unseres erachtens von dem herausgeber nur 
mangelhaft vertheidigt und möglicherweise doch daiQazeiag zu 
schreiben, wobei man dann freilich eine persiflirende tendenz 



Nr. 6. 59. Pseudo-Xenophon. 333 

bei dem verf. voraussetzen mußte. II, 3 ist der herstellungs- 
versuch Müller - Strübings al de (tixQai xal di evvoiav, näaai 
de nävv öid XQtiav an sich sehr plausibel, aber die polemik ge- 
gen Kirchhoff ist verunglückt. Denn wie sollen eigentlich städte 
wie Milet und Ephesos „ihr bedürfniß nach export und import 
durch den von den Athenern unabhängigen verkehr mit dem 
reichen asiatischen hinterlande befriedigen", wenn ihnen die Athe- 
ner den hafen blokiren? Zuweilen finden sich neben zahlreichen 
druckfehlern auch ungenauigkeiten. So z. b. schreibt Kirchhoff 
II, 1 nicht sivai nat ei fxei^ov, sondern eivai nur ei uel^nr, III, 2 
rührt negi rZv iv 7oTg ovfjfid^otg nicht von Kirchhoff, sondern 
von Schneider her , III, 4 ist übersehen , daß Kirchhoff (Abfas- 
sungszeit p. 21) xaToixoÖofiel ti twv dtjfiooicov geschrieben hat, 
was zwar weniger gut ist, als des herausgebers y.a7uiy.oÖo[iehai, 
76 dtjfiöaiov , aber doch erwähnung verdient hätte. Auch sonst 
finden sich solche ungenauigkeiten zuweilen, wie denn u. a. 
Grote (V, p. 308 f. ed. London 1869) nicht von petty considera- 
tions (p. 27), sondern von petty collateralinterests, indicated by Xe- 
nophon redet, doch sind die versehen der art nirgends für die 
sache erheblich. 

Hinsichtlich der Zeitbestimmung stimmt Müller-Strübing mit 
keiner der bisher vorgetragenen ansichten überein. Er tritt den 
beweis an, daß die schritt erst nach dem frieden des Nikias 
verfaßt sein könne. Er zeigt zunächst gegen Eoscher und Kirch- 
hoff, daß es nicht nöthig sei, ihre abfassung vor dem zuge des 
Brasidas anzusetzen und man muß nach seinen ausführungen 
zugestehen, daß dieser vielmehr eher einen beleg für die II, 5 
ausgesprochenen sätze darbiete, als sie widerlege (p. 35 ff.) Was 
Moritz Schmidt (Memoire eines oligarchen p. VIII) in dieser hin- 
sieht neues vorgebracht hat verlohnt kaum der mühe der Wi- 
derlegung, denn die Athener bezogen doch nicht bloß vom Stry- 
mon ihr schiffsbauholz. Der weitere grund aber, daß ßovkeviG&ai 
noXlo fiep neol 7ov noXifxov III, 2 sich auf" den archidamischen 
krieg beziehen müsse , wird dadurch beseitigt , daß die Athener 
ja auch nach dem Nikiasfrieden jähr für jähr krieg geführt ha- 
ben (p. 47 ff.) und es wird mit beispielen belegt, daß die Lakedämo- 
nier auch damals rechfgut als ol TioXifiiot der Athener bezeichnet 
werden konnten. Daß aber die schrift wirklich erst nach dem 
Nikiasfrieden entstanden sei wird durch eine ausgezeichnete un- 
PMlol. Ana. X. 23 



334 59. Pseudo-Xenophon. Nr. 6. 

tersuchung der volkswirtschaftlichen zustände gezeigt, wie sie 
sich mit notbwendigkeit während des archidamischen krieges 
entwickeln mußten, indem damals von einem gegensatz zwischen 
ol y?.K>QyovvTi<; und ol nXovcioi auf der einen und dem städti- 
schen Ür^iog auf der andern seite nicht mehr oder noch nicht 
wieder die rede sein konnte, wohl aber mit den von dem Ver- 
fasser unserer schrift hervorgehobenen Wirkungen einige jähre 
nach dem Nikiasfrieden in voller kraft bestehen mußte. Müller- 
Strübing setzt daher die entstehung der schrift zwischen 417 
und 414. Vielleicht wäre es ihm für die beurtheilung der athe- 
nischen politik jener jähre nicht ohne werth gewesen , wenn er 
noch den ersten band von Busolts „Forschungen" hätte benutzen 
können. Eine weitere betrachtung der tendenz der schrift führt ihn 
aber weiter zu einer Zeitbestimmung auf 415; er hält für ihren 
zweck eine Verständigung der verschiedenen hetärien und frak- 
tionen der oligarchischen partei über eine gemeinsame praktische 
politik, ein zweck, der denn auch erreicht worden sei. Als der- 
jenige aber, dessen ansichten bekämpft werden sollen, erscheint 
Müller-Strübing der doctrinär Kritias , dem als ideal für Athen 
eine Wiederherstellung der solonischen Verfassung vorgeschwebt 
habe. Soweit sind wir, obwohl in bezug auf die letzten punkte 
nicht ganz ohne zweifei, durchaus im stände , den ausführungen 
Müller-Strübing s zuzustimmen; weniger überzeugt sind wir, daß 
er wirklich den Verfasser des löyog ausfindig gemacht habe. 
Dafür sieht er nämlich den Phrynichos an und man muß zuge- 
stehen, daß er diese hypothese sehr geschickt verficht ; es bleiben 
jedoch zu viele andere möglichkeiten, als daß sich dieses ergeb- 
niß irgendwie als sicher bezeichnen ließe. 

In den rahmen dieser erörterungen ist eine fülle von ein- 
zeluntersuchungen eingefügt, über den gerichtszwang , über die 
komödienfreiheit, über die folgen der pest, über die vierhundert, 
über einen bisher übersehenen anachronismos bei Piaton und 
zahlreiche andere, zum theil von bedeutendem werth ; es finden sich 
auch mehrfach sehr auffallende behauptungen , die der verf. bei 
anderer gelegenheit zu beweisen verspricht; wir müssen aber 
dem leser überlassen, das alles in dem buche selbst aufzusuchen 
und wollen zum schluß unser urtheil dahin zusammenfassen, daß 
wir es hier, möge man sich zu den resultaten verhalten, wie 
man wolle, auf alle fälle mit einer schrift von nicht gewöhn- 



i- 



Nr. 6. 60. Horatius. 335 

licher bedeutung zu thun haben, welche der forschung nacb der 
verschiedensten richtung hin einen neuen anstoß geben wird. 

Franz Rühl. 

60. Iccius und Grosphus. Eine studie zu Horaz. Von 
Adolf Schubert, Oberlehrer. (15p.) Anklam 1879. (Gym- 
nasialprogr.) 

Der Verfasser der vorliegenden in sehr anziehender form 
geschriebenen abhandlung beabsichtigt nicht eine entscheidung 
in den abweichenden urtheilen über den character des Iccius 
herbeizuführen, sondern will nur einige neue gesichtspunkte auf- 
stellen , die vielleicht zu einer wiederholten prüfung der frage 
veranlassung geben Eine neue Interpretation wird auf p. 14 
geboten. Schubert ist geneigt Epist. I, 12, 23 in den Worten 
mit Grosphus nisi verum orabit et aequum das adjectivum verum 
als das „wahre für die erkenntniß" zu fassen , dem das aequum 
als „maaßstab für das handeln" gegenübersteht. Aber damit 
stimmt doch der ausdruck orabit wenig, für den man ein verbum 
wie quaeret erwarten würde. Wenn Horaz überhaupt durch diese 
epistel auf den Iccius als den philosophischen hodegeten des 
Grosphus hinweisen wollte , so hätte er dies anders angedeutet 
als durch das utere, welches doch gar nicht auf philosophischen 
verkehr hindeutet, und er hätte auch die philosophischen bestre- 
bungen des ersteren glänzender ins licht gestellt als es durch 
die — man mag von Iccius eine noch so gute meinung haben — 
sicher etwas ironisch gefärbten andeutungen der epistel geschieht. 
Insbesondere hätte Horaz nicht die physikalischen forschungen 
des Iccius in den Vordergrund gestellt , welche für ihn ebenso 
wenig als für den Grosphus werth hatten. Eher wäre das in 
Od. I, 29 erwähnte philosophische rüstzeug coemptos undique 
nobili8 Ubros Panaeti , Socraticam et domum am platze gewesen. 
Schubert meint freilich : „vielleicht erwartete Horaz von solchen 
Verhandlungen, daß Iccius von seinen nutzlosen physikalischen 
grübeleien abgezogen und der eine wie der andere auf die 
wahren grundlagen des Seelenfriedens hingewiesen werde." 

Man kann aus dieser interpretationsprobe entnehmen , daß 
Schubert über Iccius, dem früher, insbesondre durch Wieland, 
so übel mitgespielt wurde, sehr günstig urtheilt und wird diese 
annähme durch die behandlung der ode an den Iccius (auf p. 4) 

23* 



336 60. Horatius. Nr. 6. 

bestätigt finden. Bei der analyse der epistel (p. 5) erklärt sich 
Schubert gegen die auffassung Arnolds, welcher in si forte v. 7 
einen gegensatz gegen das vorhergehende erblickte, sowie gegen 
die von Arnold inconsequenter weise adoptierte erklärung der 
worte verum seu pisces seu porrum et caepe trucidas durch den 
gegensatz einer besseren und schlechteren küche. Aber die an- 
gäbe des Sueton (Aug. 76) hinsichtlich des Augustus cibi minimi 
erat et vulgaris fere, pisciculos minutos — maxime adpetebat läßt 
sich gegen die von Arnold vertretene auffassung nicht wol 
anführen. Neu ist die erklärung von trucidare , nach welcher 
es bedeutet, daß Iccius die ihm wenig zusagenden nahrungsmittel 
mit einem gewissen ingrimm verzehre , da er sie als feinde be- 
trachte, die man ohne Schonung niedermetzle. Wenn aber tru- 
cido scherzhaft, etwa wie das deutsche „vertilgen" oder „ein- 
hauen", von speisen gebraucht werden konnte , wofür wir ana- 
logieen aus dem lateinischen oder griechischen vermissen, so würde 
es doch näher liegen darin das bild der gier und des heißhun- 
gers zu sehen als das innere widerstreben. Die nähe des Em- 
pedocles führt auf den gedanken an die metempsychose , so daß 
trucidare im eigentlichen sinne zu verstehen ist. Wenn Schu- 
bert in den angegebenen worten keinen gegensatz gegen das 
vorhergehende sieht, so stimmt damit wenig die p. 4 gebrauchte 
wendung „wenn du freilich", welche von Arnolds „wenn du 
aber etwa" nicht weit entfernt ist. 

Weiter wird bemerkt, daß Horaz, indem er dem Iccius die 
Stellung eines kritikers gegenüber den aberwitzigen einfallen des 
Empedocles und Stertinius anweist, damit sein eigenes urteil 
über diese ganze richtung der philosophie ausspricht und daß 
wenigstens durch adhuc (in den worten cum tu inter scabiem tan- 
tam et contagia lucri nil parvum sapias et adhuc sublimia eures 
angedeutet ist, daß Iccius sich von der Scabies und contagio lucr 
vielleicht nicht mehr lange frei halten wird, denn „wer seine 
armut so schmerzlich empfindet, wird die gelegenheit sich zu 
bereichern nicht immer von der hand weisen." Wir möchtei 
darin eher die hoffnung angedeutet sehen, daß sich Iccius noch 
einmal den problemen der ethik zuwenden werde. 

Im anschlusse hieran werden p. 5 — 10 die philosophischen 
Studien des Horaz erörtert und schließlich darauf hingewiesen, 
daß der epicureismus wie der stoieismus nur eine maske für den 



Nr. 6. 61. Tacitus. 337 

dichter sind, dessen eigentliche lebensanschauung mit der Sokra- 
tischen zusammenfällt. Es scheint uns, daß der Verfasser zuwei- 
len in den episteln zu viel stoicismus findet. Der ausdruck 
fortunae te responsare superbae (I, 1, 68) z. b. erinnert ebenso gut 
an Epicur, dem Diogenes von Laerte (X, 120) die lehre zu- 
schreibt 7ov Goq>6v 7>j riffi ävjnä^sa&ai. Auch das nil adrni- 
rari I, 6, 1 ist nicht ausschließlich stoisch. 

Von p. 11 an beschäftigt sich der Verfasser mit der person 
des Grosphus, in welchem er denselben erblickt, an den Od. II, 
16 gerichtet ist. Diese ode nimmt er gegen die angriffe der 
neueren kritik in schütz, insbesondere die beiden letzten Stro- 
phen gegen Lehrs , welcher darüber sich mit den Worten ausge- 
sprochen hat: „es schließt das gedieht mit v. 28. In den bei- 
den letzten Strophen soll Horaz dem Grosphus sagen: du bist 
ein sehr reicher mann , hast aber keine innren eigenschaften ; 
ich besitze wenig , habe aber geist und character." Schubert 
sieht vielmehr darin den gedanken angedeutet „du bist ein von 
der großen menge geachteter mann." Der achten Strophe kommt 
Schubert durch die conjeetur zu hülfe et mihi forsan quod adhuc 
negavit porriget hora, was er auf die anerkennung als dichter be- 
zieht. Für sich betrachtet giebt das einen guten sinn, aber, ab- 
gesehen von der unwahrscheinlichkeit der verderbniß, fügen sich 
die so geänderten verse nicht in den Zusammenhang, welcher 
nur auf einen defect in der vita heata, nicht auf hoffnungen für 
die zukunft hinweist. Es ist wol eine vergebliche mühe dieser 
angeflickten strophe aufhelfen zu wollen. 

61. Lexicon Taciteum. EdideruntA. Gerber et A. Greef. 
Fase. IH. Lipsiae, Teubner. 1879. 

Ueber die vorzüglichkeit dieses von allen seiten mit recht 
als bedeutsam hervorgehobenen werkes braucht ref. gewiß nicht zu 
sprechen : nur das mag gesagt sein , daß sich das vorliegende 
dritte heft in würdigster weise den beiden ersten anschließt. 
Es bringt den schluß von c mit den zwei grösseren artikeln 
über die präposition und die conjunetion cum , dann d und e, 
welches mit dem umfangreichen e, ex beginnt, bis effigies. Be- 
vor wir uns zu dem überreichen neuen wenden , welchem man 
auf schritt und tritt begegnet , müssen wir erwähnen , daß das 



338 61. Tacitus. Nr. 6. 

werk nicht gearbeitet ist wie z. b. das lexicon Ciceronianum von 
Merguet, welches eine bloß äußerliche Zusammenstellung des 
sprachlichen materials giebt und noch der innerlichen bearbei- 
tung bedarf 5 vielmehr sind die bedeutungen stets streng geschie- 
den und jede stelle findet durch subsumirung unter die betref- 
fende classe ihre erklärung : man vgl. z. b. unter corripio 
Ann. 15, 44, was ohne zweifei richtig als „anklagen" und nicht, 
wie bisher als „ergreifen" gefaßt ist, unter copia die schwierige 
stelle Ag. 25 (milites) mixti copiis et laetitia, oder p. 246 unter C) 
cum causale das verzwickte cum in G. 28, wo ausnahmsweise die 
discf epanz von Kritz, welcher cum concessiv faßt, angegeben wird ; 
nebenbei sei bemerkt, daß die übrigen editoren, wie so oft, mit 
stillschweigen über diese stelle hinweggehen: erst in der eben 
erschienenen dritten aufläge hat Schweizer-Sidler, vielleicht auch 
durch Kritz veranlaßt, das cum ebenfalls als causal richtig 
angegeben. 

Wir gehen jetzt zu einigen willkürlich ausgewählten ein- 
zelheiten über mit dem bemerken, daß die Verfasser des Lexicon 
sich nicht dabei begnügt haben , diejenigen stellen , welche die 
lexica oder die ausgaben schon bieten, auf guten glauben in 
ihr werk zu übertragen: sie haben im gegentheil jedes beispiel 
einer sorgfältigen prüfung unterzogen und es demgemäß im 
Lexicon eingeordnet. Sub v. cumulo giebt Klotz Ann. 2, 82 au- 
dita in plures cumulare; er verbindet also cumulare mit in. Dies 
ist falsch, da in plures zu transferre zu ziehen ist, denn die stelle 
lautet : quamvis leviter audita in alios atque Uli in plures cumulata 
gaudio transferunt. Ebenso verkehrt auch Dräger zu Ann. 13,2; 
vgl. übrigens Nipperdey zu Ann. 14, 53. Wenn Georges s. 
v. custodia II für Tacitus habere in custodia m giebt, so hat er 
dabei übersehen, daß den accusativ nur die schlechteren codd. 
haben; der Mediceus bietet Hist. 1,87 den abl. wie Hist. 1, 58. 
Für die bedeutung von cupido „geldgier'' citirt Klotz Hist. 1, 66, 13 
und Ann. 12, 57, 10; das ist für die erste stelle nicht richtig, 
da hier cupidines weiter nichts als „leidenschaften , begierden" 
bezeichnen. Dräger zu Ann. 12, 57 macht nicht nur denselben 
fehler, sondern er behauptet ganz zuversichtlich „cupido statt 
avaritia nur hier und Hist. 1, 66", während das Lexicon noch 
Ann. 13, 50, 12 und 16, 14, 11 nachweist. Die Verkehrtheit 
scheint aus Ruperti's index zu stammen, der eben jene beiden 



Nr. 6. 61. Tacitus. 339 

stellen für diese bedeutung anführt. — Freund und Klotz 
geben beide in merkwürdiger Übereinstimmung, obwohl eine Va- 
riante nicht verzeichnet ist, Hist. 1, 71 ad decorum composita : 
das Lexicon zeigt, daß die worte bei Tacitus lauten : ad decorem 
imperii composita. Uebrigens findet sich bei Klotz Hist. 5, 6 
palmetis decor unter der bedeutung von decor „körperlicher an- 
stand". "Was den artikel decorus betrifft , so sehen wir aus der 
ersten hauptclasse, daß es für manche stelle wichtig ist, zwischen 
der bedeutung „geziemend" und „ehrenvoll" zu scheiden , was 
in den lexicis nicht geschehen ist. Die beiden beispiele für de- 
cimare aus Tacitus werden in zukunft gewiß aufnähme in die 
lexica finden. Damnare mit ut , was die lexica entweder gar 
nicht geben oder erst aus sehr später zeit belegen , findet sich 
schon Ann. 2, 67: damnatur , ut procul regno teneretur. Unter 
dominatio fassen die lexica und Euperti, woher es wohl stammt, 
13, 1, 3 metonym von andern herrschern; auch hier haben die 
herausgeber die richtige erklärung , indem es heißt: „unter 
andern herr Schäften." Man vergl. auch am anfang des capitels die 
worte novo principatu. Georges sub v. deferre am Schluß hat un- 
recht mit seiner erklärung von ann. 6,41, da censum deferre hier 
nicht „vom römischen bürger" gesagt ist, sondern von den 
Clitae, welche ihr vermögen beim römischen beamten angeben 
sollten; auch ist bei Georges in demselben artikel p. 1838 ß, alicui 
praeturam deferre: Tac. falsch, da es gar nicht im Tacitus steht. 
— Aus dem Lexicon Taciteum lernen wir, daß Ann. 14, 31 das 
einzige beispiel ist , in welchem sich bei Tacitus der singular 
cunctus findet. Diese Singularität stimmt mit der bemerkung 
von Nipperdey zu dieser stelle , welcher bereits die auch von 
Haase beanstandeten und transponirten worte quasi cunctam re- 
gionem muneri accepissent aus sachlichen gründen als „randbe- 
merkung eines fremden" aus dem texte entfernt hat. Mit recht 
ist also von den herausgebern des lexicon die stelle getilgt. 
Wie sonst die erkenntniß des Tacitus durch das Lexicon geför- 
dert wird , zeigt einerseits die variatio mit omnis , andererseits 
die allmähliche entwickelung des gebrauchs von cunctus : es fin- 
det sich in den kleineren Schriften noch äußerst selten (Dial. 8. 
Agric. 5. 30. 41; fehlt in der Germania ganz), die eigentliche 
Verwendung beginnt in den Historien. Ferner sehen wir aus 
diesem artikel , was zu halten ist von der behauptung Dräger's 



340 61. Tacitus. Nr. 6. 

in Syntax und stil des Tacitus §. 136, wo er sagt: „die vor- 
anstell ung der zusammenfassenden begriffe (cuncti, omnes, ceteri), 
welche Wiehert p. 455 bespricht, fehlt bei Tacitus." Wir lesen 
nemlich Ann. 1, 64, 3 euneta pariter Romanis adversa: locus uli- 
gine profunda; idem ad gradum instabilis, procedentibus lubricus] 
corpora gravia loricis; neque librare pila inter undas poterant. Bei 
Nipperdey zu Ann. 6, 5, 8 fehlt für die anknüpfung mit quae 
euneta Hist. 3, 26, 11. Für desertor ac proditor kennt Heraeus 
zu Hist. 2, 44 nicht Ann. 2, 10, wie für delegare zu Hist. 4, 28 
nur dieselben drei stellen, welche auch Kritz(-Hirschfelder) zu 
Germania 15 beibringt: die übrigen fünf sehe man im Lexicon 
Taciteum. Nipperdey übersieht zu Ann. 1, 35 tribunali desiluit 
Ann. 15, 28, wo wie bei dem von ihm citirten Curtius gerade 
auch der bloße abl. equo steht. Unter degener wird wohl die 
erklärung von Ann. 11, 17 und 15, 59 die richtige sein. Geor- 
ges sub v. giebt „mit abl. (an) , Zenobia dignitate formae haud 
degener Ann. 12,51:" es ist dies für einen derartigen ablativ die 
einzige stelle, welche er anführt. Aber er hat die worte digni- 
tate formae fälschlich zu degenerem gezogen ; sie gehören viel- 
mehr zu dem gleich folgenden reputantes. — Wenn Dräger Syn- 
tax und stil des Tacitus §. 206 und zu Ann. 2, 4 für deligere 
mit dem dativ gerundivi sagt, es stehe Hist. 3, 57. 5, 1, Ann. 
2, 4 und noch zweimal, so hat er dies falsch aus Wölfflin Philol. 
25, p. 114 entlehnt, da, wenn auch an den übrigen von Wölfflin 
gegebenen stellen sich deligere findet, Ann. 11, 22, 20 creati 
supplendo senatui steht. Unter den stellen, wo Tacitus statt des 
dativ gerundivi die construetion mit ad gebraucht hat, was nach 
Wölfflin 1. 1. „nur aus besondern (von ihm selbst beigebrachten) 
gründen geschieht" — für 12, 8 aber ist die von ihm ange- 
nommene „Zweideutigkeit" nicht ersichtlich — , ist Ann. 6, 48, 13, 
wie das Lexicon ausweist, nicht angeführt. Aber auch bei dieser 
stelle würde es schwer sein, einen „besondern" grund für die 
anwendung von ad zu finden, da ebenso gut der dativ stehen 
könnte. — Auch feinere nuancen in den bedeutungen sind an- 
gegeben, z. b. bei disicio Hist. 3, 74, 5 und Hist. 4, 63, 10, 
wo das erste „abbrechen", das zweite „zerstören" bedeutet : welche 
beiden beispiele Heraeus zu 4, 63 nicht so ohne weiteres hätte 
zusammenstellen sollen. — Wir finden sub v. dolor fünfmal dolor 
in Verbindung mit ira. Heraeus erklärt überall „unmuth, un- 



Nr. 6. 61. Tacitus. 341 

wille"; das Lexicon gewiß richtiger Ann. 1, 41 und 2, 82 als 
„betrübniß." Wenn Dräger zu Ann. 1, 17 (vergl. übrigens Nip- 
perdey zu dieser stelle) sagt: „diversas entlegene, wie Ann. 4, 
46 und so öfter" und zu Ann. 3, 59 „diversas entlegen wie 1, 
17. 2, 60. 3, 2 und oft", so ist das „und oft" bei dem großen 
umfange des Wortes sehr unbestimmt. Künftig kann Dräger 
statt dessen setzen „und fünfmal": das ist klar und einfach. 
Ebenso bringt er Ann. 12, 37 sein „und öfter" für den gebrauch 
von dedignari; jedoch steht es außer den drei von ihm citirten 
stellen nur noch einmal 14, 46. Daß dare „darbringen" von 
opfern un. elg. sei, behauptet zwar Dräger zu Ann. 6, 37; es 
findet sich aber dieselbe bedeutung selbst bei Tacitus 12, 8: 
sacra ex legibus Tulli regis piaculaque apud lueurn Dianae per pon- 
tifices danda. Wie vorsichtig man mit dem ausdruck „und oft" 
oder ähnlichem sein muß, mag auch ein beispiel aus dem alten 
Lexicon Taciteum von Bötticher~zeigen, welches bekanntlich ei- 
nerseits eine unmasse von Wörtern überhaupt nicht hat und an- 
dererseits in den gegebenen sehr willkürlich auswählt und un- 
bedacht verfährt , was zwar schon durch die recension von K. 
Fr. Hermann (Heidelberger Jahrbücher 1832 p. 479 — 500) be- 
kannt ist, jetzt aber, da das ganze material vollständig vorliegt, 
in noch grellerem lichte hervortritt. Nachdem Bötticher zu de- 
fensare zwei stellen (Agric. 28. Ann. 2, 5) gegeben, heißt es „ita 
saepius noster", eine redensart, welche sich bei ihm so oft findet ; 
aber unser „noster" hat nur noch eine stelle Ann. 12, 29. — 
Heraeus zu Hist. 2, 41 hat auch in der neuesten aufläge für 
quominus nach deterrere gerade aus dem zweiten buche cap. 89 
übersehen; dasselbe beispiel fehlt auch bei Dräger Syntax und 
stil des Tacitus §. 189; in den ann. steht deterrere mit ne 13, 
53. Die lexica von Forcellini an bringen für dieses verbum aus 
Tacitus nichts. Zu der oben angeführten stelle 12, 37 hätte 
Nipperdey (ebenso Dräger), da er pacem, nicht in pacem liest, 
darauf aufmerksam machen müssen, daß 12, 37 bei der ersten 
lesart der acc. m. infinitiv steht, im gegensatz zu Ann. 2, 34 und 45, 
wo der bloße inf. gebraucht ist. Aber in rücksicht darauf, daß 
nach Halm's commentarius criticus (Nipperdey giebt nichts an, 
Ritter pacem „cum rasura ante pacem") eine corruptel vorliegt, 
ist die construction mit dem infinitiv, wie auch das Lexicon angiebt, 
wohl die richtige, besonders da wir für dedignari mit acc. m. 



342 61. Tacitus. Nr. 6. 

infinitiv ausser Arn ob. 5, 13 (nach Georges lexicon) kein anderes 
beispiel — wenigstens soweit bis jetzt die lexica zeigen — in 
der latinität haben. Im anschluß an diese unsichere stelle sei 
bemerkt, daß in kritischer hinsieht überall die nöthigen angaben 
gemacht sind , wofür Halm's commentarius criticus die grundlage 
bildet : aber hierauf haben sich die herausgeber nicht beschränkt, 
wie man z. b. sub v. dissero sieht aus Hist. 4, 81 variae, was 
fast unbegreiflicher weise Halm nicht angiebt : liest doch Ritter 
varia edisserere für das Halm'sche varie disserere. Für edisserere 
zeigt das Lexicon nur ein sicheres beispiel Hist. 3, 52. Offen- 
bare Schreibfehler in den handschriften , wie z. b. Ann. 1, 4, 6 
dissere statt disserere, Ann. 6, 29, 7 diseruit sind im Lexicon mit 
recht unerwähnt geblieben. Agric. 6 ludos et inania honoris me- 
dio rationis atque abundantiae duxit: für die erklärung dieser 
schwierigen stelle verweist Freund — die übrigen lexica haben 
sie nicht — auf medius , wie Bötticher auf modus , das aber bei 
ihm gänzlich fehlt. — Peerlkamp , Roth und diesen folgend 
auch Dräger schreiben media: er hielt sie für dinge, welche die 
mitte — einnehmen. Mit recht bleibt diese conjeetur im lexicon un- 
erwähnt, da sie überflüssig ist und ducere wie im Lexicon erklärt 
werden muß. Außer Halm halten auch Wex, Gantrelle, Urlichs 
die lesart der codd. fest, und so wird der „locus corruptissimus" 
wohl künftig nicht mehr als corrupt bezeichnet werden. Ebenso 
sind z. b. mit recht, da der Mediceus das richtige duritia giebt, 
Ann. 3, 34 bei duritia nicht die conjeeturen von Muret, Ernesti, 
Ritter erwähnt: vergl. auch Wölfflin Philol. 25, p. 102. 

Um in der kürze noch die formenlehre zu berühren, so 
wird z. b. für deus das vollständige material übersichtlich ge- 
geben, wodurch Sirker's darstellung sich als ungenügend erweist. 
Zugleich erhält Sirker für dies die nöthige ergänzung: so für 
postero ohne die außer Ann. 4, 45 und 15,57 noch Ann. 12, 17; 
ferner im anschluß an ad eam, eum diem für ad hunc diem außer 
Hist. 4, 64 noch Hist. 1, 30. Ann. 12, 42. Bei Heraeus zu Hist. 
1, 62 fehlt neben Ann. 11, 21 das gleiche per medium diei 14, 
59 und neben Ann. 2, 21 dasselbe sero diei 2, 39: vergl. den 
von Heraeus citierten Dräger, Syntax und stil §. 66a, wie auch 
für das als Übergang dienende isdem diebus , per eos dies und 
ähnlich das programm von Spengel , München 1855, p. 7, 
welches durch das lexicon berichtigt resp. ergänzt wird. 



Nr. 6. Bibliographie. 343 

So sehen wir, wie das Lexicon , auf dessen großen werth 
auch in anderen recensionen mit recht hingewiesen ist , viel 
neues bringt und nach allen Seiten hin berichtigend eingreift. 



Bibliographie. 

Eine anzeige von der fortsetzung des archivs für geschichte 
des deutschen buchhandels steht Börsenbl. nr. 63. 

Das Börsenblatt enthält am ende jedes monats ein monat- 
liches verzeichniß der neuigkeiten und fortsetzungen des deut- 
schen buchhandels. 

Gegen die schleuderei kämpfen die buchhändler fortwäh- 
rend: s. Börsenbl. nr. 63. 

Die Schwierigkeiten, welche dem deiitschen buchhandel 
durch die neue deutsche rechtschreibung entstehen , werden von 
seite der buchhändler fortwährend besprochen : Börsenbl. nr. 
61. 67. 

Zur geschichte des bücherdrucks und des buchhandels in 
Tübingen: Börsenbl. nr. 69. 

Von einer entscheidung des reichsgerichts in einem nach- 
drucksproceß berichtet Augsb. allg. ztg. nr. 71. 

Johann Jacob Weber, nekrolog von LorcJc, Börsenbl. nr. 73. 

Quartal rundschau im deutschen buchhandel, Januar bis märz, 
Börsenbl. nr. 77. 

Zur geschichte des russischen buchhandels : Börsenbl. nr. 83. 

Eine slavische bibliographie : Börsenbl. nr. 103. 

Buchdruckerkunst in der Türkei: Börsenbl. nr. 117. 

Die Elzevire: Börsenbl. nr. 123. 

Buchhandel und literaturgeschichte , ein wort an die buch- 
händlerische Jugend der Jetztzeit, von Ed. Berger in Guben, 
Börsenbl. nr. 129. — 

Von A. Schürmann , s buch : Organisation und rechtsgewohn- 
heiten des deutschen buchhandels. Bd. I, die entwicklung des 
deutschen buchhandels zum stände der gegenwart. Halle a. S., 
giebt eine kurze anzeige RAnz. nr. 163. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in 
Leipzig 1880 nr. 3-, abth. I: notizen über künftig erscheinende 
bücher : vortrage und aufsätze aus dem gebiete der archäologie 
und kuastgeschichte von dr. H. B. Stark: nach dem tode des 
Verfassers herausgegeben von dr. G. Kinkel. — Griechische in- 
sonderheit attische Chronologie, von A. Mommsen. — Die jüngst 
aufgefundenen bruchstücke von Schriften römischer Juristen. — 
Fr. G. Welckers leben, von B. KeJcule, eine sehr erwünschte 
erscheinung. 

Ausgegeben sind : K. T. Köhler antiquarium in Leipzig, 
katalog nr. 335 classische philologie; Catalogue de livres dAr- 



344 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

che'ologie et de philologie anciennes. Bücherverzeichniß von 
Karl J. Trübner in Straßburg, nr. XXVI, archäologie und clas- 
sische philologie. 



Kleine philologische zeitung. 

Die „Opinione" vom 4 januar 1880 theilt ein circular des 
italienischen Unterrichtsministeriums mit, welches außer andern 
bestimmungen, von denen die über einführung von Schulbüchern 
fast ganz mit den vom preußischen ministerium kürzlich erlas- 
senen übereinstimmen, allgemeine anweisungen für den Unterricht 
in den lyceen und gymnasien enthält , welche in doppelter be- 
ziehung für uns Deutsche von besonderem interesse sind. Be- 
kanntlich findet bei uns die ansieht, die schriftlichen arbeiten 
seien auf ein minimum zu beschränken und die häuslichen ex- 
ercitien in den fremden sprachen fast ganz abzuschaffen, eine 
nicht geringe zahl von Vertretern. Dem gegenüber stellt der 
genannte erlaß als ziel hin : „die schüler so viel als irgend mög- 
lich im schreiben zu üben und die arbeiten, aufsätze oder Über- 
setzungen, so oft als irgend möglich zu corrigieren". Auf welcher 
seite das richtige liegt, bedarf unseres erachtens keiner bemer- 
kung. In der that werden in Italien weit mehr schriftliche ar- 
beiten angefertigt, als bei uns; und abgesehen davon, daß den 
Italienern die lateinische spräche überhaupt nahe steht, ist es 
wesentlich diesem umstände zuzuschreiben, daß die Jugend der 
lyceen bei der sehr geringen für das lateinische ausgeworfenen 
Stundenzahl so viel leistet, als wirklich der fall ist. Ermöglicht 
wird diese große zahl der schriftlichen arbeiten dadurch, daß 
die gesammtzahl der Unterrichtsstunden sowohl für die schüler 
als für die lehrer eine erheblich geringere ist, als bei uns. Lei- 
der ist wenig aussieht vorhanden, daß auch wir zu einer Ver- 
einfachung des lehrplanes gelangen. — Zweitens verdient ein 
in dem fraglichen erlaß enthaltenes urtheil über den werth der 
verschiedenen diseiplinen für die sittliche erziehung beachtung. 
In der obersten classe der lyceen werden auf litterarischen, hi- 
storischen und philologischen Unterricht 17, auf die mathema- 
tisch-naturwissenschaftlichen fächer 9*/2 stunden wöchentlich ver- 
wandt; man sollte erwarten, daß diesen letzteren ein ganz be- 
sonderer werth für die sittliche erziehung beigelegt werde. Indessen 
spricht sich der erlaß darüber folgendermaßen aus: „der Unter- 
richt in der italienischen litteratur und in den klassikern, in 
der geschieh te und philosophie erwärmt das herz der jugend für 
alles edle und ist von wesentlicher bedeutung für die bildung 
des Charakters; die übrigen fächer sind nicht ganz ohne einfluß 
auf die erziehung zur Sittlichkeit, ihren hauptwerth haben sie 
jedoch für die intellectuelle ausbildung". Möchte diese erkennt- 
niß auch bei uns manchen Schulmännern aufgehen ! 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 345 

Ein ausführlicher nekrolog auf August Gladiscli von dr. R. 
Hepke steht in dem feuilleton der Norddeutschen allgemeinen 
ztg. vom 28. novemb. 1879. Vergl. ob. hft. 4, p. 261, wo statt 
p. 268 zu lesen ist p. 310. 

Die kirche im apostolischen Zeitalter und die 
entstehung der n eutestamentlichen Schriften, darge- 
stellt von Heinrich W. J. Thiersch, dritte verbesserte aufläge, Ver- 
lag von Eicbard Preyst in Augsburg (1879). — Der Verfasser 
hatte sich bei herausgäbe seines werkes im jähre 1852 der ein- 
seitigen kritik gegenüber die aufgäbe gestellt, nachzuweisen, daß 
„die alte kirche kein literarisches treibhaus war, kein klub von 
streitenden Sophisten , kein Spielplatz der individuellen Willkür, 
sondern ihrem wesen nach eine göttliche Stiftung , ein von gott 
gestalteter bau, ein Organismus, in dem sich lauter göttlicbe ge- 
danken ausprägen." In der jetzt erschienenen dritten aufläge 
nimmt Thiersch den neuen, inzwischen aufgetretenen und immer 
lauter gewordenen gegnern gegenüber die vertheidigung der hei- 
ligen schriften des neuen bundes, ihrer echtheit und glaubwür- 
digkeit wieder auf. Er beklagt in der vorrede , daß die böse 
saat der bibel Verdächtigung, welche besonders von Baur und 
der kritischen (Tübinger) schule ausgestreut sei, allzukräftig ge- 
wuchert und die vorurtheile gegen das göttliche wort in die 
tieferen schichten des volks habe dringen lassen , wodurch gei- 
stige Verödung und Verfinsterung verbreitet worden sei ; hier- 
gegen noch in der letzten stunde des niedergangs ein zeugniß 
für die Wahrheit der heiligen Urkunden abzulegen , sei pflicht. 
Unter den neueren gegnern hebt er besonders Renan (Origine 
du Christianisme) hervor ; er erkennt dessen profan-geschichtliche, 
archäologische, geographische und ethnographische leistungen an, 
erachtet aber dessen geschichte Christi und seiner gemeinde doch 
nur für einen roman mit so muthwilligen hypothesen , daß man 
mit befremden fragen müsse , ob denn Renan überhaupt ein 
homme serieux sei. Ewalds (geschichte des volkes Israel 6. u. 7. 
band u. a.) leistungen für das Studium der heiligen schrift wür- 
digt Thiersch als außerordentliche ; es macht ihm aber einen 
wehmüthigen eindruck, daß selbst ein so edler geist sich von 
einigen vorgefaßten meinungen nicht habe freimachen können, 
die in der theologie seiner Jugendzeit vorherrschten. Thiersch 
versichert, daß er bei dem durchdenken und prüfen seines Wer- 
kes die erfreuliche Wahrnehmung gemacht habe , wie ihm die 
Überzeugung von der echtheit der neutestamentlichen Schriften, 
die er vor 34 jähren in seinem jugendlichen „versuch" (zur 
Herstellung des historischen Standpunktes für die kritik der neu- 
testamentlicheD Schriften, Erlangen 1845) nachgewiesen habe, 
durch alles seitdem vernommene , durchforschte und erlebte be- 
stätigt worden sei, so daß er in der hauptsache an seinem werke 
nichts zu ändern gefunden habe. Thiersch erörterte in der ein- 



346 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

leitung des letzteren zunächst die geschichtliche Stellung des 
christenthums zum heidenthum und judenthum. Die finsterniß 
des heidenthums ist ihm nicht das ursprüngliche, aus welchem 
sich das jüdische volk zum monotheismus emporgearbeitet habe, 
das heidenthum sei vielmehr der allmähliche abfall von gott 
gewesen und das judenthum die rückkehr zum ursprünglichen, 
der menschheit gemeinsamen monotheismus. Die geschiente des 
apostolischen Zeitalters wird dann auf grund der neutestament- 
lichen Schriften in drei abschnitten geschildert: die gründung 
der kirche unter den Juden durch Petrus, die gründung der 
kirche unter den heiden durch Paulus und, nach dem tode die- 
ser beiden apostel, die leitung der kirche durch Johannes. Durch 
den in anmerkungen erfolgenden hinweis auf die neutestament- 
lichen quellen der geschichte eignet sich das werk ebensowohl 
zum theologischen Studium wie durch seine faßliche darstellung 
zur belehrung jedes gebildeten lesers. RAnz. nr. 56. 

In Freiburg i. Br. ist im städtischen archiv ein blatt einer 
rescribirten handschrift gefunden, welches psalmen Davids ent- 
hält. So die Karlsruher ztg. , aus der RAnz. nr. 64 referirt : 
die angaben sind aber ungenau. 

Die a u s g r a b un g e n in Olympia (s. ob. nr. 5, p. 301), 
nr. XXXXI : die fundamente des großen Zeusaltares, ein ausgezeich- 
neter archaischer marmorkopf, zwei römische bildnißköpfe , das 
ergänzende untertheil eines uralten Eumenidenidols, große stücke 
der Hydrametope, fragmente der giebelgruppen und der Nike, 
zahlreiche inschriften, massenhafte bronze- und terracottafunde 
in der urschicht des olympischen bodens, endlich die rekonstruk- 
tion des gigantenkampfes im giebelbild des Megareerschatzhauses 
— das sind die ergebnisse der letzten wochen. — Von dem 
Zeusaltare hat der telegraph bereits das wichtigste in aller 
kürze gemeldet. Ausführlicheres über denselben, sowie über un- 
sere neuentdeckten bronzen , terracotten und inschriften wird 
nächstens berichtet werden. Hier soll lediglich von plasti- 
schen funden rechenschaft gegeben werden , vor allem von 
dem wichtigsten derselben, dem obenerwähnten archaischen 
marmor köpfe. — Er ist fast lebensgroß und von einem zu- 
rückgeschobenen korinthischen heim bedeckt, unter dessen schirme 
drei reihen archaischer spirallöckchen hervorquellen. Zwei dieser 
reihen waren besonders gearbeitet und eingesetzt; ebenso die 
schräggestellten, jetzt fehlenden äugen. Jene steife frisur rahmt 
ein breites, bärtiges alterthümlich lächelndes gesicht, von der 
kunststufe etwa der Aeginetenköpfe. Von diesen jedoch unter- 
scheidet er sich sehr bestimmt durch die behandlung der breit 
hervorstehenden , fleischigen wangen , den weichen und vollen, 
etwas schief stehenden mund, durch einen naturalismus in der 
wiedergäbe der lippenhaut , der bei einem so alten kunstwerke 
geradezu in erstaunen setzt und wunderlich mit dem alterthüm- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 347 

liehen Schema der gesammtanlage kontrastirt. Es kann nach 
alledem gar keinem zweifei unterliegen, daß wir ein p o r t r a i t, 
und zwar ein solches aus der letzten zeit des 6. oder den ersten 
jahren des 5. vorchristlichen Jahrhunderts aufgefunden haben. — 
Die Vernachlässigung von ohr, kinnlade und hals an der linken 
seite beweist, daß diese partieen dem äuge des beschauers ur- 
sprünglich entzogen waren; am wahrscheinlichsten wohl durch 
einen schild, dessen rand bei ruhiger armhaltung gerade in diese 
höhe hinaufgereicht haben müßte. Nun iindet sich unter un- 
seren schon früher ausgegrabenen fragmenten ein solcher schild- 
bewehrter arm und zwei schildfragmente, die sämmtliche in der 
marmorart, den proportionen und besonders den stileigenthüm- 
lichkeiten so genau mit unserem köpfe übereinstimmen, daß man 
an ihrer Zugehörigkeit zu derselben statue in der that durchaus 
nicht zweifeln kann. Auf dem schildreste am arme und einem 
der fragmente läßt sich auch noch das schildzeichen in seinem 
relief erkennen : Phrixos, der auf goldwolligem widder über die 
fluthen reitet. Dieses emblem hilft uns arm und köpf mit 
größter Wahrscheinlichkeit einem der siegerbildnisse zuzuweisen, 
die Pausanias beschreibt. — VI, 17,6 erwähnt er die statue 
des Theogonossohnes Eperastos. Dieser hatte im waffenlauf 
gesiegt, war also wahrscheinlich mit heim und schild dargestellt. 
In seiner inschrift , sagt Pausanias , rühme er sich , „ein seher 
aus dem geschlechte heiligredender Klytiaden und dem geblüte 
göttergleicher Melampodiden" zu sein. Und wenn unser bericht- 
erstatter bei dieser gelegenheit den Stammbaum des Klytios und 
Melampus bis zum Amythaon hinauf verzeichnet, so erinnern 
wir hier daran , daß Melampus ein neffe des Phrixos und ein 
vetter des Jason ist, also jenem minyischen geschlechte thessali- 
scher Aioliden angehört, auf dem der volle glänz der argonauten- 
sage ruht. Eine natürlichere erkiärung für jenes räthselhafte 
schildzeichen wird sich schwerlich finden lassen : es ist ein statt- 
liches wappenbild , das Eperastos am ehrentage seines sieges 
trug ; ein ahnenbild , das die stolze genealogie der weihinschrift 
noch weiter hinaufführt. — Auch der fundort von arm und fuß 
unserer statue — denn auch diesen besitzen wir wahrscheinlich 
— stimmt zu dieser annähme vortrefflich. Wie Pausanias vom 
Leouidaion kommend und zum großen Zeusaltare gehend das 
bildniß des Eperastos in der nähe des Gorgias stehen sah , so 
haben wir die glieder des einen und die basis der andern zwi- 
schen Leonidaion und Zeusaltar nicht weit von einander von 
der nord ost - ecke des Zeustempels wieder aufgefunden , gewiß 
auch unfern ihres ursprünglichen Standortes. Der köpf freilich 
war in den nord-westen in die nähe des Pelopionthores ver- 
schleppt worden, wo er in einem mit ziegel- und porosbrocken 
gefüllten loche liegen blieb. — Die beiden übrigen köpfe, welche 
wir in den letzten wochen gefunden , gehören , wie bereits er 



348 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

wähnt, der römischen epoche an. Der eine von ihnen erinnert 
an die züge des jugendlichen Augustus-, der andere ist ein 
portrait der jüngeren Faustina, welcher sich einer gewand- 
statue aus der exedra aufs genauste einfügt. Dort steht auch 
noch die basis mit der weihinschrift des Herodes Atticus. Die 
gemahlin des Marc Aurel erscheint in dieser statue von einem 
jugendlich anmuthigen fast mädchenhaften reiz , wie kaum sonst 
in ihren zahlreichen bildnissen. War sie hier doch als ganz 
junge frau in den ersten jähren ihrer verheirathung dargestellt, 
wie man aus den inschriftbasen ihrer zugleich aufgestellten bei- 
den ältesten kinder mit recht geschlossen hat. — Aus den späten 
mauern über der Echohalle zogen wir das untertheil jenes ägyp- 
tisirenden weiblichen idols hervor, dessen im 30. bericht erwäh- 
nung gethan ist (Ausgr. IV, taf. 17). Er wird durch diesen 
neuen f und noch merkwürdiger ; denn nun erweist sich, daß die 
säulenartig starr dastehende göttin mit beiden eng am körper 
anliegenden bänden je eine schlänge am halse gepackt hielt. 
Statt eines namenlosen, unverständlichen idols besitzen wir in 
ihr somit die älteste aller Eumeniden. — Ganz in der 
nähe dieses kostbaren Stückes fanden wir ein großes fragment 
vom mantel der Paionios-Nike, das durch mannigfache 
anfügungen früher gefundener fragmente zu einer höhe von ca. 
50 und einer breite von ca. 90 cm angewachsen ist. Wie das ge- 
wand angeordnet war, das im rücken der göttin in gewaltigen 
bogen sich bauschte, ist leider eine noch ungelöste frage. Das 
neue stück bringt mit der ausfüllung einer großen lücke neue 
räthsel durch nachweis eines gewandansatzes an der innenseite 
des mantels. — Die giebelgruppen des Zeustempels , besonders 
die westliche, haben in dieser zeit wiederum neuen Zuwachs an 
ergänzenden gliedmaßen, körperfragmenten und faltenstücken er- 
halten ; von den metopen aber ist uns eine fast ganz neue ge- 
wonnen , die mit dem Hydrakampfe des Herakles. — Der 
rümpf der Hydra , ein riesiger schlangenleib , wälzt sich von 
links her in wulstigen Windungen durch die ganze metope und 
bäumt sich am rechten rande derselben hoch empor. Wohl ein 
dutzend schlangenhälse entsprießen ihm hier, sich bald kampfes- 
muthig emporreckend, bald todt daliegend. In diesen schlangen- 
knäuel tritt Herakles von links her muthig hinein und packt 
mit der linken resolut einen der halse. Erlegte schlangenhälse 
und abgeschnittene köpfe um ihn herum zeugen von gethaener 
arbeit. Uebrigens besitzen wir vom Herakles selbst bis jetzt 
wenig mehr als den torso. ■ — Die ähnlichkeit mit der entspre- 
chenden Theseionmetope ist unverkennbar; nur fehlt Iolaos. 
Und während dort im sinne einer vorgeschritteneren kunstübung 
aller nachdruck auf die dramatische bewegung des hastig her- 
beieilenden beiden gelegt ist, verweilt unser künstler noch mit 
altertümlicher breite bei der Schilderung seines grotesken un- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 349 

gethüms , dessen schlangenknäuel fast dreiviertel der metope 
einnimmt. Daß sich ein ähnliches zusammentreffen der motive 
bei fundamental verschiedener behandlungsweise auch in den 
metopen mit dem eher, den Diomedesrossen, dem Kerberos und 
theilweise auch dem Geryonkampfe nachweisen läßt, giebt zu 
denken. Ueberall wird man die olympischen metopen noch von 
der älteren weise gebunden finden. — Am reliefgrunde der 
Hydrametope hat sich mehrfach ein lebhaftes roth erhalten. Um 
so auffallender war es uns, als wir vor kurzem die untere hälfte 
der metope mit den beinen des kretischen stiers aus- 
gruben , am fond reichliche spuren eines leuchtenden blau zu 
finden, von dem sich der stierkörper rothbraun abhob. — Nicht 
neu gefunden, aber doch gleichsam neu gewonnen ist uns jetzt 
der götter- und Gigantenkampf aus dem giebel des Mega- 
reerschatzhauses, nachdem es uns gelungen, denselben aus 
den im vorigen jähre in der byzantinischen westmauer gefun- 
denen relieibruchstücken so weit wiederherzustellen , daß sich 
über diese älteste aller auf uns gekommenen giebelkompositionen 
jetzt mit völliger Sicherheit urtheilen läßt (vergl. auch bericht 
29 und band IV. taf. 18 und 19). — Den 5,80 breiten und 
0,73 m hohen giebelrahmen füllten fünf kämpferpaare und zwei 
eckfiguren, also im ganzen zwölf gestalten. Die mitte nahmen 
Zeus und ein Gigant ein , der verwundet ins knie gesunken 
ist (IV. taf. 18). Er, wie alle seine genossen, sind, nach der 
weise der älteren kunst, als gewaltige krieger in voller waffen- 
rüstung gebildet. Eechts folgten den giebelecken zugewandt, 
Herakles mit einem gestürzten Giganten, und Ares, knieend, 
ebenfalls mit einem zu boden gestreckten gegner vor sich (VI. 
taf. 30b.). Die ecke nahm ein gefallener Gigant ein, dessen 
behelmter köpf den äußersten wiükel füllte. Links, in strenger 
symmetrischer entfernung ebenfalls zwei kämpferpaare. Zeus 
zunächst wahrscheinlich A t h e n a und ihr gegner ; sodann P o- 
s e i d o n und ein erlegter Gigant. Aus der linken ecke heraus 
kommt dem gotte ein seethier zu hülfe. — Von diesen zwölf 
gestalten besitzen wir noch neun mehr oder weniger vollständig ; 
drei (Zeus , Athena und der gefallene Gigant der rechten ecke) 
nur in unbedeutenden resten , was bei dem weichen kalkmergel 
dieser reliefs und der barbarischen art ihrer späteren vermaue- 
rung nicht zu verwundern ist. Immerhin ist genug übrig , um 
uns zu zeigen , wie die kindheit der kunst — unsere gruppe 
stammt etwa aus der mitte des 6. Jahrhunderts und ist wahr- 
scheinlich ein werk aus der schule des Dipoinos und Skyllis — 
dergleichen aufgaben in engem räume und mit beschränkten 
mittein zu lösen suchte. — Hier haben wir die ersten anfange 
jener unausgesetzten bemühungen vor uns, welche die griechische 
kunst einst zu jenen vollendeten leistungen hinaufführen sollten, 
die wir jetzt am Gigantenaltare von Pergamon bewundern. Und 
Philolog. Anz. X. 24 



B5Ö Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

es steigert den werth dieses merkwürdigen historischen denkmals 
nicht wenig, daß wir die zeit und schule mit hoher Wahrschein- 
lichkeit anzugeben wissen, der es entstammt. — Georg Treu. 

RAnz. nr. 70. Daran schließen wir nr. XXXXII aus RAnz. 

nr. 90: Eine nach umfang und inhalt reichere und mannigfal- 
tigere ernte, als dieses mal, haben die berichte der olympischen 
ausgrabungen noch selten zu verzeichnen gehabt. Wir danken 
dieses vor allem unserem Kaiser, dessen munificenz es ermög- 
lichte, die zahl der arbeitskräfte fast bis zur doppelten höhe zu 
steigern , um den nahen abschluß der ausgrabungen zu einem 
vollständigen und würdigen zu gestalten. — Vor allem ist der 
köpf des Dionysosknäbleins gefunden , das der praxite- 
lische Hermes auf seinem arme trägt. Es ist dies ein ganz be- 
sonderer glücksfall. Alle anderen noch fehlenden theile der 
gruppe. mit ausnähme der rechten hand, hätten wir allenfalls 
noch verschmerzen können — dieser allein wäre für uns völlig 
unersetzlich gewesen. Keine andere phantasie , kein verglei- 
chendes Studium hätte uns zu zeigen vermocht, in welcher weise 
Praxiteles einen kinderkopf gebildet haben müßte. Und man 
durfte auf die lösung dieses problems um so mehr gespannt sein, 
als es ja bekannt ist, wie spät die griechische kunst die Schwie- 
rigkeiten der kinderdarstellung erst vollständig überwindet. — 
Daß das Dionysosknäblein für sein alter zu klein gebildet, ja 
überhaupt als nebenwerk behandelt sei, wohl um den Hermes 
um so mehr als hauptgestalt der gruppe wirken zu lassen , er- 
fährt nun eine weitere bestätigung. Der auffallend kleine Schä- 
del , das zwar kindliche , aber doch nichts weniger als putten- 
hafte pausbäckige gesicht , das lange haar , welches in zierlich 
geordneten wellen durch eine schnür zusammengehalten wird 
und über der stirn ursprünglich, wie es scheint, zu einem klei- 
nen knaufartigen büschel zusammengefaßt war, verräth ebenso- 
sehr ein entwickelteres kindesalter, als die körperformen und die 
sichere haltung. Wenn daher die proportionen das moderne 
äuge auch nicht überall ganz kinderhaft anmuthen und die ein- 
zelbildung des gesichtes hinter dem des Hermes unleugbar ein 
wenig zurücksteht , so kosten wir dafür die bewegung erst 
jetzt völlig in ihrem vollen reize echt kindlicher lebensäußerung. 

— Als wir am nachmittag des 27. märz, kurz vor dem sonn- 
abendschluß der arbeiten, das köpfchen über 80m weit von 
seinem ursprünglichen Standorte der gruppe ausgegraben hatten 

— es lag ca. 40 m nordwestlich von der nordwest-ecke des Zeus- 
tempels unverbaut auf einer Schicht von thonscherben und po- 
rosbrocken — und das unverkennbare dem rümpfe sogleich auf- 
paßten, da war es vor allem die lebhaftigkeit der bewegung 
in der kindesgestalt , deren wahrhaft überraschender Wirkung 
sich keiner von uns entziehen konnte. So lebendig hatte sich 
niemand das kind gedacht. Diese naiv reizende neigung d 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 351 

vorgestreckten köpfchens zur linken schulter hin , um an dem 
Hermeskopf vorüber zu dessen rechter hand hinaufblicken zu 
können, ist von so frappanter Wahrheit, daß man das linke 
aermchen förmlich zu sehen glaubt , welches sich bittend nach 
dem ausreckt , was Hermes in seiner rechten hielt. Denn es 
unterliegt jetzt gar keinem zweifei mehr , daß diejenigen recht 
behalten werden , welche voraussetzten , der gott halte seinem 
kleinen gesellen eine traube oder etwas dergleichen hin. — Und 
auch noch andere Hermes-streitfragen , auf die hier nicht näher 
eingegangen werden kann, werden durch diesen neuen fund ihrer 
lösung entgegen geführt. — Die hauptfreude bleibt aber nicht 
die lösung der wissenschaftlichen probleme, sondern die wieder- 
auferstehung eines bewegungsmotivs voll anmuthigsten lebens- 
gefühles. Und dieser genuß wird durch die beschädigungen, 
welche der köpf erlitten , wenigstens nicht allzusehr beeinträch- 
tigt, da dieselben sich meist an der rechten, dem beschauer ab- 
gewandten kopfseite befinden, die linke seite ist verhältnißmäßig 
gut erhalten. Wie zu erwarten war, setzt sich auch hier, ganz 
wie beim Hermes , das haar rauh gegen die fein geglättete, 
weiße gesichtshaut ab. Endlich aber hat es sich so glücklich 
gefügt, daß die brüche des halses dem rümpfe genau aufpassen, 
so daß die Zugehörigkeit auch äußerlich erwiesen ist , richtung 
und bewegung des kopfes unverrückbar gegeben sind. — Unter 
unseren telegraphisch bereits gemeldeten märzfunden sind dem- 
nächst die neuentdeckten metopen und giebelköpfe die 
bedeutendsten. Wir beginnen mit der besprechung des He- 
rakleskopfes aus der metope mit dem nemäischen 
lö wen kämpfe. — Er ist ein geschenk der endgültigen auf- 
räumung und sorgfältigen reinigung des Zeustempels -stylobates. 
Hierbei nämlich erwies sich eine der Stylobatquadern als ver- 
schoben ; wie es scheint , hatte man den versuch gemacht , die- 
selbe wegzuwuchten und dabei jenen köpf als den nächstliegen- 
den stein zur stütze daruntergeklemmt. Es muß dies ziemlich 
bald nach dem stürze der metopen geschehen sein, da der köpf 
bei dieser gelegenheit zwar die spitzen von nase , lippen und 
kinn einbüßte , dennoch aber der einzige von allen bisher auf- 
gefundenen köpfen ist , der sich die bemalung von haar und 
äugen in seinem versteck erhalten hat. Sie ist nach dem sach- 
verständigen urtheil unseres gastes, des prof. Zimke aus Marburg, 
anscheinend in englisch roth (eisenoxyd) hergestellt, und an dem 
größten theil des haares , den augenbrauen , den liderrändern 
und dem stern des rechten auges in lebhaften und reichlichen 
resten zu konstatiren. Die gesichtshaut dagegen ist auch hier 
weiß und glatt, während das haar, das, wie bei allen Herakles- 
köpfen der metopen als ungegliederte masse behandelt ist, eine 
rauhere Oberfläche zeigt. Ein versuch, die einzelnen locken dar- 
zustellen , ist auch in der färbe nicht gemacht-, es wäre aber 

24* 



352 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

nicht undenkbar, daß uns blos die untermalung erhalten ge- 
blieben ist. — Daß dieser Herakleskopf aus der löwenmetope 
stammt, geht unwiderleglich daraus hervor, daß seine wange auf 
die rechte, noch erhaltene hand gestützt ist. Diese Stellung fin- 
det einzig in dem pariser bruchstücke des genannten reliefs seine 
erklärung , aus dem hervorgeht , daß Herakles , nach links ge- 
wendet, neben dem erlegten löwen dastand und den rechten 
fuß auf dessen leib setzte. Der rechte eilenbogen wird sich 
auf den schenkel gestützt haben. Es ist ein schöner und , so 
weit wir sehen, dem künstler dieser reliefreihe ganz eigenthüm- 
licher gedanke , den mühbeladensten aller helden nach seinem 
ersten siege in dieser ausdrucksvollen duldergeberde tiefen Sin- 
nens darzustellen, als gedächte er aller der kämpfe und gefahren, 
die ihm noch bevorstehen. Derselbe gestus kehrt zu neuem 
zeugniß für den verwandten Ursprung von metopen und giebel 
in einer greisengestalt des ostgiebels wieder*, in unserem relief 
erhält er aber noch einen tieferen sinn dadurch, daß eine zweite 
gestalt, wahrscheinlich Athena als göttliche helferin und trösterin 
neben Herakles dastand — dies glaube ich wenigstens aus den 
raumverhältnissen der metope und der vergleichung verwandter 
darstellungen schließen zu müssen. — Daß die künstler der 
metopen mit ihrer scenenreihe eine chronologische abfolge der 
Heraklesthaten einzuhalten unternommen hatten und den löwen- 
kampf wie gewöhnlich als die früheste derselben aufgefaßt wissen 
wollten, haben sie dadurch deutlich dargethan, daß sie unseren 
Herakleskopf allein unter allen erhaltenen unbärtig bildeten. 
Daß endlich diese reihe an der nordwestecke begonnen haben 
müsse, erhält durch den fundort dieses kopfes eine neue bestä- 
tigung. — Unter den neugefundenen giebelköpfen ist der schönste 
der der knieenden Lapithin aus der linken giebelhälfte 
(E) •, ja es ist dieses überhaupt eins der schönsten stücke unter 
unseren tempelskulpturen. Die geberde, mit der das knieende 
mädchen ihr haupt tief auf die brüst niederbeugt, um sich vor 
der Umklammerung des Kentauren zu schützen, der sie mit sei- 
nem hinterbeine festzuhalten sucht-, die vollen, großen gesichts- 
formen, das gelöste haar, welches das haupt in gedrängter fülle 
umflattert — alles dies ist in monumentaler große und strenge 
der auffassung zu packender Wirkung gebracht. Zwar fehlt uns 
noch viel zum vollen verständniß dieser verwickeltsten und kühn- 
sten aller westgiebelgruppen — aber ihre künstlerische Wirkung 
namentlich wird doch durch diesen neuen fund mächtig geför- 
dert. — Von der einzigen noch fehlenden gestalt des westgie- 
bels, dem nun schon seit jähren vergebens gesuchten Theseus, 
ist wiederum ein kleines fragment, eine hinterkopflamelle zum 
Vorschein gekommen. Man könnte dies als ein böses omen für 
die zerschellung des kopfes auffassen. Allein wie wenig wir 
auch in diesem falle auf die hoffhung zu verzichten brauchen 



' 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 853 

dergleichen zerschellte köpfe allmählich zusammenzufinden , also 
z. b. auch der Paionios-Nike ihr antlitz wiederzugeben, hat uns 
neuerdings wieder der fund von dem gesiebte des knaben- 
raubenden Kentauren gelehrt. — Auch von diesem hatten 
wir bereits früher hinterkopfstücke gefunden. Das gesicht aber ist 
uns dennoch gerettet worden, und zwar dadurch, daß ein später an- 
siedier der gegend im süden des Philippeions das grab seiner 
angehörigen unter seiner hütte mit einer zweiten deckschicht 
aus ziegelscherben , porosbrocken und marmorfragmenten versah, 
in die er auch dieses kopfstück mit einflickte. — Es ist eins 
der charakteristischsten Kentaurengesichter mit wirrem , kurzem 
haar, niedriger, gefurchter stirn und dem ausdruck thierischer 
Wildheit in den zügen. Tief eingeschnittene, eigenthümlich sche- 
matische falten an nasenwurzel und nüstern zeigen , daß der 
kentaur sich durch beißen seines gegners erwehrte — vom 
munde selbst ist uns nur die oberlippe erhalten. Mit diesem 
motiv ist aber auch der platz des neuen fundes im giebel ge- 
geben. Denn nach der symmetrischen entsprechung, welche durch 
die ganze komposition geht, kann das gesicht nur dem gegen- 
stück des beißenden Kentauren der linken giebelhälfte angehören, 
also dem knabenräuber. — Der tag dieses fundes (20. märz) 
traf mit der diesjährigen geburtstagsfeier unseres kaisers zusam- 
men , die in den annalen der expedition als ein besonderer 
glückstag verzeichnet steht. Damals nämlich traf hier die mit 
jubel empfangene nachricht von der gewährung einer schlußrate 
durch se. Majestät ein ; und noch an demselben tage thaten wir 
außer dem obengemeldeten noch den großen, völlig unerwarteten 
fund einer überlebensgroßen Apollonstatue. — In den fun- 
damenten einer anscheinend noch aus spätrömischer zeit stam- 
menden halle im süden des Philippeions waren bruchstücke von 
inschriften und Skulpturen bemerkt worden. Der in folge dieser 
beobachtung sofort unternommene abbruch der fundamente ergab 
richtig nicht nur einige inschriften , sondern auch über dreißig 
bruchstücke einer nackten männlichen statue , die offenbar ab- 
sichtlich zum zweck der einmauerung zerkleinert worden ist. — 
Der etwas mühsame versuch ihrer Wiederherstellung gelang end- 
lich, und ich konnte bei dieser gelegenheit konstatiren, daß wir 
hinterkopf und hals der statue bereits früher in der nähe der 
sogenannten byzantinischen kirche aufgefunden hatten. Bereits 
damals hatten wir aus dem flechtzopf, welcher den hinterkopf 
umgiebt , gefolgert , es müsse in Olympia eine marmorwiederho- 
lung jenes bekannten archaisirenden Apollontypus gegeben ha- 
ben, der in verschiedenen exemplaren in den museen von Athen, 
Neapel, Mantua, Cassel vertreten ist. — Auch unser exemplar 
stammt aus römischer zeit. Ueber die feineren stilnüanzirungen 
wird sich erst nach auffindung des gesichts und der noch feh- 
lenden Unterarme und unterbeine urtheilen lassen. Uebrigens 



354 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

sieht man schon jetzt, daß der von einer chlämys locker umge- 
bene linke arm eine ley er hielt, die rechte also wohl ein plektron. 
Das haupt schmückte ein metallkranz ; die sonst üblichen schulter- 
locken scheinen zu fehlen. — Also ein leyerspielender Apollon 
in Olympia, den Pausanias, wie fast alles aus römischer zeit stam- 
mende übergangen. Vielleicht das weihgeschenk eines dichters, 
der siegreich den olympischen hymnus gesungen , wie auf einer 
der dichterbasen steht, die wir in letzter zeit hier gefunden. — 
Unsere übrigen plastischen funde seien hier nur in aller kürze erwähnt. 
Sie bestehen aus einem überlebensgroßen nackten männli- 
chen torso römischer arbeit und dem körper eines Satyr- 
knaben, der, an einen baumstamm gelehnt, die flöte bläst — 
auch dies eine mittelmäßige römische Wiederholung eines bekannten 
typus. — Wichtig ist der fund eines fast lebensgroßen , leider aber 
sehr beschädigten terracottakopfes, der in darstellung und stil 
große Übereinstimmung mit dem haupte des Heraion-kultbildes zeigt. 
— Unsere ernte aninschriften und bronzen, unter denen sich wieder- 
um einige archaische Statuetten feinsten stils befinden, muß ich hier 
völlig übergehen, da dieser bericht die ihm gesteckten grenzen so wie 
so bereits weit überschritten hat. — Ich schließe denselben mit 
der meidung von dem glücklichen eintreffen und dem festlichen 
empfange der geheimräthe Curtius und Adler. Olympia, den 

2. april 1880. Georg Treu. Hieran reihen wir nr. XXXXIII 

aus BAnz. nr. 107: Als ich vor zwei jähren Olympia verließ, 
geschah es mit dem bewußtsein, daß trotz aller anstrengungen 
der größere theil der arbeit noch ausstehe und daß es der fort- 
dauernden gunst und fürsorge von kaiser und reich, sowie vielen 
eifers und hingebung aller dazu berufenen bedürfen würde, um 
das nationale unternehmen in dem einmal begonnenen sinne 
glücklich zu ende zu führen. Jetzt wieder zu gemeinsamer thä- 
tigkeit mit meinem freunde Curtius hierher zurückgekehrt, habe 
ich nach überschlägiger prüfung des fertigen wie des noch aus- 
stehenden arbeitspensums die gewißheit gewonnen, daß es noch 
in dieser arbeitsperiode möglich werden wird, die eigentlich tech- 
nischen arbeiten abzuschließen. Zur letzten ruhigen wissen- 
schaftlichen ausbeute , sowie zur abwickelung aller geschäfte 
wird die nochmalige aussendung der beiden bisherigen spezial- 
leiter dr. Treu und bauführer Dörpfeld, wenn auch nur auf 
kürzere zeit im herbste kaum zu umgehen sein. — Von den 
namentlich in den letzten wochen gemachten fortschritten , die 
der ebenso umsichtigen wie thatkräftigen technischen leitung 
verdankt worden, hebe ich in aller kürze folgendes hervor. ■ — 
Die Altis ist vollständig freigelegt und zwar bei möglichster 
sonderung und aufhäufung der materialien so übersichtlich und 
klar, daß von einem höheren punkte aus fast alle bauwerke, die 
tempel , die schatzhäuser , die hallen und thore , ja selbst eine 
erhebliche anzahl der noch am platze gebliebenen altäre und 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 355 

basen für jeden mit der topographie Olympias vertrauten deut- 
lich erkennbar sind. Aber über jenen engeren bezirk ist das 
ausgrabungsfeld nach allen Seiten schon weit hinausgewachsen. 

— Nach osten hat die freilegung des Stadion, soweit dieselbe 
für die alterthumswissenschaft wichtig und ohne zu großen ko- 
stenaufwand möglich war , stattgefunden. Mei'kwürdiger weise 
wurden alle ursprünglichen einrichtungen, die ablaufs- und ziel- 
schranken, die stände für die 20 läufer, die Wasserleitungen mit 
den schöpfplätzen , der geheime eingang u. m. a. wohlerhalten 
aufgefunden. Selbst die Steigungswinkel der alten erdaufschüt- 
tungen zeigten sich meßbar und die sichere gewinnung des 
olympischen Stadion mit ca. 192,15 m war eine besonders werth- 
volle frucht dieses Vorstoßes nach osten. — Im Süden ist die 
hochinteressante gebäudegruppe des Buleuterion mit dem temenos 
des Zeus Horkios und eine stattliche zweischiffige korinthisch-dorische 
stoa, an welcher die heilige feststraße entlang lief, hervorgetreten. 

— Noch bedeutender waren die ergebnisse der forschungen im 
westen vor der durch zwei thore und eine pforte sicher konstatirten 
Altis-westmauer. Hier lagen in langer reihenfolge von süden 
nach norden die Unterrichts- und Übungsplätze zur Vorbereitung 
für den wettkampf in Olympia, von einigen kleineren theils sa- 
kralen , theils profanen gebäuden unterbrochen. Zunächst im 
süden das große gymnasion als mächtiger oblongbau , außen an 
allen Seiten mit ionischen Säulenhallen ausgestattet; im inneren 
mit einem stattlichen säulenhofe , den hallen und gemacher um- 
geben. Schon sind die generelle planbildung und die hauptdi- 
mensionen bekannt ; auch ist ein theil der nordseite bereits frei- 
gelegt worden. An der weiteren bloßlegung dieses für Olym- 
pias geschichte besonders wichtigen gebäudes wird augenblick- 
lich eifrig gearbeitet. — Nördlich davon , jenseits der byzanti- 
nischen kirche , die wahrscheinlich im anfange des V. Jahrhun- 
derts n. Chr. in dem noch von Paixsanias gesehenen werkstatt- 
gebäude des Pheidias eingerichtet wurde , sind althellenische 
grundmauern entdeckt worden , die von einer eigenartigen ge- 
bäudegruppe herrühren. Den kern bildet der merkwürdige, 
tholusartige rundbau , der einen mit vielen stucklagen überzo- 
genen erdaltar geliefert hat. Oestlich davon — aber getrennt 

— ist ein kleiner säulenhof mit einem alterthümlich konstruirten 
brunnen in der ecke erkennbar, vielleicht der interessante rest 
eines der vielen beamtenhäuser auf diesem mit bau- und bild- 
werken so überreich besetzten boden. Auf einen späteren umbau 
deuten die reste eines großen römischen hofes östlich daneben, 
während andere im westen und Südwesten vorhandene mauer- 
züge noch der näheren erforschung harren. — Der nächste, 
nördlich davon belegene terrainabschnitt wird augenblicklich 
ebenfalls mit aufbietung vieler kräfte durchfahren , einerseits 
zur bergung weiterer giebelstücke des Zeustempels die hierher 



356 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

verschleppt worden sind , andererseits zur Vervollständigung un- 
serer topogographischen und architektonischen erkenntniß. — 
Noch weiter nördlich folgt dann die zwar einfach gestaltete, 
aher bei aller Ökonomie durch einfach edle Verhältnisse und feine 
architekturformen ausgezeichnete Palästra, die Übungsschule für 
den faust- und ringkampf. Auch dieser im ganzen wohlerhal- 
tene bau gliedert sich mit hallen und hörsälen um einen offenen 
hof wie das große gymnasion , aber es fehlen ihm die äußeren 
Säulenhallen, die jenen auszeichnen. Dafür sind seiner nord- 
seite zwei andere gebäude unmittelbar angefügt; eine nach 
norden geöffnete stoa und ein auf hohem stufenbau erhobenes 
propyläon sehr monumentaler struktur, welches eine art von 
festthor für diesen theil der gymnasionbauten bildete. Hier 
lagen parallel neben einander und nach norden in das Kladeos- 
thal weithineindringend mehrere übungs - laufbahnen', sowie die 
platze für den sprung und den diskuswurf. Schon ist die große 
zweischiffige Wandelhalle , welche diese gesammtanlage im osten 
begleitete, auf mehr als 200 m länge erforscht und festgestellt 
worden und hoffentlich wird es noch gelingen, das entsprechende 
gegenstück im westen jenseits des Kladeos ebenfalls nachzuwei- 
sen. — Alle diese mit dem griechischen leben so innig ver- 
wachsenen und einst so massenhaft vorhandenen bauanlagen 
treten uns hier zum ersten male in einer Vollständigkeit und 
deutlichkeit entgegen, wie sie bei dem beginn unserer arbeiten 
in keiner weise erhofft werden durften. — An der nordseite 
der Altis , da wo den fuß des Kronosberges eine lange gestufte 
futtermauer begrenzt, scheint uns das Schicksal die gleiche gunst 
bescheeren zu wollen. Schon ist es gelungen, aus den zahllosen 
baustücken, die die byzantinischen mauern verschlungen, aber 
auch gerettet haben, die wichtigsten bauglieder für zwei schatz- 
häuser hervorzuziehen und wieder, wenigstens im bilde, zu ver- 
einigen. Weitere rekonstruktionen stehen in aussieht, so daß 
auch diese werthvolle gattung antiker denkmäler, von der bis- 
her nur der name bekannt war, in der geschichte der baukunst 
fortan nicht unvertreten sein wird. — Trüber sind die aussich- 
ten für eine sichere Wiederherstellung des auch im norden, aber 
weiter westlich belegenen Prytaneion. Zwar ist der größere 
theil seiner grundmauern noch erhalten, aber ein mehrmaliger 
und theilweis sehr durchgreifender umbau erschwert die bau- 
analytische Untersuchung in hohem maße, so daß wir auf un- 
gelöste räthsel und schwebende fragen schon jetzt gefaßt sein 
müssen. — Und wie mit steigendem erfolge spaten und schaufei 
die außenanlagen eine nach der anderen entdeckt und bloßge- 
legt haben, so hat die nochmalige sorgfältige reinigung und 
Untersuchung aller erhaltenen baureste innerhalb der Altis gleich- 
falls zu wichtigen nachträglichen entdeckungen geführt. Sie 
einzeln aufzuführen ist unmöglich. Es mag genügen, an das 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 357 

festthor zum heiligen bezirke des Pelops , an die proedria, d. h. 
den Standplatz für die behörden und gesandten beim großen 
festopfer , an die beiden ca. 14 m hohen marmorsäulen für 
Ptolemäus Philadelphos und Arsinoe II., an die unscheinbaren 
und doch so wichtigen reste des großen Zeusaltars u. a. m. zu 
erinnern. — Von den vielen baulichkeiten , die in klassischer 
zeit gesehen und erwähnt worden sind, fehlt noch einzelnes, wie 
das theatron und der hippodrom , sowie die kleinen tempel 
der Demeter, der Aphrodite, der Eileithyia — alle außerhalb 
belegen — vor allem das ältere festthor im Süden, das den 
hauptzugang zur Altis eröffnete. — Die jetzt ertheilten ausgra- 
bungs - direktiven sind gerade darauf gerichtet , hier mehr licht 
zu verschaffen , um das große gewonnene material so weit als 
möglich zu vervollständigen. Nach den bisherigen , zum theil 
ganz überraschenden resultaten (wie z. b. am Stadion) hegen wir 
die hoffnung, daß auch bei diesen letzten Schürfungen und ta- 
stungen ein guter erfolg nicht ausbleiben und es uns vergönnt 
sein wird , die Altis innen wie außen mit ihren Stiftungen und 
gebäuden, an welche sich der rühm Olympia's anknüpft, bis 
zum herbste dieses jahres im wesentlichen vollständig im bilde 

liefern zu können. Druva, den 20. april 1880. F. Adler. 

Ferner nr. XXXXIV aus RAnz. nr. 113: Dem architektonischen 
berichte lasse ich eine Übersicht der denkmälerfunde folgen, die 
zuletzt von dr. Treu in seinem berichte vom 2. april besprochen 
worden sind. Während die bauliche aufräumung auf allen Seiten 
nach bestimmten zielen vorschreitet, um den grundriß von Olym- 
pia bis anfang juni möglichst zu vervollständigen , sind wir für 
bildliche und schriftliche denkmäler auf eine gelegentliche nach- 
lese angewiesen, welche im ganzen dürftiger wird, je weiter 
wir uns vom centrum der Altis entfernen. Gewiß können die 
schlußwochen noch reichere fände bringen , namentlich aus dem 
innern des großen gymnasiums, wo die siegerlisten aufgezeichnet 
waren. Aber wir müssen doch darauf gefaßt sein, daß gewisse 
schmerzlich empfundene lücken in den großen compositionen 
des Zeustempels unausgefüllt und manches schöne bildwerk trüm- 
merhaft bleiben wird. Neuere erfahrungen haben gezeigt, wie 
einzelne bruchstücke von giebelwerken weit hinaus über die 
grenzen von Olympia verschleppt worden sind, und ebenso daß 
am fuße des Kronoshügels kalköfen versteckt lagen , welche 
wahrscheinlich schon in byzantinischer zeit eine reihe von mar- 
morwerken vernichtet haben. Wenn diese statten des Verderbens 
uns zu anfang bekannt gewesen wären , so würden wir schwer- 
lich mit so guter Zuversicht die aufdeckung der Altis beantragt 
haben. Jetzt ergänzen sie die geschichte des Unterganges von 
Olympia, deren Studium ja auch ein theil unserer wissenschaft- 
lichen aufgäbe ist, und am ende des fünften Jahrgangs können 
wir solche erfahrungen schon mit größerer gemüthsruhe aufneh- 



358 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

inen , nachdem wir einen solchen denkmälerschatz geborgen ha- 
ben , wie er im felde der Altis sowie in den magazinen sich 
angesammelt hat. — Wer nach mehrjähriger abwesenheit zu- 
rückkehrt, bedarf, wenn er auch allen fortschritten der ausgra- 
bung gefolgt ist , doch einer reihe von tagen , um sich wieder 
zu orientiren, und er kann, wenn er an ort und stelle das grauen- 
hafte werk der Zerstörung ansieht, sich nur darüber wundern, 
daß es möglich war, eine solche menge plastischer gestalten in 
den hiesigen museen zu vereinigen. Man bedenke doch , daß 
vom ostgiebel sämmtliche 21 figuren aufgefunden sind und von 
den 13 menschlichen 7 mit ihren köpfen. Im westgiebel sind 
bis auf den Theseus (von dem nur fuß , arm und hinterkopf 
vorhanden sind) ebenfalls alle 21 figuren gefunden mit 1 3 köpfen. 
Von den unscheinbaren bruchstücken werden viele erst in der 
Olympia - ausstellung des Berliner museums ihre verwertlning 
finden , aber schon jetzt können wir den köpf des knieenden 
knaben , das unterbein des Zeus , den untertheil des sinnenden 
greises, den Schenkel des Oinomaos als wichtige fortschritte be- 
zeichnen, welche der ostgiebel in der ablaufenden arbeitsperiode 
gemacht hat. Der westgiebel verdankt ihr 2 köpfe , den des 
knabenraubers und den vorzüglichen köpf der knieenden frau, 
welche von einem kentauren in das haar gefaßt wird. Außerdem 
fand ich durch die diesjährigen ausgrabungen wesentlich ergänzt 
die eine der nymphen , ferner die alte sklavin , welche verzwei- 
felnd das haar rauft, und ebenso die verschiedenen kampfgruppen, 
welche durch auffindung von brusttheilen , armen und fußen an 
klarheit und Zusammenhang gewonnen haben. — Die metopen 
des Zeustempels, welche durch die glücklichen bemühungen von 
dr. Treu , ein ganz neues interesse für die kunstgeschichte ge- 
wonnen haben , sind neuerdings durch Vervollständigung des 
löwen, des stiers und der hydra, vor allem aber durch den vor- 
züglich erhaltenen köpf des auf den löwen tretenden Herakles 
wesentlich gefördert, und es ist jetzt nur eine metope übrig 
(die mit der hirschkuh) , von der wir uns keinerlei anschauung 
machen können. Den zuletzt genannten köpf des jugendlichen 
Herakles stehe ich aber nicht an , für einen der schönsten und 
wichtigsten unserer funde zu erklären. Auf mich wenigstens 
hat er durch seinen tief empfundenen gesichtsausdruck den 
größten eindruck gemacht und mir zuerst die Überzeugung da- 
von gegeben, daß auch die metopen werke attischer kunst sind, 
und zwar in dem stil der tempelplastik, wie er sich gegen mitte 
des fünften Jahrhunderts in Athen entwickelt hatte und wie er 
einstweilen nur in den denkmälern von Olympia studirt werden 
kann. — Was endlich die beiden einzelwerke klassischer kunst, 
Nike und Hermes, betrifft, so ist die eine durch gewandstück 
und hinterkopf, der andere durch fuß und Dionysosköpfchen 
wesentlich vervollständigt, so daß man schon daran denken kann, 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 359 

durch eine restauration des gypsabgusses den ursprünglichen ge- 
sammteindruck beider Standbilder zu veranschaulichen. — "Wenn 
diese statuen mit den metopen und giebelkolossen zusammen 
gewissermaßen die centralgruppe unserer statuarischen funde 
bilden , so schließen sich daran einerseits die Überreste älterer 
kunstepochen, andererseits die gruppe jüngerer werke. — Beide 
gattungen sind ansehnlich bereichert. — Die alte zeit giebt 
sich dem äuge schon dadurch zu erkennen, daß ihr der marmor 
fremd ist. Einen neuen überraschenden einblick in diese zeit 
giebt Treu's rekonstruktion des megarischen thesaurengiebels, 
von dessen 12 figuren nur 3 fehlen, eine frucht der diesjährigen 
arbeitsperiode , so wie andere Überreste polychromer kalksteinre- 
liefs. Aus dem gebiete religiöser plastik ist zu dem bekannten 
Herakopfe die schlangenhaltende Eumenide gekommen, die jetzt 
durch den unteren theil ergänzt ist. Dazu hat sich das frag- 
ment einer zweiten ganz gleichen gefunden aus demselben dun- 
keln lakonischen kalkstein. Endlich gehört hierher der von 
Treu erkannte Eperastoskopf , welcher mit dem arme , der den 
Phrixosschild trug , und dem dazu gefundenen fuß zu einem 
kunstgeschichtlich sehr wichtigen siegerdenkmale gehört. In der 
feinen durchführung der details scheint er der kunst des fünften 
Jahrhunderts nahe zu stehen und unterscheidet sich auch dadurch 
von den früher genannten werken altpeloponnesischer kunst, daß 
er aus parischem marmor ist. — Die andere große gruppe 
olympischer Skulpturen ist die der nachblüthe attischer kunst, 
meist römischer zeit, eine gattung, welche in diesem jähre auf 
43 statuen angewachsen ist. Dazu kommen 20 köpfe und als 
ein werk besonderer art der bekannte stier mit der weihinschrift 
der Regula, lauter Skulpturen aus pentelischem marmor, 
und wahrscheinlich zum größten theil in Athen fertig gemacht. 
— Es sind zum theil mythologische figuren, wie der koloß des 
Zeus , der in diesem jähr gefundene archaisirende Apollon , die 
statuen der Nemesis - Tyche (die beiden gegenstücke aus dem 
eingange des Stadiums), des Asklepios und des ruhenden He- 
rakles, ein flötenblasender Satyr und ein nackter torso, beide 
diesjährige funde. Zweitens athletenbilder , in deren reihe ein 
jüngst gefundener pankratiastenkopf gehört. Drittens mitglieder 
des kaiserlichen hauses und endlich Privatleute , mäuner wie 
frauen. Diese statuen stammen größtenteils aus der esedra, 
aus dem metroon und von der ostseite des heraion. Einzelne 
derselben gewinnen durch besondere attribute , wie das bild ei- 
ner gefesselten provinz, die Athena mit der wölfin auf dem pan- 
zer Hadrians u. s. w. oder durch ihre künstlerinschriften ein 
hervorragendes interesse. Sie lehren uns fünf meister der atti- 
schen renaissance kennen. Den seltsamsten Ursprung haben die 
in den letzten tagen dazu gefundenen Römerstatuen. Sie waren 
nämlich dem feuertode geweiht, schon in einen der oben er- 



360 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

■wähnten kalköfen geworfen : die Verbrennung ist durch irgend 
eine katastrophe unterbrochen worden, und so hat man jetzt die 
zerschlagenen marmorbilder wieder aus dem abgrund herausge- 
zogen. — Ueberblicken wir die gesammten skulpturfunde, welche 
jetzt die beiden großen magazine nebst dem mittelhofe füllen, 
so sind es ohne die masse der fragmente jetzt 87 statuen (dar- 
unter 44 über lebensgroße), und 42 köpfe, welche die verschie- 
densten gattungen und Zeiten griechischer kunstübung vertreten. 
Wenn man bedenkt, daß die elf metopenköpfe, die sich durch 
ihre erhaltung auszeichnen , die köpfe der Hermesgruppe und 
der Nike nicht mitgerechnet sind, so wird man zugeben, daß 
nicht leicht eine antikensammlung in kurzer zeit zusammenge- 
kommen sein möchte , welche für das Studium der kopfbildung 
in der plastik der alten ein so reiches material darbietet, wie 
die olympische. — Wo es sich um kunstwerke handelt, haben 
zahlen eine verhältnißmäßig geringe bedeutung; es schien mir 
aber, nachdem die einzelnen gegenstände bei verschiedenen ge- 
legenheiten besprochen sind, jetzt gegen ende der ausgrabungen 
nicht unpassend, auch einen numerischen überblick zu geben. — 
Terrakotta und erz ergänzen die Überreste der steinskulptur. 
Sie sind das material einer mehr populären industrie, welche auch 
den kleinen leuten gelegenheit giebt, ihre anwesenheit und pietät 
in roh geformten gegenständen zu bezeugen, die ihrem lebens- 
kreise entnommen sind. Als kunstwerke merkwürdig sind die 
alterthümlichen thonköpfe von Zeus und Hera , die fragmente 
weiblicher gewandfiguren von der sorgfältigsten ausfübrung, ei- 
ner gruppe von Satyr und Nymphe, eines grinsenden Silenkopfes 
u. s. w. Diese stücke sind von vorzüglicher Wichtigkeit wegen 
der gut erhaltenen färben und wegen der Seltenheit größerer 
thonfiguren in Griechenland. Dazu kommen thierbilder mannig- 
facher art , und ein römischer porträtkopf über lebensgroße. 
Ein besonderes kabinet der olympischen magazine bilden die 
architektonischen terrakotten , die in voller farbenfrische und in 
der größten mannigfaltigkeit des stils erhaltenen kranzgesimse, 
sowie stirn- und firstziegel. Von wasserspeienden löwenmasken 
ist hier eine solche fülle in thon und stein erhalten, daß man 
allen Wandlungen des geschmacks durch Jahrhunderte hindurch 
folgen kann. — Die bronzen hat Dimitriades jetzt in einem be- 
sonderen räum geordnet. Wir finden dort die spärlichen , aber 
unschätzbaren Überreste von großbronzen , tausende von kleinen 
votivfiguren , dann die bekannten reliefs in orientalischem stil, 
ferner eine gruppe von archaischen Statuetten (darunter den 
blitzschleudernden Zeus in seinem für Olympia charakteristischen 
typus, und einen ausfallenden hopliten), zierliche reliefs von ge- 
triebener arbeit in altkorinthischem stil, endlich auch figuren des 
freien stils bis zu den Merkurgestalten der römischen zeit. — 
Außerdem sieht man im bronzemuseum jetzt eine reiche auswahl 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 361 

von waffen und geräthstücken , Schilden (einen mit Inschrift), 
helme aus verschiedenen zeiten , schienen aller art , Schwerter 
(sehr selten), lanzenspitzen (zum theil mit inschriften); von erz- 
geräthen sind besonders die schalen massenweise vorhanden, drei- 
fiiße , greifenköpfe in großer auswahl , henkel aller art. Von 
Schmuckgegenständen abgesehen, sind es besonders die mit in- 
schrift versehenen gewichte, die mit noch unerklärten inschriften 
und mancherlei Symbolen versehenen gewichtstücke verschiedener 
form und große (ca. 150 stück), welche im prytaneion, aber 
auch in der ganzen Altis gefunden sind. Man sieht hier in 
großer mannigfaltigkeit alles vereinigt , was in era den gott- 
heiten dargebracht zu werden pflegte ; darunter auch manches 
noch räthselhafte, wie die sogenannten ,, stimmmarken." Endlich 
ist ein auserwählter schätz des bronzenkabinets die Sammlung 
von inschrifttafeln, die sich mit den größern fragmenten schon 
auf 50 stück beläuft und für die technik und geschichte helle- 
nischer erzschrift das reichste material darbietet. — Während 
diese Urkunden jetzt sämmtlich in einem schrank zusammenliegen, 
sind die ca. 400 Steinschriften in der ganzen Altis zerstreut. 
Denn man hat nur einzelne , besonders merkwürdige steine, wie 
den des Bybon, und die kleineren steintafeln, wie die listen der 
priesterlichen beamten, deren bruchstücke noch fortwährend aus 
dem prytaneion und der nördlichen Umgebung der byzantini- 
schen kirche zum Vorschein kommen , in das museum gebracht, 
die monumentalen steinurkunden aber an ihrer fundsteile ge- 
lassen. Im günstigsten falle , wenn die fundstellen auch die 
ursprünglichen aufstellungsorte waren, sind die inschriften auch 
topographische denkmäler ersten ranges, wie die Nikeinschriften 
und die inschriftbasen des Praxiteles , Telemachos u. a. , oder 
man hat die inschriften wenigstens in der nähe ihres ursprüng- 
lichen Standorts aufgestellt, wie z. b. die basis des Philonides. 
Eine wichtige Inschrift, wenn auch nur aus vier buchstaben be- 
stehend, brachte uns neulich der hinter der thesaurenterrasse 
gezogene graben ; sie enthält in alten schriftzügen den anfäng 
des namens der Kyrenäa und ist das bruchstück einer dedika- 
tionsurkunde aus dem schatzhause derselben. — Wenn ich end- 
lich noch die münzen erwähne, deren anzahl auf 5000 ange- 
wachsen ist, wobei die massenfunde byzantinischer münzen je 
unter einer nummer verzeichnet sind, so giebt diese Übersicht 
eine annähernde Vorstellung davon , was an denkmälern aller 
art aus dem boden von Olympia an das licht gefördert ist. — 
Von merkwürdigen einzelheiten erwähne ich nur noch einen 
kleinen erdaltar, der vor längerer zeit in dem rundbau nördlich 
von der byzantinischen kirche gefunden ist. Eine nähere Unter- 
suchung zeigte uns in diesen tagen, daß er, oben mit einer zie- 
gelplatte bedeckt , an den Seiten mit weißem stuck überzogen 
war. Dieser Überzug mit schrift und blattornament wurde von 



362 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

zeit zu zeit erneuert. Es gelang uns , zehn solcher schichten, 
eine nach der andern , abzulösen ; es war der altar eines heros, 
dessen name nicht genannt wird , dessen dienst aber mit der 
mantik von Olympia im zusammenhange stehen muß. Es ist 
ein religiöses denkmal einzig in seiner art. — Die hauptsache 
aber sind nicht diese einzelheiten , sondern das ganze , die wie- 
dergewonnene anschauung des gesammten raumes von Olympia, 
und so kehre ich zu dem grundriß der Altis zurück, von dem 
ich ausging , der Avichtigsten Urkunde unserer arbeiten , welche 
noch in aller händen sein wird, wenn die Altis selbst wieder 
überwachsen, verschüttet und verwildert sein mag. Das inter- 
esse , das sich an den grundriß anknüpft, geht über das der 
baugeschichte weit hinaus , und wie genau wir uns mit seiner 
hülfe in Olympia orientiren können , zeigen ja am deutlichsten 
die an ort und stelle aufgefundenen schrankensteine der renn- 
bahn , an denen die Wettkämpfer ihren lauf anfingen und vol- 
lendeten. — Es fehlte noch ein umfassenderes bild der gegend. 
Landesvermessungsrath Kaupert ist beschäftigt, die topographische 
aufnähme in x /ioooo auszuführen , in einer ausdehnung von 
5000 m in die länge und 4000 m in die breite , so daß ein 
kartenblatt von 20 qkm hergestellt wird, wo Olympia in der 
mitte liegt. — Die ausgrabung ist bis heute mit 500 mann 
fortgesetzt. Das griechische Osterfest macht eine achttägige pause. 
Olympia, den 29. april. E. Curtius. 

St. Petersburg. Die kaiserliche Eremitage hat anläßlich 
des kaiserjubiläums ein verzeichniß aller ihr während der letzten 
25 jähre zugegangenen gegenstände herausgegeben. RAnz. nr. 72. 

Der RAnz. nr. 77 beil. 1 enthält ein verzeichniß der hö- 
hern lehranstalten , welche zur ausstellung von Zeugnissen über 
die wissenschaftliche befähigung für den einjährig freiwilligen 
militärdienst berechtigt sind. 

Ueber ausgrabungen bei der stadt Xanten berichtet nach 
der Kölnischen zeitung RAnz. nr. 79 : römische münzen sind ge- 
funden , von wem aber die baulichen reste herrühren , ist noch 
unentschieden. Weiteres ebendas. nr. 129. 

In Athen ist auf der akropolis eine platte ausgegraben, 
welche die Nike im relief darstellt; sie stammt wohl aus dem 
tempel der Nike. RAnz. nr. 86. 

Aus Athen wird der „Allg. ztg." gemeldet, daß nach dem 
funde des ersten großen fragments von der ballustrade des 
Niketempels noch mehrere andere von derselben herrührende 
bruchstücke zu tage gekommen sind. Unter diesen nimmt das 
bei Kekule" aufgeführte große stück einer Nike , die einen heim 
am tropaion befestigt, die erste stelle ein. Man besaß davon 
bekanntlich bisher schon einen gypsabguß, aber das original 
war verschollen Der köpf, der, wenngleich gebrochen und sehr 
beschädigt, damals ebenfalls noch vorhanden war, fehlt leider 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 863 

jetzt. Von nicht zur balustrade gehörigen skulpturstücken sind 
folgende gefunden worden: ein fragment der statue einer si- 
tzenden frau , späterer zeit angehörig ; ferner eine doppelherme, 
aber leider ohne die köpfe. Dazu kommt dann noch die basis 
einer statue des Tttog JZQzioii '^<f(jiaavug mit doppelinschrift : die 
eine die widmung derselben durch riyoy.)Jj± 'Eniytiov^; und Eni- 
yivqq l4rpQ0Ötoi<iv aus dem gau Paiania, die andere die widmung 
durch EniyhrjS 'Emyhov^ aus Paiania verkündend. Auch ein 
stück einer zweiten Inschrift ist bereits sichtbar. 

Trier, 11. april. (Cöln. ztg.) In den letzten wochen sind 
in unserm bezirke wieder wichtige funde an römischen al- 
tert hümern gemacht worden. Unmittelbar bei Trier auf der 
linken Moselseite wurde eine große masse eiserner geräthschaften 
als wagenreifen , Schwerter und ackergeräthe gefunden , ferner 
ein bronzerelief, welches in getriebener arbeit einen krieger dar- 
stellt , der von einer neben ihm stehenden Viktoria bekränzt 
wird. Nicht weit von dieser stelle kamen bei anläge eines Wein- 
berges säulen trommeln, korinthische kapitale und architrave aus 
den seltensten marmorsorten und von vorzüglicher erhaltung zum 
Vorschein. .Noch wichtiger, die hohe stufe der römischen kultur 
in unserer gegeud auf's neue bezeugend, ist die entdeckung einer 
römischen glasfäbrik auf der hochmark bei Cordel in der Eifel. 
Ausgrabungen, welche seit beginn des frühjahrs seitens des hie- 
sigen provinzialmuseums daselbst vorgenommen worden sind, ha- 
ben zur auffindung einer großen masse von resten der glashäfen, 
glasschlacken und glasfragmenten geführt. Unter den glasfrag- 
menten nehmen namentlich einige mehrfarbige stücke (sogenannte 
millefiores) besonderes Interesse für sich in anspruch; denn sie zeigen, 
daß die mehrfarbigen glasgefäße nicht, wie man bis jetzt annahm, aus 
Italien eingeführt worden, sondern einheimische fabrikate sind. 

Auf das in dieses jähr fallende Oberammergau er pas- 
sionsschauspiel so wie auf die darüber von Ed. Devrient ver- 
faßte schrift macht RAnz. nr. 93 aufmerksam. 

Göttingen, 7. april. Dr. Ernst von Leutsch 50jähriges 
doctor-jubiläum. 

Göttingen, 3. april. Im monat Oktober stieß man beim um- 
ackern eines dem brauereibesitzer Dreher gehörigen feldes bei 
Schwechat auf einen großen topf mit beiläufig 12,00ü römischen ku- 
pfermüuzen. Diese wurden von kenneru sorgfältig geprüft und 
derart klassifiziert , daß die aufgefundenen kupfermünzen einen 
Zeitraum von 54 jähren umfassen. Die älteste stammt von Li- 
cinius I. Pater (307 bis 323), die jüngste von Konstantinus IL 
(323 — 361 n. Chr.). Nach demselben gutachten dürfte der schätz 
die „handkasse" eines römischen manipel- oder kohorten-führers 
gewesen und von demselben um das jähr 361 vergraben worden 
sein. Der topf, worin sich die münzen befanden, wurde leider 
beim ausgraben vollständig vernichtet. 



364 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

Das erscheinen altgriechischer Unterrichtsbriefe kündigt 
RAnz. nr. 105 als bevorstehend an. 

In der Augsb. allg. ztg. beil. zu nr. 142 findet sich fol- 
gender artikeli Bern, 15. mai. (Ein neuentdecktes epigramm 
des kaisers Augustus). Die Berner handschrift cod. nr. 109, 
mit dem übrigen werthvollen bestand der Berner manuscripten- 
sammlung aus Frankreich stammend und einst^ einem dem hl. Basol 
geweihten Jdoster angehörig (LIBER SCI BASOLI CONFES- 
SORIA XRI heißt es auf fol. 19b und 20a an den untern rän- 
dern) enthält außer der großen grammatik des Priscian auf leer- 
gelassenen blättern und seiten bemerkungen verschiedener art 
von mehreren händen, die jedoch das 10. Jahrhundert nicht über- 
schreiten; von diesen händen hat eine, die auch den text des 
Priscian bald über, bald an den margines vielfach commentirt, 
auf fol. 136 eine reihe von excerpten, namentlich aus Ambro- 
sius, Augustinus, Salvianus u. s. w. eingetragen, die zum größ- 
ten theil mit tironischen noten geschrieben sind. Es werden 
diese eintrage den gegenständ des diesjährigen Berner Universi- 
tätsprogramms bilden und dort durch lithographische facsimilia 
erläutert werden: daß davon jedoch bereits jetzt ein Stückchen 
der öffentlichkeit übergeben wird, dürfte das darin behandelte 
thema und der vorgesetzte name hinreichend rechtfertigen. Es 
steht nämlich auf fol. 136b, etwas unter der mitte der seite, in 
drei zeilen, von denen die erste und die dritte jeweilen zur 
hälfte mit anderen excerpten ausgefüllt sind, in fortlaufender, 
stellenweise tironischer schrift (das tironische ist im folgenden 
cursiv gedruckt) folgendes : Octä aug. Convivae tetricas ho die 
secludite curas; ne maculent niveum nefula corda diem-. 
omnia sollicitae pellantur murmuramentis', ut vacetindo- 
mitum pect us amicitiae; non semper g ander e licet fugit 
hora jocemur. Difficile est fatis subripuisse diem. Es sind 
drei distichen, welche mit einer einzigen änderung im zweiten 
vers , die durch metrum und sinn geboten wird , also lauten : 
Octaviani Augusti. 

„Convivae! Tetricas hodie secludite Curas! 
Ne maculent niveum nubila corda diem! 

Omnia sollicitae pellantur murmura mentis, 
Ut vacet indomitum pectus amicitiae. 

Non semper gaudere licet: fugit hora! Jocemur! 
Difficile est Fatis subripuisse diem". 
D. h. in einfacher Übertragung , die keine weiteren anspräche 
macht , etwa so : 
,, Munter, genossen! Hinaus schließt heute die grämlichen sorgen ! 

Kein umwölktes gemüth trübe den schneeigen tag! 
Scheuchet hinweg das geflüster aus angstvoll bebendem herzen: 
Offen der freundschaft allein sei die entfesselte brüst! 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 365 

Stets sich zu freun, wem ist es verliehn ? Schon fliehet die stunde : 
Scherzt! Einen tag dem geschick listig zu rauben ist schwer". 

Daß Augustus epigramme verfaßt , ist uns von Suetonius 
Vita Aug. cap. 85 ausdrücklich bezeugt: exstat alter aeque mo- 
dicus {sc. Über) Epigrammatum , mit dem zusatze , daß er diesel- 
ben meist während des bades entworfen habe : quae fere tempore 
Balinei meditabatur. Nach dem bade kam das gastmahl, zu des- 
sen freudigem genuß im hiublick auf die kürze des lebens und 
den neid des geschicks der dichter seine tischgenossen einlädt. 
Er sagt ausdrücklich : man solle lustig sein und scherzen : wer 
erinnert sich da nicht an die prächtigen witze die uns Macro- 
bius Sat. II, 4 von Augustus aufbewahrt hat? Und diese ge- 
nossen? Wer waren sie anders als Maecenas , Horaz , Varius, 
Vergil und die anderen die Horaz in seinen gesängen verewigt 
hat? Das gedichtchen selbst zeigt nichts von tragischer erha- 
benheit, der sich überhaupt des Augustus' griffel nicht anbeque- 
men konnte : nam tragoediam magno impetu exorsus non succedenti 
stilo abolevit, fährt Suetonius an der oben angeführten stelle fort. 
Dagegen strotzt es von frischem leben und ungekünstelter an- 
muth, kurz jener echt römischen einfachheit , die Augustus , lin- 
guae Latinae non nescius , wie Gellius sagt, stets anstrebte und 
die bereits Martial im 21. epigramm seines XI. buches gerade 
an Augustus epigrammen rühmte , wenn er eine lustige probe 
daraus mit den Worten schließt: 

Absolvis lepidos nimirum, Auguste, libellos, 
Qui scis Romana simplicitate loqui. 
Parallelstellen aus zeitgenössischen dichtem , namentlich Horaz, 
drängen sich förmlich auf. Prof. dr. Hermann Hagen. 

Daraus giebt einen kurzen auszug RAnz. nr. 115. Aber da- 
gegen hat sich dr. A. Jahn ausgesprochen in folgenden zwei arti- 
keln: 1) Um an die angeblich bewiesene ächtheit des sogen, 
epigrammes des kaisers Augustus zu glauben, muß 
man annehmen: entweder habe Augustus diejenigen schrift- 
steiler, bei welchen wörtliche parallelen zum epigramme vor- 
kommen, für dieses benutzt, oder jene Schriftsteller haben in 
den parallelen sich das epigramm zu nutz gemacht. Ein drit- 
tes ist undenkbar. Jene beiden annahmen sind nun aber gleich 
verwerflich, da sie auf ein armuthszeugniß hinauslaufen. (Zu- 
dem kann Augustus den spätem Persius nicht benutzt haben). 
Es steht also die unächtheit des epigrammes fest. Mit tironi- 
schen noten darf man übrigens nicht imponiren wollen : in sol- 
chen sind unter anderem auch werthlose marginalien in einer 
Berner Curtius-handschrift geschrieben. (Intell.-blatt f. d. Stadt 
Bern, Jahrg. 1880, nr. 175). 

2) Ein von prof. dr. Hagen im Bund nr. 136 unter „Tages- 
chronik" veröffentlichter literarischer fund, betreffend ein 
epigramm des kaisers Augustus in einer Berner handschrift, hat 

Philol. Anz. X. 25 



866 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

nun so ziemlich die runde in den zeitungen gemacht. Es dürfte 
daher jetzt an der zeit sein , jenes ineditum nach form und in- 
halt zu prüfen. 

Dasselbe lautet folgendermaßen: 
Octaviani Augusti. 
Convivae ! Tetricas hodie secludite Curas ! 

Ne maculent niveum nubila corda diem! 
Omnia sollicitae pellantur murmura mentis, 
Ut vacet indomitum pectus amicitiae. 

Non semper gaudere licet: fugit hora! Jocemur! 
Difficile est Fatis subripuisse diem. 

Formell ist hiezu folgendes zu bemerken : 

Der herausgeber hat zwar nicht für gut befunden, durch 
angäbe der nummer der fraglichen Berner handschrift eine verifi- 
cation des veröffentlichten textes zu ermöglichen. Gleichwohl liegt 
es auf der band, daß die im epigramm angebrachten 5 ausru- 
fungszeichen (5 in 6 zeilen) lediglich vom herausgeber herrühren , 
da solche zeichen in alten handschriften durchgängig fehlen. Mit 
gleichem fug hätte die zahl der ausrufungszeichen auf ein hal- 
bes dutzend gebracht werden können. Ferner ist nicht ersicht- 
lich, warum mitten im verse gerade die zwei worte Curas und 
Fatis die ehre eines großen anfangsbuchstabens haben sollen. 
Eine solche Unterscheidung wird in alten minuskel-handschriften, 
je älter sie sind, desto weniger gemacht. Höchstens wäre Fatis, 
als gleichbedeutend mit Parcis aufgefaßt, zulässig. 

Sachlich, bezw. sprachlich erheben sich folgende bedenken 
gegen die authentie des epigramms: 

Schon die Überschrift Octaviani Augusti ist mißlich , als ge- 
mischt aus Caesar Octavianus (adoptivname) und Caesar Augustus 
(kaisertitel). — Secludite curas steht wörtlich bei Virgil Aen. I, 
562; dagegen kommt tetricae curae nicht vor, wohl aber atrae 
curae öfter bei Horaz. — Nubila corda, umwölktes gemüth, 
ist anstößig. Mens nubila bei Plautus Cist. 2, 1, 5 ist s. v. a. 
verwirrter geist. Ungereimt ist es, daß nubila corda nicht 
sollen maculare niveum diem , da maculare tropisch nur befle- 
cken, verunehren, nicht „finstern" bedeutet, wie der her- 
ausgeber übersetzt. Zudem ist niveus dies ebenso unclassisch, 
als „schneeiger tag". Niveus bezeichnet zwar oft, was körper- 
lich schneeweiß, blendend weiß ist; aber niveus dies, 
statt albus dies, ein glücklicher tag, im gegensatze zu dies 
ater, ein unglückstag, ist abgeschmackt. — In sollicitae pel- 
lantur murmura mentis ist murmura mentis sehr bedenklich, da 
murmura bildlich nur von einem schwächern oder stärkern ge- 
räusch (murmeln, röcheln, brummen, getöse) gesagt wird. Bei 
Persius Sat. 3, 81 ist murmura cum secum et rabiosa silentia ro- 
dit wörtlich von einem halblauten meditiren zu verstehen. Statt 
pellere murmura mentis sagt Horaz einfach pellere curas. — In- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 367 

domitum pectus paßt schlecht zu pellere murmura mentis , da do- 
mari murmuribus ein unsinn wäre. — Fugiens hora ist aus Horaz 
bekannt; aber fugit hora steht wörtlich bei Persius Sat. 5, 153 
in ähnlichem zusammenhange. Jocemur , ohne weiteres, findet 
sich schwerlich bei einem classiker. — Subripere diem (ohne fa- 
tis), einen tag wegstehlen, steht bei Ovid Pont. 4, 2, 40. 
Unter den von Vechner Hellenolex. p. 244 f. gesammelten bei- 
spielen des Praeteritum Infinitivi für das Praesens (wie hier sub- 
ripuisse statt subripere) ist kein einziges , wo der Infinitivus , wie 
hier, von difficüe est abhängt, wogegen bei letzterem der Infin. 
praesens üblich ist. 

Aus obigem zu schließen , ist das epigramm , welches der 
herausgeber , lediglich auf grund der Überschrift Octaviani Au- 
gusti lind der nachrichten bei Sueton und Martial über epi- 
gramme des Augustus, diesem kaiser zuschreibt, vielmehr als ein 
demselben untergeschobenes, z. th. aus reminiscenzen zusammen- 
gestoppeltes machwerk eines nicht unbelesenen mittelalterlichen 
versificators anzusehen. Von der Romana simplicitas , welche 
Martial Epigr. 11, 21 (citirt von prof. Hagen) an versen de3 
Augustus rühmt, ist hier, abgesehen von entlehntem, keine spur. 

Die Schlußbemerkung des herausgebers , betreffend die an- 
geredeten tischgenossen, ist als pure fiction zu erklären. Es 
fehlte nur noch , daß prof. dr. Hagen uns den Speisezettel des 
gastmahls mitgetheilt hätte. Bern, den 26. mai 1880. 

Dr. A. Jahn. 

Rom, 24. april. Von der heutigen festsitzung des archäo- 
logischen instituts hieselbst berichtet Augsb. allg. ztg. beil. zu 
nr. 120. 

Neapel, 29. april. In Neapel hat im philologischen verein 
dieser tage Ruggiero Bonghi einen Vortrag über Spartacus gehal- 
ten : er führte aus, wie Spartacus ein militairisches genie gewe- 
sen , aber von jeder höhern idee entfernt und nur danach stre- 
bend , den gladiatoren eine bessere Stellung zu verschaffen ; die 
große Verbreitung der revolte erklärt er aus der Verarmung des 
landvolks und der zügellosigkeit der sclaven. Augsb. allg. ztg. 
beil. zu nr. 134. 

Der antiquarisch-historische verein für Nahe 
und Hunsrücken zu Kreuznach hat seinen Jahresbericht 
für 1879 publicirt und zwar in gestalt eines sorgfältigen, einge- 
henden katalogs der sämmtlichen römischen inschriften 
und Steinskulpturen in Kreuznach, welchen der oberlehrer 
dr. O.Kohl verfaßt hat. Der verein besteht seit 1856 und hat 
im laufe der jähre ein reihe altgallischer, germanischer, römi- 
scher, mittelalterlicher denkmäler verschiedenster art gesammelt, 
über welche der Verwaltungsbericht der stadt Kreuznach für 
1877 gedrängte auskunft giebt. Einem theil davon ist die vor- 
liegende ausführlichere schrift gewidmet. Die Sammlung ent- 
stand theils durch ankauf, theils durch geschenke, in letzterer 



368 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

beziehung namentlich durch Überlassung der beim bau der Rhein- 
Nahe-bahn aufgefundenen alterthümer von Seiten der königlichen 
direktion und des Verwaltungsausschusses der bahn. Hauptfund- 
orte für diese denkmäler waren und sind das Nahethal und der 
südöstliche Hundsrücken bis Sobernheim, besonders Bingerbrück, 
sowie das Römerkastell auf dem rechten Naheufer bei Kreuz- 
nach, die sogenannte Heidenmauer. Da der verein selbst nicht 
in der läge war, für die umfangx*eiche Sammlung ein genügen- 
des lokal herzurichten, so wandte sich derselbe an die stadt und 
bot dieser den besitz der Sammlung gegen die Verpflichtung ei- 
ner angemessenen, dauernden Unterbringung der gegenstände an. 
Infolge dessen hat die stadt Kreuznach nunmehr im schulhause 
der Kreuzstraße ein helles , geräumiges zimmer für die kleine- 
ren gegenstände hergerichtet und außerdem für die steinmonu- 
mente eine ausreichende halle gebaut. Dort befindet sich die 
Sammlung seit dem sommer 1879. Im einzelnen sind die fände, 
namentlich die aus dem kastell bereits in den Vereinsberichten 
von 1856 — 1873, einer besonderen vereinsschrift aus dem jähre 
1869 und in den Bonner Jahrbüchern von dem baumeister P. 
Engelmann, dem pfarrer J. Heep und dem major E. Schmidt 
mit beigegebenen Zeichnungen beschrieben, die inschriften im 
Codex Inscriptionum Rhenanarum von Brambach publizirt worden, 
indessen fehlte es nach der nunmehrigen Vereinigung der früher 
zerstreuten Sammlung an einem umfassenden leicht orientirenden 
kataloge, den dr. Kohl hiermit bietet. Im Vorwort giebt der 
Verfasser eine gedrängte Übersicht der geschichte des kastells 
und der stadt Kreuznach , dann folgt das verzeichniß der ge- 
fundenen inschriften und Skulpturen selbst. Eingetheilt sind die 
letzteren in 1) altäre und votiv-inschriften, 2) grabsteine, 3) in 
anderem besitz befindliche oder verlorene steine mit inschriften, 
4) figuren und baudenkmäler, 5) thoninschriften. Von den grab- 
steinen wird ein besonders gut erhaltener (gefunden in Binger- 
brück beim bau der Rhein-Nahe-bahn 1860) in einer lichtdruck- 
abbildung mitgetheilt. Derselbe zeigt einen römischen Soldaten 
(Annaius Pravai filius Daverzeus rniles ex eohorte quarta Delmata- 
rum, wie es in der inschrift heißt) im paradeanzuge , aber ohne 
heim , in der rechten hand zwei Speere. Dem cingulum müitiae, 
jenem eigenthümlichen schürz, welchen die figur trägt, ist eine 
besondere archäologische betrachtung gewidmet. RAnz. nr. 116. 
Berlin. Für kunstgelehrte und archäologen, künstler, freunde 
der kunst sowie des kunstgewerbes dürfte es von interesse sein zu 
erfahren , daß die Weidmann sehe buchhandlung hierselbst 
ein praktisches hand- und nachschlagebuch besorgt hat, welches 
ihnen in ihrem fache die mannigfachste willkommene auskunft 
gewährt. Dasselbe führt den titel: „Statistisches hand- 
buch für kunst und kunstgewerbe im Deutschen 
reich 1880". An der spitze wird das kaiserlieh deutsche in- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 369 

stitut tür archäologische korrespondenz nehst seiner Organisation 
aufgeführt; dann folgt eine übersieht sämmtlicher öffentlichen 
kunstsammlungen im reiche (einschließlich des Privatbesitzes re- 
gierender hauser), nach den Städten alphabetisch geordnet. Da- 
gegen haben die privaten , doch auch jedermann zugänglichen 
Sammlungen (wie z. b. in München die Schacksche , in Berlin 
die Raczynski'sche) leider keine aufnähme gefunden, eine liicke, 
die gewiß später ausgefüllt werden dürfte : vielleicht durch 
eine appendix, die ja den übrigen inhalt in seinem gewisserma- 
ßen halbamtlichen Charakter nicht beeinträchtigen würde. Was 
das gegebene verzeichniß der öffentlichen Sammlungen betrifft, 
so enthält dasselbe die personalien der leiter, nachweise über 
das alter des bestehens, die eintheilung und das darin gebotene, 
die zahl der nummern, den etat für die Vermehrungen, die be- 
suchszeiten , die kataloge und sonstigen publikationen. Der ab- 
schnitt , Lehranstalten" verzeichnet zunächst die besetzung der 
lehrstühle für archäologie und kunst an den deutschen Univer- 
sitäten. Dann folgt eine Übersicht der abtheilungen für hochbau 
an den 8 technischen hochschulen in Deutschland nebst lebrplä- 
nen und ferner ebenso der kunstakademien (denen jedoch be- 
fremdlicher weise ihre stelle hinter jenen angewiesen worden ist) 
und der kunstgewerbeschulen, wieder nach den städten alphabe- 
tisch geordnet. Der nächste abschnitt enthält ein verzeichniß 
der kunstvereine und Vereinsverbände, ihres stiftungsjahres, ihrer 
Organisation , der personalien ihres Vorstandes , ihrer ausstellun- 
gen, Sammlungen u. s. w. Ein anhang endlich verzeichnet die 
wichtigsten behörden der deutschen Staaten für kunstverwaltung 
(ministerien , konservatoren , landeskommissionen , Sachverständi- 
genvereine etc.). — Sehr dankenswerth , weil leicht orientirend, 
sind das alphabetische Sachregister und das ortsverzeichniß am 
Schluß. — Der nächste, zweite Jahrgang, welcher im januar 
1881 erscheinen soll, wird übrigens, wie die Verlagsbuchhand- 
lung mittheilt, außer ergänzungen und abrundungen des gegen- 
wärtig gebotenen, auch die kunstgeschichtlichen, kunstgewerbli- 
chen und alterthumsvereine , sowie die sachlich sich betätigen- 
den künstlervereine in den kreis seiner mittheilungen ziehen. 
Auch ist eine ausdehnung auf Oesterreich ins äuge gefaßt wor- 
den. — Das treffliche handbuch ist, wie alle publikationen des 
genannten verlages , gediegen ausgestattet und der preis von 5 
mark bei der summe mühevoller arbeit die es birgt, gewiß ein 
niedriger zu nennen. 

Des ministers von Puttkamer am 29. mai im hause der ab- 
geordneten gehaltene rede , betreffend abänderung der kirchen- 
politischen gesetze, steht im RAnz. nr. 124 beil. 1 und 2, die 
am 31. mai gehaltene ebendas. nr. 125 beil. 1. 

Eine euganeische nekropolis in der nähe von Tri est ge- 
gen ende von 1879 entdeckt ist von prof. Prosdocimi näher be- 



370 Atiszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

schrieben und theilt daraus Augsb. allg. ztg. beil. zu nr. 101 
einiges mit, wodurch die entdeckung für die kenntniß des alten 
volks der Euganeer von Wichtigkeit ist. 

Rom, 22. mai. Die aus anlaß der Tiber-regulirung unter- 
nommenen ausgrabungen fördern immer neue stücke alter kunst 
hervor: so jetzt urnen, von denen einiges mittheilt Augsb. allg. 
ztg. nr. 148. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1880: nr. 63: durchschlag des Gott- 
hardtunnels; sehr lehrreich und interessant. — Beil. zu nr. 63u.64: 
briefe Alexanders von Humboldt an seinen bruder Wilhelm. — Nr. 70: 
zur deutschen rechtschreibung. — Beil. zu nr. 72: neue funde und 
ausgrabungen in Griechenland: bezieht sich vorzugsweise auf eine in 
Eleusis gefundene inschrift. — Beil. zu nr. 74: die Bibliothcca Corvina 
bei der erstürmung Ofens im j. 1686. — Beil. zu nr. 80: Heinrich 
Leo, meine Jugendzeit. — Nr. 85 : die griechische gesellschaft in Kon- 
stantinopel schenkt ein fragment pergamenischer sculpturen der deut- 
schen regierung. — Beil. zu nr. 85: Kleinpaul, an der wiege des Be- 
nedictiner-ordens , mit bezug auf den 14hundertjährigen geburtstag 
des heiligen Benedict. — Beil. zu nr. 86: dr. Sepp, das kreuz der 
kreuzigung: vgl. nr. 64. — Nr. 89: Forchhammer, zur reform der hö- 
hern Unterrichtsanstalten : hat nicht viel zu bedeuten. — Beil. zu nr. 
93 : Fechner und die herrschende weltansicht. — Beil. zu nr. 100 : 
archäologische neuigkeiten aus Griechenland: bespricht die funde in 
Olympia, auch die in den gräbern bei Nauplia und Sunion. — Beil. 
zu nr. 101. 102: das Jubiläum St. Benedicts. — Nr. 103: Beil. zu nr. 
104: A. v. Gutschmid , die geschichtsüberlieferung über das periklei- 
sche Zeitalter: schließt an A. Schmidt, das perikleische Zeitalter bd. II 
an und bekämpft die ansichten des Verfassers über Stesimbrotos von 
Thasos. — Beil. zu nr. 108: briefwechsel zwischen Göthe und Göttling. 

— Beil. zu nr. 111. 112. 113: die keilschriftforschung und die bibli- 
sche Chronologie : sucht gegen Oppert eine assyrische Chronologie fest- 
zustellen. — Beil. zu nr. 121 : psychologische pädagogik von L.Strüm- 
pell. — Beil. zu nr. 125. 130. 133: R. Kleinpaul, orthographische 
Phantasien. I. II. III. — Beil. zu nr. 128: L. Steub , über die recht- 
schreibung von volksnamen. Dazu vergl. nr. 134. — Beil. zu nr. 133 : 
R. Kekule, die österreichischen ausgrabungen auf Samothrake: be- 
richtet über die diesen gegenständ betreffenden schriften von Conze, 
Heuser, Benndorf. — Beil. zu nr. 135: zur slavischen sagen forschung. 

— Beil. zu nr. 136: Fr. Pecht, die Münchener pinakothek. — Beil. zu 
nr. 146. 158. 175: Gustav Meyer, zur mittel- und neugriechischen lite- 
ratur I. II. III. — Nr. 150. 151: actenstücke zur preußischen kirchen- 
politik I. II. — Nr. 163. 164. 165. 167. 168. 169: zur revision der 
preußischen maigesetze I. II. III. IV : sehr beachtenswerth : bei schar- 
fer kritik der maigesetze und der Verhandlungen im hause der ab- 
geordneten in Berlin weist der rf. dbch den hochmuth der curie deut- 
lich nach und die Unmöglichkeit eines nachgebens von seiten des 
staats. — Nr. 166: preußischer ministerialerlaß betreffend die scbü- 
lerverbindungen auf den höhern lehranstalten : es ist dies ein gegen- 
ständ , dessen Wichtigkeit zu lange verkannt ist : der aufmerksame 
beobachter unserer zustände kann hinsichtlich desselben nur mit gro- 
ßer besorgniß erfüllt werden. Denn er läßt — und das ist das 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 371 

schmerzlichste — einen tiefen blick in das verderben thun , von dem 
unser familienleben — sonst des Deutschen stolz und freude — er- 
füllt ist: herrschte in ihm das christenthum und somit die wahre sitte 
und Ordnung, so wären solche erscheinungen unmöglich. Wenn nun 
die nichtsnutzigen buben von der schule entfernt werden , wie billig, 
so schreien die eitern über das unrecht, was ihren kindern geschieht 
und klagen die schule an: die schule kann aber allein nicht helfen, 
noch weniger der minister und die polizei: zuerst und vor allem 
muß die familie helfen und deshalb in sich gehen und die falschen 
wege, auf denen sie wandelt, erkennen und einsehen: yyui&i aavröv 
ist auch hier das, worauf es ankommt. 

Neue Jahrbücher für philologie und pädagogik von A, Fleckeisen : 
heft 1: l.Die composition der Aegineten von L. Julius in München p. 
1 — 22. — 2. Der tod des Aeschylos von E. Rohde in Tübingen p. 22— 
24. — 3. Die Überlieferung der Chronologie des Anaximenes und des 
Anakreon von A. Daub in Freiburg (Breisgau) p. 24 — 26. — 4. Der de- 
nar Diokletians von F. Hultsch in Dresden p. 27 — 31. — 5. Zu Ciceros 
rede de imperio Cn. Pompei (13, 37) von E. A. Richter in Altenburg 
p. 31 — 32. — 6. Anz. v. E. Curtius, F. Adler und Gr. Treu die ausgra- 
bungen in Olympia III. 1877- 1878 (Berlin 1879) von E. Petersen in 
Prag p. 33 44. — 7. UgovaXevj von K. Zacher in Halle p. 44 — 48. — 
8. Anz. v. W. Gardthausen, griechische palaeographie (Leipzig 1879) v. 
R. Fürster in Rostock p. 49 — 69. — 9. Zeugnisse aus der ltala für den 
abfall des auslaufenden t an verbalformen von H. Rünsch in Löben- 
stein p. 69 — 70. — 10. Anz. v. C. L. Urlichs, de vita et honoribus Ta- 
citi (Würzburg 1879) von A. Eußner in Würzburg p. 71 -80. 

Heft 2. 11. Protagorea zu den vögeln des Aristophanes von H. 
Müller- Strübing in London p. 81 — 106. — 12. Noch ein wort zu den 
Sibyllenverzeichnissen von H. Flach in Tübingen p. 106 — 108. — 13. 
Anz. v. J. L. Heiberg, quaestiones Archimedeae (Kopenhagen 1879) 
von H. Menge in Groß-Glogau p. 108—112. — 14. Ueber zwei stel- 
len des Pausanias [VII 5, 5. 1 27, 4] von J. H. Ch. Schubart in Kas- 
sel p. 113 — 119. — 15. Zu Julianos von H. Arnoldt in Königsberg 
p. 119-120. - 16. Zu Athenaios [V 196 a ] von F. Rühl ebd. — 
17. Zum Curculio des Plautus von E. Baehrens in Göttingen und A. 
Fleckeisen p. 121 — 124. — 18. Anz, v. R. Ellis: Catulli Veroniensis 
liber iterum recognitus (Oxford 1878) von K. P. Schulze in Berlin 
p. 125-135. — 19. Zu Catullus [55, 11] von M. Nietzki in Königs- 
berg p. 135. — 20. Zu Caesar bellum civile [III 32, 3] von H. W. 
Röscher in Meißen p. 136. — 21. Zu Ciceros Brutus und Orator von 
W. Friedrich in Mühlhausen (in Thüringen) p. 137 —147. — 22. Por- 
cis von F. Rühl in Königsberg p. 147 — 148. — 23. Zu Augustinus 
de civitate dei von R. Dombart in Erlangen p. 149 — 152. 

Heft 3. 24. Emendationum Aristophanearum decas undecima et 
duodecima von O. Schneider in Gotha (t 28. märz 1880) p. 153 — 178. 

— 25. Zu den vögeln des Aristophanes von E. Hiller in Halle p. 178 

— 182. — 26. Zu Gellius von Th. Büttner- Wobst in Dresden p. 182— 
184. — 27. Zum codex Vossianus 86 des Martialis von H. Deiter in 
Emden p. 184. - 28. Anz. v. W. W. Graf Baudissin, studien zur 
semitischen religionsgeschichte. Heft 11 (Leipzig 1878) von A. von 
Gutschmid in Tübingen p. 185 — 188. — 29. Die yga/u/uareic und der 
dvnyQttrftvc des rathes bei Pollux und Harpokration von F. von Sto- 
jentin in Breslau p. 189-202. — 30. Zur kritik des Florus von Th. 

Opitz in Dresden und C. Meiser in München p. 203 — 216. 

Rheinisches museum 1880. bd. XXXV, heft 1 : Die römischen grün- 
dungsdata von G. F. Unger p. 1. — Ueber die echtheit des phönix 
von Lactantiu8. Von H. Dechent p. 39. — Kleine beitrage zur grie- 



312 Literatur. Nr. 6. 

chischen litteraturgeschichte. Von A. Daub p. 56. — Grlossemata 
latiaa. Scripsit F. Buecheler p. 69. — Neue fragmente des Euripi- 
des und anderer griechischer dichter. (Mit Zusätzen von P. Bueche- 
ler). Von F. Blaß p. 74. — In Herodianuni technicum critica edi- 
dit P. Egenolff p. 98. Zu den brieten des Seneca. Von O. Ribbeck 
p. 105. — Die statuenbeschreibungeu des Christodor und Pseudoliba- 
nius. Von K. Lange p. 1 10. — Abfassungszeit des Platonischen Phai- 
dros. Von H. Usener p. 131. — — Mise eilen. Zu Aristoteles. 
Von N. Wecklein p. 152. — C. Vibius ßufinus. Von J. Klein p. 154. 

Literatur 1880. 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Die urbinatische Sammlung von spruchversen des Menander, Eu- 
ripides und anderer von Wilhelm Meyer (abhandl. der k. bair. akad. 
d. wiss. I. ol. XV. bd. II. abth.) München (F. Straßl) 1880. 

Quaestiuncula Herodotea scr. E. Buchof. Progr. Eisenach 1880. 

Forschung und darstellungsweise des Thukydides gezeigt an einer 
kritik des achten buches von Thomas Fellner. Wien (Carl Konegen) 
1880. 

Quibus temporibus Thucydides historiae suae partes scripserit scr. 
Georgus Meyer. Dissert. inaug. Jenens. Nordhausen (C. Kirchner) 1880. 

Quo tempore Thucydides priorem operis sui partem composuerit 
scr. Fridericus Kiel; dissert. inaug. Gotting. Hannoverae 1880. 

Die geographischen fragmente des Eratosthenes , neu gesammelt, 
geordnet und besprochen von dr. Hugo Berger. Leipzig (Teubner) 1880. 

Die erkenntniß- und Sensationstheorie des Protagoras von dr. 
Bernhard Münz. Wien 1880 (C. Konegen). 

Observationes criticae in Piatonis dialogos von dr. Otto Apelt. 
Progr. Weimar 1880. 

Aristotelis Ethica Nicomachea recog. Franciscus Susemihl. Lipsiae 
(Teubner) 1880. 

Beiträge zu dem gebrauche der partikeln bei Antiphon von Karl 
Wetzeil dr. phil. Frankfurt a/M. („Deutsche reichspost", aktienge- 
sellschaft (buchdruckerei)) 1879. 

Andocidis orationes ed. Fridericus Blass (ed. altera corr.). Lipsiae 
(Teubner) 1880. 

De libris Pseudolucianeis scr. Fritzsche. Index lection. Rostoch. 
aest. 1880. 

Joannis Phiiossoni collectio vocum quae pro diversa significatione 
accentum diversum aeeipiunt. Ex codice regio Hauniensi 1965 ed. 
Petrus Egenolff. Vratislaviae (Wilhelm Koebner) 1880. 

Nicephori archiepiscopi Constantinopolitani opuscula historica ed. 
Carolus de Boor. acced. Ignatii diaconi vita Nicephori. Lipsiae (Teub- 
ner) 1880. 

Eudociae Augustae Violarium rec. et einend, fontium testimonia 
subscr. Joannes Flach. Lips. (Teubner) 1880. 

De artis grammaticae ab Dionysio Thrace compositae interpreta- 
tionibus veteribus in singulos commentarios distribuendis scr. Aljre- 
dus Hilgard. Lipsiae (Teubner) 1880. 

Erotemata grammatica ex arte Dionj r siana oriunda. Maximam 
partem nunc primum edidit Petrus Egenolff". Mannheim (H. Hogrefe) 
1880. 

Francesco Zambeccari und die briete des Libanios. Ein beitrag 
zur kritik des Libanios und zur geschichte der philologie von Richard 
Förster. Stuttgart (Albert Heitz) 1878. 



Nr. 7. Juni. Juli 188«. 



Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



62. De Castorfs clironicis Diodori Siculi fönte ac norma 
scripsit Ludwig Bornemann. Progr. des Catharineum. Lü- 
beck 1878. 32 p. '4. 

Von den erzählenden auszügen aus alten historikern, welche 
Diodor in seine Weltgeschichte verarbeitet hat, unterscheidet sich 
eine reihe von stücken durch ihren notizenhaften, theilweise ta- 
bellarischen Charakter: es sind ausschnitte aus königslisten , li- 
terarhistorische und ähnliche mittheilungen , welche verf. pas- 
send als chronographische stücke bezeichnet. Diese wurden bis- 
her fast allgemein auf Apollodoros zurückgeführt , welchen Dio- 
dor wiederholt als gewährsmann seiner Zeitrechnung bezeichnet 
und gerade in jenen stücken nicht selten citirt. Diels jedoch 
erinnerte, daß Apollodor nicht nothwendig als letzte und unmit- 
telbare quelle derselben angesehen werden müsse , und Geizer 
hat diese vielmehr in der chronik des Kastor zu erkennen ge- 
glaubt. Den gedanken Geizers will verf., ein schüler Curt 
Wachsmuths , eingehend begründen und dahin erweitern , daß 
auch die kürzeren, compendiarisch gehaltenen erzählungen Dio- 
dors auf jene chronik zurückgehen, welche überhaupt als der 
grundstock des ganzen werkes anzusehen sei. 

Wir glauben, daß diese ansieht in der hauptsache , d. h. 
in ansehung vieler, wenn auch keineswegs aller vom verf. her- 
angezogener stücke das richtige trifft, und finden sie durch ei- 
gene Untersuchungen von andern seiten her bestätigt. An 
Kastor fand Diodor einen Vorgänger, den er auf acht Jahrzehnte 
weiter hinaus zu grund legen konnte als den Apollodoros. Der 
endtermin ferner, wie Geizer hervorhebt, ist fast derselbe: Kastor 



Philol. Anz. X. 



26 



374 62. Kastor. Nr. 7. 

geht bis in das jähr des attischen archonten Theophemos , Ol. 
179,4. 61/0, Diodor will sein werk unter Herodes dem nach- 
folger desselben endigen. Unter den von Diodor verzeichneten dy- 
nastiereihen findet sich eine ganz eigenthümliche, die uns ohne die- 
sen Schriftsteller nicht einmal ihrer existenz nach bekannt wäre : 
die quelle seiner kenntniß derselben war offenbar Kastors ava- 
ygaipi] rmv &aX<tTtoygaTt]advt(ot>. Die dauer der mythischen dy- 
nastien von Argos gibt Diodor auf 549 jähre an; diese verwan- 
delt verf. in 649, d. i. in Kastors zahl, eine scharfsinnige und 
wie uns scheint glückliche vermuthung: denn 549 erweist sich 
beim vergleich mit den entsprechenden zahlen andrer Chrono- 
graphen als viel zu niedrig. Diesen gründen fügt verf. noch 
andere hinzu, anf welche wir weniger gewicht legen möchten: 
daß Diodor viele dynastien Kleinasien's , der heimat Kastors, 
anführt, läßt sich auf andre weise erklären und das diodorische 
fragment über Roms gründung und die Latinerkönige , welche 
verf. mit Collmann wegen des darin dem Stammvater der Iulier 
beigelegten pontificats auf Kastor als Zeitgenossen Cäsars (ober- 
pontifex seit 63) zurückführt , gehört unsres erachtens eben we- 
gen dieser stelle einem älteren Griechen an : Apollodoros im 
jähre 143, nicht aber Kastor im jähre 61, konnte schreiben: 
a quo ortam hucusque Iuliam familiam perdurare aiunt (Euseb. 
chron. I, 281). Anstatt solcher gründe hätte verf. ausführen 
können, daß die art und weise in welcher die literarhistorischen 
notizen den Apollodor citiren, einen jüngeren gewährsmann als 
diesen erkennen läßt ; aus der jahrform ferner und aus dem ge- 
ringen sachlichen werth vieler compendiarischer erzählungen 
schließen wir, daß denselben kein historiker sondern ein Chro- 
nograph , aber ein späterer als Apollodoros und an sachkenntniß 
tief unter diesem stehender zu gründe liegt. 

Diese notizenhaft kurzen, aber doch erzählenden und zum 
theil der zusammenhängenden geschichte angehörigen stücke 
konnten schon deswegen nicht aus Apollodoros abgeleitet wer- 
den, weil dessen metrisch abgefaßtes, allem anschein nach bloß 
data enthaltendes Schulbuch den für sie nöthigen räum nicht 
hatte, und da sie doch gleiche quelle wie die oben erwähnten 
chronographischen notizen zu verrathen scheinen, so erweist sich 
die neue ansieht über Diodors hauptquelle als ein fruchtbarer, 
weittragender gedanke. Die durchführung freilich ist mit großen 



Nr. 7. 62. Kastor. 375 

Schwierigkeiten verknüpft. Unser verf. wendet viel mühe auf, 
um die dem Chronographen entlehnten stücke einzeln namhaft 
zu machen , aher , wie uns scheint , oft ohne durchschlagenden 
erfolg ; ihm fehlt ein sicheres kriterium ; den maßstab der kürze, 
welchen er mit andern anlegt, halten wir aus zwei gründen 
für trügerisch. Einerseits ist es, wie er selbst einmal bei der 
bestreitung einer fremden ansieht bemerkt, fraglich, ob die kürze 
nicht auf Diodors eigne rechnung kommt, die ja großen ge- 
schichtswerken gegenüber auch nur ein ausziehendes und abkür- 
zendes verfahren einschlagen konnte; andrerseits ist es möglich, 
daß schon Kastor, von welchem kein die historische zeit betref- 
fendes größeres bruchstück im Wortlaut vorliegt, hie und da 
eine ausführlichere darstellung , eine eigentliche erzählung gege- 
ben hat, und wir sind über sein verfahren überhaupt zu wenig 
unterrichtet , um auf die darstellungsweise ein sicheres urtheil 
gründen zu können. Was hier zwar nicht immer, aber in vielen 
fällen zum leitstern dienen kann, ist, wie schon angedeutet, die 
beobachtung der jahrepoche und die prüfung des sachlichen 
gehaltes. 

Durch diese bemerkungen soll das verdienst, welches den 
vielen vom verf. aus anlaß seiner zwei leitenden gedanken an- 
gestellten und unter anwendung größter kürze (doch ohne über- 
gehung der gründe) in den engen rahmen eines programms zu- 
sammengepreßten einzeluntersuchungen an sich zukommt, kei- 
neswegs geschmälert werden. Es ist ein weitschichtiger und 
schwieriger stoff, den er mit ausdauer, eindringender schärfe 
und sorfältiger Umschau in der neueren literatur behandelt hat; 
seine ergebnisse sind meist der beachtung, oft des beifalls werth ; 
andere fordern zum Widerspruch heraus. Herausheben können 
wir des raumes wegen bloß eine einzige gruppe, die römischen 
stücke, auch diese nur in aller kürze und mit auswahl. Die 
frage nach dem Ursprung dieser in neuester zeit viel besproche- 
nen abschnitte , welche gerne aus Fabius Pictor oder irgend ei- 
nem andern altehrwürdigen annalenwerk abgeleitet werden, tritt 
jetzt in ein neues Stadium : in erster linie kommt nunmehr Kastor 
in betracht und das verdienst , diesen fortschritt herbeigeführt 
zu haben, gebührt den Vertretern des neuen gedankens über 
Diodors hauptquelle, besonders unsrem Verfasser. Derselbe geht 
aber noch weiter. Mit Nitzsch weist er den notizenhaften be- 

26* 



376 62. Kastor. Nr. 7. 

berichten, welche sich hie und da in der ersten dekade des Li- 
vius finden, gleiche quelle wie den diodorischen über Rom zu, 
leitet demgemäß auch jene aus Kastor ab und zwar auf indi- 
rektem wege, durch annähme einer von Livius benutzten chro- 
nik, welche dem Kastor folgte. Die vom verf. hierfür ange- 
führten gründe finden wir nicht zureichend; eingehen wollen 
wir bloß auf den blendendsten. Den groben anachronismus des 
Livius, welcher IV, 29 die erste landung eines punischen heeres 
auf Sicilien in ein den ersten zeiten des peloponnesischen krie- 
ges angehöriges stadtjahr setzt, hat Niebuhr aus Verwechslung 
mit der ersten landung der Athener daselbst (427 v. Chr.) er- 
klärt; der verf. glaubt diese vermuthung zu bestätigen und zu 
vollenden durch die bemerkung , daß diese Diodor [XII, 54] 
in demselben stadtjahr 324/430 berichte wie Livius jene; der 
von letzterem benutzte nachtreter Kastors habe die Verwechs- 
lung begangen , bei Diodor (d. i. Kastor selbst) stehe noch das 
richtige. In Wahrheit aber gibt keiner von beiden jenes stadt- 
jahr , sondern Livius 323 und Diodor 320. — An vier stellen 
Diodors hat man Parteinahme für die römische plebs gefunden; 
eine von ihnen erzählt die entführung des aus der veientischen 
beute für den delphischen gott bestimmten weihgeschenks nach 
Lipara. Dies genügt dem verf. , alle vier stellen dem Timaios 
zuzuweisen: mit der erwähn ung von Lipara fängt ihm sicili- 
sche geschieh te an, also spricht hier, wie er meint, Timaios; 
er sinnt uns